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Pinnawela - ein Waisenhaus für Elefanten Dambulla - der Tempel der heiligen Höhlen Sigiriya - ein Felsen wird zum Schloss und zur Festung. Das Heiligtum des Buddhismus: Der Zahntempel

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Blick auf Kandy - mit dem See als Zentrum Teeplantagen im Hochland bei Nuwara Eliya Weiße Strände wie hier bei Dondra - die Südküste Galle - die Spuren der portugiesischen Kolonialisten

Die Kinder von Gaafaru, Nord-Male-Atoll

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Sonnenuntergang über Summer Island

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Reiseroute und beschriebene Orte: SRI LANKA: Negombo - Pinnawela - Kurunegala - Dambulla - Polonnaruwa - Sigiriya - Matale - Kandy - Ramboda Falls - Mackwoods Tea Plantage - Nuwara Eliya - Negombo - Colombo - Kalutara - Beruwala - Bentota - Kosgoda - Seenigama - Galle - Koggala - Welligma - Dondra - Dikwella - Wirawila - Yala National Park - Kataragama - Unawatuna - Hikkaduwa - Galle - Ahungalla - Bentota -  Negombo - Colombo
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Mittwoch, 8. November 2000: Sharjah – Colombo – Negombo

Kurz vor zwei Uhr morgens nähern wir uns vom Meer kommend dem Flughafen von Sharjah: Unter uns brennen auf dem Roten Meer die offenen Feuer der Bohrstellen, umlagert von Dutzenden von Öltankern.

Sharjah selbst erscheint – trotz der Uhrzeit – als Lichtermeer in der Dunkelheit der nächtlichen Wüste. Selbst die Ausfallstraßen sind voll erleuchtet von den in kurzen Abständen stehenden Peitschenmasten.

Der Transitraum des Flughafens wirkt dagegen bescheiden. Die besseren Geschäfte liegen hinter der Zollkontrolle, für die reinen Transitgäste nicht erreichbar. Um 2.50 Uhr Ortszeit fliegen wir weiter nach Sri Lanka.

Gegen acht Uhr morgens Ortszeit ist die Küste von Sri Lanka zu erkennen. Man sieht eine große, lang gezogene Lagune, viel Grün – und auch viele dunkle Wolken. 

Das Auschecken auf dem Bandaraneike-Airport verläuft problemlos: Zwar muss man eine Einreisekarte ausfüllen, wird aber nicht kontrolliert.

Der Flughafen von Sri Lanka hat sich, so mein Eindruck, seit meinem letzten Besuch auf der Insel vor rund 20 Jahren, zumindest nicht weiter ausgedehnt, macht immer noch den Eindruck eines eher unbedeutenden Provinzflughafens. Auffällig allerdings, Es gibt einen abgetrennten Teil für Militärmaschinen, Geschützstellungen. Und ungewöhnlich für eine Ferieninsel ist geradezu das in Englisch gehaltene Transparent, das ausgerechnet vor dem Parkplatz der Touristenbusse hängt, und auf dem sich die Beschäftigten des Flughafens bei den „Helden unserer Armee“ für die Verteidigung des „Lanka-Mutterlandes“ bedanken. Der Krieg zwischen Singhalesen und Tamilen, zwischen Nord und Süd, findet zumindest in seiner Propagandaform auch vor den Augen der Touristen statt.

Eine gut ausgebaute Straße führt vom Flughafen nach Negombo – wobei unklar ist, wann denn nun die Inselhauptstadt Colombo aufhört, das „Fischerdorf“ Negombo anfängt. Aber dörfliches hat auch Negombo nichts mehr an sich, auch, wenn wir zumindest einmal noch einem von einer Kuh gezogenen Karren begegnen.

Das Sunflower Hotel liegt am Lewis Place, einer der Hauptstraßen am Meer, unser Zimmer hat, wie alle anderen auch, Seeblick. Negombo verfügt über einen breiten Sandstrand, an dem aber kaum Touristen liegen. Die meisten ziehen offensichtlich die Swimmingpools der Hotelanlagen vor.

Den Strand von Negombo teilen sich die liegenden Händler und die Fischer. Einige Fischerhütten stehen auch unmittelbar neben unserem Hotel, und hier liegen auch die Auslegerboote mit ihren bunten Segeln, während auf dem Meer Dutzende von Katamaranen auf Fang aus sind.

Allerdings ist es schier unmöglich, unbehelligt am Strand entlang zu gehen, ohne ständig von Souvenirhändlern angesprochen zu werden. Vielleicht liegt das auch einfach daran, dass man uns ansieht, gerade eben erst angekommen zu sein. Das Angebot der fliegenden Händler: Vor allem Muscheln, teilweise bearbeitet, für die dann zehn Mark gefordert werden, aber auch Korallenstücke.

Am Nachmittag fängt es heftig an zu regnen: Eigentlich, so sagen uns die Hotelangestellten, hätte die Regensaison ja vor zwei Monaten sein sollen....

Donnerstag, 9. November 2000: Negombo 

Um 10 Uhr vormittags, nach unserem Frühstück im Hotel, fahren wir mit dem Tuktuk, einem jener dreirädrigen zur „Taxe“ ausgebauten Mopeds, in die „City“ von Negombo, wo wir eigentlich auf den Früchtemarkt wollen. Für einen Besuch des Fischmarktes ist es schließlich schon einige Stunden zu spät. Da hätten wir schon gegen sechs Uhr aufbrechen müssen.

100 Rupien, also etwa drei Mark, will der Fahrer für die einfache Tour haben; ich biete ihm 70, und auch damit ist er ohne zu zögern einverstanden. Im Hotel hatte ich mich zuvor über die Fahrpreise erkundigt: Einer der Zimmerboys hatte den Preis mit 60 Rupien angegeben, der Hotelchef, mit dem wir am Abend vorher geplaudert hatten, schätze den Preis auf 100 Rupien, wollte aber selbst 150 Rupien nicht ausschließen. Möglicherweise nehmen die Fahrer auch von den Einheimischen unterschiedliche Tarife, je nachdem, wie sie ihren Fahrgast finanziell einschätzen.

Die Fahrt dauert rund 10 Minuten, endet am Hauptplatz von Negombo, erkennbar an dem kleinen Uhrturm in seiner Mitte. Auf die Zeitangabe der Uhr darf man sich allerdings nicht verlassen: Sie geht um gut zwei Stunden falsch.

Was unter Gemüse-, bzw. Früchtemarkt zu verstehen ist, bleibt für uns dabei unklar: Es gibt etliche Verkaufsstände auch für Obst und Gemüse in den Straßen, natürlich jede Menge andere kleine Läden in den Häusern – aber keinen tatsächlich „geschlossenen Markt“. Zumindest können wir ihn nicht entdecken.,

Dafür werden wir nun von einem Einheimischen angesprochen, der sich als einer der Köche vom Sunflower Hotel vorstellt, sagt, wir hätten am Vorabend auch kurz mit ihm gesprochen. Wirklich erinnern kann ich mich nicht an ihn, aber dies besagt ja nichts. Jedenfalls sagt unser Begleiter, dass er in dieser Woche in der Spätschicht ab 14  Uhr arbeite, und fängt dabei an, uns durch Negombo zu führen.

Zunächst geht es in eine katholische Kirche, ein großer, für Negombo ausgesprochen imposanter Bau, mit schmuckvoller Deckenbemalung, wobei die aufgestellten Statuen auf mich eher kitschig wirken.

Wir trinken in einem Guesthouse am Hafen noch einen Lemonjuice – und dann hat uns unser Koch zu einer Bootstour durch die Lagune überredet. Der Preis: 2000 Rupien für zwei Personen, angeblich von ihm speziell für uns heruntergehandelt – in Relation zu den Preisen des Landes bei näherem Hinsehen allerdings immer noch überteuert. Ich habe mittlerweile aber meine Zweifel, ob es für Touristen hier wirklich billigere Angebote gibt.

Als wir gerade ins Boot einsteigen wollen, donnert eine Militärmaschine, meines Erachtens ein Bomber, über uns hinweg. Er sei auf dem Weg nach Jaffna, dem Stützpunkt der Tamil Tigers, meint unser Begleiter.

Eine Stunde dauert die Fahrt durch die Lagune, vorbei an dem kleinen geradlinigen Kanal, der noch aus der Zeit der Holländer stammt, vorbei an den einfachsten, unmittelbar am Wasser stehenden Fischerhütten (selbst die ärmlichste Hütte verfügt jedoch über eine Fernsehantenne), vorbei an mehreren kleinen Werften, auf denen die größeren Boote zusammengebaut werden.

Am Fischmarkt machen wir Stopp, steigen aus, um uns die nun fast völlig verwaisten Verkaufsstände anzusehen. 

Obwohl der Markt seit Stunden vorbei ist, hängt der Fischgeruch allgegenwärtig über der ganzen Gegend.

Ein Laden hat noch offen. In den Plastikbehältern krabbeln dunkle, handgroße Krebse. Gefangen werden Haie, Thunfische, Sardinen, erzählt unser Begleiter bei der Weiterfahrt. Am Strand sieht man auch immer wieder Männer, die die Fänge aus den Netzen sortieren. Krabben dagegen werden in der Lagune selbst gefangen. Weiße Plastikbojen markieren die einzelnen Netze, die teilweise von Kindern bewacht werden.

Romantisch der Blick aus der Lagune hinauf aufs Meer: Links und Rechts das Land mit seinen Fischerhüten, draußen auf See die Segel der Katamarane.

In der Lagune – das Wasser ist allerdings günstigstenfalls als trübe zu bezeichnen – gesellen sich zu den in Negombo allgegenwärtigen Krähen noch die weißen Fischreiher.

Um 13.30 Uhr sind wir wieder an Land, kaufen für unseren Begleiter noch eine Packung Trockenmilch für seine Kinder (vier will er haben), zahlen dafür den stolzen Preis von 650 Rupien.

Danach schlendern wir noch alleine durch die Stadt, entdecken in der City einen kleinen Markt für Textilien, fahren dann wieder mit dem Tuktuk ins Hotel zurück, wo wir bis zum am Nachmittag einsetzenden Regen am Pool liegen.

Am Abend unternehmen wir noch einen kleinen Spaziergang vom Hotel in nördliche Richtung, gelangen dabei in den „Villenvorort“ von Negombo. Der Unterschied zu den Fischerhütten ist jedenfalls beachtlich, auch, wenn es sich aus europäischer Sicht eher um normale Einfamilienhäuser handelt.

Freitag, 10. November 2000: Negombo

Vormittags fahren wir wieder mit dem Tuktuk in die Stadt, um bei einer Bank Geld zu tauschen. Trotz der langen Schlange von Einheimischen an der Kasse verläuft die Prozedur schnell und unkompliziert: Man legt seinen Pass vor, ein Bankangestellter errechnet den Kurs, man erhält das Billet, holt das Geld an der Kasse ab. Das ganze dauert, obwohl die Bank voll ist, keine zehn Minuten.

