Eine Riga-Reise mit Besuch der Altstadt, mit Schwarzhäupterhaus, Dom und Schwertbrüderhaus, der Vorstadt mit ihren Jugendstil-Häusern von Michael Eisenstein, dem „Jüdischen Riga“ mit dem Ghetto-Museum und den Gedenkstätten Rumbula und Bikernieku und einem Abstecher über die Daugava

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Lettland, Riga: Mittelalter, Jugendstil und Jüdisches Riga

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Altstadt-Gassen innerhalb der Stadtmauer von Riga Das  Schwarzhäupterhaus der unverheirateten Kaufmänner. Gedenkstätte für die im Wald von Rumbula ermordeten Juden Das Hanse-Museum im Keller des Schwarzhäupterhauses

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Das Haus der Schwertbrüder ist Rigas ältestes Steinhaus.  Der Dom, die älteste und lange Zeit größte Kirche der Stadt Blick auf die Oper, im 19. Jahrhundert die "Deutsche Oper"  Die Freiheitsstatue, gebaut während der ersten Unabhängigkeit 

Die Kartenverkäuferin im Jugendstil-Museum in der "Vorstadt "

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Ein Jugendstil-Haus, nun genutzt als Botschaftsgebäude

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Beschriebene Orte und Sehenswürdigkeiten: Altstadt-Bummel mit Pulver-Turm und Schweden-Tor, "Jüdisches Riga" mit Ghetto-Museum, Große Choral-Synagoge, Jüdischer Friedhof, Gedenkstätte Rumbula und Gedenkstätte Bikernieku, Altstadt-Bummel mit Rathaus-Passage, Schwarzhäupterhaus, Schwertbrüderhaus und Dom, Zentralmarkt, Nationaloper, FreiheitsstatueLaima-SäuleVorstadt und Jugendstil

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Donnerstag, 30. September 2010: Altstadt-Bummel, „Jüdisches Riga“ mit Ghetto-Museum, Große Choral-Synagoge, Jüdischer Friedhof, Gedenkstätte Rumbula, Gedenkstätte Bikernieku, Rigaer Vorstadt 

Rund 90 Minuten dauert der Flug mit Air Baltic von Berlin-Tegel nach Riga. Gegen 11.15 Uhr, wir sind eine Stunde verspätet abgeflogen, befinden wir uns in der Nähe von Riga, über einer Landschaft voll weiter Felder, immer wieder unterbrochen durch Waldflächen, durchsetzt von zahlreichen Seen.

 

Auf dem modernen, großzügigen Flughafen scheint die Gepäckausgabe allerdings noch nicht voll durchorganisiert. Auf den Anzeigetafeln der Gepäckbänder jedenfalls ist die Maschine aus Berlin nicht vermerkt, das Gepäck kommt dann schließlich aber doch mehr oder weniger unangekündigt auf einem dieser Bänder an. Und das war auch nicht das erste Gepäck-Problem mit Air Baltic: für den Koffer, den ich aufgeben wollte, sollte ich stolze 25 Euro Gebühr entrichten. Die Preisstaffel für Gepäck: Wer als Air-Baltic-Club-Mitglied gleich bei der Online-Buchung das Gepäck anmeldet, zahlt 15 Euro pro Stück, wer das als Air-Baltic-Mitglied erst am Flughafen macht, 20 Euro – und Nicht-Mitglieder da eben 25 Euro.

 

Und das scheint nicht allen Passagieren unbedingt so klar zu sein. An der Kasse vom Flughafen Berlin-Tegel höre ich jedenfalls, dass die Leute immer wieder von der Gebühr überrascht sind und mächtig fluchen. Mir wird die Gebühr dann aber doch erlassen, weil sich mein Name auf der Einladungsliste von Air Baltic findet und ich in der Business Class fliege. In der bin ich dann der einzige Passagier – und bekomme ein Essen serviert, wie man es bei anderen Fluggesellschaften so reichhaltig kaum noch erhält. Der einzige Unterschied zwischen Business und Economy Class soll übrigens darin bestehen, dass man in der Economy für dieses Essen rund neun Euro extra zahlen muss. Also zumindest bei Versorgung und Service unterscheidet sich Air Baltic schon von anderen Billig-Fliegern.

 

Mein Hotel, das Neiburgs, ist ein prächtiger Jugendstil-Bau in einer der schmalen Altstadtgassen, strahlt eine heimelige Atmosphäre aus, verbunden mit einem Hauch von Luxus. Jugendstil-Ornamente verzieren die Fassade, die Decken des Zimmers, von seiner Anlage her eine in Schlafzimmer, Essecke, Küche und Bad unterteilte Suite sind ebenfalls mit Stuck verziert. Und von meinem Fenster aus habe ich den Turm des mittelalterlichen Doms im Blick.

