Polen-Reise nach Niederschlesien, nach Jelenia Góra, in das Hirschberger Tal, das Zillertal, in das Riesengebirge, nach Szklarska Proreba, Karpacz und auf die Schneekoppe, zu den Schlössern von Stonsdorf, Erdmannsdorf, Buchwald, Schildau, Schildau, und Lomnitz, ins Gerhart-Hauptmann-Museum von Agnetendorf

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Polen, Schlesisches Riesengebirge: Jelenia Góra und das Tal der Schlösser

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Handelszentrum: Die Arkaden auf dem Rathausplatz Hirschbergs  Das Schaffgotsch-Schloss im alten Bad Warmbrunn Schloss Fürstenstein als Nachbau  im Miniaturenpark Schmiedeberg Das Schloss von Erdmannsdorf: Sitz von Friedrich Wilhelm III. 

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Das Schloss von Schildau diente Prinzessin Luise als Domizil Die "Wernersdorfer Bleiche": Herrenhaus und Fabrik Rübezahl in seiner ursprünglichen Gestalt - im Riesengebirge-Museum Haus Wiesenstein -  Gerhart Hauptmanns Villa in Agnetendorf

Blick auf das Hirschberger Tal  - gesehen von Karpacz 

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Die "norwegische" Stabkirche Wang in Krummhübel

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Beschriebene Orte und Sehenswürdigkeiten: Jelenia Góra (Hirschberg) - Cieplice (Bad Warmbrunn) - Schloss Staniszów (Stondsdorf - Kowary (Schmiedeberg) Myslakowice (Erdmannsdorf) Bukowiec (Buchwald) Karpniki  (Fischbach) Wojanow (Schildau) Pakoszow (Wernersdorf) –  Schloss Paulinum - Szklarska Poreba (Schreiberhau) Jagniatków (Agnetendorf)Lomnica (Lomnitz)  - Karpacz (Krummhübel)

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Mittwoch, 18. Januar 2012: Jelenia Góra (Hirschberg) - Cieplice (Bad Warmbrunn) - Schloss Staniszów (Stondsdorf)

 

Bei der Anfahrt über die Landstraße hat man nicht wirklich den Eindruck, ins Gebirge zu kommen. In der Ferne ist zwar unter anderem der Gipfel eines fast gleichmäßig ansteigenden Berges, der Schneekoppe als markantestem Punkt eines größeren Höhenzuges zu erkennen, aber die Landschaft, die wir passieren, zeigt einen allenfalls hügeligen Charakter. Gegen 11 Uhr hatten wir mit dem Auto Berlin verlassen, waren bei Görlitz über die – nicht mehr bemerkbare – Grenze nach Polen gefahren, sind nun, kurz nach 14 Uhr, im Hirschberger Tal in Niederschlesien, erreichen gegen 14.40 Uhr schließlich Jelenia Gorá, die Kreisstadt der Region, das alte deutsche Hirschberg.

 

Wir parken in der Innenstadt, gleich neben dem Rathausplatz. Das Rathaus, in seiner jetzigen Gestalt, dreistöckig, mit einem Uhrenturm versehen, der natürlich alle anderen Altstadtbauten überragt, stammt, wie unsere Reiseleiterin Marzena Kozlowska-Kesicka weiß, aus dem Jahr 1749, aus der Zeit, aus der auch die umliegenden schmalen, ebenfalls dreistöckigen Bürgerhäuser, gehalten in den Farben Rosa, Beige oder gelblich, entstanden sein dürften. 

 

Allerdings macht der große Rathausplatz nun am Nachmittag einen recht verwaisten Eindruck – was allerdings in erster Linie an dem eher unfreundlichen Wetter liegen mag. Im Sommer, so sagt jedenfalls unsere Führerin, fänden hier regelmäßig Festivals und mehr statt, herrsche hier so viel Betrieb, dass man für die Wohnungen in den rekonstruierten Bürgerhäusern keine Mieter fände, sie nur als Büros genutzt würden.

 

Eine Sehenswürdigkeit dieses Rathausplatzes liegt verborgen in einem gleich neben dem Rathaus liegenden, aber unscheinbaren Gebäude der Stadtverwaltung: der tiefe, ummauerte Schacht eines aus dem 15. oder 16. Jahrhunderts stammenden Stadtbrunnens, der damals aber wohl öffentlich zugänglich gewesen sein muss.

