Istanbul, die Stadt am Bosporus und Goldenen Horn, Schnittstelle von Europa und Asien: Tagebuch einer Städtetour zur Hagia Sophia, zur Blauen Moschee und den Prinzeninseln.

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Türkei - Istanbul: Moscheen, Paläste, Prinzeninseln

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Im Hof der  Süleyman-Moschee

Das "Kanonen-Tor", Eingang zum Topkapi-Passat

Der "Große Basar", Istanbuls Geschäftszentrum Ein ägyptischer Obelisk im römischen Hippodrom
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Die Blaue Moschee mit ihren Minaretten Die Hagia Sophia: Kirche, Moschee, Museum... Die Festung Anadolu - Bastion der Eroberer Büyükada - Insel-Idylle in der Millionen-Metropole

Freizeitspaß: Angeln an der Galatabrücke

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Panorama: Die Stadt am Goldenen Horn

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Beschriebene Orte, Stadtteile und Sehenswürdigkeiten: Sultanahmet Sülyeman-Moschee, Gewürzbasar, Topkapi-PalastGroßer Basar, Hippodrom, Blaue Moschee, ZisternenHagia Sophia, Bosperus-Fahrt mit Üsküdar, Dolmabahce, Arnavutköy, Sariyer, Ton-und-Lichtspiele an der Blauen Moschee, Büyükada (Prinzeninseln/Adalar), Galata-Brücke und Galata, Taksim

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Freitag, 6. Juni 2003: Atatürk Flughafen - Sultanahmet

Wir landen um 19.30 Uhr Ortszeit. Der Atatürk-Flughafen von Istanbul liegt unmittelbar am Meer; beim Landeanflug kreuzen wir eine Art Strandpromenade im Stadtteil Yesilköy, bebaut mit Villen, offensichtlich trotz Einflugschneise ein eher vornehmer Wohnort im südwestlichen europäischen Teil von Istanbul. Dann setzen wir auf der Piste auf.

Unser Hotel, das Pierre Loti, liegt laut Beschreibung im Reiseprospekt 17 Kilometer vom Flughafen entfernt. Der Öger-Bus fährt über eine autobahnbreite Straße, vorbei an Hochhaus-Reihensiedlungen und Shoppingzentren mit Glasfassaden, durch die moderne Stadt, in der nur ab und an eine in dieser Umgebung unscheinbar wirkende graue Moschee einen Hauch von orientalischem Flair vermittelt.

Doch allmählich dringen wir in die europäische Altstadt von Istanbul vor. Das antike Konstantinopel, das "Neue Rom" sei wie das "alte" Rom auf sieben Hügeln erbaut worden, steht in den Reiseführern zu lesen - und die engen Straßen sind hier tatsächlich so abschüssig bzw. steil, dass ein Radfahrer, wenn er denn nicht gerade ein Mountainbiker ist, daran kaum seine Freude haben dürfte. Hier sieht man auch noch Häuser aus alter Bausubstanz, mit Steinmauern, vereinzelt mit Kacheln versehen, mit kleinen Läden statt Einkaufszentren.

Das Pierre Loti steht im Stadtteil Sultanahmet, dem eigentlichen historischen Stadtkern von Istanbul, und heißt nach einem französischen Schriftsteller, der im 19. Jahrhundert in Istanbul gelebt hat, eine heiße Affäre mit einer entflohenen Haremsdame gehabt haben soll. Gut für uns: Das Pierre Loti befindet sich unmittelbar an der Hauptstraße - mit Straßenbahn - , die direkt auf die Hagia Sophia führt, nur wenig entfernt auch von der Blauen Moschee.

Für Autos ist diese Straße eigentlich nicht zu befahren, weil die Fahrbahn fast in Gänze von den Straßenbahnschienen beansprucht wird - was einzelne Autofahrer aber nicht darin hindert, dann eben auf den Schienen zu fahren. Und: An dieser Straße im touristischen Herzen von Istanbul befinden sich etliche Andenkenläden, Restaurants - und schließlich entdecken wir an dem Platz gegenüber der Blauen Moschee den Pudding-Shop, den ich noch von einem früheren Besuch Istanbuls kenne, als sich hier die Traveller vor oder nach ihrem Trip nach Afghanistan oder Indien trafen. (Reisetagebuch "Türkei, Iran, Afghanistan"). Allerdings: Der Pudding-Shop hat sich vom Treffpunkt der Hippies und Traveller zu einem normalen Mittelklasse-Café gewandelt, mit Kellnern in dunklen Anzügen, sauberen, aufgeräumten Tischen - und nur die Zeitungsberichte an der Wind und die 70-er-Jahre-Musik, die hier immer noch gespielt wird, erinnern an seine großen Zeiten.

Samstag, 7. Juni 2003: Süleyman-Moschee, Gewürzbasar, Topkapi-Palast, Großer Basar (Kapali Carsi)

Um 9.15 Uhr werden wir zu unserer ersten Öger-Stadtrundfahrt abgeholt. Wir sind die ersten Gäste, die in den Bus steigen, und nun geht es durch die engen, steilen Straßen zu den anderen Hotels.

Auf unserem Weg zur Süleyman-Moschee passieren wir das Viertel der Textil- und Stoffhändler, erkennbar zum Beispiel an den riesigen Hosen, die quer über die Straße zwischen den Häusern aufgehängt worden sind und an den vielen mit Stoffballen beladenen Handkarren, die sich ihren Weg zu den einzelnen Geschäften bahnen. Auch wenn die meisten Läden nur unscheinbar wirken - Einzelstücke, so berichtet Nahide, unsere Reiseleiterin, werden nur im Notfall verkauft: Lieber warten die Händler hier auf Großabnehmer aus Russland oder dem ehemaligen Jugoslawien.

Zur Sülyeman-Moschee, der Süleymaniye Camii, gebaut in den Jahren 1550 bis 1557 von Baumeister Koca Mimar Sinan im Auftrag von Süleyman, dem Prächtigen, geht es einen der sieben Hügel von Istanbul hinauf. Die Moschee wird von einer viereckigen Mauer umgeben, an jeder Ecke steht ein Minarett, wobei in zwei Minaretten, so erzählt die Legende, Edelsteine verbaut worden sein sollen, weswegen diese nun auch heller schimmern als die beiden anderen. Und, so die Legende, von der uns Nahide berichtet, weiter: In die Grundmauern wurden pure Goldstücke gebaut.

Der Innenhof war auch der Platz der Abschlussprüfung für die Janitscharen-Anwärter: Die letzte Säule auf dem Podest vor der Gebetshalle ist dicker als die anderen, misst einen Durchmesser von vielleicht fast zwei Metern. Die Prüfung bestand nun darin, dass sich der angehende Elitekämpfer des Sultans mit dem Rücken an die eine Seite der Säule zu stellen hatte, dann mit einem einzigen sicheren Schritt auf die gegenüberliegende Seite gelangen musste. Tatsächlich haben sich rund um die Marmorsäule zwei tiefe Mulden gebildet - was für viele Tausende solcher Prüfungen spricht.

Seit 17 Jahren fahre sie nun schon mit ihren Reisegruppen zur Süleyman-Moschee, sagt Nahide, aber bisher hätten erst zwei ihrer Gäste die Prüfung bestanden. Auch ich unternehme einen Versuch, muss ihn aber mit einem Sprung auf den Boden beenden. Durchgefallen!

Die rund 5000 Quadratmeter große Fläche im Gebetsraum der Moschee - zum größten den den Gläubigen vorbehalten, für Touristen nicht zum Betreten freigegeben - sind mit einem Gebetsteppich bedeckt, der wie aus einem einzigen Stück gemacht scheint. Das Muster des Teppichs weist jedem einzelnen Gläubigen seinen genauen Platz in der  Moschee zu. Die Mitte des Raumes wird von einer prächtig bemalten Kuppel überdacht.

Der ganze Raum soll so angelegt gewesen sein, dass der Rauch der vielen Öllampen durch ein winziges Fenster auf einer der Galerien zog. Hinter diesem Fenster befindet sich ein weiterer Raum mit einem Gefäß. In diesem Gefäß nun hätte sich der Rauch gesetzt, wäre dann zu einer hervorragenden Tinte verarbeitet worden. Das, so Nahide, wäre nur eines der bautechnischen Wunderwerke, die sich der Architekt Sinan ausgedacht habe. Immerhin: Die Kalksteinwände der Moschee sind absolut sauber, mussten auch nie von Rußstellen gereinigt werden.

Nach dem Moschee-Besuch unternehmen wir noch einen kurzen Abstecher auf den daneben liegenden Friedhof mit der Grabstelle von Sultan Süleyman. Das Süleyman-Grab ist ein richtiges Gebäude, umgeben von etlichen marmornen Grabstellen weiterer Würdenträger, die daneben ausgesprochen bescheiden aussehen.

Unsere nächste Station ist der Gewürzmarkt, auch der "Arabischer Basar" genannt, unmittelbar an der Galata-Brücke und neben einer weiteren Moschee gelegen. Aber die Lage neben einer Moschee kann eigentlich auch gar nicht anders sein: Schließlich haben allein die Osmanen im historischen Teil von Istanbul rund 200 Moscheen errichtet, und man kann kaum den Kopf irgendwohin wenden, ohne dass der Blick auf eine Moschee beziehungsweise ein Minarett fällt. Also liegt auch der Gewürzbasar neben einer Moschee - wobei das Herausragende seiner Lage natürlich die Nachbarschaft zur Galata-Brücke ist, die über das Goldene Horn die europäische Altstadt mit der europäischen Neustadt verbindet, wo sich über das Häuser-Gewimmel der Galata-Turm erhebt.

Taubenschwärme beherrschen den Platz zwischen Moschee und überdachtem Basar, ein rötlicher Ziegelsteinbau, einst theologische Hochschule, die nun Hunderte von Markthändlern in den Nischen ihrer Gänge beherbergt.

Anders als der "Große Basar", der vor allem von Touristen besucht wird, ist der Gewürzbasar - zumindest heute an einem Samstag - ein Basar der Einheimischen. Und dabei geht es nicht nur um Gewürze oder Süßigkeiten, die im überdachtem Teil verkauft werden, sondern um Handel mit Blumen und insbesondere mit Haustieren und Haustier-Bedarf. Die kleinen Käfige, in denen nun Kanarienvögel, aber auch junge Hunde oder Katzen auf einen Käufer warten, entspricht dabei allerdings kaum den mitteleuropäischen Vorstellungen von artgerechter Haltung. Trotzdem bietet der Markt alles in allem ein farbenfrohes Bild - wobei man Lebensmittel jedoch besser im überdachten Teil kauft, wo sie zwar etwas teurer sind, man aber sicher sein kann, dass sie vorher nicht mit Taubendreck bedacht wurden.

Unser Mittagessen nehmen wir im Schatten des Topkapi-Palastes, in einem Restaurant, das in die Reste der aus römischer Zeit stammenden See-Mauer hinein gebaut wurde, mit Aussicht auf den Bosporus und den asiatischen Teil von Istanbul.

Danach geht es dann in den Topkapi-Palast, in die ummauerte und einst perfekt abgeschirmte Welt des Serail, eine Welt für sich, in der zeitweise 5000 Menschen lebten, auf einer Fläche größer als der Vatikan und immerhin halb so groß wie Monaco.

Wir betreten das Gelände des Topkapi-Palastes durch das mächtige "Kanonen-Tor", befinden uns dann in einer parkähnlichen Anlage, dem Bereich, in dem früher die Janitscharen stationiert waren.

Eher bescheiden gelebt haben dürften im Palast allerdings die Bediensteten der Küche, die in einem lang gezogenen grauen Gemäuer untergebracht waren. Das Küchengebäude, von außen erkennbar an den hohen Rauchabzügen auf dem Dach, dient heute als Porzellan-Museum, eine Ausstellung vor allem chinesischer Porzellane, von wertvollstem Geschirr - wobei die wertvollsten Stücke nicht die im üppigen Blau, sondern die in schlichtem Weiß sein sollen.

Im darauf folgenden dritten Hof, dem ursprünglichen Harem, den man durch das "Tor der Glückseligkeit" betritt, liegen die Ausstellungsräume für die verbliebenen Schätze der Osmanen, Juwelengeschmückte Waffen, Goldarbeiten, vor allem aber immer wieder Edelsteine und natürlich der Topkapi-Dolch mit dem 86-karätigen Diamanten.

Das eigentliche Schmuckstück des Palastes ist aber zweifelsohne der "vierte Hof", der ursprüngliche Privatbereich des Sultan zum Beispiel mit seinem Frühstückspavillon und vor allem mit dem ungetrübten Blick auf das Goldene Horn und den Bosporus.

Der Große Basar, der Kapali Carsi, ist unsere letzte Station des Tages. Der Istanbuler Basar ist zwar möglicher weise der größte überdachte Basar der Welt - aber an seinem unscheinbaren Haupteingang ist davon noch nichts zu bemerken: Die umgebende Mauer erschein nicht größer und nicht imposanter als andere alte Gemäuer in Istanbul auch, das Eingangstor nicht gewichtiger, auch, wenn es bereits von Markthändlern umlagert ist.

Viel Getümmel herrscht nun am frühen Samstag Abend allerdings nicht mehr in den Straßen des Basars: Und unerwarteter weise kann man vor einzelnen Geschäften sogar kurz stehen bleiben, sich die Auslagen anscheuen, ohne gleich in den Verkaufsbereich eines der offenen Läden gezogen zu werden.

Die Ursprünge des Großen Basars, so berichtet Nahide, gehen bereits in die römische Zeit zurück - und dieser alte Teil des Basars ist heute noch deutlich zu erkennen: Hier zeigt die gewölbte Decke über den Einkaufsstraßen nämlich ihre roten Ziegelsteine, während im "neuen" Teil die Decke getüncht ist.

Eine der großen Legenden über den  Basar besagt, dass man sich als Ortsunkundiger im Gewirr der Gassen unweigerlich verlaufen müsse. So ganz stimmt die Legende allerdings nicht: Zum einen sind die einzelnen Gassen bestimmten Branchen vorbehalten, gibt es also eine "Straße" in der beispielsweise nur Schmuck verkauft wird, zum anderen aber, und das ist zur Orientierung noch wichtiger, gibt es ein untrügliches Zeichen: Geht man immer hügelauf, kommt man zwangsläufig zum Ausgang, hügelabwärts führt der Weg immer ins Basar-Innere.

Wie wir am Abend eher zufällig feststellen: Auch der Basar ist keine zehn Fußminuten vom Piere Loti-Hotel entfernt , liegt nur in der der Hagia Sophia entgegengesetzten Richtung. Und noch eine Überraschung: Zu unserem Abendessen in dem kleinen Restaurant gegenüber dem Basar wollen wir einen Raki bestellen, aber der wird hier nicht geführt. Wodka habe man wegen der vielen russischen Gäste, sagt der Kellner, aber Raki werde eben nicht mehr verlangt.

Sonntag, 8. Juni: Hippodrom, Blaue Moschee, Zisternen (Yerebatan Sarayi), Hagia Sophia, Bosporus-Fahrt mit Üsküdar, Arnavutköy und Sariyer, Licht- und Ton-Show an der Blauen Moschee

Zu den Annehmlichkeiten unseres Hotels gehört insbesondere der Frühstücksraum im fünften Stock: Von dem sieht man nämlich auf die Dächer Istanbuls, was hier vor allem heißt, man sieht auf Kuppeln, auf Minarette, auf die mit roten Ziegelsteinen bedeckten Dächer der Altstadt und schließlich auch auf das Meer, weswegen auf diesen Dächern nicht nur die Tauben, sondern auch Möwen sitzen.

Wir beginnen unsere Stadtrundfahrt am Hippodrom. Von der Pferderennbahn ist nicht viel mehr als ein freier Platz geblieben, auf dem nun ein griechischer Obelisk, eine weitere Säule und schließlich ein Brunnen, der vom deutschen Kaiser Wilhelm II eingeweiht wurde - das kaiserliche Monogramm befindet sich gleich neben dem Monogramm des Sultans - stehen. Umgeben wird dieser Platz von einigen vornehmen Bauten, darunter ein lang gezogener Palast, in dem einst der Großwesir residierte. An die Pferderennen, die hier einst die Byzantiner in einen wahrhaften Rausch versetzten, erinnert eigentlich so gut wie nichts mehr.

Dabei ist der Platz, auf dem wir nun stehen, nicht nur ein Sportplatz, sondern auch gleichzeitig ein Massengrab. Die Pferderennen in Byzanz waren nämlich nicht nur ein sportliches, sondern auch ein politisches Ereignis, die Farben der Mannschaften auch Farben eines politischen Bekenntnisses beziehungsweise die Farben der Zugehörigkeit zu einer bestimmten gesellschaftlichen Schicht. Und als sich der Kaiser weigerte, einen Sieg der grünen Mannschaft, der Mannschaft der "kleinen Leute" anzuerkennen, brach noch im Hippodrom ein Aufstand los, bei dessen Niederschlagung der christliche Kaiser 30000 Menschen im Stadion niedermetzeln und gleich an Ort und Stelle verscharren ließ.

Verlässt man den eigentlichen Platz des Hippodrom, steigt auf den daneben liegenden Hügel, vorbei an einigen - neueren - Holzhäusern, die einst für ganz Istanbul typisch gewesen waren, stößt man schließlich auf die Überreste der Zuschauerreihen, bekommt in etwa einen Eindruck von den Ausmaßen, die diese gigantische antike Sportarena gehabt haben muss.

Die Blaue Moschee liegt nur wenige Schritte entfernt. Ihr wichtigstes Kennzeichen, was aber kaum auf ein normales Foto passt: Die Moschee hat statt der üblichen vier gleich sechs Minarette. Angeblich, so erzählt Nahide, habe der schwerhörige Baumeister den Auftrag des Sultans falsch verstanden, statt Minarette mit goldenen Kuppeln eben sechs Minarette gebaut. Für die islamische Welt war das allerdings ein Skandal: Sechs Minarette durfte schließlich nur die Moschee in Mekka haben - und weil man in Istanbul eben kein Minarett abreißen wollte, musste der verantwortliche Baumeister nun in Mekka anbauen.

Doch das faszinierende an der Blauen Moschee ist eben nicht das Spiel mit der Zahl der Minarette, sondern das überwältigende Blau, das nicht nur das Äußere des Gebäudes, sondern vor allem das Innere beherrscht. Blau sind die Mosaiken, blau bestimmt die Fenster. Das Wissen, wie diese Farbe hergestellt würde, hätten die Färber, so Nahdie, als Geheimnis vom Vater auf den Sohn vererbt - und heute, weil siech irgendwann dafür niemand mehr interessiert hätte, wäre es unmöglich, das Blau der Blauen Moschee zu rekonstruieren.

Als nächstes geht es unter die Erde, in die Zisterne gegenüber der Hagia Sophia, in das Yerebatan Serayi, das "versunkene Schloss".

Rund 330 Säulen stützen das unterirdische Gewölbe, Säulen, die aus allem möglichen Tempeln und Palästen der Umgebung zusammen getragen wurden. Das ergibt nun eine bunte Zusammenstellung griechischer und römischer Stile, keine Säule wie die andere, aber eben doch alles in Reihe und Glied geordnet.

Die Zisternen führen immer noch Wasser, und in diesem Wasser schwimmen sogar Fische. Ein einzelner größerer Fisch tummelt sich ziemlich nahe am Eingangsbereich in dem flachen Wasser, weiter hinten, wo es auch trotz der Lampen etwas dunkler ist, sind es schließlich ganze Schwärme.

Auf Holzwegen kann man die ganze Zisterne trockenen Fußes durchlaufen – und an ihrem Endpunkt stehen die zwei wohl interessantesten Säulen, beide jeweils mit dem Kopf der Medusa als Sockel.

Zum Mittagessen fahren wir in ein Restaurant unterhalb des Topkapi-Palastes, mit Ausblick auf die asiatische Seite von Istanbul. Auf dem Weg dorthin passieren wir den Hauptbahnhof, auf seiner der Straße zugewandten Seite ein normales modernes Bahnhofsgebäude, zum Meer hin aber ein roter Bau wie aus dem wilhelminischen Deutschland, noch immer original die Kulisse für den „Mord im Orient-Express“.

Die Uferpromenade unterhalb des Topkapi-Palastes ist nun am Sonntag offensichtlich ein beliebtes Ausflugsziel. Dutzende Angler versuchen im Wasser des Bosporus ihr Glück, es gibt unzählige Imbissstände und Hunderte von Menschen haben es sich auf den Böschungssteinen gemütlich gemacht.

Nach dem Mittagessen geht es zurück zur Hagia Sophia. Die liegt zwar unmittelbar gegenüber der Blauen Moschee, gleich neben den Zisternen – wäre aber vor dem Mittagessen von den Touristenscharen bereits überlaufen gewesen, meint Nahide. Jetzt ist es in dem Bau, errichtet als größte christliche Kirche der Welt, tatsächlich erstaunlich ruhig.

Vor dem Eingang in den rosarötlichen Kuppelbau – erst Kirche, dann Moschee, nun ein Museum – liegen in einer Grube die Überreste der Vorgänger-Kirche der Hagia Sophia, zwei Steinpodeste mit den Reliefs einer Lämmerherde. Für den Kolossal-Bau hatte die kleinere Kirche schließlich weichen müssen, und außer einigen Säulen und diesen Podesten scheint von ihr nicht mehr viel erhalten zu sein.

Der romanische Bau der Hagia Sophia wirkt schwerer und gedungener als das spielerische, geradezu leichte Gegenüber, die Blaue Moschee. Die Vorhalle schließlich erscheint auch mehr die Halle einer düsteren Burg als einer Kirche zu sein.

Und dennoch übertrifft der eigentliche Innenraum mit seiner überdimensionierten Kuppel alles andere, auch, wenn seit einigen Jahren und wohl noch für weitere Jahre ein bis an die Decke reichendes Baugerüst den Eindruck schmälert. Und was in in der Blauen Moschee das Blau ist, das ist hier in der Hagia Sophia das Gold, das buchstäblich von jeder Wand herunter schimmert.

Unsere nachmittägliche Bosporus-Fahrt bis kurz vor die Küste des Schwarzen Meeres beginnt am Goldenen Horn, zwischen Galata-Brücke und Hauptbahnhof, wo die meisten Fährschiffe ihren Anlegeplatz haben.

Doch zunächst geht es den Bosporus ein kleines Stück in südliche Richtung entlang; wir passieren einen Militärkomplex auf asiatischer Seite, im russisch-türkischen Krim-Krieg das Lazarett, in dem Florence Nightingale ihre Arbeit aufnahm, setzen dann nach Üsküdar über, wo wir unweit des Leander-Turmes, einem eher unscheinbaren Bau in Ufernähe, auf den ersten Blick eine Zoll- oder Hafenstation, an Land gehen.

Damit sind wir nun im asiatischen Teil von Istanbul. Die Hauptstraße, die an der Fährstation vorbeiführt, ist um einiges breiter als die Hauptstraßen in der europäischen Altstadt, die Häuser durch die Bank weg „moderner“, aber damit auch in ihrem Stil eben einfallsloser – und nur an der engen Ufer- oder Hafenpromenade, auf der sich die Spaziergänger drängeln, von Imbisswagen aus geröstete Maiskolben verkauft werden und andere kleine Geschäftsleute versuchen, mit ihren tragbaren Fotokopiergeräten oder Personenwaagen ein paar Millionen Lira zu verdienen, erahnt man etwas vom levantinischen Leben.

Zurück an Bord steuern wir nun tatsächlich Richtung Schwarzes Meer, kommen dabei zunächst am Stadtteil Dolmabahace mit seiner spätosmanischen Moschee am Ufer vorbei, einer Moschee, bei der man fast von Jugendstilelementen sprechen könnte, kurz darauf an dem letzten Sultan-Palast, dem Dolmabahace Sarayi, den der Sultan nach der Aufgabe seiner Residenz im Topkapi bewohnte. Dieser lang am Bosperus-Ufer hingezogene neue Palast hat nun zumindest von außen gar nichts orientalisches mehr an sich, erinnert eher an die Paläste von Petersburg als an die exotische Welt des Serail.

Zwischen den beiden Bosporus-Brücken liegt auf europäischer Seite der Ortsteil Arnavutköy, vom Wasser aus gesehen mehr ein vornehmer Kurort mit stilvollen Holzhäusern als ein geschäftiger Stadtteil der türkischen Millionenmetropole. Aber das ist ohnehin der Grundeindruck: Je weiter wir uns vom Stadtkern entfernen, desto vornehmer wird die Gegend. Ein Wohnhaus am Ufer des Bosporus, egal, ob auf europäischer oder asiatischer Seite, ist nichts, was für einen Normalverdiener erschwinglich wäre.

Unterhalb der zweiten Bosperus-Brücke liegt auf europäischer Seite die Rumeli Hisari, auf asiatischer Seite die Anadolu Hisari, also die „römische“ Festung und die „anatolische“ Festung, jene beiden Bastionen, mit denen die osmanischen Eroberer das belagerte Konstantinopel von allen Nachschubwegen abschnitten. Während aber die Wälle der „römischen“ Festung nun einsam in einem Wald liegen, erheben sich die Türme der anatolischen Festung über den Dächern einer dörflich anmutenden Vorstadtsiedlung.

Kurz hinter dieser zweiten Bosporus-Brücke gehen wir – wieder auf europäischer – Seite an Land, fahren die schmale Küstenstraße durch eine Reihe weiterer ehemaliger Fischerdörfer, nun Istanbuls vornehme Badeorte, nach Sariyer, dem nördlichsten dierekt am Bosperus gelegenen Vorort von Istanbul, noch etwa 15 Kilometer von der Südküste des Schwarzen Meeres entfernt. Hier nehmen wir in einem Fischrestaurant unser Abendessen.

Wie auch die anderen Vororte von Istanbul war Sariyer bis zum Bau der Küstenstraße ein weltabgeschiedenes Fischerdörfchen. Nun, am Sonntag Abend, bewegen sich die Autokolonnen nur im Schritttempo vorwärts: Sariyer ist wegen seiner Restaurants am Wasser ein beliebtes Ausflugsziel für alle, die es sich leisten können. Und Sariyer ist darüber hinaus wohl der teuerste Badeort der Türkei. Für eine Ferienwohnung am Bosporus zahlen reiche Araber bis zu 10.000 Euro monatlich – was für die einheimischen Familien bedeutet, dass sie schon von ein oder zwei Monatsmieten ein ganzes Jahr ein durchaus komfortables Leben führen können.

Kurz nach Beginn der Dämmerung sind wir wieder an dem Platz vor der Blauen Moschee. Die Ton-und-Lichtspiele, die jeden Abend hier veranstaltet werden, heute auf Deutsch, haben zwar schon begonnen, aber es fällt nicht schwer, an jeder beliebigen Stelle des Textes voll in den Inhalt einzusteigen: Ein Sprecher erzählt die Geschichte der Türkei am Beispiel der Blauen Moschee, die dabei selbst die Rolle der Ich-Erzählerin hat, es geht um die Pracht der Osmanen und die Kunstfertigkeit ihrer Baumeister, wobei bei jedem Satz ein anderer Teil der Moschee von den Scheinwerfern angestrahlt wird, schließlich um die Wirren des ersten Weltkrieges, um die Besetzung der Türkei durch die Alliierten, endet dann in einer pathetisch-patriotischen Hymne auf die neue Republik und ihren Gründer, wobei Atatürk hier namentlich nicht einmal erwähnt wird, aber doch für den Zuhörer, der weiß, was und wer gemeint ist, spürbar präsent ist.

Montag, 9. Juni 2003: Prinzeninseln (Adalar) mit  Büyükada

Mit der Straßenbahn fahren wir immer geradeaus die Strecke von unserem Hotel bis zum Bahnhof, sind kurz darauf am Fährhafen zu den Prinzeninseln. Ein ein halb Stunden dauert die Überfahrt zu den kleinen Inseln im Marmara-Meer, kostet umgerechnet keine zwei Euro, und wir haben Glück, müssen nicht viel mehr als eine halbe Stunde warten, bis unsere Fähre ablegt.

Doch das ist natürlich lange genug, um auf den ältesten Schuhputzer-Trick herein zu fallen, den es wohl gibt. Wir schauen uns um, wo es denn am Pier die Schiffskarten gibt, ein hilfsbereiter älterer Mann mit kleinem Schuhputzer-Koffer bringt uns zu dem noch geschlossenen Schalter, fragt nach einer Zigarette, die er natürlich bekommt – putzt dann aus Dank Karins Schuhe. Natürlich fragt man nun, man will ja keine Arbeit umsonst abverlangen, nach dem Preis, ist dann fünf Millionen Lira los.

Es sind kaum Ausländer an Bord der ansonsten gut besetzten Fähre, und für manche Einheimischen scheint es sich um eine Dienstfahrt zu handeln: Ein Hochzeitspaar aus Ankara bewahrt uns davor, dem Sesamkringel-Verkäufer mehr zu zahlen, als es der ortsübliche Preis ist, ein fliegender Händler nutzt die Passage zu einer Verkaufsshow für Bleistifte, ein Restaurantbesitzer oder Mitarbeiter eines Restaurants drückt uns, nachdem er uns einen Tee spendiert hat, seine Visitenkarte für unseren Restaurantbesuch in Büyükada in die Hand. Klar, dass wir natürlich dort und nirgendwo anders essen werden.

Bevor wir Büyükada, die größte der Prinzeninseln, erreichen, legen wir zunächst noch einmal auf der asiatischen Seite in Kadiköy an, machen dann noch kurze Zwischenstopps auf den Inseln Kinaliada, das fast ganz von weißen Strand umgeben scheint, dann im Hafen von Burgaz, anschließend an der schon größeren Insel Heybeli.

Büyükada ist die letzte Station, die das Schiff vor seiner Rückkehr nach Istanbul ansteuert. Die Hafenanlage wird geprägt von einem orientalischen Bau mit Ladenpassage und einem „Café Tunis“, links daneben liegen die Fischrestaurants, rechts vom Kai eine breitere Promenade mit einem freien Platz und einem daran anschließenden simplen Wohnblock. Streng genommen ist Büyükada ja auch ein „ganz normaler“ Stadtteil von Istanbul, nur, dass er eben ausschließlich per Schiff zu erreichen ist.

Aber natürlich gibt es auf der Insel auch das für Istanbul außergewöhnliche, und wenn man die Insel betreten hat, stellt man schon bald fest, dass sie abseits der Strandpromenade durchaus ihre eigene Welt ist.

Privatautos sind auf dieser Inselwelt nicht zugelassen – und so heißt es, Büyükada mit der Pferdekutsche zu erkunden. Die Kutschstation befindet sich am Rande des Hauptplatzes des Ortes, erkennbar an ihrem kleinen Uhrturm, keine hundert Meter gerade hoch vom Fährhafen. 20 Euro kostet die große Tour, die uns einmal um die hügelige Insel führt.

Zunächst präsentiert sich Büyükada von seiner prächtigen Seite: Links und rechts der Straße stehen die vornehmsten Villen, offensichtlich die Wochenenddomizile reicher Istanbuler Familien. Dann verlassen wir den „urbanen“ Teil der Insel, machen kurz Rast an einem landschaftlich schön an einem Aussichtspunkt gelegenen Restaurant, von dem aus man auf die Nachbarinsel und natürlich auf Istanbul, hier die asiatische Hälfte, sehen kann, umrunden das grüne Eiland schließlich auf einer schmalen, aber doch ordentlich ausgebauten „Küstenstraße“.

Dabei kommen wir auch an einer Siedlung vorbei, die so gar nicht zu dem Villenviertel des Hauptortes passen will: Einfache Lehm- und Steinhütten unterhalb der Straße, in den Unterständen ab und an eine leere Kutsche. Ob hier die Kutscher, die die Besucher über die Insel bringen, tatsächlich leben oder hier nur ihre Wagen und Pferde unterstellen, ist nicht auszumachen.

Bei der Rückfahrt in den Hauptort gelangen wir nun in die „Altstadt“ von Büyükada mit ihren ein- bis zweistöckigen Häusern, den kleinen Läden und einigen Holzbalkonen, Fußgängern, die gefahrlos über die Straße flanieren, weil es keine Autos gibt und nicht einmal Motorräder oder Mofas sehen sind.

Trotz einiger Lastwagen, die natürlich verkehren, ist die Pferdekutsche aber nicht nur für Touristen das Haupttransportmittel, wie wir bei unserem abschließenden Spaziergang an der Promenade der Fischrestaurants – das Essen im Ali Baba, das Restaurant, von dem wir die Visitenkarte bekommen haben, ist gut, viel, aber eben auch alles andere als billig – zu sehen bekommen. Ein Fischkutter hat Getränkekisten vom Festland angeliefert, und die werden nun auf einen Einspänner zur Verteilung an die Läden und Restaurants geladen.

Irrlauf bei der Rückfahrt:  Wir lösen eine Karte, nachdem ich gefragt habe, ob die Fähre auch zum Hafen an der Galata-Brücke fährt, steigen an Bord, beobachten die Möwen, die die ganze Fahrt über das Schiff begleiten, legen auf der asiatischen Seite von Istanbul an – und dann fährt das Schiff mit uns nach Büyükada zurück. Erst bei seiner zweiten Tour geht es dann tatsächlich zu unserem „Heimathafen“ zurück. Immerhin kamen wir so zu einer zusätzlichen einstündigen Schiffsfahrt.

Dienstag, 10.Juni 2003: Galata – Taksim

Von unserem Hotel aus kann man auch bequem in einer guten halben Stunde bis zur Galata-Brücke laufen. Hinter der Hagia Sophia ist der Bürgersteig dann – wie auch die Straße selbst – zwar ziemlich schmal, führt aber an schönen alten Häusern vorbei, an der Mauer und einem der Nebeneingänge des Topkapi-Palastes – und kann unter Umständen auch bequemer sein als die Straßenbahn. Weil sich die Bahn nämlich die enge Straße auch noch mitunter mit den Autos teilen muss, bleibt sie manchmal auch einfach stecken, kommt nicht mehr weiter. Dann heißt es für die Fahrgäste, die Bahn auf freier Strecke zu verlassen und eben selbst zu Fuß weitermarschieren.

Nachdem die alte Galata-Brücke in den 1980-er Jahren ein Raub der Flammen wurde, führt nun also eine neue Brückenkonstruktion über das Goldene Horn. Natürlich kann man auch zu Fuß über diese Brücke, aber dabei stören der Autoverkehr und auch der Wind schon die Aussicht. Angenehmer für Fußgänger ist die Promenade unterhalb der Brücke, vorbei an den zahlreichen Fischrestaurants, die sich hier breit gemacht haben.

Galata ist weit weniger touristisch beeinflusst als der Stadtteil auf der gegenüberliegenden Seite des goldenen Horns. Wir verlassen die Brücke, scheinen urplötzlich in einem Basarviertel zu sein, das weit urtümlicher als der Große Basar ist. Zwar gibt es hier keine Andenken, sondern werden in sämtlichen kleinen Läden und an den Ständen rund um die Brücke simple Haushaltswaren verkauft, aber dies scheint wirklich der Ort zu sein, an dem sich die Einheimischen mit den Dingen des täglichen Bedarfs eindecken.

Unser Ziel ist der Galata-Turm, im Mittelalter von den Genuesern errichtet, von der gegenüberliegenden Seite das ganze Viertel übberagend, hier in Galata selbst aber von den Häusern verdeckt. Trotzdem ist er nicht zu verfehlen, wenn man die Istanbuler Faustregel für die Besichtigung von Sehenswürdigkeiten berücksichtigt: immer bergauf. So erreichen auch wir unser Ziel, auch wenn wir dabei vielleicht ein oder zwei Kreuzungen zuviel genommen haben sollten.

Galatas bedeutendste Sehenswürdigkeit steht auf einem kleinen Platz, eingezwängt von den ihn umgebenden Altbauten, viele davon renovierungsbedürftig, einige schon zerfallen. Mit einem Fahrstuhl geht es den Rundbau hoch zur Aussichtsplattform, von der man, wenn man sie denn einmal umrundet hat, tatsächlich ganz Istanbul – zumindest die Innenstadt davon – überblickt hat.

Am faszinierendsten ist natürlich die Aussicht über das Goldene Horn auf die Seite von Sultanahmet und Topkapi mit den Moscheen und Minaretten und in größerer Entfernung dem römischen Äquadukt, das sich massiv über das Häusermeer erhebt. Aber auch unmittelbar unter uns gibt es einiges zu entdecken, zum Beispiel ein altes Gemäuer, das vor Jahrhunderten durchaus eine abgeschirmte Festungsanlage gewesen sein könnte.

Wieder zu ebener Erde trinken wir in dem Café am Fuße des Turms noch einen Tee, machen uns dann auf den Weg zum Taksim-Platz.

Die Hauptstraße, die von Galata nach Taksim führt, eine breite Fußgängerzone, durch die lediglich eine Straßenbahn führt, ist Istanbuls Einkaufsstraße, das Viertel der diplomatischen Vertretungen – und dazu auch wohl die Straße der christlichen Kirchen.

Mit ihren mondänen Jugendstilhäusern aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts und den nicht minder mondänen Geschäften, die sich hier finden, könnte diese Straße so auch in Rom oder Florenz zu finden sein - bis man dann doch in einen der Höfe schaut. Da stoßen wir auf einen orientalischen Fischmarkt mit mitteleuropäischer Überdachung, daneben edle Antiquitätengeschäfte - eine Ecke zum Schlendern und Stöbern.

Der Taksim-Platz dagegen fällt letztlich vor allem durch seine Größe auf - und natürlich das Denkmal, das Kemal Atatürk diesmal nicht allein, sondern mit einigen seiner Weggefährten zeigt.

Kurz vor 16 Uhr sind wir wieder um Hotel - um gegen 16.20 Uhr für den Heimflug abgeholt zu werden.

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