La Gomera und El Hierro - die abgelegensten Inseln der Kanaren, sind vom Tourismus noch nicht so erschlossen wir etwa Teneriffa oder Gran Canaria

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Spanien, Kanaren: La Gomera, El Hierro -  Barrancos, Delfine und ein Leuchtturm am Ende der Welt

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Valle Gran Rey, Ortsteil Puntilla - das Hotelviertel  Valle Gran Rey, La Calera - Aufstieg in die Berge Auf dem Höhenzug La Merica, kurz hinter Calera Los Organos - die Orgelpfeifen an Gomeras Küste

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Wilde Küste, wilde Barrancos - die Landschaft von Gomera Fällt von jedem Punkt ins Auge: Gomeras Tafelberg  Bananenfelder vor Agulo - an der Nordküste von Gomera El Hierro: Küstenlandschaft mit Lavafeldern - El Golfo

La Restinga auf El Hierro - vom Fischerdorf zum Touristenzentrum

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Unheimliche Vulkanlandschaft gleich hinter La Restinga

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Die Reiseroute: LA PALMA - TENERIFFA: Los Christianos - LA GOMERA: San Sebastian - Valle Gran Rey (mit Touren über den La Merica nach Arure, per Boot nach Alojera, Los Organos, La Dama, Playa SantiagoWhalewatching, in den Nationalpark Garajonay nach El Cedro, HermiguaAgulo, Las Rosas, Vallehermoso) - San Sebastian - EL HIERRO: Puerto de la Estaca - Valverde - Frontera - Tigaday - Las Puntas (mit Touren nach Sabinosa, Casa Rosa, La Dehesa, Ermita de los Reyes, Faro de Ochilla, El Pinar, La Restinga, Casas Guinea) - San Andres - Valverde - Puerto de la Estaca - LA GOMERA: San Sebastian - Valle Gran Rey

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Donnerstag, 19. November 1998: Berlin - LA PALMA - TENERIFFA: Los Christianos - LA GOMERA: San Sebastian - Valle Gran Rey (La Puntilla)

Etwa gegen 14 Uhr MEZ legt die Maschine der Air Berlin auf dem Flughafen von La Palma nach knapp fünf Stunden Flugzeit einen Zwischenstop ein.

Wir überfliegen ein farbenprächtiges Korallenriff - aber La Palma selbst wirkt beim Landeanflug schwarz und schroff, und nach unserer Landung sehen wir die Insel unter einer Wolkendecke. Ganz in der Nähe des Flughafens hat sich offensichtlich ein touristisches Zentrum etabliert - Hotels und Appartementhäuser dicht an dicht an einer Bucht.

Der Weiterflug nach Teneriffa dauert rund 20 Minuten. Die Flugroute liegt nun genau zwischen Teneriffa im Norden und La Gomera im Süden, man kann beide Inseln gleichzeitig sehen. Gomera wirkt aus der Luft, als handele es sich um eine fast unbesiedelte Insel.

Ganz anders Teneriffa: Auf dem Weg vom Flughafen zum Fährhafen Los Christianos passieren wir eine Siedlung nach der anderen, alle erkennbar als Appartement- und Feriensiedlungen, kommen dazu an riesigen Hotelkomplexen vorbei. Und es wird fleißig weitergebaut!

Gegen 15.20 Uhr Ortszeit sind wir am Fährhafen, besorgen uns noch die Passage-Tickets der Linea Fred-Olsen - und verlassen kurz nach 16 Uhr Teneriffa Richtung La Gomera.

Die Bucht von San Sebastian, Gomeras Inselhauptstadt, ist eingeschlossen von steil ins Meer fallenden Felsen, kahl und abweisend. In der Bucht dann drängt sich das Städtchen, wobei vom Wasser aus zunächst ein unpassender Hochhausbau unangenehm ins Auge fällt.

Mit dem Bus geht es nach Landung ins rund 50 Kilometer entfernte Valle Gran Rey, unserem Zielort. Über kurvenreiche Serpentinen quält sich der Bus in die Berge - und hat auch schon bald eine Panne, die ihn zum Stop zwingt. Kaum ein Strauch, kein Baum, ab und an einige in die Berge für die Landwirtschaft gelegte Terrassen, auf denen momentan aber auch nichts wächst - das ist Gomera in der mittleren Höhenlage.

Doch je höher wir kommen, desto grüner wird die Umgebung, und schließlich ist es, als sei die Straße von Bäumen regelrecht überwuchert, hätte das Grün nur eine kleine Schneise für den Verkehr freigelassen.

Bei der Einfahrt nach Valle Gran Rey stoßen wir zunächst auf ein langgezogenes Straßendorf, das kaum auf touristische Aktivitäten schließen lässt. Unser Hotel, das Jardin del Conde, liegt im Ortsteil La Puntilla, unmittelbar am Meer.

Freitag, 20. November 1998: Valle Gran Rey (Vueltas)

Der Küstenbereich von Valle Gran Rey zerfällt in drei Ortsteile. Neben Puntilla liegen im Nordwesten La Playa, der Strandbereich, den wir bereits gestern Abend besucht hatten, und im Osten Vueltas, das Gebiet um den Hafen, das wir heute durchstreifen. Unser Hotel liegt ziemlich genau in der Mitte.

Das beeindruckende Panorama, das diese drei Ortsteile miteinander verbindet, ist das gewaltige Felsmassiv, das sich unmittelbar hinter den Ansiedlungen erhebt, und das steil nach oben ragt, auf seinem "Dach" teilweise bizarre Formen bildend.

Den Vormittag verbringen wir noch müde von der Reise am Swimmingpool des Hotels, brechen dann gegen 14 Uhr in die "Stadt" auf. Dabei haben wir ganz konkrete Ziele: Batterien bzw. Akkus für unsere Foto- und Videoausrüstung kaufen, Geld tauschen und last not least eine Delfin-Tour buchen. Nach einem Fotofachgeschäft hatten wir bereits am Abend zuvor gesucht, in Playa auch gefunden - doch weder gab es die passenden Batterien, geschweige denn Akkus. Wenn überhaupt, so sagte man uns, würden wir das Gesuchte nur im Video Club in Vueltas finden.

