La Palma, die Vulkaninsel, gilt unter den Kanaren als die "grüne Insel"., als die "Isla Bonita"...

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In den Straßen von Tazacorte, dem "Klein-Paris"  Der Vulkan Teneguia - immer noch aktiv und gefährlich Steinzeichnungen der Guanchen bei Garafia Atemberaubend: Steilküste und Klippen bei Garafia

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In der Landschaft der Caldera de Taburiente Gesehen bei Puntagorda: Ein windgebeugter Drachenbaum  Die Sternenwarte auf dem Roque de los Muchachos Felsen, Berge, Wald - die Aussichten der Caldera

La Fajana - von den Guanchen angefertigte Steinzeichnungen

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In einer Bananenplantage - hier bei Tazacorte

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Der Standort: Tazacorte Touren nach Puerto Naos, FuencalienteVolcán de San AntonioPunta de Fuencaliente, Volcán de Teneguia, Villa de Mazo, Cueva de Belmaco, Puerto de Tazacorte, Cueva Bonita, Mirador el Time, Garafia, Caldera de Taburiente, Los Llanos, Los Tilos, San Andrés, La Tosca, Puntagorda, Santa Cruz de la Palma, Tijarafe, Roque de los Muchachos, La Zarza y la Zarzita, Ermita Virgen del Pino, Charco Verde, El Remo, La Cumbrecita, El Paso (La Fajana), San Nicolás

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Mittwoch, 15. März 2000: Santa Cruz de la Palma – El Paso - Los Llanos – Puerto Naos – Tazacorte und Puerto de Tazacorte

Morgens um vier Uhr, Flughafen Hannover: Die Kanarischen Inseln präsentieren sich zumindest auf der Anzeigetafel der Abflüge als das Ziel der Deutschen schlechthin. Von 4.50 Uhr ab gehen innerhalb von 25 Minuten gleich drei Maschinen auf die Kanarischen Inseln, die erste nach La Palma, die zweite nach Teneriffa und die dritte nach Gran Canaria. Im Laufe des Tages werden dann noch zwei Flieger folgen, beide nach Gran Canaria.

Im Vergleich zu Gran Canaria ist La Palma also noch „touristisch unerschlossenes Territorium".

Unsere Maschine startet als erste, allerdings nur nach Frankfurt, wo wir – ziemlich unerwartet für uns – umsteigen müssen. Um 10.45 Uhr Ortszeit – die westeuropäische – landen wir auf dem Flughafen der Inselhauptstadt Santa Cruz de La Palma. Über der ganzen Ostküste scheint eine dichte Wolkendecke zu liegen. Die Ostküste gilt auch in den Reiseführen als regnerisch.

La Palmas Flughafen macht einen eher beschaulichen Eindruck. Die einstöckige rötliche Abfertigungshalle ist mit kleinen Erkern im traditionellen Baustil errichtet – und mehr als eine Maschine kann hier auch nie abgefertigt werden. Für das eingehende Gepäck gibt es auch nur ein Förderband. Grenzkontrollen finden erst gar nicht statt.

Wir nehmen unseren Leihwagen in Empfang und machen uns auf unseren Weg nach Tazacorte auf der gegenüberliegenden westlichen Inselseite. Für die Tour über die Berge – auf gut ausgebauten, aber kurvigen Straßen, auf denen in den höheren Lagen manchmal die Wolken oder Nebelschwaden liegen - benötigen wir etwas über zwei Stunden, was allerdings auch daran liegt, dass wir uns als Ortsundkundige schließlich ziemlich verfahren.

Die Insel ist tatsächlich so grün, wie es die Prospekte versprechen: Wir kommen an weiten Bananenfeldern vorbei, an dicht bewaldeten Tälern, sehen am Straßenrand mitunter sogar vereinzelte Kakteen. Palmen sind dagegen eher selten.

Zwei ineinander übergehende Ortschaften, El Paso und Los Llanos, liegen auf unserer Strecke. Vor allem Los Llanos hinterlässt dem Besucher einen geradezu städtischen Eindruck. Entlang der Hauptstraße, in der Mitte mit einem gepflegten Baumstreifen versehen, stehen moderne dreistöckige Mietshäuser mit Geschäften in den unteren Etagen – also alles andere als das Bild von weltabgeschiedenen Inseldörfern.

Auch Tazacorte, die kleinste Inselgemeinde und früher auch als „Klein-Paris" bezeichnet, zeigt sich als gepflegte und geputzte Kleinstadt, umgeben von Bananenfeldern, die bis in den Ort hineinreichen. Auch unser Hotel, die „Finca Tagomate", eine frühere Bananenpackerei, erst vor wenigen Jahren zur Appartementanlage umgebaut, liegt in einem solchen Bananenfeld. Allerdings verpassen wir die Einfahrt und fahren zunächst weiter bis nach Puerto Naos, einem Touristenzentrum mit Hotelanlagen und Bars und Restaurants, das etliche Kilometer weiter südlich liegt.

Mit einiger Verspätung kommen wir dann aber doch noch in unserer Anlage an – und brechen nach einer Eincheck-Pause nach Puerto de Tazacorte auf, ein Fischerdörfchen, das nun einige Kilometer nördlich von Tazacorte liegt.

Der Hafen, eine kleine Bucht, auf einer Seite von einer Betonmauer geschützt, ist noch ein ursprünglicher Fischerhafen, in dem man vergeblich nach Touristen-Yachten Ausschau hält. Dafür liegen hier Dutzende von kleinen Booten, viele davon reine Ruderboote, mit denen die Fischer auf See hinausfahren. Zumindest an einem Stand werden aber auch Delfin-Touren und Ausfahrten für Touristen angeboten.

Gleich neben dem Hafen liegt einer der Badstrände von Tazacorte: Es sind aber nur wenige Gäste, die auf dem schwarzen Sand liegen.

Am Ende des Ortes entseht ein neues, aber doch überschaubares Touristenzentrum: Eine Strandpromenade ist im Bau, etliche Restaurants sind schon da. In einem davon essen wir ein Eis, fahren dann in die „Finca Tagomate" zurück.

Donnerstag, 16. März 2000: Puerto Naos

Um 10.30 Uhr gibt es von der TUI für die Neuankömmlinge eine Info-Veranstaltung im Hotel „Sol Elite" in Puerto Naos.

Das Sol Elite, eine vierstöckige Vier-Sterne-Anlage, ist das größte Hotel er Insel, gelegen an einem schwarzen Lavastrand – wobei die Hotelgäste selbst natürlich auf den Pool zurückgreifen können.

Von dem Fischerdorf, das Puerto Naos gewesen soll, ist außer einigen kleinen Booten in einer winzigen Ausbuchtung am Rande des Strandes nicht mehr viel geblieben. Immerhin sieht man trotz aller Modernisierungsmaßnahmen einigen der bescheideneren Häusern in den steil hinaufgehenden Gassen an, dass sie vor dem touristischen Bauboom entstanden sein dürften.

Das Leben spielt sich nun also an der neuen Strandpromenade ab, wo ein Restaurant-Kiosk neben dem anderen steht, weitere Appartementhäuser errichtet worden und es auch Tickets für die Attraktion des Ortes gibt: Fallschirmgleiten von dem Plateau der naheliegenden Höhenzüge.

Das ursprüngliche La Palma ist aber auch in dieser Touristenhochburg noch allgegenwärtig: Fast bis an die Hotelanlagen heran reichen die Bananenfelder. An den Berghängen selbst wurden Terrassen für den Bananenanbau gelegt – und auf vielen Feldern werden die Gewächse durch Plastikplanen vor der heißen Sonne geschützt.

Den besten Überblick über die langgezogene Bucht von Puerto Naos hat man dabei von einem Aussichtspunkt an der Straße, dem „Mirador de Puerto Naos".

Im „Sol Elite" treffen wir übrigens einen Kollegen von mir, mit dem wir uns für den Abend verabreden. Wie klein die Welt doch ist!

Den Nachmittag verbringen wir faul am Pool unserer Finca Tagomate.

