Eine Norwegen-Tour vom Haugeland mit Haugesund, Røvær, Avaldsnes, an den Hardangerfjord mit Bleietunet, Utne, Lofthus, nach Stalheim, ins Aurland nach Flåm und Undredal am Sognefjord sowie nach Bergen

 realedition.de - Reiseberichte, Reisereportagen, skurrile Geschichten, Satiren, Numismatik

Forum Gästebuch Linkrotation Seite empfehlen Newsletter Downloadcenter Ausgewählte Links Impressum E-Mail

Norwegen: Von Haugesund nach Hardanger, zum Sognefjord und Bergen

Sie sind hier: Realedition.de > Reisen > Europa > Norwegen - Westnorwegen
Weitere Themen: Reisebilder und Postkarten Reisevideos Geschichten Satiren Numismatik Bücherstube Quiz

Detlefs Blog
Das virtuelle Tagebuch des Webmasters

Share |

free-website-translation.com
By free-website-translation.com

Weitere Norwegen-Seiten im WWW

Zu den Norwegen-Reisen
Norwegen-Reisen bei Reisen.Realedition.de

Zu den Norwegen-Bildern
Norwegen-Bilder bei Reisebilder.Realedition.de

Zu den Norwegen-Videos
Reisevideos aus Norwegen bei Reisevideos.Realedition.de

Norwegen-Forum bei Realedition.de - Fragen und Antworten zu Reisen in und nach Norwegen

Zu den norwegischen Münzen
Norwegische Münzen bei Numismatik.Realedition.de

 

Zum ersten Bild

Zum zweiten Bild Zum dritten Bild Zum vierten Bild
Auf der kleinen Insel Røvær, gelegen  vor Haugesund Der Lansfoss, einer von unzähligen Wasserfällen am Hardanger-Fjord Blick über den Hardanger-Fjord - gesehen bei Lofthus Schnee- und eisbedeckte Höhenzüge am Hardanger-Fjord
Zum fünften Bild Zum sechsten Bild

Zum siebten Bild

Zum achten Bild
Panoramablick auf das Nærøtal - gesehen von Stalheim Eine Ziegenherde auf ihrer Sommerweide am Sognefjord Einsame Gehöfte am Nærøfjord, einem Nebenarm des Sognefjordes Die mittelalterliche Stabkirche von Undredal am Sognefjord

Das Edvard-Grieg-Museum - im Wohnhaus des Komponisten

Zum neunten Bild Zum zehnten Bild

Die alten Hanse-Handelshöfe von Bryggen - im Herzen von Bergen

Zum Betrachten der Fotos klicken Sie auf die Vorschaubilder

Die Reiseziele und beschriebenen Orte:  Haugeland mit Haugesund ( mit Steinsfelljet und Haraldshaugen), Røvær, Avaldsnes, Hardangerfjord mit Lansfoss, Latefoss, Bleietunet, Utne, Lofthus, Stalheim und das Nærøtal, Aurland und Flåm am Sognefjord mit Nærøfjord, Undredal und Flåm-Bahn (mit Kjosfossen)Bergen mit dem UlrikenEdvard-Grieg-Museum, Bryggen

Reisebericht herunterladen Norwegen-Bilder als Postkarte oder zum Download
Zum Video dieser Norwegen-Tour Forum: Fragen und Antworten zu Reisen nach Norwegen

 

Haben auch Sie eine Webseite zum Thema Reisen ins Netz gestellt? Dann tragen Sie sich doch bitte in meinem Reisekatalog für alle Themen rund ums Reisen ein. Dazu können Sie sich auch gern in der allgemeinen Linkrotation eintragen, wo es auch um andere Themen geht. Fragen zum Thema dieser Webseite stellen Sie bitte nicht per E-Mail, sondern in meinem Forum.

Mehr Reisen suchen

Google

 

Donnerstag, 4. Juni 2009: Haugesund – Røvær

Kurz nach 15 Uhr landet unsere Maschine auf dem Flughafen von Haugesund: ein kleiner Provinzflughafen, auf dem unser aus Oslo kommender Flieger ganz allein auf dem Rollfeld steht und auf dem man zum Terminal laufen muss. Das hat aber auch den Vorteil, dass man rasch an sein Gepäck kommt.

