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| Die Halong-Bucht
mit ihren Kalksteinfelsen |
Trauerzeremonie
in der Chua Tran-Quoc-Pagode, Hanoi |
De Teepavillon
im Grabmal von Kaiser Tu Duc, Hue |
Die Ahnenhalle
im Kaiserpalast von Hue |
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| Der Turm der
"Parfüm-Pagode", Wahrzeichen von Hue |
Pfahlbauten und
Hausboote bei Can Tho im Mekong-Delta |
Auf dem
"Schwimmenden Markt" von Can Tho |
Im Tempel der
Seegöttin, Saigon, Cholon |
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Ein Turm aus
der Zeit der Cham - gesehen bei Phan Thiet |

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Naturwunder:
Die Weißen Dünen von Mui Ne |
Zum Betrachten
der Fotos klicken Sie auf die Vorschaubilder
Reiseroute, beschriebene
Orte und Sehenswürdigkeiten: Hanoi mit
Ho-Chi-Minh-Mausoleum,
Einsäulen-Pagode,
Ho Hoan Kiem-See,
Schildkrötenpavillon,
Wasserpuppentheater,
Chua Tran Quoc-Pagode;
Halong-Bucht
mit Hang Sung Sot
(Ile de la Surprise); Hue
mit Grabanlage des Kaisers Tu Duc,
Kaiserpalast,
Thien-Mu-Pagode;
Ho-Chi-Minh-Pfad,
Wolkenpass;
Da Nang
mit China-Beach
und Cham-Museum;
Nun Nuoc
und Marmor-Berge; Hoi
An; Saigon
(Ho-Chi-Minh-Stadt) mit Cholon
und Thien-Hau-Tempel;
Ben Luc;
My Tho
und das Mekong-Delta; Can Tho
mit Cai Rang
(Schwimmender Markt, Mekong); Cu Chi
(Vietcong-Tunnel); Phan Thiet
mit den Cham-Türmen;
Mui Ne
und seine
Roten und Weißen Dünen
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Samstag, 18. März: Hanoi
Wir
landen gegen 7.30 Uhr – nach einem knapp zehnstündigem Flug – auf dem
Airport von Hanoi. Nebel liegt über der Rollbahn, und auch in den kommenden
Stunden bleibt der Himmel bewölkt, die Sicht diesig. Aber dafür war der
Service, den wir an Bord genießen durften, ungewöhnlich exzellent. Ständig
kamen die Stewardessen, brachten Getränke – und nicht einmal den Wein
musste man dabei extra bezahlen.
Unser
Hotel kann erst gegen 12 Uhr bezogen werden! Also werden wir den Vormittag
mit einer ersten Stadtbesichtigung verbringen.
Zwischen
Flughafen und Stadt liegt der „Rote Fluss“, über den eine fünf
Kilometer lange Brücke führt, eine der modernsten Brücken des Landes, wie
Diem, unsere vietnamesische Reiseführerin stolz vermerkt. Nach dem Krieg
haben die Chinesen mit dem Bau der Brücke begonnen, bis China wegen der
zunehmenden Spannungen mit Vietnam seine Experten abzog. Dann kamen die
russischen Berater, wurden aber mit der Auflösung der Sowjetunion ebenfalls
zurück gezogen. Und so haben dann die vietnamesischen Ingenieure die Brücke
allein fertig stellen müssen.
Der
„Rote Fluss“ verdankt seinen Namen dem Lehm, den er mit sich führt:
Aber heute ist von einer rötlichen Verfärbung nichts zu sehen. Vielleicht
liegt es am Wetter, vielleicht aber auch an den Industrieanlagen, die hier
am Flussufer entstanden sein.
Wir
passieren eine ganze Reihe von kleinen Landstädtchen, vielleicht auch Außenbezirken
von Hanoi selbst, bestehend aus meist gelben, schmalen, aber mitunter doch
mehrere Stockwerke hoch gebauten Häusern, die Ortschaften alle umgeben von
Reisfeldern. Unverkennbar ist die französische Prägung der Häuser und
Gassen.
Hanoi
ist die Stadt der Seen. Vietnams Hauptstadt liegt tiefer als der
Wasserspiegel des „Roten Flusses“, wird durch eine Vielzahl von Dämmen
geschützt und von zahlreichen Seen geprägt. Über den „Damm der
Jugend“, von Jugendlichen während der amerikanischen Bombardements
errichtet, fahren wir an dem „Westsee“, dem größten See der Stadt
vorbei. Am Ufer liegen Tretboote in Schwanenform, und von hier sieht Hanoi
fast wie eine Lagunen-Stadt am Meer aus.
Unser
Ziel des Vormittags ist das Ho-Chi-Minh-Mausoleum,
gelegen am Ba Dinh-Platz, einem monströsen Aufmarschplatz, gebaut –
angeblich – im Stil einer Lotusblüte. Aber es wirkt doch eher wie ein
grauer, monströser Beton-Palast realsozialistischer Machart. Schon vor der
Sicherheitskontrolle, die jeder Besucher durchqueren muss, bildet sich eine
lange Schlange, die sich gleich hinter der Kontrolle mit der Warteschlange
eines anderen Zugangsweges verbindet. Man sieht viele Schulkinder,
Armeeangehörige, eine kleine Gruppe von Kriegsveteranen, erkennbar an den
vielen Auszeichnungen, die sie tragen.
Obwohl
vor uns sicherlich einige hundert Menschen stehen, geht es zügig vorwärts:
Nach vielleicht einer viertel Stunde betreten wir die Vorhalle des
Mausoleums, biegen mit den anderen nach links, steigen die Stufen hoch,
befeinden uns dann auf der Empore in dem Saal mit dem gläsernen Sakrophag,
in dem nun Ho Chi Minh liegt. Der Körper sieht aus wie eine Wachsfigur,
ganz weiß, eher wie ein zur Schau gestelltes Modell.
Im
Bus hatte unsere Reiseleiterin erzählt, dass es Ho Chi Minhs Wunsch gewesen
sei, verbrannt zu werden, dass seine Asche dreigeteilt im Norden, im Süden
und im Zentrum des Landes bestattet werden sollte. Zu einem solchen
Ausstellungsstück jedenfalls wollte er ausdrücklich, als hätte er es
geahnt, nicht werden.
Das
Mausoleum steht neben dem alten französischen als auch dem neuen
Regierungssitz. Das Nachbargebäude, in einem hübschen Park am See gelegen,
ist der Palast des einstigen französischen Indochina-Gouverneurs, ein
prunkvoller gelber Bau, fast ein Schloss, seit der Unabhängigkeit Vietnams
nun der – allerdings kaum genutzte Präsidentenpalast. Die erste
vietnamesische Regierung tagte in den benachbarten Wirtschaftsgebäuden, in
denen auch die meisten Mitglieder der Regierung wohnten.
Zu
einer Art Nationalheiligtum wurde allerdings nicht dieser erste
„amtliche“ Regierungssitz, sondern der bescheidene hölzerne Pfahlbau in
der Nähe, das Wohnhaus, das sich Ho Chi Minh Ende der 50er Jahre errichten
ließ und in dem er bis zu seinem Tod lebte. Auch während der
amerikanischen Bombardements, als faktisch die gesamte Bevölkerung
evakuiert war, hatte der Präsident die Hauptstadt nicht verlassen. Aber
zumindest befand sich unmittelbar neben dem Haus des Präsidenten ein
Schutzbunker.
Unter
dem eigentlichen Gebäude, zwischen den Pfählen des Hauses, befand sich der
„Konferenzraum“, museal so hinterlassen, wie er angeblich gewesen sein
soll: Ein längerer Tisch, dazu die Stühle, etwas abseits allerdings auch
ein Liegestuhl, in der Ecke drei Telefonapparate. Das Haus selbst hatte
allerdings nur zwei kleine, spärlich eingerichtete Räume: Das Wohn- oder
eher Schreibzimmer, eingerichtet mit einem Bücherbord und eben einem
Schreibtisch, daneben dann das Schlafzimmer mit einem unscheinbaren
Einzelbett.
