Ausflüge rund um Kyrene und in das Kyrene-Gebirge - in das antike Salamis, das mittelalterliche Famagusta, das heutige Magosa - Urlaub in Nordzypern

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Zypern – Türkische Republik Nordzypern: Burgen, Klöster, wilde Esel im Schatten des Fünf-Finger-Gebirges

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Girnes Hafen - touristisches Zentrum Nordzyperns Girnes imposante mittelalterliche Hafen-Festung Bellapais - ein Gebirgsdorf mit gotischer Kathedrale Edremit - ein Dorf in weiß mit griechischer Kirche

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St.-Barnabas-Kloster am Gräberfeld von Salamis In den Ruinen der antiken Metropole Salamis Halb Kirche, halb Moschee - Famagustas Kathedrale Lefkosa - Basarstraße im Schatten der Grenze

Halbinsel Karpaz - letztes Refugium der Wildesel

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Antiphonitis - ein Kloster, versteckt in den Bergen

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Die Ausflugsziele: Karaoglanoglu - Girne (Kyrenia/Kyrene) - St. Hilarion - Bellapais - Güzelyurt - Soli - Edremit - Karaman - St. Barnabas - Salamis - Famagusta (Magosa) - Nikosia (Lefkosa) - Kantara   – Halbinsel Karpaz Dipkarpaz Apostel Andreas Kloster - Kloster Antiphonitis Sourp Magar Buffavento

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Dienstag, 13. November 2001: Ercan – Girne

Gegen 21 Uhr landet unsere Maschine von Turkish Airlines auf dem Flughafen von Ercan. Auf dem Rollfeld stehen lediglich vier andere, ebenfalls türkische, Maschinen – und der Flughafen selbst scheint aus lediglich einer eher kleinen Abfertigungshalle und einem daneben liegenden Verwaltungsgebäude zu bestehen.

Angesichts der eher unbedeutenden Entfernung, die wir zurückgelegt haben, war unsere Reiseszeit extrem lang: Um 11.30 Uhr sind wir aus Berlin abgeflogen – und, die einstündige Zeitverschiebung eingerechnet – nach gut acht Stunden auf Zypern gelandet. Die Ursache: Das international boykottierte Nordzypern ist eben nur über die Türkei zu erreichen – und auch da mussten wir stundenlang auf dem Istanbuler Flughafen auf den Weiterflug warten.

Wer sich bei der Einreise in die Türkische Republik Zypern lieber keinen Stempel in den Pass machen lassen möchte, kann auch mit dem Personalausweis einreisen, muss dann aber ein Formular ausfüllen und gegenstempeln lassen. Wer keine Scheu hat, im Reisepass den Einreisestempel eines völkerrechtlich nicht anerkannten Staates zu haben, kommt ohne diese Formalitäten über die Grenze.

Bei dem Tansfer zu unserem Hotel in Girne passieren wir die Vororte von Nikosia – um diese Zeit ein mehr als ausgestorbenes Provinzstädtchen, wo es auch kaum noch Verkehr auf den Straßen gibt.

Girne, unser Zielort, macht im Vergleich dazu auch am Abend noch einen verhältnismäßig lebhaften Eindruck: Die Geschäfte in den engen Altstadtgassen haben noch geöffnet – doch die Restaurants sind ebenfalls leer.

Mittwoch, 14. November 2001: Karaoglanoglu – Girne

Unser Hotel, das Topset, liegt in der Ortschaft Karaoglanoglu, etwa vier Kilometer westlich von Girne, ein Vier-Sterne-Haus bestehend aus zwei größeren Gebäudekomplexen, mit Swimmingpool und einem eigenen kleineren Strandabschnitt. Zwar scheint noch die Sonne und ist es so warm, dass wir kurzärmelig laufen, eventuell sogar am Strand liegen könnten – aber dazu scheinen hier allerdings weder der Strand noch das Wasser selbst einzuladen. Das Wasser ist teilweise schwarz von Öl- und Teerlachen, der Stand steinig und ebenfalls ziemlich verschmutzt von Plastikabfällen. Wie sagen andere Gäste unseres Hotels, die schon öfter im nördlichen Teil von Zypern waren: „Das Hotel hier und die Strände von Famagusta – das wäre es.“ Nur: Beides zusammen geht eben wohl doch nicht.

Nach dem Treffen mit dem Reiseleiter von Öger-Tours fahren wir ca. gegen 11 Uhr mit dem Dolmus nach Girne. 500.000 Türkische Lira – momentan entsprechen 700.000 Lira einer DM – kostet die knapp zehn Minuten dauernde Tour zur Dolmus- und Taxi-Station von Girne.

Girne – das ist für den Besucher vor allem der alte Hafen, und zu den führt praktisch jeder abfallende Weg beziehungsweise jede abfallende Gasse.  In dem hufeisenförmigen Hafenbecken liegen kleinere Yachten, Ausflugsboote, aber auch kleine Fischerboote, alle geschützt von der mächtigen Hafenmauer, die nur eine kleine Ein- und Ausfahrt frei lässt. Am Rande des Hafenbeckens befindet sich im Wasser ein mittelalterliches Gemäuer – eine Verteidigungsanlage aus vergangenen Jahrhunderten. 

Um das Hafenbecken gruppieren sich im Halbkreis die Häuser der Hafenpromenade, zweistöckige, schon etwas ältere Bauten meist, fast alle mit einem Fischrestaurant oder zumindest einem Straßencafé. Wäre da nicht das Minarett über den Häusern könnte dieser romantische Nobel-Hafen wohl auf jeder beliebigen Insel des Mittelmeeres liegen. Da er aber auf Nordzypern liegt, sind die Restaurants nur spärlich besucht, dümpeln die Ausflugsboote vor sich her.

Der ganze Hafen liegt praktisch im Schatten der mächtigen Burg an der östlichen Seite des kleinen Beckens. Das Kastell soll, so sagen die Reiseführer, das größte und besterhaltenste auf der ganzen Insel sein, wobei einige Reiseführer sogar von der größten Burganlage des östlichen Mittelmeerraums sprechen.

Vier Millionen Lira kostet der Eintritt pro Person. Im Preis inbegriffen ist  nicht nur die Besichtigung der Burg selbst, sondern auch ein Besuch des Schiffsmuseums mit dem rund 2500 Jahre alten Wrack eines antiken griechischen  Seglers.