Freitag, 17. März 2000: Fuencaliente – Volcán de San Antonio – Punta de Fuencaliente – Volcán de Teneguia

Der Weg von Tazacorte nach Fuencaliente – wir brechen etwa gegen 10 Uhr auf – führt über die Berstraße an San Nicolás vorbei, eine Route, an der mehrere Aussichtspunkte zum Stopp einladen. Über Kiefern, Drachenbäume und auch Kakteen blickt man auf die weiter unten liegenden Bananenplantagen und die Steilküste.

Fuencaliente, eine kleine, aber saubere Ortschaft mit schmucken weißen Häusern, ist der Ausgangspunkt unserer Vulkan-Route, die uns zunächst zum „San Antonio", dem im 17. Jahrhundert zum letzten mal ausgebrochenen „Hausvulkan" des Ortes führt. Der San Antonio ist bequem mit dem Auto zu erreichen, nur wenige hundert Meter unterhalb von Fuencaliente gelegen.

Vom Parkplatz aus geht es nun ein paar Schritte hinauf auf den runden Kraterrand: Das Bild innerhalb des Kraters, wo wieder ein allerdings schütterer Kieferwald entstanden ist, hat nicht den geringsten Schein von Bedrohlichkeit an sich, wirkt geradezu friedlich. Vom Gipfel des San Antonio blickt man auf die beiden Leuchttürme von Punta de Fuencaliente, dem südlichsten Punkt der Insel, und natürlich wieder auf die Bananenfelder an der Südwestküste. Zwischen dem San Antonio und Punta de Fuencaliente dagegen erstreckt sich ein scheinbar lebloses, schwarzes Lavafeld.

Durch diese Landschaft führt nicht nur ein Wanderweg, sondern auch eine Straße, die sogar ordentlich asphaltiert, allerdings auch extrem kurvenreich ist. An etlichen Stellen des Lavafeldes sind die Steine bereits zu Staubkörnern zerfallen, so dass man den Eindruck hat, man fahre an kohlrabenschwarzen Kohleflözen vorbei.

Das letzte Stück hinunter zu den Leuchttürmen ist nur noch eine Schotterpiste.

Der ältere der beiden Leuchttürme, vielleicht zehn Meter hoch, befindet sich bereits im Stadium der Zerfalls, hat, außer seiner bizarren Umgebung, eigentlich auch nichts Besonderes an sich. Unterhalb der Leuchttürme stehen einige Bretterbuden und, unmittelbar an dem Steinstrand, ein kleines Fischrestaurant, wo wir gut, aber auch recht teuer essen.

Danach fahren wir zurück auf die Hauptstraße, nehmen den Weg an der Küste entlang, in dem Glauben, hier auf die Auffahrt zum Volcàn de Teneguia zu stoßen.

Die schmale Straße am Meer ist links und rechts von Bananenplantagen umgeben. Die liegen hinter dicken Mauern und versperrten Toreinfahrten, wirken wie eine Reihe abweisender Festungsanlagen. Die Bananenfarmer haben sich offensichtlich in Kooperativen zusammengeschlossen – und eine der Kooperativen-Stationen, die wir passieren, trägt den Namen „Guanchen-Kooperative".

Außer diesen „Plantagen-Burgen" passieren wir eine Bucht mit schwarzen Lavastrand, der Anzahl der hier parkenden Autos nach zu urteilen ein beliebtes Bade-Ausflugsziel – und schließlich endet die Straße in einem Geröllfeld. Entweder ist unsere Karte falsch, oder wir haben die Auffahrt zum Vulkan verpasst. Mit Wegweisern hält man sich hier im südlichen Teil der Insel auch tatsächlich sehr zurück.

Also fahren wir zurück durch die Bananenplantagen, immer auf der Suche nach einem Hinweisschild zum Vulkan, erreichen wieder die Straßenkreuzung zu den Leuchttürmen, fahren auch an der vorbei – und finden unser heiß gesuchtes Hinweisschild schließlich kurz vor Fuencaliente.

Der Weg in die Lavahügel führt nun vorbei an Weinfeldern – wobei die Lavabrocken zum Bau der Feldmarkierungen genutzt wurden. Doch der Weg selbst ist eine Geröllpiste voller scharfkantiger Steine – und nach wenigen Minuten hat unser Fiat Punto einen platten Vorderreifen. Zum Glück kommen zwei hilfsbereite ältere Weinbauern mit ihrem geländegängigen Transporter vorbei, die uns den Reservereifen aufziehen. Die Einheimischen scheinen auf solche Situationen vorbereitet: Jedenfalls haben unsere Helfer sogar ein Brett dabei, um dem Wagenheber auf dem staubigen und unebenen Boden den nötigen Halt zu geben. Ich bedanke mich bei den beiden, ohne die wir aufgeschmissen gewesen wären, mit einer Schachtel Zigaretten.

Trotz Umwegen und Pannen erreichen wir aber dann doch noch den Teneguia, der 1971 zum letzten mal ausgebrochen ist.

Hier hat die Natur die Schroffheit, die sie am San Antonio bereits verloren hat. In der Umgebung des zerrissenen Kraterrandes gibt es keinen Baum, keinen Strauch, nur poröses Lava. Über das Geröll geht es steil hinauf auf den Kraterrand, von dem aus man dann über eine zerklüftete leblose Urlandschaft schaut. Eine pittoreske Besonderheit: Rund 30 Jahre nach dem Vulkanausbruch finden sich hier überall noch winzige Höhlen im Gestein, die so heiß sind, dass man seine Hand nur wenige Sekunden hineinstecken kann, wenn man sich nicht verbrennen will.

Der Weg hinaus aus dieser Mondlandschaft ist ebenso schwer zu finden wie der Weg hinein. Einige male kehren wir wieder um, fahren zum Ausgangspunkt, dem Parkplatz vor dem Vulkan zurück und unternehmen einen neuen Anlauf. Nach gewisser Zeit glaubt man, das hier alle Wege, alle Hügel gleich aussehen – ein eher beunruhigendes Gefühl in einer unwirklichen Umgebung.

Schließlich machen wir auf den Bergen über uns die Hauptstraße aus – und haben bei Las Indias wieder Asphalt unter den Reifen. Wieder entlang der Bananenfelder geht es an der Küstenstraße zurück nach Fuencaliente, wo wir noch einen Milchkaffee trinken, und dann über Puerto Naos, wo ich im Büro von Betacars unsere Panne melde, zurück nach Tazacorte.

Samstag, 18. März 2000: Villa de Mazo – Cueva de Belmaco

Kurz nach zehn Uhr brechen wir auf nach Villa de Mazo an der Ostküste. Der Bauernmarkt dort beginnt zwar erst gegen 15 Uhr – aber die Reiseführer raten rechtzeitiges Erscheinen, da am Nachmittag die Parkplätze im Ort rar werden. Außerdem müssen wir uns in der Betacars-Vertragswerkstatt von El Paso noch einen Ersatzreifen besorgen.

Gegen 11.30 Uhr kommen wir in Villa de Mazo an. Von der oben gelegenen Hauptstraße führen die Abzweigungen steil nach unten in die tiefer gelegenen Ortsteile – doch ein eigentlicher Kern dieser weit auseinandergezogenen Ortschaft ist nicht zu erkennen. Dafür hat es aber, umgeben von hübschen Häuser, bei denen selbst der kleinste Treppenaufgang zum bunten Vorgarten umgestaltet wurde, etliche markante Punkte. Dazu gehören die Markthalle, die allerdings nur ein schmuckloser moderner Zweckbau ist, der Komplex der Kunsthandwerksschule, ein rotes schlossähnliches Gebäude mit eigenem Vorplatz, und vor allem die dreischiffige weiße Kirche mit ihrem Turm aus dunklem Lavastein. Die Anbauten stammen, so eine Inschrift, aus dem Jahr 1803 – aber der kleine Mittelteil aus dem 17. Jahrhundert soll die älteste noch erhaltene Kirche der ganzen Insel sein.

