Wer zwischen dem türkischen Antalya und dem syrischen Palmyra, zwischen Taurusgebirge und Euphrat reist, bewegt sich überall auf den Stätten de Antike...

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Syrien, Türkei: Zwischen Taurus und Euphrat - Basare, Bienenkorbhäuser, antike Stätten

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Osmanische Kleinstadt: In den Mauern der Altstadt von Antalya Anziehungspunkt: Der Hafen von Antalya Hierapolis bei Pamukkale - schon in der Antike beliebter Kurort In der Zitadelle von Aleppo - eine Stadt für sich

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Zu Besuch bei den Tscherkesen von Khanas'ser Drehen sich seit über 2000 Jahren: Hamas Wasserräder Die Säulenstraße von Palmyra - Herzstück der antiken Stadt Am Wüstenschloss Quasr ash Sharki, Treffpunkt der Beduinen

Martialischer Wächter am Tor von Dura Europos

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Viel mehr als die Stadtmauer blieb nicht von Dura Europos

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Reiseroute und beschriebene Orte: Antalya (mit Touren nach Pamukkale, Kemer, PhaselisUlupinar), Myra/Demre, Hatay, Aleppo (mit Tour nach SfeerehKhanas’ser, Fau), Hama, HomsPalmyra (mit Tour nach As-SukhnaQuasr ash Sharki, Mari, Dura Europos, Deirezzor), Krak de Chevalier, Hama, Aleppo, Hatay, Antalya (mit Tour nach Perge und Aspendos)

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Samstag, 14. März 1998: Berlin - Antalya

Die Onur-Maschine startet pünktlich um 21 Uhr von Berlin-Schönefeld, landet kurz vor ein Uhr Ortszeit (nach MEZ um 0.00 Uhr) auf dem Flughafen von Antalya.

Die Verhältnisse an Bord sind beengt, das Essen unter diesen Umständen höchst unbequem, und vom ständigen Luftzug verspüre ich zum ersten mal bei einem Flug Ohrensausen. Aber für die drei Stunden Flugzeit ist es erträglich und bei dem Flugpreis - für Flug und eine Woche im Hotel inklusive Halbpension zahlten wir bei Nazar rund 500 Mark pro Person - muss man solche Widrigkeiten wohl akzeptieren.

Die Grenzformalitäten sind völlig problemlos, trotz langer Schlangen an den Einreiseschaltern gibt es keinerlei nennenswerte Wartezeiten. Gepäckkontrollen finden gar nicht erst statt.

Vom Flughafen kommend passieren wir eine schmale Asphaltstraße mit kleinen Häuschen am Wegesrand, kommen dann ins Neubaugebiet - ein unfertiger Hotelbau neben dem anderen. Gegen 2 Uhr früh sind wir in unserem Hotel, dem "Adonis".

Sonntag, 15. März 1998: Antalya

Morgens sehen wir von unserem Hotelzimmer im neunten Stock auf die Skyline von Antalya - auf Hotelhochhäuser und Appartementbauten. Es sieht so aus, als wäre dies eine völlig neue, moderne Großstadt, ein Handels- und Industriezentrum. Dazu schaut man auf die Steilküste und, auf der anderen Seite der Bucht, auf die schneebedeckten Gipfel des Taurusgebirges.

Das "Adonis" ist ein Grandhotel mit fünf Sternen; die Übernachtung im Doppelzimmer würde für Individualbucher 60 US-$ kosten. Überhaupt sind alle Preise im Hotel in US-$ angegeben - das Türkische Bad, der Friseur und auch die Getränke.

Weil es den ganzen Tag über regnet und ich außerdem verschnupft bin, kommen wir gar nicht aus dem Hotel heraus, sondern verbringen die meiste Zeit schlafend im Zimmer.

Montag, 16. März 1998: Antalya

Es regnet immer noch, als wir gegen 10 Uhr zur Stadtrundfahrt - Kosten: 10,- DM pro Person - aufbrechen.

Die erste Station ist das Nachbarhotel am Strand von Lara, wo noch weitere Gäste abgeholt werden. Die ganze Umgebung besteht nur aus Hotels und Appartementhäusern für Ferienwohnungen, alles neu gebaut.

Auf unserer Weiterfahrt passieren wir nun eine Brücke, unter der sich der Düden als Wasserfall ins Meer stürzt.

Dann geht es an den Resten eines ehemaligen Dorfes - noch gibt es hier die gläsernen Gewächshäuser; aber die Stadt greift nach jedem Flecken Land - zum Flughafen, wo wir ein Lederwaren- und Schmuckzentrum besuchen. Wir schenken uns die Modenschau, stöbern in der Schmuckabteilung, kaufen schließlich für 20 DM ein vergoldetes Glücksauge.

Auf der Fahrt Richtung Stadt kommen wir nun an einfachsten Steinbauten mit dürftigen schiefen Dächern vorbei. Delik, unsere Reiseführerin, bezeichnet diese Hütten als "Nachtbauten". Grund: Wer sich auf öffentlichem Gelände eine Behausung baut und bezogen hat, darf nicht mehr hinausgeworfen werden. So hat der, dessen nächtliches Baugrundstück später tatsächlich als Baugelände für Wohnhäuser oder Hotels ausgewiesen wird, sein Glück gemacht: Der könne als Entschädigung durchaus mit drei oder vier Wohnungen rechnen, sagt Delik.

Unsere nächste Station sind die Wasserfälle des Düden, elf Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Zwei Fälle des Flusses stürzen in eine Felsschlucht in ein klares Wasserbecken - bei besserem Wetter offensichtlich auch ein beliebtes Ausflugsziel der Einheimischen, wie man an den zahlreichen Picknicktischen sieht.

Während der weiteren Fahrt sieht man immer wieder auf die Felsen des Taurus, auf dessen Gipfeln jetzt wieder Schnee liegt.

Nach dem Mittagessen geht es in die Freihandelszone am Industriehafen: Wir besuchen eine Teppichmanufaktur, lassen uns zunächst zeigen, wie die Seide aus Kokons von Schmetterlingen gewonnen wird, beobachten die Arbeiterinnen an den Webstühlen - und kaufen natürlich nach einigem Feilschen schließlich für 2000 Mark einen kleinen Seidenteppich, so fantastisch in der Feinheit seines Musters und seiner Farbenpracht, dass diese Entscheidung absolut spontan fällt. Auch andere aus unserer Reisegruppe weichen von dem eigentlichen Vorsatz ab - und kaufen.

An der Strandstraße - auf ihr übersieht man die ganze Bucht - geht es nun Richtung Altstadt, wo wir am Textilmarkt, dem Hadrianstor und anderen Orientierungspunkten für weitere Erkundungen vorbeikommen.

Gegen 17.30 sind wir dann wieder im Hotel.