Aber 14 Uhr ist in Valle Gran Rey eine schlechte Zeit, um Geschäfte zu erledigen. Selbst die Restaurants an der Strandpromenade sind wie ausgestorben, und auch in Vueltas lässt sich kaum ein Mensch auf der Straße sehen.

Die Geschäfte sind natürlich geschlossen, öffnen erst wieder gegen 17 Uhr.

Durch die engen Gassen mit ihren weißen meist zwei-, manchmal dreistöckigen Häusern - auch hier das meiste Appartementbauten - gelangen wir zum Hafen, der in einer geschützten Buch zwischen hohen Felsen liegt. Es sind vor allem bunte Ruderboote, die hier ankern, dazu noch drei etwas größere Boote, aber auch die beileibe noch keine Yachten.

Unterhalb des Felsens führt ein Weg entlang, um den Hafen herum, zu einer Obstplantage und einer weiteren Pension. Oben in dem Felsen nisten einige Möwen

Gegen 17 Uhr buchen wir bei "Capitano Claudio", das Büro liegt wenige Schritte vom Hafen entfernt, für Sonntag eine Tour zu den Organos-Felsen an der Nordküste sowie für den Montag eine Delfin-Tour. Die Organos-Fahrt kostet 5000 Peseten, die Delfin-Tour 3750 Peseten pro Person.

Der deutsche Geschäftsführer des Unternehmens, gleichzeitig noch Mitarbeiter des deutschsprachigen "Valle-Boten", sagt, dass in diesem Jahr 40 Prozent mehr Touristen auf Gomera wären als im Vorjahr. Ihm sei das ja nicht so recht...

Samstag, 21. November 1998: Valle Gran Rey (La Calera) - La Merica - Arure

Um 11.15 Uhr findet die einführende Informationsveranstaltung mit der örtlichen Vertreterin von ITS statt. Für diejenigen, die die Reiseführer gelesen haben, bietet diese Info-Veranstaltung kaum etwas neues, außer einigen nützlichen Hinweisen vielleicht, dass die Supermärkte in Vueltas billiger als in anderen Ortsteilen sind, aber das hatten wir eigentlich auch schon am Vortag herausgefunden.

Eine Besonderheit des Gomera-Tourismus: Das große Angebot an organisierten Wanderungen, keine unter 3750 Pesetas pro Person, also immerhin rund 45 Mark. Die Linienbusse auf der Insel fahren zu selten und alle nur über die Inselhauptstadt San Sebastian, und Taxis seien zu teuer, um die interessanten Ausgangsorte für Wanderungen zu erreichen, begründet die ITS-Vertreterin die Notwendigkeit dieses Angebots. Und außerdem seien die Wege so schlecht ausgezeichnet, dass sich ein Ortsunkundiger ständig verlaufen müsse.

Gleich nach dieser Belehrung machen wir uns zu Fuß auf den Weg nach Arure, das wir auf der über den Höhenzug La Merica führenden Wanderroute erreichen wollen. Der Merian-Reiseführer spricht hier von einer Distanz von zwölf Kilometern und bezeichnet diesen Weg als "Spaziergang".

Ausgangspunkt unserer Tour ist La Calera, der etwas höher gelegene Ortsteil von Valle Gran Rey. Die engen Gassen mit ihren kleinen ein- bis zweistöckigen Häusern schmiegen sich an den Fels, krumm und verwinkelt, ein Ort, der offensichtlich natürlich gewachsen ist, nicht dem Kopf eines Stadtplaners entsprang.

Ein Holzschild verweist auf den Wanderweg nach Arure. Leider ist der Hinweis nicht so präzise, wie er sein sollte: Wir erwischen den falschen Aufstieg, landen nach etlichen Treppen in einem höher gelegenen Privatanwesen.

Beim zweiten Anlauf sind wir auf dem richtigen Aufstieg. Angeblich soll es solche Wanderwege auf Gomera schon im 16. Jahrhundert, möglicherweise noch früher in der Guanchen-Zeit gegeben haben. Wenn dem so ist, wurde an diesem Weg seither nicht viel getan: Geröll bedeckt den ganzen Pfad, der sich in steilen Windungen und Kurven nach oben zieht. So weit es die Erschöpfung zulässt, kann man zwischendurch die Umgebung aus der Höhe bestaunen: Ein Tafelberg, der sich in der Ferne auf der gegenüberliegenden Seite der Schlucht erhebt, Palmenfelder unten im Barranco, die schroffe Küste von Valle Gran Rey, und schließlich die Felsen mit ihrem Diestelbewuchs und den Höhlen, die schon den Guanchen als Unterschlupf gedient haben dürften.

Und immer noch geht es höher hinauf, wird allmählich jeder Schritt zur Qual, und hinter jeder zurückgelegten Krümmung wird die Hoffnung enttäuscht, endlich den Felskamm erreicht zu haben. 983 Meter Höhe misst der La Merica laut unserer Karte - aber um diese Höhe zu erreichen, brauchen wir zwei lange Stunden.

Nun liegt ein weites Feld vor uns, auf dem die Ziegen grasen . Zwei verfallene Hütten befinden sich am Wegesrand. Über unseren Köpfen kreisen große schwarze Vögel, möglicherweise Bussarde oder Adler.

Der "Rest" des Weges ist ein "Kinderspiel" gemessen an dem Aufstieg, aber wir setzen ohnehin nur noch mechanisch ein Bein vor das andere. Glücklicherweise treffen wir immer wieder andere Wanderer, die uns von ihren Wasservorräten abgeben.

Gegen 17 Uhr erreichen wir Arure, laut Reiseführer einst Zentrum der Guanchenkultur, heute ein unscheinbares Bergdorf, in dem man noch einige kleinere Hütten aus aufeinandergeschichteten schwarzen Lavasteinen, die ursprüngliche Bauweise auf den Kanarischen Inseln, sieht.