Die Kirche liegt unterhalb der Hauptstraße, auf einem eigenen Plateau – und für die tiefer liegenden Ortsteile zumindest könnte der Kirchturm sehr wohl den Mittelpunkt von Mazo darstellen.

Gleich neben der Kirche führt ein schmaler Weg weiter hinab in den Ortsteil Hoyo, vorbei an Weinfeldern und einem – aber längst ausgetrockneten und bewachsenen – Flusslauf, ein hübscher und gemütlicher Spazierweg, ginge es eben nicht so extrem steil bergab.

In Hoyo liegt „El Molino", die Mühle – eine Mischung zwischen Botanischem Garten, Keramikwerkstatt und Freilichtmuseum für die Guanchen-Kultur. Oder besser gesagt: Der Kultur der Benahoare, wie die Ureinwohner von La Palma korrekt bezeichnet werden. Eigentlich wird die Werkstatt um 13 Uhr geschlossen, es ist gerade kurz nach 13 Uhr – aber der Werkstattbesitzer schließt unseretwegen wieder auf.

In dem Werkstattraum stehen Keramikarbeiten aus der Zeit der Guanchen, meist Töpfe und andere Behälter, die vor allem dadurch auffallen, dass sie nie gerade, sondern immer etwas schief stehen. Diese Schräghaltung ist so systematisch, dass sie weder Zufall noch Produkt handwerklicher Ungenauigkeit sein kann: Was damit bezweckt worden sein soll, finde ich nirgends erklärt. Die Verzierungen erinnern an die Kultur der Bandkeramik. In der Werkstatt von El Molino werden solche Stücke heute nach den Originalvorlagen hergestellt, alles in Handarbeit, wobei die Ziermuster mit kleinen Steinen in den Ton gezogen werden.

Für je 800 Peseten kaufen wir im angeschlossenen Laden dann zwar keine Töpfe, aber zwei kleine Kacheln mit Bootsmotiven.

Ebenfalls im Garten der Mühle zu entdecken: Der Nachbau eines alten Brennofens.

Gegen 14 Uhr füllt sich der Platz vor der Markthalle, zunächst einmal mit den Straßenhändlern, die an ihren Ständen allerlei Kunsthandwerk anbieten, Lederwaren, Modeschmuck, das, was überall auf solchen Märkten angeboten wird. Und die meisten Händler sind auch keine Einheimischen, sondern auf Palma alt gewordene Ex-Hippies. Grau ist die dominierende Haarfarbe.

Der Verkauf in der Halle selbst beginnt zwar erst um 15 Uhr, aber bereits eine halbe Stunde zuvor bilden sich vor dem Stand der Bäckerei, vor den Tischen mit dem Honig und der Konfitüre, den Tomaten und den Fleisch- und Wurstwaren die Käuferschlangen. Zwar hat der Markt bis 18 Uhr geöffnet, aber die Ware geht doch reißend weg. Als wir den Weinstand erreichen, ist der trockene Weißwein bereits ausverkauft.

Von Mazo fahren wir ein kleines Stück weiter nach Süden, bis wir nach sieben Kilometern die „Cueva de Belmaco", ein bereits von den Guanchen bewohnter Platz, erreichen. Die große Höhle und ihre Umgebung wurde zum archäologischen Park gestaltet, der dem Besucher die Guanchen-Kultur tatsächlich am Originalschauplatz etwas näher bringt.

Die Haupthöhle selbst ist allerdings mehr ein großer Unterstand innerhalb des Felsens, der nach Auffassung der Forscher einem König als Audienzhalle gedient haben soll. Worauf sich diese Einschätzung allerdings stützt – das bleibt schleierhaft. Der steinerne Ofen jedenfalls ist aus jüngerer Zeit. Denn nach der spanischen Eroberung der Kanaren, so klären die Schautafeln auf, wurde dieser Guanchen-Ort zeitweise als Werkstatt, als Stall – und zuletzt als Bühne für katholische Passionsspiele genutzt.

Vor der Höhle liegen zwei große Steine mit vermeintlichen Inschriften der Guanchen: Auf den Laien wirken diese „Schriften" jedoch mehr wie Graffiti. Die von den Forschern entdeckte Symbolik ist jedenfalls nicht ohne weiteres nachzuvollziehen.

In der Nachbarschaft der Haupthöhle, dem „königlichen Audienzsaal", schließen sich einige kleinere Höhlen, von der Größe her als Kammern zu bezeichnen, an. Die Erklärung der Forscher: Dies seien Sterbehöhlen gewesen. Zum Sterben hätten sich die Guanchen in solche Kammern bringen lassen – die dann, während der Mensch noch lebte, von außen verschlossen worden seien.

Bevor wir schließlich in die Finca Tagomate zurückkehren, machen wir in Puerto de Tazacorte noch unsere Sonntags-Tour klar: Einen Ausflug mit dem Katamaran in die Cueva Bonita und zu den Delfinen.

Sonntag, 19. März 2000: Puerto de Tazacorte – Cueva Bonita

Die Fanzy II, ein blauer Katamaran mit deutschsprachiger Führung, verlässt den Hafen von Tazacorte etwa 20 Minuten vor 12 Uhr.

Die Cueva Bonita liegt etwa sechs Kilometer nördlich: Au dem Weg dorthin gibt es keine weitere Ortschaft mehr zu sehen, und auch die Bananenplantagen werden spärlicher, je weiter wir nach Norden kommen. Da, wo allerdings noch Pflanzungen sehen, sind sie bis unmittelbar an den letzten Meter vor der steil abfallenden Felsküste angebaut.

Kurz vor der Cueva Bonita legen wir einen Stopp ein, um von den Fenstern des unteren Decks die Unterwasserwelt zu beobachten. Wir befinden uns im Schutzgebiet, und mitunter sollen auf dem Grund auch Rochen und Barracudas zu sehen sein. Heute müssen wir uns allerdings mit einem Schwarm Makrelen begnügen.

Die Cueva Bonita selbst ist eine Unterwasserhöhle mit zwei Eingängen, der größere davon vielleicht sechs Meter breit und hoch genug, dass ein Boot bei ruhiger hineinfahren könnte. Das geht heute allerdings nicht, so dass wir uns mit dem äußeren Anblick der Höhle zufrieden geben müssen. Die Höhle sei früher, so erzählt Maria, die Schiffsbegleiterin, von englischen Piraten als Unterschlupf genutzt worden, und den Legenden nach sollen sie hier auch ihre Schätze versteckt haben. Gefunden wurde aber noch nie etwas.

Die Besonderheit der Cueva Bonita ist das Farbspiel von Sonne und Meer am späten Nachmittag – aber auch dafür sind wir noch zu früh dran. So unterscheidet sich diese Cueva für uns kaum von anderen Unterwasserhöhlen, die an diesem Küstenstreifen häufiger vorkommen.

Als nächstes legen wir vor einer alten Piratenbucht an. Das Beindruckende: Die Bucht ist gänzlich von den steilen, vielleicht 50 Meter hohen Felsen umgeben, ohne dass irgendwo ein Abstieg oder natürlicher Zugang von der Landseite erkennbar wäre. Trotzdem ist in dieser geschützten Bucht eine kleine Siedlung entstanden, deren Häuschen ihren Besitzern als Wochenend-Bungalows dienen. Am nördlichen Rand des kleinen Strandes liegt eine weitere Höhle, die schon von den Guanchen bewohnt gewesen sein soll.

Wir kreuzen noch an einer weiteren ähnlichen Ansiedlung vorbei – nicht ganz so beeindruckend, weil an dieser Stelle die Felsen nicht so hoch und nicht so steil ist – und verlassen dann die unmittelbare Küstennähe, auf der Suche nach den Delfinen. Aber auch für die ist es jetzt nicht die richtige Tageszeit: Die Passagiere, die gestern Abend auf der Fanzy waren, berichteten von ganzen Delfinschulen – wir sehen heute keinen einzigen.

