Eine Island-Vulkan-Tour von Reykjavik über den Golden Circle mit Thingvellir, Gullfoss, Geysir, Skálholt in die Aschewolke des Vulkans Eyjafjallajökull, nach Skógar und zum Skógarfoss und Stokkseyri

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Island: Vulkan-Tour über den „Golden Circle“ zum Eyjafjallajökull

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Panorama von Reykjavik - gesehen von der "Perle". Am Thingvallavatn, dem größten See von Island. In den Schluchten von Thingvellir sammelt sich glasklares Wasser. Gut 20 Meter schießt der Strokkur sein heißes Wasser hoch.

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Der Faxi gehört zu Islands weniger bekannten Wasserfällen.  Skálholt: Hier stand im Mittelalter noch Islands Hauptstadt. Gesehen auf einer Koppel bei Hella: eine Herde Islandpferde. Der Bauernhof Thorvalsseyri am Fuß des Eyjafjallajökull. 

Alte Torfhäuser der Bauern im Museum von Skógar 

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Der Skógarfoss, der Wasserfall von Skógar, fast direkt an der Küste

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Beschriebene Orte und Regionen: Kevlavik - Blaue Lagune (Bláa Lonid) - Hafnarfjördur - Reykjavik - Mosfellsdalen - Thingvellir - Gullfoss - Geysir - Faxi - Skálholt - bei Thorvalsseyri am Eyjafjallajökull - Skógar und der Skógarfoss - Stokkseyri

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Samstag, 15. Mai 2010: Kevlavik – Bláa Lonid – Hafnarfjördur – Reykjavik

 

Unser neuer Ablugtermin von Schönefeld wurde nun auf 13.10 Uhr festgesetzt. Ursprünglich hätten wir schon gestern Abend um 21.40 Uhr fliegen sollen, und bis 19 Uhr blieb es nach Auskunft des Flughafens Schönefeld auch dabei – obwohl der Flughafen Keflavik wegen eines erneuten Ascheausstoßes des Vulkans Eyjafjallajökull bereits am Vormittag geschlossen worden war, keine Maschine rauskam, unser Flieger sich also auch noch gar nicht auf den Weg nach Berlin gemacht hatte,

 

Doch offizielle Informationen von Icelandexpress, unserer Fluggesellschaft, gab es dazu nicht, und so trafen nach 19 Uhr dann auch jede Menge Passagiere am Schalter ein, die aber von den Icelandexpress-Mitarbeiterinnen irgendwann nach 20 Uhr auch nur auf eine „nächste Information“ gegen 23 Uhr vertröstet wurden. Eine Mahlzeit, vielleicht sogar eine Übernachtungsmöglichkeit angeboten bekam jedenfalls niemand.

 

Immerhin: Am Samstag, kurz vor 14 Uhr, also mit fast 16 Stunden Verspätung, die man auch als erste Begegnung mit dem Vulkan bezeichnen kann,  hebt dann die Maschine tatsächlich von Schönefeld ab, setzt gegen 15.15 Uhr isländischer Ortzeit – wir haben zwei Stunden Zeitverschiebung – zum Landeanflug auf den Flughafen Kevlavik an. 

 

Wären nicht immer wieder einzelne Schneeverwehungen auf den Bergkämmen zu sehen, könnte man sich fast über einer nordafrikanischen Wüstenlandschaft wähnen – wobei die vorherrschende Farbe hier aber nicht gelb, sondern grau ist.

 

Vom Gelände vor dem Flughafen sehen wir nach der Landung in der Ferne eine dünne, dunkle Säule über einem Bergzug. Das ist die Asche, die der Eyjafjallajökull nun seit Wochen ausspuckt.

 

Unser erster Weg nach der Landung führt uns zur Blauen Lagune, in die Badeanstalt mit dem heißen Salzwasser aus einer Thermalquelle, gelegen in einem Lavefeld, umgeben von einigen Wasserläufen. Einen guten Überblick, sowohl über das Freibad selbst als auch die vulkanische Umgebung, hat man von der Aussichtsplattform oberhalb des Restaurants.