 

In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich noch ein weiteres Hotel, doch ansonsten beherrschen kleine Häuser von romantisch-mittelalterlichem Aussehen das Bild dieser Gasse. Eines dieser schmalen Häuschen, schmal und blau angetüncht mit leicht kitschigen Fassadenmalereien, nun als Restaurant genutzt, trägt die Jahreszahl 1221. Das Haus selbst ist natürlich kaum aus dem 13. Jahrhundert – aber vielleicht soll die Jahreszahl ausdrücken, dass an dieser Stelle schon 1221 ein Gasthaus stand. Möglich wäre das jedenfalls.

 

Mit Guna, der Vertreterin vom Rigaer Tourismus-Büro, unternehme ich einen ersten Spaziergang durch die Altstadt  Wir passieren einen größeren Altstadtplatz, belegt mit den insgesamt 1200 Plätzen eines Straßencafés, daneben, wieder hergerichtet, der Jugendstil-Palast des Russischen Theaters. Allerdings würde man hier nicht unbedingt sofort auf ein Theater tippen. Mit seinen großen Fenstern hätte dieser Bau auch ein mondänes klassisches Kaufhaus sein können.

 

In einer großen Glasvitrine steht am Rand dieses Platzes ein stilisierter Weihnachtsbaum aus Kristall oder Glas. Riga begeht gerade den 500. Jahrestag des ersten Weihnachtsbaumes, der in der Stadt aufgestellt wurde, gestiftet von der Kaufmannsgilde, und an dieses Ereignis erinnert nun nicht nur dieser Glas-Weihnachtsbaum, sondern der mit bunten Blumen verzierte Plastik-Sommer-Weihnachtsbaum einige Schritte weiter auf dem Platz zwischen Rathaus und Schwarzhäupterhaus, dem einstigen Haus der Gilde der unverheirateten Kaufleute, einem roten, auf mittelalterlich nachempfundenen Backsteinbau, auch der erst vor wenigen Jahren wieder rekonstruiert.

 

Vorbei am roten Pulver-Turm aus der Zeit der schwedischen Herrschaft über Riga, nun Sitz des Kriegsmuseums, geht es zur Stadtmauer aus rotem Backstein, auch die nicht wirklich aus dem Mittelalter,  sondern ein rekonstruiertes Überbleibsel aus der Schweden-Zeit. Dieser Mauer gegenüber befindet sich eine Zeile ehemaliger Offiziershäuser, nun meist in Andenkenläden umgewandelt, Häuser aus der Zeit von Zarin Katharina, errichtet anstelle der Holzhäuser der schwedischen Armee, die ursprünglich hier standen.

 

Durch das „Schweden-Tor“, eigentlich nicht viel mehr als der Durchbruch durch ein grauen Wohnhaus, in dem früher der Henker von Riga gelebt haben soll, gehen wir zurück in die Gassen der Altstadt, vorbei an alten Bäckerei oder einem Kontor, wo an der Außenmauer noch die Kran- und Hebeanlagen zu sehen sind, zu dem großen Altstadtplatz beim Russischen Theater, wo wir uns mit Edith treffen.

 

Edith, ursprünglich russischsprachige Chemielehrerin, nun Chefin einer Tourismus-Agentur, wird die Führerin meiner Tour durch das „Jüdische Riga“. Sie selbst kommt ebenfalls aus einer jüdischen Familie, die nun, seit der Unabhängigkeit Lettlands, weit verstreut zwischen Kanada und Israel lebt. Ihr Großvater jedenfalls gehörte zu wohlhabenderen Juden von Riga, konnte mit seiner Familie die Stadt aber noch rechtzeitig vor der Besetzung durch die Nationalsozialisten verlasen, ist aber dann als Angehöriger der Roten Armee gefallen.

 

Ediths Vater konnte dann zwar in einer der großen Rigaer Fabriken Karriere machen, aber besondere Privilegien scheint ihnen das nicht eingebracht zu haben. Die Wohnung, die den Großeltern gehört hatte, blieb jedenfalls verloren – und so lebte die Familie die ganze sowjetische Zeit in der Wohnung einer anderen Angehörigen, zusammen allerdings mit anderen Familien, weil es eben so eine große Wohnung war...

 

Die erste Station unserer Tour ist das an der Daugava, in der Nähe der Markthallen gelegene Ghetto-Museum. Das wurde erst vor kurzem im halb zerfallenen Gebäude eines ehemaligen Handelskontors eröffnet, erzählt nun die Geschichte der bis zu 40000 Menschen zählenden jüdischen Gemeinde von Riga. Das Museum selbst ist zwar gerade geschlossen, aber die Schautafeln vor dem Museum mit den alten Fotos sind dafür frei zugänglich.