Aber immerhin bekommen wir eine im Meer schwimmende Schildkröte zu Gesicht: Die Schiffsbegleiter glauben, dass es sich um verletztes Tier handeln könnte, gehen ins Schlauchboot, um sie an Bord zu holen und zum Tierarzt zu bringen. Mitunter verfangen sich Schildkröten in Fischernetzen oder sie fressen von Bord geworfene Plastiktüten, an denen sie dann, wenn ihnen nicht geholfen wird, zugrunde gehen. Die Schildkröte, die unseren Weg kreuzte, erweist sich aber als putzmunter und taucht ab, als sich das Schlauchboot nähert.

3000 Peseten kostete die Fahrt mit der Fanzy – und weil wir keine Delfine gesehen haben, bekommen wir zum Schluss der Fahrt einen Gutschein, der uns berechtigt, einen zweiten Versuch zum halben Preis zu unternehmen.

Am Nachmittag essen wir in Puerto de Tazacorte eine Fischplatte für zwei Personen – Gewicht: ein Kilogramm – zum Preis von 2500 Peseten und fahren dann in unsere Finca zurück.

Montag, 20. März 2000: Mirador el Time – Garafia

Wir verlassen Tazacorte gegen 10.30 Uhr vormittags, fahren die Straße von Puerto de Tazacorte zunächst einem Barranco entlang in die Berge dann Richtung Norden. Kurvenreich geht es nach oben – doch die Straße ist zum Glück recht ordentlich.

Am Mirador el Time legen wir nach knapp 20 Minuten einen Stopp ein: Von diesem Aussichtspunkt blickt man auf das Tal von Los Llanos, das zwischen all den kleineren Dörfern wirklich wie eine ausgedehnte Metropole wirkt, auf das deutlich kleinere Tazacorte im Süden und natürlich auf die Bananenplantagen.

In unserer Höhenlage haben wir das Bananenland aber bereits hinter uns gelassen. Auf den Bergen wachsen Kiefern, die Kakteen werden häufiger und dazu gibt es unzählige, aber meist kleine Drachenbäume.

Unser Ziel ist Garafia, ein Fischerdörfchen an der Nordküste, aber weil wir die Abfahrt verpassen, befinden wir uns plötzlich vor dem Archäologischen Park von Zarzsa. Der stand eigentlich auch auf unserem Programm – doch leider ist der Park am Montag geschlossen.

Warum wir die Abfahrt verpassten: Garafia ist der größte Weiler der Gemeinde von Santo Domingo, und das Straßenschild weist eben auf Santo Domingo, das eben nur in der Umgangssprache (und den Freizeitkarten für die Touristen) als Garafia bezeichnet.

Wir kommen nun auch nicht in ein geschlossenes Dorf, sondern passieren winzige Flecken aus einigen wenigen Häusern. Aber immerhin entdecken wir hier, relativ dicht beieinander, zwei historische Mühlen, wie wir eine – in restaurierter Form – bereits in Mazo gesehen haben.

Ich will in Garafia die Steinzeichnungen der Guanchen sehen, doch die sind gar nicht so leicht zu finden. Zunächst fahren wir den Weg zum Friedhof, ein viereckiges weiß ummauertes Areal, aber da sich hier kein Hinweisschild auf die archäologischen Stätten steht, muss dies wohl der falsche Weg sein. Der Baedeker-Freizeitkarte nach zu urteilen können die Funde auch an der Straße nach Cueva de Agua liegen, und bis zur Abzweigung dorthin sieht man auch etliche Höhlen in den Berghängen, die von den Guanchen bewohnt gewesen sein könnten. Doch auch dies ist der falsche Weg.

In einem Restaurant von Garafia hören wir dann, dass es doch am Friedhof entlang geht. Diese Wegbeschreibung deckt sich übrigens auch mit der Wegeschreibung im Baedeker, die sich als ausgesprochen präzise herausstellt.

Wir lassen den Wagen auf dem Parkplatz vom Friedhof stehen. Hier endet auch die asphaltierte Straße, laufen die Piste hinunter Richtung „Hafen". Nach vielleicht hundert Metern führt rechts von der Piste ein Trampelpfad durch die Böschung, den man vom Auto auch kaum erkannt hätte. Nur drei aufeinander geschichtete Steine markieren, dass hier ein „Weg" abführt.

An diesem Weg unterhalb des Friedhofes liegt nun das, was möglicherweise ein alter Kultplatz der Guanchen gewesen sein könnte. Etliche Feldsteine liegen beieinander in einer Art Schiffsform, einige dieser Steine tragen die Spuren von Bearbeitung: Hineingeritzte oder gemeißelte kreisförmige Gebilde, nichts, was der Laie auch nur ansatzweise deuten könnte.

Etwa 20 Meter von diesem „Schiffsfeld" entfernt entdecken wir einen weiteren Stein mit ähnlichen Bearbeitungsspuren.

Nun laufen wir die Piste weiter hinab zum Meer, immer im Wasser zwei Felsen im Auge, auf denen die Möwen nisten. Auf dem Küstenstreifen wachsen Kakteen und Dracheinbäume. Ab und an entdeckt man auf den Steinen eine Eidechse.

Nach 20 Minuten Fußmarsch erreichen wir einen Parkplatz, von dem aus es über einen halsbrecherischen Pfad die Klippen hinangeht. Die Aussicht auf die Küste ist atemberaubend: An den beiden vorgelagerten Felsen brechen sich die Wellen, daneben erheben sich rosarot die mindestens 50 Meter hohen Klippen der nördlichen Steilküste.

Ebenso atemberaubend aber: Winzige Häuschen, als wären sie über der Bucht in die Klippen hineingeklebt. Tatsächlich sind diese Häuser noch bewohnt, wenn auch, wie es den Anschein erweckt, heute nur noch von Inselgästen, nicht mehr von den Einheimischen selbst.

Zu den Naturschönheiten von Garafia zählt zweifellos das Naturschwimmbecken unterhalb der Klippen, ein „Swimmingpool" voll türkisgrünem klaren Wasser, das sich schon von seiner Farbe deutlich von dem ansonsten tiefblauen Meer abhebt.

Zurück in Garafia unternehmen wir noch einen „Stadt"bummel: Der Ort besteht aus nur einer, dazu kurzen Straße, die schließlich in eine zweigeteilte Piazza übergeht. Die untere Hälfte der Piazza gehört der Kirche, einem schmucken weißen Bau mit Kirchturm und zwei Glocken. Im Inneren sind das Kirchendach und die Galerie mit einer feinen Holztäfelung geschmückt, dazu gibt es einen Barock-Altar mit überlebensgroßer Marienstatue.

Der obere Teil der Piazza ist der „weltliche" – mit Bäumen und natürlich Cafés und Kneipen. Um die zu füllen, müssten sich schon aber sämtliche Anwohner der Umliegenden Flecken in Garafia versammeln.

Über die Straße von Las Tricias – hier entdecken wir die erste Ziegenherde, die wir auf der Insel sehen; laut Reiseführer ist Garafia schließlich das Zentrum der Ziegenhaltung auf La Palma – fahren wir zurück nach Tazacorte.

Dienstag, 21. März 2000: Caldera de Taburiente – Los Llanos

Morgens um 10 Uhr decken wir uns in der Touristeninformation von Los Llanos – von Tazacorte aus gesehen unmittelbar am Stadteingang – mit Material über die Caldera ein. Die Touristeninformation ist in einem alten Herrenhaus an einem schönen Platz mit anderen alten Häusern und wohl eben so alten Bäumen untergebracht.

Der Weg in die südliche Caldera führt über Los Barros, einem nördlichen Vorort von Los Llanos, vorbei an Bananenplantagen und über eine schmale und kurvenreiche, zunächst aber immerhin noch asphaltierte Straße. Der Asphalt endet allerdings an einem Holzhäuschen, das als Info-Stand der Parkverwaltung ausgewiesen ist. Als wir diesen Punkt passieren, ist die Information jedoch nicht besetzt.