Danach kaufen wir für Karin auf dem Markt, den wir gestern gesehen haben, einen Sarong. Der Händler fordert nur für den Stoff zunächst 650 Rupien, dazu 20, um ihn zurechtschneiden zu lassen, wir verständigen uns auf 350 für den Stoff und eben die 20 für den Schneider.

Wir unternehmen noch einen kleinen Abstecher auf den Früchtemarkt: Eine Straße mit etlichen kleinen Ständen, dazu ein überdachtes Gebäude, in dem es stark muffig riecht und wo an jeder Kasse ein Maggi-Schild hängt. 20 Rupien zahlen wir für eine kleine Ananas, 15 Rupien für eine kleine Staude Bananen.

Den Rest des Tages verbringen wir im Hotel, unternehmen nur noch einen kleinen Strandspaziergang an den Fischerhütten vorbei. Es ist gegen 14 Uhr, die Zeit der größten Mittagshitze – und nicht einmal die Strandhändler lassen sich sehen. Vielleicht sieht man uns in den Badehosen aber auch ganz einfach an, dass wir kein Geld bei uns haben können.

Samstag, 11. November 2000: Pinnawela – Kurunegala – Dambulla – Polonnaruwa

Kurz hinter Negombo entdecken wir am Straßenrand unsere erste dörfliche Stupa, kein besonders großer Bau, das ursprüngliche Weiß schon weitgehend verschmutzt, aber heute – wir haben Vollmund – mit bunten Fahnen geschmückt. Es liegen auch einige frische Blumen vor dem buddhistischen Heiligtum, doch ansonsten dösen momentan zu so früher Stunde hier nur ein paar ziemlich verlaust aussehende Hunde.

Kurz nach sechs Uhr früh haben wir mit unserem Führer Anil und unserem Fahrer Negombo zur Drei-Tages-Tour verlassen, sind in den Norden Richtung Polonnaruwa, dem ersten Tagesziel aufgebrochen. Zwei Dinge gehören, so berichtet Anil, immer zu einer Stupa: Ein Bodhi-Baum, Ableger jenes Baumes, unter dem Buddha seine Erleuchtung empfing, sowie eine Reliquie von Buddha selbst, die dann innerhalb der hohlen Kuppel aufbewahrt wird.

Kein Quadratmeter entlang unseres Weges, zunächst noch eine gut ausgebaute zweispurige Straße, ist ungenutzt: Wir kommen an unter Wasser stehenden Reisfeldern vorbei, auf denen sich Wasserbüffel und Kuhreiher tummeln, an Kokosnuss- und Bananenplantagen.  Wir sehen einfache Lehmhütten, daneben aber auch kleine, solide aus Stein gebaute Ein-Familien-Häuschen.

Unser erstes Etappenziel ist das „Elefantenwaisenhaus“ von Pinnawela, kein Haus, sondern ein großzügiges Gelände mit viel Wald, in dem etliche Dutzend Elefanten mit ihren Pflegern leben. Auch die Bezeichnung Waisenhaus trifft den Kern nicht genau: Ziemlich am Eingang werden die Besucher von einem angeblich 52 Jahre alten Tier mit halb abgebrochenen, früher wohl sehr eindrucksvollen Stoßzähnen begrüßt. Der Senior, der zwar angekettet, aber friedlich  im Gras steht, ist blind, wäre ohne die Hilfe von Menschen wohl kaum überlebensfähig. Das gilt auch für das junge Tier, das auf seinen drei Beinen der Herde hinterher humpelt – Opfer eine Landmine.

Höhepunkt für die Besucher ist die um neun Uhr beginnende Fütterung. Die jüngeren Tiere werden unter ein Dach getrieben, angekettet, damit sie sich nicht ins Gehege kommen – und dann aus großen Flaschen mit Milch gefüttert.

Bei unser Weiterfahrt in den Norden passieren wir Kurunegala, laut Anil die „längste“ Stadt in Sri Lanka. Tatsächlich ist das Landstädtchen ein lang gezogenes Straßendorf oder eben auch eine Straßenstadt, durch die sich nun der Verkehr staut: Ein Wochenmarkt zieht offensichtlich Besucher aus der ganzen Umgebung an.

Gegen Mittag haben wir Dambulla erreicht, steigen, beäugt von neugierigen Rhesusaffen mit fast menschlichen Gesichtern, den Felsen empor zu den Tempelhöhlen.

Gefilmt und fotografiert werden darf nur auf dem Vorplatz des hoch gelegenen Tempels, von dem aus man einen wunderbaren Rundblick über das grüne Tal, seine Hügel und den entfernt liegenden künstlichen See genießt. Die Höhlen mit ihren Buddhastatuen und den 1500 Jahre alten Fresken sind für Fotoapparate tabu. In der ersten Höhle befindet sich eine etwa zehn Meter lange Statue des gestorbenen Buddha mit halb geöffneten Augen, eine andere Höhle beherbergt einige Dutzend Statuen des meditierenden Buddha, die Höhle am Ende des Platzes schließlich den schlafenden Buddha.

Beeindruckend in dieser klassischen Anlage des Buddhismus: Eine kleinere Höhle ist einer Hindu-Gottheit gewidmet, drei Hindupriester nehmen die Opfergaben der Gläubigen entgegen, Früchte und Kleingeld, erledigen dann für die Spender die Gebete.

Im Vergleich zum Süden ist die Gegend hier dünn besiedelt, links und rechts der Straße sieht es ausgesprochen urwaldähnlich aus, vereinzelt lassen sich Affen an der Straße blicken. Und: Immer wieder kommen wir an Militärkontrollpunkten vorbei, hat die Armee Straßensperren errichtet, die wir in Schlangenlinie durchfahren müssen.

Etliche Kilometer vor Polunnaruwa beginnt das „Elefantenland“ – und an der Straße laden einige Stationen zur „Elefantensafari“. Zehn US-Dollar pro Person zahlen wir für einen halbstündigen Elefantenritt, der uns über morastige Feldwege zu einem kleinen See führt, in den unser Reittier dann steigt, um zumindest ein „Halbbad“ zu nehmen und einmal den Rüssel voll Wasser zu nehmen.

Als bequem kann man einen solchen Ritt kaum bezeichnen – dafür schaukelt die Sänfte auf dem Elefantenrücken dann doch zu heftig. Ein Erlebnis ist aber die Aussicht aus der luftigen Höhe: Wir entdecken mehrere Chamäleons und schließlich auch einen Mungo, der ziemlich gemächlich durch das Gras schleicht.

Bei der Weiterfahrt entdecken wir zunächst zwei Pfauen, dann in vielleicht hundert Meter Entfernung auf einer Lichtung am See eine große Elefantenherde von etwa 50 Tieren. Selbst für die Einheimischen ist der Anblick einer so großen Herde von Wildelefanten eine Besonderheit – und sogar die Linienbusse halten an, damit sich die Fahrgäste an dem Schauspiel erfreuen können.

Die alte Königsstadt Polonnaruwa aus dem 12. Jahrhundert erreichen wir im strömenden Regen, verschaffen uns erst im trockenen Museum einen Überblick, sehen die Modelle des alten Königspalastes und des großen Buddha-Tempels, dazu etliche kupferne Kleinmünzen, verrostetes Handwerkszeug, und natürlich unendlich viele Buddha-Statuen, sowohl aus Stein wie aus Metall, in allen Größen.

Die Regenfreien Minuten nutzen wir dann zur Erkundung der antiken Stätten: Vom alten Königspalast sind nur noch eine mächtige Ziegelmauern und die Audienzhalle geblieben; gut erhalten ist dagegen das königliche Bad, das zu seiner Zeit der Inbegriff verschwenderischen Luxus gewesen muss.

Sorgsam wiedererrichtet wurde ein kleiner Hindutempel, in dessen Mittelraum ein mit frischen Blumen geschmücktes Phallussymbol für die Fruchtbarkeit steht. Davor liegen in Schälchen kleine Münzen, Opfergaben von Gläubigen, die auf Nachwuchs hoffen. Wie auch in Dambulla wirken Buddhismus und Hinduismus hier friedlich nebeneinander.

Wie ernst es die Singhalesen allerdings mit dem Verbot, sich neben einer Buddhastatue fotografieren zu lassen, nehmen, muss eine französische Reisegruppe erfahren. Eine Touristin ließ sich von ihrem Mann neben einer Buddhastatue fotografieren – und nun verlangen die Parkwächter die Herausgabe des Films.

Zum Abschluss unseres Polonnaruwa-Rundganges stehen wir vor den gigantischen steinernen Buddha-Stautuen, die in den Felsen geschlagen wurden – und werden hier von einem wahren Wolkenbruch überrascht.

Die Nacht verbringen wir im Sudu Araliya Hotel, einem luxuriösen Bau in herrlicher Parklandschaft.

Draußen hat sich der Regen nun allerdings endgültig durchgesetzt.

Sonntag, 12. November 2000: Polonnaruwa – Sigiriya – Matale – Kandy

Wie großzügig der Park unseres Hotels – der Besitzer, mit dem wir am Abend zuvor gesprochen hatten, ist ein Bruder des Landwirtschaftsministers – wirklich ist, entdecken ich erst am nächsten Morgen: Es gibt sogar ein Gehege für Antilopen; der Park grenzt unmittelbar an den großen See.

Bei der Weiterfahrt legen wir am See noch auch unseren ersten Fotostopp ein: Eine gut zehn Meter hohe Buddhastatue, Nachbildung eines Monuments aus der alten Königsstadt Anduradhapura, steht mächtig am Ufer, das spiegelglatte Wasser und die sanften Hügel am gegenüberliegenden  Ufer geben ein Bild der Idylle ab.

Der dunkle Felsen mit den roten Farbeinsprengseln von Sigiriya macht bereits aus der Entfernung einen beherrschenden Eindruck. Doch bevor man das Gelände der eigentlichen Felsenfestung betritt, durchquert man die Überreste eines antiken Wassergartens, einer Ansammlung von Bassins auf gepflegter grüner Wiese, die älteste nachweisbare Parkanlage in Südasien.

Gut 3000 Menschen würden täglich nach Sigiriya pilgern, schätzt Anil, und obwohl es gerade erst gegen neun Uhr morgens ist, drängen sich auf den steilen Treppen zum Felsen hoch bereits die Besucherschlangen. Anil bezeichnet Sigiriya nicht einmal übertrieben als das „achte Weltwunder“, ein Weltwunder, das wir allerdings einem Vatermörder aus dem fünften nachchristlichen Jahrhundert verdanken.

Die Geschichte von Sigiriya: Ein Prinz ermordet seinen Vater, muss dann fliehen, errichtet auf dem als uneinnehmbar erscheinenden Felsen seine Fluchtburg, wird aber trotzdem 18 Jahre später von der Armee seines aus Nordindien herangezogenen Bruders besiegt.