Der Flughafen liegt bei der Ortschaft Helganes auf Karmøy, einer etwas größeren Insel, die aber mit ihren Felsen und grünen Wiesen, auf denen auch Kühe und Schafe weiden, einen ziemlich genauen Eindruck von dem verschafft, was uns auf dem Festland erwartet. Und die Brücke, über die wir schließlich auf das Festland selbst gelangen, ist nicht einmal besonders breit, könnte auch die Brücke über einen eher mittleren denn großen Fluss sein. Tatsächlich führt sie aber über einen Sund, also über die Meerenge zwischen einer Insel und dem Festland.

Unser erstes Ziel in Haugesund, einer von weißen Holzhäusern geprägten Stadt, ist die „Hafenpromenade“, auch  als „Goldene Meile“ bezeichnet. Gleich neben dem Hotel, in dem sich unsere Reisegruppe trifft, steht eine Plastik mit Marilyn Monroe. Die Familie der Schauspielerin war ursprünglich aus Haugesund in die USA ausgewandert – und da Haugesund inzwischen auch eine Stadt mit Filmfestivals ist, hat einer der hiesigen Geschäftsleute diese Plastik spendiert.

Auf der anderen Seite des  Wassers steht neben anderen alten Kontoren ein gelbes Gebäude, das auf den ursprünglichen Haupt-Wirtschaftszweig der Stadt hinweist: den Herings-Export.

Mit dem Bus geht es nun zum Aussichtspunkt Steinsfelljet, einem beliebten Wanderziel der Umgebung, einem Picknickplatz  mit Blick über die Stadt und die Vielzahl von Inseln vor der Küste.

Wir fahren nach kurzem Aufenthalt zurück zur Küste, zum etwas außerhalb der Stadt liegenden „Reichsdenkmal“ Haraldshaugen. Das besteht aus auf einem Hügel stehenden Obelisken, umgeben von einem Rechteck mit Runensteinen. Eingeweiht wurde dieses Denkmal, von dem aus man auf die schroffe Küste schaut, 1872 – zur vermeintlichen 1000-Jahr-Feier der Schlacht am Hafrsfjord und der Einigung der bis dahin bestehenden vielen kleinen Wikinger-Königreiche zum Königreich Norwegen unter Harald Schönherr, der hier, so die Sage, auch begraben sein soll.

Rund 100 Meter von diesem Denkmal entfernt, ebenfalls auf einem Hügel, aber inmitten von Bauernhöfen steht ein steinernes Kreuz, schon einmal gebrochen und wieder mit Stahlverstrebungen befestigt, vielleicht sieben bis acht Meter hoch. Dieses Kreuz, inzwischen auch rund 1000 Jahre alt, soll eines der ältesten christlichen Relikte in Norwegen sein.

Zurück in die Stadt sehen wir im Konferenzsaal des Hotels einen Panorama-Film über Haugeland, über die Landschaft und seine Industrie, vor allem geprägt von der Ölförderung und der Energieerzeugung.

Nach dem Film unternehmen wir noch einen Bummel über die eher kurze  „Goldene Meile“ mit ihren Cafés in den alten aus Holz gebauten Handelshäusern.  Inschriften wie „Sørensens Dampskipexpedition“ erinnern an die ursprünglichen Bestimmungen dieser Gebäude.

Die Hauptstraße der Stadt verläuft parallel zur „Goldenen Meile“, eine Fußgängerzone mit zahlreichen Tierplastiken - aber jetzt gegen 19.00 so gut wie ausgestorben. Kaum jemand ist zum Einkaufen in den Geschäften unterwegs. Für die Norweger ist das die Zeit des Abendessens, die Zeit der Hauptmahlzeit, die man nur ungern verschiebt.

Rund 20 Minuten benötigt unsere in der Nähe der „Goldenen Meile“ startende Fähre für die Überfahrt zur Insel Røvær: Bei der Ausfahrt erweist sich Haugesund als ein durchaus moderner Arbeitshafen, als Anlaufpunkt der Versorgungsschiffe für die Ölplattformen und große Frachter. Von einem kleinen Hafen für Heringsfischer ist hier kaum noch etwas zu sehen.

Der ziemlich starke Wind macht die Überfahrt zu einer Achterbahn über die Wellen. Fast fühlt man sich wie in einem Speedboat. Jedenfalls müssen alle Passagiere in die Innenkabine, darf niemand auf dem Deck  stehen bleiben.