Doch zunächst geht es quer durch die Burganlage: Wir folgen einem längeren Tunnel zum ersten Besichtigungspunkt, einer byzantinischen Kapelle, einer der älteren Teile dieses Komplexes, auch diese Kapelle mit wuchtigen Mauern wohl nicht nur als Gotteshaus, sondern auch schon als Verteidigungsanlage erreichtet. Ansonsten sieht man von dieser Kapelle nur noch den Mittelraum mit seiner Kuppel – und es lässt sich erahnen, dass der Boden einst mit Mosaiken ausgelegt gewesen sein dürfte.

Von der vorderen, an der Meerseite liegenden Burgmauer – die Wälle sind mehrere Meter breit – sieht man sowohl auf den alten als auch auf den neuen Hafen, doch ein klares Bausystem ist für die Befestigungsanlage nicht zu erkennen: Man stößt auf verschachtelte Innenhöfe, einer wild zugewachsen und praktisch durch keinen Zugang zu erreichen, auf Gänge, die abrupt an einer Mauer als Sackgasse enden. Grund dieses baulichen Chaos, so schreiben die Reiseführer: Während des ganzen Mittelalters hat jeder Burgherr, ob Franke, Venezianer oder Osmane, seine eigenen Spuren hinterlassen – ohne auf das schon Vorhandene Rücksicht zu nehmen.

Aber auch die jüngste Vergangenheit hinterließ ihre Spuren auf den Wällen: In Form eines verrosteten Eisengestells. Während des Bürgerkrieges war hier ein Maschinengewehrnest der Türkisch-Zypriotischen Armee.

Klar strukturiert ist im Gegensatz dazu der großzügige Innenhof mit einigen Palmen, einem Kaffee – und schließlich dem Museumsteil. Zunächst besuchen wir das Museum, das der neolithischen Besiedlung Zyperns gewidmet ist. Wir sehen den Nachbau einer runden neolithischen Steinhütte, einige, teilweise rekonstruierte, Werkzeuge – und schließlich den Nachbau eines Gräberfeldes, vor allem mit Tontöpfen als Grabbeigaben.

Daneben geht es dann in das Schiffsmuseum, das jenem Vier-Mann-Segler gewidmet ist, der, so haben die Forscher an Hand von Kampfspuren herausgefunden, von Samos kommend kurz vor der nordzyprischen Küste von Piraten aufgegriffen wurde.

Im ersten Raum dieses Museums sind die Amphoren ausgestellt, die der Segler an Bord hatte – und für die sich die Piraten nicht interessierten. Dann steigt man eine Treppe hoch, kommt durch eine Glastür – und schaut von einer Empore auf die Überreste des alten Schiffes, das 1968 geborgen wurde.

Erhalten geblieben ist zwar nur der Rumpf, kohlrabenschwarz, an den Rändern brüchig – aber daran, wie die einzelnen Holzteile verfugt und verstrebt sind, sieht man noch heute, mit welcher Sorgfalt die antiken Schiffsbauer ans Werk gegangen sind.

Nach dem Museumsbesuch trinken wir noch einen Kaffee, schlendern dann durch die Geschäftsstraßen der Altstadt – je näher die Läden am Hafen liegen, desto teurer sind sie auch – fahren dann vor 17 Uhr wieder in unser Hotel.

Der Tag war zwar ausgesprochen warm – aber um 17 Uhr ist es bereits stockfinster.

Donnerstag, 15. November 2001: St. Hilarion – Bellapais (Beylerbey)

Mit dem Taxi fahren wir am Vormittag in das Gebirge, zunächst noch über die neue Autobahn, dann immer noch über eine gut ausgebaute Gebirgsstraße – die allerdings schon bald in militärisches Gelände führt. Anhalten und Fotografieren sind, so warnen überall die Hinweisschilder, streng verboten.

Dabei lädt das Panorama des Kyrenia-Gebirges geradezu zum Fotostopp ein.

Noch vor sieben Jahren, so berichtet unser Taxifahrer Eidal, seien die Höhenzüge dicht bewaldet gewesen. Dann habe ein drei Tage andauerndes Feuer den Wald vernichtet.

Schließlich taucht hinter einer Biegung der Felsen auf, auf dessen Spitze sich nun der oberste Turm der Burg St. Hilarion 700 Meter übe dem Meeresspiegel erhebt.

Vom Fuß des Burgberges wird das mittelalterliche Bild eines ummauerten Berges, das Bild von Wällen, die sich den Felsen hochziehen, getrübt: Über die Schlucht vor dem Burgberg ist ein Seil gespannt – und an dem wehen nun, bis an die Küste sichtbar, zwei überdimensionierte Fahnen, die der Türkei und die der Türkischen Republik Nordzypern, die heute den Jahrestag ihrer Gründung feiert.

Für drei Millionen Lira darf man den Burgberg bis an die Spitze besteigen. Die Wege sind gut mit Eisengländern gesichert – ein zwar nicht immer bequemer, aber doch ungefährlicher Ausflug. Auf mittlerer Höhe ist die erste Station eine byzantinische Kapelle, etwas höher folgen dann die königlichen Wohngemächer, und schließlich, ganz auf der Spitze, die alten Küchengebäude und die obersten Wehrtürme, von denen man aus den sowohl die benachbarten Gipfel als auch die Küstenebene, nun 700 Meter unter uns, im Blick hat.

Unser nächstes Tagesziel ist das Gebirgsdorf Bellapais, berühmt für seine gotische Kathedrale – und Schauplatz des Zypern-Romanes „Bittere Limonen“ von Lawrence Durrell.

Zitronen- und Mandarinenbäume finden sich auch heute noch in jedem Winkel dieses Dorfes mit seinen weiß gekalkten Häusern und engen Gassen. Allerdings machen die meisten Häuser einen ziemlich neuen Eindruck – so dass von der alten Dorfromantik einiges abhanden gekommen sein mag.

Am Hauptplatz des Ortes, umgeben nun von Touristen-Restaurants, liegt die alte Kathedrale. Auch auf ihrem Gelände wachsen Zitronen- und Mandarinenbäume, und am beeindruckendsten sind sicherlich die vier mächtigen Zedern, die aus ihrem Innenhof herausragen.

Das Bauwerk mit seinen Wandelgängen, dem alten Kirchenschiff, in dem immer noch die mächtigen Folianten auf den Lesepulten liegen, dem Speisesaal der Mönche und dem kühlen Kellergewölbe ist fast vollständig erhalten – scheint aber für dieses kleine Gebirgsdorf doch etwas überproportioniert.