 

Das Wasser im flachen Becken hat recht unterschiedliche Temperaturen, ist in jedem Fall aber immer mindestens warm, an verschiedenen Stellen sogar richtig heiß. Viel mehr als den Kopf lässt man da von sich besser nicht aus dem Wasser schauen, denn die Luft ist doch ziemlich frisch. 

 

Und das Gesicht schützt man auch vor der Kälte, in dem man es mit der weißen Masse aus Mineralien einreibt, die hier im Wasser zu finden ist, auch gegen Hautkrankheiten wie Schuppenflechte hilft. Etwas komisch sieht man damit allerdings schon aus – und das Gesicht im Becken wieder abwaschen, lässt man besser sein. Für die Augen aber auch für die haare soll das Wasser nämlich weniger gut sein.

 

Nach unserem Bad fahren wir Richtung Reykjavik, passieren in der Einöde eine Ansammlung verlassener Holzgestelle, einem der Orte, an denen noch vor wenigen Jahren Trockenfisch hergestellt wurde.

 

Für isländische Verhältnisse fast großstädtisch zeigt sich Hafnarfjördur, ein Ort mit eher einfallslosen Wohnblöcken und vor allem in der Nähe des Hafens einer Aluminiumfabrik, in der, so unsere Reiseleiterin Martina, immerhin rund 400 Menschen arbeiten. Der  Strom, den man auf Island dank Geothermie fast umsonst bekommt, hat diese energiefressende Aluminiumfabrik  ermöglicht -  obwohl die für die Aluminiumproduktion erforderlichen Rohstoffe etwa aus Jamaika importiert werden müssen.

 

Die Architektur dieser Aluminiumfabrik ist allerdings genau so einfallslos wie die Gestaltung der umliegenden Wohnblocks. Diese eher einfallslose Architektur, so Martina, sei übrigens die noch vorherrschende auf Island. Modern, fest aus Stein und Beton gebaut wird auf der Insel schließlich erst seit dem Zweiten Weltkrieg, als Briten und Amerikaner Island, damals noch dänische Kolonie, besetzten und innerhalb weniger Jahre in die moderne Zeit holten. Bis zur Zeit der angloamerikanischen Besetzung wurden Häuser auf Island nämlich entweder aus Torf oder aber aus Holz gebaut.

 

Mit Blick auf den Esja, Reykjaviks Hausberg, geht es weiter zur Hauptstadt. An einigen Stellen liegt noch immer Schnee auf dem Esja, und Martina erzählt uns, dass dieser Berg nach den isländischen Legenden Heimat der 13 Weihnachtsmänner wäre – wobei diese Weihnachtsmänner, Söhne einer bösen Riesin, keine Geschenkebringer wären, sondern eher wie Trolle darauf aus sind, Schaden anzurichten, wenn sie in der Vorweihnachtszeit bei den Menschen aufkreuzen.

 

Dass in Island aber auch modern und ästhetisch gebaut wird, sehen wir bei der Einfahrt nach Reykjavik, wo wir bei der „Perle“ einen Stopp einlegen. Die Perle ist eine runde Stahl-Glas-Konstruktion mit einer Kuppel, eines der neuen Wahrzeichen von Reykjavik, mit einem Museum und einer Aussichtsplattform um die Kuppel herum. Die lebensgroße Figur eines Wikingers in einer Glasvitrine begrüßt hinter dem Eingang die Besucher, mit dem Fahrstuhl geht es dann zur Aussichtsplattform, von der man tatsächlich einen einmaligen Blick über Reykjavik, die Bucht und auf den Hausberg hat.

 

Hochhäuser gibt es in der Skyline von Reykjavik dabei nicht zu sehen – die höchste „Erhebung“ der Stadt ist der Turm der Hallgrímskirkja, unserem nächsten Besichtigungsstopp. 73 Meter hoch ist der geschwungene Turm dieser weißen Kirche, erinnert an aus dem Fels wachsendes Basalt – und ist das andere neue Wahrzeichen von Reykjavik. Der Platz vor dem Denkmal wird beherrscht von einem Denkmal für Leif Erikson, ein Geschenk der USA, wie die Inschrift auf Englisch vermerkt.