An einer kleinen Insel machen wir einen Zwischenstopp. Man sieht kaum Häuser, und besonders viele Einwohner dürfte dieses Eiland wohl nicht haben – aber an seinem Hafen hat dieses Inselchen auch seine eigene Poststation.

Wenige Minuten später haben wir Røvær erreicht. Am Hafen steht das rote Gemeindehaus aus Holz, dazu gibt es noch einen, um diese Uhrzeit natürlich geschlossenen „Supermarkt“ für die etwas über 100 Inselbewohner. Zwar gibt es sogar eine kurze befahrbare Straße – aber wohl nur ein Auto auf der Insel. Wer viel Gepäck zu transportieren hat, kann das dafür auf eine der Schubkarren laden, die dafür hier am Hafen stehen.

Wir verstauen unser Gepäck in dem einzigen Wagen, gehen selbst zu Fuß zu unserem Hotel, dem „Kulturhotell“, das  ziemlich auf der anderen Seite der Insel liegt, direkt an einem kaum 20 bis 30 Meter breiten Sund. So blickt man von der Hotelterrasse  an der Rückfront auf die Nachbarinsel, wo sich nun der Friedhof von Røvær befindet.

Eindrücke eines kurzen Insel-Spazierganges: Auf Røvær gibt es noch etwas Landwirtschaft mit Kühen, und die Hotelchefin berichtet von Fischfang, insbesondere vom Krabbenfang, sowie auch von der Fischzucht.

Wir besichtigen die hölzerne Kirche, die ebenfalls als Gemeinschaftshaus genutzt wird. Das kleine Gebäude ist zwar schon einiges über hundert Jahre alt, wurde errichtet in der großen Zeit des Heringsfanges, wirkt aber immer noch wie neu. Zur Einweihung, so erzählt die Frau von der Gemeinde, waren etliche Tausend Menschen gekommen – und die Heringsfischer haben damals auf der Galerie der Kirche übernachtet. Von der Decke der Kirche hängt die Nachbildung eines Segelbootes – zur Erinnerung an die Katastrophe von 1899, als 36 Männer der Insel in einem solchen  Boot ertranken, als sie von einer Beerdigung in Haugesund zurück kamen.

Beeindruckend ist die Inselschule. Es gibt hier zwar nicht einmal 20 schulpflichtige Kinder, aber in der Schule ist jeder Platz mit einem eigenen Computer ausgestattet.

An der Inselküste nisten überall große Möwen, eine gute Wegstrecke entfernt sieht man den Leuchtturm. Mitunter, so hatte die Hotelchefin erzählt kann man von der Insel aus auch Orcas und Grauwale beobachten. Die sehen wir heute zwar nicht – aber obwohl es schon gegen 23 Uhr geht, ist es immer noch fast taghell, auch von einer Dämmerung kaum etwas zu spüren.

Freitag, 5. Juni 2009: Avaldsnes – Hardangerfjord – Bleietunet – Utne – Kinsarvik – Lofthus

Kurz vor 9 Uhr fahren wir mit der Fähre – die früheste Fähre geht um 5 Uhr früh zum Festland, die letzte erreicht die Insel um 23 Uhr – zurück nach Haugesund, von dort gleich weiter mit dem Bus nach Avaldsnes. Der Ort gilt zwar als die „Wiege Norwegens“, wäre als Stadt allerdings nicht einmal als Kleinstadt zu bezeichnen.

Wir parken an einer mittelalterlichen Kirche außerhalb des Ortes. Der Parkplatz, erzählt die örtliche Reiseführerin, liegt nach den jüngsten Forschungen der Archäologen, genau auf einem Königssitz aus der Zeit von Harald Schönhaar. Irgendwann in absehbarer Zeit wird man hier also mit den Ausgrabungen beginnen, sich einen neuen Parkplatz schaffen müssen.

Noch aber sieht man vom Parkplatz aus auf die kleinen Buchten, die einst als Anlegeplätze von Hanseschiffen und ursprünglich der Wikingerboote dienten. Im Schlick liegen noch etliche antike Amphoren, die weiter auf ihre Bergung warten. Das Landschaftsbild soll sich hier seit dem Mittelalter angeblich nicht verändert haben – abgesehen davon, dass das Wasser damals etwa wohl einen Meter höher als heute stand.