Dienstag, 17. März 1998: Antalya

Von unserem Hotel im Stadtteil Konserve wandern wir am Vormittag immer geradeaus die Küstenstraße entlang Richtung Altstadt. Ca. sechs Kilometer soll der Weg lang sein, und nach ungefähr einer Stunde erreichen wir tatsächlich das Zentrum der Stadt.

Auf dem Weg dorthin genießt man die Sicht auf die Felsenküste, das Taurusgebirge und das gegenüberliegende Kemer, das einstige Fischerdorf, nun ein neues Touristenzentrum.

Vom Hadrianstor biegen wir in die ummauerte Altstadt ein. Bedauerlicherweise kann man den mit kunstvollen Reliefen versehenen Bogen des Hadrianstores nicht in aller Ruhe anschauen, ohne ständig von Schleppern und selbsternannten Reiseführern angesprochen zu werden. Also steuern wir rasch in die Gassen der einstöckigen Altstadthäuser - in fast jedem Haus gibt’s ein Café, ein Hotel oder zumindest ein Andenkengeschäft. Trotzdem: Das regnerische Wetter und die feuchten, ungepflasterten Altstadtgassen sorgen für weitgehende Ruhe.

Unmittelbar am Meer steht ein Kastell, dessen Kanonen auf das Wasser schauen, und etwas abseits von hier finden wir auch die Treppen, die hinunter zum alten Hafen führen. An den Molen liegen einige wenige Fischerboote - und vor allem die Yachten, die bei besserem Wetter Touren zu den Düden-Fällen anbieten.

Wir steigen wieder die Stufen hoch zur Küstenstraße, passieren ein Minarett aus roten Backsteinziegeln, das sich hoch über die Altstadtdächer erhebt, kommen am Ata-Türk-Denkmal und am Uhrturm vorbei, und begeben uns dann auf die Suche nach dem Busbahnhof. Schließlich finden wir ein Domus, einen der örtlichen Kleinbusse, der durch die unendlich lange Vorstadt Antalyas zu dem Busbahnhof fährt.

8,5 Millionen Lira zahlen wir für unsere beiden Tickets nach Aleppo; 18 Stunden soll die Fahrt nach Syrien dauern.

Als wir das moderne Bahnhofsgebäude verlassen, regnet es in Strömen und allmählich wird es auch noch kalt. Wir nehmen ein Domus zurück zur City, essen in der Nähe der Altstadt zwei Döner, die einschließlich Cola und Tee allerdings knapp 20 Mark kosten und fahren dann zurück ins Hotel.

Mittwoch, 18. März 1998: Pamukkale

Wir brechen bereits morgens um 6.15 Uhr zu unserer Tagesfahrt nach Pamukkale (40 DM pro Person) auf. Der 290 Kilometer lange Weg führt uns durch das Taurusgebirge, vorbei an zwei langgezogenen Seen, die im Sommer teilweise austrocknen sollen und an einigen kleinen grauen Städten, deren herausragendste Bauten die jeweiligen Moscheen sind.

In der Nacht hat es hier geschneit, die Straßen sind teilweise eisglatt - und wir sehen eine ganze Reihe von Schrottwagen, die nach Unfällen liegengeblieben sind.

Mitunter liegen einige brache Felder am Straßenrand: In dieser Gegend wird Baumwolle angebaut.

Kurz vor 12 Uhr erreichen wir Pamukkale. Der moderne Ort hat - außer Hotels - nichts zu bieten; aber schon von weitem sieht man die weißen Kalksteinfelsen über die Landschaft ragen.

Der Weg zu den Thermalbecken führt an den Ruinen des antiken Hierapolis und den Grabmalen der Nekropole vorbei.. Die Grabmale, stabile Steinbauten in der Größe kleinerer bis mittlerer Häuser, sind fast alle noch gut erhalten, während die wenigen Gebäude der antiken Stadt selbst die Erdbeben der letzten Jahrhunderte nicht so gut überstanden haben.

Zunächst sind jedoch die Thermalbecken in dem völlig weißen Gestein unser Ziel. Das Wasser fließt dampfend den Berg hinunter, sammelt sich in den Becken, die dann - bei besserem Wetter - zum Baden einladen. Momentan jedoch weht ein eisiger Wind, und es schneit schon wieder.

Übrigens sollen die Becken auch nicht mehr so voll gefüllt sein wie in den vergangenen Jahren. Schuld daran, so erklärt unser Reiseleiter, ist das Hotel, das genau auf der Spitze des Felsens steht, und das inzwischen wieder geschlossen wurde. Beim Bau des Hotels hat man nämlich den Wasserlauf im Berg unterbrochen.

Nun besuchen wir die Ruinen von Hierapolis. Am besten erhalten - neben den Grabmälern - ist die "Säulenstraße", zwischen zwei Torbögen gelegen. Einzelne ihrer Marmorkapitelle sehen aus, als hätte ihnen die Zeit nichts anhaben können, sind noch immer strahlend weiß. Das imposanteste Gebäude dieser alten Hauptstraße: Die öffentliche Latrine aus der Zeit der Römer.

Um 13.30 Uhr - wir sind inzwischen völlig durchgefroren - geht es wieder zurück nach Antalya, wo wir um 19 Uhr dann wieder in unserem Hotel sind.

Donnerstag, 19. März 1998: Kemer - Phaselis - Ulupinar

Kurz nach zehn Uhr erleben wir eine unangenehme Überraschung: Wir werden nicht wie geplant zu unserer Fahrt nach Perge abgeholt. Grund: Der Reiseleiter hat einfach zwei unangemeldete Gäste mitgenommen - und damit war der Bus voll, wurde unser Hotel gar nicht mehr angefahren.

Yonca, die verantwortliche Reiseleiterin von Nazar im "Adonis", reagiert überlegt, bucht uns nun auf die 11-Uhr-Tour nach Phaselis um.

Diese Tour führt uns zunächst nach Kemer, wo weitere Gäste abgeholt werden. Wir fahren die Bucht entlang, sehen auf die Felsinseln und im Hintergrund das Taurusgebirge mit dem Tharali-Berg, dem schneebedeckten alles überragenden antiken Olympos.

Kemer selbst erweist sich als reines Touristenstädtchen mit einem Yachthafen und Hotels, Restaurants, einer Einkaufsstraße als Fußgängerzone - und das war es dann. Vom ursprünglichen Fischer- und Bauerndorf Kemer ist kaum etwas übrig geblieben. Lediglich am Ortsrand sind noch einige alte Bauernhäuser aus Felssteinen erhalten, weiden auch noch kleinere Ziegenherden. Immerhin bekommen wir noch etwas Lokalkolorit in Gestalt von Frauen mit Kopftüchern, beschäftigt mit der Apfelsinenernte auf den örtlichen Plantagen, zu Gesicht.

Die Weiterfahrt zum Nationalpark Olympos dauert nur wenige Minuten.

