Tour durch das Maestrazgo und die Costa Azahar, Valencia, Provinz Castellon, nach Vilafamés, Ares del Maestre, Morella, Sant Mateu, Valltorta, Castellfort, Onda, Castellón de la Plana, Vall d’Uixcó

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Spanien, Valencia: Steinzeit-Bilder und  Mittelalter-Städte in Castellón

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Die Gassen von Vilafamés - mit ihren weißen Häusern. Ares del Maestre - ein Ort, geschmiegt an den Felsen Das Städtchen Morella - mit Stadtmauer und Zitadelle. Noch maurisch geprägt: Ein Stadttor von Mirella

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Blick auf den Nationalpark Valltorta - mit seinen Felszeichnungen Spuren der Steinzeit-Maler: Ein Hirsch-Bild im Felsen  Am Stadtrand von Morella: die kleine Stierkampfarena Gemälde auf Keramik - gesehen im Keramikmuseum von Onda 

Castellon de la Plana: Die Kathedrale der Provinzhauptstadt 

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Der San José im Vall d'Uixcó - ein befahrbarer Höhlen-Fluss

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Beschriebene Orte: Vilafamés - Ares del Maestre - Morella - Vallivana - Sant Mateu - Valltorta und Tirig - Albocasser - Castellfort und Ermita de Sant Pere - Onda - L’Alcora - Castellón de la Plana - Chilches (Xilxes) - Vall d’Uixcó mit dem San José

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Donnerstag, 10. September 2009: Valencia - Vilafamés – Ares del  Maestre – Morella

 

Gegen 10.30 Uhr landet die Maschine der Air Berlin nach einem etwas mehr als halbstündigen Flug von Palma de Mallorca aus auf dem Flughafen von Valencia. Mit dem Zwischenstopp auf Mallorca dauert der Hinflug von Berlin, Startzeit bereits 6 Uhr früh, rund vier ein halb Stunden.

 

Allerdings ist unser Ziel noch längst nicht erreicht. Etwa eine Stunde noch fahren wir über eine gut ausgebaute Landstraße, fast eine kleine Autobahn, Richtung Norden, in die Provinz Castellón, die nördlichste Provinz der Autonomen Region Valencia. Die Gegend, die wir passieren, ist grün und hügelig, wobei die Hügel eher sanfterer Art sind, mitunter aber auch mit einem gewaltigen Fels in ihrer Mitte.

 

An einen solchen Felsen, einem rötlichen Sandsteinfelsen, geschmiegt stehen auch die Häuser der Ortschaft Vilafamés, das erste Ziel unserer Tour durch Castellón. Auf der Spitze dieses Felsens sind noch die Reste einer mittelalterlich anmutenden Festungsanlage zu erkennen.

 

Zu den Sonderbarkeiten von Vilaflamés, aber auch anderen Ortschaften, die wir noch besuchen werden, gehört der Umstand, dass auch in den engsten Gassen noch Autos verkehren dürfen – und dies auch tatsächlich tun. Dabei sind die Gassen teilweise so schmal, dass hier kaum zwei Fahrräder nebeneinander passen, und kaum eine Straße ist so breit, dass sich zwei entgegenkommende Autos ausweichen könnten. Dennoch: Der Hauptplatz, an dem sich auch das Tourismusbüro befindet, wird auch als Parkplatz voll genutzt.

 

Praktisch von jedem Punkt in der Nähe des Ortsrandes kann man über die tiefer liegende Umgebung schauen, auf die Felder mit den Oliven- und Mandelbäumen. Wir haben gerade die Zeit der Mandelernte, und vor einigen Häusern liegen die prall gefüllten Säcke mit den Mandeln.

 

Für uns geht es die Gassen bergauf, zur Pfarrkirche „Maria Himmelfahrt“, ein Bau aus dem späten 16. Jahrhundert. Anderswo würde man diese Kirche, deren Schloss immer noch mit einem uralten, unterarmstarken Eisenschlüssel geöffnet werden muss, wohl als Kathedrale bezeichnen, hier ist es die ganz normale Dorfkirche einer 2000-Seelen-Gemeinde. Beeindruckend neben dem hohen Altar sind vor allem die gewaltigen Wandgemälde, die beinahe wie Wandteppiche erscheinen. Ansonsten ist die Inneneinrichtung – im Vergleich zu anderen katholischen Kirchen – verhältnismäßig schmucklos.

