Spanien, Kanararen, Teneriffa - Berg-Tour zum Teide, Seite 4

Ein Tag in der Bergwelt von Teneriffa - Masca, der Nationalpark Teide und ein altes Weingut bei Vilaflor



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Eine Insel aus drei Teilen

Einführender Naturkundeunterricht des Reiseleiters bei einer Tour mit dem Panoramabus in die Bergwelt Teneriffas: Vor Millionen von Jahren waren hier noch drei voneinander getrennte Inseln, die erst durch den Vulkanismus in ihrer Mitte zusammenwuchsen. So ist der Teide, Spaniens höchster Berg, nicht nur Teneriffas Zentrum und Wetterscheide, sondern auch Vater und Mutter der Insel.
Bei der Fahrt ins Landesinnere passieren wir kleine Bergdörfer, Bananenplantagen, ab und an Kaffeepflanzen. Von denen sind einige mit weißen Flecken überzogen, Zeichen eines Läusebefalls. Diese Läuse wurden in früheren Zeiten zu einem begehrten Farbstoff verarbeitet, bildeten so eine Grundlage der Inselwirtschaft.
Jedenfalls gibt es hier im Hochland, wo zwar auch kein Regen fällt, aber Kondens- und Grundwasser gesammelt und verteilt werden kann, eine wenn auch mühsame Landwirtschaft auf künstlich angelegten und geschützten Terrassen, alte, langsam gewachsene Dörfer. Touristen lassen sich in diesen Dörfern eher selten sehen; dafür sind diese Ortschaften aber immer noch die historisch entstandenen Verwaltungszentren der dynamischen Ferienorte an der Küste.

Bergdorf am Lavastrom

Eine der etwas größeren dieser Bergorte ist Santiago de Teide, mit einer weißen Kirche im Ortskern, die Häuser meist ebenfalls gehalten in traditioneller kanarischer Bauweise. Dazu gehört: die Ecken eines Hauses bleiben unverputzt. So zeigt man den Nachbarn, dass man für den Bau schwere und teure Feldsteine verwendet hat.
Fast bis an den Ort hat sich ein Lavafeld vorgeschoben, Spuren eines Vulkanausbruchs 1909, der damals Santiago zu vernichten drohte. Dass ihr Ort fast buchstäblich auf den letzten Metern dann doch noch verschont wurde, schreiben die frommen Einwohner bis heute den eifrigen Gebeten zu, die ihre Vorfahren damals in der Kirche ausgestoßen haben.

Masca, das abgelegene Versteck der Piraten

Wir stoppen an einem Aussichtspunkt, von dem man auf die drei verstreut in den Bergen liegenden Ortsteile von Masca blickt, biegen dann von der Hauptstraße ab auf die Piste, die in dieses wohl abgelegenste Dorf von Teneriffa führt.
Die kurvige Piste ist gerade für einen Wagen breit genug. Jedesmal, wenn ein anderer Wagen unserem kleinen Bus entgegenkommt, muss eines der Fahrzeuge zurücksetzen bis zu einer der Stellen, an denen man vorsichtig aneinander vorbeimanövrieren kann. Wie das mit großen Bussen oder Lastwagen funktionieren soll, erschließt sich dem Ortsunkundigen nicht so ohne weiteres. Dabei sind diese Straße wie auch die Anbindung Mascas an die allgemeine Stromversorgung noch jüngeren Datums, angelegt in den 1970er Jahren. Bis dahin führte nur ein Sandweg in den Ort, der, viereinhalb Marschstunden von der Bucht von Los Gigantes entfernt, in früheren Zeiten als Piratenversteck gedient haben soll.
Wie auch immer: Mascas touristischer Ruhm rührt vor allem von dieser Abgeschiedenheit – und der Weg nach Masca ist auch allemal auf-egender als das winzige Örtchen selbst.
Dabei ist das durchaus nett anzusehen. Der Bus hält an einem Parkplatz am Ende der Piste, gleich gegenüber einem Landgasthaus, zu Fuß geht es den gewundenen Weg hinab ins Dorfzentrum.
Dieses Zentrum ist ein kleiner Platz, in dessen Mitte ein alter, Schatten spendender Baum steht, wo nun auf mehreren Verkaufstischen die üblichen Andenken, etwa geschnitzter Seife, angeboten werden. Viel Betrieb herrscht momentan jedoch nicht. An diesem Vormittag sind wir noch die einzigen Besucher – und außer den beiden Andenkenverkäufern ist auch kein Dorfbewohner zu sehen.
Natürlich steht am Dorfplatz auch die Kirche des Ortes, ein von außen schmucklos gehaltener fensterloser Bau, von der Größe her eigentlich eher eine Kapelle, innen dann aber doch mit einigen Heiligenbildern und einem recht prächtigen Altar geschmückt.
Vom Dorfplatz führt ein Weg den Berghang hinunter, auf der einen Seite die an den Hang gebauten Häuschen mit ihren Gärten, auf der anderen Seite der Abhang, der Blick auf einen weiter unten liegenden Ortsteil – und in der Ferne die kahlen Berge.