 

Gezeigt werden Bilder einstiger jüdischer Wohnhäuser, klein, ärmlich und meist aus Holz, die bescheiden zu nennenden Hütten früherer Rabbis, aber auch Familienfotos von wohlhabenderen Juden. Riga, erzählt Ruth, war immerhin die erste Stadt im zaristischen Russland, die auch eine Höhere Schule nur für jüdische Kinder hatte, und so sieht man Fotos von den Schülern, von Lehrern, von anderen Persönlichkeiten, die im Gemeindeleben eine Rolle spielten, darunter auch David Ben-Gurion, der sich eine Zeit lang in Riga aufhielt.

 

Neben dem Museumsgebäude wurde eine Kopfsteinstraße so umgebaut, wie in Zeit der nationalsozialistischen Okkupation die Straßen zum Ghetto aussahen: mit Stacheldrahtverhau links und rechts, und dazu stehen nun auf der linken Seite dieses Weges Schautafeln mit der von den Plakaten und Flugblättern der damaligen antisemitischen Propaganda, zum großen Teil Karikaturen, die die Juden als Erfüllungsgehilfen von Stalin zeigen, während auf den Tafeln rechts die Namen der 70000 ermordeten lettischen Juden verzeichnet sind. Wirkungslos blieb die NS-Propaganda übrigens nicht – und zahlreiche Letten haben sich, wie Edith erzählt, an den von den Nationalsozialisten betriebenen Verfolgungsmaßnahmen und den Massenmorden aktiv und willig beteiligt.

 

Vom Ghetto-Museum aus fahren wir zu den Resten der „Großen Choral-Synagoge“.  Neben deren Ruine steht nun ein Denkmal, bestehend aus weißen Stelen, mit den Namen der Letten, die während der NS-Okkupation verfolgte Juden gerettet hatten. Es sind doch einige hundert Namen, die hier auf den Säulen verzeichnet sind.

 

Von der Synagoge selbst sind außer den Fundamenten und links und rechts einigen Außenmauern keine größeren Reste erhalten geblieben. Zu Beginn der Judenverfolgung hatten sich 300 Menschen in die Synagoge geflüchtet, die dann von den Nationalsozialisten angezündet wurde. Aber der Bau war damals nicht völlig abgebrannt: Weiter abgerissen – was man nun von den Außenmauern sieht, sind Rekonstruktionen – wurde er in der folgenden Stalin-Ära!

 

Durch die Hauptstraße des einstigen Ghettos, vorbei am Jüdischen Krankenhaus, einem unscheinbaren weißen Gebäude, bei dem der Putz abblättert, sowie an halb zerfallenen, wohl auch leer stehenden Mietshäusern fahren wir nun zu dem Park, der einst der Jüdische Friedhof Rigas war.

 

Daran erinnern allerdings nun nicht viel mehr als der Gedenkstein mit dem Davidstern am Eingang des Parkes sowie die verstreuten Fundamenten einiger Grabstellen. Zerstört wurde der Friedhof, wie Edith berichtet, erst in sowjetischer Zeit, weil die Stadtverwaltung hier einen weiteren Park errichten wollte. Geworden ist daraus allerdings nur ein kleiner, unscheinbares Parkgelände -  während die Grabsteine wohl für den Straßenbau verwendet wurden.

 

Unsere nächste Station ist die Gedenkstätte von Rumbula, ein Wald, der während der NS-Okkupation noch außerhalb des Stadtgebietes von Riga lag, begrenzt von einem Bahndamm und einem kleinen Flüsschen, der nun allerdings fest vollständig versandet und zugewachsen ist, so, wie auch das Wäldchen nicht mehr außerhalb der Stadt liegt, sondern zum Stadtwald wurde, von den Einwohnern Rigas auch gern als Ausflugs- und Picknickziel genutzt wird.

 

Dabei soll er doch eigentlich als Gedenkstätte und Mahnmal für 40000 Rigaer und lettischen Juden dienen, die hier von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Ein Mahnmal weist den Weg, den die Verfolgten zunächst entlang getrieben wurden, dann markieren Hügel mit Gedenksteinen die Stellen, an denen die Opfer in mehreren Lagen übereinander liegend verscharrt wurden. 

 

Lediglich von einer jungen Frau ist verbürgt, dass sie das Massaker überlebt hat. Wegen ihrer blonden Haare und ihres „nordischen“ Aussehens konnte sie den Nazi-Schergen weis machen, sie wäre nur wegen eines Irrtums im Todestransport. Die verunsicherten Wachen ließen sie gehen, die Frau fand Unterschlupf bei einem Freund – und wurde dann in der Sowjetzeit nach Sibirien deportiert, weil sie angeblich eine Kollaborateurin gewesen sein soll. Später durfte die Überlebende nach Israel ausreisen, wo sie dann ein Buch über ihr Leben schrieb.