 

Von der Kirche aus laufen wir ein kleines Stück durch das sich gleich dahinter anschließende „Arabische Viertel“, wobei die meisten dieser alten Häuser aus rotem Sandstein erst nach der Reconquista, also nach der Rückeroberung der maurischen Gebiete durch die christlichen Heere errichtet wurden. Tatsächlich, so sagt Salva, unser Reisebegleiter vom Tourismusbüro der Provinz Castellón, wurde damals fast alles, was von den Mauren errichtet worden war, zerstört, so dass aus dieser frühen Periode von Vilafamés eigentlich nur das System der Wasserleitungen übrig geblieben ist.

 

Aber das „Arabische Viertel“ im Umfeld der Kirche bezeichnet eben die Altstadt dieser allerdings auch insgesamt mittelalterlich anmutenden Stadt. Die Gassen sind hier noch etwas enger und gewundener als anderswo in diesem Ort, vor manchen Häusern sieht man auch noch einige steinerne Bänke, verziert mit Kacheln, und an anderen Häusern verweisen Kacheln auf das angebliche Baujahr, etwa 1622.  Dabei machen die in rot und weiß gehaltenen Häuser – andere Hausfarben sind hier nicht gestattet – meist einen ordentlich rekonstruierten Eindruck. Tatsächlich ist dies auch das Viertel, wo sich etwa wohlhabendere Einheimische ihre Zweit- oder Ferienwohnung gönnen.

 

Noch etwas oberhalb vom Arabischen Viertel liegt der Fels, auf dem die Zitadelle errichtet wurde. Das, was wir nun besichtigen, ist allerdings keine mittelalterliche Burg, sondern lediglich die aus den 20-er Jahren des 20. Jahrhunderts datierende Rekonstruktion. Wirklich sehenswert ist auch nur die Aussicht mit Blick bis auf den 1813 hohen Pénagolosa, den höchsten Berg des Landstrichs Maestrazgo, benannt nach dem Ritterorden, der hier nach der Rückeroberung des Landes von den Mauren regierte.

 

In einem kleinen Landhotel mit ganzen sieben Gästezimmern, im El Jardin, nehmen wir unser Mittagessen. Der Gastraum hat schließlich auch für größere Gruppen die nötigen Ausmaße – und vor allem verfügt das Hotel über eine Aussichtsterrasse, die einen wirklich schönen Rundblick über das Umland gewährt.

 

Etwas Geschichts- und Sprachunterricht beim Essen. Ob das Valenzianische, das hier gesprochen wird, nun ein Dialekt des Katalanischen oder eine eigene Sprache ist, darüber, so Salva, streiten sich die Gelehrten. Jedenfalls sei es eine andere Sprache als das Kastilische, das Hoch-Spanisch, und an den Universitäten der Region wird sowohl auf Spanisch wie auf Valenzianisch unterrichtet. Manche älteren Leute, erzählt Salva, würden allerdings nur Valenzianisch verstehen, beispielsweise auch seine eigene Großmutter. Da unter der Franco-Diktatur aber nur das Hoch-Spanische benutzt werden durfte, war seine Großmutter wegen ihrer Sprache regelmäßigen Verfolgungen ausgesetzt. Heute jedenfalls sieht man praktisch überall etwa auf Hinweisschildern, dass Spanisch wie Valenzianisch völlig gleichberechtigt sind.

 

Bei unserer Weiterfahrt nach Norden passieren wir einen Ort mit großer Stierkampfarena, einem runden Bau, ganz in weiß gehalten.

 

In Ares del Maestre legen wir einen Stop ein. Von seiner Anlage her ist Ares del Maestre durchaus mit Vilafamés vergleichbar: ein Ort um einen Felsen, hier nun allerdings ein Kalksteinfelsen, wobei hier die Häuser aber alle, zumindest die, die man von der Ferne sieht, weiß sind, und als höchstes Gebäude die Kirche den Ort überragt. Der pittoreske Eindruck, den dieser Ort erweckt, relativiert sich dann in dem Dorf selbst, ist mehr etwas, was aus der Ferne entseht. Die Häuser sind meist schmucklos, und einzig am Marktplatz – ein allerdings übertriebener Begriff für diesen eher kleinen Platz -  fällt ein massiver Bau aus grauem Stein und versehen mit einem Säulengang aus der Reihe. Dieses Gebäude zumindest erinnert doch noch stark an den maurischen Einfluss.