Ihren Überresten nach zu urteilen war die antike Kleinstadt Phaselis alles andere als eine bedeutende Metropole. Aber die Ruinen, darunter ein gut erhaltenes Aquädukt, liegen romantisch zwischen zwei Buchten in einem dichten Pinienwald. Die Säulenstraße verbindet die beiden Buchten - und führt auch zu einem kleinen antiken Theater, das weit besser erhalten als die übrigen Bauten der Stadt ist.

Das Theater misst kaum mehr als 30 Meter im Durchmesser, dürfte in seiner Zeit eher zu den kleinen gehört haben, besticht aber durch seine einmalige Kulisse. Von den Zuschauerreihen aus blickt man nämlich auf den gewaltigen Olympos, der sich in gerade Linie unmittelbar dahinter erhebt.

Zum Mittagessen fahren wir nach Ulupinar, einem kleinen Straßendorf, das zum Zentrum der Forellenzucht geworden ist. Von allen Seiten kommt das Wasser aus den Bergen, wird über ein detailliertes Rohrsystem in die künstlichen Becken geleitet und dient so der Forellenzucht. Hassan, unser Reiseleiter, sagt, dass hier selbst das Leitungswasser klarer und wohlschmeckender als das in den Geschäften zu kaufende Mineralwasser sei.

Nach dem Essen geht es über Kemer wieder zurück nach Antalya.

Freitag, 20. März 1998: Myra/Demre

Über Kemer fahren wir die Straße an der lykischen Küste entlang Richtung Myra. Dieser Teil der Küstenstraße ist geprägt von kleinen Buchten, bei denen das Wasser tiefe Höhlen in den Fels gegraben hat. Überall sieht man Gewächshäuser, Apfelsinenplantagen, mitunter auch Ziegenherden.

Auf unserem Weg passieren wir Fineke, ein ehemaliges Fischerdorf, in dessen Hafen tatsächlich auch noch einige Fischerboote liegen, das sich aber ganz offensichtlich zu einem weiteren Touristenzentrum entwickelt.

Schließlich erreichen wir kurz vor Mittag Myra, gelegen am Demre, einem weitgehend ausgetrockneten Fluss, der aber in der Antike noch schiffbar war.

Myras Attraktion sind die lykischen Felsengräber, in die steilen Hänge geschlagen, aussehend wie kleine Kammern mit "Türen" in gelber Farbe. Stockwerk über Stockwerk liegen diese Gräber, die obersten nur nach mühseliger Klettertour erreichbar. Allerdings: Der Blick auf das Ensemble dieser Gräber hinterlässt einen weit stärkeren Eindruck als die Inaugenscheinnahme der einzelnen Gräber selbst. Falls es in den Innenräume Ornamente und Verzierungen gegeben haben sollte, ist davon jedenfalls nichts mehr zu sehen, die Kammern sind absolut leer.

Die Felsengräber waren Ausdruck des lykischen Glaubens an die Wiedergeburt der Seele, erklärt unsere Reiseleiterin. Dazu spiegelten sie die Hierarchie der lykischen Gesellschaft wieder: Je höher ein Verstorbener stand, desto höher wurde auch sein Grab angelegt.

Nächste Station unseres Myra-Besuches ist die Basilika des heiligen Nikolaus, der hier im vierten Jahrhundert als Bischof residierte. Der Basilikabau selbst ist nicht sonderlich beeindruckend, enthält aber als seinen zentralen Bestandteil den Sarkophag, in dem der Bischof ursprünglich bestattet worden sein soll. Der Sarkophag ist aus weißem Marmor, verziert mit christlichen Ornamenten. Allerdings ist eine gründliche Besichtigung kaum möglich: Ständig drängen neue Touristengruppen an die Sehenswürdigkeit.

Nach dem Mittagessen besuchen wir noch kurz den örtlichen Markt neben der Basilika: Angeboten werden vor allem Plastikwaren aller Art, natürlich Gemüse und auch einige lebende Hühner und Ziegen.

Über Ulupinar, wo wir bereits am Vormittag einen kurzen Stop einlegten und das wir schon vom Vortag her kennen, geht es zurück nach Antalya, wo wir gegen 18 Uhr ankommen.

Samstag, 21. März 1988: Antalya - Richtung Hatay

Den Vormittag verbringen wir mit einem Spaziergang durch unser Viertel Konserve: Die Gegend besteht aus durchaus ansehnlichen Neubauten, offensichtlich für gehobene Appartements. Aber immerhin entdecken wir schließlich per Zufall noch einen einheimischen Markt, der allerdings ziemlich dürftig ist: Etwas Gemüse, die üblichen Plastikwaren und auch einige Teppiche bilden das ganze Angebot. Da es zu regnen anfängt, gehen wir zurück zum "Adonis".

Gegen 17 Uhr nehmen wir ein Taxi zum Busbahnhof. Der HAS-Bus verlässt Antalya fahrplanmäßig pünktlich um 19.30 Uhr Richtung Hatay. Ungewöhnlich ist der Service. Gebäck, Tee und Kaffee werden umsonst gereicht. Unerwartet ist auch die Sauberkeit der türkischen Busbahnhöfe, die alle auch einen kleinen Markt beherbergen.

Soweit wir sehen können, ist die ganze Umgebung von Antalya touristisch erschlossen. Bis nach Alanya reiht sich Hotel an Hotel.

Sonntag, 22. März 1998: Aleppo

Morgens gegen 10 Uhr erreichen wir Hatay, unseren letzten Stop auf türkischer Seite. Eine Stunde warten wir auf den Anschlussbus, dann geht es weiter Richtung syrischer Grenze.

Die Landschaft wechselt ihr Gesicht. Die Berge werden zu felsigen Hügeln, kaum noch bewachsen, die Häuser in den Dörfern sind aus wuchtigen Felssteinen, nur selten noch aus Beton gebaut.

Einige Kilometer vor der Grenze beginnt das militärische Sperrgebiet, durch Stacheldraht abgezäunt. In regelmäßigen Abständen stehen Wachtürme.

Gemessen an dieser martialischen Ankündigung verläuft der Übertritt über die Grenze sowohl auf türkischer wie auch auf syrischer Seite völlig problemlos - und das Gepäck wird nicht einmal stichprobenartig kontrolliert. Allerdings: Der Vermerk der Presseabteilung der syrischen Botschaft in Bonn in meinem Reisepass verschafft mir an der Grenze nun eine besonders höfliche und zuvorkommende Behandlung (wobei man sich über mangelnde Höflichkeit auch sonst nicht zu beschweren braucht). Aber da ich nun meinen Einreisestempel vom Grenzkommandeur persönlich bekommen muss, dauert alles etwas länger, und die übrigen Reisenden müssen gut 15 Minuten auf mich warten.

