Polen: Krakau und Zakopane - vom Florenz des Ostens in die Berge der Tatra


Anzeige

 



Zum ersten Bild
Der Platz an Krakaus Tuch-
hallen - am frühen Morgen
Zum zweiten Bild
Festlich geschmückte
Altstadtgassen von Krakau
Zum dritten Bild
Die Marienkirche im Herz
von Krakaus Altstadt
Zum vierten Bild
Orthodoxe Kapelle auf dem
Platz der Tuchhalle
Zum fünften Bild
Vor den Tuchhallen -
Denkmäler und Prunkbauten



Zum sechsten Bild
Die Tuchhallen - Herz
der Altstadt von Krakau
Zum siebten Bild
Ecken und Winkel - rund
um die Tuchhallen
Zum achten Bild
Auf dem Wawelberg -
die Burg von Krakau
Zum neunten Bild
Unterhalb des Wawelbergs
fließt die Weichsel
Zum zehnten Bild
Majestätische Bergwelt
der Tatra bei Zakopane




Anzeige

 


In den Reiseführern wird Krakau als das "Florenz des Ostens" bezeichnet; Esoteriker sehen Krakaus Burg auf dem Wawelberg als mystischen Ort, in einer Linie mit Stonehenge und den Pyramiden von Gizeh. Weitere Stationen dieser kurzen Reise durch Südpolen: Der Wintersportort Zakopane in der Tatra und die Geenkstääte von Auschwitz. Reisezeit: 1. Mai bis 5. Mai 1991

Mittwoch, 1. Mai 1991: Berlin – Krakau, Altstadt und Tuchhallen

Kurz vor Mitternacht an der polnischen Grenze bei Cottbus/Forst: stehende Lastwagenkolonnen, überholende Pkws. Das führt jedes Mal zu einem kleinen Chaos, wenn sich dann PKW und LKW auf einer Autobahn-Fahrspur entgegenkommen. Trotzdem geht es zumindest für die Personenwagen relativ zügig voran.
Die Grenzanlage erinnert noch an die früheren Grenzanlagen auf der Transitstrecke durch die DDR - wobei hier aber in jede Richtung nur eine Spur geöffnet wird. Und auf der deutschen Seite wird bei der Ausreise gar nicht kontrolliert, auf der polnischen nur ein kurzer Blick in den Reisepass geworfen.
Hinter der Grenze parken die Autos, wo sie gerade einen Platz gefunden haben. Auch das hält natürlich auf. Dafür ist die Straße ziemlich gut, besser jedenfalls, als die letzten Kilometer in Deutschland. Es dürfen aber nur 90 Stundenkilometer gefahren werden. Den ersten Teil der Strecke halte ich mich auch an die Geschwindigkeitsbegrenzung.
Die Fahrt durch die Nacht - an Breslau und Oppeln vorbei - dauert etwa sechs Stunden. Kurz vor sechs Uhr morgens sind wir in Krakau.
Zunächst ein ärgerliches Erlebnis im Forum-Hotel: Ich will, es ist mittlerweile sieben Uhr, an der Rezeption etwas Geld tauschen, bekomme auch eine Kassiererin, gebe ihr hundert Mark, sie gibt mir etwa 120.000 Zloty und 20 Mark zurück. Beim Verlassen des Hotels komme ich darauf, dass sie mich übers Ohr gehauen hat. Erst nach drei Versuchen, die insgesamt eine Stunde dauern, eingeschlossen mehrere Drohungen, ich wolle sofort den Direktor sprechen oder werde die Polizei rufen, bekomme ich für 70 Mark die 371.000 Zloty, die dem tatsächlichen Kurs entsprechen: 5300 Zloty für eine Mark.
Wir finden schließlich ein Hotel - das Doppelzimmer für 145.000 Zloty - am Rand der Altstadt. Da wir dort aber erst gegen 12 Uhr einziehen können, gehen wir also zunächst ins Zentrum. Krakau schläft noch, und das Wetter ist auch nicht gerade einladend. Wir sitzen vor den Markthallen - korrekt müsste es heißen: den "Tuchhallen" - die noch geschlossen haben, und auch das Café im Keller des benachbarten Turms ist noch zu.
Auf der Straße sind nur wenige Menschen - und es gibt nicht einmal eine Spur von irgendwelchen Maifeiern oder Demonstrationen. Nach und nach öffnen die meisten Geschäfte, und selbst noch auf den Baustellen wird gearbeitet. Polen hat den 1. Mai als Feiertag offensichtlich abgeschafft. Statt dessen sind alle Straßen mit den Wimpeln zum 3. Mai, dem polnischen Verfassungstag von 1791, geschmückt.
Um 12 Uhr gehen wir ins Hotel zurück, schlafen zwei Stunden, ziehen dann wieder Richtung Tuchhallen.
Krakaus Stadtmauer ist zwar nicht mehr durchgängig erhalten, aber ein imposanter Rest ist einschließlich des Turmes sehr wohl übrig geblieben.
Im Herzen der Stadt, im Inneren dieser Mauer führen alle Straßen auf die Tuchhallen, die auf einem großen freien Platz stehen, zusammen natürlich mit einer zweistöckigen Kathedrale, der Marienkirche. Ganz in der Nähe befindet sich dann noch eine kleine weiße Kirche, die an die russisch-orthodoxen Kirchen erinnert und ein alter Stadtturm, in dessen Keller ein Café und ein Theater untergebracht sind. Überhaupt scheinen die meisten besseren Cafés und Restaurants von Krakau in Kellern zu liegen. Irgendwie hat das alles einen Hauch von Florenz.
Eine Besonderheit der Marienkirche: Zu jeder vollen Stunde bläst ein Türmer auf seiner Trompete, hinaus nach allen Seiten der Stadt.
In den Läden der Markthalle, überdachte Passagen wie in einem orientalischen Basar, wird fast überall das gleiche angeboten, Holzschnitzereien, beispielsweise "Äxte" oder Stöcke, aber auch viele Schachspiele, sehr große sogar, die umgerechnet nicht mehr als 40 Mark kosten.