Freitag, 16. November 2001: Girne 

Am späteren Vormittag fahren wir um Geld zu tauschen mit dem Dolmus nach Girne hinein, schlendern dabei durch die Gassen auf der der Zitadelle gegenüber liegenden Seite der Stadt: Während auf der Zitadellen-Seite mit der Moschee die türkische Hälfte der Stadt liegt, befindet sich hier offensichtlich der alte griechische Teil, mit der Kirche, heute dem Ikonen-Museum, als Zentrum.

Der Platz um diese weiß gekalkte Kirche ist mit weißen Häusern bebaut, die blaue Türen und Fensterrahmen haben – also gehalten in den griechischen Nationalfarben. Das hier könnte auch irgendwo in Griechenland sein!

Das Ikonenmuseum stellt griechische Ikonen aus, viele dem heiligen Georg gewidmet, die meisten den Hinweisschildern nach zu urteilen im 18. und 19. Jahrhundert entstanden, die meisten jedoch schon mit erheblichen Schadstellen.

Samstag, 17. November 2001: Güzelyurt – Soli 

Westlich von Girne ändert sich das Landschaftsbild: Die steilen Felswände, wie wir sie von unserem Hotel aus sehen, verwandeln sich allmählich in eine sanfte Hügellandschaft, teilweise mit jungen Bäumen bewachsen. Auch her wüteten vor einigen Jahren die Waldbrände, aber immerhin wurde zumindest punktuell so etwas wie Aufforstung in Angriff genommen.

Schließlich wird das Gelände flacher, in der Ferne sieht man die Ausläufer des bereits zu Südzypern gehörenden Trodos-Gebirges, während hier auf der türkischen Seite die Straße links und rechts von den weitläufigen Plantagen mit Apfelsinen- und Orangenbäumen gesäumt wird. Wir nähern uns Güzelyurt, der ersten Station unseres Öger-Tours-Tagesausfluges.

Samstag ist in Güzelyurt – ansonsten offensichtlich ein verschlafenes Provinzstädtchen ohne weitere Besonderheiten – Markttag. Orangen und Apfelsinen, die Hauptfrüchte der Region, werden hier heute allerdings nicht gehandelt.  Massenhaft im Angebot befinden sich dafür beispielsweise bis zu faustgroße Radieschen oder Olivenöl in Ein-Liter-Flaschen. Güzelyurts Markt ist ein fast reiner Bauernmarkt auf dem Markthändlerinnen mit Kopftuch oder Farmer mit traditionellen türkischen Kopfbedeckungen das Bild bestimmen; fliegende Textilienhändler oder Plastikwaren aller Art, wie sie in der Türkei auf allen Märkten zu sehen sind, finden sich hier dagegen kaum.

Im Stadtmittelpunkt, soweit man bei dem Marktflecken Güzelyurt überhaupt von einem Stadtzentrum überhaupt sprechen kann, liegen das zweistöckige Museum für Naturkunde und Archäologie und das ehemalige Kloster des Heiligen Mamas, nun als Ikonenmuseum genutzt, unmittelbar nebeneinander.

Zunächst besuchen wir das Natur- und Archäologiemuseum. Ausgestopfte Haie, Fliegende Fische, Schlangen, allerlei Hasen und Füchse, also Vertreter der teilweise bereits ausgestorbenen oder ausgerotteten einheimischen Tierwelt bevölkern die erste Etage, zusammen mit Absonderlichkeiten wie einem Schaf mit zwei Köpfen oder einem anderen Exemplar mit acht Beinen.

Im oberen Stockwerk sind meist ockerfarbene, verzierte Töpferarbeiten aus der Frühzeit der Inselbesiedlung ausgestellt, aber auch eine kleinere Figur der Fruchtbarkeitsgöttin aus römischer Periode.

Attraktion der Mamas-Kapelle, einem Bau aus byzantinischer Zeit, sind nicht unbedingt die kaum zu zählenden Ikonen, sondern der Sarkophag des Heiligen, der fest in den Mauern der Kapelle verankert ist. In diesem Sarkophag befindet sich eine Aushöhlung, in dem sich regelmäßig Öl ansammelt, dem heilende Kräfte nachgesagt werden. Umgeben ist der Sarkophag deshalb auch von bronzenen und kupfernen Nachbildungen aller möglichen Organe – Dankesgaben für vermeintliche Wunderheilungen.

Von Güzelyurt geht es nun die Küste entlang nach Soli, vorbei an einer weiten Bucht, wo verrostete Förderanlagen vom Strand ins Meer ragen. Wir befinden uns im Gebiet der ehemaligen Kupferförderung, heute eine ökologisch tote Region, in der nur die zurückgelassenen Halden an frühere Geschäftigkeit erinnern.

Schließlich erreichen wir die Ruinen des antiken Soli, einer griechischen Stadtgründung, die ihren Reichtum auch schon jenem Kupfer verdankte, das Zypern nach dem griechischen Wort für Kupfer auch seinen Namen gab.

Viel erhalten ist von Soli allerdings nicht. Die wichtigsten Ausgrabungen um die alte Basilika und den Marktplatz liegen jetzt unter einem schützenden Dach – für weitere Grabungsarbeiten fehlt der Türkischen Republik Nordzypern das Geld. Berühmt ist Soli vor allem für die kunstvollen und fast vollständig erhaltenen Mosaiken seiner christlichen Basilika. Beliebtestes Motiv dieser Mosaiken: Der Schwan.

Vollständig restauriert ist das römische Amphitheater von Soli. 3600 Sitzplätze zählt der Bau, bei dem die Zuschauer in den oberen Reihen sowohl auf die Bühne wie auf das Meer blicken.

Nach dem Mittagessen in einem Restaurant am Meer legen wir noch einen Stopp in den Orangenplantagen ein, wo wir uns an den – noch nicht ganz reifen – Früchten bedienen, machen einen weiteren Fotostopp an einem momentan aber kaum Wasser führenden Stausee und sind dann vor Einbruch der Dunkelheit wieder in unserem Hotel.

Sonntag, 18. November 2001: Edremit - Karaman 

In der Nacht wütet der erste Herbststurm über dem Meer – und peitscht voll auf die Wände unseres Hotels. Die ganze Nacht pfeift und heult es, und der Lärm ist teilweise ohrenbetäubend. Der Schlaf ist jedenfalls empfindlich gestört.