Wir nehmen zurück den Weg über die Hauptstraße - und werden zum Glück von einem älteren deutschen Ehepaar im Wagen mitgenommen. Die beiden wohnen im gleichen Hotel wie wir.

Den ganzen Rückweg zu Fuß hätten wir nur schwerlich geschafft!

Sonntag, 22. November 1998: Valle Gran Rey (Vueltas, Playa del Ingles) - Alojera - Los Organos - La Dama - Playa Santiago - Valle Gran Rey

Um 10 Uhr vormittags sticht die "Tina" von Vueltas in See, nimmt Kurs nach Nordwesten. 5000 Pesetas pro Person haben wir für die Tour nach Los Organos bezahlt, und wenn das Wetter und die See es erlauben, soll es sogar einmal rund um die Insel gehen.

Zunächst passieren wir den Playa del Ingles, einen der schwarzen kleinen Strände von Valle Gran Rey, schon etwas abseits vom Ort gelegen, umgeben von Felsen, die steil ins Meer fallen.

In einer Schlucht zieht sich der Küstenort Alojera bis hinunter ans Meer - aber dies ist weit und breit auch die einzige menschliche Ansiedlung.

Je weiter nördlich wir die Küste entlang fahren, desto stärker wird der Wellengang. Das Boot liegt schwer in der See, und die Passagiere werden nun aufgefordert, das obere Deck zu verlassen, auf dem unteren Deck Platz zu nehmen, um so die Balance zu sichern.

Als eine gespaltene Klippe ragt jetzt einer der Felsen ins Meer - und als wir diesen Felsen passiert haben, erblicken wir schließlich die "Organos", die "Orgelpfeifen". Tatsächlich handelt es sich um einen steilen Küstenfelsen, dessen Oberfläche durch Wetter und Wasser in Falten gelegt wurde, die nun wie runde Orgelpfeifen aussehen. Warum gerade hier und nur hier der Stein zu dieser Form geschliffen wurde - das ist leider nicht zu erfahren.

Wir fahren wieder zurück nach Süden, an Valle Gran Rey vorbei, passieren La Dama, das hoch über dem Meer auf einem Felsplateau liegt. Oben auf dem Berg wachsen Bananen; die Felder werden mit Mauern vor dem Wind geschützt.

Es scheint, als seien hier an der Südküste die Berge flacher, und immer wieder sieht man auch in größerer Entfernung einsame Häuser in den Schluchten oder auf einem Felskamm stehen. An den Küstenfelsen nisten Möwen - und vielerorts hat die Brandung tiefe Höhlen in das Gestein gegraben.

Zwischen La Dama und Playa Santiago liegt in einer kleinen Bucht eine verlassene Ortschaft, offensichtlich eine ehemalige Fischfabrik, eingeschlossen von Bergen, nur mit dem Boot erreichbar. Vor den Ruinen ankern wir, nehmen hier an Bord unser Mittagessen ein.

Dann laufen wir Playa Santiago an, ein kleiner Ort, der aber gerade eine rege Bautätigkeit entfaltet. Die Häuser sind strahlend weiß, sehen gediegen aus, und etwas abseits auf einem Felsen liegt das einzige Luxushotel der Insel. Im Osten kann man den Teide, den höchsten Berg Teneriffas (und ganz Spaniens) in seiner ganzen Pracht bewundern.

Nun kehren wir um, fahren zurück nach Valle Gran Rey, wo wir kurz vor 18 Uhr in Vueltas an Land gehen.

Montag, 23. November 1998: Vor La Dama: Delfin-Tour

Pünktlich um 10 Uhr sticht unser kleines Motorboot mit insgesamt sechs Passagieren an Bord (Preis pro Person: 3750 Pesetas) zum Whalewatching in See. Wir nehmen Kurs in südöstlicher Richtung, kreuzen schon bald vor La Dama.

Nun, aus größerer Entfernung als gestern, sehen wir nicht nur die Mauern, die schützend um die Bananenfelder auf den Felsen angelegt sind, wir sehen die ganzen Felder, die das Felsplateau völlig bedecken. Das Grün der Plantagen hebt sich deutlich ab von dem Rot und dem Grau, den vorherrschenden Farben des Gesteins. Und natürlich sieht man wieder in größerer Entfernung den Teide, dessen Gipfel nun über eine Wolkendecke hinausragt.

Etwa eine Stunde müssten wir hinausfahren, wenn wir, ohne Garantie, auf Delfine stoßen wollen, hatte der Bootsführer bei der Abfahrt in Vueltas erklärt. Die Wahrscheinlichkeit, auch tatsächlich Delfine zu sehen, läge ungefähr bei 65 Prozent - und nun sind wir erst 45 Minuten unterwegs, und er will bereits die ersten Delfine ausgemacht haben. Allerdings: Was er aus der Entfernung für Delfine hielt, war ein Schwarm fliegender Fische, wie wir sie bereits gestern bei unserer Tour mit der "Tina" häufiger gesehen haben.

Noch weitere eineinhalb Stunden kreuzen wir auf See, immer wieder aufgeschreckt vom Ausruf unseres Bootsführers, in der Ferne wären Delfine. Dann setzen wir uns in die entsprechende Richtung in Bewegung - und ich sehe nichts als das Spiel der Wellen.

Tatsächlich ist es für das ungeübte Auge auch gar nicht so leicht, die schnellen Tiere auszumachen. Allzu leicht hält man voller Hoffnung einen dunklen Fleck im Wasser für einen großen Fisch, vielleicht sogar für einen Delfin oder einen Wal, um dann festzustellen, dass es doch nur ein Lichtspiel in den Wellen und der Strömung war.