Baumgrenze am Rand des Nationalparks

Nach einer Fahrt durch den Kiefernwald passieren wie schließlich in rund 1400 Meter Höhe die Baumgrenze, damit auch die Grenze des ca. 20.000 Hektar großen Teide-Nationalparks.
Von einem Aussichtspunkt schaut man über den Wald, die Ausläufer der Lavafelder – bis zu den Nachbarinseln La Palma und El Hierro.
Die Straße durch den Nationalpark ist gut ausgebaut, weit bequemer zu fahren als die Piste nach Masca. Einen ersten Stop im Parklegen wir zu Füßen des 3413 Meter hohen Pico Viejo ein, dem etwas niedrigeren Bruder des Teide. Aus der Ferne wirkt der wie ein gemächlich und gleichmäßig aufsteigender Hügel, nicht wie ein aktiver und gefährlicher Vulkan.
Die Caldera, baum- und auch fast völlig strauchlos, erinnert an eine Ansammlung von Kohlehalden, eine überwiegend flache Landschaft voller scharfkantigen Lavabrocken, mit trockenen Flussläufen, durch die das Lava floss, voller aufgetürmter Geröllhaufen. Von einer Durchquerung dieser abenteuerlich anmutenden Landschaft ist außerhalb der vorgegebenen Wege aber dringend abzuraten. Die Steine sind so scharfkantig, dass auch das stabilste Schuhwerk nicht lange mitmachen, jeder Sturz böse Verletzungen mit sich bringen würde.
An ihrer tiefsten Stelle, im Llano de Ucanca schließlich erscheint die Caldera als von Wüstensand bedeckte Ebene. Nur: Das ist kein Sand. Der Boden ist bedeckt von gebleichten Kiefernnadeln.

Mit der Seilbahn auzf den Teide

Wenig später ist die Talstation der Seilbahn erreicht. An der Straße davor parken bereits hunderte von Autos, wer hinauf zur Bergstation fahren will, braucht Geduld und Zeit – oder aber ein vorbestelltes Ticket.
Dafür dauert die Fahrt in den über 40 Personen fassenden Kabinen nur weniger Minuten, obwohl dabei doch immer rund tausend Höhenmeter überwunden werden müssen, von 2356 auf 3555 Meter. Ein kleiner Schock beim Ausstieg aus der Gondel: Der Höhenunterschied macht sich sofort bemerkbar! Hier oben ist es nicht nur deutlich kühler, vor allem ist die Luft wesentlich dünner. Das macht sich beim Kreislauf bemerkbar.
Wanderwege führen von dieser Seilbahnstation zum 3718 Meter hoch gelegenen Gipfel des Teide. Die Wanderer, die sich von hier auf den Weg machen, brauchen neben der Ausrüstung – feste Schuhe, wärmere Kleidung – allerdings auch die nötige Kondition und entsprechend Zeit. Für Auf- und Abstieg benötigt man schließlich mehrere Stunden, und die letzte Gondel Richtung Talstation fährt am späten Nachmittag.
Die meisten Besucher begnügen sich so auch mit einem kurzen Rundgang um die Station her-um, mit dem Blick vom Aussichtspunkt La Rambleta über die Caldera bis zur Küste und den benachbarten Inseln.

Ein Weingut bei Vilaflor

Auf dem Rückweg zum Playa Paraiso legen wir beim Bergdorf Vilaflor einen Stop bei der Bodega 1242 ein. Die Bodega ist allerdings kein einfaches Restaurant an der Straße, sondern ein historisches Weingut auf 1242 Metern Höhe.
Für die lange Geschichte dieses Gutes spricht auch das Ausstellungsstück, dass hier stolz prä-sentiert wird: Eine alte hölzerne Weinpresse, eine gewaltige Maschine, die mit Muskelkraft betrieben wird, um aus ihr den Rebensaft zu pressen. Trotz ihres Alters: diese Presse ist noch gut in Schuss, das Holz kein bisschen wurmstichig, könnte wohl jederzeit wieder in Betrieb genommen werden.
Bis zu hundert Jahre alt sind Rebstöcke auf den weiten Feldern, produziert werden Rot- und Weißweine, die es allerdings nur in der Bodega selbst zu kaufen gibt. So groß die Felder auch sind: Eine Produktion für den Export würde sich angeblich nicht lohnen, und das, obwohl einer der Weißweine, fast so stark wie Likör, in dieser Form kaum auf Europas Märkten zu finden ist und da sicher eine Nische finden könnte.



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