 

Geht man an diesem Gebäude vorbei, steht man vor der Vorderfront der Kirche, jener Kirche, die schon von weitem das Panoramabild des Ortes bestimmt hat, dabei fast die sonst übliche Festung ersetzte. Dabei ist diese Kirche innerhalb des Ortes selbst so etwas wie eine Festung, dazu an ihren Fassaden mit antik anmutenden Nachbildungen von gewundenen Säulen versehen, die ihr nun ein fast „heidnisches“ Aussehen geben.

 

Wir spazieren am Ortsrand entlang, sehen von oben die in die Berge für den Feldbau gelegten Terrassen, abgestützt mit Mauern, die einen Bergrutsch verhindern sollen – und entdecken über uns schließlich einen Adler kreisen.

 

Bei der Weiterfahrt nach Morella begegnen wir nun vermehrt Schafherden – und bei unserem Foto-Stopp vor dem Panorama Morellas kommt auch noch eine Rinderherde daher. Wir sind in der Region der Pilze und der Trüffeln, berichtet Salva. Hier werden, meist in der Nähe von Eichen, die Schwarzen Trüffeln gefunden – und im November und Dezember, wenn es etwas kälter ist, ist hier auch die Zeit der Trüffelsuche. Dazu setzt man hier aber keine Schweine, sondern Hunde ein -  und die meisten Suchtrupps, die scheinbar auf Trüffelernte gehen, suchen in Wahrheit gar nicht nach den Pflanzen, sondern haben nur die Aufgabe, mögliche Verfolger auf eine falsche Fährte zu locken. Denn die lohnenden Fundorte werden als Geheimnis behandelt.

 

Vom System der Anlage her ist Morella errichtet wie Vilafamés und Ares del Maeste, nur, dass hier doch alles um einiges größer  und auch noch von einer wirklich mächtigen Stadtmauer mit als Vorwerken gestalteten Toreingängen umgeben ist. Außerdem gibt es unterhalb des Felsens, auf dem die Stadt liegt, noch die recht ordentlich erhaltenen Reste eines aus römischer Zeit stammenden Aquäduktes, Beleg einer langen Siedlungsgeschichte. Das Kontrastprogramm dazu: die modernen Windräder, die neben der Stadt in den Himmel ragen.

 

Mit dem Wagen in die Innenstadt kommt man nur, wenn man den Sperren über die Sprechanlage die Polizei oder das gebuchte Hotel ruft, die dann elektronisch die Poller einfahren. Aber selbst die Hauptstraße, in der unser Hotel, das Cardenal Ram, wohl einst das Stadthaus eines Landadeligen liegt, ist für jedweden Autoverkehr im Grunde viel zu eng, kaum mehr als eine Gasse. Morella scheint dabei durchaus auch ein gut besuchter touristischer Anziehungspunkt zu sein. In der Hauptstraße befindet sich praktisch jedem Haus, viele davon Fachwerkbauten mit hölzernen Erkern, ein Restaurant, ein Cafe oder ein Andenkengeschäft. (Mehr über Morella hier)

 

Freitag, 11. September 2009: Vallivana – Sant Mateu – Valltorta – Albocasser – Castellfort mit der Ermita de Sant Pere – Morella

 

Ein Blick zurück auf Morella: Die mächtigen Stadttore in der Mauer wirken fast maurisch, bieten aber ganz unabhängig von ihrem Baustil in jedem Fall ein wahrhaft imposantes Bild, das durch die weiter oben auf der Felsspitze liegenden Festungsmauern, die die ganze Stadt überragen, verstärkt wird.

 

Knapp 20 Autominuten von der Stadt Morella entfernt liegt Vallivana, ein winziger Weiler, streng genommen aber nicht einmal das. Der ganze Ort, der noch zur Gemeinde Morella zählt, so etwas wie ein Ortsteil Morellas ist, besteht nämlich aus einem einzigen Wohnhaus mit einer Bar im Erdgeschoss, einem größeren, aber leer stehenden und verschlossenem Steinbau – und der Kapelle, der Kapelle von Vallivanna mit der „Schwarzen Madonna“. Die Kirche ist ein grauer Bau mit Turm und den angedeuteten Säulen an der Fassade, was für die Kirchenbauten im Maestrazgo fast schon typisch zu sein scheint.

 

Der Innenraum wirkt eher dunkel, hat aber einen reich geschmückten Altar, in dessen Zentrum die Madonnenfigur steht. Das ist die Figur, die regelmäßig zum Ziel von Wallfahrten wird.

 

Als gegen Ende des 16. Jahrhunderts in der Region die Pest herrschte, zogen die Einwohner von Morella nämlich zur Kapelle von Vallivana, brachten die Madonna in ihre Stadt – und Morella wurde von der Seuche verschont. Seitdem gibt es alle sechs Jahre jeweils im August eine große Pilgerfahrt von Morella nach Vallivana, die nächste im August 2011, wird die Madonna wieder in die Stadt gebracht, dort eine Woche in der Kathedrale ausgestellt, was natürlich mit einem großen Volksfest verbunden ist.

 

Dazu erzählt hier nun ein großes Wandgemälde von der heilenden Kraft der Madonna, zeigt einen Scherkranken, der von seinen Trägern gebracht wurde und nun unter Beobachtung der Engel seiner Genesung entgegensieht.

 

Außerdem findet sich im Kirchenraum noch eine Namenstafel mit den Namen derjenigen, die im Bürgerkrieg auf der Seite der Faschisten gefallen sind. Solche Gedenktafeln, immer nur für Faschisten, sind, wie Salva sagt, praktisch noch immer in jeder Kirche Spaniens zu finden, zumindest in Kirchengemeinden mit mehr als 2000 Angehörigen.

 

Nach einer halben Stunde Fahrt erreichen wir Sant Mateu, eine Provinzstadt mit rund 8000 Einwohnern, diesmal kein an einen Fels geschmiegter Ort, sondern gelegen in einer flachen Ebene, weswegen die Straßen hier auch etwas breiter sind, auch der schmucke Marktplatz mit dem Springbrunnen um einiges größer ist als in den Orten, die wir bisher gesehen ist. Wohl wegen eines anstehenden Festes sind Platz und Straßen mit bunten Fähnchen geschmückt.

 

Gleich neben dem Marktplatz befindet sich die Kirche, auch hier wieder mit einem von Säulenimitationen verziertem Haupteingang. Dabei ist der Eingangsbereich, errichtet an der Stelle, wo einst ein römischer Tempel stand, noch im gedungenen Stil der Romanik gehalten, während das hohe Kirchenschiff majestätisch im Stil der Gotik erhebt, ein für katholische Verhältnisse fast schmuckloser, aber heller Raum, der aber durch seine Klarheit besticht. In der Mitte des Balkens, der such durch das ganze Dach des Kirchenschiffes zieht, findet sich die Darstellung eines goldenen Schafes. Im Mittelalter verdankte die Gegend um Sant Mateu ihren Reichtum schließlich der Schafzucht. Irgendwie erinnert dieses Schaf im Kirchendach nun allerdings an das Goldene Kalb aus der Bibel.

 

Kurz vor 12 Uhr erreichen wir den Nationalpark Valltorta bei der kleinen Ortschaft Tírig. Wir stellen den Wagen vor dem Museum ab, folgen dann dem Geröllweg zur Schlucht, zu dem Punkt, von dem aus man vom Berg hinab auf das Tal mit dem ausgetrockneten Flussbett schaut, natürlich auch auf den Felsen mit der rotbraunen Ausbuchtung, die den Jäger-Nomaden vor rund 10000 Jahren als Galerie für ihre Bilder diente.

 

In den 90-er Jahren des 20. Jahrhunderts, so berichtet unser örtlicher Führer, seien hier Wildziegen aus anderen Naturparks der Region zugewandert, und wer am ganz frühen Morgen kommt, kann sie unter Umständen auch sehen.

 

Wir passieren eine Steinhütte, einfach errichtet aus aufeinander geschichteten Schiefersteinen, mit einem gewölbten Dach, einem kleinen Einlass als einziger Öffnung. Solche Hütten errichteten schon die steinzeitlichen Jäger, die vor 10000 Jahren die Region durchstreiften, aber bis vor kurzem auch immer noch die Hirten als einfachen Unterstand.

 

Ein  Drahtzaun, dessen Tor aber nun für uns geöffnet ist, versperrt den Weg zu der Felsgalerie. Über ein eisernes Treppengerüst, teilweise aber auch über Steinstufen oder einfache Steinbrocken geht es nun zu dem schmalen Felsvorsprung mit den Steinzeit-Bildern. Der Zaun, der das Gelände seit einigen Jahren abschirmt, scheint übrigens die Wildziegen nicht von hier fern zu halten.  Von denen entdeckt man am Felsen immer wieder ihre Hinterlassenschaften. Aber dafür werden zumindest unangemeldete menschliche Besucher fern gehalten – und die haben bis vor einigen Jahren an den Zeichnungen einen regelrechten Raubbau betrieben, als Andenkensammler manches aus dem Fels geschlagen, wie der Führer erzählt.

 

Auf dem ersten Blick ist für den Laien von den Felszeichnungen ohnehin nur wenig erkennbar. Das ausgebleichte Ocker, der Farbe, in dem die Bilder gehalten sind, fällt auf dem rotbraunen Untergrund kaum auf, und eigentlich könnte es sich auch um eine natürliche, etwas dunklere Maserung des Gesteins halten. Erst beim näheren Hinsehen und mit Hilfe des Guides erkennt man dann das Bild eines Hirschen, vielleicht auch eines Ochsen, schließlich auch die mit Pfeil und Bogen oder Speer bewaffneten Jäger, die sich mal schleichend, mal rennend ihrer Beute nähern. Die einzelnen Figuren sind meist eher klein gehalten, bilden aber zusammen gehörende Gruppen, erzählen so vom Verlauf einer Jagd.

 

Wir stehen, um die Bilder zu betrachten, auf einem stählernen Gerüst. Für die Schamanen der Jäger-Stämme, die hier immerhin 4000 Jahre lang zu Werke waren, muss die Felsmalerei aber ein durchaus gewagter Job gewesen sein. Denn der Felsgrat, auf dem sie ihre Arbeit verrichten konnten, ist doch ziemlich schmal. Eine halsbrecherische Angelegenheit, denn von hier geht es doch steil in die Tiefe!

 

Im Museum – zu den Ausstellungsobjekten gehört auch die naturnahe Nachbildung eines Auerochsen, auch das eines der damaligen Beutetiere – erzählt eine Ton-Dia-Show vom Leben der Steinzeit-Jäger der Region von Valltorta. Der Raum dieser Vorführung enthält eine originalgetreue Nachbildung des Felsstückes mit den Zeichnungen – und die einzelnen Zeichnungen werden dann beim jeweiligen Abschnitt angestrahlt. Bei dieser Vorführung sieht der Laie übrigens mehr, als er vor dem Original entdeckt. So erzählen Ton-Dia-Show und die Bilder des Felsens schließlich auch von den bewaffneten Zusammenstößen der Jäger-Clans untereinander, wenn sie um die besten Jagdgründe kämpften, und auch um die regelmäßigen Reisen zum etwa 40 Kilometer entfernten Meer, wo sie mit den dort lebenden Fischern und Bauern Tauschhandel betrieben.

 

Es ist schon etwa 14.30 Uhr, als wir in einem Fernfahrer-Lokal bei Albocasser, einer etwas größeren Landgemeinde, zu Mittag essen – für spanische Verhältnisse übrigens ein eher frühes Mittagessen. Doch nach unserem Zeitplan sind wir schon etwas spät dran.

 

Das Dorf Castellfort, das wir eigentlich auch noch besichtigen sehen wollten, sehen wir jedenfalls nur aus der Ferne. Auch hier wieder: Ein Dorf auf einem Felsen, umgeben von den für die Landwirtschaft angelegten Terrassen im Berg.

 

Wir steuern die Ermita de Sant Pere an, ein einsam gelegener gedungener grauer Bau mit einer überdimensioniert erscheinenden Glocke im Turm. Neben der Kapelle stehen noch einige bescheidene Wirtschaftsgebäude im Stil der Hütten der Hirten. Das Land um die Ermita herum ist durchzogen von zu Maueren aufgehäuften Steinen, von den Grenzmarkierungen der Felder.

 

Nach 17 Uhr sind wir wieder in Morella, besuchen zunächst die unterhalb der Zitadelle gelegene Klosterruine. In einem der alten Klostertrakte sind die Wände mit mittelalterlichen Zeichnungen geschmückt, ansonsten vom Kloster nicht viel mehr geblieben als die Arkaden des einstigen Innenhofes.

 

Aber dafür hat man von hier nun einen  freien Blick nach oben, auf den Felsen und die Mauern der Zitadelle. Der Weg nach oben ist mitunter ziemlich steil, führt über hohe Steinstufen im Felsen – und gewährt mitunter fantastische Blicke auf die Stadt.