Die letzten Kilometer hinunter zum Parkplatz geht es über eine holprige Piste, an Kurven eben so reich wie an Schlaglöchern. Und diese steinigen Kulen in der Piste zwingen mich immer wieder, mit dem Wagen bis an den Rand des Abgrundes zu manövrieren. Die Gefahr, sich hier einen platten Reifen zu holen, dürfte kaum geringer sein als am Vulkan Teneguia.

Zum Glück erreichen wir den Parkplatz ohne solche unangenehmen Zwischenfälle und ziehen uns unsere Wanderschuhe für den Marsch in die Caldera an. Festes Schuhwerk ist in der Tat eine unabdingbare Voraussetzung, um sich in der Caldera fortzubewegen.

Zunächst geht es auf einem noch recht bequemen Weg bei atemberaubender Aussicht auf die grünen Berge aufwärts – und dann hinunter in ein trockenes Flussbett, eine Ansammlung von Geröll und Steinen. Dieses Flussbett wandern wir entlang – um schließlich an einem Becken mit klarem kalten Gebirgswasser unsere erste kurze Rast einzulegen. In dem Flüsschen, eher ein schmales Rinnsaal in einem viel zu breiten Bett, quaken die Frösche, und einmal entdecken wir einen bunten Kanarienvogel, der über das Flussbett hinwegfegt.

An den Steinhängen über dem Flussbett wächst Hauswurz, wobei einige Exemplare die Größe von Kürbissen erreichen.

Schließlich müssen wir das Flussbett verlassen und auf einen höher gelegenen Wanderweg wechseln. In der Ferne ist eine Hütte oder ein Haus zu sehen – und von einem der Berge ragt ein Fels wie ein vorstehender Zahn hervor. Das Faszinierende an der Caldera ist der urplötzliche Wechsel der Landschaft: Wähnte man im Flussbett noch in einer wüsten und wilden, sogar abweisenden Umgebung, hat man plötzlich den Eindruck, man befände sich auf einem gemütlichen Spaziergang in den Alpen mit Blick auf Ginsterbüsche und Kiefernwälder – wüchsen hier nicht auch roter Mohn und Kakteen.

An ein oder zwei Stellen, die wir passieren, quillt das Wasser in dünnen Rinnsalen aus dem Granitfels, plätschert gemächlich in das Flüsschen unter uns.

Irgendwann führt der Wanderweg wieder hinab ins Flussbett – und unterhalb eines Viaduktes, das sich über die Schlucht spannt, legen wir eine weitere Rast ein. Mit einer kleinen Höhle, direkt am Fluss gelegen, könnte dies ein idealer Lagerplatz der Ureinwohner gewesen sein. Durch die Schlucht weht hier dazu ein frischer Wind, der die Mittagshitze etwas mildert.

Nun wandern wir den Weg, den wir gekommen sind, wieder zurück. Insgesamt über vier Stunden waren wir in der Caldera unterwegs. Von dem Weg, der zum Campingplatz führt, haben wir, so berichten uns andere Wanderer, jedoch nicht einmal die Hälfte zurückgelegt.

Am Nachmittag schlendern wir noch kurz durch die Altstadt von Los Llanos, das sich tatsächlich als ein schmuckes und boomendes Städtchen entpuppt. Zentrum der Stadt, als Fußgängerzone gestaltet, ist natürlich die große Kirche, gemessen an den anderen Kirchen, die wir bisher auf der Insel sahen, fast schon eine Kathedrale, wieder ganz in weiß mit einem Turm, der von grauen Feldsteinen gestützt wird. Der Kirche gegenüber liegt das Kulturhaus, ein zweistöckiges Gebäude mit einem schmucken Holzbalkon. Solche Holzbalkone zieren auch noch andere von den größeren Häusern. Von diesem Hauptplatz, in dessen Mitte große Lorbeerbäume stehen, führen die kleinen Gassen ab, in denen noch die alten, einstöckigen, kleinen Häuschen aus der „Frühzeit" dieser Inselmetropole stehen.

Gegen 19 Uhr fahren wir wieder zurück nach Tazacorte.

Mittwoch, 22. März 2000: Tazacorte – Cueva Bonita

Ein gemächlicher Tag, den wir am späten Vormittag mit einem Stadtbummel durch Tazacorte beginnen.

Auch, wenn um Tazacorte herum und auch in dem Ort selbst überall gebaut wird, ist die Altstadt von Tazacorte noch völlig intakt. Mittelpunkt es Städtchens ist die gekrümmte Promenade, auf deren Bergseite die Häuser – ein- bis dreistöckig gebaut – stehen, auf der zum Meer gehenden Seite dagegen eine Art langgezogener Piazza den Blick auf das Meer und die noch davor liegenden Bananenfelder erlaubt. Diese Bananenfelder beginnen dabei unmittelbar unterhalb dieser Piazza.

Am nördlichen Rand dieses Promenadenbogens befindet sich die Kirche San Miguel, links neben dem Haupteingang eine Kolonnade aus Kacheln, ein wahres Kleinod. Der Platz scheint sich bei den Einheimischen großer Beliebtheit zu erfreuen: Auf den Bänken spielen alte Männer Karten.

Oberhalb der Kirche schließen sich die engen Altstadtgassen an, von denen dann noch engere Gassen, teilweise ganz aus Treppen bestehend, nach oben in die Bananenplantagen führen. Doch selbst in den engsten Gassen haben die Anwohner ihre Blumentöpfe mit Orchideen, Kakteen, Palmen vor die Häuser gestellt, so dass man sich mitunter vor einem sich über mehrere Gebäude erstreckenden Blumenladen wähnt. Hübsch auch: An zwei Ecken entdecken wir winzige Parks, Anlagen von einer Größe von vielleicht 50 Quadtratmetern, aber sorgsam gepflegt, mit großen Palmen und steinernen Sitzbänken.

Und unterhalb der Kirche liegen auf dem Weg in und zwischen den Bananenfeldern einige schmucke Landhäuser, eines davon mit der – gerade geschlossenen – örtlichen Touristeninformation.

Am Nachmittag unternehmen wir mit der Fanzy unseren nun zweiten Ausflug zur Cueva Bonita. Was die Basalthöhle betrifft, fahren wir auch diesmal nicht mit dem Schiff hinein, kommen aber zumindest unmittelbar an den Eingang, so dass man die Wellen im Inneren der Grotte brechen sieht.

Noch mehr Glück haben wir diesmal mit den Delfinen. Wir stoßen auf eine größere Schule von Tümmlern, die immer wieder unter dem Katamaran hindurchschwimmen, um dann kurz vor dem Bug aufzutauschen und kurze Sprünge durch das Wasser zu vollziehen. Man könnte meinen, wir verfolgen die Tiere – doch andere Gruppen von Delfinen stoßen von vorn auf unser Boot zu, scheinen regelrecht mit dem Katamaran zu spielen.

Kurz nach 18 Uhr gehen wir in Puerto de Tazacorte wieder an Land und fahren zurück in unsere Finca.

Donnerstag, 23. März 2000: Santa Cruz – Los Tilos – San Andrés – La Tosca – Puntagorda

Klimawechsel auf La Palma: Wir nähern uns dem Bergzug zwischen der West- und der Ostküste der Insel, über den Bergen liegen dicke Wolken – und im Schatten der Berge wird es schlagartig kühl. Die Wolken werden uns den ganzen Tag auf der Ostseite der Insel begleiten. Über Santa Cruz fahren wir in den Nordosten, in den Lorbeerwald.

Santa Cruz, die Inselhauptstadt, kündigt sich mit einem Autobahndreieck an: Und viel mehr als die Hauptstraße, verstopft vom Verkehr, bekommen wir bei unserer Durchfahrt auch nicht zu sehen.

Die Ostseite ist nicht nur kühler als die Westseite; irgendwann fällt auf, dass man schon eine ganze Weile keine Bananenplantage mehr gesehen hat Statt dessen sieht man Weinbau, doch auf den Berghängen herrscht vor allem der Wildwuchs vor. Je weiter wir nach Norden kommen, desto kurviger wird die Straße – und schließlich biegen wir kurz vor Los Sauces den steilen Asphaltweg nach Los Tilos ein. Hier beginnt unsere Wanderung durch den Lorbeerwald.