Wie immer der rächende Bruder das angestellt haben mag: Die Felsenfestung im Sturm zu nehmen wird ihm kaum möglich gewesen sein. Mächtige Monolithen dienten, noch heute an den eingeschlagenen Stufen erkennbar, als Wachtürme, und der eigentliche kegelförmige Felsen von Sigiriya ragt dann gleich steil insgesamt rund 400 Meter in die Höhe.

Neben den eisernen Treppen aus unserer Zeit sind noch die eingeschlagenen Stufen erkennbar, ein Auf- bzw. Abstieg, der damals eher beschwerlicher als heute gewesen sein muss.

Auf halber Höhe befindet sich die erste Plattform, die, für die Sigiriya zu einem der bekanntesten Touristenziele Sri Lankas wurde, die „Wolkenmädchen“, heute noch zwölf erhaltene in den Fels gemalte vollbusige Tänzerinnen oder mit feinen Gesichtern, die Farben noch immer so frisch, als wären sie erst vor kurzem aufgetragen worden. Neben dem schmalen Plateau mit den „Wolkenmädchen“ führt ein durch eine Mauer geschützter Gang an das Ende des ersten Plateaus. Das Besondere dieser „Spiegelmauer“: Hier wurden in früheren Zeiten die Fresken durch die Sonne reflektiert, so dass alles als ein gigantisches Felsgemälde erschienen sein muss.

Von diesem ersten Plateau bereits hat man einen Rundblick über die dicht bewaldete Umgebung bis zu den Hügeln in der Ferne, unmittelbar unter dem Felsen der Wasserpark als sattgrünes, geordnetes Einsprengsel in der urwüchsigen Landschaft. Von der Residenz des prinzlichen Vatermörders ist dagegen nur wenig geblieben. Ein ummauertes Bassin diente als Schwimmbad, von einem Löwentor begann der Aufstieg auf die eigentliche Plattform des Felsens. In der Mitte dieser zweiten Plattform  markiert ein eingelassener Stein die höchste und letzte Stufe – mehr ist hier von der ganzen Prachtentfaltung nicht geblieben.

Während wir uns an den Abstieg machen, fängt es wieder an zu regnen – ein Regen, der uns nun fast den ganzen Tag über begleiten wird.

Auf  unserer Weiterfahrt über Matale nach Kandy legen wir drei Shopping-Stopps ein: An einer Batikfabrik, einer Holzschnitzerei und einer Gewürzplantage.

Die Batikfabrik, so berichtet Anil, gehört einem bekannten einheimischen Künstler, der die Vorlagen für die Motive liefert, meist Elefanten oder Szenen aus dem Dorfleben. Mit dem Auftragen der Farben auf die Stoffe, dem Einwachsen und schließlich dem Auswaschen des Wachses sind ausschließlich Frauen beschäftigt, die jedes einzelne Stück mit der Hand bearbeiten.

Ausschließlich Handarbeit bekommen wir auch in der Holzschnitzerei zu sehen: Buddhastatuen, fein ziselierte Möbel wir zum Tische, Preis um die 600 US-Dollar, Masken und natürlich wieder Elefanten in allen Größen.

In Matale essen wir Mittag, besuchen dann den Hindutempel, einen der größten in der Gegend. Mit ihren Türmen voller geschnitzter Götterfiguren und den Löwen an den Ecken des Gebäudes wirkt der Hindutempel für westliche Augen weit lebensfroher als die im vergleich dazu zurückhaltenden buddhistischen Anlagen. Per Zufall werden wir Gäste einer hinduistischen Hochzeitsgesellschaft, die in dem großen Saal neben dem Tempel feiert. Der Bräutigam, wie uns gesagt wird ein reicher Geschäftsmann, steht aufgeputzt wie ein Maharadscha aus dem Bilderbuch auf der Bühne neben seiner wesentlich jüngeren Braut zum Hochzeitsfoto bereit, hinter den beiden ein goldener Pavillon als Kulisse. Im Saal tummeln sich unterdessen die gut gekleideten Hochzeitsgäste zum Plausch untereinander, während die ärmeren in gewöhnlicher Alltagskleidung in der letzten Reihe sitzen und sich am Festmahl vergnügen.

In strömendem Regen stehen wir schließlich in der Gewürzplantage: Seit zwölf Generationen sei sie im Familienbesitz, erzählt uns der jetzige Besitzer, und ihr eigentlicher Schatz, den wir allerdings nicht zu Gesicht bekommen, seien die alten Schriften, in denen von Generation zu Generation das Wissen um die heilende Kraft der Gewürze weitergegeben und ergänzt wird.

Auffällig: Um die einzelnen Pflanzen herum wurden Kokosnussschalen aufgehäuft, was angeblich bewirkt, dass die Pflanzen zwar langsamer wachsen, aber ihr Wirkungsgrad erhöht wird. Schenkt man den Worten des Eigentümers vom „Lords Spice & Herbal Garden“ Glauben, bewirken die Gewürze in der Ayurveda-Medizin wahre Wunderdinge: Öle beseitigen Krampfader auf Lebenszeit, ein Gemisch aus Sandelholz, Zimt und Nelken stärkt den Zahnschmelz und befreit ebenfalls auf Dauer von jeder Form von Zahnbelag. Nach einer Woche bereits sei der Zahnbelag verschwunden, nach acht Wochen stelle sich dann die bleibende Wirkung ein. Was die Mixtur gegen den Zahnbelag betrifft, lasse ich mich auf ein Experiment ein und kaufe zwei Gläser für zusammen rund 40 Mark.

Auch in Kandy gilt unsere erster Stopp einer Fabrik, diesmal einer Edelsteinschleiferei. Schade, dass die wirklich interessanten Stücke, die rohen, ungeschliffenen Steine hier nicht verkauft werden dürfen, weswegen wir nur für 110 Mark einen 6,9 Karat schweren geschliffenen dunkelblauen Amathist kaufen.

Von der Edelsteinfabrik geht es zur halbstündigen Folkloreshow der „Kandy Tanzgruppe Dance Lanka“, die im Stadtzentrum über ein eigenes Theater verfügt. Einige der Tänze werden mit akrobatischen Einlagen unterlegt, aber alles in allem wirkt die Vorführung auf mich eher wie eine touristische Massenabfertigung, wobei sich für meinen Eindruck die Tänzer auch absolut asynchron bewegen. Aufregender ist da schon der folgende Feuerlauf, bei dem die – männlichen – Mitglieder der Tanzgruppe auf dem Hof über ein brennendes Holzkohlebecken laufen.

Zu Fuß begeben wir uns dann vorbei an dem künstlichen See in der Mitte Kandys zum „Zahntempel“, wo um 19.30 Uhr der Schrein, in dem der Backenzahn des Buddha liegen soll, der Öffentlichkeit präsentiert wird. Zunächst einmal muss man allerdings seine Schuhe an der „Garderobe“ abgeben, passiert dann eine Polizeikontrolle, wo die Besucher mit Metalldetektoren abgesucht werden. Vor zwei Jahren, so Anil, hat es nämlich einen Bombenanschlag auf den Tempel gegeben, als Folge wurden dann die Sicherheitsmaßnahmen eingeführt. Zumindest bei Ausländern ist die Kontrolle aber äußerst lasch.

Im Erdgeschoss des Gebäudes werden die Gläubigen von einem Paukenschläger empfangen, im oberen Stockwerk drängen sich die Menschen dann, um in einer Prozessionsschlange an dem Zahn vorbeizuziehen. Ein Separée unmittelbar vor dem noch verschlossenen Raum ist denen vorbehalten, die an diesem Tag besondere Spenden an den Tempel abgeführt haben.

Pünktlich um 19.30 wird die silberne Tür der Kammer geöffnet – und im Inneren sieht man ein größeres ebenfalls silbernes Gefäß, in dem das Heiligtum liegen soll. Auch Anil ist fest davon überzeugt, dass da wirklich der Backenzahn des Buddha ist, obwohl auch er noch nie den Inhalt des Gefäßes mit eigenen Augen gesehen hat. Nun pilgern die Gläubigen und unzählige Touristen an dem Gefäß vorüber, die Gläubigen verneigen sich, die Touristen knipsen – und wir versuchen, jeweils vor der nun durch den Tempel strömenden Menschenmenge die wichtigen Sehenswürdigkeiten der Anlage zu erreichen.

Als erstes führt uns Anil in den Bibliotheksraum, eigentlich nur ein kleines Zimmer mit einigen Holzschränken, aber in denen werden die alten Bände mit den auf Sanskrit beschriebenen Palmblättern aufbewahrt, einige angeblich bereits gut 2000 Jahre alt, andere, bedruckte Folianten, „erst“ einige Jahrhunderte. Auf dem mittleren Tisch stehen dazu goldene oder elfenbeinerne Buddhafiguren, jede wohl ein Vermögen wert.

Von hier ziehen wir in einen großen Saal voller goldener Buddhafiguren. An den Wänden hängen – neuere – Gemälde, die die Geschichte des Zahns erzählen: Weil der heilige Zahn in Indien von hinduistischen Glaubenseiferern zerstört werden sollte, schmuggelte ihn eine Prinzessin nach Sri Lanka, wo ihn der König zunächst in seinem Thron versteckte, ihm dann einen eigenen Tempel bauen ließ. In der Folgezeit zog der Zahn dann mit in die wechselnden Hauptstädte des Inselreiches, wurde wieder nach Indien entführt, gelangte wieder nach Sri Lanka – und soll nun in eben einem Schrein seinen endgültigen Platz gefunden haben.

Die Nacht verbringen wir im Keells Hotel, einem wirklichen Luxushotel etwas außerhalb der Stadt, unmittelbar am Ufer des Mahaweli Ganga.

Montag, 13. November 2000: Kandy – Ramboda Falls – Mackwoods Tea Plantage – Nuwara Eliya – Negombo

Als wir morgens um sieben Uhr aufbrechen, wird im Mahaweli bereits fleißig gearbeitet: Die Erde des Flussbodens  gibt gutes Baumaterial ab, und so stehen Männer auf Flößen oder am Ufer, schachten in Handarbeit den Fluss aus, füllen die Erde in Säcke, die dann zu den bereit stehenden Lastwagen geschleppt werden. Eine äußerst ungesunde Knochenarbeit: Viele von denen, die hier arbeiten, sagt Anil, litten an Rheuma.

Zunächst quälen wir uns den durch den dichten Verkehr von Kandy, um auf einen Aussichtspunkt oberhalb der Stadt zu gelangen: Von diesem Punkt in Kandys Villenviertel sieht man auf den quadratischen See, der die Stadtmitte markiert, die kleine Vergnügungsinsel in seinem Zentrum, den weißen Bau des Zahntempels und schließlich eine alle Gebäude überragende Buddhastatue am anderen Ende der Stadt.