Unser
Rundgang um die Sehenswürdigkeiten am Ba Dinh-Platz, dem Platz der
Botschaften, Ministerien und Regierungsgebäude endet an der „Einsäulen-Pagode“.
Die Pagode steht tatsächlich auf einer massiven Betonsäule, die aus dem
Wasser emporragt. Das, was wir hier sehen, ist zwar jüngeren Datums, aber
eine Säulen-Pagode steht an dieser Stelle tatsächlich bereits seit
mehreren Jahrhunderten.
Gegen
Mittag checken wir im Thien Thai-Hotel am Rand der Altstadt ein. Von außen
ist das zehngeschossige Gebäude unscheinbar, auch nicht viel breiter als
die Nachbarhäuser, genügt von innen dann aber doch auch den gehobeneren
Ansprüchen europäischer Touristen.
Am
Nachmittag fahren wir auf dem Boulevard, der entlang des „Roten Flusses“
führt, mit unserem Bus zum Ho Hoan Kiem, dem
See, der im Herzen der Altstadt liegt. Und Altstadt bedeutet in dem fast
1000 Jahre alten Hanoi zumindest, dass die Häuser und Straßen zumindest
aus der französischen Kolonialzeit stammen. Denn trotz aller Bombardements
während des Krieges – Hanoi selbst blieb offensichtlich weitgehend
unversehrt. Die Luftabwehr, so meint Diem, wäre für die B-52-Piloten zu
stark gewesen.
Auf
einer Insel in der Mitte des Sees steht der dreistöckige Schildkrötenpavillon,
das Wahrzeichen von Hanoi. Der Legende nach hatte ein vietnamesischer Großgrundbesitzer
von einer Schildkröte aus diesem See ein Schwert erhalten, mit dem er die
chinesischen Besatzer vertrieb und sich dann zum Kaiser machte. Nun spiegelt
sich der Pavillon im Wasser des Sees.
Vom
„Wasserpuppen-Theater“ ziehen wir nun in die Gassen der Innenstadt. Es
sind schmale Gassen, in denen sich die Straßenverkäufer vor den Geschäften
drängen, ein schwer zu durchschauendes Labyrinth, durch das sich einige
Touristen wie auch Einheimische mit der Rikscha kutschieren lassen.
Wir
laufen zurück zum Wasserpuppen-Theater, besichtigen die Pagode, die auf
einer Insel wenige Meter vom Seeufer entfernt liegt. Man erreicht die Pagode
über eine Brücke, die „Brücke der aufgehenden Sonne“, wobei das
besondere hier nicht so sehr die Pagode selbst ist, sondern die mumifizierte
über zwei Meter große Schildkröte, die Ende der 60-er Jahre in dem See
gefunden wurde, so, als wollte sie die Legende von dem Schwert und der
Schildkröte aus der Frühzeit Vietnams bestätigen.
Allmählich
fängt es an zu regnen, und wir fahren mit dem Taxi zurück ins Hotel.
Kleiner
Unterricht in vietnamesischen Preisen: In einem kleinen Café an der Straße
hatten wir für einen Kaffee 4000 Dong bezahlt, also etwas über 20
Euro-Cents. An dem Eingang der Pagode kosten uns drei Stück Gebäck 50.000
Dong, also rund 2,50 Euro – was eindeutig ein Spezialpreis für Touristen
ist. Und die Taxifahrt vom Wasserpuppen-Theater zu unserem Hotel – eine
Strecke, die man, wenn man den Weg kennt, bequem laufen könnte – kostet 5
US-$.
Sonntag, 19. März 2006:
Hanoi – Halong – Hanoi
Die
Fahrt zur rund 180 Kilometer von Hanoi entfernten Ha Long-Bucht führt
vorbei an endlosen Reisfeldern und dem Gebiet des vietnamesischen
Steinkohle-Tagebaus. Hier sind die Straßen mitunter schwarz vom Staub der
Kohle, und an einigen Plätzen wird die Kohle auch „im Handbetrieb“ verhüttet,
in kleinen Anlagen, direkt an der Straße, von einem oder zwei Mann
betrieben.
Kein
Anblick für Tierfreunde: Ein vietnamesischer Schweinetransport. Vier Tiere
liegen auf einem Brett auf dem Rücksitz eines Mofas, rücklings gefesselt.
Angeblich sollen die Tiere, wenn sie auf dem Rücken liegen, beruhigt sein.
Mir scheint es eher so, dass sie vor Stress und Panik starr sind. Ein
Schwein hat deshalb auch bereits weißen Schaum vor dem Maul.
Der
Hafen von Halong ist voll von Ausflugsbooten, die die
Besucher zu den Kalksteinfelsen bringen sollen. Dazu sieht man in einiger
Entfernung schwer beladene Transportkähne vorüberziehen. Der Himmel
besteht aus einer dichten Wolkendecke, es ist nebelig – und ab und an fällt
ein leichter Schauer vom Himmel. Deshalb bleiben die Ausflugsboote, alle mit
einem Drachenkopf als Gallionsfigur verziert, fast leer.
Unser
erstes Ziel ist die Insel Hang Sung Sot, die „Ile de la Surprise“,
„Insel der Überraschung“, eine aus zwei höheren dicht bewachsenen
Felsen bestehende Formation, um einiges größer als die Nachbarinseln. Hier
gehen wir an Land, steigen die steilen – und glatten – Steinstufen hoch
zum Eingang der Felsgrotte. 30 Meter hoch ist die Decke dieser
„unterirdischen Kathedrale“, „gestützt“ von Stalagtiten als mächtigen
Säulen, nun in allen möglichen psychedelischen Farben angestrahlt. Es gibt
Gänge und „Gewölbe“, und ein ganzes Dorf würde hier bequem
Unterschlupf finden.
Von
der Ile de la Surprise steuert unser Schiff ein in der Nähe liegendes
„schwimmendes Fischerdorf“ an, ein Dorf, bestehend aus miteinander
verbundenen Booten, in denen die Fischer mitsamt ihren Familien auf Dauer
leben. Selbst eine Schule, so sagt jedenfalls Diem, soll es hier geben. Was
aber auf alle Fälle hier gibt, ist eine schwimmende Fischfarm zwischen den
Inseln. In den Unterwasser-Käfigen, die zwischen den Balken hängen,
tummeln sich einige knapp armlange Fische, freuen sich noch ihres Lebens.
Besucht wird diese Fischfarm vor allem von Japanern und Koreanern, die die
hier gezüchteten Fische auch gern roh verzehren.
Wir
kreuzen an einer Reihe von Felsinseln vorbei, die wie an einer Schnur
nebeneinander aufgereiht im Wasser stehen, jetzt im Nebel nur in ihren
Konturen zu erkennen, drehen dann, nehmen Kurs zurück aufs Festland.
Bevor
wir zurück nach Hanoi fahren, durchqueren wir noch kurz das touristische Ha
Long: Das besteht aber eigentlich aus nicht mehr als einer Strandpromenade,
einigen Hotels und Restaurants, die momentan aber nur wenig Gäste zu haben
scheinen.
Auf
dem Rückweg stoppen wir noch an einem Friedhof, inmitten von Reisfeldern
gelegen, mit teilweise fast prunkvollen Gräbern, fast wie kleine Pagoden.
Am
Abend besuchen wir das Wasserpuppentheater am Ho Hoa Kiem, von außen ein
eher bescheidener Theaterbau mit wohl kaum vierhundert Plätzen. Der
Eintritt kostet drei Dollar, die Vorstellung mit einer erklärenden Einführung
auf vietnamesisch, englisch und französisch dauert eine knappe Stunde.