Aber dann sehen wir doch, vielleicht 30 Meter vor unserem Bug, einen schwarzen Delfin bei seinem Sprung über die Wellen. Einige Meter hoch fliegt das Tier über das Wasser, um dann wieder ins Meer einzutauchen. Und es ist nicht allein! Eine ganze Delfinschule, vielleicht 20 oder 30 Tiere, tummeln sich in einiger Entfernung längsseits, bahnen sich in kurzen Sprüngen ihren Weg durch das Wasser.

Es sind Streifendelfine, scheue Tiere, die sofort verschwinden würden, wenn wir uns weiter näherten, klärt uns der Bootsführer vom "Club de Mar" auf. Warum sich diese überaus schnellen Tiere - Verfolgung unmöglich - so völlig anders verhalten als die Fleckendelfine, die sogar um die Boote herumschwimmen, das wisse Gott allein.

Doch die zutraulichen Fleckendelfine lassen sich heute nicht blicken, und so beobachten wir aus gehöriger Entfernung ihre gestreiften Vettern beim Ritt durch die Wellen, bis wir schließlich umdrehen und kurz vor 15 Uhr im Hafen von Vueltas einlaufen.

Am Nachmittag buchen wir im Reisebüro "Payco", im Ortsteil La Playa gelegen, die Hin- und Rückfahrttickets für unseren geplanten Abstecher nach El Hierro am kommenden Samstag - und für den kommenden Tag eine Tour in den Nationalpark.

Dienstag, 24. November 1998: Valle Gran Rey - Arure - Nationalpark Garajonay - El Cedro - Valle Gran Rey

Die Anfahrt zum Nationalpark Garajonay - Start: 9.00 Uhr, Preis für die organisierte Wanderung: 3400 Pesetas - dauert etwas über eine halbe Stunde und führt wieder an dem Bergdörfchen Arure vorbei. In ihren Gärten haben die Einwohner vielfach Kakteen angepflanzt, die Pflanzen so dicht aneinander, dass man kaum hindurch kann. Aber an jedem Kaktus wachsen die schmackhaften Feigen, aus denen auch Marmelade hergestellt wird. Nur: Wie werden sie eigentlich geerntet?

Hinter Arure ändert sich das Landschaftsbild, das Grün von Farnen, Sträuchern und endlich auch Bäumen überwiegt das Grau des felsigen Bodens.

Schließlich haben wir den Ausgangspunkt unserer Wanderung erreicht, verlassen den Bus und steigen über einen Wanderweg auf den Garajonay, mit seinen rund 1500 Metern der höchste Berg Gomeras.

Gleich zu Beginn unserer Wanderung macht uns der Bergführer, ein Tiroler, der seit sieben Jahren auf der Insel lebt, auf einen Strauch aufmerksam, der gar nicht einmal schlecht schmeckende brombeerähnliche Früchte trägt.

Die größten Bäume in diesem Teil des Urwaldes sind - neben den Erikabäumen - die Kanadischen Kiefern, die hier vor einigen Jahrzehnten angepflanzt wurden, um das Wasser aus den tief ziehenden Passatwolken herauszufiltern. Doch nun müssen diese Kiefern wieder abgeholzt werden, weil sie die anderen Gewächse des Waldes zu verdrängen drohen.

Obwohl der ganze Wald grün ist - nur an einigen Stellen finden sich vertrocknete Farnen - staubt die Erde bei jedem Schritt: Der Regen ist auf Gomera, so hatten wir immer wieder gehört, schon seit langem überfällig, die Zisternen sind fast völlig leer. Trotzdem: An einer Stelle des Waldes scheint es, als kämen wir gerade durch einen Schauer. Von den Bäumen tropft das Kondenswasser, das den ganzen Wald grün hält.

Auf dem Gipfel des Garajonay ist eine Aussichtsplattform errichtet, von der aus wir nun auf das an der Küste liegende La Dama und auf den Tafelberg, vor allem aber über das grüne Tal schauen. Allerdings: Die Aussicht ändert so schnell wie auch die Temperaturen. Ziehen die Wolken vorbei, reicht die Sicht gerade noch bis zur nächsten Baumreihe, und dann wird es auch so kühl, dass man schnell einen Pullover überziehen muss. Hat man ihn aber an, verschwinden die Wolken auch schon wieder, und die Sonne brennt wie zuvor.

Nun beginnen wir den langwierigen Abstieg, mitunter so steil, dass man selbst auf dem staubigen Boden auszurutschen droht. Wir gelangen an eine winzige weiße Kapelle, mitten im Nationalpark errichtet, wandern eine Weile an einem kleinen Bach entlang, dem einzigen Bach der Insel, der das ganze Jahr über Wasser führt und nie austrocknet, und erreichen schließlich an der Grenze des Parkes das kleine Bergdorf El Cedro, eine Ortschaft, deren Gehöfte an den Berghängen weit auseinander liegen, eine Ansammlung von Häusern ohne erkennbares Dorfzentrum.

Zum Anbau beispielsweise von Mais haben die Anwohner Terrassen angelegt, vereinzelt wachsen hier auch Palmen, von denen wir im Nationalpark keine einzige gesehen haben.

Nach dem Mittagessen passieren wir noch einen 500 Meter langen Wassertunnel, der vor einigen Jahrzehnten durch den Fels gestoßen wurde, um auch den Süden der Insel mit Wasser zu versorgen. Seinen Zweck hat der Tunnel nie erfüllt Nun dient er nur noch als touristische Attraktion, die El Cedro auf einem kurzen, aber dunklen und feuchten Weg mit der Asphaltstraße verbindet, wo uns der Bus für die Heimfahrt abholt.

Mittwoch, 25. November 1998: Valle Gran Rey - Garajonay - Hermigua - Agulo - Las Rosas - Vallehermoso

Gegen neun Uhr brechen wir auf zu unserer Bustour durch den Norden der Insel. Fahrpreis pro Person: 3350 Pesetas.

Noch vor Arure legen wir einen ersten Stop ein. Aus der Anhöhe sieht man über das Tal von Valle Gran Rey, erkennt deutlich den Lauf des inzwischen verschwundenen Flusses, der hier in früheren Zeiten ins Meer strömte.