 

Besonders beeindruckend etwa auf halber Strecke: Unter uns liegt, bereits ziemlich am Stadtrand von Morella, noch innerhalb der Mauern, aber abgelegen wie in einem eigenen Dorf, die eher kleine ehemalige Stierkampfarena von Morella. Kaum vorstellbar, dass hier auch größere Kämpfe mit Pferden statt gefunden haben – aber immerhin doch eine eigene Arena für das Städtchen.

 

Schließlich haben wir das Felsplateau erreicht. Aber der Weg ist beeindruckender als das Ziel. Im Grunde gibt es hier nichts als die das Plateau umschließende Mauer, dazu einige leer stehende Wirtschaftsgebäude. Und mittelalterlich sieht es nun aus der Nähe auch nicht mehr aus. Die Festung, so Salva, diente während des Bürgerkrieges den Republikanern als Verteidigungsstellung, wurde dabei völlig zerstört – und nach dem Bürgerkrieg teilweise wieder auf- bzw. neu gebaut.

 

Wieder herunter vom Felsen unternehmen wir noch einen schnellen Abstecher in die Kathedrale der Stadt. Das Hauptportal ist geschmückt mit großen Skulpturen, die massive Tür noch übernommen von der Moschee, die ursprünglich hier stand und von den christlichen Eroberern vollständig zerstört wurde. Der – ziemlich dunkle – Innenraum besticht vor allem durch seinen mit Blattgold versehenen riesigen Altar.

 

Außerhalb der Stadtmauer schließt am Abend eine Landwirtschaftsschau ihre Pforten. Ausgestellt sind einige preisgekrönte Rinder, Schweine – sowie einige Esel.

 

Samstag, 12. September 2009: Onda – L’Alcora – Castelló de la Plana

 

Gegen 9.30 Uhr fahren wir aus Moralla ab, machen nach einiger Zeit einen kurzen Zwischenstop an einem Olivenhain. Die knochigen Bäume tragen jetzt ihre reifen Früchte.

 

Unser Ziel für den Vormittag ist Onda, auch das ein Ort mit einer auf einem Felsen liegenden Festung im Zentrum, aber darum herum hat sich hier doch eine weitläufigere, allerdings auch eintönige Kleinstadt entwickelt. Onda ist eine Industriestadt, eines der Zentren der Keramikindustrie – weswegen hier auch das örtliche Keramikmuseum auf unserem Besuchsprogramm steht.

 

Ausgestellt sind in dem modernen Gebäude am Stadtrand antike römische Kacheln, alte Ziegelsteine mit Ornamenten, dann die bereits in dieser Region hergestellten Kacheln der Mauren, schließlich spanische Kacheln, die in sämtliche Länder Europas ausgeführt wurden. Das sind dann zu Gemälden zusammengefügte Kacheln, die ihre Geschichten erzählen, etwa von der Seefahrt oder vom Leben auf dem Land, aber selbst Firmenschildern aus Kacheln müssen eine Zeit lang sehr gefragt gewesen sein.

 

Fotos von früheren Belegschaften verraten dagegen auch einiges über die Arbeitsbedingungen. Selbst aus den Bildern aus den 3ß-er, 40-er und vielleicht noch aus den 50-er Jahren des 20. Jahrhunderts sind auf diesen Fotos auch mit Kinder zu sehen, die in den Fabriken arbeiteten.

 

Eigentlich steht auch noch in L’Alcora ein Besuch des dortigen Keramikmuseums auf dem Plan, aber das Museum ist wegen Umbau geschlossen, zeigt in einem einzigen Raum nur ein wenig Kunstkeramik. Auch hier liegt das Museum eher am Stadtrand, aber noch als Teil eines Wohnviertels mit eintönigen Mietshäusern.

 

Zur Mittagszeit ist L’Alcora wie ausgestorben: Kaum ein Mensch ist auf der Straße zu sehen – obwohl es jetzt doch längst nicht mehr so heiß ist wie im Hochsommer. Wir essen in einem Straßenrestaurant Mittag, sind offenbar die ersten Gäste – und als wir gegen 15 Uhr mit essen fertig sind, füllt sich das Lokal allmählich.

 

Gegen 16 Uhr kommen wir in der Provinzhauptstadt Castellón de la Plana an. Unser Hotel, das Intur Castellon, liegt etwa 15 Gehminuten von der Fußgängerzone des Zentrums und dem Plaza Mayor entfernt.