Am Morgen dann das doch eher harmlose Ergebnis: Umgestürzte Stühle und Blumentöpfe – aber die Sicht ist dafür so klar, dass man nun das Taurusgebirge auf dem über 60 Kilometer entfernten türkischen Festland deutlich erkennen kann. Und da der Wind allmählich nachlässt, steht auch einem Tagesausflug nichts mehr im Wege.

Dem Hinweisschild an der Kreuzung, wo es von der nach Girne führenden Hauptsraße einerseits zum Strand und zu unserem Hotel, andererseits zu den Gebirgsdörfern Edremit und Karaman geht zufolge, befindet sich bei diesen Gebirgsdörfern auch ein bronzezeitliches Gräberfeld.

Eine kleine, aber tadellos intakte Asphaltstraße, nicht einmal besonders steil oder beschwerlich, führt zu diesen Gebirgsdörfern – und Edremit erreichen wir bereits einem 20minütigen Spaziergang. Das ganz in weiß gehaltene Dorf ist klar griechischen Ursprungs: Davon zeugen vor allem die kleine Kirche am Ortseingang, nun umgewandelt in ein Künstlerstudio, und der kleine Friedhof mit den weißen Kreuzen, von denen einige zerbrochen auf den Gräbern liegen.

Beschaulich – das wäre wohl die geeignetste Charakterisierung für dieses kleine, an die Straße geschmiegte Gebirgsdorf. Eine zweite Kirche, ein grauer, gedungener Bau, ebenfalls griechischen Ursprunges, ein Andenkengeschäft, ein Eckhaus, das ganz zur Auslage eines Korbmachers umgestaltet wurde und ein Supermarkt, der eher ein Tante-Emma-Laden ist – das ist der ganze Dorfmittelpunkt.  

Den Felsen von St. Hilarion vor Augen und in den Ohren das Knallen der Gewehrschüsse – es ist Jagdsaison, und später finden wir noch zuhauf die Hülsen der Schrotpatronen – geht es nun inzwischen etwas steiler nach Karaman, ebenfalls früher ein griechisches Dorf, gehäufelt über die Berghänge verteilt, mit einer weißen Kirche in der Mitte und einem ausgezeichneten Restaurant hinter der letzten Straßenbiegung, von wo aus man den Blick auf die Küste hinab genießen und sich aus allerlei Antiquitäten auch noch ein Mitbringsel aussuchen kann.

Wir suchen aber nach dem bronzezeitlichen Gräberfeld – und das ist trotz des Hinweisschildes am Ortseingang von Karaman gar nicht so leicht auszumachen. Zunächst marschieren wir den Feldweg entlang, der gerade und schnurstracks nach links von der Hauptstraße wegführt. Dieser Weg führt uns schließlich auch tatsächlich zu einem eingezäunten Hügel, über den sich ein dem Anschein nach künstlicher Steinhaufen erhebt. Aber ist das auch wirklich die bronzezeitliche Grabanlage, die wir gesucht haben?

Nicht ganz überzeugt folgen wir dem Feldweg weiter bis zu einer verlassenen und halb verfallenen Kapelle, stoßen aber auf nichts, was auch nur annähernd wie ein Bronzezeitgrab aussieht.

Nach dem Mittagessen in dem schon erwähnten Restaurant namens Treasure machen wir uns noch einmal auf die Suche. Diesmal folgen wir hinter dem Hinweisschild der Biegung des Asphaltweges, nehmen dann den Feldweg, der auf den Hügel unmittelbar vor dem Ortseingang von Karaman führt. Auch hier stoßen wir wieder auf einen Steinhügel und eine ganze Reihe großer Feldsteine – aber auf nichts, was ein Laie sofort als archäologische Fundstätte ausmachen würde.

Im Zweifel, ob wir denn nun gesehen haben, was wir sehen wollten, treten wir wieder den Rückmarsch an.  

Montag, 19. November 2001: St. Barnabas – Salamis – Famagusta

Das Kyrene-Gebirge verdankt seinen Beinamen Fünf-Finger-Gebirge einem einzelnen Felsen, der von Ferne aussieht wie eine geballte Faust mit vier emporragenden Fingerknöcheln und einem Daumenansatz. Allerdings: Je näher man der vermeintlichen Faust kommt, desto mehr erweist sich dieser ferne Eindruck als optische Täuschung. Denn nun bleibt nur noch ein gewöhnlicher gezackter Felskamm.

Über die alte Bergstraße fahren wir Richtung Famagusta – und durchqueren jenseits des Fünf-Finger-Gebirges die nur „Ebene“ genannte Region, eine Landschaft flach und eben wie eine Pfanne, in der sich nur vereinzelt Häuser finden. Den ganzen Sommer über, so erzählt die Öger-Tours-Reiseleiterin, sei die Ebene verbranntes ödes Land.

Das ehemalige St.-Barnabas-Kloster, geweiht einem der frühesten christlichen Märtyrer, liegt einsam am Rande dieser Ebene kurz vor der Küste, inmitten des Begräbnisfeldes des antiken Salamis, bestehend aus der Kapelle, nun ein Ikonen-Museum, und dem darum herum gebauten Wirtschaftstrakt, jetzt ein archäologisches Museum. Die spannendsten Exponate: Terrakotta-Nachbildungen von Streitwagen, Reitern, Pferden, Figuren, die sowohl als Grabbeigaben wie auch als Spielzeug gedient haben mögen.

Ihren ganzen Reiz bezieht die Anlage jedoch aus ihrem gartenähnlichen Innenhof, in dem Kakteen und Palmen wachsen.

Keine hundert Meter entfernt vom Kloster liegt das vermeintliche Grab des heiligen Barnabas. In jedem Fall handelt es sich bei dem Gewölbe um eines der antiken Königsgräber, in dem der Legende nach eben auch der christliche Märtyrer bestattet worden sein soll. Außer den Grabnischen, auf die die Toten gebettet wurden, ist in der Begräbnishöhle aber nichts mehr zu sein. Auffällig aber, wie klein diese Nischen sind, kaum länger als 1,60 Meter – ein Indiz dafür, wie kleinwüchsig die Bewohner des antiken Salamis gewesen sein dürften.

Die Ruinen dieses Salamis sind nun unsere nächste Station – das Amphitheater, das Gymnasium, die römischen Thermen.