Unser Weg führt nicht direkt nach Norden, sondern zunächst durch den Nationalpark, wieder vorbei am Garajonay. In der Nacht hat es gestürmt - und nun liegt der Lorbeerwald in den Wolken, ist es in der Höhe merklich kühl.

Eine Besonderheit an den Felswänden des Nordens: Auf dem Stein wachsen endemische Sukkulenten, die die Form von Kohlköpfen haben, teilweise aber weit größer werden.

Als erste Ortschaft hinter dem Nationalpark passieren wir Hermigua, ein langgezogenes Dorf mit weißen, sauberen Häusern. Im Tal werden natürlich Bananen angebaut, aber auch Wein. Für die Weinreben hat man extra Holzgestänge errichtet, die nun überall verstreut auf den Feldern liegen. Ein schönes Tal - aber das Dorf selbst scheint für den Besucher nichts besonderes zu bieten.

Wenige Kilometer weiter liegt Agulo, wo wir eine halbe Stunde verweilen. Enge Gassen mit Kopfsteinpflaster, dazu Bananenfelder um den Ortskern herum prägen das Bild dieses Dorfes. Von der Höhe aus blickt man auf einen kleinen Strand, der wegen der Wasserströmung aber nicht zum Baden geeignet ist.

Unsere nächste Station ist Las Rosas, wieder am Rand des Nationalparks gelegen. Der Ort selbst besteht aus einigen weit auseinanderliegenden Häusern, ein unscheinbares Dorf, das lediglich durch das Informationszentrum des Nationalparks und einen kleinen botanischen Garten an Bedeutung gewinnt. Dazu gibt es einige Läden für Kunsthandwerk, Töpferwaren, Holzschnitzereien, Bastarbeiten - alles Handarbeit, aber nichtsdestotrotz vor allem Kitsch.

Das Informationszentrum enthält einige Schautafeln zur Geologie und zur Fauna der Insel, lohnt aber doch keinen extra Umweg. Dafür ist der botanische Garten recht reizvoll angelegt.

In Vallehermoso legen wir eine Mittagspause ein. Das Beeindruckendste an dem Ort ist der mächtige Monolith, der hoch über das Tal ragt. Ansonsten ist Vallehermoso, früher ein wichtiges Handelszentrum für die Insel, die erste "Stadt" auf Gomera, in der wir einen richtigen Ortskern - mit Rathaus, Kirche und Dorfplatz - entdecken.

Weiter ab vom Ortskern, auf einem Hügel gelegen, steht ein großes gelbes Gebäude, das dem Verfall preisgegeben wird: die alte Station der Guardia Civil, während des Faschismus hier errichtet, weil Vallehermoso der einzige Ort auf den Kanaren war, wo es eine Widerstandsbewegung gab.

Unseren letzten Stop vor der Heimfahrt legen wir an einer Quelle ein, deren Wasser nach einer alten Guanchen-Legende heilende Kräfte enthalten soll, dazu Glück, Wohlstand usw. verspricht. Der Ort ist heute ein beliebter Picknickplatz der Einheimischen. Das Wasser, das aus Holzrohren herausschießt, schmeckt klar und wohltuend.

Gegen 17 Uhr erreichen wir wieder Valle Gran Rey.

Donnerstag, 26. November 1998: Valle Gran Rey

Ein fauler Tag am Swimmingpool unseres Hotels, des Jardin del Conde: Wir verbringen ihn mit dem Schreiben von Postkarten und lesen.

Freitag, 27. November 1998: Vor La Dama und Playa Santiago: Whalewatching

Mit der "Ascensan del Senor", einem offenen kleinen Fischkutter, wieder für 5000 Pesetas bei Capitano Claudio gebucht, stechen wir kurz nach 10 Uhr von Vueltas aus zum Whalewatching in See. Das Boot nimmt Kurs nach Südosten - und vor La Dama sehen wir auch schon die ersten Delfine.

Diesmal ist es ein ganzer Schwarm von hellgrauen Fleckendelfinen, die unser Boot begleiten. Einzelne Tiere scheinen sich einen Spaß daraus zu machen, direkt unter dem Boot hindurchzutauchen, um dann auf der anderen Seite urplötzlich für einen kurzen Moment wieder aufzutauchen. Allerdings: Dieser Moment des Auftauchens ist wirklich zu kurz, um ihn im Foto festzuhalten. Und zu akrobatischen Leistungen, zu hohen Sprüngen aus dem Wasser heraus, sind die Tiere heute nicht aufgelegt.

Wir verlassen die Fleckendelfine, fahren weiter nach Südosten Richtung Playa Santiago und begegnen unterwegs noch einer kleinen Gruppe von schwarzen Tümmlern.

Etwas weiter draußen im Meer liegt der "Magic Point", früher eine künstliche Plattform, von der aus die Fische mit Ködern angelockt wurden, heute ein unmarkierter Punkt im Meer, wo sich nach Auskunft des Skippers häufiger Grindwale sehen lassen. Aber heute ist der Seegang zu hoch, um dorthin zu fahren.

In Santiago können wir nicht einlaufen, weil alle Liegeplätze im Hafen besetzt sind. Also fahren wir langsam zurück nach Vueltas, wo wir etwa gegen 16 Uhr ankommen.

Für je 1030 Pesetas löse ich im Hafen noch zwei Tickets für das Schnellboot zur Inselhauptstadt San Sebastian morgen früh um 7.15 Uhr.

Samstag, 28. November 1998: Valle Gran Rey - San Sebastian - EL HIERRO: Puerto de la Estaca - Valverde - Frontera - Tigaday - Las Puntas

Entgegen allen Behauptungen über die Unzuverlässigkeit des Schnellbootes: Das Schiff fährt wirklich und verlässt auch fahrplanmäßig um 7.15 Uhr den Hafen von Vueltas. Eine halbe Stunde später legen wir in San Sebastian an.