 

Die Hallgríms-Kirche befindet sich am Ende – oder am Anfang – der „großen“ Einkaufsstraßen Reykjaviks, in einem Viertel, das wohl zu den teureren Wohngegenden der Stadt gehört. Bei den älteren Ein-Familien-Häusern sieht man übrigens die Bauweise, wie sie vor allem in den 40-er Jahren des 20. Jahrhunderts noch verbreitet war: Das Gebäude wurde aus Holz gebaut, dann, um das Holz zu schützen, mit Wellblech verkleidet.

 

Unsere Stadtrundfahrt führt uns nun in das alte Zentrum Reykjaviks, vorbei am Parlament, einem tatsächlich erstaunlich kleinem Bau aus dunklem Stein, kleiner, als das Rathaus einer deutschen Kleinstadt, zum Hafen. Viel Betrieb herrscht nun am Abend nicht mehr. An den Kais liegen einige größere Schiffe für die Wal-Beobachtung. Dass der Hafen nun überhaupt wieder eine größere Rolle spiele, so Martina, läge vor allem an diesen Wal-Beobachtungsschiffen – wobei die nun aber in unmittelbarer Nachbarschaft zu den etwas älter wirkenden Walfang-Schiffen liegen. Die Isländer scheinen sich an dieser Nachbarschaft offenkundig nicht zu stören.

 

Nach dem Einschecken im Hotel, im Radisson Blu, etwa 15 bis 20 Minuten Fußweg von der Innenstadt entfernt, gelegen im Universitätsviertel, fahren wir noch zum Essen – und unternehmen dann noch einen kurzen Bummel durch das inzwischen nächtliche, wie haben immerhin gegen 0 Uhr, Reykjavik. Dunkel ist es jedenfalls nicht, eher dämmerig – und auf den Straßen der Altstadt herrscht reges Leben. Überall haben noch die Lokale und Cafés geöffnet, vielerorts spielt man auch Lifemusik. Die Innenstadt zeigt sich als Party-Meile.

 

Sonntag, 16. Mai 2010: Mosfellsdalen – Thingvallavatn – Thingvellir – Gullfoss – Geysir – Faxi – Skálholt – Hella – Hvollsvöllur – Thorvalsseyri und Eyjafjallajökull– Skógar – Stokkseyri

 

Wir verlassen Reykjavik gegen 9 Uhr, fahren durch die Ebene von Mosfellsdalen, umgeben von entfernt liegenden Höhenzügen, auf denen man noch den Schnee liegen sieht. Ab und an passieren wir eine Pferdekoppel – und auch einige kleinere, verlassene Neubausiedlungen, die allerdings nie fertig gestellt wurden. Nun verschandeln diese Bauruinen als Denkmäler der isländischen Finanzkrise die Landschaft.

 

Richtige Dörfer sieht man dagegen nicht, nur einzelne Höfe, allein stehende Häuser, darunter auch ein – bescheiden wirkendes – weißes Gebäude, das ehemalige Wohnhaus von Halldór Laxness, Autor der „Islandglocke“ und der wohl bedeutendste Schriftsteller Islands. Dass dieses fast typische Ein-Familien-Haus nun ein Literatur-Museum ist, sieht man ihm bei der Vorbeifahrt jedenfalls nicht an.

 

Die Gegend, die wir nun passieren, erscheint als Einöde, in der nur einige wenige Grase und Moose wachsen, dann stoppen wir am Thingvallavatn, dem größten See Islands, bereits Teil des Nationalparks Thingvellir. Darauf weist an unserem Haltepunkt aber nur das Schild hin, auf dem man auch sieht, wo man gerade steht. Auffällig im See ist aber eine kahle Insel, ein aus dem Wasser schauender Hügel. Tatsächlich handelt es sich bei der Insel Sandey auch um einen Lava- und Aschehügel, entstanden bei einem früheren Vulkanausbruch.