Zunächst geht es zu den Überresten des Theaters: Nur die unteren Sitzreihen des einst imposanten Baues sind allerdings erhalten geblieben – das Original soll um immerhin 36 Reihen höher gewesen sein. Trotzdem werden die gemessen daran kümmerlichen Reste heute noch für alle möglichen Aufführungen und Festivals genutzt, wovon jetzt gerade die davon noch übrig gebliebenen Stahlaufbauten im Bühnenraum zeugen, die jetzt aber eher das antike Bild stören.

Ungestört von allen Spuren der Moderne sind dagegen das Gymnasium und die Thermen. Gut erhalten sind der Säulengang um die alte Sportfläche und vielerorts die Mosaiken, die den Fußboden schmückten. Unmittelbar neben den Resten des Gymnasiums schließen die römischen Toiletten an – bei denen die Wasserrinnen und auch die Sitze an der Mauer des halbrunden Baues noch gut erkennbar sind. Interessant: Von den Toilettensitzen aus konnte man ursprünglich ungehindert dem Sportgeschehen im Gymnasium zusehen – die Trennmauer, die heute den Blick auf das Sportfeld verwehrt, wurde erst in christlicher Zeit gezogen.

Das frühe Christentum als Bilderstürmerei – davon erzählen auch die Götterfiguren in den Thermen, denen die christlichen Herrscher die Köpfe abschlagen ließen. Etwas besser ging es den Mosaiken, die Geschichten aus der griechischen Mythologie erzählen: Damit niemand die Götterbilder zu Gesicht bekommt, wurden die nämlich einfach zugemauert. Das sicherte ihnen zumindest das Überleben, bis sie von den Archäologen freigelegt wurden. Doch weil die Türkische Republik Nordzypern kein Geld hat, ihre Altertümer zu schützen, sind sie nun allen zerstörerischen Einflüssen von Umwelt und Witterung ausgeliefert.

Wie achtlos man mit den Zeugen des kulturellen Erbes umgeht, das bekommen wir auch bei unserer eineinhalbstündigen Erkundungstour durch das mittelalterlich geprägte Famagusta zu erfahren. Unser Rundgang beginnt bei dem aus der venezianischen Zeit stammenden mächtigen Othello-Tor, mehr eine Burg als ein einfaches Stadttor, tatsächlich eine raffiniert durchdachte Befestigungsanlage am Hafen, die jeder Besucher der Stadt zu durchqueren hatte. Doch in der Halle, in der einst die Ritter lagerten, nisten heute die Tauben – und verrichten ihr Geschäft über den in Sandstein gearbeiteten Reliefs von Ritterhelmen. Ein Marmorblock mit der Darstellung eines Ritters mit Pferd liegt achtlos im Festungshof.

Von der Stadtmauer aus gewinnt man einen Eindruck von dem Reichtum, den Famagusta im Mittelalter ausgestrahlt haben muss: Zwischen den Palmen ragen die nun hohlen Ruinen der einst prächtigen Kirchenbauten empor.

Vor dem Verfall geschützt dürfte zumindest die alte Krönungskathedrale sein: Die trägt nun auf einer Seite statt eines Kirchturms ein Minarett und ist Famagustas Hauptmoschee. Im Inneren wurden alle Bilder und Statuen entfernt, bedeckt lediglich ein grüner Teppich den Boden des Kirchenschiffes, das auf diese Weise immerhin seine klaren geometrischen Strukturen erkennen lässt.

Gleich gegenüber der Moschee-Kathedrale liegen die Überreste des venezianischen Gouverneurspalastes. Mehr als die Mauern sind von dem nicht geblieben – doch dafür fügen die sich um so harmonischer in das Stadtbild ein, bei dem Moderne und Vergangenheit immer wieder miteinander zu verschmelzen scheinen.

Dienstag, 20. November 2001: Girne

Auf Fototour durch Girne, ausgehend von der weißen Kapelle mit dem Ikonen-Museum: Die engen Gassen bergen eine Unmenge an Motiven.

Und manche davon wirken geradezu schon pittoresk: Gegenüber der Kirche liegt ein kleines Stück Sandsteinfels frei, in dem zu griechisch-römischer Zeit Höhlen geschlagen wurden. Ob diese Höhlen als Grabkammern oder zur Vorratshaltung dienten, verrät das Hinweisschild zwar nicht – aber über diesen Höhlen durfte offensichtlich problemlos ein kleines weißes Einfamilienhäuschen errichtet werden. Den Eingang zu anderen griechisch-römischen Höhlen entdecke ich neben dem Eingang zu einem Restaurant. Wäre nicht das Hinweisschild, würde man wohl meinen, dort ginge es zum Weinkeller. Aber vielleicht hat es sich ja genau darum gehandelt.

Mittwoch, 21. November 2001: Nikosia (Lefkosa)

Etwa eine halbe Stunde dauert die Fahrt mit dem Dolmus-Taxi von Girne nach Nikosia – oder Lefkosa, wie die türkischen Zyprer ihren nördlichen Teil der Inselhauptstadt nennen. Die Dolmus-Taxis sind siebensitzige Mercedesse, verkehren die üblichen Dolmus-Strecken im Express-Verkehr, also ohne Zwischenstopps. Die Tour Girne – Lefkosa kostet eine Million Pfund, und endet direkt in der Altstadt und nicht, wie der normale Dolmus, in der Neustadt.

Wir halten kurz hinter dem Girne-Tor, der Hauptzufahrt in den ummauerten Teil der Stadt, von wo aus die Straße in gerader Linie zum Hauptplatz, dem Ata-Türk-Platz führt.

Das Girne-Tor ist ein zweispuriger Mauerdurchbruch mit einem aus Stein gebauten Pavillon in der Mitte. Eigentlich ist in diesem Pavillon, gebaut in der Zeit der Venezianer, von den Osmanen um eine kleine Kuppel ergänzt, eine Touristeninformation untergebracht – aber die hat gerade geschlossen.

Zunächst wandern wir in westlicher Richtung von außen um die Stadtmauer herum, passieren dabei unmittelbar neben dem Girne-Tor eine Kaserne, die innerhalb der alten Festungswälle errichtet wurde. Nikosias Stadtmauer ist mehr breit als hoch, abgeschrägt statt gerade. Vermutlich war den Erbauern der Schutz vor feindlichem Kanonenfeuer wichtiger als der Schutz vor Sturmleitern.