Wir haben genug Zeit für einen Stadtbummel. Eine Strandpromenade führt vom Hafen zum Plaza de las Américas, wo gerade ein kleiner Markt mit Gemüseständen aufgebaut wird. An diesem Platz stehen auch einige ältere, schöne restaurierte Häuser im spanischen Kolonialstil mit hölzernen Balkonen.

Eine von hier abzweigende Hauptstraße führt zu den ältesten Teilen San Sebastians, zu zwei weißen, schmucklosen Kirchen aus der Zeit der Eroberung, und einige einstöckige Gebäude verweisen mit Gedenktafeln an ihre Errichtung im 16. Jahrhundert. Obwohl nach Auskunft einiger Einheimischer, die wir danach fragen, auch das Columbus-Haus hier irgendwo sein soll, können wir es aber nirgends entdecken.

Schließlich gehen wir zum Hauptplatz zurück, wo inzwischen der Markt voll im Gange ist, werfen noch einen Blick auf das kleine Fort in der Nähe der Hafenpromenade, nehmen an der Promenade einen Café con Leche und brechen dann wieder auf zum Hafen, wo mittlerweile unser Schiff nach El Hierro, bereits von Teneriffa kommend, eingelaufen ist.

Die meisten Passagiere steigen in San Sebastian aus - und nur wenige steigen für die Weiterfahrt an Bord. Fast leer sticht die Fähre in See.

Bei klarer Sicht fahren wir die Südküste Gomeras entlang, sehen zurück auf den Teide, passieren Santiago, auf dessen östlichen Berghängen sich grüne Bananenfelder ausbreiten, kommen am Magic Point vorbei, ohne allerdings Delfine oder Wale zu sehen, und lassen Gomera schließlich hinter uns.

Vom Meer aus wirkt El Hierro noch kahler und schroffer als La Gomera: Nackte Berge und nur eine einzige Ansammlung von Häusern, die Inselhauptstadt Valverde, sind zu sehen. Und die Einfahrt in den Hafen Puerto de la Estaca bestätigt diesen Eindruck: Nur ein paar einsame Kakteen wachsen am Berg oberhalb der Hafenbucht.

Wir mieten einen Wagen, fahren hoch ins Inselinnere - und bis Valverde ändert sich an dem zunächst gewonnenen Bild nichts.

Valverde selbst erscheint als ein hübsches Landstädtchen mit verwinkelten Gassen, allerdings an diesem Samstagnachmittag völlig verschlafen.

Auffällig bei unserem weiteren Weg: Kleine Felder, auf denen zumeist aber nichts zu wachsen scheint, abgegrenzt mit zum Teil schon zusammengebrochenen Mauern aus schwarzem Lavastein. Häufig sind auch kleinere Wohnhäuser aus diesem Lavastein gebaut.

Beinahe unmerklich geraten wir bei unserer Autofahrt allmählich in die Berge, sehen, je höher wir kommen, immer mehr Bäume, fahren an kleinen Hainen vorbei - und befinden uns dann mitten in dem dichten Pinienwald. Inzwischen sind wir so hoch - annähernd 1500 Meter über dem Meeresspiegel - dass die Wolken wie dichter Nebel auf der Straße liegen.

Dann, wieder auf dem Weg nach unten, sieht man den El Golfo, die langgestreckte Bucht, die das Bild des Großteils des Inselnordens prägt.

Vor uns liegt nun Frontera, zunächst eine lose Ansammlung von Häusern, dazu am Ortseingang wie ein Wahrzeichen zwei Kirchen: Eine davon auf einem Berg gelegen, mit einem kleinen Schiff, aber darauf ein zweistöckiger Turm, so dass das ganze eher an einen Leuchtturm erinnert. Darunter, zu ebener Erde wie die übrige Stadt, liegt die andere Kirche, ein langgezogenes weißes Gebäude.

In Tigaday, ein eher gesichtsloses Straßendorf, offiziell ein Ortsteil von Frontera, liefern wir Wolfgang, den wir auf dem Schiff kennen gelernt haben und der auf El Hierro jetzt 14 Tage wandern will, in seinem Hotel ab, machen uns dann auf den Weg an die Küste, nach Las Puntas.

Auf dem Weg dorthin kommen wir an großen Bananenfeldern vorbei, die hier noch besser als auf La Gomera geschützt sind.

Las Puntas ist ein ruhiges Dorf, die letzte Ansiedlung an der Straße von Frontera. Das einzige, was hier abends zu hören ist, ist das Zirpen der Grillen.

Sonntag, 29. November 1998: Las Puntas - Sabinosa - Casa Rosa - La Dehesa - Ermita de los Reyes - Faro de Ochilla - Las Puntas

Kurz vor 11 Uhr brechen wir in Las Puntas auf, fahren nach Westen Richtung La Dehesa.

Unseren ersten Stop legen wir in Sabinosa ein, einem kleinen Dorf an der gewundenen Straße, mit kleinen abzweigenden Gassen, die noch gewundener und steiler als die Hauptstraße selbst auf die Hügel oder hinunter ans Meer führen. Die Häuser sind weiß gekalkt und schmucklos. In einem der Gärten entdecken wir eine große hölzerne Weinpresse; in vielen Gärten wird auch Wein angebaut.

Hinter Sabinosa wird die Straße schlechter, ist sie in weiten Teilen auch gar nicht mehr asphaltiert. Auf kurvenreicher Strecke geht es nun hinab nach Casa Rosa, ein unscheinbares Dorf aus wenigen Häusern an der zerklüfteten Steilküste, fast am westlichen Endpunkt von El Golfo. Dieser unscheinbare Ort verfügt aber immerhin über ein Hotel - weil sich hier nämlich eine Thermalquelle befindet, deren Wasser gegen Haut- und Geschlechtskrankheiten wirken soll. Wir finden den Brunnen mit der Quelle zwischen den schwarzen Klippen: Das Wasser muss in der Tat sehr heilsam sein: Es schmeckt nach Salz und Jod - abscheulicher als viele Medikamente.