Der Unterschied zwischen der Türkei und Syrien ist augenfällig. Pferde- und Eselskarren passieren den Weg; die Dörfer machen einen ärmlicheren Eindruck als auf der türkischen Seite. Selbst die Moscheen wirken hier anders: Die Minarette sind hochgezogen, alle von einem Halbmond gekrönt, was in der Türkei nach meiner Beobachtung nicht immer der Fall ist.

Gegen 15 Uhr haben wir uns in Aleppo für 500 syrische Pfund - 10 US-$ - im Hotel "Venicia" einquartiert und unternehmen nun eine erste Stadterkundung.

Zunächst fahren wir mit dem Taxi zur Zitadelle, ein wuchtiger Bau mit mächtigen Mauern, auf einer Anhöhe gelegen. Da die Burganlage jedoch um 16 Uhr geschlossen wird, kommen wir aber nicht mehr zu einer Besichtigung.

Deshalb geht es nun also in die Suqs, die sich unmittelbar unter der Zitadelle ausbreiten. Ein "Stadtführer" - tatsächlich tauscht er uns schwarz für 100 US-$-Travellerschecks 4800 Pfund - führt uns in eine alte Karawansei, ein großes Gehöft mit einem Kuppelbau in seiner Mitte. Der Suq selbst ist klar gegliedert: Eine Straße für die Tuchhändler, eine für die Goldschmiede, für jede "Branche" ein eigener Bereich. Für jemanden, der sich hier auskennt, ist das alles klar überschaubar, für den Ortsunkundigen trotzdem erst einmal ein wahres Labyrinth.

Ungewöhnlich: In einer der überdachten engen Suqstraßen reiht sich Geschäft an Geschäft mit Brautkleidern in weiß, rosa und anderen Farben, die einzelnen Kleider für angeblich nur 50 US-$.

Ein Schüler des örtlichen Goethe-Institutes, der leidlich deutsch spricht, schleppt uns zu einem Silberschmied. Der erzählt, er habe vor 20 Jahren als Kind einige Zeit in Deutschland gelebt, spricht auch wirklich gut deutsch, serviert uns Tee - und verkauft uns schließlich eine handgearbeitete Kette aus Silber und mit etlichen Steinen für 1400 Syrische Pfund.

Unsere Suq-Tour endet am alten Stadttor. In den Nischen der Stadtmauer haben sich Schmiede und andere Handwerker niedergelassen, die hier ihrem Gewerbe nachgehen.

Am Abend suchen wir ein Restaurant, finden aber zunächst keines, dafür aber einen Stand, an dem heiße Teigrollen verkauft werden. Weil der Verkäufer kein Englisch versteht, uns nicht sagen kann, was das kostet, brauchen wir schließlich gar nichts zu zahlen. Die 50 Pfund, die ich ihm anbiete, will er jedenfalls nicht annehmen.

Auf unserer Suche nach einem besseren Hotel als unserem kommen wir nun zum "Baron", das schon von Agatha Christie beschrieben wurde, ein prächtiger kolonialer Bau, mit 40 US-$ Übernachtungspreis allerdings etwas teuer. Im benachbarten Granada-Hotel kostet die Nacht dagegen nur 25 US-$. Morgen werden wir umziehen.

Montag, 23. März 1998: Aleppo

Als erstes, noch vor dem Frühstück, ziehen wir morgens vom Venicia ins Granada, vom "Ein-Stern" ins "Zwei-Sterne-Haus", von 10 $ zu 25 $ pro Nacht. Aber im Granada haben wir wenigstens ein eigenes Badezimmer und endlich warmes Wasser.

Nach dem Umzug machen wir uns auf den Weg zur Zitadelle, fragen einen Polizisten nach der Route - und ein Autofahrer hält an, nimmt uns die Strecke mit. Eine Gegeneinladung zu einem Tee oder Kaffee schlägt er aus: arabische Gastfreundlichkeit!

Der Eintritt in die Zitadelle beträgt 200 Syrische Pfund. Hinter dem Eingang passieren wir ein mächtiges Gewölbe, stehen dann wieder im Freien. Die Zitadelle scheint früher eine regelrechte Stadt mit engen Gassen und Häusern gewesen zu sein. Im Zentrum der Zitadelle sind diese Gassen sogar komplett erhalten, doch an den intakten Außenmauern ist davon nur ein kaum entwirrbares Trümmerfeld übriggeblieben.

Da die Zitadelle auf einer Anhöhe liegt, genießt man vor hier aber einen Rundblick über ganz Aleppo.

Weil es inzwischen zu regnen angefangen hat, flüchten wir in das Café auf der Zitadelle und schreiben Postkarten.

Wieder unten suchen wir nun eine Post, werden dabei von einem vielleicht 14jährigen Jungen angesprochen, der sowohl Englisch wie Deutsch versteht, und uns schließlich zum Postamt führt. Danach lotst uns der Junge wieder in die Suqs; wir kaufen für 125 Syrische Pfund einen Ledergürtel und - natürlich im Geschäft des Vaters unseres Führers - für 700 Pfund eine seidene Tischdecke.

Nun wollen wir ins Hotel zurück, verlaufen uns dabei aber in den Gassen der Altstadt. Hier verkehren kaum noch Autos, dazu sind die Gassen zu eng. Statt dessen setzt man auf Mofas und häufig auch auf Esel, die die Lasten transportieren. Die Häuser sind aus grauen Feldsteinen, haben kahle Außenmauern, aber vor dem ersten Stock oft noch hölzerne Erker, die aber keine Sicht ins Innere erlauben.

Den Abend verbringen wir im Hotel "Baron", trinken Bier und Raki, lernen dabei Walid, den stellvertretenden Manager, kennen, der uns am nächsten Tag für 60 US-$ mit seinem Studebaker, Baujahr 1955, zu den "Bienenkorbdörfern" am Salzsee bringen will.

Das "Baron", ein dreistöckiges Gebäude aus grauem Feldstein, nach dem Schild am Eingang auch vom Automobilclub Deutschland empfohlen, hat eine eigenartige Atmosphäre: Seine Bar gilt als die beste in ganz Syrien - dabei sind die Barhocker längst wackelig geworden und das Leder auf den Sesseln verschlissen.

Dienstag, 24. März 1998: Sfeereh - Khanas’ser - Fau

Unsere 60-US-$-Tour nach Khanas’ser startet um 9.30 Uhr. Walid wartet bereits vor unserem Hotel, als wir gerade vom Frühstück zurückkehren. Allerdings fährt er uns nicht selbst - sondern hat uns ein Taxi und einen Hotelfahrer organisiert.

Sfeereh heißt der erste Ort, den wir auf unserer Tour Richtung Südost durchqueren: Die Häuser sind aus Lehmziegeln, einstöckig, mitunter sieht man bereits einige Bauten im Stil der Bienenkorbhäuser.