Und
dann tanzen auf der Wasseroberfläche, die nun zum Parkett wird, begleitet
von einem Orchester, die Puppen. Da gibt es feuerspeiende Drachen, in
Formation schwimmende Enten, einen Fuchs, der die Enten jagt, sich dann mit
seiner Beute vor dem wütenden Bauern auf einen Baum flüchtet, ganze
Dorfprozessionen, die auf dem Wasser aufziehen, hüpfende Frösche und
vieles mehr. Kaum auszumachen ist, wie die Puppen ihre filigranen,
aufeinander abgestimmten Bewegungen vollziehen. Nur ab und an sieht man
unter der Wasseroberfläche eine Stange durchschimmern. Am Ende der
Vorstellung hebt sich der Vorhang am hinteren Ende der Bühne, und zu sehen
sind nun die zehn Puppenspieler, die wohl nicht nur mit viel Geschick,
sondern auch erheblicher Muskelkraft die Stangen so führten, dass das
perfekte Puppenspiel auf dem Wasser gelang.
Montag, 20. März 2006: Hanoi – Hue
Ein Reisetag mit Hindernissen!
Morgens gegen 6.30 Uhr werden wir durch laute Musik
auf der Straße geweckt. Allerdings: Die Musik kommt nicht von der Straße,
sondern von der Schule auf der anderen Straßenseite. Dort beginnt der
Unterricht mit einer Gymnastikstunde auf dem Schulhof, und die findet eben
mit Musikbegleitung statt.
Nach dem Frühstück – wir haben noch bis 11 Uhr
Zeit – machen wir einen kleinen Spaziergang durch die umliegenden Gassen.
Das Altstadt-Leben spielt sich auch in der Nachbarschaft unseres Hotels auf
den schmalen Bürgersteigen ab: Hier wird gefrühstückt, gekocht – und
natürlich gehandelt.
Aber auch um 11 Uhr werden wir noch nicht abgeholt:
Unser Flug hat Verspätung. Neue Abhol-Zeit vom Hotel: 14 Uhr.
Wenn man die Wege besser kennt, sind auch die
Entfernungen nicht mehr so weit. Zum Ho Hoa Kiem und zum Puppentheater müssen
wir nämlich nur an der nächsten Quergasse abbiegen, dann knapp 20 Minuten
zu Fuß weiterlaufen. Das ist der Weg, den wir nun nehmen. Hier befindet
sich nämlich in einem der höheren Gebäude der Altstadt ein Aussichts-Café
mit Blick auf den See und den Platz unmittelbar unter uns, wo sich die Wege
aller Mofa-Fahrer der Stadt zu kreuzen scheinen. Eine Straßenüberquerung
ist aber auch für Fußgänger relativ gefahrlos möglich: Einfach auf die
Straße und langsam den Zielpunkt ansteuern. Die Mofas weichen tatsächlich
aus. Ohnehin gilt in Hanoi: Höchstgeschwindigkeit 30 Km/h.
Aber unser Flughafen-Transfer um 14 Uhr klappt noch
nicht: Der Flug hat eine weitere Verspätung angemeldet. Diemüberlegt, was
sie mit uns anstellen kann: Eine Stadtrundfahrt zu den Punkten, die wir noch
nicht gesehen haben, will die Agentur nicht zulassen. Diems Idee: Auf dem
Weg zum Flughafen würden wir ohnehin am Ethnologischen Museum vorbeikommen
– und wenn wir selbst den Eintritt zahlen, könne man eben das
besichtigen.
Eigentlich ist Diem bereits Pensionärin. Auch, wenn
sie wesentlich jünger aussieht, muss sie ihrer Biographie nach doch gut 65
Jahre alt sein. Als Kind kam sie mit ihren Eltern aus dem Süden in den
Norden, wuchs dann in Hanoi auf. Offensichtlich gehörten ihre Eltern zu den
über hunderttausend Vietminh, die nach der Teilung des Landes aus dem Süden
in den Norden flohen. Diem jedenfalls lernte von 1959 bis 1962 in Leipzig in
einer Druckerei, spricht daher auch so gut Deutsch. Nach ihrer Rückkehr
nach Vietnam, so erzählt sie, durfte sie aber trotz, vielleicht aber auch
wegen ihrer Sprachkenntnisse nicht mit Ausländern zusammen arbeiten.
„Damals gab es in Nordvietnam so viele Spione“, erklärt sie selbst
dieses merkwürdige Verbot.
Aber trotzdem: Vom System ist sie völlig überzeugt,
und Ho Chi Minh der unbestrittene Held. Wenn die Menschen vor seinem
Sakrophag Schlange stehen, so stecke dahinter keinerlei Zwang, meint sie,
das sei die Verehrung für den Präsidenten.
Das Museum, das wir schließlich erreichen, hat
allerdings geschlossen. Die Alternative, die wir nun ansteuern: Die Chua
Tran Quoc-Pagode am Westsee, die älteste Pagode der Stadt, kein Museum,
sondern eine aktiv genutzte Pädagoge. Ungewöhnlich: Eines der Bilder an
der Wand zeigt den Hanoier Parteisekretär beim Besuch der Pagode. Aber der
vor einem Jahr verstorbene Abt der Pagode war auch, wie Diem erzählt, ein
wichtiger Mann, Mitglied des Nationalkongresses, des Parlamentes. Noch liegt
sein Leichnam in einem Sakrophag, aber bald wird er, wie die anderen
verstorbenen Äbte, eine eigene Stupa bekommen. Und weil die Wichtigkeit
eines Abtes über die Höhe seiner Stupa entscheidet, wird ihm wohl eine
besonders hohe Stupa gebaut werden.
Im Hof der Pagode steht ein mächtiger Feigenbaum,
ein Sprössling des Baumes, unter dem Buddha seine Erleuchtung gehabt haben
soll. Der indische Präsident brachte den Schössling als Staatsgeschenk für
Ho Chi Minh mit – und der ließ ihn in dieser Pagode einsetzen.
Momentan findet im Altarraum gerade eine
Trauerzeremonie statt. Ein Mönch sitzt vor dem Buddha-Schrein, rezitiert
aus den heiligen Schriften, schlägt dabei mit einem Stock regelmäßig auf
eine Holzkugel, die einen Fischkopf symbolisieren soll. Einst sollte ein
vietnamesischer Mönch heilige Schriften aus Indien holen, erzählt dazu die
Legende. Doch auf dem Rückweg fiel der Mönch ins Wasser, und ein Fisch
verschluckte die Rollen. Also schlug der Mönch dem Fisch immer wieder auf
den Kopf, bis er alle Schriftrollen ausgespuckt hat. Daraus entwickelte sich
die Tradition, die heute noch in den vietnamesischen Pagoden fortgeführt
wird.
Gegen 17 Uhr liefert uns Diem am Flughafen ab –
doch die Maschine startet noch lange nicht. Erst gegen 21 Uhr können wir
endlich abfliegen, landen gegen 22 Uhr dann in Hué.
Dienstag, 21. März 2006:
Hue –
Wolkenpass – Da Nang – Hoi An
Von unserem Zimmer im Century Riverside blickt man
unmittelbar auf den Huong-Fluss. Hier liegt eine kleine Insel, vor der eine
ganze Kolonie Hausboote angelegt hat. Morgens ziehen dazu leichte
Nebelschwaden über das Wasser.
Unsere Tour zu den Kaisergräbern führt zunächst am
Huong-Fluss vorbei, wo gerade an den Marktständen dichtes Gedränge
herrscht – und schließlich an einem gelb getünchten Prachtbau, ein französisches
Schloss mit vietnamesischen Drachentor, der Wohnsitz der Mutter des letzten
Kaisers.
Etwas außerhalb von Hué legen wir einen kurzen
Stopp in einem kleinen Dorf ein, in dem sowohl Räucherstäbchen wie Strohhüte
hergestellt werden. Zunächst sieht es aus, als würden hier bunte Besen
verkauft werden, aber es sind eben keine gefärbten Besenborsten, die an der
Wand des Ladens hängen, sondern Räucherstäbchen. Die werden – zumindest
hier – einzeln mit der Hand in einer knetigen Masse gerollt, gefärbt,
dann zum Trocknen aufgehangen.
Handgefertigt sind natürlich auch die runden, spitz
zulaufenden Strohhüte, wobei die besseren Strohhüte aus der Umgebung von
Hué auch als „Dichter-Hüte“ bezeichnet werden. Der Grund: Auf der
Innenseite sind hier die Konturen chinesischer Schriftzeichen erkennbar.