Westlich von Casa Rosa hört die asphaltierte Straße gänzlich auf, und die Schotterpiste führt nun durch eine unwirtliche Landschaft: Wie ausgespieen aus einem riesigen Schlot bedecken Lavabrocken jeder Größe das ebene Feld zwischen der Straße und der flachen, aber steinigen Küste. In diesem Feld finden wir Muscheln, auch einen steinharten weißen Kiefernzapfen - obwohl hier weit und breit keine Kiefern zu sehen sind.

Jetzt geht es die Serpentinen steil und in scharfen Kurven nach oben. Wir passieren La Dehesa, die Hochebene des Westens. Unter uns liegt die Küste als ein einziges schwarzes Lavafeld - und an unserer Seite breitet sich eine vertrocknete "Heidelandschaft" aus. Zwei inzwischen weiße, kahle Bäume haben sich vor einem roten Berg auf den Boden geneigt, von der Sonne gebleicht, vom Wind verformt.

Unser Ziel ist die Ermita de los Reyes, eine kleine Kapelle inmitten der als Weideland genutzten Dehesa. Weidende Rinder sehen wir zwar nicht, aber zwei mal wird unser Weg durch ein Tor versperrt, das man nach der Durchfahrt wieder verschließen soll: "Frei weidende Tiere" wird der Reisende auch auf Deutsch über den Grund dieser Wegsperren informiert.

Die weiße Kapelle liegt inmitten eines ummauerten Hofes. Offensichtlich gab es früher hier in dieser Abgeschiedenheit einige Mönchszellen. Berühmt ist die Kapelle aber vor allem wegen ihrer Marienstatue, das Heiligtum der ganzen Insel. Allerdings: Der Weg zur Kapelle ist weit interessanter als die Kirche selbst.

Nun fahren wir Richtung Südküste, zum Faro de Ochilla , dem Leuchtturm an dem südwestlichsten Zipfel der Insel - und damit am südwestlichsten Ende Europas. Der einsame Bau liegt inmitten eines riesigen Lavafeldes, und in seiner unmittelbaren Nachbarschaft erhebt sich nur ein Kreuz auf den Klippen. Mauerreste aus aufeinandergestapelten Lavabrocken lassen auf frühere menschliche Behausungen schließen.

Für die Welt der Antike noch bis zur Fahrt des Kolumbus galt dieser Punkt unterhalb eines geborstenen Vulkanschlotes als das Ende der Welt - und so wirkt diese Gegend auf den Besucher noch heute.

Nun geht es zurück nach Las Puntas, wo wir am Ende der Straße noch eine Skurrilität besuchen: Das "Hotel des Puntas", wie ein Schiff auf eine herausragende Landzunge gebaut, schmucklos und aus schwarzen Stein, aber, so das Guinessbuch der Rekorde, mit gerade vier Gästebetten das angeblich kleinste Hotel der Welt.

Am Abend ziehen Wolken auf, und es beginnt zu stürmen. Angeblich soll es bald regnen.

Montag, 30. November 1998: Las Puntas - Frontera - El Pinar - La Restinga - Casas Guinea - Las Puntas

Kurz nach zehn Uhr starten wir zu unserer Inseltour, machen dann unseren Stop bei den beiden Kirchen am Ortseingang von Frontera.

Der tiefer gelegene langgezogene weiße Kirchenbau stammt einer Inschrift nach aus dem Jahr 1892, ist innen holzgetäfelt und mit einigen Christusfiguren ausgestattet.

Berühmter ist allerdings die kleine Kapelle daneben, auf einem rötlichen Hügel gelegen, zu erreichen über eine steile Treppe aus Lavastein - ein Weg, wie für einen Bußgang gemacht. Fotos dieser Kapelle finden sich in einigen Reiseführern, vor allem wohl wegen des imposanten Felshintergrundes, und diese Fotos sind beeindruckender als die Realität. Die Kapelle erweist sich als ein ziemlich moderner Bau, offensichtlich erst kürzlich instandgesetzt, der untere Raum leerstehend. Lohnend ist der Aufstieg vor allem wegen der Aussicht auf die Ebene, auf das weit verstreute Frontera und auf die Küste des Golfs.

Über den Bergzug geht es nun durch die grünen Pinienwälder, eine Landschaft, wie man sie eher in Mitteleuropa erwarten würde. Doch ein Teil des Waldes, durch den wir nun kommen, als befänden wir uns im späten Herbst. Die Bäume sind kahl und wie abgestorben. Tatsächlich wütete in dieser Gegend kürzlich ein Waldbrand - aber unmittelbar neben der verwüsteten Fläche ist alles wieder grün.

Die Pinienzapfen, die wir am Straßenrand finden, sind um ein Vielfaches größer als die Zapfen unserer deutschen Kiefern.

El Pinar ist - für die Verhältnisse El Hierros - fast schon eine Stadt: Im Unterschied zu Frontera stehen die Häuser hier dicht an dicht an den engen, steil abfallenden Gassen. In den Gärten wachsen Kartoffeln und Wein, stehen Citrus- und Apfelsinenbäume. Der 700-Einwohner-Ort hat zwei zentrale Plätze: Oberhalb einen "modernen" Dorfplatz mit Sitzbänken und Aussichtsplattform und unterhalb, durch ein kleine Straße verbunden, einen hübschen Kirchplatz, der - so ein Hinweisschild - mit Geldern der Europäischen Union restauriert wurde.

In der Nähe hören wir eine Schafherde, die wir dann dabei beobachten, wie sie über die Dorfstraße in die Stallungen getrieben wird.

El Pinar gilt als Zentrum des Kunsthandwerks, und am oberen Ende des Dorfes finden wir dann auch eine Keramikwerkstatt, wo wir für 800 Pesetas einen Kerzenhalter aus Ton als Andenken kaufen. "Einheimisches" Kunsthandwerk: Die Werkstatt wird von einem Deutschen geführt!