Vom Parkplatz aus geht es einen bequemen Wanderweg hinauf, nach wenigen Schritten durch einen vielleicht hundert Meter langen Tunnel – und schon sind wir im Wald der Lorbeerbäume. Die Wolken hängen unmittelbar über den Bergspitzen, von den Schiefer- und Granitfelsen am Wegesrand sickert das Wasser, in den Bäumen hört man die Vögel. Wir bleiben auf einem bequemen Wanderweg – aber links und rechts hat man den Eindruck, man befände sich im Dschungel.

Rechts neben dem Weg führt der Abgrund steil hinunter zum Tal eines Barranco, wobei man wegen des dichten Bewuchses der Hänge den Boden nicht sieht, an den Felsen links wachsen riesige Farne, und Brombeergestrüpp hängt wie Lianen von den Bäumen.

Nach etwa einer und einer halben Wegstunde – wir laufen allerdings auch sehr gemächlich – führen links vom Wanderweg einige schmale Steintreppen auf eine Anhöhe. Auf die Steintreppen folgen ein Trampelpfad, dann mehrere Holzstege – und schließlich erreicht man einen Aussichtspunkt über die Barrancos des Lorbeerwaldes.

Unten, da wo die Stufen beginnen, ist ein Ratsplatz, von dem auch die Vögel des Waldes profitieren. Fast zahm picken sie die Brotkrumen auf, die ihnen die Wanderer hinwerfen.

Wir wandern noch eine halbe Stunde weiter, stoßen dann auf der rechten Seite auf den Abzweig, der angeblich zum Wasserfall führen soll. Ein Hinweisschild warnt allerdings vor der Gefährlichkeit dieses Weges. Wer ihn benutzt, soll vorher die Parkwächter informieren – doch die sind natürlich nirgends zu sehen.

Wir steigen den Weg etwa 50 Meter bis zu einer Holzbrücke hinab, die über einen tief in den Fels eingeschnittenen Flusslauf führt. Merkwürdig: Ich höre zwar irgendwo das Wasser rauschen, aber soweit ich sehen kann, ist der Flusslauf selbst ausgetrocknet. Die Bohlen und das Geländer Holzbrücke der wackeln. Knirschen – und auch einige Reiseführer warnen, dass die Brücke morsch sein könnte. Sie hält zwar die Überquerung durch uns noch aus, aber wir nutzen nach zweistündiger Wanderung diesen Punkt nun doch als Wendemarke zurück zum Parkplatz.

Unsere nächste Station ist San Andres, wieder ein kleines Dorf an der Küste, eigentlich nur aus einigen steil zum Meer abfallenden Gassen und einer weißen Kirche auf einem hübschen Zentralplatz mit großen Palmen bestehend. Dazu gibt es neben San Andrés eine lang gestreckte Bucht, an deren vorgelagerten Klippen sich die Wellen brechen.

Über eine enge und kurvenreiche Straße fahren wir weiter nach Norden Richtung Puerto Espíndola. Zwischen San Andrés und Puerto Espíndola liegt das Charco Verde, ein durch künstliche Wellenbrecher entstandenes Naturschwimmbecken, laut Baedeker-Freizeitkarte ein Insel-Highlight, aber eigentlich eher ein Salzwasser-Swimmingpool mit Steinterrasse, eingereichtet in Ermangelung natürlicher Badestrände.

Der alte Besitzer einer Pension neben dieser Badeanstalt lädt uns in sein Haus, überlässt uns eine ganze Plastiktüte Bananen, will dafür nur einen Eintrag in sein Gästebuch – und ein paar für ihn ausländische Münzen.

Von Barlovento fahren wir die kurvige Nordküstenstrecke weiter, legen einen kurzen Zwischenstopp bei La Tosca ein. Vom Aussichtspunkt an der Straße sieht man über die Küste – und einen schmalen Pfad folgend erblickt man schließlich einen Hain von etwa einem Dutzend dicht beieinander stehender Drachenbäume, laut Baedeker der größte Hain dieser Art auf La Palma.

Einen zwar einzelnen, aber weit größeren Drachenbaum, knorrig und vom Wind und seinem eigenen Gewicht schon gebeugt, entdecken wir an einem Aussichtspunkt hinter Puntagorda, unserem letzten Stopp vor Tazacorte. Hier ist La Palma noch wahrhaft ländlich: Neben dem alten Drachenbaum stehen kleine, aus schwarzem Lavastein im altkanarischen Stil gebaute Häuschen, in einiger Entfernung blökt eine Ziegenherde.

Kurz nach 20 Uhr, es ist bereits dunkel, sind wir nach anstrengender Fahrt um den Nordteil der Insel wieder in Tazacorte.

Freitag, 24. März 2000: Santa Cruz de la Palma

In den Bergen erleben wir diesmal einen regelrechten Klimasturz: Die Wolken ziehen wie Nebelschwaden über die Straße, es regnet – und für die Verhältnisse von La Palma dürfte es sogar ausgesprochen kalt sein.

Auch über Santa Cruz bleibt es bewölkt; aber zumindest regnet es hier nicht.

Wir stellen unseren Wagen auf dem großen Parkplatz an der Hauptstraße, der Avenida Maritima ab. Das ist nicht nur die Hauptstraße der Inselmetropole, sondern auch die Geschäftsmeile – und vor allem die Schnellstraße von Nord nach Süd. Wer hier in einem der Straßencafés sitzt, der „genießt" eben nicht nur den Blick auf die Straßenpalmen und das Meer, sondern auch über den Autoverkehr und auf den Parkplatz, der sich fast auf der ganzen Meerseite des Boulevards entlang zieht.

Das touristische Herz von Santa Cruz schlägt auch nicht hier, sondern auf der parallel verlaufenden O`Daily, der schmalen Straße mit den historischen Gebäuden und kleinen Geschäften, der Straße, die zur Kathedrale El Salvador am Plaza de Espana führt, ein romantischer Kirchplatz, wo sich Inselbesucher, Einheimische und Tauben treffen. Gegenüber dem weißen Kirchbau mit dem dunklen Turm liegt das Rathaus, daneben ein weißes, unscheinbares Gebäude, in dem laut einer Inschrift der „Gerichtshof für amerikanische Angelegenheiten" untergebracht war. Die O`Daily ist offensichtlich die historische Straße von Santa Cruz: Etliche Häuser tragen solche Hinweistafeln, die über Baujahr, Zerstörung und Wiederaufbau Auskunft geben.

Und es ist die Straße – die Nebengassen eingeschlossen – der versteckten Piazzas, mit Palmen bepflanz, mit einem Brunnen – und immer wieder mit schmucken Holzbalkonen vor den feineren Herrenhäusern.

Auf eine Besonderheit stoßen wir am nördlichen Stadtrand: Auf einen hölzernen Nachbau der Santa Maria von Columbus, nun in vermutlicher Originalgröße als Verkehrsinsel inmitten einer belebten Straße.

Während unserer Rückfahrt regnet es in den Bergen immer noch oder schon wieder – und auch Los Llanos und selbst Tazacorte liegen unter Wolken.

Samstag, 25. März 2000: Tijarafe – Roque de los Muchachos – La Zarza y la Zarzita

Ein ungewöhnlicher Anblick von unserem Hotelfenster aus : Auf den Bergen legen sich die Wolken wie Schnee auf die Gipfel. Hier unten an der Küste herrscht zwar noch die Sonne vor – aber es wird doch merklich kühler.

Gegen 10.30 Uhr sind wir auf der Straße nach Norden, machen nach 20 Minuten eine kurze Rast in Tijarafe, von Tazacorte aus gesehen die nächste „größere" Ortschaft. Dabei ist Tijarafe allerdings nicht viel mehr als ein Straßendorf mit einigen Cafés, einer Kirche, einem Aussichtspunkt, dessen Rundblick jedoch durch die unmittelbar darunter liegenden Neubauten getrübt wird.

