Um 10 Uhr vormittags,
nach unserem Frühstück im Hotel, fahren wir mit dem Tuktuk, einem
jener dreirädrigen zur „Taxe“ ausgebauten Mopeds, in die „City“
von Negombo, wo wir eigentlich auf den Früchtemarkt wollen. Für einen
Besuch des Fischmarktes ist es schließlich schon einige Stunden zu spät.
Da hätten wir schon gegen sechs Uhr aufbrechen müssen.
100 Rupien, also etwa
drei Mark, will der Fahrer für die einfache Tour haben; ich biete ihm
70, und auch damit ist er ohne zu zögern einverstanden. Im Hotel hatte
ich mich zuvor über die Fahrpreise erkundigt: Einer der Zimmerboys
hatte den Preis mit 60 Rupien angegeben, der Hotelchef, mit dem wir am
Abend vorher geplaudert hatten, schätze den Preis auf 100 Rupien,
wollte aber selbst 150 Rupien nicht ausschließen. Möglicherweise
nehmen die Fahrer auch von den Einheimischen unterschiedliche Tarife, je
nachdem, wie sie ihren Fahrgast finanziell einschätzen.
Die Fahrt dauert rund
10 Minuten, endet am Hauptplatz von Negombo, erkennbar an dem kleinen
Uhrturm in seiner Mitte. Auf die Zeitangabe der Uhr darf man sich
allerdings nicht verlassen: Sie geht um gut zwei Stunden falsch.
Was unter Gemüse-,
bzw. Früchtemarkt zu verstehen ist, bleibt für uns dabei unklar: Es
gibt etliche Verkaufsstände auch für Obst und Gemüse in den Straßen,
natürlich jede Menge andere kleine Läden in den Häusern – aber
keinen tatsächlich „geschlossenen Markt“. Zumindest können wir ihn
nicht entdecken.,
Dafür werden wir nun
von einem Einheimischen angesprochen, der sich als einer der Köche vom
Sunflower Hotel vorstellt, sagt, wir hätten am Vorabend auch kurz mit
ihm gesprochen. Wirklich erinnern kann ich mich nicht an ihn, aber dies
besagt ja nichts. Jedenfalls sagt unser Begleiter, dass er in dieser
Woche in der Spätschicht ab 14 Uhr
arbeite, und fängt dabei an, uns durch Negombo zu führen.
Zunächst geht es in
eine katholische Kirche, ein großer, für Negombo ausgesprochen
imposanter Bau, mit schmuckvoller Deckenbemalung, wobei die
aufgestellten Statuen auf mich eher kitschig wirken.
Wir trinken in einem
Guesthouse am Hafen noch einen Lemonjuice – und dann hat uns unser
Koch zu einer Bootstour durch die Lagune überredet. Der Preis: 2000
Rupien für zwei Personen, angeblich von ihm speziell für uns
heruntergehandelt – in Relation zu den Preisen des Landes bei näherem
Hinsehen allerdings immer noch überteuert. Ich habe mittlerweile aber
meine Zweifel, ob es für Touristen hier wirklich billigere Angebote
gibt.
Als wir gerade ins
Boot einsteigen wollen, donnert eine Militärmaschine, meines Erachtens
ein Bomber, über uns hinweg. Er sei auf dem Weg nach Jaffna, dem Stützpunkt
der Tamil Tigers, meint unser Begleiter.
Eine Stunde dauert
die Fahrt durch die Lagune, vorbei an dem kleinen geradlinigen Kanal,
der noch aus der Zeit der Holländer stammt, vorbei an den einfachsten,
unmittelbar am Wasser stehenden Fischerhütten (selbst die ärmlichste Hütte
verfügt jedoch über eine Fernsehantenne), vorbei an mehreren kleinen
Werften, auf denen die größeren Boote zusammengebaut werden.
Am Fischmarkt machen
wir Stopp, steigen aus, um uns die nun fast völlig verwaisten
Verkaufsstände anzusehen.
Obwohl der Markt seit
Stunden vorbei ist, hängt der Fischgeruch allgegenwärtig über der
ganzen Gegend.