Und je weiter wir nach Süden kommen, desto vorherrschender wird diese Bauweise: Runde Gebäude, nach oben spitz zulaufend, meist mehrere dieser Art unmittelbar nebeneinanderstehend oder auch ineinander übergehend.

Die Menschen sind nicht so fotoscheu, wie ich geglaubt hatte: Wenn man freundlich lächelt und ein paar fragende Gesten macht, lassen sie sich bereitwillig fotografieren und filmen - allerdings nur die Männer. Die Frauen drehen sich meist schnell um. Dabei sind hier nur die wenigsten Frauen verschleiert. Die meisten begnügen sich mit einem Kopftuch.

Das Land ist, zunächst noch, prächtig grün, wird später aber karger, dient wohl vor allem als Weidefläche für die zahlreichen Ziegen- und Schafherden.

Schließlich kommen wir an dem großen Salzsee vorbei, der südlich von Aleppo liegt. Auf dem See tummeln sich gut einige Tausend Enten und andere Seevögel.

Gegen 11 Uhr erreichen wir Khanas’ser, nehmen hier zuerst in dem Dorfladen am Ortseingang einen Kaffee. Unser Kommen wird zur Attraktion des Dorfes, zieht nicht nur die Kinder, sondern auch den Dorfpolizisten an. Zahlen brauchen wir für den Kaffee nicht!

Khanas’ser ist ein verschlafener Ort, bewohnt von Tscherkessen, und um die Mittagszeit haben auch die Geschäfte der Suq-Straße geschlossen. Khanas’ser hat nur von sechs Uhr morgens bis zwölf Uhr mittags geöffnet, meint Abu Mohammed, unser Fahrer. Das einzige, was sich von dem Ort etwas abhebt, sind das gelbliche Minarett der Moschee und einige Beduinenzelte am Ortsrand.

Die eigentliche Sehenswürdigkeit von Khanas’ser ist, abgesehen vom Weg dorthin, der Tell, der Berg, auf dem die erste arabische Städtegründung dieser Region stand. Da hier noch keinerlei Ausgrabungen durchgeführt worden sind, entdeckt man Altertümer erst nach genauerem Hinsehen: Hier die Fundamente eines Hauses, da vereinzelte, abgebrochene Stümpfe von Säulen, einmal auch einen Stein mit Ornamenten. Identifizierbar für den Laien ist nur ein einfaches Grabmal, das aber aus späterer Zeit stammen dürfte.

Den gleichen Weg wie wir kamen geht es nun wieder zurück Richtung Aleppo - wobei Sfeereh aber mittlerweile zu hektischem Leben erwacht ist. In der Suqstraße, hier sind alle Geschäfte geöffnet, herrscht ein Verkehrschaos und Gedränge beinahe wie in Aleppo. Allerdings wird hier, soweit wir es bei unserer Durchfahrt vom Auto aus sehen, fast nur Obst und Gemüse verkauft.

Wieder auf der Hauptstraße nehmen wir nun allerdings nicht den Weg nach Aleppo, sondern fahren in entgegengesetzter Richtung nach Osten, erreichen nach einigen Kilometern das Dorf Fau, unsere nächste Station. Wir stellen den Wagen auf dem Friedhof ab, der gleichzeitig als Weideplatz für die Ziegen dient, gehen dann, einen ganzen Tross Kinder im Gefolge, in den Ort, der vollständig aus bienenkorbartigen Häusern besteht.

Von unserem örtlichen Führer, einem jungen Mann, der halbwegs Englisch spricht, werden wir in eines dieser Häuser gebracht. Das Haus, gebaut aus Lehmziegeln und Stroh, steht wie die meisten anderen dieser Art in einem ummauerten Gehöft, verfügt nur über einen einzigen Raum, dessen ganze Ausstattung aus Wollteppichen und einigen Kissen besteht. Die Hausfrau bewirtet uns mit Tee - und auch hier müssen wir nichts zahlen.

Schließlich brechen wir auf; ich verteile an die Kinder noch drei Kugelschreiber, die ich übrig habe - und gegen 16 Uhr sind wir zurück in Aleppo.

Am Abend lasse ich mir noch die Haare schneiden, zahle dem Friseur dafür 150 Syrische Pfund, rund fünf Mark, was meiner Meinung nach aber ein überteuerter Preis für Touristen sein dürfte.

Mittwoch, 25. März 1998: Hama

Walid hat uns Bustickets nach Hama besorgt, berechnet dafür 500 Pfund - er habe Auslagen gehabt, sagt er - und bringt uns nach einem letzten Tee in seinem alten Studebaker zum nahe gelegenen Busbahnhof.

Um 10.30 Uhr geht’s los: Die Straße ist gut, führt durch fruchtbares, bebautes Land; in etlichen Dörfern sehen wir wieder die Bienenkorbhäuser, die in dieser Gegend offensichtlich jedoch nur als Stallungen genutzt werden. Ab und zu stehen Beduinenzelte am Rande der Dörfer.

Nach zwei Stunden Fahrt erreichen wir Hama, nehmen uns - völlig überflüssig - ein Taxi zum Hotel "Riad", das uns Walid empfohlen hat. Das Hotel liegt, so stellt sich heraus, 50 Schritte vom Busbahnhof entfernt, in unmittelbarer Nähe zum Uhrturm und zum Stadtpark, wo wir auch schon die ersten Norias, die hölzernen Wasserräder, sehen.

Schwer knarrend bewegen sich die beiden Ungetüme - ihr Durchmesser mag bei 20 Metern liegen - vorwärts, schaufeln das Wasser des Flusses in die mächtigen Aquädukte.

Eine Querstraße weiter, vielleicht 150 Meter von dem zentralen Platz mit dem Park entfernt, liegt die alte Zitadelle von Hama, die wir als nächstes besteigen. Allerdings ist von der Zitadelle außer einigen Mauerresten am Eingang nichts übrig geblieben. Der Zitadellenberg dient nun als Stadtpark und Kinderspielplatz - und bietet einen Überblick über die Stadt mit ihrer Unzahl von Minaretten, die aus dem ansonsten eher eintönigen Häusermeer herausragen.

Unsere nächste Station ist der Beduinen-Suq, den wir aber erst nach einigem Suchen finden: Auch die Taxifahrer, die wir fragen, scheinen mit dem Stadtplan in unserem deutschsprachigen Reiseführer nichts anfangen zu können - und wir können im Gegenzug ihre arabischen Erklärungsversuche nicht verstehen.

Der Beduinen-Suq bietet aber auch wenig besonderes: Auf einem Markt unter freiem Himmel werden ausschließlich Obst und Gemüse angeboten, in einer überdachten Verkaufsstraße hängen in zwei geöffneten Läden einige Schaffelle, die übrigen Geschäfte sind geschlossen.