 

Neben dem Rathausplatz verläuft die Hauptstraße der Altstadt, eine Fußgängerzone, in der, fast genau vor der Rückfront des Rathauses, ein alter Straßenbahnwaggon daran erinnert, dass schon im alten Hirschberg eine Straßenbahn verkehrte. Der vermeintliche Verlauf dieser Straßenbahnlinie wurde vor einigen Jahren bei der Rekonstruktion der Innenstadt mit schwarzen Steinen, die die Gleise darstellen sollen, markiert – wobei man allerdings wohl, so Marzena, einen Fehler machte, sowohl auf der linken wie der rechten Seite der Straße solche Gleisimitationen einließ, obwohl die Straßenbahn damals nur eingleisig verkehrte.

 

Im Jahr 1108 soll Jelenia Gorá von einem polnischen Fürsten gegründet worden sein, was, wie Marzena sagt, allerdings nicht schriftlich überliefert ist, sondern aus einer Reihe von archäologischen Funden geschlussfolgert wurde. Wie auch immer: Eine besonders imposante Stadt dürfte der mittelalterliche Ort kaum gewesen sein. Keine hundert Meter vom heutigen Rathausplatz verlief bereits die alte Stadtmauer, deren allerdings beachtlicher Wehrturm nach Abriss der Mauer zum Turm der St.-Anna-Kapelle umfunktioniert wurde. Die Kapelle muss bei ihrem Bau aber noch ein gutes Stück tiefer, unter der jetzigen Straßenhöhe gelegen haben.  Und so dürften die meisten Besucher vermutlich ohne darauf zu achten an einem Zeugnis mittelalterlicher Gerichtsbarkeit vorbeigehen, auf das uns Marzena ausdrücklich aufmerksam macht. Noch ein kleines Stück über das Straßenpflaster hinausragend sieht man in der aus Feldsteinen bestehenden Grundmauer der Kapelle den oberen Teil eines Büßerkreuzes. An dem mussten alle Verurteilten vorbei, wenn Sie durch das Stadttor zum Richtplatz geführt wurden.

 

Wir gehen zurück zum Rathausplatz, durchqueren dabei die zu den dortigen Bürgerhäusern gehörenden weiß getünchten Arkaden. Solche Arkaden waren in den Städten Schlesiens ungewöhnlich, demonstrierten damals den Reichtum und die Weltoffenheit von Hirschberg. In den Geschäften dieser Arkaden wurde damals nämlich mit Tüchern gehandelt, und dieser Handel hatte Hirschberg zur reichsten Stadt Schlesiens, zumindest zur reichsten Stadt von Niederschlesien gemacht.

In einem Restaurant, das in den Gewölben eines nahe beim Rathaus stehenden Hauses untergebracht ist, trinken wir unseren Kaffee. Das Gewölbe soll, wie der Brunnen, den wir zuvor gesehen haben, aus dem 15. oder 16. Jahrhundert stammen, und so alt sieht das Mauerwerk auch in etwa aus.

 

Nach dem Kaffee, es ist inzwischen schon dunkel, unternehmen wir noch einen Abstecher nach Cieplice, heute ein eingemeindeter Stadtteil von Jelenia Gorá, als Bad Warmbrunn noch ein selbständiger Kurort mit langer, bis ins Mittelalter zurückreichenden Tradition, wie Marenza berichtet. Die Heilkraft der Quellen hier soll nämlich bereits von den Zisterzienser-Mönchen entdeckt worden sein – die, so die Überlieferung, ihre Patienten in dem Wasser stundenlang regelrecht kochen ließen. Dazu wurden die Kranken in einen Leinensack gesteckt, mussten die ganze Zeit über singen oder aus der Bibel lesen. War aus einem der Becken dann nichts mehr zu hören, galt das als Zeichen, dass der Patient verstorben war – und dank des Sackes konnte man ihn nun auch ohne Probleme bergen.