Etwa 100 Meter vom Parkplatz entfernt befindet sich das History Center, ein modernes Museum, das nicht etwa auf einem der Hügel steht, sondern vielmehr in einen dieser Hügel hinein gebaut wurde. Von oben sieht man lediglich eine Art Schlot, dem nachempfunden, wie sich die Wikinger den Eingang in die Unterwelt vorstellten. Die Grundidee beim Bau dieses Museums war, dass auch danach das einzige vom Meer aus zu sehende Gebäude an diesem Küstenabschnitt die mittelalterliche Kirche sein sollte.

Im ersten Raum des Museums erwartet den Besucher zunächst eine lebensechte Nachbildung von Harald Schönhaar mit seiner Frau – wobei es sich natürlich um eine sehr idealisierte Nachbildung handelt, so, wie man sich ein reiches Wikinger-Paar vorstellt, mit wehendem langen blonden Haar. In dem Film, den der Besucher dann – auch auf Deutsch – über die Frühgeschichte Norwegens zu sehen bekommt, ist der Darsteller des Harald Schönhaar allerdings schwarzhaarig.

Per Kopfhörer lässt man sich dann in den einzelnen Abteilungen des Museums vor den Exponaten – vor allem Waffen, Schmuck, der Nachbau eines Schiffes – die Geschichte des frühen Norwegen erzählen. Angesichts der Vielzahl der angeblichen Königreiche allein im Haugeland dürfte es sich da allerdings wohl eher um größere Gutshöfe gehandelt haben. Und die Christianisierung der Wikinger verlief auch alles andere als friedlich. Jedenfalls erinnert das Museum nun auch an fünf Priester des alten Kultes, die auf Befehl eines gerade christlich gewordenen Königs an eine Klippe gebunden und bei einsetzender Flut einfach ersäuft wurden.

Vorbei an einer eher steinzeitlichen Unterkunft – ein mit Steinen befestigte Ausgrabung in einem Hügel – geht es den Wikingerpfad entlang zu einer kleinen vorgelagerten Insel mit einem rekonstruierten Wikingerdorf. Ein großes, umgedrehtes Boots steht hier nun für ein „Winterquartier“, dazu wurde auch ein Langhaus nachgebaut.  Schulkinder probieren hier das „Wikingerkleben“ aus  – mit Bogenschießen und Landarbeit.

Die mittelalterliche Kirche am Parkplatz, eine der ältesten Kirchen des Landes überhaupt, ist unser letzter Besichtigungspunkt in Avaldsnes. Allerdings heißt das in unserem Fall nur: Berücksichtigung der rückwärtigen Seite des Kirchenschiffes, der zum Friedhof gelegenen Seite. Unmittelbar neben der Kirchenmauer ragt hier eine mächtige Felsnadel aus dem Boden empor, ein Fels, der als „Marias Nadel“ bezeichnet wird. Die Legende sagt: Wenn der Felsen die Kirchenmauer berührt, steht das Jüngste Gericht unmittelbar bevor.

Wir verlassen nun die Küste, fahren mit dem Bus in die Region Hardanger, immer den Hardangerfjord entlang. Am Lansfoss, einem nicht nur hohen, sondern auch breitem Wasserfall, legen wir einen kurzen Aussichtsstop ein. Der Fjord wirkt an dieser Stelle eher wie ein lang gezogener See. In der Ferne sind einige Bergkuppen mit Schnee bedeckt – ansonsten ist hier alles grün.

Unser Mittagessen, ein Picknick im Freien, nehmen wir auf einer Anhöhe neben dem Latefoss. Das ist  eigentlich nicht nur ein, das sind zwei unmittelbar nebeneinander liegende Wasserfälle, über denen sich immer wieder allerdings schwache Regenbögen bilden. 

Wir fahren einen Seitenarm des Hardangerfjordes, den Sørfjord entlang nach Bleietunet. Mitunter wähnt man sich aber eher an einem ruhigen Fluss denn an einem Fjord – und Bleitunet könnte auch ein kleiner Weiler etwa in Tirol sein. Die ganze „Ortschaft“ besteht aus einigen schmucken Holzhäusern, vor denen in voller Pracht die Blumen blühen, die Sonne scheint mit ganzer Kraft – und nur die schneebedeckten Bergkuppen stören dieses südliche Bild.