 

Ansonsten ist diese westliche Seite des Sees eine Einöde, in der auf dem Lavagestein auch kaum etwas zu wachsen schein. Auf der Ostseite sieht es da schon anders aus. Bei der nur wenige Minuten dauernden Weiterfahrt zum Nationalpark-Zentrum sieht man auf der Ostseite einen Wald – und eine dunkle Felskante. Der Verlauf dieser nicht sonderlich hohen, ansonsten auch aus dieser Entfernung nicht wirklich beeindruckenden Felskante ist die Grenze Europas, die Linie, an der die europäische Kontinentalplatte sich immer weiter von der amerikanischen Kontinentalplatte entfernt.

 

All das erfährt man dann bei einer Multi-Media-Show im Besucherzentrum, wo man sich auf der „amerikanischen“ Seite Islands befindet. Zu Fuß, allerdings über einige Brücken, vorbei an einer kleinen Kirche, geht es dann durch das „Niemandsland“ von Amerika nach Europa.

 

Dabei nimmt man zunächst den Weg unterhalb der amerikanischen Felskante entlang, passiert dabei einen Platz, der mit der isländischen Fahne gekennzeichnet ist. In der Zeit der Wikinger-Siedler war dies der Platz, an dem während der Volksversammlungen der Gesetzessprecher stand – ein Ort, der auch heute noch neben dem Parlament als zentraler Platz der isländischen Demokratie gilt.

 

Dabei wurde die Autorität des Gesetzessprechers früher hier sicherlich auch durch seinen Standort unterstützt. Denn die nun in der Nähe wirklich gewaltige Felswand, steil aus der Erde ragend, fast gerade verlaufend, nur mit einigen Einbuchtungen, lässt auch die größte Menschenversammlung klein erscheinen.

 

Die Brücken führen über die mit dem See verbundenen Wasserläufe. Dabei ist das Wasser in diesen mitunter extrem schmalen Canons so klar, dass man auch noch gut die Felsformationen unter Wasser sehen kann. In einiger Entfernung, auf der amerikanischen Seite, erkennt man einen hohen Wasserfall, wohl auch der von einem der Flüsse, die diese See- und Canonlandschaft speist.

 

Hier treffen wir auf eine Gruppe Taucher, die, gut ausgerüstet mit Trockenanzügen, in das gerade zwei Grad Celsius messende Wasser hinab wollen. Fische gibt es hier keine, erzählen die Taucher, auch von Vegetation könne eigentlich nicht die Rede sein – aber auch in einer Tiefe von 22 Metern  habe man hier noch einen einmalig klaren Blick auf die Felsformationen.

 

Der Wald des Nationalparks ist – mit europäischen Augen gesehen – kein all zu dichter Wald, die Bäume sind meist so genannte Zwerg- oder Krüppelbirken, zu denen Martina den Scherz erzählt, wie man in einem isländischen Wald die Orientierung wieder findet, falls man sich einmal verlaufen hat. Die Lösung des Problems: Einfach aufstehen! Dennoch haben sich wohl gerade einige Ziegen hierher verlaufen. Denn eigentlich dürfen in diesem Nationalpark auch keine Haustiere grasen – aber vielleicht macht man da ja auch gerade wegen der Ascheschicht rund um den Eyjafjallajökull, die immerhin auf einer der wichtigsten landwirtschaftlichen Regionen liegt, auch eine Ausnahme.

 

Das nächste Ziel  unserer „Golden-Cirle-Tour“ zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten im Süden Islands ist der Gullfoss, der angeblich schönste Wasserfall der Insel, der „Goldene Wasserfall“. Bei meinem Besuch im vergangenen Herbst hatten Eisblumen die Ränder des über 70 Meter tiefen Canons bedeckt, nun bildet die Gischt über der Schlucht ihre feuchten Wolken, spürt man auf dem Weg an den Kaskaden, über die das Wasser in die Tiefe stürzt, immer einen leichten Regen – obwohl doch kein Tropfen vom Himmel fällt. Da kommt es einem auf der Felsplattform neben dem Haupt-Wasserfall schon fast „trocken“ vor, ist man fasziniert vor allem von dem Tosen der Wassermengen.