 

Nun findet man am Kurpark – der Eintritt in den Park betrug in der Zeit, als dies noch ein deutscher Kurort war, eine Reichsmark – auch gleich daneben das großzügige Schloss der Familie Schaffgotsch, ein langgezogener Prunkbau mit zwei prächtigen Portalen, nun angestrahlt, den ganzen zentralen Platz des Stadtkerns beherrschend. Allerdings: Obwohl es noch gar nicht so spät ist, wirkt die Innenstadt von Cieplice wie ausgestorben.

 

Schließlich beziehen wir nach einer weiteren kurzen Fahrt unser Hotel, das Schlosshotel von Stanszów, dem früheren Stonsdorf. Das Schloss, umgeben von einem von Peter Lenné gestalteten Garten, dem ersten Beispiel eines Englischen Gartens in Niederschlesien, gehörte früher der thüringischen Adelsfamilie Reuß Jüngere Linie, ist als Schloss aber ein eher bescheidender Bau, mehr ein wuchtiges, großzügiges Landhaus als wirklich repräsentativ. Aber immerhin ist das der Herkunftsort des gleichnamigen Kräuterlikörs.

 

Donnerstag, 19. Januar 2012: Kowary (Schmiedeberg) – Myslakowice (Erdmannsdorf) – Bukowiec (Buchwald) – Karpniki  (Fischbach) – Wojanow (Schildau) – Pakoszow (Wernersdorf) – Cieplice (Bad Warmbrunn) – Schloss Paulinum

 

Auf der ältesten Straße des Hirschberger Tals, einer kurvenreichen, schmalen Straße, fahren wir von Stonsdorf in Richtung der Lomnitzer Hügel, dabei immer den Kamm des Riesengebirges vor Augen.

 

Auf unserem Weg  passieren wir das Zillertal, so benannt von den evangelischen Glaubensflüchtlingen aus Tirol, die sich hier im frühen 19. Jahrhundert ansiedelten. Und so sieht man in den Dörfern ab und an noch ein altes Haus im Tiroler Baustil, das Erdgeschoss holzverkleidet, nahezu idyllisch. Doch dieser Schein trügt. Denn auch in solchen Häusern lebten verarmte Weber, hatten im Erdgeschoss ihre schweren Webstühle zu stehen, während im oberen Stockwerk die Menschen unter total beengten Verhältnissen hausen mussten.

 

Eine andere Besonderheit des Zillertals sind die Quellen mit dem radonhaltigen Wasser, das hier zur Gründung einiger kleiner Kur- und Bäderhotels geführt hat.

 

Unsere erste Station des Tages ist der Miniaturenpark von Kowary, dem einstigen Schmiedeberg. Die Sehenswürdigkeit des Ortes: der so genannte Miniaturenpark. Hier stehen Nachbauten etlicher Schlösser, Burgen, Herrenhäuser und mehr aus ganz Schlesien, alle angeblich im exakten Maßstab 1:25, also eine Schlesische Schlösser- und Burgentour im Schnelldurchlauf, auch, wenn diese Maßstabsgenauigkeit vielleicht nicht bei jedem Exponat exakt eingehalten wurde.

 

Ins Auge springend jedenfalls noch im Eingangsbereich des Miniaturenparks: Die Marienkapelle von Grüssau, eine der größten Miniaturen im Außenbereich, mit zwei Türmen, die die Größe eines erwachsenen Menschen erreichen. Ebenfalls beeindruckend: die Burg Tzschocha und schließlich der Nachbau von Schloss Fürstenstein, dem größten Schloss Schlesiens, auch hier auf einem großen Felsstein nachgebaut, mit den verschiedenen Baustilen, die im Laufe der Jahrhunderte auch in das echte Schloss eingeflossen sind.

 

Was diese „großen“ Miniaturen gerade noch besonders hervorhebt, mag auch der Umstand sein, dass von anderen Nachbauten nur die Dächer aus der Schneedecke hervorragen, beispielsweise vom so genannten Witwenpalais des Schlosses von Lomnitz.

 

Weitere Exponate, die nicht auf der Freifläche stehen, sind im Ausstellungsraum untergebracht, einige, weil sie gerade instand gesetzt werden müssen oder vor Schnee und Kälte geschützt werden sollen, andere, weil auf der Freifläche kein Platz mehr für sie war. Und genau das gilt wohl vor allem für den Nachbau des Rathauses von Görlitz, die größte der hier versammelten Miniaturen, das Exponat, das die anderen hier doch in den Schatten stellt.