Ein Laden hat noch
offen. In den Plastikbehältern krabbeln dunkle, handgroße Krebse.
Gefangen werden Haie, Thunfische, Sardinen, erzählt unser Begleiter bei
der Weiterfahrt. Am Strand sieht man auch immer wieder Männer, die die Fänge
aus den Netzen sortieren. Krabben dagegen werden in der Lagune selbst
gefangen. Weiße Plastikbojen markieren die einzelnen Netze, die
teilweise von Kindern bewacht werden.
Romantisch der Blick
aus der Lagune hinauf aufs Meer: Links und Rechts das Land mit seinen
Fischerhüten, draußen auf See die Segel der Katamarane.
In der Lagune – das
Wasser ist allerdings günstigstenfalls als trübe zu bezeichnen –
gesellen sich zu den in Negombo allgegenwärtigen Krähen noch die weißen
Fischreiher.
Um 13.30 Uhr sind wir
wieder an Land, kaufen für unseren Begleiter noch eine Packung
Trockenmilch für seine Kinder (vier will er haben), zahlen dafür den
stolzen Preis von 650 Rupien.
Danach schlendern wir
noch alleine durch die Stadt, entdecken in der City einen kleinen Markt
für Textilien, fahren dann wieder mit dem Tuktuk ins Hotel zurück, wo
wir bis zum am Nachmittag einsetzenden Regen am Pool liegen.
Am Abend unternehmen
wir noch einen kleinen Spaziergang vom Hotel in nördliche Richtung,
gelangen dabei in den „Villenvorort“ von Negombo. Der Unterschied zu
den Fischerhütten ist jedenfalls beachtlich, auch, wenn es sich aus
europäischer Sicht eher um normale Einfamilienhäuser handelt.
Freitag, 10. November 2000: Negombo
Vormittags fahren wir
wieder mit dem Tuktuk in die Stadt, um bei einer Bank Geld zu tauschen.
Trotz der langen Schlange von Einheimischen an der Kasse verläuft die
Prozedur schnell und unkompliziert: Man legt seinen Pass vor, ein
Bankangestellter errechnet den Kurs, man erhält das Billet, holt das
Geld an der Kasse ab. Das ganze dauert, obwohl die Bank voll ist, keine
zehn Minuten.
Danach kaufen wir für
Karin auf dem Markt, den wir gestern gesehen haben, einen Sarong. Der Händler
fordert nur für den Stoff zunächst 650 Rupien, dazu 20, um ihn
zurechtschneiden zu lassen, wir verständigen uns auf 350 für den Stoff
und eben die 20 für den Schneider.
Wir unternehmen noch
einen kleinen Abstecher auf den Früchtemarkt: Eine Straße mit etlichen
kleinen Ständen, dazu ein überdachtes Gebäude, in dem es stark muffig
riecht und wo an jeder Kasse ein Maggi-Schild hängt. 20 Rupien zahlen
wir für eine kleine Ananas, 15 Rupien für eine kleine Staude Bananen.
Den Rest des Tages
verbringen wir im Hotel, unternehmen nur noch einen kleinen
Strandspaziergang an den Fischerhütten vorbei. Es ist gegen 14 Uhr, die
Zeit der größten Mittagshitze – und nicht einmal die Strandhändler
lassen sich sehen. Vielleicht sieht man uns in den Badehosen aber auch
ganz einfach an, dass wir kein Geld bei uns haben können.
Samstag, 11. November 2000: Pinnawela – Kurunegala – Dambulla –
Polonnaruwa
Kurz hinter Negombo
entdecken wir am Straßenrand unsere erste dörfliche Stupa, kein
besonders großer Bau, das ursprüngliche Weiß schon weitgehend
verschmutzt, aber heute – wir haben Vollmund – mit bunten Fahnen
geschmückt. Es liegen auch einige frische Blumen vor dem buddhistischen
Heiligtum, doch ansonsten dösen momentan zu so früher Stunde hier nur
ein paar ziemlich verlaust aussehende Hunde.