Nun fahren wir zum Botanischen Garten, neben dem Zahntempel die zweite Attraktion Kandys. 200 Menschen sind damit beschäftigt, die aus allen tropischen Ländern zusammen getragenen Pflanzen zu pflegen und hegen, den saftig grünen Rasen sauber zu halten. Teilweise erinnert dieser Botanische Garten dann auch an einen urenglischen Golfplatz, trotz der verschiedenen Palmensorten, die hier gedeihen und der Scharen von Flughunden, die sich in den Gipfeln der Bäume nieder gelassen haben.

Prachtstück des Gartens ist ein kleiner Hain auf einer grünen Wiese, wobei sich dieser Hain beim Nähern als ein einziger Baum, ein Ficus Benjamin, entpuppt, der mit seinen breit gefächerten Verästelungen ein kreisrundes Areal von immerhin 600 Quadratmetern bedeckt.

Nach diesem botanischen Exkurs nehmen wir nun Kurs ins Hochland, nach Nuwara Eliya. Wir fahren in das Land des Tees.

Die Straße ist zwar gut asphaltiert, aber schmal und kurvig – und neben der Straße geht es oft steil bergab. Mn sieht auf grüne Täler, zunächst noch mit Reisterrassen, auf klare blaue Seen, kommt an einigen kleinen Wasserfällen vorbei.

An den Ramboda Falls legen wir einen Stopp ein, essen im „Ramboda Falls Hotel“ zu Mittag. Egal, welchen Platz man auf der Hotelterrasse wählt, überall hört man das Rauschen der insgesamt sechs Wasserfälle, die diesen Ort umschließen. Trotz des paradiesischen Ausblicks soll das Land auch für srilankesische Verhältnisse extrem billig sein: Nur die ärmeren Einheimischen würden hier Häuser errichten, meint Anil. Dabei wähnt sich der europäische Reisende hier fast wir in den mittleren Alpen.

Unser nächstes Ziel ist die Mackwoods Tea Fabrik, 1841 gegründet und heute die zweitälteste Firma im Land. 2000 Menschen würden auf der Plantage und in der Fabrik arbeiten, erklärt uns nun unsere Führerin durch die Anlage, vor allem Pflückerinnen auf den weitläufigen Plantagen.

45 Jahre alt wird der Strauch, der die Teeblätter abgibt, und alle zwei Monate kann er abgeerntet werden. Dabei nimmt die Pflückerin aber jedes Mal nur die drei obersten hellen Blätter, wirft sie dann hinter sich in den Korb, den sie bei ihrer Arbeit auf dem Rücken trägt.

Das Trocknen, Sortieren, Mahlen und Verpacken der Teeblätter geht dann allerdings extrem schnell: Ganze zwölf  Stunden dauert es nur, bis ein Teeblatt vom Strauch in den Sack zum Export findet.

Bei der Weiterfahrt fällt dann endgültig auf: Weit und breit ist das bergige Land von Teepflanzungen bedeckt – und auf den wenigen freien Stellen stehen die bescheidenen Häuser der Teepflücker-Familien, fast alle tamilischen Ursprungs, im vorigen Jahrhundert von den Briten als billige Arbeitskräfte aus Indien auf die Insel geholt. In einem der tamilischen Orte, durch die wir kommen, habe es erst drei Wochen zuvor wieder heftige Unruhen gegeben, berichtet Anil – aber nun sei die Lage wieder ruhig.

Nuwara Eliya lernen wir als weit verzweigtes Bergstädtchen kennen, ein Ort, der schon beim Durchfahren als Erholungs- und Kurort erscheint. Hier besuchen wir den „Hills Club“, einst der Sitz des vornehmen englischen Jagdclubs – und auch heute noch im Stil eines englischen Landhauses gehalten.

Im Clubzimmer hängen Jugendfotos von Königin Elizabeth II und des Prinzgemahls, eine Ehrentafel erinnert an die Generationen von Clubpräsidenten, ein Amt, das offensichtlich jedes Jahr neu besetzt werden musste. Bis in die fünfziger Jahre finden sich nur englische Namen, die dann in den 60’ern von singhalesischen ersetzt werden. Die englische Ausstattung ist aber unverändert geblieben.

Zwei Stopps legen wir noch ein: Einmal an einem Teehaus an einem größeren Wasserfall, der sich vor allem durch seine Breite auszeichnet, dann an einem Hotel, das an einem Flusslauf liegt, der einst für den Film „Die Brücke am Kwai“ als Kulisse diente.

Nach 21 Uhr sind wir dann wieder in Negombo.

Dienstag, 14. November 2000: Negombo 

Wir verbringen den ganzen Tag am Swimmingpool des Sunflower Hotel. Der vermeintliche Koch, der uns an unserem ersten Tag  zur Lagunenfahrt animierte, war übrigens ofenkundig ein Schlepper, die Geschichte von seiner Arbeit als Hotelkoch ein Trick, der seinen Opfern vertrauen einflößen soll: Unseren Lagunen-Führer haben wir im Hotel nicht wiedergesehen – und das echte Küchenpersonal stand gestern Abend am Büffet.

Mittwoch, 15. November 2000: Negombo 

Am Vormittag fahren wir zum Geld tauschen in die Stadt, schlendern dann zunächst über den Früchtemarkt, auf dem wir bereits gewesen waren. Unmittelbar neben dem Früchtemarkt liegt noch ein kleiner Fischmarkt. Die einzelnen Fischstände locken die Fliegen zu Tausenden an.

In der Nähe der Lagune wurde ein weiterer größerer Markt errichtet. Die Händler haben als Sonnenschutz Zeltplane über den freien Platz gespannt, und nun werden hier vor allem Textilien, Plastikwaren und alles mögliche angeboten. Nahrungsmittel sind im Angebot eher die Ausnahme – aber dafür entdecke ich am Rand des Marktes einen Stand mit lebenden Hühnern.

Nachmittags beim Strandspaziergang: Ein Tourist filmt einen Schlangenbeschwörer mit seiner Kobra. Neben dem Kobra-Korb liegt noch eine weitere mittelgroße Schlange im Sand – die ersten Schlangen, die wir hier sehen. Der Gehilfe des Schlangenbeschwörers will, dass ich das zweite Tier streichele: Seine Haut ist trocken und warm, durchaus angenehm.

Donnerstag, 16. November 2000: Negombo – Colombo – Kalutara – Beruwala – Bentota – Kosgoda – Seenigama – Galle – Koggala – Welligma  – Dondra – Dikwella – Wirawila 

Rund sechs Stunden würde unter normalen Umständen eine zügige Fahrt von Negombo ins rund 300 Kilometer entfernte Wirawila am Rand des Yale-Nationalparks dauern, meint unser Fahrer Anual; wir brechen morgens um 5.30 Uhr auf – und haben unser Ziel knapp zwölf Stunden später gegen 17 Uhr erreicht. Schließlich legen wir auch etliche Stopps ein, um den Wechsel von der Westküste zur Südküste auch wirklich zu erleben. Es ist der Wechsel in eine völlig andere Landschaft.

In der Morgendämmerung erreichen wir den Nordrand von Colombo, kenntlich an einem Kraftwerk und dem daneben liegenden Slumgebiet. Colombo selbst liegt noch im Schlaf, die meisten kleinen Läden sind dicht verrammelt. Erst allmählich füllen sich die Straßen mit Verkehr.

Sri Lankas Hauptstadt bietet bei der Nord-Süd-Durchfahrt kaum markante Punkte – bis auf eine strahlend weiße Moschee und das aus britischer Kolonialzeit stammende Rathaus mit mächtigen Säulen, ebenso prachtvoll weiß. Schließlich kommen wir durch eine breite Hauptstraße, die laut Anual das Zentrum der Nachtclubs ist, und dann, unmittelbar an der Küste, endet Colombo so, wie es begann: Mit einem Slum. Die Menschen, die hier in den schiefen ärmlichen Holzhütten leben, seien überwiegend Christen, sagt Anual.

Bei Kalutara, der Ort, an dem der Kalu Ganga ins Meer mündet, legen wir auf der nördlichen Seite des Flusses einen Fotostopp ein, schauen dabei auf die übergroße Dagoba, die das Zentrum der Tempelanlage auf der südlichen Seite bildet. Vor etwa 50 Jahren wurde diese Dagoba errichtet, als Tempelareal genutzt wird der Ort natürlich schon viel länger. Beim Vorbeifahren fällt mir dann auf: Während die Kuppeln sonst völlig verschlossen sind, es keinen Zugang zur Dagoba gibt, sind hier rund herum Fenster eingebaut. Und unmittelbar neben dem buddhistischen Tempel steht eine weiße katholische Kirche – dass die verschiedenen Religionsgemeinschaften ihre Bauten in direkter Nachbarschaft errichten, scheint auf Sri Lanka fast ein Prinzip zu sein.

In der Umgebung von Beruwala – die Straße führt immer am palmenbewachsenen Sandstrand entlang – passieren wir das Gebiet der Toddy-Trapper. Toddy – das ist der Blütensaft der Palmen, aus dem der Arak, der einheimische Schnaps gebrannt wird.  Dafür werden die Palmenspitzen angezapft, in luftiger Höhe verlaufen die „Rohre“, die „Pipelines“ zwischen den einzelnen Palmen, der Saft fließt zu den verschiedenen Auffangstationen, Bällen, die ebenfalls weit oben befestigt sind und dann von schwindelfreien Männern heruntergeholt werden. Was dann in den Behältern gesammelt wird, eine weiße, klebrige Flüssigkeit, sieht allerdings wenig appetitlich aus, riecht auch nicht gerade anregend.

Bei Bentota nehmen wir im „Muthumuni Ayurveda Resort“, einer Art Kurhotel, unser Frühstück. Die Anlage verfügt über eine Sauna, es werden verschiedene Kräuterbäder angeboten, aber vor allem interessiert uns der direkt an den Fluss angrenzende Garten. An der Kaimauer tummeln sich im Wasser einige Warane, mit ihren langen Köpfen auf den ersten Blick Wasserschlangen nicht unähnlich, dann könnte man sie beim zweiten Hinsehen für kleine Krokodile halten. Die Tiere sollen allerdings völlig harmlos sein – und bei der Weiterfahrt beobachten wir noch zwei weitere Warane, die vor uns die Straße überqueren, um von einem Tümpel in den nächsten zu kommen.