Preis für einen Strohhut: Ein $.
Wir besuchen die
Grabanlage des Kaisers Tu Duc –
wobei dies eben nicht nur die Grabanlage des Kaisers ist, sondern der
Monarch hier in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit seinem Hofstaat
aus Beamten und 300 Konkubinen immerhin 16 Jahre lang wenigstens die
Sommermonate verlebte.
Die 14 Hektar große Anlage ist eine
„Miniaturausgabe“ des Kaiserpalastes von Hué – wobei der, wie Nguy,
unser Führer durch Zentralvietnam erklärt, eine verkleinerte Ausgabe der
„Verbotenen Stadt“ von Peking ist. Umgeben ist also auch die Grabanlage
von einer mächtigen Verteidigungsmauer, und dahinter gelangt man zunächst
an einen künstlichen See mit einem Tee-Pavillon, angeblich dem
Lieblingsplatz des Kaisers. Das erste Gebäude, das man beim Gang durch die
Anlage durchquert, ist dann die Audienzhalle – und der folgt dann die
„Verbotene Stadt“ mit der Ahnentafel, dem in Stein gemeißelten
Verzeichnis der Lebenstaten des Kaisers, der trockene See, eine Tümpelanlage
ohne Wasser, eine Anspielung auf die Unfruchtbarkeit des Kaisers, der keine
Nachkommen hinterließ und schließlich der Sakrophag. Begraben ist der
Kaiser hier allerdings nicht: Das Grab war lediglich ein Täuschungsmanöver
für feindlich gesinnte potenzielle Grabschänder. Wo der Leichnam des
Kaisers wirklich bestattet wurde, blieb bis heute unentdeckt.
Nach dem Besuch dieser Miniaturausgabe fahren wir nun
zurück nach Hué, zum tatsächlichen Kaiserpalast. Umgeben ist die
insgesamt rund 53 Quadratkilometer große Anlage von einer elf Kilometer
langen, teilweise bis zu 20 Meter dicken Verteidigungsmauer.
Über dem Tor der Zitadelle weht die rote Fahne mit
dem gelben Stern. Während der Tet-Offensive 1968 hatte an dieser Stelle die
Fahne Nordvietnams bereits einmal für drei Wochen unter amerikanischem
Beschuss und Bombardement geweht – ein Bild, das damals zu dem
bestimmenden Bild der Tet-Offensive wurde. Die Spuren der amerikanischen Rückeroberung
bestimmen dagegen das Bild des Kaiserpalastes bis heute. Einschusslöcher in
den Mauern, der größte Teil der „Verbotenen Stadt“ noch immer nicht
wieder aufgebaut. Rund 10000 Menschen fanden bei der amerikanischen Rückeroberung
Hués in der Zitadelle den Tod, sagt Nguy, unser Reiseleiter für
Zentralvietnam – die meisten von ihnen Frauen, Kinder und Greise, die in
der Zitadelle eigentlich Schutz vor den Kämpfen gesucht hatten.
Hinter dieser von Wasser umgebenen Außenmauer liegt
ein größerer freier Platz, auf dem neun jeweils mehrere Tonnen wiegende
Bronze-Kanonen stehen. Die hatte einer der Kaiser zum Schutz der Zitadelle
anfertigen lassen – wobei aus diesen Kanonen allerdings nie auch nur ein
Schuss abgefeuert wurde.
Den eigentlichen Palast-Bereich betritt man dann
durch das „Mittagstor“, sieht von hier in gerade Linie auf den Eingang
zur Audienzhalle. Auf dem Weg dahin kommt man aber zunächst noch an den
Bassins mit den Kois vorbei, die darauf warten, dass die Besucher des
Kaiserpalastes für 2000 Dong noch etwas Fischfutter kaufen, auf das sich
dann der ganze Schwarm stürzen kann.
In der Audienzhalle mit ihren prächtigen –
restaurierten – roten Säulen und der Holztäfelung steht der Thron des
Kaisers – wobei jeder vietnamesische Kaiser seinen eigenen Thron besaß.
Dahinter nun schließt sich die eigentliche
„Verbotene Stadt“ an, beginnend für uns mit dem bereits wieder
aufgebauten Theater. Auch wenn es heißt, die „Verbotene Stadt“ sei noch
weitestgehend zerstört, erst zum geringsten Teil wieder aufgebaut – für
den flüchtigen Tagesbesucher gibt es mehr zu sehen, als er es in der
knappen Zeit bewältigen kann. Und das gilt vor allem für die prächtige
Ahnenhalle, vor der neun gewaltige Bronzekessel stehen, jeder Kessel mit 18
verschiedenen Motiven verziert, allerdings mit Einschusslöchern auch von
den Spuren der Kämpfe geprägt. Gänzlich wiedererstanden ist dagegen das
farbenprächtige Frauentor, einer der alten Direkt-Zugänge zur
„Verbotenen Stadt“.
Und: Auf der anderen Seite des Flusses scheinen auch
die bescheidenen Altstadthäuser wieder so, wie sie wohl einmal vor dem
Krieg ausgesehen haben könnten.
Vom Kaiserpalast geht es die Straße am Huong entlang
zur so genannten Parfüm-Pagode, eigentlich Thien-Mu-Pagode, mit ihrem
siebenstöckigen Turm über dem Ufer des Flusses. 30 Mönche leben in der
Pagode, und zu den besonderen Ausstellungsstücken der Pagode gehört ein
alter Austin Martin, das Auto, mit dem am 11. Juni 1963 der Mönch Thich
Quang Duc vor den Präsidentenpalast in Saigon fuhr, um sich aus Protest
gegen die Buddhisten-Verfolgung in der Republik Südvietnam selbst zu
verbrennen.
Unmittelbar vor der Pagode befindet sich eine
Bootsanlegestelle – von der wir nun zu unserer Fahrt über den Huong
aufbrechen, immer wieder vorbei an den Hausbooten, bis zu der Insel, die wir
morgens von unseem Hotelzimmer aus gesehen hatten.
Auf der Nationalstraße 1 geht es nun Richtung Süden.
Immer wieder macht uns Nguy auf die kleinen Miniatur-Bauten auf Balkonen,
vor den Häusern aufmerksam. Das sind die Ahnen-Tempel, auf die man hier überall
stößt – und es müssen nicht immer Miniaturgebäude sein. Wir stoppen an
einem dieser Ahnentempel, gelegen in einem großen Garten, der aus gleich
zwei Gebäuden besteht, eher wie ein richtiges Wohnhaus aussieht, zumindest
aber ein kleinerer Tempel. Nur: Dieser Tempel hier ist nicht öffentlich.
Die Gartentür ist verschlossen.
Ein
Ehrenfriedhof unmittelbar neben der Bahnlinie,
einige Kilometer weiter südlich, erinnert daran: Hier verlief während des
Krieges ein Teil des Ho-Chi-Minh-Pfades. Eigentlich hatte ich immer
geglaubt, der Ho-Chi-Minh-Pfad wäre ein Weg durch den Dschungel gewesen –
aber tatsächlich war es ein weitverzweigtes Wegenetz, mit Haupt- und
Nebenlinien, und er war auch nicht immer abgelegen, sondern verlief
teilweise neben regulären Hauptstraßen und Bahnlinien, so, wie eben hier,
ganz in der Nähe von Hué. Insgesamt neun dieser Ehrenfriedhöfe gibt es
entlang des Ho-Chi-Minh-Pfades – wobei die meisten derjenigen, die hier
bestattet wurden, nie identifiziert wurden. Nur die Uniformen wiesen sie als
Vietcong oder Soldaten der nordvietnamesischen Armee aus.
Die Küste ist gezeichnet von Brackwasserlagunen, in
denen die Einheimischen nun Muscheln züchten, Süßwasserperlen ernten. In
den Dörfern an diesen Lagunen leben meist Christen – angesiedelt in den
frühen 50er Jahren, als viele Katholiken aus dem Norden des Landes flohen.