 

Auf der Hochebene oberhalb des Wasserfalls befindet sich ein Restaurant, eher als Kantine eingerichtet, in dem wir nun aber unser äußerst schmackhaftes Mittagessen nehmen. Zur Wahl stehen die isländischen Nationalgerichte, eine Suppe mit Lammfleisch und eine Pilzsuppe.

 

Natürlich darf auf der „Golden-Circle-Tour“  der Besuch von Geysir, dem Feld der explodierenden heißen Quellen, nicht fehlen. Die Attraktion des Feldes ist natürlich der Strokkur, der größte der Geysire, der regelmäßig, angeblich rund alle sieben Minuten, seine Wasserfontäne rund 20 Meter hoch aus seiner Erdspalte hinausschießt. Auf die Zeitangabe sollte man sich allerdings nicht zu sehr verlassen: Die Uhren der Kräfte im Erdinneren scheinen eher unregelmäßig zu gehen. Also muss man das Wasser im Becken des Strokkur genau beobachten. Bilden sich Blasen, ist dies ein Anzeichen dafür, dass die Explosion kurz bevorsteht – aber zwangsläufig erfolgen muss sie deshalb noch nicht. Manchmal beruhigt sich das Wasser auch wieder, und man muss eben noch weiter warten.

 

Ziehen sich die Blasen dann aber zu einer großen, bläulich schimmernden Blase zusammen, ist dies der Beginn des Ausbruchs. Sekundenbruchteile darauf schießt die Säule von Wasser und Dampf nach oben, fällt dann in sich zusammen, läuft das Wasser wieder zurück in die Tiefen des Erdlochs.

 

Der Geysir, der Namensgeber dieses Feldes und all er anderen heißen Quellen dieser Art, hatte schon vor einigen Jahren aufgehört, sein Wasser hinauszuschießen, war sozusagen erloschen. Nun, seit dem Ausbruch des Eyjafjallajökull, ist auch er wieder aktiv, wenn auch nur unregelmäßig, vielleicht fünf oder sechs mal am Tag. Seine Fontäne erreicht auch nicht mehr die alte Höhe von bis zu 50 Metern, kommt allenfalls auf zwölf Meter – aber immerhin.

 

Einen Blick hinein ist übrigens am Rande des Geysir-Feldes der so genannte „Kleine Geysir“ wert. Dessen Becken misst nicht viel mehr als einen Meter Durchmesser, und weil das heiße Wasser zwar ständig brodelt, aber nicht hoch schießt, kann man sich fast über diesen Geysir beugen, glaubt dabei, in das Innere der Erde zu schauen.

 

Im Andenkenladen von Geysir stößt man dann auf ein skurriles Angebot: Vulkanasche von Eyjafjallajökull im Schmuckglas für die Vitrine. Dabei haben wir selbst auf unserer eigentlich gar nichts vom Vulkanausbruch bemerkt.

 

Den nächsten Stopp legen wir am Faxi ein. Ungewöhnlich an diesem Wasserfall ist schon einmal der Name: Schließlich endet er nicht, wie die anderen isländischen Wasserfälle, auf „Foss“. Dann ist es aber auch kein sonderlich hoher Felsen, den der Faxi hinabstürzt, eher eine Stufe innerhalb einer weiten, landwirtschaftlich genutzten  Ebene, durch die der Fluss ziemlich ruhig fließt und auch nach seinem Sturz nicht wesentlich beschleunigt. Dazu ist der Faxi ist auch wesentlich breiter als die anderen Wasserfälle.