Kosgoda ist ein kleines Dörfchen ohne Besonderheiten – bis auf eine private Meeresschildkrötenfarm unmittelbar am Strand. Der Eintrittspreis zur Besichtigung der vier Bassins: 100 Rupien pro Person. Die Eier würden am Strand nachts von den Schildkröten gelegt, dann von den Leuten der Farm gesammelt, und in ein kleines umzäuntes Gehege gebracht, wo sie, die einzelnen Gelege sorgsam getrennt und auch nach Schildkrötenart kenntlich gemacht, wieder eingegraben werden. Ob man dabei aber wirklich sorgsam mit den Eiern umgeht, muss bezweifelt werden: Zur Anschauung für die Touristen befindet sich ein Ei in einem mit Sand gefüllten Topf, wird bei Bedarf herausgenommen, um es den Touristen vorzuführen. In der runden wichen Schale spürt man bereits etwas krabbeln – doch ab das Schildkrötenjunge bei diesen ständigen Störungen nach dem Schlüpfen lebensfähig sein wird, dürfte auf einem anderen Blatt stehen.

Angeblich, so der örtliche Führer, könnten Meeresschildkröten bis zu 300 alt werden, einen Durchmesser von rund zwei Metern erreichen. Die drei Tiere, die in einem der Bassins schwimmen, sollen rund zehn Jahre alt sein, haben einen Panzerdurchmesser von vielleicht 50 Zentimetern, wiegen gut und gerne ihre 40 Kilogramm. An den Rändern der Panzers sind an einzelnen Stellen angebrochen, möglicherweise Bissspuren. Die langen Hälse sind weich, doch die Schnäbel machen einen harten und kräftigen Eindruck.

Ein Becken ist den gerade geschlüpften Tieren vorbehalten. Drei Tage sollen sie alt sein, messen nu wenige Zentimeter – und noch in der Nacht wolle man sie ins Meer zurückbringen. Dort, so der Schildkrötenfarm-Guide, würden aber nur zwischen zehn und 15 Prozent der Tiere überleben.

Seenigama, der nächste Stopp auf unserer Fahrt in den Süden, ist ein weiteres Fischerdorf, das sich vor allem durch eine kleine vorgelagerte Insel auszeichnet, auf der ein buddhistischer Tempel errichtet wurde. Vor dieser Insel, keine 50 Meter vom Ufer entfernt, haben einige Fischerboote angelegt.

In Galle kommen wir an den mächtigen grauen Mauern des alten holländischen Forts vorbei, fahren aber weiter, ohne anzuhalten. Eine Besichtigung heben wir uns für den Rückweg auf.

Koggala wird in den Reiseführern nicht nur wegen seiner Strände, sondern auch wegen der Stelzenfischer erwähnt: Die Fischer sitzen mit ihren Angeln auf den etwa zwei Meter aus dem Wasser ragenden Stelzen, warten darauf, dass ein Fisch anbeißt. Als wir den Ort durchfahren, sind aber nur zwei Männer dabei, ihre Stelzen wieder aufzurichten. Beim Fischen ist niemand zu beobachten.           

Eine der Attraktionen in der Bucht von Welligama ist wieder eine vorgelagerte Insel, auf der diesmal kein Tempel, sondern das als Hotel genutzte Haus eines wohlhabenden Australiers. Vom Land aus gesehen wirkt die Anlage wild romantisch. Bei Ebbe, so wie zu der Zeit, zu der wir hier sind, kann man die Insel übrigens fast zu Fuß erreichen.

In der Nähe von Dondra legen wir in einem auf einem Hügel gelegenen Hotelanlage – sie gehört einem Engländer, der den ganzen Berg in eine britische Parklandschaft verwandelt hat – eine weitere Pause ein: Von dem Aussichtspunkt blickt man auf eine leicht geschwungene Bucht mit weißem Strand, umgeben vom dichten Grün – absolute Fotoidylle.

Der letzte kurze Stopp des Tages gilt der rund 50 Meter hohen Staue des stehenden Buddha in Dikwella: Ein parkähnlicher Weg, auf beiden Seiten mit Blumenläden bestückt, führt zu der Kolossalstatue, die ein Anziehungspunkt vieler Gläubiger ist.

Gegen 17 Uhr haben wir unser Ziel erreicht, checken uns im Safari-Hotel von Wirawila ein, um morgen früh gegen 5.30 Uhr zur Jeep-Safari in den etwa 30 Kilometer entfernt liegenden Yala-Park aufzubrechen.

Am Abend unternehmen wir noch einen Spaziergang entlang dem Ufer des großen Sees, beobachten Fischreiher und Störche sowie die Herden weidender Büffel. In der Ferne sieht man die teilweise bizarr geformten grünen Berge des des Hochlandes.

16 Rupies kostet uns unsere Süd-Tour für jeden mit dem Wagen zurückgelegten Kilometer. Anul, unser Fahrer, erhält von seinem Chef pro Kilometer eine Rupie sowie 200 Rupien Tagespauschale. Anual ist verheiratet, hat zwei Töchter, ein Haus, einen Garten. Seine Frau führt den Haushalt, fertigt ansonsten in Heimarbeit kleinere Dekorationen für Souvenirläden. Doch was sie da verdient, sei nicht der Rede wert, meint Anual, der für hiesige Begriffe in durchaus gediegenen Verhältnissen lebt, sich sogar ein eigenes Handy leistet, mit dem er immer fleißig telefoniert.  

Freitag, 17. November 2000: Yala National Park – Kataragama – Unawatuna – Hikkaduwa

Bei strömenden Regen brechen wir in der Dunkelheit auf, haben bei diesem Wetter kaum Hoffnung, irgendwelche Tiere zu sehen. Mit zunehmender Helligkeit lässt der Regen zwar nach, aber die Rückbänke des  Jeeps sind inzwischen völlig feucht, meine Hosen durchnässt.

Trotzdem: Noch bevor wir den Park erreicht haben, begegnet uns der erste Elefant des Tages. Das Tier steht in einem Feldweg vor dichten Büschen, frisst, fühlt sich durch uns aber möglicherweise gestört. Jedenfalls trottet es nun allerdings ohne Eile den Feldweg entlang, weg von der Asphaltstraße. Auch einige Adler sind bereits zu sehen.

Der Yala-Park liegt in einer Buschlandschaft, nun nach dem Regen überall mit reichlich gefüllten Wasserstellen und Tümpeln ausgestattet. Und so bekommen wir – entgegen unseren Befürchtungen – bis auf die Leoparden und die Bären doch noch den ganzen Artenreichtum dieses flächenmäßig größten Nationalparks von Sri Lanka zu sehen.

Am beeindruckendsten dabei natürlich immer wieder: Die Elefanten. Wir stoßen auf eine Gruppe von etwa fünf weiblichen Tieren, die sich durch unseren Jeep auf dem Feldweg nicht im geringsten stören lassen, später dann noch auf ein einzelnes männliches Tier, das dagegen völlig anders reagiert: Der Bulle, der zunächst auch an einem Busch frisst, wendet seinen Kopf, hebt seinen Rüssel, stürmt auf uns zu, dabei wütend trompetend, bleibt dann doch zehn Meter hinter dem Jeep stehen, den Rüssel drohend erhoben – ein deutliches Zeichen, dass e keine weiteren Störungen duldet.

Zu den häufigsten Bewohnern des Parks dürften die Antilopen zählen, die wir immer in größeren Gruppen sehen, mitunter zusammen mit einigen Hirschen. Die Wildschweine zeigen sich manchmal vereinzelt, meist aber auch in Herden, teilen dabei ihren Lebensraum manchmal friedlich vereint mit den großen schwarzen Büffeln. Beim Grasen lassen sich die Tiere auch nicht von den Krokodilen stören, die friedlich im Gras liegen – wobei der gehörige Abstand natürlich gewahrt wird.

Für ungeübte Beobachter kaum auszumachen sind unterdessen die Warane: Erst, nachdem mich der Park-Führer mehrmals darauf aufmerksam macht, wird mir bei genauestem Hinsehen und mit Hilfe des Fernglases klar, dass der so merkwürdig geformte Sandhaufen eben kein Sandhaufen, sondern der langgestreckte Körper eines behaglich daliegenden Warans ist, der wohl soeben ein Schlammbad genommen hat.

Den größten Respekt zeigen die Einheimischen allerdings vor den kleinen langschwänzigen Affen: In einiger Entfernung beobachten wir eine Affenhorde, die – scheinbar zur zum Spiel – flink durch die Bäume turnt, wobei die Tiere ohne Probleme auch über vielleicht fünf Meter Distanz von Krone zu Krone springen. Ein einzelner Affe auf dem Feldweg, der kurz neben dem Jeep herrennt, veranlasst unseren Fahrer aber, zu beschleunigen. Der Affe könnte ansonsten in den Wagen springen und toben.

Vor allem aber ist der Yala Park ein Reservat der Vögel. Ceylonesische Hähne, kleiner, aber bunter als unsere europäischen Haushähne, laufen durch das Gehölz, Pfaue sitzen auf Felsen oder Bäumen, einer hat gerade auf Balz sein Rad geschlagen, wendet sich nun in voller Prachtentfaltung – das Gefieder misst bestimmt einen Durchmesser von zwei Metern – in alle Richtungen. Auf einem Baum sitzt ein Adler, der eine Schlange geschlagen hat und nun seine Beute verschlingt.

Der Park grenzt direkt ans Meer – und hier liegt in absoluter Abgeschiedenheit an einem kleinen Strand ein Fischerdörfchen aus etwa einem Dutzend ärmlicher Basthütten. So idyllisch das ganze auch aussieht erinnert mich das Bild doch an das, was an in einem Reiseführer über Sri Lanka steht: Unter den singhalsischen Dorfformen ist das Fischerdorf das ärmste, in dem die Bewohner ihre Hütten meist nicht einmal auf eigenem Boden errichtet sind, sie von dem Grundbesitzer nur geduldet werden.

Nach knapp vier Stunden ist unsere Tour durch den Nationalpark beendet, nehmen wir noch ein verspätetes Frühstück in dem Safari-Hotel, machen uns dann auf den Weg nach Kataragama.

Kataragama, an einem Fluss gelegen, verfügt über einen lebhaften Marktplatz – und vor allem eine Tempelstätte, die in ganz Sri Lanka berühmt ist, für die Einheimischen fast die gleiche Bedeutung hat wie der Zahntempel von Kandy. Um zum heiligen Bezirk zu gelangen, überquert man zunächst die Brücke über den Fluss, der für die Gläubigen eine besondere Bedeutung hat: Bevor man zum Beten in einen der zahlreichen Tempel geht, soll man sich hier waschen, sagt Anual,. Tatsächlich nehmen etliche Menschen gerade ein Bad, wobei für uns nicht so recht klar ist, ob es sich nun um eine rituelle Waschung, oder in Ermangelung von fließend Wasser im eigenen Haus um eine ganz „normale“ Körperreinigung handelt. Vermutlich sind die Grenzen aber ohnehin fließend. Und auch zum Waschen der Wäsche ist der Fluss bestens geeignet, wie einige Frauen vorführen.

Hinter der Brücke durchqueren wir nun einen Park, an dessen Hauptweg die Blumenhändlerinnen ihre Stände aufgebaut haben. Verkauft werden aber ausschließlich Lotusblüten als Opfergabe für die Tempel.