Und schließlich erreichen wir den
Wolkenpass, die
Wetterscheide Vietnams, etwa 1000 Meter hoch, eine gewundene Bergstraße,
die heute nur noch von Touristenbussen und Tankwagen benutzt wird. Die
anderen Wagen nehmen den bequemeren Weg durch den Tunnel.
Auf der Höhe des Passes weht ein starker Wind, und
wir stehen vor den Bunkern, die hier erst von den Franzosen, später dann
von Amerikanern und ihren südkoreanischen Hilfstruppen angelegt wurden. Von
hier sieht man in die Ferne bereits Da Nang, unser nächstes Ziel.
Die Straßen von
Da Nang sind ungewöhnlich breit,
fast Boulevards – und um einiges breiter, als es der aktuelle Verkehr
erfordert. Aber schließlich,
so Nguy, der von hier stammt, ist Da Nang ja auch die wohlhabendste Stadt in
Vietnam, eine Stadt ganz ohne Bettler, eine Stadt, in der es keine
Obdachlosen gibt. Allerdings: Die schmucklosen Neubauten entlang der
Uferpromenade sehen schon wieder ziemlich heruntergekommen aus mit ihren bröckelnden
Fassaden – Tribut an das tropische Klima. Ab und an sieht man zwischen
diesen trostlosen Bauten aber auch einige schmucke Häuschen, entweder neuer
– oder eben als Privathäuser nur besser gepflegt.
Der
China-Beach, der Strand von Da Nang, ist vom
Tourismus noch weitestgehend unberührt. Zwar liegen dahinter die brachen Flächen,
auf denen schon die nächsten Hotels geplant sind, aber noch gehört der
Strand mit der idealen Surfer-Brandung, an dem 1963 die ersten 3000
US-Soldaten anlandeten, ganz der einheimischen Jugend.
Nur wenige Kilometer südlich von Da Nang liegt
Nun
Nuoc, das Dorf unterhalb der Marmorberge, ganz in der Nähe des einstigen
US-Militärflughafens. Dennoch, so Nguy: Nach Einbruch der Dunkelheit
beherrschten die Vietcong das Dorf der Arbeiter aus den Steinbrüchen der
Marmorberge.
Heute säumen luxuriöse Geschäfte die Straße. Zwar
sind die Steinbrüche der Marmorberge längst stillgelegt, aber Marmor, weißer,
roter und der teure schwarze, wird hier noch immer in Massen verarbeitet.
Und die Preise sind erschwinglich, locken Käufer aus der ganzen Welt: Ein
großer Springbrunnen ganz aus Marmor beispielsweise ist bereits für 1800
US-$ zu haben.
Es ist schon dunkel, als wir endlich
Hoi An
erreichen, dort im Hotel Hoi An absteigen.
Die historische Altstadt von Hoi An, einst ein
wichtiger Handelsplatz mit Verbindungen bis nach Portugal, ist heute vor
allem eine Shopping-Meile für Andenken-Sammler. In den Ladenzeilen –
meist findet sich im oberen Stockwerk über dem Geschäft ein hölzerner
Balkon – werden Schuhe und Textilien aus den 300 Schneiderein des Ortes
angeboten, dazu gibt es Marmorarbeiten und natürlich Perlen. Für einen Mörser
aus Marmor zahlen wir ganze 50 Cent, eine Perlenkette und Ohrringe kosten
uns gerade 22 US-$.
Unmittelbar an den Docks ist die „Straße der
Fisch-Restaurants“. Eine Brücke führt über den Fluss, wo die Altstadt
allmählich endet.
Mittwoch, 22. März
2006: Hoi An – Da Nang – Saigon (Ho-Chi-Minh-Stadt)
Auf unserer Fahrt von Hoi An nach Da Nang passieren
wir wieder Non Nuoc und die Marmorberge. Jetzt, bei Tageslicht, sind die weißen
Wände, die einstigen Steinbrüche, der wie Zähne hochragenden Berge gut zu
sehen.
Unmittelbar am Da-Nang-Fluss, ziemlich im Zentrum der
Stadt Da Nang, liegt das Cham-Museum, ein Gebäude aus der französischen
Kolonialzeit, voll mit Funden aus der Periode der Cham, die etwa vom Jahr
600 bis 1400 das heutige Zentralvietnam besiedelten. Ausgestellt sind
indisch-hinduistisch geprägte Götterfiguren, Shivu und Vishnu, aber auch
ein ziemlich streng schauender sitzender Buddha. Dazu gibt es jede Menge
Fotos von den Cham-Türmen, rote Ziegelbauten, die selbst das tropische
Klima Jahrhunderte unbeschadet überstanden, zum Weltkulturerbe erklärt
wurden – und dann fast alle während des Vietnam-Krieges von
amerikanischen Bomben zerstört wurden, weil sie in der Regel in den so
genannten „Feuer-Frei-Zonen“ der Dschungel-Regionen lagen. So blieb von
der ganzen Cham-Kultur letztlich nicht viel mehr als das, was hier nun in
diesem Museum von Da Nang zu sehen ist.
Unser Flug von Da Nang nach
Saigon dauert ungefähr
eine Stunde..
Unser Hotel liegt im „französischen Teil“ von
Saigon, an einer der breiteren Prachtstraßen – unmittelbar gegenüber vom
„Botanischen Garten“, in dem nun Einheimische jeden Alters ihre
Gymnastik-Übungen absolvieren. Neben diesem Botanischen Garten befindet
sich noch ein Park mit modernen Skulpturen – Saigon, eine grüne, durch
und durch europäisch geprägte Stadt.
Kurz vor 19 Uhr erreichen wir die Markthalle, in der
die Läden allerdings gerade schließen. Keinen Ladenschluss gibt es
allerdings für die Marktstände in den umliegenden Gassen, erst recht nicht
für die „Straßenrestaurants“ rund um die Markthalle, wo man
hervorragend und billig isst.
Auch der Mofa-Verkehr will zu späterer Stunde immer
noch nicht abnehmen.
Donnerstag, 23. März
2006: Saigon – Ben Luc – My Tho – Can Tho
Das Saigon der französischen Kolonialmacht: Der
Boulevard, der zu Rathaus und Opernpalast führt, könnte, so wie er
angelegt ist, auch durch Paris führen. Und das kurz nach 1900 errichtete
Rathaus mit seiner gelben Fassade ist ebenso französisch wie das
benachbarte Opernhaus. Selbst die Ho-Chi-Minh-Statue, die nun vor dem
Rathaus steht, würde, wenn auch dort mit einem anderen Helden, noch ins
Pariser Stadtbild passen.
Nur wenige Schritte von Rathaus und Oper entfernt
liegt „Notre Dame“, hier allerdings keine Kathedrale, wohl aber doch
eine recht große Kirche aus rotem Backstein. Der Kirche gegenüber befindet
sich das alte – und immer noch eifrig genutzte – Hauptpostamt mit seiner
riesigen Halle aus Schaltern, Telefonzellen für Ferngespräche, alles im
Stil der 20-Jahre des 20. Jahrhunderts. Und auch hier darf das Bild von Ho
Chi Minh an der Wand natürlich auch
nicht fehlen.
Bei unserer Fahrt aus der Stadt hinaus überqueren
wir den geschäftigen Saigon-River, voll mit Hausbooten, aber auch mit größeren
Containerschiffen.
Nguyen, unser Reiseleiter im Süden Vietnams, ist 45
Jahre alt und stammt eigentlich aus Hanoi. 1965 kam sein Vater als Soldat
der nordvietnamesischen Armee über den Ho-Chi-Minh-Pfad in den Süden –
und holte später seine Familie ebenfalls nach. Nun lebt die Familie in
einem Drei-Generationen in Saigon, mit seinen Eltern, seiner Frau und seinen
drei Töchtern. Und damit verstößt er gegen die offizielle
Zwei-Kind-Politik der Regierung – weswegen seiner Frau, die als
Krankenschwester in einem staatlichen Krankenhaus arbeitet, 25 Prozent ihres
mageren Lohnes abgezogen werden. Nur: Nguyens zwei Brüder sind 1973 als
Vietcong im Mekong-Delta gefallen, er hat bisher nur Töchter, immer noch
keinen männlichen Spross – und im Konflikt zwischen Familientradition und
offizieller politischer Linie siegt auch in der Familie des Veteranen die
Tradition.