Bleitunet ist kaum als Dorf zu bezeichnen: Vielmehr sind es gerade drei Höfe, auf denen derzeit insgesamt zwölf Menschen leben. Angebaut werden auf diesen drei Höfen Äpfel – wobei die eher kleinen Apfelbäume wie Weinstöcke ordentlich in Reihe und Glied an den Hängen stehen, gerade anfangen, ihre Früchte zu entwickeln. Ab August beginnt hier bereits die Zeit der Apfelernte – und im Herbst sollte die Erne besser schon eingeholt sein. Der Apfelwein, der Cider wird übrigens auch gleich hier an Ort und Stelle hergestellt – denn von den Äpfeln allein könnten die Bewohner der drei Höfe, die sichert zu den nördlichsten Apfelbaum-Plantagen der Welt gehören, kaum leben.

Das nächste Ziel ist Utne, auch das kaum mehr als ein winziges Dorf, hier am Fjord aber fast schon so etwas wie eine bedeutende Stadt, sogar mit einem hübschen weißen Bibliotheksgebäude, natürlich aus Holz, und einem bis ins Jahr 1722 zurück reichenden Hotel, vermutlich einem der ältesten durchgehend betriebenen Hotels nicht nur in Norwegen. Das „Utne Hotell“ ist ebenfalls weißer Bau, zweistöckig, mit eher kleinen Gästezimmern und einer Einrichtung, die zwar nicht unbedingt aus dem 18.,  aber doch sicher aus dem 19. Jahrhundert stammt, angefangen beim altertümlichen Klavier bis zu den rustikalen Bauernmöbeln.

Seine Bedeutung verlangt Utne aber wohl vor allem seiner Lage an einer Gabelung des Fjordes, damit also an einem idealen Verkehrsknotenpunkt und einer Fährstation. Wir setzen von Utne über nach Kinsarvik, eine Fährfahrt von nur wenigen Minuten, halten uns auch nicht weiter in dem nur wenige Häuser zählenden Ort auf der Ostseite auf, fahren gleich weiter nach Lofthus, wo wir im Hotel Ullensvang einchecken.

Das Ullensvang ist ein etwas größeres Hotel mit eigenem „Strand“ am Fjord, Bootsanlegestelle, Blick auf die mit Schnee und Eis bedeckten  Bergkuppen auf der anderen Seite des Fjordes. Eine Besonderheit des Hotels ist eine hölzerne Hütte im Garten: Die diente dem Komponisten Edvard Grieg, der hier viel Zeit verbrachte, als „Arbeitszimmer“. Eine Skulptur vor dieser Hütte soll an die Besuche dieses berühmten Hotelgastes erinnern.

Für eine knappe halbe Stunde machen wir im Helikopter einen Rundflug über den Fjord und den anschließenden Nationalpark. Der Hubschrauber fliegt über das Wasser zunächst ein kleines Stück nach Norden, biegt dann nach Osten auf einen Seitenarm ein. Unter uns schlängelt sich ein reißender Fluss durch den dichten Wald, dann geht es auch schon auf das karge Hochplateau. Kein Baum, kein Strauch wächst hier oben, wo noch der Schnee liegt, das Eis die Wasserstellen bedeckt. Doch da, wo die Bachläufe fast frei vom Eis in das Tal strömen, schimmern sie inmitten der weißen und grauen Töne geradezu smaragdgrün aus der Landschaft hervor. In der Ferne ragt ein dunkler Tafelberg über die übrigen Bergspitzen hinaus. 

Für einen solchen Hubschrauberflug müsste man, vorausgesetzt man findet andere Teilnehmer, ungefähr hundert Euro pro Person in dem mit vier Passagieren beladenen Helikopter zahlen. Normalerweise werden die Hubschrauber allerdings eingesetzt, um vermisste Wanderer aufzuspüren. Der Rundflug für Hotelgäste ist eher eine Ausnahme.

Samstag, 6. Juni 2009: Utne – Kvandall – Stalheim – Flåm – Undredal

Den Weg, den wir gestern gekommen sind, geht es nun wieder zurück nach Utne, dann dort wieder auf die Fähre nach Kvandall. Der Fjord zeigt sich bei Überfahrt von seiner besonders lieblichen Seite, umgeben von teilweise eher sanft ansteigenden Bergen mit dichten Wäldern.

Von Kvandall geht es wieder weiter mit dem Bus, nun nach Stalheim, einem in den Bergen gelegen Ort, auch der mit einem traditionsreichen Hotel: Stalheim war, vielleicht auch wegen seines mystisch-nordischen Namens, eines der bevorzugten Reiseziele des deutschen Kaisers Wilhelm II. Das Bild, das sich da vom Hotel aus eröffnet, hat allerdings auch etwas „nordisch-mystisches“ an sich, ein Bild, bei dem man sich an die alten nordischen Göttersagen erinnert fühlt.