 

Dazu berichtet Edith von einer weiteren vermeintlichen Rettung aus dem Wald von Rumbula, eine Geschichte, an der sie aber ihre Zweifel äußert. Eine der von ihr betreuten Riga-Besucher habe erzählt, auch sie sei hier als Kind zur Erschießung hergetrieben worden, wäre aber nicht getroffen, sondern noch lebend zusammen mit den Toten verscharrt worden und hätte sich Stunden später befreien und aus dem Wald fliehen können. Die Frau, so Edith, habe, wie sie herausfand, tatsächlich in Riga gelebt, sei aber in der Zeit der NS-Okkupation eher eine junge Frau als ein Kind gewesen.

 

Der zentrale Hügel von Rumbula, gekennzeichnet von der Nachbildung einer Menora, ist nun bedeckt von kleinen Feldsteinen, alle in der Form von Tränen. Dazu tragen die Feldsteine die Namen der hier Ermordeten – und die davor in die Erde eingelassenen Pflastersteine die Straßennahmen des Rigaer Ghettos.

 

Ein kleinerer schwarzer Granitstein zeigt unterdessen, wie zu Sowjetzeiten mit dem Gedenken an den Holocaust umgegangen wurde. Der Stein zeugt Hammer und Sichel, dazu in mehreren Sprachen die Inschrift „Den Opfern des Faschismus“.  Dass in Rumbula allerdings alle Ermordeten Juden waren, kommt auf diesem Gedenkstein nicht vor, sollte damals wohl auch vergessen gemacht werden.

 

Etwas weiter entfernt, fast schon außerhalb der Stadt, liegt die andere große Gedenkstätte Rigas, im Wald von Bikernieku, dem Wald, wo während der NS-Okkupation rund 20000 Juden aus ganz Europa ermordet wurden. Die Anlage der Gedenkstätte ist ähnlich der von Rumbula, nur dass hier im Zentrum keine Menora, sondern die Skulptur eines in zwei Teile gebrochenen Davidsternes steht, die Gedenksteine dazu zu Gruppen zusammengestellt sind, bei jeder Grippe dazu eine schwarze Granitplatte liegt mit dem Namen einer der Städte, aus denen die Opfer des Massenmordes kamen, auch aus deutschen Städten wie Coburg, Hamburg, Köln und Berlin.

 

Durch Rigas Außenbezirke fahren wir nun zurück Richtung Altstadt. Da geht es nun vorbei an den monotonen Plattenbauten der 60-er und 70-er Jahre des 20. Jahrhunderts, von den Rigaern als Sowjethäuser bezeichnet, hier meist kleiner als die Plattenbau-Siedlungen in anderen Städten, aber nicht minder eintönig. Wir kommen dann auf, wie Edith sagt, „Rigas längste Straße“, fast einen Boulevard, mit Wohn- und Geschäftshäusern, aber auch ehemaligen Fabrikgebäuden, von denen zumindest die vorderen Fassaden an Jugendstil-Paläste erinnern.

 

Die Betreuung durch das Rigaer Tourismus-Büro, ist lückenlos: kurz vor 19 Uhr werde ich von Unna, einer Studentin der Betriebswirtschaft, im Nebenjob ebenfalls für das Tourismus-Büro tätig, zum Abendessen abgeholt. Unser Restaurant, 20 Minuten Fußweg von meinem Hotel entfernt, liegt in der so genannten Vorstadt, entstanden gegen Ende des 19. Jahrhunderts, ein Viertel der gediegenen Wohnhäuser, alles solide wirkende Altbauten.

 

Unser Restaurant, das Charlestons, ist zunächst noch leer, füllt sich dann aber allmählich – und scheint zu den gerade „angesagten“ Lokalen der Stadt zu zählen.  Dennoch halten sich die Preise im Rahmen. Ein großes Steak kostet, Beilagen inklusive, 11 Lats, umgerechnet also rd. 15 Euro.

 

Freitag, 1. Oktober 2010: Altstadt-Bummel mit Rathaus-Passage, Schwarzhäupterhaus, Schwertbrüderhaus und Dom, Zentralmarkt, Nationaloper, Freiheitsstatue und Laima-Säule, Daugava, Rigaer Vorstadt und Jugendstil

Kurz vor zehn Uhr holt mich Juris, mein Reisebegleiter für die Alt- und die so genannte Vorstadt, im Hotel ab.

Zunächst geht es wieder Richtung Rathaus und Schwarzhäupterhaus, durch die Gassen, durch die ich auch schon am Vortag gegangen bin. Juris ist übrigens nicht nur, wie er mir erzählt, Reiseleiter, sondern betreibt auch einen Antiquitätenhandel, organisiert Konzerte und makelt mit Immobilien. Mehr als einen Job zu haben scheint in Lettland völlig normal.