Ben Luc
ist ein unscheinbares Kleinstädtchen in der
Nähe von Saigon, zählt aber immerhin 7000 Anhänger der Caodai-Religion,
einer nur hier im Süden Vietnams verbreiteten Sekte, die allerdings
immerhin rund zwei Millionen Gläubige haben soll. Der örtliche Tempel der
Sekte ist gebaut im Stil einer christlichen Kirche, mit zwei Türmen und
einem Kirchenschiff, wobei aber vor diesem Tempelgebäude noch eine mit
Hakenkreuzen, dem Symbol des Sonnenrades bemalte Säule steht. Und die
Fassade des Tempels selbst wird geschmückt von einem aufgemalten Auge, dem
Auge Gottes, dazu einem Bildnis von Buddha.
Im Innenraum der Kirche hängt gleich beim Eingang
ein weiteres Bild, das neben einem vietnamesischen Dichter noch den französischen
Romancier Victor Hugo und den chinesischen Revolutionär Sun Yat Sen zeigt,
dazu das Motto der Religionsgemeinschaft: „Dieu et Humanité, Amour et
Justice.“ Die Chodai sind eine Mischreligion, die sich nicht nur auf
Konfuzius, Buddha, Lao Tse, Christus und teilweise auch auf Mohammed
berufen, sie haben darüber hinaus auch noch alle möglichen bedeutenden
Gestalten der Weltgeschichte in ihren Glauben integriert. Die Mönche tragen
– als Anerkennung von Buddhismus, Christentum und Konfuzianismus – die
Farben Rot, Blau und Gelb; in Anlehnung an den Islam gibt es täglich vier
feste Gebetszeiten.
Von
My Tho aus starten wir eine Bootstour zu den
Inseln im Mekong. Kurz vor der ersten Insel müssen wir aber erst einmal in
kleinere Boote umsteigen. Dann geht es furch die engen Kanäle oder auch
Nebenarme des Flusses, vorbei an einem regelrechten Dschungel aus
Wasserpalmen zu einer Farm, wo die Kokosnüsse zu Karamellbonbons
verarbeitet werden. Das ganze sieht relativ einfach aus: Erst wird das
Innere der Kokosnuss zusammen mit anderen Stoffen und Gewürzen zu einer
klebrigen Masse zusammengekocht, dann die gekochte Masse in langen Streifen
auf einem Tisch ausgebreitet, nun in exakt gleich große Bonbons
zerschnitten. Jeder dieser Karamellbonbons wird zunächst mit – essbarem
– Reispapier umwickelt, dann in richtiges Papier eingepackt, bildet dann
mit den anderen ein ganzes Paket handgefertigter Bonbons, schon mit
Haltbarkeitsdatum versehen, wie sie auch in unseren Supermärkten für
wenige Euro verkauft werden, hier nicht einmal einen Dollar kosten.
Von dieser Insel fahren wir noch zu einer weiteren
Mekong-Insel, einer Insel mit noch engeren Kanälen, auf der alle möglichen
Früchte, von Bananen über Mango bis zur Drachenfrucht, angebaut werden.
Schließlich geht es weiter Richtung
Can Tho, der mit
500.000 Einwohnern größten Stadt des Deltas. Zu erreichen ist Can Tho aber
trotzdem nur mit der Fähre: Eine Brücke ist zwar schon lange geplant, aber
noch längst nicht in Angriff genommen.
Dafür hat sich die Fährstation zu einem eigenen
kleinen Dorf entwickelt, wo an allerlei Verkaufsständen den Reisenden
frisches Obst oder gegrilltes Schwein verkauft wird – und wo wir,
eigentlich zum ersten mal bei unserer Rundreise durch Vietnam, in größerem
Maße direkt angebettelt werden. Die meisten Bettler sind verkrüppelt,
beispielsweise ohne Hände – möglicherweise Opfer des Krieges, vielleicht
ehemalige Angehörige der südvietnamesischen Regierungsarmee, denen bis
heute jede Form staatlicher Unterstützung verweigert wird.
Auf der anderen Seite des Flusses erinnern die Mauern
eines alten Gefängnisses an die französische Kolonialzeit. Ansonsten hat
Can Tho an historischen Sehenswürdigkeiten nicht viel zu bieten, dafür
aber eine fast schon luxuriös, parkähnlich ausgebaute Uferpromenade. Von
unserem Hotelzimmer sehen wir auf den Mekong – und eine kleine Insel mit
Pfahlbauten und Fischerbooten, ein Ausblick, wie wir in ähnlich auch in Hué
hatten.
Freitag, 24. März 2006: Can Tho –
Saigon
Morgens der Blick von unserem Hotelzimmer: Auf der
Uferpromenade haben sich Gruppen von Vietnamesen versammelt, um ihre
Morgen-Gymnastik zu treiben.
Selbst hier im tiefsten Mekong-Delta machen sich Ebbe
und Flut bemerkbar. Die Insel vor unserem Hotel ist nun vom Schlick umgeben.
Mit dem Boot fahren wir auf dem Mekong zum
Cai Rang,
dem größten „Schwimmenden Markt“ von Can Tho, auf dem breiten Hauptarm
des Mekong gelegen, nur wenige Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Die
Pfahlbauten am Flussufer stehen jetzt im Schlick; im Wasser baden sich die
Bewohner, waschen im Fluss ihre Wäsche, ohne sich vom Bootsverkehr stören
zu lassen.
Auf dem Cai Rang haben sich wohl Hunderte von Booten
versammelt. Die größeren Kähne, zum Teil vorne mit einem oder zwei
aufgemalten Augen verziert, sind die der professionellen Händlern, die mit
ihren Familien auf ihren Booten leben, mit Frauen und Kindern, dem gesamten
Hausstand. Auf Deck hängt die Wäsche zum Trocknen, stapelt sich die frisch
angekaufte Ware, die in wenigen Tagen in Saigon oder anderswo an den
Endverbraucher gebracht wird. Die Bauern steuern mit ihren voll beladenen
Ein-Mann-Booten die Händler-Kähne an, versuchen, einen möglichst hohen
Preis zu erzielen. Touristen sieht man hier nur wenige, private Käufer gar
keine.
Am späteren Nachmittag zurück in Saigon steigen wir
wieder im Chancery-Hotel ab, schlendern am Abend über den Boulevard, der
zum Rex-Hotel führt, während des Vietnam-Krieges dem Treffpunkt der
Auslandskorrespondenten. Berühmt als Kulisse wurde so als Hintergrund von
Fernsehbildern vor allem die Dachterrasse, auf der nun zwischen den Palmen
das Restaurant liegt, die Live-Musik spielt – und man hinunter auf das
angestrahlte Saigoner Rathaus schaut.
Samstag, 25. März
2006: Saigon-Cholon – Cu Chi – Saigon
Die Straßen von
Cholon, dem
so genannten Chinesenviertel von Saigon, erscheinen alle wie Marktstraßen,
als eine Ansammlung von zunächst einmal bescheiden wirkenden Bretterbuden,
teilweise mit Wellblechdächern – aber wohl randvoll mit Waren aller Art.
Unser erstes Ziel ist der
Thien-Hau-Tempel, der
Tempel der Seegöttin. In der Eingangshalle wartet ein großer, gusseiserner
Ofen auf die papiernen Opfergaben der Gläubigen. Aufgereiht an den von Wand
zu Wand gespannten Schnüren scheinen auf den ersten Blick Lampions oder
zumindest die nackten Gestänge von Lampions zu hängen. Doch tatsächlich
handelt es sich speziell geformte Räucherstäbchen. In dieser Form brennen
sie nämlich bis zu drei Wochen lang – ein absoluter Vorteil für alle,
die sich bei einer längeren Reise den Schutz der Göttin erhoffen. Tatsächlich
ist der Tempel auch ausgesprochen gut besucht, beten Gläubige vor jedem Götterschrein,
brennen überall die Räucherstäbchen.