Weiter oben im Norden gelangen wir allmählich in die Region des Kiefernwaldes, haben dann nach etlichen Kurven und Steigungen den Abzweig zum Observatorium und dem Roque de los Muchachos, mit seinen 2426 Metern der höchste Berg La Palmas, erreicht.

Auf der Karte ist diese Route als Nebenstraße gekennzeichnet, aber doch deutlich besser ausgebaut als die „Hauptstraße", die weiter nach Garafia führt. Doch dafür ist diese Route hier noch um einiges steiler und kurviger, wobei die einzelnen Kurven mitunter kaum breiter als ein Garagentor sind. Die darauf folgenden Steigungen – zehn Prozent und mehr – fordern von unserem Fiat äußerste Kraftanstrengung. Und so geht es zwölf Kilometer.

Wir kommen durch die Wolkendecke, lassen die Baumgrenze hinter uns, fahren über ein Plateau, das ganz von knorrigem Gebüsch, bereits vertrocknet, bedeckt ist. In eigen Felsmulden haben sich kleine, schon bräunliche Schneeflächen gehalten.

In dieser Landschaft steht ein langgezogenes graues Gebäude, schmucklos und funktional – offensichtlich Wohn- und Bürogebäude für die Mitarbeiter des Sternen-Observatoriums, dessen zwei Kuppelbauten die Fixpunkte auf den Anhöhen unterhalb des Roque de los Muchachos darstellen – ein futuristisches Bild in archaischer Landschaft.

Direkt unterhalb des „Felsens der Jungen" liegt ein Besucherparkplatz, dann sind es nur noch wenige Schritte zum höchsten Punkt der Insel, noch einmal erhöht durch eine Gruppe steil aufgerichteter Felsblöcke. Und über einen etwa hundert Meter langen Kamm führt ein schmaler Pfad zum Nachbargipfel, der mit dem ersten etwa auf gleicher Höhe liegt.

Die nackten Berge und die Schluchten mit den hindurchziehenden Wolken gehören, ebenso wie auch der Roque de los Muchachos selbst, zur Caldera de Taburiente, die sich hier so völlig anders als an ihrer im Vergleich hierzu geradezu lieblichen Südseite zeigt: Hier im Norden, im kalten Wind der Gipfel, herrscht die Majestät des nackten Fels, auf dem nur an und an ein kümmerlich-grünlicher Strauch wächst.

Nun geht es wieder hinunter zur Küste, an Garafia vorbei, in den archäologischen Park von Zarza y la Zarzita.

Am Eingang des Geländes befindet sich ein kleines Museum, das – ansprechend, aber doch mit recht mystischen Ansätzen – das Leben der Alt-Kanarier veranschaulicht. Die wichtigsten Punkte: Die Guanchen waren Ziegenhirten, in mehreren Einwanderungswellen aus Nordafrika gekommen, lebten in Höhlen oder Hütten aus aufeinandergehäuften Steinen – und huldigten einem Sonnenkult.

Was die Steinzeichnungen bedeuten könnten, darüber gibt ein Videofilm Aufschluss. Dia Archäologen unterscheiden zwischen vier Formen von Steinzeichnungen: Kreiszeichnungen, Spiralen, Mäander und Netzen, wobei diese Formen auch miteinander vermischt vorkommen. Interessant: Die jüngste Epoche der Zeichnungen datiert bereits aus der Zeit nach der spanischen Eroberung. Und die verschiedenen Formen symbolisieren die verschiedenen Elemente, die Spiralen beispielsweise das Wasser, das für die Alt-Kanarier eine entscheidende Rolle spielte. Mit den Zeichnungen, so die Aussage des Films, wollten die Hirten die Natur in ihrem Sinn beeinflussen.

Der Rundgang durch den in geradezu lieblicher Natur gelegenen Park dauert etwa eine halbe Stunde. Auf bequemen Weg geht es zu den Felswänden mit zwei kleineren Höhlen und den daneben liegenden Zeichnungen. An dieser Stelle waren die Zeichner besonders fleißig, und geradezu erstaunlich, wie gut die Gravuren die Jahrhunderte überstanden haben. Mit den Informationen aus dem Videofilm lassen sich die einzelnen Darstellungen nun zwar deuten – aber ein System, in dem die einzelnen Felsritzungen zueinander stehen könnten, bleibt für den Laien nach wie vor nicht erkennbar.

Auch nach dem Besuch des Parks bleibt die Kultur der Guanchen für mich nach wie vor ein Geheimnis.

Kurz vor 17 Uhr sind wir wieder in Tazacorte. Mittlerweile liegen auch hier über dem Meer die Wolken.

Sonntag, 26. März 2000: Ermita Virgen del Pino – Charco Verde – El Remo

Eigentlich wollen wir von El Pinar aus ein Stück der Vulkan-Route in der Cuembre entlang wandern – aber der Regen, der hinter El Paso einsetzt, macht unseren Plänen einen Strich durch die Rechnung.

Also versuchen wir es mit einer „harmloseren" Wanderroute durch den Pinienwald neben der Ermita Virgen del Pino, ein kleines Stück nordöstlich hinter El Paso.

Wir fahren dazu eine kurze Strecke durch grünes Weideland, werden auf dem Rückweg auch tatsächlich eine Schafherde zu Gesicht bekommen, die einzelnen Weiden durch Mauern aus schwarzen Lavabrocken voneinander getrennt.

Nach einem Abzweig erreichen wir die Ermita, die wie ein Wächter vor dem Aufstieg in den auf Hügeln liegenden Pinienwald steht: Eine kleine Kapelle, weit und breit das einzige menschliche Bauwerk, abgesehen von der Straße, die hier am Waldrand endet.

Wir sehen sogar zwei Wanderer, die, in fester Regenkleidung, bereits ein Stück in den Wald hinaufgegangen sind. Wir bleiben im Wagen, denn aus dem Nieseln ist inzwischen ein handfester Schauer geworden.

Uns zieht es zurück in die Sonne, an die Südküste, über Puerto hinaus, an den Bananenplantagen vorbei, zunächst nach Charco Verde einer kleinen Bucht mit schwarzem Sand, zwischen zwei Felsen unterhalb der Bananenfelder gelegen, mit Anbindung an die „Hauptstraße", aber dafür ohne jeden Schatten. Auf der Südseite von Charco Verde sieht man in dem Felsen eine größere Höhle.

Die Straße in den Süden endet in El Remo, einen Ort, über den der Baedeker schreibt, er bestünde nur aus ein paar Bretterhütten und Fischrestaurants. El Remo liegt am Rande eines Geröllfeldes aus Lava, unmittelbar am Wasser, hier mit dem Ansatz eines winzigen Kieselstrandes.

Wir haben zwar die neueste Ausgabe vom Baedeker – aber die Bretterbuden jedenfalls sind alle durch Steinhäuschen ersetzt worden, und der Ort verfügt sogar über eine winzige Kapelle. Ein Einheimischer sucht in den Klippen nach Meeresfrüchten, am Strand liegen einige Badegäste, die Fischrestaurants, noch extrem preisgünstig, sind gefüllt.

Vielleicht entsteht hier gerade ein neues Touristenzentrum wie in Puerto Naos. Nach einem kurzen Bummel über die dortige Strandpromenade kehren wir nach Tazacorte zurück und verbringen den Nachmittag am Pool.

Montag, 27. März 2000: La Cumbrecita – El Paso (La Fajana)

La Cumbrecita – ein weiteres Gesicht des Nationalparks der Caldera de Taburiente.

Hinter El Paso nehmen wir wieder die Straße zur Ermita Virgen del Pino, lassen den letzten Abzweig zu ihr rechts liegen, fahren weiter über eine leichte Steigung und eine für hiesige Verhältnisse ausgezeichnete Asphaltpiste in den Pinienwald, und schließlich weist ein Holzschild darauf hin, dass wir soeben sie Grenze zum Nationalpark überschritten haben. Es geht noch ein kleines Stück weiter, dann endet unsere Fahrt an einem Parkplatz, der sich später noch als viel zu klein für die Besucherströme erweisen wird.