Donnerstag, 2. Mai 1991: Krakau, die Burg auf dem Wawelberg

Krakaus Burg auf dem Wawelberg, so habe ich in einem Reiseführer gelesen, gilt vielen als ein mystischer Ort, in direkter Verbindungslinie mit Stonehenge und den ägyptischen Pyramiden stehend.
Auf mich wirkt der Komplex unterschiedlicher Gebäude mit ganz unterschiedlichen Funktionen als eine Burg wie viele andere auch.
Ein steiler Weg führt an einer Kirche vorbei in das Innere der Mauer, die die ganze Stadt überragt.
In einem Andenkengeschäft entdecke ich die erste "echte Antiquität", eine Krakauer Stadtansicht aus dem Mittelalter, natürlich ein Nachdruck, aber aus dem ansonsten angebotenen Kitsch schon herausragend.
Von der Burgmauer aus sieht man auf die Weichsel, wo sich im Hintergrund auf der anderen Seite des Ufers das "moderne" Krakau erstreckt.
Eine Anmerkung zu den Restaurants der Stadt: Die meisten sind zwar sehr schön in den Kellern mittelalterlicher Häuser untergebracht, überaus preiswert - aber leider auch mit einem ungewöhnlich schlechten Service durch missgelaunte Kellner.

Freitag, 3. Mai 1991: Auschwitz

In Polen ist Feiertag, der 200. Jahrestag der ersten polnischen Verfassung.
Eigentlich wollen wir ein Kloster in der Nähe Krakaus besuchen, verfahren uns dann aber, befinden uns schließlich auf der Straße nach Auschwitz.
Wir passieren kleine Dörfer, in vielen stehen noch Holzhütten, eindeutig bewohnt. In den Reiseführern werden diese Hütten romantisch als "Katen" beschrieben - was mir die Armut zu umschreiben scheint.
Auschwitz - Oswiecim heißt der Ort auf polnisch - ist eine graue Stadt, klein, ein unscheinbarer Fleck.
Wir gehen zur Gedenkstätte, ein Platz, wie man ihn aus manchen KZ-Filmen kennt, beherrscht von zweistöckigen roten Backsteingebäuden, die als Blöcke gekennzeichnet sind. In diesen Blöcken befindet sich die Ausstellung, bestehend aus den gesammelten Brillen der Häftlinge, aus Prothesen und ähnlichem. An den Wänden hängen Fotos der Häftlinge, dazu Häftlingszeichnungen.
Dennoch ist alles sehr unwirklich: Die Fotos zeigen die Häftlinge bei ihrer Einlieferung, und durch den musealen Effekt erscheinen die "Lebensbedingungen" im Lager geradezu verharmlost, ganz so, als wollte man ein Museum, das man auch Kindern zeigen kann.
Den stärksten Eindruck hinterlassen die Versuchsstation und das danebenliegende "Krankenhaus" und der Strafblock mit seinen Stehzellen und dem Hof, in dem 20.000 Menschen erschossen wurden, das alles in der Nachbarschaft des Krematoriums, ausgerichtet auf die fabrikmäßige Beseitigung von Kadavern, die von der Rampe aus in die Öfen geworfen wurden.
Wir fahren zurück nach Krakau, machen einen Stop auf einem kleinen Markt. Es werden billige Plastikwaren verkauft. Das ganze wirkt als "Second Hand", wie manche Märkte in Entwicklungsländern, hier aber ohne den Reiz des Exotischen.

Samstag, 4. Mai 1991: Zakopane in der Tatra

Den ganzen Vormittag über regnet es, und schließlich fängt es sogar an zu hageln. Erst kurz vor Zakopane, je höher wir in die Tatra kommen, wird es etwas besser.
Bei der Einfahrt in den Ort erscheint Zakopane als ein Straßendorf voller kleiner Holzhäuser. Erst sehr viel später beginnt der touristische Wintersportort.
Vom Hotel aus fahren wir in Richtung Berge: Der Schnee liegt noch auf den Kuppen. Karten für die Seilbahn gibt es nun nicht mehr, also wandern wir auf dem - kopfsteingepflasterten - Wanderweg auf die nächste Anhöhe, genießen dort Talsicht und Blick auf ein Wanderhotel.
Auf dem Rückweg werden wir wieder vom Regen überrascht, finden aber glücklicherweise Unterschlupf in einer kleine Klause, zu der auch eine Holzkirche gehört. Die Wände der Klause sind bedeckt mit Bildern des Papstes.

Sonntag, 5. Mai 1991: Zakopane – Berlin

Morgens um neun Uhr verlassen wir Zakopane, kehren über Krakau zurück nach Berlin, das wir nach etwa zwölf Stunden Fahrzeit erreichen.

Anzeige