Ebenfalls zum Tempel, allerdings in einem Nebenraum,
gehört auch ein kleines Wasserbassin, in dem ein mächtiger Karpfen –
viel zu groß für dieses kleine Becken – schwimmt. Und, in einem
chinesischen Tempel nun wirklich nicht zu erwarten: An der Wand der
Versammlungshalle hängt ein Bild von Ho Chi Minh.
Ebenfalls wie ein Tempel, nur um einiges größer als
die anderen Tempel und Pagoden, die wir bisher gesehen haben, ist die
zentrale zweistöckige Markthalle von Cholon gebaut – und ein Götterschrein
darf auch hier im Innenhof nicht fehlen. Das scheinbare Chaos hat ein
absolutes Ordnungsprinzip: Im oberen Stockwerk sind die Lebensmittel zu
finden, zu ebener Erde gibt es eine „Straße“ nur für Schuhe, eine für
Taschen, für Schmuck, für Waren aller Art. Nur moderne Elektronik sucht
man hier im Gedränge, ständig auf der Hut, nicht von einem Karren
weggeschubst zu werden, vergebens.
Um die Markthalle sind weitere Händlerbuden
entstanden, nicht so „luxuriös“ etwa mit Ventilator ausgestattet wie
die Stände in der Halle – und dazu gesellen sich hier nun auch noch die
fliegenden Händler.
Bei unserer Weiterfahrt nach
Cu Chi passieren wir
endlose Plantagen mit Gummi- und Maniokbäumen. Um die 50 Kilometer ist die
Straße hier mit solchen Plantagen gesäumt.
Cu Chi, während des Vietnam-Krieges das „Eiserne
Dreieck“ des Vietcong, und das nur 60 Kilometer von Vietnam entfernt, in
unmittelbarer Nachbarschaft zu einer der größten amerikanischen Militärbasen,
ist das Vorzeige-Objekt für die Zeit des Krieges: Ein zweihundert Kilometer
langes Tunnelsystem, das um die Gegend von Cu Chi jedes Dorf, jedes Haus
unterirdisch miteinander verband, drei Stockwerke tief, mit Aufenthaltsräumen,
Krankenstationen, Schutzräumen für die Zivilbevölkerung, Gefechtsbunkern.
30 Jahre später ist daraus allerdings so etwas wie ein „War Park“
geworden, mit lebensgroßen Puppen in der Uniform des Vietcong.
Ein realer Eindruck vom Krieg wird aber schon noch
vermittelt, auch in dem von uns besuchten Abschnitt von Ben Dinh. In den
Lehmboden geschlagen wurden die Tunnel mit kurzen Rundspaten, die sich
gleichzeitig als Hacken verwenden ließen, in kleinen Körben wurde die Erde
abtransportiert, natürlich nur nachts, damit die amerikanischen
Hubschrauber nicht die Baustellen ausspähen konnten. So entstand unter den
Dörfern, die in der heißesten Phase des Krieges unter einem
Dauerbombardement lagen, ein Festungssystem, in das die US-Truppen nie
wirklich eindringen konnten. Und wenn sie doch einmal hierher vordrangen,
mussten sie teuer bezahlen: Daran erinnert der ausgebrannte Panzer, der nun
seit 1970 unverändert zwischen den Bäumen steht. Die Gewehrkugeln hatten
auf seinen Eisenplatten nur Kratzer hinterlassen, bis dann eine Mine seine
Ketten zerfetzte. Als die amerikanischen Soldaten nach 20 Minuten ihre
letzte Munition verschossen hatte, erledigte eine durch die offene Luke
geworfene Handgranate den Rest, erzählt Nguyen die Geschichte dieser
Schlacht.
Für den Besucher ohne
ortskundigen Führer nicht zu entdecken: Die Ein- und Ausstiege aus den
Tunneln. Das sind winzige Gruben, abgedeckt mit Stein- oder Holzplatten,
bedeckt mit Laub. Aber selbst ein normalgroßer Europäer oder
Nordamerikaner, der einen solchen Eingang entdecken würde, könnte sich
kaum hindurchzwängen.
Museal nachgebaut in einem eigenen Pavillon sind die
Fallen, die die Partisanen für die US-Truppen angelegt hatten: Mit Laub
abgedichtete Fallgruben mit spitzen, damals noch vergifteten Bambuspfeilen
am Boden, Morgensterne, die tödlich von den Bäumen schlugen.
Museal sind auch die – heute frei liegenden – Küchen
oder Aufenthaltsräume: Damals lagen auch die unter der Erde. Und für
Touristen ausgebaut, wenn auch immer noch von bedrückender Enge, ist der
kurze Tunnelabschnitt, den nun auch die Besucher kriechend oder in der Hocke
laufend durchqueren können. Und der Weg scheint dabei, obwohl es in
Wahrheit nur wenige Meter sind, endlos lang: Jedes mal, wenn man im Licht
der Taschenlampe endlich einen größeren Raum zu erkennen glaubt, war auch
das wieder ein toter Gang, eine Falle für mögliche Eindringlinge.
Zurück in Saigon besuchen wir zunächst noch eine
„Fabrik“, eher eine Manufaktur für Lackbilder: Die Stücke, die in den
Läden auch in Europa zu Tausenden für wenige Euros angeboten werden,
entsehen hier tatsächlich in mühseliger Handarbeit, die Farben etwa aus
Eierschalen gewonnen, mit Spachteln auf die Bilder aufgetragen, , jedes
einzelne Perlmuttstückchen per Hand auf die Vorlage geklebt, jedes einzelne
Werk dann mehrfach gewaschen und getrocknet.
Am Abend führt uns ein Spaziergang in der Umgebung
unseres Hotels zum einstigen Präsidentenpalast Südvietnams, heute der
„Palast der Wiedervereinigung“ mit Revolutionsmuseum. Was damals den
Dschungelkämpfern als absoluter Prunk- und Protzbau erscheinen musste, ist
mit unseren Augen allerdings kaum mehr als ein ganz gewöhnlicher
Regierungsbau, eher Amtssitz eines Ministers als eines Regierungschefs
selbst.
Sonntag, 26. März
2006: Saigon – Phan Thiet
Rund vier ein halb Stunden
dauert der Transfer von Saigon zum rund 160 Kilometer entfernten Badeort
Phan Thiet, wobei der langwierigste Teil des Weges der aus Saigon heraus zu
sein scheint. Jedenfalls zieht sich Saigon mit seinen Vororten endlos in die
Länge, geht dann fast nahtlos in die umliegenden Ortschaften über. Und
selbst in den kleineren Provinzstädten findet man ausgebaute Kreisverkehre,
als Parkanlagen gestaltete Mittelinseln – ganz so, als wäre man noch
immer in einer prestigebedachten Metropole.
Es dauert jedenfalls eine
ganze Weile, bis man wirklich „über Land“ reist, vorbei an Plantagen
mit Drachenfrüchten, Maniokbäumen, hier aber keine Reisfelder. Die in der
Nähe der bebauten Felder liegenden Berge sind merkwürdig kahl –
offensichtlich vorbereitet als weitere landwirtschaftliche Nutzfläche.
Von Phan Thiet sehen wir zunächst
den Hafen mit seiner Unzahl von Fischerbooten und Pfahlbauten am Flussufer,
fahren dann über eine breite Allee, bis wir nach wenigen Minuten am
Stadtrand unser Hotel, das Novotel Golf Hotel erreicht haben. Vom Strand des
Hotels sieht man in vielleicht knapp 20 Kilometer Entfernung zwei Cham-Türme.