 

In einer der Nebengassen sind vor dem grauen Eingang eines Restaurants etliche mittelalterlich anmutende Wimpel über die Straße gespannt, stehen dazu mittelalterliche Karren vor den Häusern. „Rosengral“ heißt das Lokal, ist Rigas einziges Lokal mit „authentisch“ mittelalterlicher Küche, liegt dazu an der „Rosen-Gasse“, benannt nach einer mittelalterlichen Adelsfamilie, die wohl eine der reichsten Familien der Stadt war.

 

Jedenfalls, so berichtet Juris, rankte sich um den Reichtum der Rosens die Legende, dass die Tempelritter nach dem Verbot ihres Ordens durch den Papst einen Teil ihrer Schätze in Riga bei den Rosens versteckt hätten, darunter auch den Heiligen Gral.

 

Eine andere, wahrscheinlichere Quelle des Reichtums der ehemaligen Hansestadt an der Ostseeküste ist in fast jedem Schaufenster auch des kleinsten Andenkenladens in der Altstadt zu bewundern: Bernstein, Klumpen unterschiedlicher Grüße, verarbeitet zu Broschen, Anhängern, Ketten und kleinen Bäumchen. Und Bernstein gibt es natürlich auch in den Geschäften der unterirdischen Ladenpassage, die man unter dem neuen Anbau des Rathauses eingerichtet hat.

 

Eines der Geschäfte hier bietet dazu auch noch handgestrickte Fäustlinge an, Handschuhe, die die Finger aber frei lassen, eine der großen Strick-Traditionen des Landes. Früher hätten die Mädchen auf den Dörfern fast ihre ganze freie Zeit mit dem Stricken solcher Handschuhe verbracht, berichtet Juris, weil es nämlich üblich war, dass die Braut bei ihrer Hochzeit jedem gast ein Paar solcher Handschuhe schenkt. Und dabei seien die Muster und Farben je nach Region oder Dorf völlig unterschiedlich, gebe es diesen Teil der lettischen Nationaltracht in einigen hundert Variationen.

 

Ebenfalls in der Rathauspassage zu sehen: Die schwarzen Reste des Stammes einer alten Eiche, die hier bei den Schachtarbeiten ausgegraben wurde.

 

Vom Rathaus geht es zum gegenüberliegenden Schwarzhäupterhaus, vorbei an der Rolandsfigur, die in der Mitte des Platzes steht. Auch wenn das Schwarzhäupterhaus vielfach auch als das herausragende Mittelalter-Denkmal Rigas schlechthin gilt – errichtet wurde es in dieser Form erstmals im 17. Jahrhundert, ist also, wie die meisten anderen „Mittelalter-Denkmäler“ Rigas, ein Barock-Bau. Und das, was die Besucher heute sehen, ist auch nur eine nach Fotos erstellte Rekonstruktion.

 

Denn das barocke Schwarzhäupterhaus war im Krieg zerstört worden, wurde in der Sowjetzeit auch noch nicht wieder aufgebaut. Überhaupt, so Juris, hätten die Sowjets an der Altstadt kein wirkliches Interesse gehabt, ließen sie weitgehend verkommen, planten eine Straße quer durch die Altstadt, die Errichtung weiterer Plattenbauten.

 

Aber das nach der Unabhängigkeit wieder errichtete Schwarzhäupterhaus kommt dem Original wohl ziemlich nahe, einschließlich der alten Uhr an der Spitze der Vorderfront. Diese Uhr muss im 17. Jahrhundert wirklich als Meisterwerk der Technik gegolten haben, zeigte sie doch nicht nur die Stunden und Minuten, sondern auch den jeweiligen Tag an, ein damals hochmodernes Fabrikat aus Nürnberg, das an dieser prominenten Stelle den Reichtum und die Bedeutung Rigas betonte.

 

Die Kellergewölbe des Schwarzhäupterhauses beherbergen nun das Hanse-Museum der Stadt, in dem alte Waagen und Handels-Utensilien gezeigt werden, aber auch Originalstücke von der ursprünglichen Fassade. Unter den Ausstellungsstücken: Der Gipsabdruck einer Figur des Drachentöters St. Georg, die einst auch die Fassade zierte.

 

In den oberen Stockwerken unterdessen hat den alten Reichtum der Gilde wieder voll herausgestellt. An den Wänden der repräsentativen Räume hängen nun die Rekonstruktionen alter Stadt-Gemälde, insbesondere von Lübeck, der Stadt, der Riga wohl besonders verbunden war, die Vitrinen sind voll von massiven Silberarbeiten, von Modellschiffen, Pokalen und anderem mehr alles aus schwerem Silber.