Schließlich spazieren wir noch einmal den Fluss, den Orontes, entlang, gelangen dabei zu drei weiteren großen Wasserrädern, von denen eines gerade rekonstruiert wird.

Fantastisch das Bild am Abend: Die Minarette der Stadt sind grün erleuchtet, und auch der Uhrturm und natürlich die Wasserräder werden angestrahlt.

Später holt uns Waled, ein Architekturstudent, den wir am Busbahnhof von Aleppo kennen gelernt haben, zusammen mit einem Freund aus dem Hotel zu einem Tee ab. Später landen wir auch noch in einer Bäckerei, wo wir zu Süßigkeiten eingeladen werden. Doch für meinen Geschmack sind diese Köstlichkeiten leider nur eine undefinierbare klebrige Masse.

Donnerstag, 26. März 1998: Hama - Homs - Palmyra

40 Pfund pro Person kostet uns die halbstündige Busfahrt nach Homs. Allerdings: In Homs müssen wir uns von einem Taxi zu dem anderen Busbahnhof bringen lassen, von dem es dann weiter nach Palmyra geht.

Homs selbst ist eine gesichtslose Stadt aus grauen Bauten - was man von dem zentralen Busbahnhof aber nicht sagen kann. Buntbemalte Busse für alle Richtungen stehen dichtgedrängt, die meisten von ihnen schon mehr als altersschwach, und um den Busbahnhof herum hat sich ein regelrechter lärmender Basar entwickelt.

Knapp drei Stunden dauert die Fahrt in unserem klapprigen und total überfüllten Bus nach Palmyra. Die Gegend ist absolut flach, und je weiter wir uns von Homs entfernen, desto karger wird sie. Am Wegesrand - auch die Straße wird immer schlechter - sehen wir vereinzelte Beduinenzelte. Oft stehen neben diesen Zelten Lastwagen oder Traktoren.

Und dann Palmyra: Schon von weitem heben sich die Säulen der antiken Stadt von der Ebene ab - ein phantastisches Bild.

Wir steigen im Citadel-Motel ab; das Zweibettzimmer kostet pro Nacht 25 US-$. Mohammed, unser Wirt, berichtet, dass er vor fünf Jahren als wissenschaftlicher Assistent an der Uni von Aleppo gearbeitet hat. Nun führt er das Hotel und das Restaurant seines Vaters, eines pensionierten Armeegenerals.

Das "moderne" Palmyra besteht für die Besucher vor allem aus einer Straße, in der sich Hotels, Restaurants und Andenkengeschäfte - vor allem mit Teppichen und Silberwaren - dicht aneinander reihen.

Unser Spaziergang zur antiken Stadt führt zunächst an der Stadtmauer entlang Richtung Zitadelle, die über allem auf einem hohen Berg thront. Die Steine der Stadtmauer sind so weiß, als wäre sie erst vor kurzem errichtet worden. An den flacheren Stellen der Stadtmauer unterdessen kann man über das weitläufige Säulenfeld blicken.

Schließlich kehren wir um, gehen an der Touristeninformation und dem Luxushotel Zenobia vorbei in das antike Palmyra selbst.

Vor einem Tempelbau wartet ein Einheimischer mit einem Kamel: Kameltouren scheinen hier eine besondere Attraktion zu sein.

Zum Abschluss unseres ersten Orientierungsganges spazieren wir die Säulenstraße hinunter. Die Kapitelle sind noch wunderbar erhalten, die vereinzelten Säulen stehen fest, als könnten sie ruhig noch einige Jahrtausende überdauern.

Kurz nach Sonnenuntergang wird es empfindlich kühl. Zum Glück haben wir in unserem Hotelzimmer eine Elektroheizung.

Freitag, 27. März 1998: As-Sukhna - Quasr ash Sharki - Mari - Dura Europos - Deirezzor

Eine halbe Stunde nach sechs Uhr morgens brechen wir zu unserer Euphrat-Tour auf, erreichen nach einer halben Stunde Fahrzeit As-Sukhna, ein um diese Zeit noch völlig verschlafenes ländliches Wüstenstädtchen. Aber trotz der frühen Stunde sitzen bereits einige Leute auf der Straße, haben auch einige wenige Geschäft schon geöffnet.

Einige Kilometer hinter dem Ort verlassen wir die Asphaltstraße, biegen auf verschlungene Wüstenpisten ab. Schließlich erreichen wir unsere erste Station, das Quasr ash Sharki, einst Zentrum eines von den Omajaden angelegten Wildgeheges, von dem aber nur noch die mächtigen rötlichen Außenmauern erhalten sind. Vor dem Wüstenschloss grast friedlich eine Schafherde, in der Nähe stehen einige Beduinenzelte.

Die Wüste blüht, alles ist grün - und hier wachsen sogar Blumen, die wie unsere europäischen Tulpen und Lilien aussehen.

Auf der Weiterfahrt Richtung Deirezzor stoßen wir auf eine Kamelherde aus mindestens 50 Tieren, darunter etliche Kälber von drei und vier Monaten, wie uns ihr Eigentümer, ein alter Beduine, aufklärt. Sein ältestes Kamel, eine Stute, ist bereits 18 Jahre alt. Normalerweise, so sagt er, würden Kamele bis zu 15 Jahre alt.

Wir müssen von der Kamelmilch probieren: Sie schmeckt säuerlich und etwas bitter, ist aber durchaus genießbar.

Der Beduine, so meint Sami, unser Fahrer, sei ein sehr reicher Mann: Ein Kamel koste schließlich nicht unter 50.000 Syrische Pfund, immerhin 1000 US-$.

Wir fahren an Deirezzor vorbei, nehmen die Straße Richtung irakische Grenze. Sami macht uns auf die rot-weißen Wagen aufmerksam, die man nun ständig sieht: Taxis und Transportautos aus dem Irak, die in Plastikkanistern irakisches Benzin über die Grenze bringen und hier in Syrien direkt an die Autofahrer, meist Taxifahrer, verkaufen.

20 Kilometer vor der irakischen Grenze liegen die Reste der alten sumerischen Stadt Mari. Wir zahlen dem Wächter, der sein Amt mit seiner ganzen Familie wahrnimmt und hier auch wohnt, die 100 Pfund Eintritt pro Person, spazieren dann über das Ausgrabungsgelände.

Nur vereinzelt sind durch die verwitterten Lehmziegel die Grundmauern früherer Häuser zu erkennen, hier eine Treppe, da die Reste eines Torbogens. Ansonsten lassen nur die weit auseinanderliegenden Erdwälle etwas von der Größe und der Bedeutung dieser frühen Stadt auf den Hügeln über dem Euphrat erahnen.

Ein Zeltdach schützt den Ausgrabungsplatz des alten Königspalastes. Einige schmale Gänge und eine große Halle: Mehr ist aber auch hier nicht erhalten geblieben.