Kurz nach sechs Uhr
früh haben wir mit unserem Führer Anil und unserem Fahrer Negombo zur
Drei-Tages-Tour verlassen, sind in den Norden Richtung Polonnaruwa, dem
ersten Tagesziel aufgebrochen. Zwei Dinge gehören, so berichtet Anil,
immer zu einer Stupa: Ein Bodhi-Baum, Ableger jenes Baumes, unter dem
Buddha seine Erleuchtung empfing, sowie eine Reliquie von Buddha selbst,
die dann innerhalb der hohlen Kuppel aufbewahrt wird.
Kein Quadratmeter
entlang unseres Weges, zunächst noch eine gut ausgebaute zweispurige
Straße, ist ungenutzt: Wir kommen an unter Wasser stehenden Reisfeldern
vorbei, auf denen sich Wasserbüffel und Kuhreiher tummeln, an
Kokosnuss- und Bananenplantagen. Wir
sehen einfache Lehmhütten, daneben aber auch kleine, solide aus Stein
gebaute Ein-Familien-Häuschen.
Unser erstes
Etappenziel ist das „Elefantenwaisenhaus“ von Pinnawela, kein Haus,
sondern ein großzügiges Gelände mit viel Wald, in dem etliche Dutzend
Elefanten mit ihren Pflegern leben. Auch die Bezeichnung Waisenhaus
trifft den Kern nicht genau: Ziemlich am Eingang werden die Besucher von
einem angeblich 52 Jahre alten Tier mit halb abgebrochenen, früher wohl
sehr eindrucksvollen Stoßzähnen begrüßt. Der Senior, der zwar
angekettet, aber friedlich im
Gras steht, ist blind, wäre ohne die Hilfe von Menschen wohl kaum überlebensfähig.
Das gilt auch für das junge Tier, das auf seinen drei Beinen der Herde
hinterher humpelt – Opfer eine Landmine.
Höhepunkt für die
Besucher ist die um neun Uhr beginnende Fütterung. Die jüngeren Tiere
werden unter ein Dach getrieben, angekettet, damit sie sich nicht ins
Gehege kommen – und dann aus großen Flaschen mit Milch gefüttert.
Bei unser Weiterfahrt
in den Norden passieren wir Kurunegala, laut Anil die „längste“
Stadt in Sri Lanka. Tatsächlich ist das Landstädtchen ein lang
gezogenes Straßendorf oder eben auch eine Straßenstadt, durch die sich
nun der Verkehr staut: Ein Wochenmarkt zieht offensichtlich Besucher aus
der ganzen Umgebung an.
Gegen Mittag haben
wir Dambulla erreicht, steigen, beäugt von neugierigen Rhesusaffen mit
fast menschlichen Gesichtern, den Felsen empor zu den Tempelhöhlen.
Gefilmt und
fotografiert werden darf nur auf dem Vorplatz des hoch gelegenen
Tempels, von dem aus man einen wunderbaren Rundblick über das grüne
Tal, seine Hügel und den entfernt liegenden künstlichen See genießt.
Die Höhlen mit ihren Buddhastatuen und den 1500 Jahre alten Fresken
sind für Fotoapparate tabu. In der ersten Höhle befindet sich eine
etwa zehn Meter lange Statue des gestorbenen Buddha mit halb geöffneten
Augen, eine andere Höhle beherbergt einige Dutzend Statuen des
meditierenden Buddha, die Höhle am Ende des Platzes schließlich den
schlafenden Buddha.
Beeindruckend in
dieser klassischen Anlage des Buddhismus: Eine kleinere Höhle ist einer
Hindu-Gottheit gewidmet, drei Hindupriester nehmen die Opfergaben der Gläubigen
entgegen, Früchte und Kleingeld, erledigen dann für die Spender die
Gebete.
Im Vergleich zum Süden
ist die Gegend hier dünn besiedelt, links und rechts der Straße sieht
es ausgesprochen urwaldähnlich aus, vereinzelt lassen sich Affen an der
Straße blicken. Und: Immer wieder kommen wir an Militärkontrollpunkten
vorbei, hat die Armee Straßensperren errichtet, die wir in
Schlangenlinie durchfahren müssen.