Vor dem eigentlichen Tempelbezirk, durch eine Mauer vom übrigen Areal abgetrennt, ziehen wir also wieder unsere Schuhe aus. Mehrere kleinere Tempelbauten stehen in diesem ersten Hof, wieder buddhistische und hinduistische unmittelbar nebeneinander. Auch Anual betet kurz – und dann bekommen wir alle von den Priestern einen gelben Punkt auf die Stirn.

Im hinteren Teil steht dann die große Dagoba, der rein buddhistische Teil des Heiligtums. Buddha-Statuen umrahmen die Dagoba – und überall sitzen die Gläubigen beim Gebet. Auf dem Rasen vor dem Platz steht eine Familie beisammen, die einen offensichtlich scherkranken Angehörigen nun zu Füßen des Heiligtums gelegt haben.

Bevor wir wieder die Küste erreicht haben, macht uns Anual auf die Stände am Straßenrand aufmerksam. In Tongefäßen wird hier geronnene Büffelmilch verkauft. Es gibt sogar kleine Läden, europäischen Eisdielen ähnlich, in denen diese Büffelmilch angeboten wird – Treffpunkte für die Dorfjugend wie eben in einer mitteleuropäischen Kleinstadt die Eisdiele. Mit Honig gemischt schmeckt die Milch wie Yoghurt, vielleicht nur etwas kräftiger.

Nicht nur mit der Zeit, auch mit dem Wetter haben wir uns gewaltig verschätzt. Es ist bereits dunkel, als wir Unawatuna, das Ferienörtchen vor Galle, erreichen, regnet dazu in Strömen. In den Reiseführern auch jüngeren Datums ist von abgelegenen Buchten die Rede, die lediglich von einigen Hippies und Globetrottern aufgesucht würden, von einem absoluten Geheimtipp. Wir fahren durch ein wild aufwucherndes Feriendorf mit engen, ungepflasterten Straßen, aber bereits Souvenirshop an Souvenirshop, Restaurant an Restaurant und Hotel an Hotel. Trotzdem hat das alles, vielleicht gerade durch seine Wildwüchsigkeit, etwas anheimelndes.

Nur eine Unterkunft finden wir hier nicht – und fahren deshalb weiter durch bis nach Hikkaduwa.   

Samstag, 18. November 2000: Hikkaduwa – Galle

Vor gut 20 Jahren lernte ich Hikkaduwa vor allem als Fischerdorf mit einem weiten, fast menschenleeren Strand kennen, ein Ort, in dem es vielleicht die Unterkünfte unmittelbar an eben diesem Strand gab. Und damals hieß es in den Reiseführern, dass leider viele Hippies die Gastfreundschaft der Fischer ausnutzen, sich in deren Hütten einquartieren würden, ohne auch nur eine finanzielle Gegenleistung zu erbringen. Allerdings gab es damals auch schon die einige Rohbauten der neu geplanten Hotels.

Hikkaduwa heute: Ein drei Kilometer langes Touristenzentrum entlang der Straße, Hotels und Ferienanlagen auf der Strandseite, Restaurants und Souvenirshops auf der Landseite. Und überall werden, auch auf deutsch, Glasbootfahrten zu den Korallenbänken angeboten.

Wir haben allerdings kein Strandwetter, fahren deshalb gegen 15 Uhr in das etwa 20 Kilometer entfernte Galle.

Am Ortseingang von Galle liegt ein äußerst merkwürdiger Friedhof. An seinem Rand steht eine offene Kappelle, in die sich mitunter auch eine der auf dem Friedhof grasenden Kühe verirrt. An diese Kapelle schließen sich die Gräberfelder an, die Grabsteine, christliche und islamische, wie Anual sagt, ordentlich in Reih und Glied, doch zwischen den Grabsteinen eben immer wieder nach Futter suchende Kühe.

Wir fahren mit dem Wagen durch das Tor der mächtigen Mauer zur Altstadt, parken dann unmittelbar hinter der Mauer vor dem New Oriental Hotel, dem ersten Gebäude, das der Besucher der alten holländischen Festung zu Gesicht bekommt.

Unser Stadtspaziergang führt nur kurz durch Galle selbst hindurch, am New Oriental und der daneben liegenden einige hundert Jahre alten holländischen Kirche vorbei, dann in eine Nebenstraße, die zu dem ebenfalls noch aus holländischer Zeit stammenden Gerichtsgebäude führt. Der früher wohl einmal gelbe Bau, der auch heute noch als Bezirksgericht genutzt wird, könnte – wie die meisten anderen Gebäude in Galle auch – durchaus einen frischen Anstrich vertragen.

Auch der große Platz vor dem Gericht, eine grüne Wiese mit einigen uralten knotigen Bäumen, macht den Eindruck, als hätte er schon bessere Tage gesehen: Ein demolierter Lastwagen gammelt vor sich hin, keine Parkbank lädt zum verweilen.

Über ganz Galle liegt etwas museales und marodes – wobei die Stadt ständig vom Zerfall bedroht zu sein scheint.

Doch das scheint eben nur so. Unser nun folgender Galle-Rundgang führt auf der noch gut erhaltenen Befestigungsmauer um die komplette Altstadt herum. Der Wall ist auch für die Einwohner von Galle ein beliebter Spazierweg – und dabei fallen immer wieder die in arabischer Art gekleideten Moslems auf, die hier einen durchaus bedeutenden Bevölkerungsanteil stellen. Auch die große weiße Moschee, die sich über die roten Ziegeldächer der Altstadt erhebt, braucht sich neben den christlichen Kirchen nicht zu verstecken. Nur buddhistische oder hinduistische Tempel sind, zumindest von der Befestigungsmauer aus, innerhalb der Altstadt nicht zu entdecken.

Immer wieder führt unser Weg auf der Mauer zu größeren Plateaus, vorgelagerten Befestigungen und Bollwerken und mitunter müssen wir über die ehemaligen Kanonenstellungen hinwegspringen. An einem der Seeseite zugewandten Seite der Stadtmauer hat heute die Armee Quartier bezogen, ihr Areal noch einmal mit Stacheldraht vor Besuchern abgeschirmt. Neben der Armeestellung grasen wieder Kühe, an einer anderen Stelle werden ehemalige Befestigungsbauten als Ziegenstall genutzt. Die dichte Bebauung der engen Gassen unterstreicht auf der einen Seite den städtischen Charakter der Festung, die Grünflächen, die sich mitunter aber auf hügeligem Gelände an die Innenseite der Wälle anschließen, lassen auf der anderen Seite den Ort in einem ländlichen Licht erscheinen.         

Unser Rundgang endet wieder am New Oriental Hotel, wo wir auf der Veranda noch einen Kaffee trinken.

Seit 350 Jahren wird dieser Ort als Herbergsplatz genutzt, seit 150 Jahren stünde jetzt das derzeitige Hotelgebäude, lassen wir uns von einem der weiß gekleideten Kellner erzählen. Die Jahresangaben mögen vielleicht nicht ganz richtig sein – doch das New Oriental gehört sicherlich zu den Kleinoden von Hotels aus kolonialer Zeit.

An den Wänden hängen alte Stiche, Abbildungen aus der holländischen Periode, dazu exotisch anmutende Erinnerungen an das British Empire – und schließlich verfügt die Anlage über einen kleinen, aber dafür um so feineren tropischen Garten mit Sitzbänken unter wildem Pflanzenwuchs und sogar einem Goldfischteich.

Gegen 19 Uhr sind wir wieder zurück in unserem Hotel in Hikkaduwa, machen noch einen Bummel zu den Strandrestaurants.   

Sonntag, 19. November 2000: Hikkaduwa – Ahungalla – Bentota – Colombo – Negombo

Eigentlich hatten wir vor, mit dem Glasboot zu den Korallenbänken zu fahren, doch die Nacht über hat es wieder geregnet, und auch am Morgen will es damit nicht aufhören. Also beschließen wir, nun einen Tag früher nach Negombo zurückzukehren.

Bei unserer „Heimfahrt“ legen wir den ersten Stopp in Ahungalla ein, um dort den Vogelpark zu besichtigen. Die Anlage beheimatet allerdings keine ceylonesischen Vögel, sondern ist ein privater „Zoo“ für Federvieh, das aus Sicht der Einheimischen, vor allem der Kinder, eben exotisch ist: Und da gehören Kakadus aus Australien ebenso dazu wie europäische Enten und Tauben oder amerikanische Truthähne. Aus unserer Sicht noch immer von artgerechter Haltung weit entfernt st dieser Vogelpark jedoch gemessen an anderen Tierparks in Entwicklungsländern fast ein Tierparadies mit Käfigen in akzeptabler Größe, werden auch keine Vögel, wie man es sonst oft sieht, allein, sondern zumindest immer paarweise gehalten.

In Bentota legen wir einen Strandspaziergang ein: Der Strand, an dem mehrere bessere Hotels, darunter ein Fünf-Sterne-Hotel der singhalesischen Taj-Gruppe liegen, ist breit, weiß und sauber, bietet aber keinerlei Schatten. Angesichts des bewölkten Himmels brauchen wir den heute allerdings auch nicht.

Diesmal nehmen wir eine andere Route durch Colombo, kommen an dem alten klassizistischen Parlamentsgebäude vorbei, durchqueren das Hochhaus-Viertel, wobei die Hochhäuser meist Hotels und Bankzentralen sind, passieren den Hafen, um den herum noch einige schöne bunte Häuser aus Kolonialzeit stehen, einige von ihnen aber halb leer stehend mit zerbrochenen Fensterscheiben in den oberen ungenutzten Etagen.

Nach 16 Uhr sind wir dann wieder in Negombo.

Montag, 20 November 2000: Colombo

Anual, der uns punkt 10 Uhr vormittags  zu unserer geplanten Colombo-Tour abholt, hält eine Überraschung bereit: Eine schwarze Vase, verziert mit goldenen Früchten, ein handgefertigtes Geschenk seiner Frau. Bei der Agentur Hawks in Colombo buchen wir für insgesamt 300 US-$ unsere Flüge nach Male, treffen uns dann mit Anil und seiner Frau zum Tee in der Lobby des Hilton Colombo.

Nach dem Lunch in einem chinesischen Restaurant besuchen wir das Nationalmuseum, untergebracht in einem weißen Prachtbau aus der Kolonialzeit. Auf zwei Etagen wird den Besuchern hier die Geschichte der Insel beigebracht – wobei wir als Ausländer einen eigenen Museumsführer zur Seite bekommen.

Im Eingangsbereich wird der Besucher – wie könnte es anders sein? – von der Statue eines meditierenden Buddha empfangen, und der buddhistischen Kunst sind auch die meisten Ausstellungsstücke gewidmet. Beeindruckend: Die Schnitzereien aus Elfenbein, Buddhafiguren, kleinere Dagobas, aber auch Alltagsgegenstände wie Kämme, alles äußerst filigran gearbeitet.