Wir nehmen im Haus des Pförtners noch einen Tee, fahren dann rund 20 Kilometer zurück zu unserem nächsten Ziel, nach Dura Europos.

Schon von der Hauptstraße aus sieht man die mächtigen Wälle und die Tore der alexandrinischen Stadtgründung. Beim Wächter, einem mit einem Gewehr bewaffneten alten Mann in Beduinentracht, zahlen wir 100 Pfund Eintritt, betreten dann die antike Stadt.

Innerhalb der Stadtmauern ist außer den Fundamenten und Grundmauern einiger Häuser kaum noch etwas übrig geblieben von Dura Europos. Doch dafür hat man überall einen ungestörten Blick auf eben jene mächtigen Stadtwälle mit ihren Türmen und Toren, die noch fast vollständig erhalten sind.

Ein Weg führt quer durch den Ort hindurch. Man steigt auf einen kleinen Hügel, durchquert noch ein Tor, steht dann hoch über dem Euphrat, der breit und träge dahinfließt.

Unsere letzte Station des Tages ist Deirezzor: Hier überqueren wir den Euphrat über die Fußgängerbrücke, eine mindestens hundert Meter lange schmale Hängebrücke mit kunstvoll geschwungenen Bögen, das Wahrzeichen des modernen Deirezzor. In der Mitte des Euphrat liegen einige Inseln, an ihren Ufern wächst Schilfrohr, im Inselinneren sind kleine Gärten angelegt.

Es ist bereits dunkel, als wir zurück nach Palmyra fahren. Endlose Autokolonnen kommen uns entgegen: Die Einheimischen haben den - freien - Freitag beim Picknick in der Wüste verbracht.

Samstag, 28. März 1998: Palmyra

Den Vormittag verbringen wir mit einer Sightseeing-Tour durch das antike Palmyra - zweiter Teil unseres am Vortag begonnenen 160-US-$-Trips.

Zunächst bringt uns unser Wagen zu den Turmgräbern. Eines davon, das höchste und besterhaltenste, ist zur Innenbesichtigung freigegeben - gegen 100 Pfund. Wir schließen uns einer deutschen Reisegruppe an, die ebenfalls gerade eintrifft, und entnehmen so den Erklärungen des Reiseleiters, dass diese Grabtürme die frühste Bestattungsform in Palmyra darstellen. In den unteren Etagen wurden die wichtigeren erwachsenen Familienmitglieder bestattet, in den höheren Etagen die weniger wichtigen. In den einzelnen Kammern konnten bis zu 15 Tote gestapelt werden, womit ein solcher Turm genug Platz für einige Generationen bot.

Ebenfalls gut erhalten ist das "Grab der drei Brüder", das wir als nächstes aufsuchen: Eine Anlage aus drei Gewölben, wieder mit Kammern zum Aufbewahren der Leichen, aber diesmal eben unterirdisch. Diese unterirdische Bestattungsweise, so der Reiseleiter, habe sich ab etwa 100 n.Chr. durchgesetzt.

Der Baal-Tempel - 200 Pfund Eintritt pro Person - ist die beeindruckendste Anlage in Palmyra. Von Säulen und Mauern umgeben liegen auf dem Gelände von der Größe zweier Fußballfelder die steinernen Überreste früherer Teilbauten, einige Kapitelle umgestürzter Säulen und frühere Waschbecken oder Brunnen. An den beiden Enden des Geländes stehen die noch erhaltenen mächtigen Tempelbauten, der hintere mit einer großen Halle versehen.

Nach dem Besuch des Baal-Tempels steuern wir auf die Zitadelle zu, eine Burg aus der islamischen Zeit. Ein einheimischer Wächter führt uns durch den verschlungenen Bau, der ursprünglich 3000 Räume gehabt haben soll. Aus den Schießscharten der Wehrtürme konnten die Bewacher sich einen sicheren Überblick über das unter ihnen liegende Tal und das ganze alte Palmyra verschaffen, und auf dem "Dach" der Zitadelle sieht man noch einige Überreste ihrer früheren Moschee.

Bei klarem Wetter muss die Aussicht bis zum nun winzig erscheinenden Baal-Tempel und darüber hinaus herrlich sein - aber ausgerechnet jetzt fängt es an zu regnen, so dass wir schnell den Rückweg antreten müssen.

Da der Regen den ganzen Tag nicht mehr aufhört, sitzen wir nun stundenlang im Citadell-Café, trinken einen Tee nach dem anderen.

Sonntag, 29. März 1998: Palmyra - Krak de Chevalier - Homs - Aleppo

Vor der Abfahrt aus Palmyra besuchen wir noch einmal die antike Stadt, gehen diesmal durch die Säulenstraße zum Theater. Die Erhaltung des Theaters ist einmalig - wenn auch die Umgrenzungsmauern eindeutig Spuren der Erneuerung aufweisen. Ab und zu, so sagt Sami, würde das Theater auch heute noch für Aufführungen genutzt.

Durch die Wüste - es regnet allerdings, und so ist die Wüste auch hier eine grüne Wiese - geht es nun zum Krak de Chevalier, die größte Kreuzritterburg des Nahen Ostens.

Hinter Homs ändert sich das Landschaftsbild völlig: Es gibt Wälder, Berge, auf denen Schnee liegt, wobei diese Berge aber schon zum Libanon gehören.

Bereits von weitem sieht man auf einem Hügel thronend die mächtigen Mauern des Krak de Chevalier. Eine kurvenreiche Straße geht es hinauf, dann stehen wir vor den Burgwällen.

200 Pfund beträgt der Eintritt in die Anlage. Wir gehen durch mächtige Gewölbe, stehen in riesigen Hallen - und haben für einen kurzen Moment auch einen Rundblick über die Ebene unter uns. Dann fängt es wieder in Strömen an zu regnen.

Montag, 30. April 1998: Aleppo - Hatay - Richtung Antalya

Wir verlassen Aleppo in der Morgendämmerung - und erreichen die Grenze bei strömendem Regen.

Dieser Regen begleitet uns auch die ganze Zeit unseres Aufenthaltes in Hatay. Um neun Uhr sind wir dort, um 16.30 Uhr geht’s weiter. Gerade einen kleinen Abstecher in die nähere Umgebung des Busbahnhofes, um den herum sich ein Markt angesiedelt hat, können wir uns erlauben. Vom Uhrengeschäft bis zum Fleischer - der führt sogar Würste! - ist hier alles zu finden.

Mit einem Bus der Jet-Linie fahren wir weiter nach Antalya. Der Bus gehört einem älteren Türken, seit fünf Jahren Rentner, der knapp 30 Jahre in Deutschland gearbeitet hat. Nun genießt er in seiner Heimatstadt seine Rente, und hat mit dem Mercedes-Bus - 500.000 Mark soll er gekostet haben - seinem Sohn einen sicheren Arbeitsplatz geschaffen.