 

Seine wichtigste Bedeutung für die Isländer ist aber wohl, dass man hier Lachse fangen kann, und dafür gibt es sogar eine Hölzerne Treppe, an der sich die Lachsangler aufstellen können. Momentan ist aber wohl keine Lachssaison. Jedenfalls ist der Platz verwaist, so wie auch der Schafpferch, der hier keine hundert Meter entfernt steht. Dass hier aber wohl sehr wohl auch zu dieser Zeit hier gearbeitet, kann man riechen: Hier wurde frischer Dung ausgebracht!

 

Eine einsame weiße Kirche auf einem Hügel, daneben ein Gästehaus, unterhalb der Kirch ein archäologisches Grabungsfeld, in dem aber nicht viel mehr als einige Fundamente zu erkennen sind, das alles mit Blick auf einen kleineren See und einen Berg: Das ist Skálholt, einst die bedeutendste Ortschaft Islands, im Mittelalter Sitz des Bischofs, ein Ort, der immerhin 200 Einwohner zählte, als Reykjavik gerade mit 120 Bewohnern die Stadtrechte verliehen bekam. Nun ist Skálholt nicht viel mehr als ein kurzer Zwischenstopp, ein Ort, der praktisch vom Erdboden verschwunden ist.

 

Die Hekla, Islands gossen Vulkan vor Augen, fahren wir nun in den Dunst dunkler Wolken. Die Wagen, die uns entgegenkommen, haben das Licht eingeschaltet. Allerdings: Das ist keine Aschewolke, das sind Regenwolken!

 

Auf einer Koppel nehmen wir einige Islandpferde auf. Die Tiere stehen ganz normal auf ihrer Weide, scheinen durch die Nähe des Eyjafjallajökull auch nicht beunruhigt.

 

Erst als wir gegen 16 Uhr die Ortschaft Hella passieren, zeigen sich auf der Windschutzscheibe unseres Wagens auch Aschepunkte. In Hvollsvöllur legen wir dann einen letzten Stopp vor dem Eintritt ins „Vulkan-Gebiet“ ein. Fahrer, die gerade vom Vulkan kommen, waschen auf dem Rastplatz ihre Wagen, Martina gibt an uns Atemschutztücher aus, trägt allerdings selbst auch keines – wie überhaupt die meisten Einheimischen auf diese Schutzmaßnahme verzichten. Bei der Weiterfahrt wirbelt dann auch unser wagen wie alle anderen Fahrzeuge die Asche auf der Straße auf, zieht er eine lange Staubwolke hinter sich her..

 

Wir halten vor Thorvalsseyri. Vor dem Vulkanausbruch stellten die weißen Wirtschaftsgebäude unmittelbar am Berghang, direkt zu Füßen des Eyjafjallajökull, nach Martinas Schilderung vor dem Vulkanausbruch einen der bedeutendsten Landwirtschaftsbetriebe Islands dar. Jetzt steht kein einziges Tier auf den ergrauten Weiden. Nur einige Neugierige, uns eingeschlossen, beobachten von der Einfahrt des Gutshofes aus das Geschehen auf dem Berg.

 

Auf dessen Kamm ist aber nur Grau zu sehen. Statt der Aschewolke verhüllen nun Regenwolken den Eyjafjallajökull. Das dumpfe Grollen, das aus seiner Richtung zu uns kommt, ist dann allerdings kein Gewitter. Dieses Grollen kommt aus dem Inneren des Vulkans, sagt, dass er noch längst nicht zur Ruhe gekommen ist.

 

Wie er seine unmittelbare Umgebung verändert hat, sehen wir bei der Weiterfahrt. Vor einem Wirtschaftsgebäude an der Straße sind weiße Säcke aufgestapelt, nun bedeckt von einer dicken Staubschicht. Der Staub liegt auf der Straße nach Skógar, ist nun allgegenwärtig.