 

Vom Schwarzhäupterhaus sind es nur wenige Schritte – innerhalb der Altstadt liegen eigentlich alle wichtigen Orte nur wenige Schritte voneinander entfernt – zur St. Peter Kathedrale, deren 124 Meter hoher Turm nun alle anderen Gebäude weit überragt. Hier sind wir allerdings noch zu früh: Der Turm kann erst ab 11 Uhr bestiegen werden – und so verpasse ich das Panorama, das man von der Turmspitze aus zu sehen bekommen soll.

 

Wir wenden uns statt dessen dem Schwertbrüderhaus zu. Der weiße Bau ist eher unscheinbar, zeichnet sich allenfalls durch seine drei großen, nun mit Holzläden verschlossenen Fenster aus, zeigt weder Fachwerk noch Verzierungen, ist aber, aus dem 14. Jahrhundert stammend, der älteste in Riga noch erhaltene weltliche Steinbau.

 

Schnell werfen wir noch einen Blick in die nun evangelische St. Johann-Kirche mit ihrer spätgotischen Rückfront, kommen an einem kleine Stück der alten Stadtmauer vorbei und an einem Haus, an dem eine Gedenktafel an den Aufenthalt von Richard Wagner erinnert, passieren ein recht hübsches Jugendstilhaus,  besuchen dann das Gebäude der Handwerkergilde, innen nicht weniger prächtig als das Schwarzhäupterhaus eingerichtet, stehen schließlich am mittelalterlichen Dom.

 

Für 5000 Plätze war dieser älteste Bau, der eigentlich am Anfang der Rigaer Geschichte steht, angelegt gewesen – was man ihm von außen nicht einmal unbedingt ansieht. Verglichen mit den mittelalterlichen Sakralbauten anderer Städte wirkt eher ohnehin eher unscheinbar, wuchtig in seiner Umgebung, aber nicht besonders prächtig oder kunstvoll. Und doch war dies eben für mehrere Jahrhunderte das gewaltigste Gebäude der Stadt.

 

Mit dem Wagen fahren wir nun an die Daugava, zu den Hallen des Zentralmarktes. Am Zentralmarkt herrscht dichtes Gedränge – und Juris steckt seine Brieftasche in eine vermeintlich sichere Innentasche seiner Jacke. Der Zentralmarkt, der täglich einige zehntausend Kunden anlockt, sei auch der Treffpunkt der Taschendiebe, warnt er mich.

 

Errichtet wurden die fünf Hallen des Zentralmarktes, relativ modern erscheinende Stahlkonstruktionen, in den 20-er Jahren des 20. Jahrhundert. Die waren damals aber auch kein wirklicher Neubau. Vielmehr hatte die Stadtverwaltung die Hallen, die die deutschen Truppen im während des ersten Weltkrieges von ihnen besetzten Kurlandes für den Bau von Zeppelinen errichtet hatten, hierher bringen lassen und zu Markthallen umfunktioniert. Entsprechend hoch und geräumig sind die Hallen nun also auch, weswegen das Gedränge an den Ständen außerhalb der Hallen auch etwas größer als in den Hallen selber ist.

 

Wir scheuen in die Halle mit dem Fischmarkt. Obwohl es schon fast 12 Uhr mittags ist, gibt es hier immer noch frischen Fisch, teilweise auch lebende Fische in kleinen Becken, Unmengen von Heringen, Krabben, Meerestiere aller Art. Der Fischgeruch ist allerdings auch sehr eindringlich!

 

Bei den Einwohnern von Riga, so Juris, sei der Markt nicht nur so beliebt, weil hier täglich alles frisch sei, sondern vor allem deshalb, weil die Lebensmittel hier trotzdem billiger als im Supermarkt wären.

 

Mit einigen Minuten Verspätung kommen wir nun an der Nationaloper an, wo mich Guna bereits zu der vereinbarten Führung erwartet. Das klassizistische Gebäude stammt, wie ich bei der Führung dann höre, eigentlich aus dem Jahr 1863, brannte 1885 ab, wurde dann bis 1888 wieder aufgebaut.

 

Hier in der Nationaloper legte man wirklich wert auf die Originalstücke – und selbst die Kleiderbügel in den Garderoben sollen noch die ursprünglichen sein. Jedenfalls sehen sie wirklich sehr altertümlich aus.

 

Der Zuschauerraum mit dem Parkett und den drei Rängen sowie den Logen, nun die Logen des Präsidenten und der Minister, war ursprünglich auf stolze 1600, nun wegen der Brandschutzbestimmungen „nur“ noch 1400 Plätze ausgelegt. Und über der Bühne prangen die Porträts von Wagner, Schiller und anderen deutschen Dichtern und Komponisten. Der einige Nicht-Deutsche in dieser Galerie ist Shakespeare. Denn: Die Lettische Nationaloper war ursprünglich als Opernhaus für die deutsche Oberschicht von Riga gebaut worden – und bis zur ersten Unabhängigkeit nach dem Ersten Weltkrieg gab es hier auch nur deutsche Stücke zu sehen.