Die numismatische Abteilung verrät einiges über die weitgesteckten Handelsbeziehungen Sri Lankas schon in der Antike: Münzen aus Südindien und China wurden hier ebenso gefunden wie Münzen des alten Rom. Um das Jahr 1000 herum hatte Sri Lanka sogar eigene Goldmünzen geprägt. Auch die Porzellanabteilung verrät einiges über die Handelsbeziehungen: Denn die in China hergestellten Vasen, Tassen, Porzellanschalen wurden alle auf Sri Lanka benutzt – das damals eben zu den reichen Ländern der Erde gezählt haben muss.

Dafür spricht auch der ausgestellte Thron des letzten Königs von Kandy: Ein übergroßer Stuhl aus Gold, besetzt mit einer Unzahl von Edelsteinen. Nur in der Waffentechnik – Speere, kunstvoll verzierte Schwerter und Gewehre mit silbernen Läufen, aber kaum zum schnellen Schießen geeignet – waren die Ceylonesen den Europäern wohl hoffnungslos unterlegen.

Ein weiteres imposantes Ausstellungsstück: Das gut 20 Meter lange Skelett eines Blauwales, der Ende des 19. Jahrhunderts an der Küste Ceylons gefunden wurde.

Nach dem Museumsbesuch fahren wir noch zu einem nahe gelegenen hinduistischen Tempel, von außen ein einfacher Bau bis auf den hohen mit Götterfiguren bestückten Turm über dem Eingang. Im Tempel selbst stehen eine Vielzahl weiterer Schreine. In einem weiteren abgesonderten und vergitterten Raum stehen einige Figuren des Elefantengottes Ganesha. Und in der Mitte des Tempels befindet sich als weiter abgesonderter Raum das eigentliche Heiligtum, ein kleiner Saal voller Götterfiguren, der aber nicht betreten werden darf.

Durch den dichten Berufsverkehr fahren wir nun zurück nach Negombo, wo wir gegen 18 Uhr eintreffen. 

Dienstag, 21. November 2000: Negombo

Wir verbringen fast einen ganzen Sonnentag – erst am Abend regnet es wieder – am Pool des Sunflowers und am Strand.

Unangenehme Beobachtungen beim Strandspaziergang: Die Flut hat einen Teil des Sandes weggespült – und nun kommen die verbuddelten Plastiksäcke mit dem Abfall zum Vorschein. Ein toter Hund und eine tote Muräne wesen vor sich hin, ohne dass außer den Krähen sich jemand um die Beseitigung der Kadaver kümmern würde.

Mittwoch, 22. November 2000: Negombo 

Noch ein Tag am Swimmingpool. Das Wetter scheint allmählich besser zu werden.

Donnerstag, 23. November 2000: Negombo – Bandaraneike Airport – MALEDIVEN: Hulule – Male – Reethi Rah (Medhufinolhu) – Summer Island (Ziyaaraiyfushi)

Für unseren Air Lanka-Flug um 7.15 Uhr müssen wir gegen fünf Uhr am Flughafen sein – das heißt also Aufbruch mir dem Hotel-Shuttle von Negombo um 4.40 Uhr.

Die zwei Stunden, die man vor Abflug bereits am Flughafen sein muss, sind hier sogar realistisch. Das Flughafengelände anfahrende Fahrzeuge werden bereits weit vor dem eigentlichen Airport kontrolliert, ein Gepäckscheck folgt beim Betreten des Flughafengebäudes, ein dritter Check dann vor den Abflug-Gates. Und überall muss man Pässe und Flugtickets vorzeigen.

Eine Stunde dauert der Flug, die Maschine startet pünktlich,  und ebenso pünktlich landen wir – es gibt eine Stunde Zeitverschiebung – auf der maledivischen Flughafeninsel Hulule.

Die Malediven beim Anflug aus der Luft betrachtet: An einer Kette aufgereihte offene Austern – inmitten des dunkelblauen Wassers das türkisfarbene „Austernfleisch“, hier die Korallenbänke, die die einzelnen Inseln umgeben, dann darin die dunkelgrüne Perle, meist rund, manchmal auch langgezogen, fast immer umgeben von einem schmalen hellgelben Streifen, also die einzelne Insel und ihr Strand.

Wie winzig diese Inseln tatsächlich sind, erschließt sich erst, wenn man sie betritt bzw. nun beim Landeanflug auf Hulule, die Flughafeninsel. Erst kurz vor dem Aufsetzen hat die Maschine auch wirklich festen Boden unter dem ausgefahrenen Triebwerk, und die vorhandene Landebahn reicht gerade aus, das Flugzeug ausrollen zu lassen. Mehr als ein kleiner Flughafen passt auf diese für die Malediven schon große Insel nicht hinauf.

Die Malediven sind kein Land für inselhungrige Individualreisende. Dies jedenfalls ist unsere erste Erfahrung bei der Einreise. Wir haben nur den Flug gebucht, also geben wir in den Einreiseformularen als Adresse auf den Malediven nur „Male“ ein. Das reicht dem Grenzbeamten aber nicht aus. Ich muss vorgehen in de Flughafenlobby, mir von dem Vertreter der einheimischen Reiseagentur, mit dem wir uns ohnehin treffen wollten, irgendein Hotel nenne lassen, dann wieder zurück zum Einreiseschalter – und erst mit unserer vermeintlichen Hoteladresse bekommen wir auch die Einreisestempel.

Die Überfahrt mit der Fähre von Hulule nach Male, der „Hauptstadt-Insel“ dauert etwa zehn Minuten und kostet zehn Rufiyaas, knapp einen Dollar – wobei auf den Malediven auch überall Dollars akzeptiert werden, wobei die einheimischen Geschäftsleute und Restaurantbesitzer dann den für Touristen allerdings ungünstigen Kurs von Eins zu Zehn berechnen.

Males fast einzige Sehenswürdigkeit – die goldene Kuppel der Moschee – zieht schon bei der Überfahrt das Auge auf sich. Ansonsten sieht man die „Skyline“ einiger vielleicht sieben- bis achtstöckiger Gebäude am Marine Drive, der Hauptstraße, die die ganze Insel umschließt.

Mit dem Taxi – sinnvoll nur wegen unseres Gepäcks: bei den Entfernungen und vor allem dem verzwickten Einbahnstraßensystem in den in der Innenstadt dann doch recht engen Gassen ist man zu Fuß, in jedem Fall aber mit dem hier weit verbreiteten Fahrrad schneller – fahren wir ins Büro der „Sea N See“, unserer Agentur, klären unsere Unterkunft für unsere Zeit auf den Malediven. Weil wir bereits am 26. um 9.15 Uhr wieder zurück nach Colombo müssen, kommt nur eine Hotelinsel in der Nähe infrage – und mit einem  Tagespreis von 155 US-$ für das All-Inclusive-Angebot ist das Ressort auf Summer Island, 38 Kilometer entfernt im nordwestlichen Male-Atoll da noch das günstigste. Da unser Speed-Boot erst  gegen 15 Uhr im Hafen erwartet wird, bleibt also noch Zeit für die Besichtigung von Male.

Auffallend sind vor allem die Sauberkeit der Inselhauptstadt und der unverkennbare Bauboom, erkennbar an etlichen halb fertiggestellten Rohbauten weiterer mehrstöckiger Gebäude, fast ausschließlich künftigen Appartementhäusern. Vor einigen Jahren noch scheint man ausschließlich ein- oder zweistöckig gebaut zu haben, wie die kleinen, teilweise grün oder rot angemalten, immer noch schmucken Häuser in den Altstadtgassen beweisen.

Was für Male-Besucher interessant sein könnte, findet sich am Marine Drive in unmittelbarer Nähe des Hafens. Hier ist der „Einheimischenmarkt“ vor allem mit Gewürzen und einheimischen Früchten, darunter eine Art Melone, die sich aber aus einer Vielzahl von Einzelstücken zusammenzusetzen scheint, der Fischmarkt, der nun am späten Vormittag aber fast leer steht, der von zwei Kanonen umrahmte Anlegesteg des Präsidenten und auch die große Moschee mit der goldenen Kuppel ist nicht weit. Aus der Nähe betrachtet erscheint die Moschee allerdings wie ein moderner religiöser „Zweckbau“.

Wir gehen in den ebenfalls nahe gelegenen Sultanspark, besuchen dort das Nationalmuseum, untergebracht in einem zweistöckigen Gebäude, das dem Sultan vielleicht als Gartenpavillon gedient haben dürfte. Der Eintritt: 2,50 US-$ pro Person. Einige Steinskulpturen aus der vorislamischen Zeit, vor allem Buddhaköpfe, sind ziemlich achtlos unter dem Dach des Vorplatzes gestapelt, mehrere weitere kleine Buddhafiguren befinden sich dann noch im ersten Stock.

Vor allem widmet sich das Museum aber der Geschichte der Sultane, insbesondere des 20. Jahrhunderts. Von denen sind nun ihre Throne, etwas vornehmere Stühle, ausgestellt, diverse Kleidungsstücke, eine ganze Reihe von Schwarz-Weiß-Fotos, die das „vortouristische“ Male zeigen, als auf der Insel noch keine Hochhäuser standen, ein zerschossenes Motorrad, das bei einem früheren Staatsstreich als Fluchtfahrzeug der Attentäter diente. Dazu gibt es noch ein kleines Münzkabinett, in dem auch einige singhalesische Goldmünzen ausgestellt sind, wie wir sie im Museum in Colombo gesehen haben – nur dass der Kommentar hier heißt: „Herkunft unbestimmt“.

Gegen 12 Uhr, es ist inzwischen fast unerträglich heiß, liefert uns unser Stadt-Guide in einem italienischen Eiscafé ab. Hier machen wir Bekanntschaft mit einem tamilischen Lehrer aus dem Norden Sri Lankas. Seit acht Jahren unterrichte er nun schon auf den Malediven, werde demnächst eine Stelle als Lehrer in Indien antreten. Der Mann, der ein fließendes Englisch spricht, berichtet, er stamme aus Jaffna, habe dort vor dem Bürgerkrieg im Sozialbereich gearbeitet, auch ein Haus gehabt. Von dem Haus habe der Krieg nur noch die Außenmauern übrig gelassen.

Kurz vor 15 Uhr sind wir dann am Hafen, wo sich der Fischmarkt allmählich wieder zu füllen beginnt. Die Fischerboote sind angelandet, laden ihre Beute aus. Doch weil unser Schnellboot jeden Augenblick eintreffen muss, haben wir keine Zeit mehr, das Treiben zu beobachten.

Male, aus immer größerer Entfernung vom Wasser aus gesehen: Eine Skyline von unvermittelt aus dem Meer ragenden Hochhäusern. Nur ein Grund und Boden, auf dem sie stehen könnten, ist irgendwann nicht mehr zu sehen. Males Hochhäuser sind schließlich die höchsten Erhebungen, die es auf den ganzen Malediven gibt.