 

Nicht viel mehr als 20 Minuten hatten wir für die Besichtigung des Miniaturenparks, fahren dann weiter nach Myslakowice, ehemals Erdmannsdorf. Hier im Dorf sieht man auch noch einige alte Weber-Hütten und Tiroler-Häuser – und, eher am Rand des Dorfes das Schloss, das der Preußen-König Friedrich Wilhelm III. der Familie von Gneisenau abgekauft hatte, damit nicht nur innerhalb des preußischen Hochadels geradezu die Manie auslöste, ebenfalls ein Domizil im Hirschberger Tal, möglichst mit Blick auf das Riesengebirge und die Schneekoppe zu haben.

 

Das einst königliche Schloss, heute als Gemeindeschule genutzt, macht allerdings eher den Eindruck eines großen und gediegenen Gutshauses, kommt für eine königliche Residenz eher schlicht daher. Nur der hohe Turm lässt erahnen, dass es hier auch schon um einiges vornehmer zugegangen sein muss. Dabei galt das Schloss aber als Kleinod eben vor allem wegen seiner Terrasse, von der aus man den besten Blick auf die Schneekoppe haben soll. Wir dürfen zwar allerdings das Schulgebäude betreten, doch der Gang auf die Terrasse bleibt uns verwehrt: die ist nämlich gerade wegen Einsturzgefahr gesperrt.

 

Vornehmere Tage als das Schloss von Erdmannsdorf hat in jedem Fall auch das Schloss von Bukowiec, dem früheren Buchwald gesehen. Der massive, nun graue Bau liegt an einem kleinen Flüsschen, ist von einem Park umgeben, zeigt von außen aber keinerlei Schmuck, wirkt ebenfalls mehr als Gutshaus, aber eben noch um einiges kleiner als das von Erdmannsdorf.

 

Von innen sieht man dann aber schon, dass dies ein vornehmeres Herrenhaus gewesen sein muss: Die Decken des nun von der Gemeindeverwaltung genutzten Gebäudes sind mit feinen, alte Bilder an der Wand zeigen ein prächtiges Anwesen, nicht in grau, sondern in sanftem Gelb, umgeben von einem blühenden Park.

 

Dein Eindruck eines mittelalterlichen Schlosses, zumindest eines Schlösschens, vermittelt unterdessen schon auf den ersten Blick das Schloss von Fischbach, dem jetzigen Karpniki. Auch, wenn das gerade eine Baustelle ist, dominieren hier die verspielten Türme mit ihren Zinnen, das Portal, das auch noch etwas Wehrhaftigkeit demonstriert, und schließlich der Wassergraben, der den Burgkomplex umgibt, ganz so, wie man sich eine mittelalterliche Burg vorstellt.

 

Tatsächlich wurde das Schloss oder die Burg von Fischbach, nun im Besitz eines polnischen Geschäftsmannes, im 14. Jahrhundert als Wasserburg errichtet, dann mehrfach umgebaut. Nun sieht man über dem Eingang noch immer das alte Wappen, gibt es schließlich unmittelbar neben dem Eingangsportal ein Gewölbe aus der Frühphase der Burg, mit Stuckverzierungen, die auf das 16. Jahrhundert zurück gehen, und, im Obergeschoss, Wandmalereien, die nun so gut als möglich rekonstruiert werden. Denn, so der Plan des jetzigen Besitzers: In absehbarer Zeit soll hier ein weiteres Schlosshotel entstehen.

 

In Wojanow, früher Schildau, ist ein solches Schlosshotel schon in Betrieb – und hier handelt es sich wirklich um eine königliche Schlossanlage in der Nähe der Bobera, um einen Komplex, mit dessen Bau 1607 begonnen wurde, der nun aus einem Hauptgebäude in hellem Beige  besteht, versehen mit zwei Ziertürmen links und rechts des Mitteltraktes, dazu zwei Seitenflügeln, davor ein Springbrunnen, all das umgeben von den Wirtschaftsgebäuden, den ehemaligen Stallungen und der Verwaltung.