Auf der linken Seite stürzt ein Wasserfall in die Schlucht – und der Blick geradeaus fällt auf ein tiefes Tal,  in das Nærøtal, eine Schlucht mit einem Fluss, umgeben von steil ansteigenden Bergketten.

Ob der Betrachter dieses Bild als schön oder unheimlich und bedrohlich empfindet, scheint auch eine Frage des Zeitgeschmacks. In dem Hotel befindet sich eine Gemäldesammlung, die genau das wiederspiegelt: die frühesten Gemälde, etwa aus der Zeit um 1820 herum, zeigen die Landschaft von einer düsteren Seite – und erst im Laufe der Jahrzehnte fallen die Betrachtungen dann freundlicher aus.

Der Weg bergab zum Sognefjord, ins Aurland nach Flåm führt über eine Serpentinenstraße mit einem permanenten Gefälle von gut zehn Prozent – eine beeindruckende Straße in einer beeindruckenden Umgebung, in der vor allem immer wieder ein Wasserfall als Blickfang auftaucht.

Ein Hafen, ein Bahnhof, an Hafen und Bahnhof einige wenige Geschäfte, dazu ein Eisenbahn-Museum, etwas weiter weg das Fretheim-Hotel, eine Straße, die vom Hafen weg in die Berge führt und an der auch einige Häuser stehen: Damit hätte man die Ortschaft Flåm, rund 400 Einwohner, schon hinreichend beschrieben. Als der Ort am Endpunkt des Sognefjordes bemisst sich Flåms Bedeutung aber natürlich nicht allein an der Einwohnerzahl.

Ein kurzer Besuch im Eisenbahn-Museum: Das erinnert insbesondere an den Bau der Bergen-Bahn Ende des 19. Jahrhunderts. Wir sehen Schwarz-Weiß-Aufnahmen der Arbeitskolonnen, Werkzeug, das  uns eher primitiv erscheint wie hölzerne Schubkarren – und erfahren aus den Begleittexten einiges über die damaligen Arbeitsbedingungen. Vor der Bahn mussten noch Versorgungsstraßen gebaut, Tunnel durch die Felsen geschlagen werden. Beim Tunnelbau bildeten neun Mann eine Arbeitskolonne, die unter günstigen Umständen in der Woche zwei Meter bewältigt. Die Eisenbahngesellschaft zahlt pro Tunnel-Meter zwischen 380 und 450 Kronen, womit theoretisch jeder Arbeiter auf 100 Kronen in der Woche kommen könnte. Der Haken allerdings: Die Kosten des verbrauchten Dynamits werden den Arbeitern wieder von ihrem Lohn abgezogen – und außerdem müssen sie ihr Grabungswerkzeug regelmäßig schärfen lassen, wofür ebenfalls eine Gebühr fällig wird.

Mit einem Zodiak brechen wir von Flåms Hafen aus auf zur Fjord-Safari. Am Faszinierendsten sind natürlich immer wieder die Wasserfälle – aber ebenso beachtenswert sind die Ziegenherden, die an den Berghängen grasen, mitunter halsbrecherische Wege zu ihren Futterplätzen nehmen. Mit diesen fast frei lebenden Ziegenherden hat es eine besondere Bewandtnis: Sie werden nämlich zu Beginn des Sommers mit dem Boot auf die Sommerweiden gebracht. Die eigentlichen Bauernhöfe befinden sich nämlich auf der gegenüberliegenden Seite des Fjordes, bieten aber nicht genug Futterplätze. In der Nähe einer dieser Ziegenherden sieht man eine inzwischen fast verfallene Holzhütte, einst ein solcher „Sommer-Hof“, nun aber nicht mehr als menschliche Behausung genutzt.

Noch genutzt wird dagegen das kleine weiße Holzhaus, das über dem Fjord einsam auf einem hohen Felsen steht, ohne, dass man irgendeinen Weg dorthin entdecken könnte. Das soll die berühmteste Farm Norwegens sein, erzählt unser Bootsführer. Die ursprünglichen Eigentümer waren nämlich arme Leute, die sich die Steuern nicht leisten konnten. Deshalb bauten sie ihr Haus auf dem Felsen, erreichbar nur über eine Leiter – und wenn der Steuereinnehmer kam, wurde die Leiter einfach hoch gezogen. Die ursprünglichen Eigentümer sind inzwischen längst nach Amerika ausgewandert – und das einsame Haus dient heute als teures Zentrum für Managerschulungen.

