Ägypten, Makadiybay: Die Salem und Shab Sheer, Seite 3

Ägypten, Makadibay: Ein Tauchgang zum Wrack der Salem Express und am Riff Shab Sheer bei Safaga



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Seegrab in 30 Meter Tiefe

Klicke auf das BildKnapp drei Stunden dauert die Bootsfahrt von der Makadibucht zu der Stelle, wo in der Nacht des 15. Dezember 1991 die Salem Express kurz vor Safaga sank, dabei mindestens 700 Menschen, die von Saudi-Arabien zurück nach Ägypten wollten, in die Tiefe riss. In den ersten Jahren nach der Katastrophe waren Tauchgänge zu der rund 110 Meter langen Fähre, nun ein Seegrab, generell untersagt – nun darf man, mehr oder weniger stillschweigend geduldet, das Wrack zumindest umtauchen, aber nicht hineinschwimmen, auch nichts von der Unglückstelle mit an die Oberfläche holen.


Kofferradio am Meeresboden

Unser Tauchgang beginnt in rund 30 Metern Tiefe, bei den Schiffsschrauben der Salem, angerostet, aber als seien sie immer noch funktionstüchtig fest mit dem Schiff verbunden. Wir umschwimmen das Bug, vorbei an den Deckaufbauten des auf der Seite liegenden Wracks.
Klicke auf das BildUnter uns liegen im sandigen Boden, einige zerborstene Teile dieser Aufbauten, aber auch die Überbleibsel Habseligkeiten von Passagieren und Besatzungsmitgliedern.
Da macht sich zum Beispiel gerade ein kleiner Fisch am Gehäuse eines Kofferradios zu schaffen. Eine der beiden Lautsprecherboxen ist noch vorhanden, die andere herausgebrochen. Vielleicht bietet dieses Kofferradio- Gehäuse ja noch weiteren kleinen Fischen einen sichern Unterschlupf. In der Nähe liegt eine große Reisetasche. Der Verschluss ist halb geöffnet, wahrscheinlich aufgeplatzt. Nun quillt aus der Tasche hervor, was von den Textilien in ihr noch erhalten ist. In der Nacht der Katastrophe, als sie über Bord ging, muss diese Tasche prall gefüllt gewesen sein.

Unbenutze Rettungsboote

Klicke auf das BildWir nähern uns dem Heck, kommen an den zwei Rettungsbooten vorbei, die, leer, unbenutzt und ohne erkennbare Beschädigung, nun neben der Salem liegen. Ob sie damals überhaupt von den Trossen los gekommen sind? Irgendwann jedenfalls haben sie sich von den Trossen über ihnen gelöst, sind nun die kleinen Wracks neben dem großen Wrack.
Das Prinzip dieses Tauchganges: Ist der Druck in der Pressluftflasche auf 150 Bahr verbraucht, steigt man zurück auf die Tiefe von 16 Metern, bei hundert Bahr dann auf zwölf Meter.
Weiter oben gibt es auch etwas mehr Fische am Wrack, sehen wir etwa einen bunten Kofferfisch, der an den inzwischen angewachsenen Korallen knabbert, einen Papageifisch, und, etwas entfernt, eine große Makrele, die gerade an der Salem vorbei schwimmt.
Doch insgesamt ist das Wrack immer noch eher spärlich bewachsen, sieht man immer auch nur einzelne Fische, vielleicht einige Exemplare auch paarweise, aber eben keine Schwärme, wie man sie oft bei anderen Wracks findet. Fast scheint es, als scheuten die Lebewesen des Roten Meeres diesen Ort des Todes.

An der Kommandobrücke

Klicke auf das BildAuf einer Tiefe von 16 Metern werfen wir nun von außen also einen Blick in die Kommandobrücke, auch die praktisch leer, wie ausgeplündert. Nur einige Rohre und Leitungen an den Wänden sind noch übrig geblieben – und Fische fühlen sich hier offensichtlich auch kaum welche wohl.
Auch wenn man die Salem eigentlich nicht betauchen darf und wohl auch gar nicht richtig betauchen könnte – in den offen stehenden Laderaum gelangt man schon. Aber das ist ein Tauchgang vor allem in die Dunkelheit: Zu sehen gibt es in dem leeren Raum nichts.
Aber an der Öffnung, an der ich den Laderaum verlasse, erwartet mich ein Paar Clownsfische, zieht sich auch schon ein noch dünner Bewuchs mit Schwämmen und Korallen über die höher liegenden Teile des Wracks, weiden auch schon wieder kleinere Fischschwärme an dem langsam entstehenden neuen Riff.

An den Kanälen von Shab Sheer

Nach unserer Bord-Pause unternehmen wir noch einen zweiten Tauchgang am nahe gelegenen Riff von Shab Sheer, ein Riff, das jetzt durch einen Leuchtturm markiert ist. In zwölf Metern Tiefe begegnen wir hier an den steilen, von Kanälen durchzogenen Riffwänden, einer Muräne, Drückern und vielen anderen Fischen. Der Versuch, die Kanäle zu durchqueren um auch die andere Riffseite zu sehen, scheitert allerdings an der kaum zu überwindenden Strömung, so dass ich diesen Tauchgang relativ rasch beende.


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