 

Wie auch immer: Beeindruckend ist jedenfalls vom Balkon der „Belle Ètage“ der Ausblick auf den unter uns liegenden Park, eine überaus gepflegte Anlage, wie es sie viele entlang der Kanäle von Riga gibt.

 

Nach dem Opernbesuch schlendern wir an der Freiheitsstatue vorbei, ein eher typisches Nationaldenkmal im heroischen Stil mit kriegerischen Darstellungen, dann einer allegorischen Frauenfigur an der Spitze, die in ihren empor gehobenen Händen einen Ährenkrank mit drei Sternen hält. Errichtet wurde dieser Bau mit Spendengeldern aus der Bevölkerung während der ersten Unabhängigkeit in den Jahren von 1931 bis 1935, genau an der Schnittstelle von Rigaer Altstadt und ehemaliger Vorstadt, und zwar auf dem Platz, an dem bis zu diesem Zeitpunkt eine Zarenstatue stand.

 

Die drei Sterne, so die ursprüngliche Bedeutung, stehen übrigens für die drei Provinzen Lettlands, erzählt mit Juris später bei meinem zweiten Besuch an der Freiheitsstatue, doch zu Sowjetzeiten habe man dann versucht, die Geschichte umzudeuten. Da hieß es dann, die Frauenfigur stelle die Sowjetunion dar, die schützend die „befreiten“ baltischen Staaten in ihren Händen halte. Aber glücklich, so Juris, wurde die sowjetische Stadtverwaltung mit der Freiheitsstatue nicht – und setzte wohl darauf, dass ihr der Verkehr, den man damals gnadenlos an ihr passieren ließ, eines Tages den Rest geben würde. Erst nach der Unabhängigkeit wurde die Straße mit der Freiheitsstatue dann wieder für den Autoverkehr gesperrt.

 

In unmittelbarer Nachbarschaft zur Freiheitsstatue steht übrigens eine andere Säule, die, so Guna, der beliebstete Punkt für Verabredungen in er Stadt ist: Die Laima-Säule, eine Reklame-Säule für die in Riga seit dem 19. Jahrhundert hergestellte Laima-Schokolade – und ihrem Aussehen nach zu urteilen dürfte auch diese Säule noch aus der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert stammen, eine nostalgische Erinnerung an Zeiten, als Reklame noch etwas Besonderes im Stadtbild war.

 

Zum Mittagessen in einem Restaurant an der Daugava fahren wir über den Fluss – und kommen auf der anderen Seite in ein gänzlich anderes Riga. Von Urbanität ist hier nichts mehr zu spüren. Man sieht etliche Holzhäuser, umgeben von wilden Gärten, etliche Gebäude aber auch verfallen. Das alles wirkt teilweise wie ein ausgestorbenes Dorf.

 

Unser Restaurant liegt gegenüber dem Fährhafen von Riga – wo gerade eine der Fähren liegt, die täglich nach zwischen Riga und Stockholm verkehren.

 

Nach dem Mittagessen geht es wieder zurück auf die andere Seite der Daugava, zunächst in das Rigaer „Kulturbüro“, wo ich mich mit einigen Mitarbeiterinnen treffe, die die Veranstaltungen für das Jahr 2014 vorbereiten, wenn Riga eine der beiden europäischen Kulturhauptstädte sein wird. Ein Teil dieses Programms, so sagt mir die Vertreterin des Organisationsbüros wird dabei auch die Vergangenheit und die Zukunft des Bernstein sein. Immerhin, so hätten auch archäologische Funde gezeigt, hätten die Bewohner des Baltikums über die Bernsteinstraße schon in der Bronzezeit vor rund 4000 Jahren mit den damaligen Zivilisationszentren am Schwarzen und am Mittelmeer in regen Handelsbeziehungen gestanden. Und was die Zukunft des Bernstein betrifft, läge die weniger in der Schmuckgewinnung, als vielmehr in der medizinischen Verwendung für Knochen- und Gelenk-Transplantate.