Wir biegen in einen anderen Arm des Sognefjordes, in den Nærøfjord ein, weit enger als der nach Flåm führende Arm, aber die Berge scheinen dafür hier noch massiver. Temperaturunterschiede: Plötzlich im Schatten eines solchen Berges verdunkelt sich das Bild, zieht dazu eine Kälte auf – die erst nachlässt, als das Boot aus dem Schatten wieder heraus ist. Diese Temperaturschwankungen sind einer der Gründe, warum man sich zur Fjord-Safari etwas wärmer anziehen sollte.

Dörfer gibt es hier nicht mehr, nur noch einzelne Gehöfte – wobei manche dieser Gehöfte in der Vergangenheit auch bestimmte Funktionen für die gesamte Region übernommen haben, etwa Bakka fast am Ende des Armes als „Kirchdorf“. Mitunter soll man in dieser Gegend mit etwas Glück auch Robben, Schweinswale und Adler entdecken – von denen wir an diesem Nachmittag aber nichts zu sehen bekommen.

Auf dem Rückweg legen wir wieder kurz vor Flåm in Undredal an. Das Dorf liegt unmittelbar neben einem reißenden Fluss, der schon vor über 100 Jahren Lachs-Angler in die Region lockte. Dazu kommt aus Undredal der nur in Norwegen angebotene braune Käse: Der wird hergestellt aus der Ziegenmilch, angereichert mit Rahm von Kuhmilch.

Eigentliche Attraktion von Undredal ist aber die hölzerne Stabkirche, die kleinste Stabkirche Norwegens, gebaut in der Mitte des 12. Jahrhunderts, mit gerade 14 Sitzplätzen. Die Decke des Kirchleins ist blau gestrichen, versinnbildlicht den Sternenhimmel, ist dazu ausgestattet mit diversen Geschenken, die die Gemeinde im Lauf der Jahrhunderte bekam, beispielsweise einer Glocke, die nun neben dem Eingang hängt.

Am Abend besuchen wir die Ægier-Brauerei, ein im Wikingerstil errichteter Holzbau am Hafen von Flåm. Zumindest was den Musikgeschmack betrifft, ist hier wohl die Zeit stehen geblieben: Gespielt werden fast ausschließlich Rocksongs aus den 1970-er Jahren.

Unser Hotel, das Fretheim-Hotel, wurde übrigens auch bereits 1870 errichtet, von einem Bauern, der gemerkt hat, dass er mit den englischen Lachs-Anglern mehr verdienen kann als mit der Landwirtschaft. Und angeblich soll es, zumindest im alten Trakt des Hotels, auch ein Gespenst geben. Etliche Angestellte, aber wohl auch einige Gäste behaupten steif und fest, dort mitunter eine ältere Frau gesehen zu haben. Das soll der Geist von Martha sein, einer Cousine des Hotelgründers. Sicher ist jedenfalls, dass viele Norweger ja auch an die Existenz von Trollen glauben, deren Figuren in keinem Andenkengeschäft fehlen.

Von unserer Gruppe allerdings begegnet in dieser Nacht niemand dem Geist von Martha.

Sonntag, 7. Juni 2009: Flåm – Myrdal – Bergen

Noch vor neun Uhr besteigen wir die Flåm-Bahn, die uns innerhalb einer Stunde in das Bergdorf Myrdal bringen soll. Dabei überwindet die Bahn auf einer Strecke von knapp über 20 Kilometern immerhin rund 850 Höhenmeter.

Der Bahnhof in Flåm liegt auf einer Höhe von zwei Metern über dem Meeresspiegel, am ersten Bahnhof in Kunden haben wir bereits die Marke von 16 Metern passiert. Mit Flåm und Myrdal zählt die Strecke insgesamt übrigens 16 Bahnhöfe – wobei die Bahnhofsgebäude nie mehr als gelbe oder rote Holzhäuschen sind, die dazu gehörigen Dörfer immer nur wenige Häuser zählen.

In dem Fluss neben der Bahnstrecke liegen gewaltige Felsbrocken, um die herum Laufstege gezimmert wurden. Plattformen für die Lachs-Fischerei.