 

Im 19. Jahrhundert war das das Domizil der Prinzessin Luise, nun ein Schlosshotel und ein Schlossrestaurant, in dem wir unser – spätes – Mittagessen nehmen. Und das muss hier nicht einmal teuer sein: Gerichte gibt es immerhin schon ab rund 10 Euro – und  auch eine Übernachtung in einem der 92 Zimmer ist noch durchaus erschwinglich, kostet im „Standardzimmer“ in einem der Nebengebäude unter 100 Euro, wobei der Preis für eine Nacht im Turmzimmer nach oben offen ist.

 

Es dämmert schon, als wir unser nächstes Ziel errechen, die „Bleiche“ von Wernersdorf, nun Pakoszow. Das um 1725 errichtete lang gezogene zweistöckige Gebäude war allerdings kein Schloss, sondern diente als Fabrikationshalle für Tuche, Verwaltungsgebäude mit den Büros und eben auch als Herrenhaus.

 

Im  Erdgeschoss waren vor allem die Arbeitsräume untergebracht, wurde aber im Speisesaal auch repräsentiert: Jedenfalls gab es dort ein gewaltiges Deckengemälde, mit dem der damalige Eigentümer ganz kunstsinnig seinen aus dem Tuchhandel stammenden Reichtum demonstrieren konnte, ein Gemälde mit Handelsschiffen allegorischen Figuren auf den Frieden und den weltweiten Handel. Allerdings ist von diesem gewaltigen Bild nicht viel geblieben – und so wird es nach den Spuren und alten Fotografien nun gerade von Christoph Wentzel rekonstruiert, dem Künstler, der auch schon an der Rekonstruktion der Dresdener Frauenkirche beteiligt war, und der nun über das zu rekonstruierende Kunstwerk sagt, dass es wohl eher von einem weniger begabten Maler stammte.

 

Wie auch immer: Bald soll das rekonstruierte Deckengemälde das künftige Schlosshotel einer Familie Hartmann schmücken, einem Ärzte-Paar aus dem Saarland, Nachkommen der Familie, die bis 1945 auf diesem Gutshof residierte.

 

Noch einmal fahren wir ins Zentrum von Cieplice, in das neue Kurhaus, gleich gegenüber vom Schloss. Und während Cieplices Zentrum ansonsten wieder wie ausgestorben wirkt, herrscht im Kurhaus mit den Thermalbecken doch noch verhältnismäßig reger Betrieb. Rund 40 verschiedene Anwendungen werden mit dem Heilwasser von Bad Warmbrunn angeboten, erfahren wir vom Kurdirektor, und die sollen helfen bei Nierenleiden, bei Gelenkproblemen und sogar, einzigartig zumindest in Polen, auch bei Problemen mit den Augen.

 

Bevor es zurück nach Stonsdorf  geht, nehmen wir noch unser Abendessen im Schlosshotel Paulinum, einem am Rand von Hirschberg gelegenen ehemaligen Jagdschloss, dass den Nationalsozialisten nach 1933 als Parteihochschule diente, nach dem Krieg dann der polnischen Armee gehörte, von der als Offiziersunterkunft genutzt wurde. Augenfällig hier: eine Art „Kaminraum“, in dem man sich zum Kaffee traf, nur, dass hier kein Kamin stand, sondern das erlegte Wild zum Ausbluten aufgehangen wurde, wobei die Jäger hier gemütlich zuschauen konnten.

 

Freitag, 20. Januar 2012: Szklarska Poreba (Schreiberhau) – Jagniatków (Agnetendorf) – Lomnica (Lomnitz)

 

Etwas abgelegen, außerhalb des eigentlichen Ortes Szklarska Poreba, früher Schreiberhau, liegt das Riesengebirgsmuseum, die erste Station unseres Tagesausflugs. Das eher bescheidene, weiß getünchte Haus  mit Elementen des Tiroler Stils war das Wohnhaus der Gebrüder Gerhart und Carl Hauptmann, ist nun Teil des Riesengebirgsmuseums.