Weiter südwärts geht es erst durch eine trockene Weidelandschaft, wo Feigenkakteen wachsen und Schafe grasen, dann schließlich durch eine Gegend, in der nur noch Lava das Bild bestimmt und schwarze Ascheberge oder rötliche Vulkankegel die Straße säumen.

Am Ende dieser Straße liegt La Restinga, ein kleines Städtchen mit Appartementbauten, Pensionen und auch einem größeren Hotelkomplex, einem Badestrand unmittelbar neben dem Hafen, in dem die Fischerboote liegen. Vor einigen Jahren gab es die Straße hierher noch nicht, standen an diesem Ort nur einige einsame Fischerhütten. Nun entwickelt sich hier gerade am südlichsten Zipfel El Hierros unterhalb eines roten Vulkankegels Europas südlichstes Touristenzentrum.

Auf dem Rückweg wollen wir kurz vor Las Puntas noch Casas Guinea, das Museumsdorf im altkanarischen Stil, besuchen. Allerdings: Der Eingang ist versperrt: Montag ist Ruhetag. So bleibt uns nur, von außen einen Blick auf die winzigen schwarzen Lavasteinhütten und einen schwarzen Kamin zu werfen.

Auch das benachbarte Terrarium, in dem die Riesenechsen El Hierros bis zu einer Größe von einem Meter heranwachsen, ist geschlossen. Ich klettere auf eine Anhöhe, um über die Mauer sehen zu können, entdecke aber keines der hier lebenden Tiere.

Am Abend fallen ein paar Tropfen des von den Einheimischen so heiß erwarteten Regens.

Dienstag, 1. Dezember 1998: Las Puntas - San Andres - Valverde - Puerto de la Estaca - LA GOMERA: San Sebastian - Valle Gran Rey

Kurz nach zehn Uhr verlassen wir die "Casa Margarete", unsere Pension in Las Puntas, in der wir die letzten Tage gewohnt hatten.

In der Nacht hat es tatsächlich etwas heftiger geregnet, es fallen immer noch einige Tropfen, und bei unserer Fahrt durch die Berge ziehen die Passatwolken nur einige Meter über der Straße über uns hinweg.

In San Andres, einem Bauerndorf hinter dem Bergrücken, legen wir einen kurzen Halt ein, nehmen in einer kleinen Bar einen Café con Leche. Der Ort ist umgeben von großzügigen Anbauflächen, im Dorf selbst entdecken wir in einigen Gärten Apfel- und Citrusbäume. Einige wenige Häuser sind noch aus schwarzem Lavastein gebaut - ansonsten hat San Andres nicht das geringste zu bieten.

Wenige Fahrminuten später erreichen wir Valverde, die Inselhauptstadt. Es gibt eine schmale Hauptstraße, über die - wie gerade auch in einigen anderen Orten, beispielsweise San Sebastian - Lichterketten gezogen sind. An dieser Hauptstraße stehen auch einige wenige ältere respektable Bürgerhäuser, doch alles in allem scheint es sich bei Valverde eher um ein vergessenes Provinzstädtchen zu handeln.

Einzig der Platz um die großzügige Kirche ragt aus diesem Bild heraus. Von der Hauptstraße aus geht es ein paar Treppen abwärts, dann steht man auf dem Kirchplatz, um den herum einige vornehme Häuser gruppiert sind, und von dem aus man einen Überblick über die tiefer gelegenen Ortsteile hat.

Von Valverde aus sind es noch acht Kilometer bergab nach Puerto de la Estaca. El Hierros Hafen besteht lediglich aus einer Kaimauer, die aus einer Bucht herausragt. An diesem Hafengelände befindet sich ein - geschlossenes - Postbüro, an den Hängen, die gleich steil emporziehen, wurden vier oder fünf Häuser errichtet - das ist alles.

Pünktlich um 14.45 verlässt unsere Fähre von der Linie Trasmediterranea den Hafen von El Hierro, kreuzt schon bald wieder vor La Gomera.

Auch hier muss es geregnet haben. Über den steilen Küstenfelsen spannt sich ein Regenbogen.

Wir haben unerwartetes Glück: Um 18.15 Uhr sind wir in San Sebastian - und schon um 18.45 Uhr geht das Schnellboot nach Valle Gran Rey. So sind wir schon um 19 Uhr wieder in unserem Hotel - und müssen nicht wie befürchtet bis 22 Uhr in San Sebastian auf den Bus warten.

Mittwoch, 2. Dezember 1998: Valle Gran Rey

Der letzte Urlaubstag, den wir überwiegend am Swimmingpool des "Jardin del Conde" verbringen. Allerdings: Am Vormittag kommt es immer wieder zu kleinen Regenschauern. Trotzdem ist die Sicht so klar, dass man sowohl bis El Hierro als auch bis La Palma blicken kann.

Donnerstag, 3. Dezember 1998: Valle Gran Rey - San Sebastian - TENERIFFA: Los Christianos

Auf Gomera scheint die Regenzeit eingesetzt zu haben - wobei unter Regen aber nur kurze Schauer zu verstehen sind.

Um 9.00 Uhr, mit einer halben Stunde Verspätung, holt der ITS-Bus uns von unserem Hotel ab. Durch den Nationalpark Garajonay geht es zurück nach San Sebastian, wo wir um 10.40 Uhr die Fähre der Fred-Olsen-Linie besteigen.

Bei der Ankunft von Gomera aus wirkt Teneriffas Hafen Los Christianos nun noch aufgeblähter und überlaufener als bei unserer Ankunft auf den Inseln. Schon bei der Anfahrt vom Meer aus sprangen die hochgebauten Hotelkomplexe unangenehm ins Auge, und nun passieren wir mit dem Bus den Badestrand, wo die Liegestühle ordentlich in Reihe und Glied und dicht an dicht aufgestellt sind.

Gegen 13 Uhr sind wir am Flughafen, der 13 Kilometer von Los Christianos entfernt liegt. Um 15 Uhr geht unsere Maschine nach Berlin.

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