Etliche Kilometer vor
Polunnaruwa beginnt das „Elefantenland“ – und an der Straße laden
einige Stationen zur „Elefantensafari“. Zehn US-Dollar pro Person
zahlen wir für einen halbstündigen Elefantenritt, der uns über
morastige Feldwege zu einem kleinen See führt, in den unser Reittier
dann steigt, um zumindest ein „Halbbad“ zu nehmen und einmal den Rüssel
voll Wasser zu nehmen.
Als bequem kann man
einen solchen Ritt kaum bezeichnen – dafür schaukelt die Sänfte auf
dem Elefantenrücken dann doch zu heftig. Ein Erlebnis ist aber die
Aussicht aus der luftigen Höhe: Wir entdecken mehrere Chamäleons und
schließlich auch einen Mungo, der ziemlich gemächlich durch das Gras
schleicht.
Bei der Weiterfahrt
entdecken wir zunächst zwei Pfauen, dann in vielleicht hundert Meter
Entfernung auf einer Lichtung am See eine große Elefantenherde von etwa
50 Tieren. Selbst für die Einheimischen ist der Anblick einer so großen
Herde von Wildelefanten eine Besonderheit – und sogar die Linienbusse
halten an, damit sich die Fahrgäste an dem Schauspiel erfreuen können.
Die alte Königsstadt
Polonnaruwa aus dem 12. Jahrhundert erreichen wir im strömenden Regen,
verschaffen uns erst im trockenen Museum einen Überblick, sehen die
Modelle des alten Königspalastes und des großen Buddha-Tempels, dazu
etliche kupferne Kleinmünzen, verrostetes Handwerkszeug, und natürlich
unendlich viele Buddha-Statuen, sowohl aus Stein wie aus Metall, in
allen Größen.
Die Regenfreien
Minuten nutzen wir dann zur Erkundung der antiken Stätten: Vom alten Königspalast
sind nur noch eine mächtige Ziegelmauern und die Audienzhalle
geblieben; gut erhalten ist dagegen das königliche Bad, das zu seiner
Zeit der Inbegriff verschwenderischen Luxus gewesen muss.
Sorgsam
wiedererrichtet wurde ein kleiner Hindutempel, in dessen Mittelraum ein
mit frischen Blumen geschmücktes Phallussymbol für die Fruchtbarkeit
steht. Davor liegen in Schälchen kleine Münzen, Opfergaben von Gläubigen,
die auf Nachwuchs hoffen. Wie auch in Dambulla wirken Buddhismus und
Hinduismus hier friedlich nebeneinander.
Wie ernst es die
Singhalesen allerdings mit dem Verbot, sich neben einer Buddhastatue
fotografieren zu lassen, nehmen, muss eine französische Reisegruppe
erfahren. Eine Touristin ließ sich von ihrem Mann neben einer
Buddhastatue fotografieren – und nun verlangen die Parkwächter die
Herausgabe des Films.
Zum Abschluss unseres
Polonnaruwa-Rundganges stehen wir vor den gigantischen steinernen
Buddha-Stautuen, die in den Felsen geschlagen wurden – und werden hier
von einem wahren Wolkenbruch überrascht.
Die Nacht verbringen
wir im Sudu Araliya Hotel, einem luxuriösen Bau in herrlicher
Parklandschaft.
Draußen hat sich der
Regen nun allerdings endgültig durchgesetzt.
Sonntag, 12. November 2000: Polonnaruwa – Sigiriya – Matale –
Kandy
Wie großzügig der
Park unseres Hotels – der Besitzer, mit dem wir am Abend zuvor
gesprochen hatten, ist ein Bruder des Landwirtschaftsministers –
wirklich ist, entdecken ich erst am nächsten Morgen: Es gibt sogar ein
Gehege für Antilopen; der Park grenzt unmittelbar an den großen See.