 

Auf dem Weg dorthin passieren wir einen kleinen Platz, an dessen Ende ein Theaterbau aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert, so, wie wohl auch die anderen Häuser, die hier stehen. Wir nähern uns der Fußgängerzone und dem Plaza Mayor.

 

Das Zentrum der Provinzhauptstadt: Die alte Markthalle ist von Straßencafés eingerahmt, auf dem Platz findet sich das Rathaus und natürlich eine – im Vergleich zu den Gotteshäusern der Landstädte – nicht einmal sonderlich große Kathedrale mit getrenntem Glockenturm.

 

Inzwischen fängt es an zu regnen, wir gehen zurück zum Hotel, besuchen dabei noch kurz den Stadtpark, in dem erstaunlich hohe Palmen wachsen.

 

Sonntag, 13. September 2009: Chilches – La Vall d’Uixcó mit San Josep – Valencia

 

Südlich von Castelló, bereits als Teil der Costa Azahar, liegt der Badeort Chilches, auch Xilxes in der Sprache der Einheimischen. Es ist ein Ferienort praktisch ohne Hotels, nur mit Ferienhäusern und Ferienwohnungen, also praktisch nur für spanische Gäste.

 

Der breite, aber mit Steinen durchsetzte Sandstrand ist an diesem bewölkten Sonntagvormittag allerdings praktisch menschenleer. Lediglich zwei Angler, aber nicht ein einziger Badender, tummeln sich hier. Die Strandkioske sind geschlossen, außer uns lässt sich auch niemand auf der Seebrücke sehen. Das ist das klassische Bild einer beendeten Saison.

 

Kurz von 12 Uhr, noch eine halbe Autostunde von Valencia entfernt, haben wir La Vall d’Uixcó erreicht. Der ausgetrocknete Flusslauf ist Kulisse eines beliebten Ausflugszieles mit Restaurants, Souvenirläden und auch einem Kinderspielplatz. Am Eingang zur eigentlichen Sehenswürdigkeit herrscht dichtes Gedränge. Denn hier geht es in den San Josep, San José auf Spanisch, einen Höhlenfluss, den wir im Boot durchqueren wollen. Angeblich sei dies der längste bzw. größte befahrbare unterirdische Flusslauf Europas.

 

Wir befinden uns in einer Tropfsteinhöhle mit einer Temperatur von rund 20 Grad. Die Temperatur soll konstant sein, das Wasser ist klar, kalt – und darin sollen auch etliche Insekten leben, die man allerdings nicht sieht. Fische gibt es jedoch keine.

 

Und natürlich tropft es von den Wänden. Das, so sagt Salva, habe aber in den letzten 30 Jahren nachgelassen. Der Massenansturm an Besuchern habe die Höhle trockener gemacht – weswegen sie auch im Winter für zwei Monate immer geschlossen wird, sich in dieser Zeit klimatisch erholen soll.

 

Die ganze Tour über wird das Boot von unserem Steuermann Manuel Cassino gestakt. Für uns heißt es dabei immer: Kopf einziehen – denn über der Wasseroberfläche bleibt oft kaum Platz bis zur Tunneldecke. Auch das ist ein Grund, warum die Höhle im Winter gesperrt ist. Dann stehen die Gänge nämlich völlig unter Wasser.

 

Nach einer kurzen Strecke steigen wir aus, laufen einen der Höhlengänge hindurch. Dabei passieren wir den „Lago de Crocodiles“, eine kleine Wasserlache in einer Nische, in der ein länglicher Stein liegt, dessen Form vage an ein Krokodil erinnert. Dazu hat sich hier an der feuchten Höhlenwand ein grünlich schimmernder Pilz entwickelt. Ganz in der Nähe liegt noch die  „Teufelskralle“ genannte Kammer. 

 

Nach kurzer Zeit stehen wir wieder am Fluss, werden von unserem Boot aufgenommen, passieren nun noch einige richtig große Kammern, die hier unten wie hohe Säle erscheinen – und sind nach insgesamt rund 40 Minuten wieder im Freien.

 

Auch das Restaurant, in dem wir gegen 13 Uhr unser Mittagessen nehmen, liegt hier in einer Höhle – wobei es allerdings nicht mehr von den Wänden tropft. Selbst ein Höhlen-Hotel gibt es hier an diesem Ort.

 

Nach dem Essen geht es wieder zum Flughafen von Valencia, von wo wir – wieder über Mallorca – zurück nach Deutschland fliegen.

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