 

Gleich hinter dem Eingang und im ersten Raum, den man danach betritt, geht es um die Sagenfigur des Rübezahl. Den gibt es hier nicht nur in Holz geschnitzt als moderne Skulptur, als Fensterbild auf Glas oder, eher  traditionell, als übergroße Stofffigur. Die Figur des Rübezahl gibt es hier auch auf der Kopie einer aus dem 16. Jahrhundert stammenden Karte des Riesengebirges zu entdecken. Das ist allerdings nicht der vermenschlichte Riese der späteren Sagen, sondern eher ein Dämon in Tiergestalt, die früheste bekannte Form des Rübezahl.

 

Die Sage von diesem Dämon, so hören wir vom Leiter des Museums, war damals von den Kräuter- und Edelstein-Sammlern, die im Riesengebirge nach Heilmitteln, Bergkristallen und anderem suchten, in die Welt gesetzt worden, sollte ihnen die Konkurrenz vom Leibe halten. Später haben sich die Geschichten vom Rübezahl dann verselbstständigt, aus dem Tier-Dämon wurde allmählich der Riese, der als Richter in die Welt der Menschen eingriff, gute Taten belohnte, Böses bestrafte.

 

Im oberen Stockwerk sieht man dann zahlreiche Glasarbeiten, Kelche aus Rubinglas und ähnliches, und schließlich eine Sammlung von Landschaftsgemälden des Riesengebirges. Und ein eigener Raum ist dann natürlich noch Gerhart Hauptmann gewidmet, den man hier auf etlichen Fotografien sieht. Hier in diesem Haus, so heißt es, hat Hauptmann schließlich „Die Weber“ verfasst.

 

Szklarska Poreba ist eigentlich ein Straßendorf entlang einer steilen und kurvigen Durchgangsstraße, die auch noch eine der Hauptverbindungsstraßen der Region ist, also ein Ort mit starkem Durchgangsverkehr. Ab und an sieht man noch ein älteres Fachwerkhaus, aber im großen und ganzen gleicht Szlarska Poreba doch vergleichbaren Wintersportorten.

 

Unser Ziel hier ist das Langlaufzentrum im Jakobstal. Das liegt ein gutes Stück außerhalb des Ortes, die Straße führt vorbei Felsblöcken, die aus der hügeligen Landschaft ragen, an einigen Hotelbauten, die halb vom Schnee begraben zu sein scheinen – und wird schließlich zu einem riesigen, langen Parkplatz. Um zum Skizentrum zu gelangen, müssen die meisten Gäste des Ortes nämlich auf den eigenen Wagen zurückgreifen, da es keine, oder zumindest nicht genügend öffentliche Verkehrsmittel gibt, auch kaum Shuttle-Verbindungen angeboten werden.

 

Das Ski-Zentrum ist dennoch – und das trotz des unfreundlichen Wetters mit einem regelrechten Schneetreiben bei eisigem Wind – recht ordentlich besucht. Betrieben wird das Langlaufzentrum von einem privat finanzierten Verein, der immerhin 50 Kilometer Langlaufloipen auch für Amateure in Schuss hält, dazu auch Loipen unterhält, die nach der offiziellen FIS-Zertifizierung als Austragungsort für einen Weltcup infrage kämen. Begonnen hatte das alles vor 36 Jahren mit dem ersten so genannten Piastenlauf, an dem sich damals knapp über hundert Skiläufer beteiligten. Heute zieht es hier in der Saison angeblich jeden Tag bis 2000 Wintersportler auf die Loipen.

 

Nach unserem Mittagessen in einem Restaurant im Zentrum von Skzlarska Poreba fahren wir nach Jagniatków, früher Agnetendorf, dem Ort, in dem Gerhart Hauptmann seine Villa „Wiesenstein“ hat bauen lassen, nun natürlich ein Gerhart-Hauptmann-Museum.

 

Das ist eine wahre Prunkvilla, die sich der Schriftsteller da auf einem hügeligen Park- und Waldgelände hat errichten lassen! Und vollends entfaltet sich dieses Pompöse im Vorraum der Villa, in der „Paradieshalle“. Ein Gemälde mit Paradies-Szenen von Adam und Eva bedeckt die gesamte Wand, die Decke ist als Sternenhimmel gestaltet – und eine repräsentative Treppe führt von diesem Paradiessaal in das obere Stockwerk, in die Arbeitsräume, die nun als Ausstellungsräume dienen.