Schon gleich hinter der Grenze bereits hatte sich das Landschaftsbild gewandelt: Sattgrüne Hügel, auf denen vor allem Kühe statt Schafe oder Ziegen weiden. Nun, bei der Weiterfahrt, passieren wir kurvige, enge Serpentinen durch die Berge, kommen dabei durch Wälder, die an europäische Gebirgswälder erinnern.

Was man allerdings von den türkischen Städten sieht, erinnert noch weit mehr an Europa - Trabantensiedlungen im großen Stil: Hochhäuser stehen dicht an dicht, im wahrsten Sinn des Wortes auf der "grünen Wiese" errichtet.

An unserem letzten Abend in Syrien hatten wir in einem Kaffeehaus in Aleppo einen syrischen Reiseleiter kennen gelernt, der einige Zeit in Berlin gelebt hat. Wo, fragte dieser Reiseleiter eher rhetorisch, findet der europäische Reisende denn noch das, was er für den Orient halten kann, wenn nicht in Syrien.

An der türkischen Südküste findet man diesen "Orient" jedenfalls mit Sicherheit nicht.

Dienstag, 31. März 1998: Antalya

Um sieben Uhr früh kommen wir in Antalya an, fahren mit dem Taxi zum "Adonis", wo wir uns auch wieder einquartieren.

Ansonsten genießen wir den ersten echten und ungetrübten Sonnentag unserer Reise und dösen am Swimmingpool des Hotels.

Mittwoch, 1. April 1998: Antalya

Mit dem Domus fahren wir am Vormittag zum Stadtzentrum, schlendern dann durch den Basar, der unmittelbar am Uhrturm liegt.

In den Geschäften gibt es vor allem Goldschmuck, Lederwaren, Kunsthandwerk - alles auf den Tourismusbedarf zugeschnitten. Mit einem unverfälschten orientalischen Basar hat das nur eines gemeinsam: Steht man vor einem Geschäft, um die Auslage anzusehen, kommt sofort ein Verkäufer heraus, um den vermeintlich interessierten Kunden in den Laden zu lotsen.

Und natürlich muss um die Preise gehandelt werden. Dabei bin ich allerdings nicht sonderlich erfolgreich: Einen Seidenschlips kann ich nur von 27 auf 25 DM herunterhandeln, einen Ledergürtel von 30auf 25 DM.

Zu Fuß machen wir uns nach den Einkäufen wieder auf den Heimweg.

Donnerstag, 2. April: Perge - Aspendos

Ein Regentag!

Kurz nach zehn Uhr holt uns der Nazar-Bus vom Hotel ab, bei strömenden Regen kommen wir bei den Ruinen von Perge an. Das nasskalte Wetter mindert die Lust auf eine ausgiebige Besichtigung.

Wir passieren das noch gut erhaltene Stadttor der griechischen Stadt, angeblich eine Gründung von Flüchtlingen aus Troja, blicken auf zwei Rundtürme und ein weites Säulenfeld, besichtigen dann die römischen Bäder.

An einer Stelle auf dem Boden dieser Bäder ist noch der Rest eines Mosaiks zu sehen, von der Marmorverkleidung der mächtigen Mauern der Baderäume erkennt man hindessen nichts mehr. Jedenfalls muss diese Badeanstalt enorme Ausmaße gehabt haben.

Total durchnässt fliehen wir wieder in den Bus.

Nur wenige Kilometer von Perge entfernt liegt Aspendos, gegründet zur gleichen Zeit wie Perge, an einem Fluss unterhalb eines Tafelberges gelegen.

Zunächst fahren wir eine Stelle weit außerhalb der Stadt an, von der man aber die gewaltige Reste der römischen Wasserleitung sehen kann.

Dann besuchen wir das Theater - nach Meinung mancher Reiseführer das größte und besterhaltenste antike Theater in Asien. Interessant: In einem kleinen Ausstellungsraum sind die Eintritts"karten" aus der damaligen Zeit zu sehen - kleine, bearbeitete Steine mit Reliefs, meist das Gesicht des Bachus darstellend.

Das Theater, gebaut für 15.000 Zuschauer - die ganze Stadt hatte vielleicht 20.000 Einwohner - ist wirklich imposant. Und auch von der obersten Sitzreihe hört und sieht man noch alles, was unten im Halbkreis der Bühne geschieht.

Trotzdem: Auch hier mindert der Regen die Freude an einer intensiven Besichtigung.

Nach dem Mittagessen in einem nahe gelegenen Restaurant fahren wir wieder zurück nach Antalya.

Freitag, 3. April 1998: Antalya

Mit dem Dolmus fahren wir wieder in die Innenstadt, entdecken oberhalb des Hafens eine "Strandpromenade", die sich an den Windungen der Küstenfelsen entlang schlängelt. Man hat von hier einen herrlichen Blick auf den Hafen, die Höhlen tief unten im Fels - und bei dem heutigen Sonnenschein auch auf die schneebedeckten Berge des Taurus auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht.

Auch die Altstadt hinter dem Hadrianstor wirkt nun bei Sonnenschein ganz anders als bei unserem ersten Besuch. Im Zentrum der Altstadt steht ein antikes Gemäuer, leider durch Gitterstäbe versperrt, das einem Hinweisschild nach erst als römischer Tempel, dann als christliche Kirche und schließlich als Moschee diente.

Ein Gang über den Basar - wir kaufen noch zwei Tücher und einen Schlips - ist nicht möglich, ohne ständig von den Schleppern der einzelnen Geschäfte angesprochen zu werden. So landen wir eigentlich gegen unseren Willen wieder in einer Teppichgalerie, müssen uns - ausgesprochen schöne - Seidenteppiche ansehen. 1000 Mark solle der Quadratmeter kosten, sagt der Händler - und dass wir für den Teppich, den wir zu Beginn unserer Reise kauften, zuviel gezahlt hätten. Aber vermutlich hätte er das zu jedem in einem anderen Geschäft gekauften Teppich gesagt.

Wir fahren wieder zurück und verbringen noch einige Sonnenstunden am Hotelpool.

Samstag, 4. April 1998: Antalya - Berlin

Wir liegen die letzten Sonnenstunden am Pool - dann holt uns um 15 Uhr der Minibus von Nazar ab.

Richtung Lara - ein letzter Blick auf die Buchten der Felsenküste - geht’s zum Flughafen.

Der Duty-free-Shop von Antalya erweist sich als Enttäuschung: Einheimische Getränke wie eine Flasche Raki kosten hier zehn Mark, mehr als in den Geschäften der Stadt, und die Parfüms sind sogar teurer als in Deutschland.

Um 18 Uhr, mit einer Stunde Verspätung, steigen wir dann in den Flieger nach Berlin.

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