Durch das nächste Tor gehen wir nun in die Altstadt zurück, geraten in ein verfallendes Viertel, wo der Putz von den Hausfassaden bröckelt, an manchen Balkonen und Erkern das alte Fachwerk hervorscheint. Auf solche Ecken stößt man in Lefkosa vielerorts – und etliche Altstadtgassen scheinen inzwischen auch von ihren letzten menschlichen Bewohnern verlassen, weisen nur noch zugenagelte Fensterläden auf.

Hinter dem Ata-Türk-Platz beginnt die „Altstadt der Altstadt“, das Basar-Viertel, in dem auch fast alle Sehenswürdigkeiten von Nikosia liegen, vor allem die alte Sophienkirche, jetzt die Selimiye-Mosche, die Karawansei oder das alte Frauenbad.

Die Gassen dieses Marktviertels werden von einstöckigen Häusern gesäumt, viele dieser Gebäude eigentlich nicht einmal richtige Häuser, sondern gemauerte Verkaufsstände – und etliche von denen versperrt, geschlossen für immer. Dennoch: Was von diesem Basarviertel noch lebt, erscheint allemal exotischer und türkischer als das, was in den türkischen Touristenorten als Basar firmiert.

Aber mitunter landet der Besucher in einer unvermittelten Sackgasse: Der Weg endet an einer Brand- oder Hausmauer, an einer sonstigen Absperrung, ein rotes Hinweisschild mit dem Bild eines Soldaten zeigt an, dass es hier nicht weiter geht. Hinter dieser Absperrung liegt die „Green Line“, das Niemandsland, das nur von UNO-Soldaten betreten werden darf, und von dem man nur leere Fensterhöhlen und zerschossene Fassade sieht. Jenseits dieses Niemandslandes beginnt die griechische Republik Zypern, von hier aus erkennbar an der Skyline mit ihren neuen Hochhäusern.

Auf der türkischen Seite der Grenze tut man sich schwerer mit solchen Neubauten. Immerhin: Die alte Karawansei ist frisch instandgesetzt, die Wände in den Räumen des zweistöckigen Komplexes frisch gestrichen: Demnächst soll hier und Kunstmuseum eröffnen. Versperrt ist dagegen der Zugang zur kleinen Schwester der großen Karawansei: Auf dem Innenhof des  kleinen „Han“ blüht das Unkraut – und in der Außenmauer hat sich ein Kaffee niedergelassen.

Die alte Sophienkathedrale dient nun – erkennbar an dem auf den gotischen Bau aufgesetzten Minarett – als Moschee, doch der danebenliegende überdachte Markt lockt die Einwohner von Lefkosa weit mehr an.

Skurril das Bild des ehemaligen Frauenbades, immer noch als türkisches Bad genutzt: Der Eingang liegt weit unter dem Straßenniveau, scheinbar so, als müsse man über den Kellerraum ins Bad treten. Tatsächlich ist das Bad noch auf der Originalhöhe der Stadt. Die umliegenden Gebäude und auch die Straße sind auf den Ruinen der vergangenen Jahrhunderte errichtet.

Wir beenden unseren Stadtrundgang im Dachgeschoss, dem achten Stock des Serail-Hotels am Ata-Türk-Platz. Von diesem höchsten Gebäude des türkischen Nikosia, hat man den Überblick über Lefkosa schlechthin, auf die Minarette seiner Moscheen, auf die klare quadratische Struktur der Karawansei, auf die zerfallenen Gebäude im Niemandsland und das sich im Vergleich dazu als moderne Großstadt abhebende südliche Nikosia des griechischen Teils. Doch dafür sind die Berge auf der „türkischen“ Seite mit der Nachbildung der Landesflagge der Türkischen Republik Nordzypern geschmückt.

In dem Dachgeschoss-Restaurant des Serail-Hotels kommen von einem Plattenspieler europäische Opernmelodien – nur für uns als die einzigen Gäste.

Donnerstag, 22. November 2001: Famagusta

Etwa 70 Minuten dauert die zwei Millionen Pfund teure Fahrt mit dem Dolmus-Taxi von Girne nach Famagusta.

Durch das „Land-Tor“ gelangen wir in die Altstadt, stoppen dann an der anderen Seite vor dem Seetor, gleich neben der Konditorei, die als die beste im ganzen nördlichen Zypern gilt.

Unser Weg führt diesmal nicht durch die Stadt hindurch, sondern um sie herum – immer der Innenseite der Stadtmauer folgend, manchmal auch auf der Stadtmauer entlang. Tatsächlich vermittelt ein solcher Spaziergang an den mächtigen meterdicken Wällen, teilweise noch einmal durch eine Vormauer und einen Graben abgesichert, noch am ehesten einen Eindruck von der einstigen Bedeutung dieser Handelsmetropole zwischen Okzident und Orient-

Vom Seetor Richtung Norden laufend stößt man bald, kurz vor dem Othello-Tor, stößt man auf die Reste der Kirche von „St. Georg, dem Lateiner“, im Schatten des nordwestlichen Martinengo-Bastion am Rande eines ehemaligen militärischen Sperrgebietes auf zwei weitere, zumindest dem äußeren Anschein nach gut erhaltenen Kirchengebäuden, der ehemaligen Karmeliterkirche und dem Gotteshaus der armenischen Gemeinde von Famagusta. Auch wenn es wohl kaum 365 Kirchen und Kathedralen waren, wie mittelalterliche Chronisten behaupteten – jede christliche Strömung hatte hier ihr eigenes religiöses Zentrum. Absolut bescheiden mutet dagegen die alte Moschee der Gerber an, die ebenfalls an der westlichen Landseite der Hafenstadt liegt.

Schließlich erreichen wir das „Land-Tor“ mit seiner Rivettina-Bastion – eher eine eigene Burg, als nur die Verteidigungsanlage eines einzelnen Stadttores, eine Befestigungsanlage mit eigenem Vorhof, eigenen Wehrgängen und Unterkünften für die früher vermutlich zahlreichen Wachmannschaften.

Vom Plateau der Riventtina-Bastion hat man schließlich auch einen hervorragenden Blick über die Dächer der Altstadt, aus deren Mitte sich golden schimmernd die gotischen Türme und das Minarett der ehemaligen Krönungskathedrale St. Nikolaus-Kirche, die jetzige Mustafa Pasa-Moschee erheben.

Probleme bei der Rückfahrt: Zwar sitzen wir zum vereinbarten Zeitpunkt, um 15.30 Uhr in der Konditorei, der Taxifahrer ist auch da – aber weil wir noch bei Tee sitzen, fährt er eine Minute vor der vereinbarten Zeit los. Das nächste Dolmus-Taxi, so erfahren wir in der Station, würde erst gegen 17.30 Uhr nach Girne fahren. Also spazieren wir zum Busbahnhof von Famagusta, gelegen in der Neustadt, weit außerhalb der Stadtmauern, nehmen dann für 1,5 Millionen Lira das normale Dolmus nach Girne.

Freitag, 23. November 2001: Kantara – Halbinsel Karpaz – Dipkarpaz – Apostel Andreas Kloster

Östlich von Girne beginnt das Land der Olivenbäume. Die Asphaltstraße ist schmal, kurvenreich und bröselt an ihren Rändern allmählich ab, die Gegend nur spärlich bewohnt.

Um 9.00 Uhr sind wir mit dem Taxi – Yasan, unser Fahrer, hat 19 Jahre in Deutschland gelebt, stammt von der türkischen Schwarzmeerküste, lebt aber nun seit sieben Jahren in der Türkischen Republik Nordzypern – zu unserer Tagestour auf die Halbinsel Karpaz aufgebrochen, und nach gut einer Stunde befinden wir uns auf der Bergstraße zu unserem ersten Etappenziel, der Kreuzritterburg Kantara, der östlichen der drei Burgen des Fünf-Finger-Gebirges. Die Burg liegt noch zwei Kilometer von dem gleichnamigen Gebirgsdorf entfernt, ist zunächst von der Straße auch gar nicht so ohne weiteres zu erkennen: Zu sehr schmiegen sich die hellen Mauern an die gleichfarbigen Felswände.

Den – spärlichen – Überresten nach zu urteilen war Kantara keine sonderlich große Festung, und heute stehen hinter dem Tor nur noch zwei überdachte Gebäude.

Lohnend wird ein Ausflug nach Kantara aber durch den Blick auf den Strand der nun vor uns liegenden Halbinsel Karpaz, auf die immer flacher werdenden Ausläufer des Fünf-Finger-Gebirges, eine Aussicht, in der die hervorragenden Felsen der einzige Blickfang sind, auf Landschaft pur ohne Spuren menschlicher Besiedlung.

Wir verlassen die Burg, und inzwischen ist auch der Burgwächter eingetroffen, um die zwei Millionen Lira Eintritt abzukassieren. Stolz zeigt er uns, was er zwischen den Büschen gefunden hat: Einen suppentellergroßen essbaren Pilz, eine wahrhaft runde Mahlzeit.

Über eine gut ausgebaute neue Straße fahren wir Richtung Iskele, nehmen dann nördlich von Salamis die Küstenroute, vorbei an hübschen Stränden, wo hier und da mitunter auch ein Hotel zu finden ist, und nach einer Kaffeepause in einem kleinen Bauerndorf erreichen wir Dipkarpaz, schon auf der Halbinsel Karpaz, nordöstlichste Ortschaft der Insel.

Die Besonderheit von Dipkarpaz: Hier leben Türken und Griechen, wenn zwar nicht direkt beisammen, so doch immerhin in einem Ort. Die Griechen – nach Yasans Angaben noch etwa 30 Menschen, die bereits alle Rente aus dem Südteil der Insel beziehen und regelmäßig durch UNO-Transporte versorgt werden, weil sie nicht in den türkischen Läden kaufen – verfügen über ihre eigene Kirche und ein gegenüberliegendes Kaffee mit dem Namen Ahellas als Treffpunkt im unmittelbaren Ortskern. Die Kirche ist wohl die einzige intakte und entsprechend ihrem eigentlich Bauzweck genutzte in ganz Nordzypern – und stellt durch ihre exponierte Lage die neue, und natürlich größere, aber abseits gelegene Moschee in den Schatten.

Hinter Dipkarpaz beginnt das Land der Esel und Schafe. Kleinere Herden von Wildeseln äsen am Rande der Straße, nie mehr als ein halbes Dutzend, mitunter sieht man auch ein einzelnes Tier, eines steht allein am Strand. Die Wildesel sind schwarz, größer als die grauen Hausesel, scheu, traben davon, wenn man sich ihnen nähert, aber auch nicht übermäßig ängstlich. Panische Flucht vor Menschen ist jedenfalls nicht angesagt. Ein Esel hat es sich sogar neben einer Schafherde gemütlich gemacht.

Zwar gilt Karpaz als die Halbinsel der Wildesel – aber gemessen an der Unmenge von Schafen ist ihre Zahl eher unbedeutend. Herden von einigen hundert Tieren ziehen durch die steppenähnliche Landschaft – und die verfallenen Stallungen oder Hirtenunterkünfte, auf die man überall links und rechts der Straße stößt, sind auf lange Strecken die einzigen menschlichen Bauwerke. Nur wenige Hotels sind an dieser Einöde entstanden – allerdings an weiten weißen Sandstränden, wie man sie sonst an der Nordküste kaum zu sehen bekommt.

Fast an der Spitze der Halbinsel liegt das Kloster des Apostel Andreas, umgeben von einer nun leer stehenden Ferienanlage.

Das Kloster – einmal im Jahr Ziel von gut tausend griechischen Pilgern – wird bewacht von einigen gelangweilten türkischen Polizisten sowie gut 20 Katzen, die regelmäßig von den beiden alten Griechinnen gefüttert werden, den Hüterinnen des Heiligtums.

Das eigentliche Herzstück des Klosters befindet sich an der zum Strand liegenden Außenmauer des ansonsten schmucklosen, langgezogenen weißen Baus: Der Brunnen mit dem angeblich heilenden Wasser, entdeckt von eben jenem Apostel Andreas.

Der Innenraum der Kirche ist düster – obwohl hier sogar einige Opferkerzen brennen. Auch wir kaufen jeweils eine Opferkerze bei der am Eingang stehenden Greisin, das Geld soll eine Spende für den Erhalt der Anlage sein. Ansonsten ist der Altarraum mit Ikonen übersät, nicht viel anders als in den Kirchen, die nun als Ikonen-Museum dienen.    

Wir beenden unseren Karpaz-Ausflug mit einem Fischessen in dem ansonsten leer stehenden Blue Sea Hotel, gelegen an einer schönen Bucht mit einsamem Sandstrand und einem eigenen kleinen Fischerhafen, in dem auch einige Boote auf ihre nächste Ausfahrt warten. Aber auch, wenn das alles nach Urlaub in absoluter Ruhe und Idylle ausschaut, scheint sich nur selten ein Reisender hierher verirrt.

Samstag, 24. November 2001: Kloster Antiphonitis – Sourp Magar – Buffavento

Der Weg zum Kloster Antiphonitis, östlich von Girne, fünf Kilometer oberhalb des Küstenortes Esentepe gelegen, führt durch einen grün blühenden Kiefernwald, über eine kurvenreiche Waldsraße, die sich mehr und mehr in einen ungepflasterten Wanderweg verwandelt, übersät mit Schlaglöchern.

Auch Yasan kennt die Route nicht: Er war noch nie bei dem Kloster. Es gibt nicht viele Touristen, die danach fragen, sagt er.

Die letzten 700 Meter sind für unser Taxi jedenfalls nicht mehr zu bewältigen, wir müssen laufen. Die Mönche hatten sich einst einen wirklich einsam gelegenen versteckten Ort für ihr Kloster gesucht.

Das erste, was der Wanderer von Antiphonitis zu Gesicht bekommt, sind die roten Ziegel seiner Kuppel. Das Kloster liegt unterhalb des Weges auf einer kleinen Ebene mit Blick auf die tief unter uns liegende Küste. Es ist ein bescheidener Bau, ohne äußeren Schmuck, umgeben von kleinen Hof, aber alles tadellos erhalten bzw. wie das Kuppeldach, das in manchen Reiseführern als zerfallen beschrieben wird, in jüngerer Zeit rekonstruiert. Doch die Tür des Kirchengebäudes ist verschlossen – und einen Wächter, der sie öffnen könnte, gibt es hier nicht.

Während wir zum Wagen zurück gehen, fallen die ersten Regentropfen – und die Fortsetzung unserer Tour wird immer fraglicher.

Wir steuern die Bergfestung Buffavento an, passieren einen großen Picknickplatz mit Tischen und Bänken, die aber angesichts der Regenwolken auch keinen Besucher anlocken können. Unterhalb der Straße entdecken wir die traurigen Überreste der armenischen Kirche von Sourp Magar. Nicht viel mehr als die Fundamente und einige halb zerfallene Mauern sind von dem armenischen Denkmal geblieben.

Über eine schmale Piste auf einem Bergkamm, immer den Fünf-Finger-Berg vor Augen, geht es weiter, bis wir zu seinen Füßen den Abzweig zur Burg Buffavento erreichen. Doch zunächst wollen wir in einem Restaurant einen Kaffee trinken. Ein Glücksfall! Denn während wir im Trockenen sitzen, fängt es in Strömen an zu regnen. Angesichts des Wetters brechen wir unsere Tour ab, lassen uns von Yasan nach Girne fahren, wo wir den Rest des Tages verbringen.

Sonntag, 25. November 2001: Edremit - Karaman 

Olivenernte in Edremit, beobachtet bei einem Feld alter, knorriger Olivenbäume: Eine Bäuerin steht auf dem Stamm des Olivenbaumes, schlägt mit einem langen Stock so lange gegen die Zweige, bis die reifen Oliven zu Boden fallen. Der Bauer winkt auf der Straße die Autos vorüber, dirigiert sie so, dass sie nicht etwa die kostbare Ernte kaputt fahren.

Wir wollen nach Karaman, fest entschlossen, diesmal die richtigen Bronzezeitgräber zu entdecken. Und das ist eigentlich leichter als gedacht. Man darf sich eben nicht von Hügeln, Feldwegen und Steinhaufen irritieren lassen. Man muss nur an dem Hinweisschild am Ortseingang von Karaman dem Hinweisschild den Asphaltweg bis zum Ende folgen, an einigen vornehmen Wohnhäusern vorbei, stößt dann auf ein weiteres Hinweisschild, folgt etwa 30 Meter einem Trampelpfad – und hat dann das Gräberfeld erreicht.

Es handelt sich tatsächlich eher um ein Gräberfeld als um eine Ansammlung einzelner Gräber: Es sind mehrere etwa zwei Meter tiefe in den Stein geschlagene Gruben, verbunden durch ein unterirdisches Höhlensystem. Von einigen Gruben führt nur eine Höhle ab, von anderen zwei, aber die Verbindungslinien bleiben doch auch für den Laien erkennbar. Über eine der Gruben ist eine Steinhütte gebaut worden – und in diese Grube kann man nun hinabsteigen, an der Grubenwand das Relief eines Mannes erkennen. Möglicherweise hatte dieser Grabzugang einst eine besondere Bedeutung.

Nach einem Kaffee im Treasure spazieren wir nun noch ins Dorfzentrum, wo ich hübsche weiße Häuser an die gewundenen, aber saubere Gassen schmiegen. Vor dem Kirchplatz – auch die Kirche in strahlendem weiß – sprudelt romantisch ein kleiner Brunnen. Karaman ist zweifellos das schönste Dorf, das wir in Nordzypern besucht haben, bevorzugtes Domizil auch von Engländern und Deutschen, wie die Namen an den Häusern verraten.

Montag, 26. November 2001: Girne

Ein letzter Tag zum Shoppen in Girne: Allerdings ist das Angebot an möglichen Souvenirs eher spärlich. In den meisten Läden werden eher kitschige Keramiken angeboten, dazu gibt es ein ebenfalls eher dürftiges an Postkarten.

In dem Keramikladen in Edremit hatten wir gestern schon eine handgewebte Tischdecke gekauft – und ähnliche Handarbeiten finden wir nun im Rundturm von Girne, einem mittelalterlichen Gemäuer, das den mit Abstand besten Souvenirladen – besser: ein richtiges Kunstgewerbegeschäft – beherbergt. Neben Webarbeiten gibt es auch hier natürlich Keramiken und Tonarbeiten, Amphoren und ähnliches, aber auch eine ganze Reihe von Drucken, beispielsweise eine Reihe, die Girne im um das Jahr 200, um 1600 und um 1900 zeigt.

Auf dem Rückweg zum Hotel werden wir nach einem schönen Sonnentag vom Regen überrascht. Der Winter macht sich nun auch auf Zypern zunehmend bemerkbar.

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