Am Abend ein Spaziergang
entlang der Straße am Stadtrand: Obwohl es noch eine ganze Reihe weiterer
Hotels und auch viele Cafés und Restaurants gibt, sind wir gerade die
einzigen Europäer auf der Straße. An die Restaurants und Cafés schließen
sich die ersten Wohnhäuser an, meist einfache, einstöckige Bauten, im
vorderen Raum oft ein noch offenes Geschäft, dahinter dann Wohn und
Schlafzimmer, aber auch einige zwei- oder dreistöckige Appartementhäuser
auf europäischem Standard.
Montag, 27. März 2006: Phan Thiet
Gegen 16.30 Uhr fahren wir
– nach einem gemächlichen Tag zwischen Strand und Pool – mit dem
Fahrrad zu den Cham-Türmen, die man auch vom Strand aus sehen kann. Dabei
folgen wir der Straße Richtung Mui Ne, haben aber statt der 20 Kilometer
bis Mui Ne nur etwa fünf Kilometer zu bewältigen.
Kurz vor den
Cham-Türmen überqueren
wir noch eine Brücke über den Fluss: Im Wasser liegen malerisch die
kleinen Fischerboote, an der Uferpromenade sind noch einige wenige Markthändler
mit Obst und Gemüse.
Einen Hügel hoch geht es
dann zu den beiden Türmen, zu deren Füßen sich nun ein buddhistischer
Tempel befindet – wobei aber eine der drei vor dem Tempel stehenden
Figuren die Züge der Heiligen Maria zu tragen scheint.
Keine zehn Meter hoch ist
der kleinere der beiden Türme, vielleicht 15 Meter der wenige
Schritte entfernt liegende, neben dem dann noch ein weiter kleinerer,
fast wie ein Anbau, liegt. Der dritte Turmbau ist offen – und der
Innenraum wird offensichtlich immer noch als Tempel genutzt. Zumindest steht
in einer Nische an der Wand ein Gefäß mit Räucherstäbchen.
Irgendwann zwischen dem
neunten und dem 14. Jahrhundert wurde diese Anlage aus roten Ziegeln
errichtet, ohne Mörtel oder andere Bindestoffe, aber die Ziegel so gründlich
ineinander verfugt, dass der Bau die Jahrhunderte überdauerte. Klar zu
erkennen beim großen Turm ist noch die Struktur der Außenwände mit den
angedeuteten Fenster und Säulen. Eine Hinweistafel informiert:
Im großen Turm, die hölzerne Eingangstür ist verschlossen, wurde
ein schwarz-grüner Monolith verehrt, der kleinere Turm war einer
hinduistischen Gottheit gewidmet.
Und: Vom Hügel aus hat man
einen ungetrübten Blick auf ganz Pan Thiet und seinen Fluss.
Dienstag, 28. März 2006: Phan Thiet
Am späten Nachmittag fahren
wir mit dem Taxi für 22000 Dong, also etwas mehr als einem Euro, ins
Zentrum von Phan Thiet. Und Zentrum heißt natürlich: Der Markt.
Die Provinzstadt
mit 120000 Einwohnern hat auch am Nachmittag noch einen
quicklebendigen Markt – der sich dabei nicht einmal so sehr in den
eigentlichen mit Zeltplanen überdeckten Marktstraßen abspielt, sondern
auch in den umliegenden Gassen, wo beispielsweise fliegende Händler – und
Händlerinnen – auf kleinen Tischen unter anderem alle möglichen
Fleischwaren anbieten.
Allerdings setzt die
einsetzende Dämmerung dem Treiben allmählich ein Ende.
Mittwoch, 29. März 2006: Phan Thiet
Wir verbringen den ganzen
Tag untätig am Pool.
Donnerstag, 30. März 2006:
Mui Ne
Mui Ne, wahrgenommen aus der
Richtung von Phan Thiet kommend: So sehen aufstrebende Touristenorte aus!
Bungalowsiedlungen auf der Strandseite der Straße, Restaurants,
Andenkengeschäfte auf der anderen Straßenseite. Nur: Was sich hier Mui Ne
nennt, hat mit dem eigentlichen Fischerdorf – oder Fischerstädtchen –
dieses Namens nichts zu tun. Das touristische Mui Ne ist aus einem
„namenlosen“ Palmendorf entstanden, das von dem Fischerort auch noch
einige Kilometer entfernt liegt.
Von diesem „richtigen“
Mui Ne sehen wir kurz darauf zumindest den Hafen: Ein größerer
Fischerhafen in einer geschützten Bucht, die Kutter im Wasser liegend, am
Ufer zahlreiche Korbboote, Boote in Form von Körben, gerade Platz für
einen Mann bildend, der sich etwa zum Angeln aufs Meer hinausziehen lässt.
Unser Ausflug in die
wundersame Landschaft von Mui Ne beginnt an dem Lauf eines kleinen, rot gefärbten
Baches, den wir auf einige hundert Meter durchwaten. Die Hügel, die den
Bach säumen, bestehen aus rotem Sandstein, teilweise aber auch aus reinem
Sand, ebenso rot wir der Bachlauf: Ein Wüsten-Canyon in den Tropen..
Bei unserer Wanderung
passieren wir einen kleinen, vielleicht ein ein halb Meter hohen Wasserfall,
gelangen zu einer der in einer Grotte gelegenen Quellen, aus der sich der
Bach speist, kehren dann kurz vor einem einsam gelegenen Bauerngehöft
wieder um: Angeblich soll es weiter oben Schlangen geben, meint unser Guide.
Die Straße ein kurzes Stück
hinauf machen wir unseren Stopp, durchlaufen eine weitere Landschaft
„roten Canyons“, diesmal allerdings ohne Bach.
Noch ungewöhnlicher als
diese – in unmittelbarer Meeresnähe gelegenen – roten Canyons ist die,
um eine Gruppe kleiner Seen gelegene „weiße Wüste“, eine Sahara im
Kleinen. In Ihrem Zentrum liegt der langgezogene „Weiße See“ mit seinen
mit Lotusblüten bewachsenen Ufern, daneben ein kleines Dorf – und darum
herum die weiße Sandwüste, mit spärlichem Wüstenbewuchs und Dünen, die
bei jedem Wind ihre Gestalt verändern – und auf denen man, wenn man es
denn will, auch rodeln kann.
Rot sind dagegen dann wieder
die Dünen an der Küstenstraße von Mui Ne, wo sich jeden Abend vor
Sonnenuntergang die Ausflugsbusse der Touristen versammeln. Die Attraktion:
Sonnenuntergang über den roten Dünen, die hier auch wie eine kleine Wüste
weit ins Landesinnere hineinreichen. Nur mit dem Sonnenuntergang wird es
heute nichts: Die Sonne hat sich hinter einer dunklen Wolkendecke versteckt.
Freitag, 31. März: Phan Thiet
Ein weiterer Tag am Strand!
Der Strand vom
Novotel-Golf-Hotel – ein Hotel mit eigenem Golfplatz – ist ein El Dorado
für Muschel- und Schneckensucher. Immer wieder findet man auch größere,
zum Teil völlig intakte Schalen am Strand – wobei der größte Teil der
Ausbeute schon weg ist, wenn sich die Hotelgäste an den Strand begeben. Am
frühen Morgen nämlich suchen die Einheimischen das Terrain nach
Verwertbarem und Verkaufbarem ab.
Kaum hundert Meter vom Hotel
entfernt liegen dazu auch noch einige kleine runde geflochtene Boote, an
denen sich fast den ganzen Tag die Fischer zu schaffen machen.
Samstag,
1. April: Phan Thiet – Saigon
Gegen 15 Uhr werden wir für
den Transfer zum Flughafen vom Hotel abgeholt.
Fast schon auffällig: Je näher
wir an Saigon kommen, desto mehr katholische Kirchen, darunter auch einige
moderne Neubauten, sieht man an der Straße. Und: Die Kirchen können über
Zulauf wohl nicht klagen. Davor sind Parkplätze für die Mofas
eingerichtet, nun vollgestellt – und in den Kirchen sieht man die Gläubigen
dicht gedrängt.
Kurz vor Mitternacht startet
unsere Maschine dann Richtung Frankfurt.
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