Auf ihrem Weg passiert die Bahn – neben etlichen anderen – auch den Kjosfossen, einem mit viel Getöse 93 Meter tief vom Felsen stürzenden Wasserfall. Hier legt der Zug für seine meist touristischen Gäste einen Foto-Stopp ein, einen Foto-Stopp, bei dem man auch auf der hölzernen Plattform damit rechnen muss, nass zu werden. Bis hierher sprüht die Gischt des schäumenden Wassers, über dem sich immer wieder für einen kurzen Moment schimmernde Regenbogen bilden.

In Myrdal steigen wir dann auf die „normale“ Bahn um, nehmen den Zug nach Bergen, das wir am späten Vormittag erreichen.

Erstes Ziel in Bergen ist der Ulriken, der „Hausberg“ der Hafenstadt. Nach zweijährigen Rekonstruktionsarbeiten hat seit Mai wieder die Seilbahn geöffnet – ansonsten soll es etwa zwei Stunden dauern, bis man auf dem Hochplateau angekommen ist. Die Seilbahn benötigt dafür keine Minuten.

Von hier oben sieht man, wie sich das moderne ausufernde Bergen zwischen den Hügeln um die Meerarme drängt, erkennt man aber auch genau die alte Stadt mit ihren Holzhäusern. Das felsige Hochplateau selbst ist eine karge Landschaft, bewachsen zwar von einer Grasnarbe, aber ohne Bäume oder auch Sträucher.

Wieder unten angelangt fahren wir mit unserem Bus durch die Stadt, passieren dabei auch das alte Krankenhaus, Norwegens größtes Holzhaus, steuern das einstige, außerhalb der Stadt direkt am Meer gelegene Anwesen von Edvard Grieg, für die Norweger wohl mehr als nur ein bedeutender Komponist sondern fast schon ein Nationalheld, an.

Man erreicht das Grieg-Anwesen über die so genannte Troll-Allee. Die Bäume, die diesen Weg säumen, sind tatsächlich so geschnitten, dass man sie für unheimliche Fabelwesen halten könnte. Das Haus selbst ist ein eher bescheidenes Holzhaus, aber in einem überaus großzügigen Anwesen mit fantastischem Blick auf die Bucht und einige kleinere Inseln.

Das von der UNESCO zum Welterbe erklärte Bryggen, die alte Hanse-Niederlassung in Bergen, ist erstaunlich klein. Scheinbar besteht der Stadtteil aus nicht viel mehr als etwas über einem Dutzend weißen und roten Holzhäusern am Hafen – und Bryggen ist auch wirklich klein. Zwischen diesen Holzhäusern führen zwar Gassen zu den ehemaligen Handelshöfen, aber der vorherrschende Eindruck ist auch hier die Enge. Kaum vorstellbar, dass in diesen Höfen, in denen der Boden überall mit Holzbohlen ausgelegt ist, jeweils mindestens 70 Männer gelebt und gearbeitet haben sollen.

Was man zu sehen bekommt, ist allerdings nicht einmal das mittelalterliche Bryggen, sondern ein Nachbau nach einem Stadtbrand im 18. Jahrhundert. Und da baute man dann im hinteren Teil des Viertels auch die ersten Steinhäuser, nun dunkle Gemäuer, in denen man die wertvollere Ware aufbewahrte.

Unser Hotel in Bergen ist das Hotel Admiral, gelegen auf der anderen Seite des Hafens – so dass man von unserem Hotel direkt auf die alten Hansehäuser schauen kann.

Montag, 8. Juni 2009: Bergen

Am Hafen hat bereits der traditionelle Fischmarkt geöffnet. In den einzelnen Buden und Zelten werden zwar auch Fische und Meeresfrüchte, zum Beispiel riesige Langusten, dazu auch Dörrfisch verkauft, vor allem aber Andenken und Textilien für die Touristen.

Wir nutzen die verbleibende Zeit zum Besuch des Bryggen-Museums, eines der alten Handelshäuser, das nun zur Dauerausstellung über die Zeit der Hanse in Bergen wurde. Scheinbar wurde damals jeder Raum, alle verfügbare Fläche in einem Haus auch als Warenlager genutzt – so dass der Stockfisch mitunter auch gleich neben der „guten Stube“ hängen konnte.

Um 10.45 werden wir abgeholt für den Transfer zum Flughafen, treten die Rückreise nach Deutschland an.

Online: