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Ildir, ein Dorf aus den Ruinen des griechischen Erythrai In der alten Karawansei des Basars von Izmir Alacati - das Dorf mit den fünf Mühlen auf Cesme Sigacik, zu Zeiten der Genueser noch befestigte Handelsstadt

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Der Tempel des Dionysos - die Überreste des griechischen Teos Die Säulenstraße des antiken Ephesus Herzstück von Ephesus: Die Fassade der Bibliothek Die Säule vom Artemis-Tempel, eines der sieben Weltwunder

Einsame Ziegenställe bei Yaylaköy, Halbinsel Cesme

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Auf der Akropolis des antiken Pergamon

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Samstag, 31. März 2001: Izmir – Cesme – Ilica 

Nach knapp drei Stunden Flugzeit von Berlin geht die Maschine der Pegasus in den Landeanflug auf den Flughafen von Izmir. Es ist kurz vor 16 Uhr Ortszeit, wir fliegen über ein bergiges Gelände, die Hügel sind saftig grün bewachsen, allerdings ohne Wald, eine Landschaft, die so lieblich, ohne jeden Eindruck von Wildheit, auch in den Voralpen liegen könnte.

Von den Hügeln geht es auf Flachland über, ein Feld neben dem anderen, eine Region intensiver landwirtschaftlicher Nutzung. 

Dann setzt die Maschine auf der Rollbahn auf. Izmirs Vororte reichen bis an den Flughafen heran: Endlose Blöcke vier- bis sechsstöckiger eintöniger Gebäude. Man merkt der Stadt an, dass sie in den vergangenen zwei oder drei Jahrzehnten reglerecht explodiert sein muss. Die Vororte, durch denen die gut ausgebaute Autobahn führt, ziehen sich endlos hin, das Häusermeer reicht bis auf die Bergkuppen, und immer noch wird weiter gebaut.

Ein Kontrast: Vereinzelt sieht man auf dem freien Flächen kleine Schafherden weiden.

Weiter Richtung Cesme gehr es an Feldern und Olivenhainen vorbei und nach etwa ein und einer halben Stunde haben wir Cesme erreicht.

Auch von Cesme sehen wir nicht viel mehr als ordentliche, saubere, aber letztlich auch eintönige Ferienanlagen voller kleinerer und mittlerer Bungalows. Unser Hotel, das Altin Yanus, ein riesiger Komplex, ein Ort im Ort, liegt am Rande des zu Cesme gehörenden Ilica, ausgestattet mit einem eigenen Yachthafen

Sonntag, 1. April 2001: Cesme

Am Vormittag kommt es immer wieder zu kurzen Regenschauern – was bei unserem Spaziergang nach Cesme sich schon etwas lästig auswirkt.

Zunächst geht es – momentan menschenleeren – Strand von Ilica entlang, ein eher kleiner Strand, im gegenwärtigen Zustand auch nicht sehr sauber, aber den jetzt im Sand liegenden Eisenstangen der Sonnenschirme nach zu urteilen schon auf den Beginn der Saison wartend.

Schließlich, weil es am Wasser nicht mehr weiter geht, müssen wir wieder hoch auf die Straße: Die Ferienregion von Cesme, ein Komplex gleichartiger Bungalows neben dem anderen, liegt noch im Dornröschenschlaf: Nicht einer dieser Bungalows ist derzeit bewohnt.

Nach etwa einer Stunde, der letzte Teil der Wegstrecke führt uns an der Schnellstraße entlang, haben wir den Ortskern von Cesme erreicht: Eine Hauptstraße mit zweistöckigen Häusern links und rechts – und in jedem Haus natürlich ein kleines, mitunter auch ein größeres Geschäft.

Unser Ziel ist der sonntägliche Bauernmarkt, der am Rand des eigentlichen Ortes mehre Straßen mit Beschlag belegt hat, und der um diese Jahreszeit tatsächlich noch ein Bauernmarkt ist – wo das Gemüse, das Fleisch und der Käse, auch Honig, aus den umliegenden  Dörfern an die Städter verkauft wird, und auf dem sich die Bauern selbst – am Rand des Marktes – mit Werkzeugen und billigen Haushaltsartikeln eindecken. Es sind meist ältere Männer, die die Marktstände betreiben, mitunter ältere Frauen, aber nur selten ist ein jüngerer Verkäufer zu sehen. Auffällig ist, dass einige der älteren Männer gelbe Kopftücher tragen.

Bei unserem weiteren Spaziergang durch Cesme landen wir bei einem Juwelier: Karin kauft für 90 Mark einen Ring aus 2,5 Gramm Gold und einem blauen Amethyst, Susanne, die Freundin von Michael, ein Pärchen aus Hamburg, einen etwas schwereren Goldring für 150 Mark. Dann sitzen wir – diesmal ohne etwas zu kaufen – beim Apfeltee in einem Geschäft für Lederwaren. Der Verkäufer erzählt, dass Cesme zwar noch vor Antalya der erste Touristenort in der Türkei gewesen sei, sich der Tourismus dann aber in den vergangenen 15 Jahren nicht weiter entwickelt habe. In diesem Jahr hoffe man aber auf eine erfolgreiche Saison.

Obwohl Cesme nun wirklich keine neue Stadtgründung ist, scheint entlang der Hauptsraße kein Haus älter als höchstens 30 Jahre alt zu sein. Das ändert sich erst, als wir uns allmählich dem Hafen nähern und auf ein großes, fast festungsartiges Bauwerk aus grauen Feldsteinen stoßen, offensichtlich ein Relikt aus der Zeit, als die Region von Cesme unter Kontrolle der Genuesen stand. Um dieses alte Gemäuer herum befindet sich ein kleiner Platz, von dem enge und krumme Gassen steil nach oben führen. Hier nun liegt das eigentliche alte Cesme mit seinen kleinen Häuschen hinter verfallenden Mauern, umgeben von winzigen Gärten und schließlich die mächtige Festung der Genuesen, abgesichert durch eine starke Außenmauer und dann noch einem hinter dieser Mauer liegenden Burggraben. Von dieser Festungsanlage aus wurde einst die ganze Bucht kontrolliert.

Die Festungsmauer entlang gehen wir nun zum Hafen hinunter. Von hier aus starten auch – momentan allerdings nur einmal wöchentlich, jeweils am Donnerstag – die Fähren auf die griechische Nachbarinsel Chios, deren Berge man bereits von hier aus sehen kann. Es gibt noch eine kleine Strandpromenade, die aber jetzt auch fast menschenleer ist.

Wir trinken noch einen Kaffee, fahren dann mit dem Dolmus zurück ins Hotel. Der aktuelle Fahrpreis: 450.000 Türkische Lira pro Person, etwa eine Mark.

Montag, 2. April 2001: Ilica 

Ein Fitness- und Wellness-Tag im Hotel: Den Vormittag verbringen wir am beheizten Meerwasserpool des Altin Yunus mit seiner Wassertemperatur von etwas über 30 Grad, in der Sauna und im Hamam. Um 15 Uhr habe ich einen Friseurtermin. Einmal Haare schneiden kostet hier sechs Millionen Lira, also rund zwölf Mark.

Danach unternehmen wir noch einen Spaziergang an der Küste, einmal über die kleine Landzunge vor Ilica, ein Wanderweg, der etwa eine Stunde an der Küste vorbeiführt. Zunächst einmal geht es dabei allerdings an den hübschen Ferienhäusern vorbei, die momentan noch auf ihre Bewohner warten.

Die Steilküste zerfällt in kleinere Buchten, das Wasser hat die herausragenden Felsen unterhöhlt, so dass manche dieser Felsen aussehen wie eine auf runden Pfeilern ruhende Brücke, die aber vor ihrem Zielpunkt abrupt abbricht. Vereinzelt blüht bereits in voller Röte der wilde Mohn.

Nach eine Stunde endet dieser Rundweg wieder am Hafen unseres Hotels.

Dienstag, 3. April 2001: Ilica – Ildir (Erythrai)  

Wir wollen mit dem Dolmus nach Ildir – was aber zunächst einmal bedeutet, sich bei den Einheimischen wegen des richtigen Weges durchzufragen. Unsere Hotelanlage liegt nämlich nicht etwa nur am Rand von Ilica, sondern schon sehr extrem am Rand, genauer gesagt, von Ilicas Ortskern fast so weit entfernt wie vom Ortskern von Cesme.

Also heißt es zunächst, den Dolmus-Stop für die Verbindung nach Ilica ausfindig zu machen. Zwar kommen einige Wagen vorbei – doch die meisten fahren nur zum Altin Yunus und dann wieder zurück nach Cesme, für uns also genau in die falsche Richtung  Dann endlich kommt das Sammeltaxi, das in den eigentlichen Ort Ilica fährt – für 400.000 Lira pro Person.

Der Ortskern von Ilica mutet an ein einst aufstrebendes Touristenstädtchen, das dann irgendwann einmal „vergessen“ wurde: Angefangene Bauten, die nie fertig gestellt wurden eine größere Pension, an der bereits der Zahn der Zeit neigt. Lediglich das in der Nähe liegende Sheraton-Hotel vermittelt den Eindruck eines florierenden Geschäfts.

Was auf der Landkarte aussieht wie eine kleine einsame Straße entlang einer ziemlich gerade verlaufenden Küste, die vor Ildir lediglich noch an Sifne vorbeiführt, erweist sich als eine Strecke durch ein gebiet von Ferienanlagen, in denen die Bungalows dicht an dicht stehen. Dennoch sehen wir hier immerhin zwei Schaf- und Ziegenherden.

Auch die Küste sieht – zu ihrem Vorteil allerdings – etwas anders: Eine kleine, malerische Bucht folgt der anderen, wobei die Landschaft hinter Sifne, nun gibt es auch keine Ferienanlagen mehr, deutlich an Schönheit zunimmt.

Ildir endlich ist ein Dorf, dass sich nicht durch Ferienanlagen ankündigt. Der Führer für die antiken Stätten von Erythrai ist in das Dolmus zugestiegen, und nun fahren wir eine enge Gasse hinauf Richtung Ruinenstadt.

Seit 27 Jahren arbeite er nun als Fremdenführer in den Ruinen, berichtet der Guide in einem Kauderwelsch aus deutschen, englischen, französische und auch etlichen türkischen Brocken, und seine Autorität als Fremdenführer bezieht er vor allem aus seiner schwarzen Mütze, auf der ein nicht weiter identifizierbares Abzeichen prangt. Aber immerhin hat er in den 27 Jahren hier vermutlich jeden einzelnen Stein kennen gelernt.

Unmittelbar am Eingang zur antiken Anlage liegt zunächst eine monumentale Grabstätte, wo uns unser Guide auf lose herumliegende Mosaikstückchen aufmerksam macht – theoretisch könnte Erythrai ein Eldorado für Steine“sammler“ sein. Dann geht es an einem Avocadofeld vorbei, das auf der alten Agora liegt zum Theater. Viel ist nicht mehr vom Theater erhalten: Einige Fundamente des alten Bühnenhauses in dem Talkessel unterhalb des halbrunden Hügels und die Steintreppe, die zu den oberen, noch heute vorhandenen, Sitzreihen führt. Aber dennoch vermittelt dieses Ruinenfeld einen Eindruck von der Größe, die die um 700 vor Christus gegründete griechische Polis gehabt haben muss.

Beendruckend ist aber vor allem der Ausblick, den man von diesen oberen Sitzreihen über die Küste und die – unbewohnten – vorgelagerten Inseln hat. Hier scheint die Natur noch unberührt.

Noch etwas höher als die oberen Theatersitzreihen steht die Ruine einer christlichen Kirche, von der nur noch die Außenmauern erhalten sind und verlaufen schließlich auch die Reste der antiken Stadtmauer. Aber wiederum beeindruckender: Der Ausblick, diesmal nun auf eine kleine Bucht und vor allem auf die roten Ziegeldächer von Ildir, aus denen als einziger erhöhter Punkt das Minarett der Moschee herausragt. Bei einigen der älteren Häuser von Ildir, viele davon selbst schon eine Ruine, gewinnt man beim Abstieg in den Ort den Eindruck, dass sie aus den Steinen des Ruinenfeldes von Erythrai errichtet wurden.

Zum Abschluss unserer Tour öffnet der Wächter für uns sein „Privatmuseum“, eine Steinhütte, in der sich die Funde aus der Stadtanlage nur so stapeln: alte Gewichte aus Ton, Grabtafeln mit griechischer Inschrift und schließlich ein marmornes Knie, kleines Bruchstück eines Kunstwerkes, das vielleicht noch irgendwo unter der Erde liegt.

In einem Dorfgasthaus essen wir noch Fisch und Kebab, trinken Raki, während an einem der Nachbartische die Arbeiter von den Avocadofeldern ihre Pause verbringen.

Gegen 16 Uhr steigen wir dann wieder in das Taxi zurück nach Ilica.

Mittwoch, 4. April 2001: Izmir 

Einige Daten über Izmir, die uns der Reiseführer unserer Stadtrundfahrt berichtet: 4,2 Millionen Einwohner zählt die drittgrößte Stadt der Türkei, erstreckt sich über 32 Kilometer entlang der Bucht, und die begehrtesten, aber auch teuersten Wohnungen, liegen entlang der Promenade an der Bucht, auf der wir nun zur Fährstation fahren.

Unser erstes Ziel in Izmir ist der Wochenmarkt, gelegen in einem Stadtteil, dessen deutscher Name auf „Gegenüberliegende Seite“ lautet, und den wir mit einer Fahre Baujahr 1958, aber offensichtlich gut in Schuss, ansteuern. Vom Wasser aus gesehen scheint Izmir ausschließlich aus Hochhäusern und Glaspalästen zu bestehen.

Der Wochenmarkt, eine Ansammlung von Marktständen vor allem für Gemüse, Plastikwaren, preisgünstigen Textilien, Fisch und auch Blumen, muss ein beliebtes Einkaufszentrum darstellen: Von der Fläche her ist der Markt inmitten einer uninteressanten Wohngegend zwar nicht imposant, dafür aber überfüllt von einer drängenden Menschenmenge und lärmend vom Geschrei der Händler. Aus deren Geschrei ist vor allem das „Bir Million“ – „Eine Million“ – herauszuhören. Eine Million Lira sind nach dem heutigen Wechselkurs der Banken allerdings nicht mehr als 20 Pfennige.

Für eine Million Lira kaufen wir immerhin drei Paar Socken, für einen kleinen Damenrucksack aus Kunstleder zahlen wir nicht mehr als fünf Millionen Lira. Ich frage mich, womit die Markthändler bei diesen Inflationsraten – im Vergleich zu unserem letzten Umtausch hat die Lira fast 20 Prozent verloren – ihren Gewinn machen wollen.   

Nach 45 Minuten steigen wir wieder in unseren Bus, der uns nun in den Stadtteil Kaptan bringt, wo wir in einem Straßenrestaurant zu Mittag essen.     

Kaptan ist ein durch und durch moderner Stadtteil mit breiten Fußgängerzonen – obwohl der Bezirk selbst eigentlich älter ist, bereits zu osmanischer Zeit Teil des Stadtgebietes von Izmir, damals Smyrna, war. Aber nur wenige Gebäude, darunter das deutsche Konsulat an der Uferpromenade und der – grünliche – Prachtbau  der Börse haben die Kämpfe zwischen Türken und Griechen und den Brand von Smyrna Anfang der 20’er Jahre überstanden. Diese Ereignisse dürften wohl wesentliche Ursache dafür zu sein, dass Izmir, obwohl als Siedlungsgebiet 5000 Jahre alt, weitgehend geschichtslos wirkt.

Und nicht nur die meisten Gebäude aus der Zeit vor 1920 sind verschwunden. Noch vor 20 Jahren, so erzählt unser Reiseleiter, seien regelmäßig Hunderte von Delfinen zur Paarung in die Bucht von Izmir gekommen. Durch die Abwässer der Metropole und die Verschmutzung durch den Schifffahrtsbetrieb des Hafens ist die Bucht von Izmir heute jedoch biologisch tot  und an die Delfinschwärme erinnert nur noch ein Denkmal an der Strandpromenade.

Erhalten geblieben ist allerdings der Uhrturm, den einst Kaiser Wilhelm dem Sultan als Geschenk vermachte, und der heute, mitten in der Parkanlage von Konak stehend, das Wahrzeichen der Stadt ist.

In Konak besuchen wir den Basar, laut unserem Reiseleiter der zweitgrößte Basar, hinter Istanbul, in der Türkei, ein Gewirr von Gassen und Gässchen mit einer Gesamtlänge von 25 Kilometern, in denen sich über 10.000 große und kleine Läden aneinander drängen.

Was hier Basar genannt wird, ist allerdings kein zusammenhängendes überdachtes Gebäude, sondern ein Stadtviertel der Geschäfte, ein Viertel, in dem  – eben eine Ausnahme in Izmir – die meisten Gebäude den Lauf der Zeit überstanden haben, man deshalb einen Eindruck erhält, wie das Leben in Smyrna ausgesehen haben könnte.

Manche der Gassen sind von Weinranken wie überdacht, andere führen zu regelrechten Plätzen, Orten der Ruhe und der Cafés – und dank des Minaretts der Moschee hat man auch immer eine Orientierung, wo in etwa man sich gerade befindet.

Angenehm im Vergleich zu anderen orientalischen Basaren: Möglicherweise weil hier Touristen eher eine Ausnahme sind, kann man auch in aller Ruhe vor einem Geschäft die Auslagen anschauen, ohne gleich von einem Verkäufer bestürmt zu werden.

Schlepper gibt es natürlich aber auch hier – und Michaels Theorie, wie man sich solcher Schlepper am besten entledigt, erweist sich in der Praxis als schlicht falsch. Michael meint nämlich, man müsse nur einen unmöglich erscheinenden Wunsch äußern, und dann würde der Schlepper von sich aus kapitulieren.

Konkret heißt das: Michel fragt den Mann, der sich uns andienen will, ob es irgendwo einen Zylinderhut zu kaufen gebe. Das Ergebnis: Unser Schlepper führt uns zu einigen infrage kommenden Textilläden, auch aus dem eigentlichen Basar heraus, aber natürlich ohne Ergebnis. Und auch, nachdem ihn Michael mit zwei Millionen Lira, ein in Augen unseres Begleiters natürlich zu geringer Betrag, abgefunden zu haben glaubt, weicht er uns nicht von der Seite, bis wir in jenes Ledergeschäft flüchten, das als Treffpunkt unserer Reisegruppe dient.

Erst einige Minuten später können wir uns wieder unbehelligt auf den Weg in den Basar machen, nun wieder in den rötlichen langgezogenen Backsteinbau der Karawansei, wohl der ursprünglichste Teil des Basars. Heute sind in den Gewölben die „besseren“ Geschäfte untergebracht, die Läden, für die sich Touristen noch am ehesten interessieren: Kristallläden, Schmuckgeschäfte, Antiquariate, wo ich sogar ein alten Schweizer Juristenhandbuch entdecke, das aber vermutlich noch lange auf einen Käufer warten dürfte. Für 6,5 Millionen Lira – gefordert hatte der Händler 7,5 Millionen – kaufe ich eine Kupfermünze aus osmanischer Zeit, ein 40-Kurtulus-Stück, nach islamischer Zeitrechnung Jahrgang 1255.

Gegen 17 Uhr verlassen wir Izmir wieder, sind kurz nach 18 Uhr wieder im Altin Yunus.

Donnerstag, 5. April 2001: Insel CHIOS (Griechenland): Chios-Stadt – Nea Moni – Mesta – Pyrgi – Chios – Cesme 

Kurz nach acht Uhr morgens sind wir im Fährhafen von Cesme, um unsere Tickets für die Überfahrt auf die griechische Ägäis-Insel Chios zu kaufen. 30 US-$ kosten Hin- und Rückfahrt, und um neun Uhr soll die Fähre in See stechen.

Die türkische Passkontrolle macht jedoch die Hoffnung auf eine pünktliche Abfahrt zunichte. Um neun Uhr wird nämlich überhaupt erst der Schalter geöffnet, und auch wenn nur wenige Fahrgäste auf das Schiff wollen, insgesamt nicht einmal 20 Personen, zieht sich die Kontrolle nun doch über eine halbe Stunde hin, weil jede einzelne Pass- oder Ausweisnummer n den Computer eingegeben werden muss. Und als endlich alle Fahrgäste an Bord sind, müssen wir auf den Kapitän warten, der immer noch irgendwelche Formalitäten in der Grenzstation zu erledigen hat. Erst kurz nach zehn Uhr werden die Leinen Los gemacht, kann unser Griechenland-Ausflug mit einer guten Stunde Verspätung beginnen.

Erst beim Auslaufen aus dem Hafen von Cesme erkennt man die tatsächlichen Ausmaße der alten Genuesen-Festung, die wir bereits bei unserem ersten Cesme-Besuch gesehen hatten. Doch nun nimmt man auch hinter der zum Hafen liegenden Festungsmauer den Burghof war, auf den dann eine die eigentliche Festung schützende weitere Mauer folgt. Wer immer diese Mauer überwunden hätte, wäre also lediglich in eine tödliche Falle gelaufen.

Etwas mehr als eine Stunde dauert die Überfahrt. Chios erscheint zunächst als eine – außerhalb der Hauptstadt – fast unbewohnte Insel, bestehend lediglich aus kargen, nackten Höhenzügen. Erst später entdeckt man auf den Bergen der Südseite kleine vereinzelte Haine, während der Norden auch bei größerer Nähe nichts von seiner Kargheit einbüßt.

Ein Kirchturm und ein Minarett ragen über Häuser der Hafenpromenade hinaus: Chios-Stadt scheint – zumindest zu dieser Jahreszeit – ein gemächliches Fleckchen zu sein, und auch von den zahlreichen Cafés im Hafengebiet verbreiten keinerlei Anfälle von hektischer Betriebsamkeit. 

Nach den Grenzformalitäten – Pass vorzeigen und an der Zollkontrolle vorbeilaufen – suchen wir die Tourismusinformation am Hafen auf, tauschen etwas Geld und kaufen uns eine Landkarte der Insel. Dann gehen wir kurz hinter dem Hafen zum zu dem Zentralplatz, trinken noch einen Kaffee – und steigen dann für unsere af drei Stunden angesetzte Inselrundfahrt ins Taxi.

4000 Drachmen pro Stunde nimmt unser noch junger Fahrer, der sagt, schon sein Vater und sein Großvater hätten als Taxifahrer gearbeitet. Er selbst sei, bevor er ins Taxigewerbe eingestiegen ist, acht Jahre zur See gefahren. Tatsächlich schreiben auch die Reiseführer, dass Chios die Heimatinsel vieler griechischer Seeleute ist.

Wir verlassen die Stadt in westlicher Richtung, wollen zunächst in das Kloster Nea Moni, dass nämlich um 13 Uhr seine Pforten schließt. Die Hügel steigen langsam an, wir schauen auf kleine Täler, sehen die erste Ziegenherde, die die Straßenherde passiert. Dann blicken wir in einem verschlungenen Tal unterhalb der Straße auf die grauen Feldsteinmauern und roten Ziegeldächer der aus dem 11. Jahrhundert stammenden Klosteranlage.

Ein kleiner Teil der Anlage ist zum archäologischen Grabungsgebiet geworden, halb zerfallene Wirtschaftsgebäude werden gerade rekonstruiert und es gibt ein kleines Museum, das zu besuchen uns allerdings die Zeit fehlt – doch vor allem ist die alte Kirche mit ihren noch halb erhaltenen Kuppelmalereien, den auf Lesepulten aufgeschlagenen liegenden Büchern und den Ikonen nach wie vor ein aktives Kloster. Eine alte Nonne spricht uns an, wobei sie aber eben nur Griechisch spricht, sich uns also nicht verständlich machen kann, aber jedenfalls gebe ich eine kleine Spende für den Erhalt des Klosters, trage uns in das große Gästebuch ein.

Avgonyma heißt die erste Ortschaft, die wir bei unser Weiterfahrt in den Süden der Insel passieren: Ein Dorf mit abweisend wirkenden Feldsteinhäusern, jedes nur mit einem kleinen Fenster auf der dem Umland zugewandten Seite, fast, als sollte jedes Gebäude seine eigene wehrhafte Burg sein.

Wir fahren die Küstenstraße entlang, kommen an romantischen Buchten mit absolut einsamen Stränden vorbei. Das Wasser hat einen grünlichen Schimmer und sieht ausgesprochen einladend ein. Allerdings gibt es an diesen Stränden in der Regel auch nicht einen einzigen Baum, der einem Besucher Schatten spenden könnte.

Schließlich erreichen wir Mesta, eines der größeren Dörfer der Insel, wo wir für einen Kaffee und einen Rundgang einen längeren Stopp einlegen. Mestas Häuser sind eng aneinander gebaut, der ganze Ort ist eine in sich verschlungene Festung. Mitunter ersetzen in dieser Dorfanlage massiv gemauerte Tunnel die Straßen – und da, wo es Straßen gibt, sind sie in der Regel so schmal, dass man mit ausgebreiteten Armen die Häuser links und rechts gleichzeitig berühren kann.

In der Mitte befindet sich – eigentlich selbstverständlich – die Kirche und der Dorfplatz mit dem einzigen Kaffee, dass wir in dem Ort entdecken. Mesta wäre sein Lieblingsort auf Chios, sagt unser Fahrer – und irgend wann einmal würde er sich hier ein Haus kaufen wollen. So romantisch Mesta auf den Besucher auch wirkt: Zumindest am Dorfrand arten einige bereits zerfallende Gebäude offensichtlich tatsächlich auf neue Besitzer.

Pyrgi, unser nächstes Ziel, ist der Hauport des Südteils und um einiges größer als Mesta. Auch die Gassen sind wesentlich breiter, so dass wir hier mit dem Auto direkt bis zur Kirche und dem Dorfplatz fahren können – wobei ein Lastwagen auch hier kaum eine Chance hätte, hindurch zu kommen.

War Mesta ein Festungsdorf, so gibt sich Pyrgi als ein Schmuckdorf – wo der Ehrgeiz der Bewohner darin zu bestehen scheint, das prachtvollste und am einfallsreichsten gestaltete Haus zu haben. Sämtliche Fassaden, sowohl von der Kirche als vom unscheinbarsten Wohnhaus,  im Ort mit allen möglichen geometrischen Mustern bedeckt – ganz so, als wären sie gekachelt.

Wir fahren nun wieder hoch in den Norden, passieren kurz vor Chios-Stadt blühende Zitronen- und Apfelsinenfelder, sind dann nach dreieinhalbstündiger Rundfahrt wieder am Hafen.

Aber wir haben noch etwas Zeit für einen Spaziergang durch den alten Stadtteil Kastro. Wir laufen die mächtige alte Stadtmauer bis zu dem früheren Stadttor entlang  Der Eingang durch das Tor verläuft allerdings nicht geradeaus, sondern hinter dem Tor geht es nach links in die alte Innenstadt – eine bei Festungen nicht ungewöhnliche zusätzliche Sicherungsmaßnahme, den Zugang möglichst schwer passierbar zu machen.

Innerhalb dieser Mauern ist ein ruhiger Stadtteil, fast ganz ohne Autos, weil die Straßen zu schmal sind, ein- bis zweistöckige Häuser, viele mit Vorgarten, andere aber bereits zu Ruinen verfallen – eine Mischung zwischen Idylle und Zerfall.

Um 16.30 Uhr beginnt das Einschecken für die Rückfahrt zunächst damit, dass wir die 100 Drachmen Hafengebühr pro Person bezahlen müssen, dann noch einmal zur Passkontrolle – und um 17 Uhr legt die Fähre wieder ab Richtung Cesme.

Freitag, 6. April 2001: Ilica

Ein fauler Tag im Hotel zwischen Warmwasserpool und Sauna, am Nachmittag noch mit einem Spaziergang über die Landzunge.

Samstag, 7. April 2001: Alacati – Cesme 

In Alacati, einer kleinen Landgemeinde bei Cesme, ist heute Wochenmarkt. Wir wollten zwar ohnehin den Ort besuchen – aber der Markt erhöht natürlich die Attraktivität. 

Alacatis Wochenmarkt ist um einiges größer als der von Cesme, zumindest, was seine flächenmäßige Ausdehnung betrifft. Neben Obst, Gemüse, unendlich viel Käse, Blumen, den obligatorischen Haushaltswaren gibt es ein reichhaltiges Billigangebot an Textilien, Tischdecken usw. Sogar ein Teppich“geschäft“ hat als Marktstand geöffnet.

Mittelpunkt von Alacati ist die Moschee mit einem Vorplatz, an dem drei Cafés geöffnet haben, man nun im Schatten unter einem „Dach“ aus Weinreben sitzt. Der Boden dieses Vorplatzes ist als Mosaik mit schwarzen Ornamenten gearbeitet, ähnlich, wie wir es auf Chios gesehen haben. Tatsächlich war Alacati zu osmanischer Zeit laut der mit Erklärungen versehenen Cesme-Karte des Tourismusbüros eine weitgehend griechische Gemeinde – und davon zeugt auch die Moschee selbst. Der Grundriss der Moschee lässt nämlich eindeutig ein Kirchenschiff erkennen – an das dann eben irgendwann einmal das Minarett gesetzt wurde.

Zwischen den Cafés am Vorplatz gibt es noch einige weitere kleinere Geschäfte, eingebaut in die ehemaligen Kirchenräume, darunter auch eine Fleischerei. Kurz vor 13.30 Uhr schließt der Fleischer seinen Laden – um dann als Muezzin die Gläubigen zum Gebet zu rufen. Keiner der Einheimischen lässt sich dadurch aber von seinen Alltagsgeschäften abhalten, und auch am Tisch neben uns spielen die beiden dort am Tisch sitzenden Türken weiter ungerührt ihre Partie Tavlar.

Alacati ist ein Ort der weiß getünchten Häuser – und an etlichen sieht man auch noch die hölzernen Balkone. Bei unserem Rundgang stoßen wir an unserem Ortsrand noch auf eine zweite Moschee, diesmal die ursprüngliche Moschee, weit kleiner als die im Ortsmittelpunkt, aber eben von Anfang an als Moschee gebaut, mit einem kleinen islamischen Friedhof daneben.

Bevor wir Alacati verlassen, besichtigen wir noch die vier altertümlichen Windmühlen, die auf einer Anhöhe vor dem Ortseingang stehen. Die runden Außenmauern aus Feldstein sind zwar rekonstruiert wurden – das Innere der Mühlen hat man bei den Rekonstruktionsarbeiten bisher aber übersehen. In der einzigen unverschlossenen Mühle führt zwar eine steinerne Wendeltreppe drei Meter hoch bis unter das halb verfallene Dach, mehr ist aber nicht zu sehen.

Mit dem Dolmus fahren wir nach Cesme, um noch etwas Geld zu tauschen, nehmen dann den Weg, der gleich am Stadteingang links in die Berge hoch führt. Nach etwa hundert Metern befinden wir uns in einem der noch ursprünglichen Ortsteile, kommen an einem Brunn3nbau aus osmanischer Zeit vorbei, der – nun mit moderner Wasserleitung und Schlauch – noch immer als Wasserspender dient.

Schließlich stehen wir vor einer eher kleinen, aber wohl schon älteren Moschee, neben der ein relativ großer Friedhof mit zahlreichen Grabmälern aus weißem Marmor. Interessant: Auf etlichen Grabsteinen wird als Geburtsjahr der Verstorbenen „13..“ angegeben, verstorben dann „19..“ auf einigen auch 2000. So findet man die islamische Zeitrechnung, die als offizielle Zeitrechnung für die Türkei von Ata Türk abgeschafft wurde, und die christliche Zeitrechnung auf den Grabmälern vereint.

Schließlich endet unser Rundweg wieder am Hafen, wo wir in einem einheimischen Lokal noch einen Tee trinken – und nicht bezahlen müssen, weil wir, als die einzigen Europäer, völlig unerwartet als „Gäste des Hauses“ gelten.

Danach fahren wir mit dem Dolmus wieder zurück in unser Hotel.

Sonntag, 8. April 2001: Ilica

Etwa 45 Minuten laufen wir vom Altin Yunus bis zum Ortskern und der Hafenanlage von Ilica. In Ilica gibt es im Meer ein natürliches Thermalbad, das wir besuchen wollen.

Die Thermalquelle liegt genau an der Hafenmole, das Gestein im Wasser trennt das heiße vom „kalten“ Wasser, bildet eine natürliche Badewanne, die nicht nur von Touristen, sondern auch von Einheimischen gern besucht wird.

Die „Badewanne“ misst eine Länge von nicht ganz zehn Metern, ist vielleicht drei Meter breit – und das Wasser in ihr weist von vielleicht 40 Grad an alle möglichen Temperaturen aus, ist an verschiedenen Stellen sogar fast kochend heiß. Es weht ein recht kühler Wind – aber in dem dampfenden Wasser lässt es sich gut aushalten.

Vor unserem Bad im heißen Wasser hatte uns ein älterer Türke angesprochen – „Gastarbeiter Achmed“ – der lange Zeit in Deutschland gelebt hat und nun gegenüber dem Sheraton-Hotel in Ilica ein Restaurant betreibt. Hier essen wir Mittag, mieten uns dann bei Hanye Tours – die Agentur gehört Achmeds Schwager – für Montag und Dienstag ein Auto und buchen für Mittwoch einen Ausflug nach Pergamon. Für den Wagen, einen türkischen Fiat, zahlen wir 70 Mark pro Tag, die Pergamon-Tour kostet 65 Mark pro Person. Im gegenüberliegenden Foto-Shop gebe ich meine drei bisher verknipsten Filme zur Entwicklung. Übermorgen sollen sie fertig sein – für 6000 Lira, also knapp 12 Mark pro Film.

Montag, 9. April 2001: Seferihisar –  Sigacik (Teos) – Doganbey – Gümussü – Özdere – Selcuk (Ephesos) – Degirmende – Izmir – Ilica 

Unser Wagen wir mit etwa zehnminütiger Verspätung geliefert. Bevor wir nun aber nach Teos aufbrechen können, müssen wir erst noch einmal nach Ilica, den Mann, der uns den Wagen brachte, bei Hanye Tours abliefern. Nachdem das erledigt und unser Auto, ein Fiat türkischer Produktion, aufgetankt ist, geht es über die Izmir-Autobahn bis zur Ausfahrt Seferihisar – Maut: 750.000 TL -, dann weiter über die Landstraße in das Marktstädtchen hinein.

Das Auffälligste an Seferihisar ist die ausgesprochene Bauwut, die hier – wie vielerorts an der Ägäis-Küste – ausgebrochen sein muss. Von der Autobahn kommend hatten wir zunächst eine zutiefst ländliche Gegend passiert, auch einige Schaf- und Ziegenherden gesehen, um dann, praktisch unvermittelt auf der grünen Wiese, auf halbfertige Neubausiedlungen gleichförmiger Mietshäuser zu stoßen. Die erweisen sich nun als die künftigen Vororte eines ausufernden Marktfleckens, dessen „türkischster“ Bau noch eine dreistöckige, doch ziemlich große Moschee zu sein scheint.

Wir nehmen nun den Abzweig nach Sigacik, wenn auch als Stadt bezeichnet eher ein Dorf, das wir nach wenigen Minuten erreichen. Der Ortskern ist umgeben von einer nicht viel mehr als zwei Meter hohen, aber doch sehr dicken Feldsteinmauer, die Sigacic zur Zeit der Herrschaft der Genuesen vor 600 Jahren den Eindruck einer Stadt gegeben haben mag, obwohl es kaum je mehr als ein Fischerdorf gewesen sein dürfte.

Kaum zehn Minuten dauert von dem intakten Stadttor aus die Durchquerung der stillen Straßen mit den kleinen Häuschen, viele mit einem Garten – dann erreicht man das halb zerfallene Tor, das nun direkt zu dem Hafenbecken führt. Von hier aus sieht man auf die weite Bucht, auf dem Meer schwimmen einige wenige Fischerboote.

Wir unterhalten uns noch kurz mit dem Besitzer eines Fischrestaurants, der 16 Jahre in Hamburg gearbeitet hat, hier nun ab und zu von früheren Kollegen besucht wird und ansonsten auf die Saison wartet. Der Tourismus hat Sigacik bisher allerdings nur am Rande gestreift.

Unser Ziel sind die bei Sigacik gelegenen Ruinen des antiken griechischen Teos – und um dorthin zu gelangen, fahren wir nun die Asphaltstraße hoch in die Berge, wo das Asphalt bald zu Schotter wird, wir zunähst auch einen gut ausgebauten Picknickplatz zu sehen bekommen, nur die Ruinen nirgends entdecken können. Ausgeschildert ist hier nämlich gar nichts!

Zumindest den Dionysos-Tempel – vielmehr das, was von ihm übrig geblieben ist – finden wir der Schotterpiste folgend dann doch noch. Im Gras und Gebüsch erheben sich zwei Säulen, das Fundament ist noch gut erhalten, einige Kapitelle und Säulenreste liegen auf dem Boden. Einige entfernt liegende Steine lassen die ursprünglichen Umrisse der Tempelanlage erkennen.

Besucher verirren sich nicht sehr viele hierher. Während unseres Stopps steigen lediglich zwei türkische Touristen aus ihrem Auto. 

Doganbey, Gümussü und Özdere sind die nächsten größeren Orte, durch die wir bei unserer Weiterfahrt Richtung Ephesus kommen. Die Straße führt immer an der Küste entlang, vorbei an weiten von Felsen umrandeten Buchten und einsamen Stränden. Der Karte nach sollten hier nur drei kleine Fischerdörfer oder Städtchen auf der Strecke liegen – tatsächlich aber haben sich diese Orte zu Touristenzentren entwickelt mit – kleineren – Hotels und größeren Feriensiedlungen, ähnlich gebaut wie die in Ilica und Cesme, wenn auch noch etwas kleiner.

Das antike Ephesos, auch Epheseus oder Ephesus, lag einst auch unmittelbar am Meer. Nun geht es einige Kilometer landeinwärts zu den Ruinen der griechischen Stadt, die zum Zentrum des römischen Ostens und des frühen Christentums wurde.

Unser Streifzug durch Ephesos beginnt an einem Denkmal der christlichen Geschichte, an der etwas abseits der antiken Stadt gelegenen Höhle der sieben Schläfer. Die Legende erzählt: Sieben junge Christen flohen vor den Christenverfolgungen des dritten Jahrhunderts in eine Höhle nahe der Stadt, die Höhle wurde zugemauert, die Christen schliefen 200 Jahre lang, und wurden, als das Christentum zur Staatsreligion geworden war, aus ihrem selbstgewählten Gefängnis befreit.

Von einer richtigen Höhle ist heute nicht mehr viel zu sehen, dafür von einer Basilika, die in den Felsen hineingesetzt wurde. Doch die nun ohne Dach dastehenden Mauern des Kirchenschiffes sind durch einen Zaun abgesperrt. Wegen drohender Zerstörungen sei die Höhle der sieben Schläfer auf Wunsch der türkischen Antiken-Verwaltung gesperrt worden, informiert ein Hinweisschild die Besucher. Auffällig: In den Zaun sind etliche weiße Tücher eingebunden, ein Symbol der Dankbarkeit für die eine oder andere göttliche Wohltat.

Bevor wir nun zur eigentlichen antiken Stadt weiterfahren, trinken wir in einem Restaurant unterhalb der Höhle noch einen Tee. Das Restaurant sieht aus wie ein Gasthaus aus osmanischer Zeit: Frauen in Pluderhosen sitzen am Ofen, rollen den Teig, der dann auf das Eisen über dem Feuer gelegt, anschließend den Gästen als frisches Brot serviert wird.

Wir halten auf dem Parkplatz von Ephesos, werden aber gleich von einem Schlepper angesprochen, dass dies gar nicht der Eingang in die antike Stadt wäre, sondern nur der Ausgang. Hier würden angeblich nur die Touristenbusse warten, damit die Ephesos-Besucher nicht den ganzen Weg – immerhin drei Stunden – zurücklaufen müssten. Aber mit dem Service-Auto würde man uns kostenlos zum Eingang kutschieren. Die einzige Gegenleistung, die wir dafür zu erbringen hätten: Ein kurzer Abstecher in die benachbarte halbstaatliche Schmuckfabrik. Dafür bekäme unser selbstloser Fahrer dann nämlich Punkte angerechnet.

Ich bin skeptisch, zumal wir gar nicht wissen, wie weit diese „Fabrik“ vom Eingang ins antike Ephesos entfernt ist, kann mich mit meinen Bedenken aber nicht durchsetzen. Die Fabrik ist tatsächlich etwa zwei Kilometer entfernt – und vor allem ein großes Schmuckgeschäft, weniger eine Fabrik, und wir werden auch sofort von einer Horde Verkäufer bestürmt.

Die Schmuckartikel sind allerdings wirklich eine Augenweide – und für 400 Mark, ursprüngliche Forderung 480 Mark, kaufe ich einen Aquamarinanhänger an einer Weißgoldkette. Als wir das Geschäft verlassen, ist unser Schlepper natürlich schon verschwunden. Ziemlich wütend gehe ich in das Geschäft zurück, treibe einen unserer Verkäufer auf – und der setzt uns, mittlerweile ebenfalls ziemlich ärgerlich, in ein Auto, das uns zu dem richtigen Eingang bringt.

Wir zahlen unsere 16 Millionen Lira Eintritt pro Person, beginnen unseren Rundgang dann an einem der ersten Höhepunkte, dem neben den Ruinen der Varius-Thermen gelegenen Odeon, dem kleineren, einst überdachten, Theater und Sitzungssaal der Stadt.

Obwohl seit Jahrhunderten unbewohnt ist Ephesos noch immer eine internationale Metropole: Touristengruppen aus Japan, Amerika und allen möglichen Ländern werden zu Scharen durch die Stadt geführt; vor jedem halbwegs intakten Gebäude erklärt ein Fremdenführer in der Sprache seiner Gäste die ursprüngliche Funktion. Das ist das glatte Gegenteil von Erythrai oder Theos, wo man sich noch ungestört in die Vergangenheit versetzen kann.

Aber auch in Ephesos sind es schließlich die kleineren Dinge, die zwischen den Bauten entlang der prachtvollen Hauptstraße ins Auge springen: Eine fein gearbeitete Statue eines vornehmen Römers, jede Falte in der Toga erkennbar, das ganze leider ohne Kopf oder aber ein Männer- und ein Frauen Relief auf einem Marmorblock.

Die Hauptstraße führt zu der Attraktion von Ephesos, zu der zweistöckigen Fassade der Celus-Bibliothek, dem Motiv aller Ephesos-Führer, ebenfalls mit einer immer noch schön erhaltenen weiblichen Statue inmitten der Säulen und dem benachbarten Herkules-Tor, das zu dem nun weitgehend freien Feld der Staatsagora führt.

Der letzte Großbau auf unserem Rundgang, der übrigens nicht drei Stunden, sondern nur etwa 90 Minuten dauert, ist das alte Theater, in dem die Touristenführer nun mit allen möglichen Deklamationen die herausragende Akustik vorführen.

Von dem alten Stadtkern fahren wir nun wieder vorbei an der Höhle der sieben Schläfer zum „Haus der Jungfrau Maria“, das etwa sieben Kilometer entfernt liegt. Das christliche Denkmal liegt nun inmitten eines Parks – und ist eigentlich nichts weiter als eine kleine aus zwei Räumen bestehende Feldsteinkirche voller Ikonen und Dankesgaben. Errichtet wurde diese Kirche, so viel zur archäologischen Absicherung, auf den Resten eines Wohnhauses, das auf das erste Jahrhundert datiert wurde. Und weil nach der Bibel Maria wahrscheinlich von dem Apostel Johannes mit nach Ephesos genommen wurde, wurde dieses Gebäude dann zur letzten Wohnstätte Marias erklärt und zur regelrechten Wallfahrtstätte.

Nun sitzt ein Priester oder Mönch gleich neben dem Eingang, vertieft in seine Bibel, während die Massen an ihm vorbei zu dem Altar ziehen. Auch die islamischen Gläubigen haben sich hier verewigt – mit Koranssuren über die Mutter von Jesus.

Unsere letzte Station in Ephesos ist jene Säule, die auf morastigem Grund als letztes Überbleibsel des Artemis-Tempels stehen geblieben – besser: wieder aufgerichtet – worden ist: Ein trauriger Rest von dem Monumentalbau, der einst zu den sieben Weltwundern der Antike zählte. Über das freie Feld blickt man auf eine Moschee, auf die auf einem Berg liegende Festung aus byzantinischer Zeit und schließlich noch die Basilika des Johannes, von der auch nur noch wenige Säulen stehen.

Wir fahren wieder zur Küste, biegen dann aber auf die Straße nach Degirmende ab, kommen durch eine bergige landwirtschaftlich geprägte Region mit zahlreichen Gewächshäusern, gelangen dann auf die Autobahn nach Izmir, von wo aus wir – bei strömendem Regen, zurück nach Ilica fahren. Auch in der Nacht regnet es heftig weiter,

Dienstag, 10. April 2001: Cesme – Dalyan – lldir – Kücükbahce – Yaylaköy – Karaburun – Mordogan

Unsere Erkundungstour über die Halbinsel Cesme beginnt in Cesme-Stadt, wo wir zunächst einmal Geld tauschen müssen. Dann fahren wir die Straße entlang, die westlich am Hafen vorbeiführt, kommen an etlichen Hotels vorbei, stehen dann an der Steilküste, von der aus man auf das gegenüberliegende Chios sieht.

Der nächste Abstecher soll uns nach Dalyan führen, ein kleiner Ort auf einer Landzunge vor Cesme, wo laut Karte des Fremdenverkehrsbüros ein Leuchtturm und auch einige Ruinen einer älteren Ortschaft stehen sollen. Tatsächlich endet dieser Abstecher am Rande des Neubaugebietes von Dalyan, an einer Wiese, auf der die Kühe weiden, an einem Punkt, von der man auf die Bucht herabschaut – aber von einem Leuchtturm oder von Ruinen nichts zu sehen ist.

Mittags sitzen wir wieder im Restaurant Mutlu in Ildir, in dem wir schon nach unserem Besuch der Ruinen von Erythrai gegessen hatten. Weiter nördlich sollen, wieder laut Karte des Fremdenverkehrsbüros von Cesme, die Ruinen des Ortes Karareis liegen, die wir als nächstes ansehen wollen.

Die Straße aus Cesme hinaus führt zunächst zu einer Fischfarm, die allerdings nicht besichtigt werden darf, dann durch eine karge, hügelige Landschaft zu einem Neubauort mit dem Namen Gerence Köyü, wo wir einen der Arbeiter der Fischfarm absetzen und schließlich zurück zur Küste, in deren kleinen Buchten mitunter einzelne Häuser und kleinere Fischfarmen stehen. Wer einsame Strände sucht, könnte hier fündig werden: Zwar gibt es keinen Sand, sondern nur Kieselstrand, aber kaum ein Mensch scheint sich hierher zum Baden zu verirren.

Die Karareis-Ruinen sollten laut Karte noch vor Kücükbahce, dem nächsten größeren Ort unmittelbar an der Küste, liegen und sollten von der Straße aus zu sehen sein. Tatsächlich passieren wir nur die Gebäude einer Landwirtschaftskooperative. Erst allmählich dämmert uns, dass mit den Ruinenstätten unserer Karte keine antiken Ruinenfelder, sondern aufgegebene Dörfer gemeint sind. Und einige dieser aufgegebenen Dörfer werden eben von landwirtschaftlichen Kooperativen genutzt.

Kücükbahce selbst besteht aus einigen Bungalow-Siedlungen – offensichtlich Ferienhäuser für Einheimische, wie sie überall an der türkischen Ägäisküste aus dem Boden sprießen. Wir gelangen nun in die Berge, fahren über Serpentinen, kommen an niedrigen halbrunden Feldsteinbauten vorbei – Ziegenställe. Hier oben weiden etliche Ziegenherden, und als ich aus dem Auto aussteige, kommt mir ein Schäfer entgegen, mit dem ich eine Zigarette rauche. Der Mann hat gerade zwei frisch geschlachtete Lämmer von der Weide gebracht und eine Ziege im Schlepptau.

Yaylaköy ist der Ort, in dem die Ziegenhirten der Umgebung leben – ein abweisend aissehendes Bergdorf mit engen Gassen und Häusern aus grauen Feldsteinen, ein Ort, in dem noch der Esel das bevorzugte Lasttier zu sein scheint und die Frauen Pluderhosen und Kopftücher tragen.

Schließlich erreichen wir Karaburun, tanken den Wagen auf, nehmen die Küstenstraße an der Bucht von Izmir über Mordogan, trinken noch einen Tee und befinden uns kurz danach auf der Autobahn nach Cesme und Ilica.

Mittwoch, 11. April 2001: Bergama (Pergamon) 

Unsere Tour – diesmal eine geführte Tour von Hayne Tours für 65 Mark pro Person – beginnt um acht Uhr morgens. Hinter Izmir regnet es ständig – so dass wir schon befürchten, unsere Pergamon-Tour würde ein Schlag ins Wasser. Glücklicherweise hört der Regen dann doch irgendwann auf – obwohl des den Tag über ziemlich kühl und bewölkt bleibt.

Bergama, der neue Name des antiken Pergamon, der von Alexander dem Großen gegründeten kleinasiatischen Metropole, ist eine noch weitgehend ursprüngliche türkische Provinzstadt mit engen Gassen, alten Häusern und fast dörflich anmutenden Ausläufern. Der Unterschied zu Ephesos: In Bergama/Pergamon ist das antike Ruinenfeld nicht von der türkisch/osmanischen Stadt getrennt, beides ist ineinander verwachsen.

Unser erster Stopp ist so fast im Zentrum des Ortes, an der „Roten Halle“, einem massiven Ziegelbau aus der Zeit der Römerherrschaft. Die Rote Halle, so erzählt unser deutsch sprechender Reiseleiter, sei für ägyptische Kulthandlungen errichtet worden, eine Geste, mit der Pergamon seine angespannten Beziehungen zu Ägypten verbessern wollte.

Der Weg zur Akropolis, die von der ganzen Stadt aus gut sichtbar ist, führt steil nach oben, vorbei an einer abgesperrten Militäranlage und ländlichen „Vororten“. Und obwohl die Akropolis von Bergama zu den hundert bedeutendsten Denkmalstätten des Mittelmeerraumes gehört, es natürlich auch hier etliche Besucher gibt, ist sie bei weitem nicht so überlaufen wie das antike Ephesos.

Rund 10.000 Menschen lebten ursprünglich auf dem Burghügel, von dem jetzt aber kaum noch eines der Wohngebäude, sondern fast nur noch die Tempel erhalten sind – vor allem der mächtige Hadrians- oder Trajan-Tempel aus der römischen Zeit. Beieindruckend hier: Eben nicht nur die Säulenhallen auf dem Berg, sondern vor allem die mächtigen Gewölbe unterhalb der Oberfläche, die gigantischen Vorratskammern, die die Römer anlegten.

Nur noch einige steinerne Sitzreihen und die nach wie vor funktionierende Akustik blieben dagegen von dem Theater der Akropolis – während man an der Stelle, wo einst der Zeus-Altar, nun im Berliner Pergamon-Museum, stand, nur noch die Fundamente findet.

Nach dem Mittagessen in der Stadt besuchen wir das Aeskolapion, das alte Krankenhaus, das einst eine eigene Stadt gewesen muss: Selbst ein eigenes Theater, fast vollständig erhalten und immer noch Schauplatz von Kulturveranstaltungen gab es, ein ebenfalls noch erhaltenes Badehaus gigantischen Ausmaßes und natürlich eine Säulenstraße, von der links und rechts nun die Rinder weiden.

Bestandteil unserer organisierten Tour ist auch auf dem Rückweg der fast schon obligatorische Besuch einer Teppichfabrik: Im Vorführraum werden die Kerims, die Teppiche aus Anatolien und der Umgebung von Bergama ausgebreitet – aber weil wir nichts kaufen, ist die Angelegenheit doch recht bald beendet.

Gegen 19.30 Uhr sind wir wieder im Altin Yunus.

Donnerstag, 12. April 2001: Cesme

Shopping in Cesme: Man bekommt den Eindruck, als sei jeder Basarhändler, fast jeder Mitarbeiter eines Imbissstandes schon einmal in Deutschland gewesen. Die Besitzerin des Keramikladens am Hafen ist in Nürnberg aufgewachsen. Der Vater ging mit der Familie zurück in die Türkei, weil die Tochter mit 16 zu einer Freundin ziehen wollte – und nun „rächt“ sich die geschäftstüchtige Tochter, in dem sie ihrem Vater das Raki trinken verbietet.

Unser Lederverkäufer – wir kaufen noch eine Lederweste und eine Seidenlederjacke für zusammen 1200 Mark – kam aus Münster zurück in die Türkei, der Junge vom Dönerstand wuchs in Berlin auf.

Nach Deutschland zu fahren ist alle nicht leicht. Die Verkäuferin im Goldladen berichtet, dass man sich nachts vor dem Konsulat in Izmir anstellen muss, um vielleicht am Nachmittag vorgelassen zu werden. Dann zahlt man 50 Mark Bearbeitungsgebühr – aber eben ohne Garantie, auch ein Visum zu bekommen, weil nicht nur Einladungen, Flugtickets etc. verlangt werden, sondern auch sogenannte „Sicherheiten“, dass die Antragsteller auch wirklich in die Türkei zurückkehren wollen.

Freitag,  13. April 2001:  Cesme  

Den größten Teil des Abreisetages verbringen wir mit Packen und Warten in der Lobby des Altin Yunus.

Um 16.45 Uhr werden wir pünktlich für den Heimflug abgeholt.

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