 

Nach einer kurzen Pause in unserem Hotel in Stonsdorf machen wir uns noch einmal auf den Weg nach Lomnica, zum Abendessen im dortigen Schlosshotel Lomnitz. Wobei: Das Schlosshotel ist nicht im eigentlichen Schloss untergebracht, sondern beschränkt sich auf das so genannte Witwenhaus, dessen Miniatur wir bereits im Miniaturenpark von Kowary gesehen haben. Denn das Schlossgebäude selbst ist bis heute nur zum Teil bewohnbar, da es sich noch immer nicht richtig beheizen lässt.  So wird es nun genutzt für kleinere Ausstellungen, soll irgendwann auch wieder als Wohnung der jetzigen Eigentümerfamilie dienen.

 

1835 hatte ein hoher preußischer Beamter aus der Familie von Küster das Anwesen gekauft, war so zum fast direkten Nachbarn der Königsfamilie mit ihren Schlössen in Erdmannsdorf und Schildau geworden. Anfang der 1990’er Jahre hatte dann die jüngste Generation der Familie das weitgehend zerfallene Anwesen vom polnischen Staat zurück gekauft, angefangen, es Stück für Stück zum Hotel umzubauen.

 

Und so beschränkt sich dieses Hotel nicht nur auf das Witwenhaus, sondern gibt es dazu auch eine alte Dorfschmiede, Stallungen, ein  Reiterhof, also in etwa all das, was auch früher zu einem Schloss gehörte. Hier kommt nun allerdings auch noch ein Schloss-Laden dazu, in dem die Dorfbewohner die Produkte des Ortes, zum Beispiel Marmelade, an die Schlossgäste verkaufen.

 

Samstag, 21. Januar 2012: Karpacz (Krummhübel)

 

Wie Szklarska Poreba ist auch Karpacz, in der deutschen Zeit Krummhübel, ein lang gezogenes Dorf an einer kurvigen, meist auch steil ansteigenden Straße.

 

Wir halten ziemlich am Ende des Ortes, an einem Aussichtspunkt über das Hirschberger Tal, wobei die Sicht momentan aber etwas diesig ist, begeben uns dann zum Aufstieg zu der auf einem Hügel gelegenen Sehenswürdigkeit von Karpacz, zur Stabkirche Wang. Diese hölzerne Kirche wurde so, wie sie ist, im 13. Jahrhundert im südnorwegischen Ort Vang errichtet, dann 1840/41 abgebaut, nach Berlin gebracht – und 1842 als Kirche der evangelischen Gemeinde von Krummhübel wieder zusammen montiert. 

 

Nun gibt es zur Ergänzung zwar noch einen steinernen Kirchturm – aber das eigentliche Kirchengebäude ist nach wie vor aus Holz gebaut, und nicht einmal Eisennägel sind hier zu finden, dafür aber etliche Schnitzereien über den Portalen, Schnitzereien, die noch in der Tradition der Wikinger stehen.

 

Nach diesem „Kirchgang“, direkt neben dem Kirchengelände liegt übrigens einer der Eingänge zum Nationalpark  Riesengebirge, fahren wir nun zur Seilbahnstation, um von dort den Sessellift zur Schneekoppe zu nehmen.

 

Gut 20 Minuten dauert die Fahrt von der Talstation bis zum Gipfel, eine Fahrt immer über die Piste hinweg – wobei diese Piste wie eine breite durch den dichten Nadelwald geschlagene Schneise scheint. Auf dieser Piste fahren auch etliche Skiläufer gerade abwärts, wobei von Massenbetrieb momentan aber eher nicht die Rede sein kann. Aber bestimmt ist es auf der Skipiste gerade gemütlicher als im Sessellift, wo der vom Berggipfel kommende Wind voll ins Gesicht bläst.

 

Und oben angekommen herrscht dort ein richtiges Schneetreiben, kann man sich aber nicht einmal kurz aufwärmen, weil das Restaurant geschlossen hat. Also fahren wir auch gleich wieder runter – und erleben, dass gleich nach unserer Ankunft der Liftbetrieb wegen des Wetters für diesen Tag eingestellt werden muss.

 

Wir essen in einem der Restaurants in der Nähe noch zu Mittag – und treten dann die Heimfahrt zurück nach Berlin an.

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