 

Unser Ziel ist der Skógarfoss, der – bei anderem Wetter – ebenfalls gräulich schimmert, ein 62 Meter hoher Wasserfall fast direkt an der Küste, der bei einer herzförmigen Einbuchtung der Felswand in die Tiefe stürzt. Links und rechts des Wasserfalls haben Eissturmvögel ihre Nester in die Felswand gebaut, manövrieren bei ihrem Flug sicher an dem herabstürzenden Wasser vorbei.

 

Rechts vom Wasserfall führt ein Weg auf den Berg. Hier beginnt – oder endet – einer der beliebtesten Wanderwege Islands, der für geübte Wanderer auch innerhalb von zwei Tagen bis zu den heißen Quellen von Landmannalaugar führte. Nun trägt zumindest eine Teilstrecke dieses Weges den spöttischen Titel als „Islands heißester Wanderweg“. Bis an den Wegesrand kam nämlich die Lava vom ersten Ausbruch des Vulkans, ist noch immer nicht erkaltet.

 

Wir fahren noch kurz an dem Freilichtmuseum vorbei, in dem Martina zeitweise arbeitet. Die kleinen Häuser sind aus Torf gebaut, wir sehen eine Schmiede, einen Schafstall und,  versehen mit einem großen Fenster, das Wohnhaus, das so wie es da steht, bis in die 40eer Jahre des 20. Jahrhunderts  auch genutzt wurde. Das ganze haus besteht, so Martina, aus lediglich einem Raum, in dem bis zu zehn Menschen lebten.  Eine Heizgelegenheit gab es in solchen alten Bauernhäusern nicht, ebenso wenig eine Kochmöglichkeit.

 

Vergleicht man das mit den heutigen Lebensbedingungen Islands, ist das eine rasante Entwicklung, die so schnell wo kaum in einem anderen europäischen Land ablief!

 

Bei der Weiterfahrt nach Stokkseyri passieren wir die Westmännerinseln, der Ort, von dem man nach Martinas Meinung den Ausbruch des Eyjafjallajökull hätte am besten beobachten können. Dabei sind die Westmännerinseln ebenfalls vulkanisch – und beim letzten Ausbruch entdeckten die Bewohner eine neue Variante des Brotbackens. Statt in den Ofen kommt der Brotteig in eine Grube mit heißer Asche, eine Variante, die auf den Inseln immer noch praktiziert wird. Das Brot der Westmännerinseln, ein schwarzes, dem Pumpernickel ähnliches Brot, wird nach Martina auf ganz Island geschätzt.

 

Stokkseyri ist ein kleines Küstenörtchen, zu dessen Besonderheiten ein großes „Troll-Museum“ gehört, das unmittelbar neben dem Fisch- und Hummerrestaurant liegt, wo wir zu Abend essen, uns danach dann auf den Rückweg nach Reykjavik machen, wo wir im Dämmerlicht gegen Mitternacht ankommen.

 

Montag, 17. Mai 2010: Keflavik

 

Eigentlich sollten wir um sieben Uhr früh fliegen – nun verlassen wir unser Hotel bereits um drei Uhr früh, weil unser Flug auf fünf Uhr vorverlegt wurde. Bereits gestern Abend war klar, dass der wind wieder einmal die Richtung drehen würde – und spätestens gegen acht Uhr sollte der Flughafen geschlossen werden. Denn obwohl wir wegen des Regens nicht all zu viel gesehen hatten, muss der Eyjafjallajökull wieder eine gewaltige Aschemenge ausgespuckt haben, von der ein Teil nun auch auf Keflavik ziehen soll.

 

Und das passiert früher als erwartet, weswegen auch unser Flug wie alle anderen Abflüge vorverlegt wurde, und zwar auf fünf Uhr früh. Als wir zum Flughafen aufbrechen, ist allerdings auch nicht klar, ob wir überhaupt noch starten können.

 

Wir können starten, müssen aber an dem Tag so ziemlich in der letzten Maschine sitzen, die Island verlassen kann. Auf den Anzeigentafeln in Kopenhagen, wie wir unseren nun verlängerten Zwischenaufenthalt haben, lesen wir bei den Reykjavik-Flügen jedenfalls immer: gecanceled.

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