 

Es ist schon gegen 16 Uhr, als mich Juris vom Kulturbüro für unsere Besichtigung der Jugendstil-Bauten der Rigaer Vorstadt abholt. Der Begriff Vorstadt bezieht sich übrigens darauf, dass die Stadtmauer mit Erlaubnis des Zaren erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts eingerissen werden durfte – und Riga daraufhin regelrecht explodierte, die Vorstadt, bis dahin eine Ansammlung kleiner Holzhäuser, zum neuen urbanen Zentrum wurde. Die wenigen Holzhäuser die diesen Bauboom des 19. Jahrhunderts überstanden, sind nun zwar auch denkmalgeschützt, aber dass Riga zu weiten Teilen auch zum Unseco-Weltkulturerbe erhoben wurde, verdanke es nicht so sehr seiner mittelalterlich rekonstruierten Altstadt, sondern vor allem der Vorstadt mit ihren fast  vollständig und original erhaltenen Jugendstilbauten aus dem frühen 20. Jahrhundert.

 

Gleich neben dem Bürogebäude, in dem sich das Kulturbüro befindet, liegt der Park, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts Schauplatz einer Jugendstil-Ausstellung war, eine Ausstellung, von dem nun noch der Pavillon steht, in dem man damals die Eintrittskarten kaufen musste.

 

Bis in das Jugendstil-Viertel sind es von nur wenige Gehminuten, und gleich als erstes kann ich zwei direkt nebeneinander stehende luxuriöse Bauten bewundern, eines in gelb gehalten, das andere bläulich, beide mit Löwenköpfen und allegorischen Frauenfiguren verziert, Mietshäuser für die oberen 10 000, zu Sowjetzeiten dann eine Dienststelle des KGB. Das blaue Gebäude dient heute als Akademie. Das gelbliche Eckhaus daneben, dessen Fassaden an den beiden Straßen, an denen es steht, übrigens ganz unterschiedlich gestaltet sind, beherbergt nun die irische und die belgische Botschaft.

 

Entworfen hat diese beiden Prunkbauten der Ingenieur Michael Eisenstein, ein zum Christentum übergetretener Jude, der aus Russland zugezogen war, Vater des Filmregisseurs Sergej Eisenstein. Michael Eisenstein, von dem wir noch einige weitere Häuser sehen, hat insgesamt 24 Jugendstil-Bauten dieser Art in der Rigaer Vorstadt errichten lassen. Nach dem ersten Weltkrieg siedelte er übrigens nach Berlin über, wo er in den 20-er Jahren starb.

 

Gleich neben dem jetzigen Botschaftsgebäude, auf der anderen Seite der Straße befindet sich etwas einfachere Haus eines anderen Jugendstil-Architekten, ebenfalls in Gelbtönen, das Haus, in dessen erstem Stockwerk nun das Jugendstil-Museum zu finden ist. Fantastisch: Der Blick in das mit Jugendstil-Ornamenten bemalte Treppenhaus, in dem eine Wendeltreppe schwungvoll nach oben führt, scheinbar wie in eine Kuppel.

 

Und von solchen Wohnungen haben die meisten Menschen damals wohl nicht einmal zu träumen gewagt! Das Appartement für die vornehme Familie zählt etliche Räume, ein repräsentatives Wohnzimmer, eine Ess-Ecke, einen Empfangsraum, mehrere kleinere Schlafzimmer, alle mit Jugendstil-Möbeln bestückt, eine Küche, neben der sich dann auch der winzige Raum für das Dienstmädchen befindet, ein Badezimmer mit gusseiserner Wanne und einen Toilettenraum mit Wasserspülung. Die Toilette ist allerdings auch das einzige Originalstück, das sich schon damals hier an Ort und Stelle befand. Während der Sowjetzeit dienten die jetzigen Museumsräume nämlich als so genannte kommunale Wohnung – in der natürlich mehrere Familien leben mussten.

 

Zurück in der Altstadt zeigt mir Juris noch kurz den Komplex der „Drei Brüder“, drei Wohnhäuser, von denen eines noch aus dem 16. Jahrhundert stammt, damit das älteste erhaltene Wohnhaus der Stadt sein dürfte, bevor ich zum Abendessen ins Hotel gehe.

2. Oktober 2010: Altstadt-Bummel

Gegen 10 Uhr holt mich mein Taxi wieder ab zum Flughafen – so dass ich nach dem Frühstück noch eine knappe Stunde Zeit für einen letzten Altstadt-Bummel habe.

 

Der führt mich natürlich noch einmal zum Dom und zum Zentralplatz mit dem Straßencafé, wo es jetzt aber fast völlig menschenleer ist. Nur einige Betrunkene, die ersten, die ich hier sehe, befinden sich wohl gerade auf dem Nachhauseweg. Auch die Geschäfte sind vor zehn Uhr noch alle geschlossen.

 

Auf dem Flughafen hat sich vor den Abfertigungsschaltern von Baltic Air eine riesige Schlange gebildet, zumal alle Flüge von Baltic Air auch zusammen abgefertigt werden. Zum Glück kann ich an dem fast leeren Schalter der Business Class einchecken – und habe diesmal auch mit dem Gepäck keinerlei Probleme.

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