In der Antike nannten die Griechen die Halbinsel im Norden des Schwarzen Meeres Taurien - dann wurde die Krim zur Heimat vieler Völker.

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Ukraine, Krim: Jalta, Sewastopol – Zarenpaläste und Griechenstädte am Schwarzen Meer

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Blick auf Jalta - im Hintergrund das Krim-Gebirge  Das "Schwalbennest" - die Attraktion der Südküste Küste bei Jalta: Felsen und Klippen im Meer Der Liwadija-Palast - Lieblingspalast des Zaren

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Die Strandpromenade von Jalta mit klassizistischen Palästen Der Woronzow-Palast bei Alupka - im Stil der Mogulen  Chersones - die antike griechische Stadt Sudak - mächtige Festung der Handelsherren aus Genua

Mit der Seilbahn von Misschor auf den Aj-Petri

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1300 Meter hoch: Der Aj-Petri, höchster Berg des Krim-Gebirges

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Die Reiseziele: Simferopol, Jalta, Liwadija, Alupka, Sewastopol, Sudak, Mißchor, Aj-Petri

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Sonntag, 8. Juli 2001: Simferopol – Jalta (Lastotschinko Gnesdo, das „Schwalbennest“)

Gegen 2.30 Uhr morgens Ortszeit – nach etwa drei Stunden Flug von Frankfurt/Main – landet unsere Maschine auf dem Flughafen von Simferopol, der Hauptstadt der Krim. Um diese Uhrzeit  allerdings bringt der deutsche Ferienflieger das einzige Leben: Wären wir nicht, der Flughafen wäre ausgestorben.

Mehr als eine Maschine gleichzeitig wäre bei diesen Bedingungen aber wohl auch schwer zu bewältigen. Denn bevor wir uns in die Schlange anstellen können, in der man auf die Einreisstempel wartet, gilt es zunächst noch die vorgeschriebene Krankenversicherung – eine Mark für jeden Reisetag – abzuschließen. Das dauert natürlich auch seine Zeit, und als wir schließlich beide Schlangen bewältigt haben, ist unser Gepäck bereits vom Förderband genommen, alles zusammen gestapelt worden. Dabei werden Reisende, die bei DER-Tours gebucht haben, sogar noch zuvorkommend behandelt, von örtlichen Reiseleitern an den entscheidenden bürokratischen Engstellen vorbei geschleust. Trotzdem: Es fast 4.30 Uhr, als wir mit dem Bus zur eineinhalbstündigen Fahrt nach Jalta aufbrechen können.

Simferopol – präziser: die Trabantensiedlungen, die wir passieren – schläft noch. Der Eindruck beim Vorbeifahren: Verhältnismäßig weit auseinander liegende Wohnblöcke im einheitlichen Plattenbaustil, manche Blöcke sogar noch mit etwas von der Norm abweichender Phantasie gebaut, alles durchaus sauber – aber viele Fassaden bröckeln bereits oder zeigen Spuren der Verwitterung. An unserem Weg liegt eine einsame Moschee, nur klein, aber offensichtlich erst in jüngerer Zeit gebaut. Es bleibt allerdings auch die einzige Moschee, die wir auf der weiteren Fahrt zu Gesicht bekommen.

Östlich von Simferopol beginnen die Berge, dicht bewaldet, doch die Bergkuppen sind allesamt kahl. Dabei sind die Gebirge eigentlich nicht so hoch, dass die Baumgrenze erreicht werden dürfte.

Eine Besonderheit dieser Gebirgsstraße: Es gibt hier eine elektrische Überleitung für den Trollybus, der zwischen Simferopol und Jalta verkehrt. Um diese Uhrzeit ist der Trollybus aber noch nicht unterwegs. Noch haben wir die gut ausgebaute Straße scheinbar ohnehin für uns alleine.

Die ersten Gebäude von Jalta, an denen wir vorbeikommen, sind Sanatorien, beispielsweise ein Erholungsheim für Bergarbeiter. Das Erholungsheim liegt eher in den Bergen als am Meer – und so werden die Bergleute mit einer Seilbahn zu „ihrem“ Strand gebracht. Solche Seilbahnen, die die höher gelegenen Sanatorien mit dem Meer verbinden, sehen wir noch öfter. Gegen sechs Uhr früh sind wir dann endlich in unserem Hotel, dem Hotel Jalta, ebenfalls ein riesiger Betonkomplex des sozialistischen Stils, nun aber mit einer ganzen Galerie von Geldspielsautomaten vor dem Eingang. Von unserem Zimmer im fünften Stock sehen wir auf das Schwarze Meer, auf die Bucht von Jalta, die Berge – und in der Ferne jene Klippe, auf der, mit bloßem Auge jedoch nicht erkennbar, das als „Schwalbennest“ bezeichnete Schlösschen, Wahrzeichen der südlichen Krim-Küste, steht.

Nach drei Stunden Schlaf und dem Frühstück im Speisesaal machen wir uns auf den Weg in die Stadt. Dabei nehmen wir zunächst den Weg durch den neben unserem Hotel liegendenden Massandrapark, eine wirklich großzügige gepflegte Grünanlage, in der sich sowohl ein kleineres Gesundheitszentrum als auch eine orthodoxe Kirche befinden, deren goldene Kuppel wir von unserem Zimmer aus bewundern können. Als wir die Kirche besuchen, hat der Priester dort gerade einige Gläubige um sich geschart. Am Eingang werden Ikonen verkauft.

Der Küstenstraße folgend kommen wir an einigen weiteren „Erholungseinrichtungen“ vorbei – wobei man aber mitunter nicht sagen kann, ob sie gegenwärtig überhaupt noch benutzt werden. Schließlich sind wir in dem „alten“ Jalta der engen Straßen und der ein- bis zweistöckigen Häuser, viele davon mit hübschen Holzbalkonen, das alles vielleicht noch am ehesten ein Bild des „alten Russland“, wenn nicht überall die Elektroleitungen wären, die nun auch den Fotoblick auf einen höher gelegenen rosa Kirchenbau, natürlich auch mit goldener Kuppel, behindern.

Die Menschen strömen zum Wasser, viele der Einfachheit halber schon in Badebekleidung. Dabei kann hier in der Nähe des Hafens von einem Strand nicht wirklich die Rede sein: Die Badegäste liegen auf den steinernen Molen, scheinen es aber trotzdem zu genießen. Für die kleinen Flächen von Kiesstrand muss jeweils Eintritt gezahlt werden.

Wir wollen mit dem Schiff zum „Schwalbennest“, zum Lastotschinko Gnesdo, wie es auf russisch heißt. Dazu müssen wir nun an dem Hafengebäude vorbei, über den Leninplatz, wo  nun der in einer Grünfläche stehende Lenin auf eine McDonalds-Filiale an der Wasserseite blickt und heute unmittelbar vor dem Denkmal des Revolutionärs die Bühne für die abendliche Freilicht-Disco errichtet wird.

Am Leninplatz beginnt die Strandpromenade, breit, mit vornehmen Gebäuden, wie sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden ist und an der, zumindest baulich, die Jahre der Sowjetunion, fast spurlos vorüber gegangen sind. Es herrscht ein Menschengewimmel, und am Straßerand sitzen vor allem alte Leute, die nun irgend etwas feilbieten, aber offensichtlich nur selten Käufer für ihre Waren finden.

Die Ausflugsdampfer zum Schwalbennest fahren im 15- oder 30 Minutentakt. Die Fahrt kostet zehn Griwna, etwa 4,50 Mark, und das Boot ist gut besetzt; Die meisten Reisenden stammen, wie auch bei uns im Hotel, aus Russland. Jedenfalls wird an Bord fast nur russisch gesprochen.

Die Küste von Groß-Jalta ist geprägt von ihrer lieblichen Natur einerseits, den Bausünden der Betonarchitektur vergangener Jahre andererseits. Schroffe, zerklüftete Felsen – einer wie ein zertrümmerter Vulkankegel – ragen aus den tannenwaldbewachsenen Hügeln hervor, und darunter liegt dann entweder unmittelbar am Wasser ein einfallsloser Betonklotz  oder ein solcher Block ragt aus den Hügeln hervor. Während einige dieser Monumente sowjetischer Architektur nun zu Vergnügungszentren geworden sind, es gibt Wassersport aller Art, sind andere nun leerstehend dem Verfall preisgegeben.

Der Boden des „Schwalbennestes“, Ziel unserer 30-Miniten-Fahrt, schwebt gefährlich aussehend über dem schmalen Klippenvorsprung in etwa 50 Meter Höhe über dem Meer. Wären nicht die vielen Menschen auf der Plattform, könnte man den grauen, nicht einmal großen Bau vom Wasser aus für ein verwunschenes Märchenschloss halten – mit Türmen, Zinnen und Fahnen.

Das „Schwalbennest“ hat dabei mit russischen Schlössern oder russischer Architektur eigentlich wenig zu tun: Ein Öl-Millionär vom Kaspischen Meer ließ das Schlösschen zu Beginn des 20. Jahrhunderts in dem romantischen Stil nachbauen, den man seinerzeit für den Stil mittelalterlicher Rheinburgen hielt – und hätte das „Schwalbennest“ eben nicht die herausragende Lage auf seiner Klippe, von wo es jeden Moment ins Meer zu stürzen scheint, wäre es womöglich als der Spleen eines reichen Exzentrikers längst der Vergessenheit anheim gefallen.

So aber pilgern täglich etliche hundert Besuch die Stufen zu der Klippe hinaus, zahlen die zwei Griwna Eintritt, um das Phantasieschloss – heute Sitz eines italienischen Edelrestaurants – von Nahem in  Augenschein zu nehmen. Unbeeindruckt von dem touristischen Treiben zeigt sich dagegen das Möwenpaar, dass sich zwischen den Dachzinnen häuslich eingerichtet hat.

Lohnender als der neoromantische Bau selbst ist jedenfalls der Ausblick auf die Bucht von Jalta und die unmittelbar von der Mauer steil herabfallenden Felsklippen.

Wieder zurück in Jalta verbringen wir den Rest des Tages am hoteleigenen Strand, den man vom Hotel aus mit dem Fahrstuhl erreicht. Von der Fahrstuhlstation führt dann ein etwa hundert Meter langer Tunnel ans Wasser.

Es ist ein kleiner, voller Kiesstrand, wo die Badegäste auf Holz- oder Plastikpritschen liegen. Das Wasser erscheint aber nach der Hitze des Tages ausgesprochen frisch.

Montag, 9. Juli 2001: Jalta - Liwadija 

Fester Bestandteil des Programms unseres Veranstalters DER-Tours: Eine „Stadtrundfahrt“ durch Jalta mit Besuch des Liwadija-Palastes, im Februar 1945 Schauplatz der historischen Jalta-Konferenz.

Die Fahrt nach Liwadija – ein kleines Dorf in unmittelbarer Nachbarschaft von Jalta – ist eine Fahrt entlang der russischen Geschichte der zweiten Hälfte des 19. und des frühen 20. Jahrhunderts. Wir kommen an dem ersten Luxushotel Jaltas vorbei, früher Treffpunkt der Reichen und Prominenten, für das sich aber immer noch kein neuer Nutzer gefunden hat und das nun seinem Schicksal überlassen ist. Andere Prachtbauten dieser Epoche, etwa ein hübsches in rosa gehaltenes Gebäude, dienen eher profanen Zwecken, zum Beispiel als Polizeistation.

Der Liwadija-Palast, den sich Zar Nikolaus II als Sommerresidenz, die er zwei mal im Jahr besuchte, bauen ließ, besteht aus weißem Kalkstein, dem das Schloss auch seine Bezeichnung „Weißer Palast“ verdankt. Der Bau steht inmitten eines großzügigen Parks, und natürlich kann man von fast allen Balkonen und Fenstern des Schlosses ungestört über die Bucht und auf das Meer blicken.

Das Erdgeschoss ist ein Museum der Jalta-Konferenz: Auf dem runden Tisch, an dem sich die engeren Konferenzteilnehmer trafen, stehen noch die Flaggen der drei Teilnehmerstaaten Sowjetunion, USA und Großbritannien, darum herum die Stühle der Begleiter und die Sessel von Churchill, Roosevelt und Stalin. Die an der Wand hängenden Fotos zeigen, wer damals wo gesessen hat.

Einer der Konferenzräume, das ehemalige Billardzimmer des Zaren, liegt am italienischen Garten, in dem das Abschlussfoto gemacht wurde und der für zahlreiche russische Filme, etwa „Goya“, als Kulisse diente.

Die oberen Stockwerke des Schlosses sind nun zu einem Zentrum der Zarenverehrung geworden, von dem noch vor zwei Jahren hier kein einziges Foto hing, wie unsere Reiseleiterin Irena berichtet. Jetzt strömen die Besucher wieder in das Arbeitszimmer von Nikolaus II, in das Schlafzimmer mit den Familienfotos und in das Arbeitszimmer der Zarin als auch in das Musikzimmer, in dem noch immer das alte Grammophon als auch der weiße Flügel stehen.

Nach der Oktoberrevolution hatten die Bolschewiki dabei aus dem ganzen Schloss das erste Sanatorium gemacht, das ausschließlich Bauern vorbehalten war – was allerdings wohl auch dazu führte, dass etliche Einrichtungsgegenstände nach und nach „verschwanden“.

Nach dem Schloss-Besuch fahren wir zurück zur Strandpromenade von Jalta. Zu Sowjetzeiten, so Irena, habe es hier keinen einzigen Eisstand, keinen Kiosk oder ähnliches gegeben. Nun reiht sich hier Stand an Stand. Allerdings: Ach wenn uns ein Eis für umgerechnet 70 Pfennig spottbillig erscheint – für die Einheimischen ist es nahezu unerschwinglich. Ein Arzt kommt auf umgerechnet 120 Mark im Monat, ein Rentner erhält keine 50 Mark. Etwas besser gestellt sind die Beschäftigten in den Touristenhotels. Da kann s ein Kellner auf 250 Mark bringen – aber eben auch nur in der Saison.

Abseits der Uferpromenade gelangen wir in die Gegend der einst vornehmeren Bewohner von Jalta, meist Intellektuelle und Künstler aus ganz Russland, die sich hier irgendeinmal einmal niedergelassen haben wie beispielsweise der Dichter Anton Tschechow, an dessen Theater wir vorbeikommen: Ein grauer neoklassizistischer grauer Bau mit wuchtigen Säulen, der allerdings eine Renovierung dringend benötigen würde. Ein Komponist hatte sich seine Villa nahe der Uferpromenade im griechischen Stil errichten lassen, und hier ist die eine Hälfte inzwischen in Gänze zur Ruine verkommen, während Teile des Hauptbaus zumindest wiederhergestellt wurden – um nun als Restaurant zu dienen. Eine ukrainische Dichterin, deren Denkmal nun vor ihrem alten Anwesen steht, hatte ihr Haus zumindest im landestypischen Stil errichten lassen: Aus Muschelkalkstein mit hölzernen Balkonen.

Früher, so Irena, waren diese herrschaftlichen Villen mit Zwischenwänden durchzogen worden um „kommunale Wohnungen“ zu schaffen. In der neuen Ukraine werden die Zwischenwände wieder entfernt, der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt und – wie beispielsweise im Haus der Dichterin – ein Museum errichtet.

Den Nachmittag verbringen wir entspannt in unserem Hotel. Eigentlich wollen wir um 15.30 Uhr zu der Delfin-Show aber die fällt heute aus, womöglich, weil es mittlerweile bewölkt ist und auch einige Regentropfen vom Himmel fallen. Einer der Angestellten lässt uns trotzdem in das Delphinarium: In dem kleinen Becken tummeln sich drei Tiere, zwei graue Delfine, die gelangweilt durch das vermutlich viel zu kleine Becken schwimmen und ein größeres weißes Tier, vielleicht ein Schweinswal, der müde durch das Wasser gleitet.

Nach dem Besuch des Delphinariums liegen wir noch einige Zeit am Swimmingpool, bis uns die Regentropfen von dort vertreiben.

Dienstag, 10. Juli 2001: Alupka (Woronzow-Palast) – Aj-Petri

Mit dem Bus – einem Modell, das gut aus den 50’er Jahren stammen könnte – fahren wir für 75 Kopeken in die Innenstadt, zum Markt, weil von hier aus die Buslinie 26 nach Alupka, einem kleinen Ort etwa 15 Kilometer westlich von Jalta entfernt, führen soll. Doch ohne Russischkenntnisse nach einer Buslinie zu fragen erweist sich als schier unmögliches Unterfangen, weswegen wir uns schon bald für eine Fahrt mit dem Taxi entscheiden. 50 Griwna verlangt der Fahrer, sicherlich viel für hiesige Verhältnisse, aber preiswert mit unseren Augen betrachtet.

Wir nehmen zunächst die gleiche Strecke wie gestern – wobei auch noch hinter Liwadija immer wieder auffällt, wie gut die Straßen der Krim in Schuss sind: Kein Schlagloch behindert die freie Fahrt. Dafür sind die Straßen allerdings sehr kurvig – und die Fahrweise der Einheimischen ist mit „risikofreudig“ noch sehr vorsichtig umschrieben.

Ohne, dass wir etwas von dem Dorf oder auch der Stadt Alupka selbst gesehen hätten, endet unsere Fahrt nach etwa einer halben Stunde am Park des Woronzow-Palastes, eines Schlosses, das sich ein russischer Adeliger in der Mitte des 19. Jahrhunderts inmitten eines botanischen Gartens zu Füßen des Aj-Petri, des höchsten Berges der Umgebung, bauen ließ.

Ein russisches Schloss? Die grauen Mauern würden wohl eher zur Festung eines indischen Maharadschas passen! So, wie der Ölmillionär des Schwalbennestes seine Vorliebe für die deutsche Romantik hegte, lebte Graf Michail Woronzow offenkundig sein Faible für indische Exotik aus.

Für die Innenausstattung des Anwesens gilt das allerdings kaum: Hier finden wir die üblichen Bildersammlungen aus der gräflichen Ahnengalerie, einen holzgetäfelten Speiseraum mit durchaus geschmackvollen Landschaftsgemälden und schließlich, mit Abstand der einprägendste Eindruck, einen „Wintergarten“ mit allen möglichen exotischen Pflanzen, umrahmt von schneeweißen Marmorfiguren.

Die Schlossbesichtigung endet an der Südfassade, natürlich mit Blick aufs Meer, dem imposantesten Teil des Gebäudes: Vom Park aus führt eine Treppe, bewacht von Marmor-Löwen, zu einem arabischen Prachtbau! Selbst eine arabische Inschrift ziert diesen Südeingang, der zum Wahrzeichen des Woronzow-Palastes geworden ist.

Fünf Autominuten vom Landgut Woronzow entfernt stoppt unser Taxifahrer, der die ganze Zeit auf uns gewartet hat, an der Seilbahnstation zum Aj-Petri. 18 Griwna pro Person kostet die Fahrt über die rund drei Kilometer lange Strecke, die wir in zwei Etappen zurücklegen.

Der erste Teil der Seilbahnfahrt hat noch etwas Gemütliches: In geringer Höhe geht es über ordentlich bearbeitete Weinberge, über eine überschaubare Waldschneise – und ohne Aufregung endet diese Etappe an der zweiten Seilbahnstation, wo wir umsteigen müssen.

Nun geht es steil und rasant auf die Felswände des Aj-Petri zu, manchmal so, als wolle die Gondel unmittelbar darauf zu halten um dann zu zerschellen. Kurz vor der oberen Station hält sie abrupt an, schaukelt etwas und läuft dann die letzten Meter in die Station ein.

Es ist kühl auf dem Aj-Petri. Vor uns liegt ein grün bewachsenes Plateau, und etliche Fremdenführer warten mit Pferden, Esel und sogar Kamelen auf die Besucher, um sie zum Rundritt zu überreden. Doch die Wolken ziehen unmittelbar über den Boden, und während man in einem Augenblick das ganze Plateau übersehen kann, reicht wenige Sekunden darauf die Sicht nur noch ein paar Meter weit.

Einige Wanderwege führen um dieses Plateau herum, einer zu einem Felsvorsprung, von dem aus man – bei anderem Wetter – in das Tal hinab blicken könnte.

In einem Freiluft-Restaurant essen wir zwei Schaschlik und versuchen uns in Kommunikation mit der Kellnerin: Die spricht zwar einige Worte deutsch – aber um zu erfahren, was für ein Schaschlik wir wollen, muss sie ein Schwein auf ein Blatt Papier malen. Wie auch immer: Das Essen hier oben ist weit besser als die Menüs, die wir im Hotel serviert bekommen.

Wieder auf dem Heimweg nach Jalta legen wir noch einen Stopp an einer Aussichtsplattform ein, von der aus man das Schwalbennest von der Landseite bewundern kann: Von hier aus wirkt es allerdings gar nicht so geheimnisvoll wie von der Seeseite aus.

In Jalta gebe ich dem Fahrer für die Rückfahrt noch einmal 50 Griwna und 15 Griwna Trinkgeld, so dass uns die ganze Tour – ohne Seilbahnfahrt, Eintritt für Schloss und Essen – 120 Griwna gekostet hat. Dann schauen wir uns noch kurz auf dem Markt um, auf dem an kleinen Ständen billige Textilien, Plastikwaren aller Art , aber auch Früchte und Haustiere, junge Katzen, Welpen, ein Meerschweinchen angeboten werden. Kurz nach 15 Uhr fahren wir dann wieder mit dem Bus ins Hotel zurück.

Mittwoch, 11. Juli 2001: Sewastopol – Chersones

Zu Füßen des Krimgebirges geht es Richtung Westen nach Sewastopol, links der kurvenreichen, aber gut ausgebauten Straße die weiten Buchten mit ihren Klippenvorsprüngen, rechts der Straße die nadelholzbewachsenen Hügel und kahlen Felsen des Krimgebirges. Hoch sind die Felsen nicht, bilden aber die bizarrsten Formen, wie etwa in der Nähe des Kurortes Simeis das einer sprungbereiten Karte, mit zurückgelegten Ohren am Kopf, Tatzen und einem hochgezogenen Rücken – eine Felsform, der der Berg seinen Namen Katzenberg verdankt.

Nicht weit davon entfernt steht auf einem hervorragenden Felsplateau einsam eine Kirche vor dem steil abfallenden Abgrund. Vier junge Adelige hätten eine Kutschfahrt durch die Berge unternommen, die Pferde seien gescheut, durchgegangen – hätten dann aber auf wundersame Weise unmittelbar vor dem Abgrund gehalten. Aus Dankbarkeit für die Rettung seiner Tochter hätte einer der Väter der jungen Ausflüglerinnen diese Kirche gestiftet, erzählt unsere Reiseleiterin Irena als Gründungslegende der einsamen Kirche, die in den Jahren der Sowjetunion als Lagerschuppen diente und nun wieder für Gottesdienste genutzt wird – obwohl weit und breit keine Ansiedlung zu sehen ist.

Ein kleines weißes Gebäude markiert die Stadtgrenze von Sewastopol: Bis vor acht Jahren war hier noch die Polizeistation, an der von allen Vorbeikommenden die Papiere kontrolliert und Ausländer zurück gewiesen wurden: Als Heimathafen der russischen Schwarzmeerflotte war Sewastopol militärisches Sperrgebiet, konnte auch von Einheimischen nicht so ohne weiteres besucht werden und war für Ausländer generell gesperrt.

Der Stadtrand von Sewastopol ist von Weinfeldern und Datschensiedlungen geprägt. Es folgen die Trabantensiedlungen, ähnlich denen von Simferopol, aber größer und auch trister wie auch grauer. Obwohl alle Blöcke bewohnt sind, bröckelt vielerorts der Fassadenanstrich, fehlen an etlichen Fenstern die Gardinen.

Wir passieren den Markt von Sewastopol: Eine riesige freie Fläche, auf der die Händler ihre Waren ausgebreitet haben, Textilien an Leinen zwischen den Bäumen gehängt wurden. Feste Markthäuschen sieht man kaum auf diesem Markt für Billigwaren aller Art.

Unsere erste Station in Sewastopol ist das Panorama-Museum, ein Rundbau auf einem der Hügel, die einst als „Festungshügel“ der Verteidigung der Stadt dienten.

Das Panorama-Museum beherbergt ein einziges Gemälde, das die gesamte Fläche der Innenwand ausfüllt: Ein Panoramabild des französischstämmigen, aber russischen Schlachtenmalers Franz  Roubaud,  der mit seinem Kolossalgemälde die Ereignisse des 6. Juni 1855, als englische, französische und türkische Truppen die Stadt zu stürmen versuchten, nacherzählt.

Zwei Stockwerke hoch ist das Museum, und auf dem Podest im oberen Stockwerk stehend hat man nun den Eindruck, als befände man sich entweder unmittelbar auf dem Schlachtfeld oder zumindest in einem der Realität extrem nahe kommenden Wachsfigurenkabinett. Die Kombination von Wandgemälde einerseits, den davor aufgebauten Modellen von zerstörten Bunkern, Pferdekarren, Kanonen und Feldküchen andererseits schafft das Gefühl von Dreidimensionalität, lässt den Betrachter an den Schlachtereignissen unmittelbaren Anteil haben. Die Nachbildung eines gefallenen Soldaten, der nun mit einer Plane abgedeckt am Rande des Feldes liegt, scheint fast echt!

Rund 4000 Figuren sind auf dem Gemälde verewigt – und einige treten als Einzelpersonen regelrecht heraus aus dem Bild: Ein verwundeter Soldat, ein Feldchirurg bei der Arbeit, eine Krankenschwester, die die Kämpfenden mit Wasser versorgt.

Sewastopol ist die Stadt der Denkmäler: Rund 2000 sollen es insgesamt sein, die überall in den Straßen stehen, die meisten davon, so Irena, zur Erinnerung an die militärische Vergangenheit. Und so stehen heute noch die Statuen von adeligen Generälen friedlich neben den heroisierenden Matrosen- und Rotarmistenstatuen aus der Sowjetzeit.

Die Stadt ist sauber, ihre Straßen breit, die großzügigen Plätze hell und die Häuser wirken jenseits der Trabantenstädte durchgehend vornehm, von Säulen gestützt, monumental wie etwa der „Club der Seeleute“. Dennoch wirkt Sewastopol auf den Fremden distanziert: Noch gibt es keine Straßencafés, die als Anlaufpunkt dienen, keine Einkaufsmeilen mit einladenden Schaufenstern – eine Stadt, irgendwo zwischen Aufbruch und Museum ihrer selbst.

Unser Ziel ist das Ruinenfeld des antiken Chersones, 500 Jahre vor Christi von griechischen Kolonisten gegründet, dann bis ins 14. Jahrhundert als Siedlung erhalten geblieben – und wohl die Stadt, von der das Christentum in das Gebiet des späteren Russland gebracht wurde.

Die antike Stadt liegt an zwei Buchten, und das erste, was der Besucher zu sehen bekommt, ist die mächtige Stadtmauer, die noch weitgehend erhalten ist. Kurz hinter der Stadtmauer folgt als erster Anlaufpunkt die Münzstätte der griechischen Kolonialstadt, daneben das kleine Theater, von dem allerdings nur die Mauern des Orchesters und einige wenige Sitzreihen erhalten sind.

Auf dem Gelände der ehemaligen Agora steht nun, alle anderen Gebäude überragend, die Kathedrale des heiligen Wladimirs, eines slawischen Fürsten, der als einer der ersten zum Christentum übergetreten ist. Die Kathedrale wird momentan allerdings im Eiltempo für die geplante Wiedereröffnung renoviert, ist deshalb nicht zugänglich.

Chersones, als komplettes Grabungsgebiet zum Freilichtmuseum erklärt, bietet aber auch ohne die Kathedrale genügend Sehenswürdigkeiten: Hervorragend erhalten – beziehungsweise rekonstruiert – sind die Grundmauern der alten Wohnhäuser, der Weinkellereien, denen die Stadt ihren Reichtum verdankte, und, fast am Meer gelegen, der Säulengang einer Basilika aus dem fünften nachchristlichen Jahrhundert.

Zum Abschluss unseres Rundganges begegnet uns, angeführt von einem noch jungen Popen, eine kleine Pilgergruppe, die hinunter zur Bucht zieht.

Wir fahren in die Stadt zurück, wo wir mit einer winzigen Schaluppe eine Hafenrundfahrt unternehmen: Unterhalb der grauen Kasernenbauten rosten die Reste der russischen Schwarzmeerflotte im Wasser: Einstige Schnellboote, U-Boote, ein Lazarettschiff – kaum etwas, was noch irgendwie seetüchtig erscheint, alles eher für das endgültige Abwracken bestimmt.

Wir passieren eine mit einem Adler gezierte Säule, eines der zentralen Denkmäler von Sewastopol – Erinnerung an die russischen Schiffe, die während des Krimkrieges von 1854 bis 1856 in den Buchten versenkt wurden, um die alliierten Schiffe am Einlaufen zu hindern. Auf der anderen Seite – als Kontrast dazu – dann ein Denkmal aus der Sowjetzeit.

Wir gehen im ursprünglichen Stadtzentrum wieder an Land – und hier entwickelt sich nun mit Straßencafés, Kiosken, Markthändlern zwischen all den vornehmen Prachtbauten auch so etwas wie urbanes Leben.

Nach dem Mittagessen in einem Kellerrestaurant – es gibt Pilzsalat, Soljanka und Filet – fahren wir zurück nach Jalta, passieren dabei den Feriensitz von Michael Gorbatschow, wo der letzte Generalsekretär der KPdSU während des gescheiterten Militärputsches gefangen gehalten wurde. Man sieht das Areal nur von der Straße aus, erkennt nicht viel mehr als das rote Ziegeldach einer sicherlich geräumigen Villa, aber eben doch ein bescheidener Bau gemessen an den Palästen, die wir bisher gesehen haben.

Donnerstag, 12. Juli 2001: Sudak 

Richtung Osten nach Sudak: Wir bleiben zunächst auf der Hauptstraße, die auch nach Simferopol führt, passieren Gursuf im Schatten des Bärenfelsen, ein mit Wald bewachsener Berg, der aussieht wie ein schlafender Bär, dessen Schnauze bereits im Wasser liegt, kommen an einem Kinderferienlager vorbei, das zu Sowjetzeiten bis zu 40.000 Kinder gleichzeitig beherbergte.

Nach dem Abzweig nach Simferopol wird die Straße etwas enger und kurviger – ist aber dennoch tadellos in Schuss. Wir fahren durch Aluschta, eine etwas größere Stadt mit ländlichem Charakter, kleinen Häuschen mit Gärten unweit des Zentrums.

Der östliche Teil der Südküste unterscheidet sich landschaftlich durchaus vom westlichen Teil. Die Berge, durch die wir fahren, sind  nicht so steil – und schließlich gibt es hier sogar größere Strände, zwar auch keine Sandstrände, aber doch Kiesstrände, um die herum sich Zeltplätze und kleine Badeorte entwickeln, einige dem Anschein nach wildwüchsig entstehend.

In solch einem Badeort – laut Irena vor allem von Moskauern besucht – machen wir für eine halbe Stunde Station: Der grobkörnige Kiesstrand ist dicht belegt mit Badegästen, es gibt eine Strandpromenade mit Imbissbuden und kleinen Restaurants, in denen vor allem Fisch angeboten wird, Bretterbuden, in denen allerlei Strandutensilien verkauft werden und einen kleinen Obst- und Gemüsemarkt. Hier entwickelt sich gerade auf urwüchsige Weise eine touristische Infrastruktur.

Einen anderen Stopp machen wir an einem Naturstrand, an dem sich ebenfalls schon Campinggäste zu Füßen einer alten Festungsruine niedergelassen haben und schließlich verbringen wir eine halbe Stunde an einem – fast – menschenleeren langen Strand, der noch nicht von sonnenhungrigen Badegästen mit Beschlag gelegt wurde.

Gegen acht Uhr waren wir aufgebrochen, gegen 11.30 Uhr erreichen wir nach kurvenreicher Fahrt Sudak, auf den ersten Blick ein Landstädtchen inmitten einer unüberschaubaren Zahl von Weinfeldern, die erste Stadt auf der Krim, auf der nicht sofort die Plattenbausiedlungen ins Auge springen, sondern weit auseinander ein- bis zweistöckige Häuser an der Straße liegen, in kleinen Gärten Datschen stehen.

Unser Ziel ist die alte Genueserfestung aus dem 14. Jahrhundert – und eigentlich nur bei der Anfahrt vermittelt sich aus der Ferne ein Bild von den tatsächlichen Ausmaßen dieser Burganlage: Ein ganzer Berg von mächtigen Mauern mit Türmen umgeben, ein Gelände von rund 20 Hektar als unbezwingbare Burg.

Man betritt die Festung von Sudak durch einen ummauerten Vorhof, passiert dann das zweite Tor – und steht nun auf dem hügeligen Festungsgelände, auf dem aber nur wenige Gebäudeüberreste erhalten geblieben sind: Unmittelbar an der der Landseite zugewandten Festungsmauer stehen die Fundamente einiger Wohnhäuser und die Trümmer einer katholischen Kirche, die aber nicht mehr als solche erkennbar ist. Ein anderes – intaktes – aus grauem Stein bestehendes Gebäude sieht von außen aus wie eine Moschee, diente in seiner Geschichte aber mal als armenische, mal als griechisch-orthodoxe Kirche – und heute als Ausstellungshalle für die Fundstücke des Festungsgeländes: Gerundete Steine, mit denen man im Ernstfall die Katapulte bestückte, Gefäße, Werkzeug... Nur eine nach Mekka ausgerichtete Gebetsnische belegt, dass hier tatsächlich einmal eine Moschee geplant war.

Obwohl die Meerseite der Festung bereits durch die 50 Meter hohen steil abfallenden Klippen genügend geschützt gewesen sein sollte, haben die Genuesen auch hier eine mächtige Mauer errichtet, die zum Haus des Befehlshabers geführt hat.

Von den Gängen auf dieser Mauer schaut man nun auf das Meer – und auf den vollen Badstrand von Sudak. Bis zu 180.000 Gäste, so Irena, beherbergt der selbst nur 12.000 Einwohner zählende Ort jährlich. Auch wenn dies Zahlen aus früheren Zeiten sein dürften – bei ukrainischen und russischen Urlaubern jedenfalls scheint sich Sudak nach wie vor größter Beliebtheit zu erfreuen.

In einem Hotel ist ein Mittagessen für uns arrangiert – dann fahren wir wieder zurück in unser Hotel in Jalta.