Schließlich ist aber auch diese wie aus dem Meer ragende Stadt nicht mehr zu sehen, passieren wir eine grüne Insel nach der anderen. Egal, an welcher Stelle des Meeres man sich auch befindet: Immer hat man zwei, drei oder auch mehr dieser Inselchen im Blickfeld.

Mit an Bord unseres Schnellbootes ist ein älteres deutsches Ehepaar, das nun schon zum elften mal auf den Malediven seinen Urlaub verbringt, immer im Resort Reethi Rah auf Medhufinolhu – „Wiederholungstäter“, wie man sie auf den Inseln  ständig antrifft. Vom äußeren unterscheidet sich Medhufinolhu, das wir zum Umsteigen kurz anlaufen, nicht von den anderen Inseln, die wir passiert haben: Ein langer ins Meer gebauter Bootssteg, weißer Strand, zwischen den Palmen einige Bungalows zu erkennen. Wir selbst gehen allerdings nicht an Land, sondern wechseln nun das Boot, um dann mit dem wenige Minuten später unser eigentliches Ziel, die Insel Ziyaaraiyfushi zu erreichen.

Nach Einbruch der Dunkelheit, also nach 18 Uhr, unsere erste „Naturbegegnung“ beim Strandspaziergang: In unmittelbarer Ufernähe schlängelt sich eine Muräne durch das flache Wasser. Andere Touristen berichten, dass die täglich hier um diese Zeit auftauche – so wie an einer anderen Stelle zwei Babyhaie zu den regelmäßigen Besuchern gehören würden.

Freitag, 24. November 2000: Summer Island (Ziyaaraiyfushi)

Unser maledivisches Urlaubsziel misst in der Länge etwa 500 Meter, in der Breite kaum mehr als 50 Meter. Am einen Ende der Insel befindet sich die Anlegestelle, ein Sandweg führt dann vorbei an der Tauchstation und den zwischen den Kokosnusspalmen liegenden ein- bis zweistöckigen Bungalows zur Rezeption und dem Restaurant am anderen Ende. Auf Ost- und Westseite weißer Strand – wobei auf der Westseite ein kleines Bassin errichtet wurde, das zwar manchmal unter Wasser steht, aber wohl mittelfristig der Landgewinnung dient.

Unter den Landtieren von Ziyaaraiyfushi ist an erster Stelle der Gecko zu nennen, dazu gibt es noch ein paar Möwen, sowie einen langbeinigen schlacksigen weißen Vogel, den Kuhpickern auf Sri Lanka ähnlich, nur dass er sich hier, wie ich beobachte, vor allem von kleinen Krebsen ernährt.

Etwa hundert Meter vor der Insel beginnt das „Hausriff“, zu dem per Boot täglich mehrere Schnorchelexpeditionen durchgeführt werden. Allerdings sind de Korallenbänke von Ziyaaraiyfushi von „El Nino“ stark in Mitleidenschaft gezogen worden: Von der Farbenpracht des Riffs blieb nur Braun und Grau erhalten.

Der Fischbestand scheint – zumindest in seiner Vielfalt – weniger gelitten zu haben. Am häufigsten kommt dabei der Weißkehl-Doktorfisch vor, ein flunderförmiges kleines lila Kerlchen eben mit einem weißen Maul und einem gelben Streifen auf dem Rücken. Dazu sehe ich bei meinem Schnorchelgang alle möglichen anderen Doktorfische, Barsche und farbenfrohe Kaiserfische. Andere Schnorchler berichten mir später, sie hätten auch Muränen und Weißspitzenhaie gesichtet, die mir jedoch nicht begegnet sind.

Vor Einbruch der Dunkelheit beginnt unsere zweite Bootstour, diesmal zum Nachtangeln. Bei der Anfahrt zu unserem Ankerplatz sehen wir in der Dämmerung fliegende Fische und in der Ferne auch eine Meeresschildkröte.

Unser Angelgerät besteht aus einer mit Haken und Bleilot versehenen Nylonschnur, die an einem kleinen „Waschbrett“ befestigt ist. Als Köder dienen Fischbrocken. Den ersten Fang des Abends, einen mehr als ellenlangen und breiten Fisch mit rosa Färbung, macht ein Mitglied der Mannschaft. Obwohl auch den Touristen dann noch etliche Opfer an die Leine gehen, bleibt der erste Fang doch auch der mit Abstand größte Fang des Tages. Die Fische, die sich an meinem Haken zu schaffen machen, scheinen cleverer: Einige male fressen sie zwar den Köder fast ganz ab, meiden aber den tödlichen Haken. Und dann, so glaube ich am plötzlichen Zug zu spüren, muss ein ganz Großer angebissen haben. Mit erheblichem Kraftaufwand versuche ich nun, die Leine wieder hochzuziehen, doch da hört der Widerstand urplötzlich auf. Als ich das Nylonseil ganz aus dem Wasser gezogen habe, fehlt nicht der Köder. Der ganze Haken ist abgebissen worden.

Dabei bin ich eigentlich ganz froh, dass die Angeltour für mich so „glücklos“ ausging: Den gefangenen Fischen – alle von den Arten, die man sie zuvor beim Schnorcheln mit Begeisterung beobachtet hat – wird nämlich an Bord der Haken aus dem Maul gezogen, und mit ihren weit aufgerissenen Mäulern werden sie dann noch lebend in einen Eimer geworfen, wo sie bis zu ihrem Ende hilflos zucken.

Samstag, 25. November 2000: Gaafaru – Kagi – Eriyadho – Ziyaaraiyfushi 

Zu unserem All-Inclusive-Programm vom Summer-Island-Resort gehört auch „Inselhopping“ im nordwestlichen Nord-Male-Atoll.

Beginn ist um neun Uhr morgens, auf dem Programm stehen drei Inseln: Eine sogenannte „Eingeborenen-Insel“, eine „Robinson-Insel“ und schließlich eine „Hotel-Insel“.

Bevor wir Gaafaru, die „Eingeborenen-Insel“, anlaufen, passieren wir zunächst zwei „Baby-Inseln“, Sandbänke, die sich gerade zu Inseln entwickeln.

Die erste, umgeben von einem fast bis an die Wasseroberfläche reichenden Riff, ist noch eine reine Sandbank, ohne auch nur eine Spur von Vegetation. Aber es nisten bereits einige Vögel hier, und die gefiederten Gäste werden irgendwann einmal auch den Samen für die künftige Flora liefern.

Bei der zweiten Sandbank ist der Vegetationsprozess bereits im Gange. Drei oder vier noch ganz dünne Palmenstämme sprießen vorsichtig aus dem weißen Sand empor. Dazu wird hier offensichtlich auch regelmäßig Sand angefahren, um die Landgewinnung etwas zu beschleunigen.

Gaafaru wird in den Reiseführern als „abgelegen“ beschrieben – aber weltvergessen ist die Insel deshalb noch lange nicht. Auf einer beiden Hafenmolen stehen elektrischen „Straßenlampen“ – und auch eine Telefonzelle ist zu finden.

Das Dorf bedeckt fast die ganze Insel, ist unterteilt durch geradlinige Straßen, die Häuser meist schlicht aus Zement gebaut, einige ältere Mauern aber auch aus Korallengestein. In den Gärten – besser: auf den Höfen – denn Blumen gibt es hier nicht, und auch Haustiere sind außer einigen Hühnern nicht sehr verbreitet – stehen Kokosnusspalmen, ab und an sieht man Einheimische, die gerade Kokosnüsse raspeln.

Ein Dorfladen muss den Bedarf an dem decken, was das Meer oder der eigene Hof nicht hergibt.

Die jüngeren unter den einheimischen Kindern – die älteren sind noch in der Schule – lassen sich auch gern fotografieren. Allerdings wollen sie auch für jedes Foto einen Dollar.

Kagi, die sogenannte Robinson-Insel, ist ein mit Grillstation und Rastplatz ausgebauter Anlaufpunkt für die Ausflugsboote von den Hotel-Inseln. Das besondere an Kagi ist allerdings das Korallenriff, das die Insel ziemlich eng umfasst und das auch gleich steil und tief abfällt, so tief jedenfalls, das man zur Meerseite hin beim Schnorcheln den Grund nicht mehr erkennen kann. Beim Schnorcheln beobachte ich neben etlichen anderen Meeresbewohnern zwei Weißkehl-Doktorfische, die ständig im Kreis umeinander herumtänzeln – möglicherweise ein Paarungsritual.

Auf der Hotel-Insel Eriyadho werden wir von einem Storch begrüßt, an der Mole schwimmt ein Tintenfisch. Ansonsten werden wir hier mit den Getränkepreisen konfrontiert, die Urlauber, kein All-Inclusive-Paket abgeschlossen haben, berappen müssen. Eine Tasse Tee kostet stolze drei US-$.

Vor 17 Uhr sind wir wieder auf Ziyaaraiyfushi, wo wir beim späteren Strandspaziergang bei Sonnenuntergang noch auf zwei Muränen stoßen, die in den Korallen in Strandnähe auf Beute lauern.

Nach dem Abendessen erleben wir an der Mole – am Tag ein Tummelplatz für alle möglichen Fische – eine „maledivische Filmszene“: Ein Fischerboot, ein echtes Dhoni mit hohem Segelmast, aber natürlich auch mit Motor, entlädt seine Fracht, die Beute des Abends, alles schwere, große graue Fische, möglicherweise vor allem Barrakudas. Während die Fischer ihren Fang auf die Mole werfen, gleiten ein halbes Dutzend in eleganten Bewegungen durch das Wasser.

Sonntag,  26. November 2000: Ziyaaraiyfushi – Hulule –  Negombo

In der Morgendämmerung um 5.30 Uhr verlassen wir Ziyaaraiyfushi mit dem Schnellboot, um rechtzeitig vor 7 Uhr auf dem Flughafen von Hulule zu sein.

Bei der Anfahrt erscheint Male zunächst viel größer, als es tatsächlich ist: Um die Hauptinsel der Malediven herum ankern Dutzende, vielleicht sogar weit über hundert Frachter, die man aus der Entfernung für größere Häuser halten könnte.

Unsere Maschine nach Sri Lanka, Starttermin 9.15 Uhr,  hat etwa 30 Minuten Verspätung. Über dem Flughafen von Colombo liegen Wolken – und nach dem Inselwetter der letzten Tage erscheint uns der Wind sogar als kühl.

 Im Hotel in Negombo erfahren wir von anderen Touristen, dass Neckermann alle Ausflüge nach Colombo storniert hat. In der Hauptstadt soll es wieder Unruhen gegeben haben.

Montag, 27. November/Dienstag 28. November 2000: Negombo

Vor dem Rückflug verbringen wir noch zwei weitere Tage am Swimmingpool unseres Hotels.

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