Doch erst einmal genießen wir von diesem Parkplatz den Rundblick auf zwei scheinbar völlig unterschiedliche Landschaften: Richtung Süden ein dichter Pinienwald auf sanften Hügeln, die in der Ebene in saftigen grünen Weiden enden, Richtung Norden Bergzüge, die durch wie Monolithen herausragende Felsspitzen markiert werden.

Die gut ausgeschilderte Wanderroute führt über einen breiten und bequemen Weg zum Aussichtspunkt Las Chozas. Die ganze Wanderung über hat man einen nahe liegenden Felsen und den Bergzug auf der gegenüberliegenden Seite der Caldera vor Augen. Rechts neben dem Weg geht es steil nach unten ins pinienbewachsene Tal, die Abhänge immer wieder von – nun trockenen – Wasserläufen durchbrochen.

Vom Aussichtspunkt Las Chozas nun hat man zum ersten mal einen Blick auf das ganze Panorama.

Von hier geht es über einen etwas tiefer gelegenen schmalen Pfad zum Aussichtspunkt Los Roques. Dieser über zwei Holzbrücken führende Sandweg ist streckenweise rutschig, so dass man schon sorgsam auf seine Schritte achten muss. Und auch der Fels rechts neben dem Pfad ist locker und bröselig. Mitunter liegen herausgebrochene Stücke auf dem Weg.

Verführerisch ist aber der Blick in die Schlucht unter und. Aus den Hauswurzen sind lange quittegelben Blüten herausgewachsen.

Vom Los Roques sind es noch fünf Minuten zurück zum Parkplatz: Insgesamt hat die ganze Wanderung bei unserem gemächlichen Gang nur etwas über eine Stunde gedauert.

Schwieriger als diese Wanderung, eher ein Spaziergang, ist es nun aber, den Parkplatz zu verlassen: Mittlerweile herrscht hier ein Verkehr wie in einer Großstadt zur Rushhour.

El Paso, einer der größten Ort auf La Palma, dürfte auch die gesichtsloseste Ortschaft sein. Es gibt keine Altstadt, die Kirche ein eher unschöner Monumentalbau jüngeren Datums – und als „städtisches Zentrum" fungiert ein, allerdings auch zweckmäßiges und gut sortiertes, Einkaufszentrum. Nun wollen wir hier aber auch keine Stadtbesichtigung durchführen, sondern nach La Fajana, der nahe gelegenen Fundstätte von Guanchen-Felszeichnungen.

Bei unserem Weg dorthin verlassen wir uns auf die Ortskizze des ansonsten sehr hilfreichen Wanderführers „La Palma" aus dem Michael Müller Verlag: Das beschert uns zwar eine interessante Wanderung durch die Kakteenfelder der Umgebung El Pasos, führt uns aber nur über Umwege zu unserem Ziel.

Hinter dem Ortsrand von El Paso geht es zunächst an einigen kleinen Weinfeldern vorbei, schließlich über die Ausläufer eines unscheinbaren Barranco und dann entlang an Feldern mit wild wuchernden Feigenkakteen.

Schließlich sehen wir auf einer Anhöhe auch das Eisengitter, das die Felszeichnungen vor Beschädigungen schützen soll, kommen auch zu dem Haus mit der Palme, folgen aber – wie auf unserer Karte eingezeichnet – dem Weg entlang der Pumpstation.

Dieser Weg nun führt nun wieder an den Rand von El Paso oder einen der Vororte: Die Häuser stehen am Rand einer Felsformation, die an ihrem Grund etliche große Höhlen aufweist, wie sie von den Guanchen gerne als Behausung genommen wurden. Einige dieser Höhlen haben ummauerte und befestigte Eingänge, dienen den Eigentümern der oberhalb liegenden Häuser möglicherweise als natürliche Keller.

Allerdings endet dieser Weg schließlich auf einem Privatgrundstück; wir schlagen uns über die engen Wege durch die Kakteenfelder, stoßen dabei auf einen Feldstein mit Mäanderzeichnung. Doch es ist unmöglich zu bestimmen, ob es sich hier um eine Zeichnung von Menschenhand oder um natürliche Witterungsfolgen handelt.

Unser Fehler: An der beschriebenen Stelle mit dem Haus und der Palme hätten wir dem Weg folgen müssen, den wir für den Trampelpfad zu dem Grundstück hielten. Das ist er zwar auch – führt aber hinter dem Haus weiter zu den Felsmalereien.

Die sind hier, auf wesentlich kleinrer Fläche, mindestens ebenso kunstvoll wie die von La Zarza, stellen beispielsweise doppelte Sonnen oder auch Vollmonde dar, werden in der Literatur sogar mit den Zeichnungen der Azteken in Mexiko verglichen. Hier allerdings sind die Zeichnungen weit schlechter erhalten. Nach einigen Minuten Aufenthalt – man hat irgendwie das Gefühl: Der Weg ist interessanter als das Ziel – machen wir uns auf den Rückweg.

Am Abend unternehmen wir nicht einen Spaziergang von unserer Finca in Tazacorte durch die Bananenfelder zu der Steilküste. Interessant: In den Bananenfeldern schneidet ein Arbeiter an den noch heranwachsenden Stauden mit einem Messer von jeder einzelnen Banane die schwarzen Spitzen. Und das muss an jeder einzelnen Frucht an jeder einzelnen Staude dieser unüberschaubaren Plantagen getan werden – ein nie enden wollende Sisyphosarbeit.

Dienstag, 28. März 2000: Los Llanos – Tazacorte – San Nicolás

Am Vormittag fahren wir zum Einkaufen nach Los Llanos: Die Stadt ist voll von Geschäften – nicht nur Souvenirläden, sondern auch edle Boutiquen, eine Fülle von Blumenläden usw. Wir kaufen eine Vase aus schwarzer Lavakeramik für 1450 Peseten.

Den Nachmittag verbringen wir am Pool unserer Finca, machen Naturbeobachtungen in den Bananenfeldern: Die Steinmauer unterhalb des Gebäudes beherbergen ganze Kolonien von Eidechsen, grüne, graue, braun-gestreifte, einige mit blauen Verfärbungen an den Seiten ihrer spitzen Köpfe. Die Echsen sonnen sich auf den herausragenden Steinen, verschwinden blitzschnell in den Mulden, wenn sie Gefahr wittern.

Beachtlich sind auch die Spinnen, die ihre Netze zwischen den einzelnen Bananenstauden spinnen.

Am Abend fahren wir zu unserem La-Palma-Abschiedsessen in die Bodegón Tamanca am Ortstrand von San Nicolás. Die Tour dorthin, von Tazacorte durch die Bananenfelder über Todoque, führt uns noch einmal in die Landschaft der Vulkane.

Bei Todoque beginnt das große schwarze Lavafeld vom letzten Ausbruch des San Juan, die Straße nun genau durch diese Mischung von Geröll und herausgespieenen Felsbrocken gebaut. In San Nicolàs folgt dann das eigentliche „Naturwunder": Eine von einem Berg herunterströmende schwarze Lavaschneise, Ursprung des weiter unter liegenden Feldes, umgeben wieder von grünem Wald, eine Schneise, die beim Ausbruch des San Juan die Ortschaft San Nicolás selbst um wohl keine hundert Meter verfehlt hat.

Auch die Bodegón Tamanca ist ein Ergebnis des Vulkanausbruchs, aus Lavasteinen direkt an den Fels gebaut, bekannt nicht nur als Restaurant, sondern auch als Weinkellerei.

Mittwoch, 29. März 2000: Santa Cruz de a Palma (Flughafen)

Die Fahrt von Tazacorte zum Flughafen dauert knapp über eine Stunde: Nach 14 Tagen auf La Palma scheinen die Steigungen und Kurven auf dieser Hauptverbindungsstraße geradezu harmlos.

Unsere letzte Ausgabe am Flughafen: 1300 Peseten für einen kleinen Drachenbaum.

Um 14.10 geht unser Flieger zurück nach Deutschland.

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