Freitag, 13. Juli 2001: Mißchor – Aj-Petri

Noch einmal auf den Aj-Petri, diesmal allerdings bei Sonnenschein und klarer Sicht. 30 Griwnas kostet die Taxifahrt von Jalta zur Seilbahnstation in Misschor – und angesichts des schönen Wetters herrscht entsprechender Andrang.

Nur wenige Schritte neben der oberen Seilbahnstation ist das erste Wanderziel: Ein Felsplateau mit einer erhöhten Kuppe, wenige Meter davon entfernt, aber unerreichbar, eine vereinzelt stehende Felszacke mit einem Kreuz auf der Spitze.

Der Weg zu dem vorgeschobenen Aussichtspunkt führt steil über glatte Steine, holperig – gefährlich scheinend, zumal nirgends eine Sicherung für die zahlreichen Wanderer zu sehen ist. Allerdings: Man muss auch nicht unbedingt bis zur Spitze dieses Felsvorsprunges, um einen atemberaubenden Blick die Steilwände hinunter auf die Küste zu genießen.

Der Weg über die Hochebene ist jedenfalls weitaus bequemer: Wanderwege führen durch die liebliche Landschaft mit kleineren Hainen von Nadelwald. Grünerer Wiese und blühenden Gebirgsblumen. Im Dunklen sollte man diese Wege aber so ohne weiteres nutzen: Plötzlich stehen wir an einer tief abfallenden Felsspalte – ein regelrechtes Felsloch, nicht abgesperrt, aber mit hineingeschlagenen Treppen, die dem Abgrund entgegenführen.

Bevor wir den Berg wieder verlassen, essen wir noch ein Schaschlik in einer der Holzbaracken, die ein regelrechtes Dorf an der Seilbahnstation bilden. Und: Vor fast jeder dieser Baracken wird Wein aus Fässern angeboten, den man sich dann in Plastikflaschen füllen lässt. Der Wein ist meist süß, hat den Geschmack von Most – und geht nach einigen Proben kräftig in den Kopf und in die Beine.

Samstag, 14. Juli 2001: Jalta

Nach dem Frühstück fahren wir mit dem Linienbus ins Stadtzentrum, machen uns von dort auf den Weg zur Kathedrale des Heiligen Johannes Chrysostomos, deren rosaner Glockenturm ständig ins Auge springt,

Dabei ist der Glockenturm gar nicht so hoch: Die Kirche liegt auf dem Polikurhügel, jener Anhöhe, auf der in der Antike griechische Kolonisten die erste Stadt anlegten.

Von dieser griechischen ist allerdings nichts geblieben – und die orthodoxe Kirche, ganz bin rosa mit Kuppeln, die an maurischen Stil erinnern, liegt nun inmitten eines kleinen, gepflegten Parks.

Das Innere der Kirche mutet fast bescheiden an: Holzgetäfelte Wände sind mit Ikonen geschmückt, einige davon nicht gemalt sondern geknüpft. Für 40 Griwna kaufen wir am Eingang eine Ikone, die den Namenspatron der Kirche darstellt.

Nach einem Rundgang über den Basar fahren wir zurück ins Hotel, wo wir den Rest diesen letzten Krim-Tages am Meerwasser-Pool verbringen. Der Swimmingpool würde eine Renovierung dringend verkraften!

Das „Jalta“: Rund 2500 Betten hat es in den 16 Etagen, etliche Restaurants, ein eigenes Varieté, einen hübschen Park mit allerlei Statuen – und strotzt dennoch vor allmählichem Verfall. Nicht nur der Poolbereich mit seinen zerborstenen Kacheln bräuchte eine Überholung; ein daneben liegendes Parkhaus, wohl kurz vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion begonnen, kam über die Phase des Rohbaus nie hinaus, verschandelt nun die Aussicht.

Die Zimmer sind zwar ordentlich eingerichtet, aber wie viele wirklich vermietet sind, kann niemand sagen: Das Jalta gehört nämlich noch dem ukrainischen Staat – und der privatisiert den „Erholungs-Palast“ aus der Breschnew-Ära scheibchenweise. Der dritte Stock – vom Fahrstuhl sieht man nur die Etagenbar – wurde beispielsweise an einen ominösen Investor verkauft: Jedenfalls residieren dort finanziell besser gestellte Russen, und einige von denen kommen mit Leibwächter, die vor dem Hoteleingang auch schon mal diskret ihre Waffen sehen lassen.     

Es sei alles so herunter gekommen, klagte uns gegenüber am Swimmingpool eine deutsche Touristin, die vor 20 Jahren schon einmal im Jalta abgestiegen war. Ob das Jalta überhaupt noch 20 weitere Jahre steht, wird auch von denen, die hier arbeiten, bezweifelt: Aber in der Stadt selbst werden gerade einige der alten Kurhotels restauriert, andere warten darauf, wieder in Betrieb genommen zu werden.

Die Betonburgen abzureißen wäre für die Krim da wohl kein Verlust – sondern eher ein Schritt auf dem Weg zum gehobenen Erholungsort.

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