Bei der Weiterfahrt
legen wir am See noch auch unseren ersten Fotostopp ein: Eine gut zehn
Meter hohe Buddhastatue, Nachbildung eines Monuments aus der alten Königsstadt
Anduradhapura, steht mächtig am Ufer, das spiegelglatte Wasser und die
sanften Hügel am gegenüberliegenden
Ufer geben ein Bild der Idylle ab.
Der dunkle Felsen mit
den roten Farbeinsprengseln von Sigiriya macht bereits aus der
Entfernung einen beherrschenden Eindruck. Doch bevor man das Gelände
der eigentlichen Felsenfestung betritt, durchquert man die Überreste
eines antiken Wassergartens, einer Ansammlung von Bassins auf gepflegter
grüner Wiese, die älteste nachweisbare Parkanlage in Südasien.
Gut 3000 Menschen würden
täglich nach Sigiriya pilgern, schätzt Anil, und obwohl es gerade erst
gegen neun Uhr morgens ist, drängen sich auf den steilen Treppen zum
Felsen hoch bereits die Besucherschlangen. Anil bezeichnet Sigiriya
nicht einmal übertrieben als das „achte Weltwunder“, ein
Weltwunder, das wir allerdings einem Vatermörder aus dem fünften
nachchristlichen Jahrhundert verdanken.
Die Geschichte von
Sigiriya: Ein Prinz ermordet seinen Vater, muss dann fliehen, errichtet
auf dem als uneinnehmbar erscheinenden Felsen seine Fluchtburg, wird
aber trotzdem 18 Jahre später von der Armee seines aus Nordindien
herangezogenen Bruders besiegt.
Wie immer der rächende
Bruder das angestellt haben mag: Die Felsenfestung im Sturm zu nehmen
wird ihm kaum möglich gewesen sein. Mächtige Monolithen dienten, noch
heute an den eingeschlagenen Stufen erkennbar, als Wachtürme, und der
eigentliche kegelförmige Felsen von Sigiriya ragt dann gleich steil
insgesamt rund 400 Meter in die Höhe.
Neben den eisernen
Treppen aus unserer Zeit sind noch die eingeschlagenen Stufen erkennbar,
ein Auf- bzw. Abstieg, der damals eher beschwerlicher als heute gewesen
sein muss.
Auf halber Höhe
befindet sich die erste Plattform, die, für die Sigiriya zu einem der
bekanntesten Touristenziele Sri Lankas wurde, die „Wolkenmädchen“,
heute noch zwölf erhaltene in den Fels gemalte vollbusige Tänzerinnen
oder mit feinen Gesichtern, die Farben noch immer so frisch, als wären
sie erst vor kurzem aufgetragen worden. Neben dem schmalen Plateau mit
den „Wolkenmädchen“ führt ein durch eine Mauer geschützter Gang
an das Ende des ersten Plateaus. Das Besondere dieser
„Spiegelmauer“: Hier wurden in früheren Zeiten die Fresken durch
die Sonne reflektiert, so dass alles als ein gigantisches Felsgemälde
erschienen sein muss.
Von diesem ersten
Plateau bereits hat man einen Rundblick über die dicht bewaldete
Umgebung bis zu den Hügeln in der Ferne, unmittelbar unter dem Felsen
der Wasserpark als sattgrünes, geordnetes Einsprengsel in der urwüchsigen
Landschaft. Von der Residenz des prinzlichen Vatermörders ist dagegen
nur wenig geblieben. Ein ummauertes Bassin diente als Schwimmbad, von
einem Löwentor begann der Aufstieg auf die eigentliche Plattform des
Felsens. In der Mitte dieser zweiten Plattform
markiert ein eingelassener Stein die höchste und letzte Stufe
– mehr ist hier von der ganzen Prachtentfaltung nicht geblieben.
Während wir uns an
den Abstieg machen, fängt es wieder an zu regnen – ein Regen, der uns
nun fast den ganzen Tag über begleiten wird.
Auf unserer Weiterfahrt über Matale nach Kandy legen wir drei
Shopping-Stopps ein: An einer Batikfabrik, einer Holzschnitzerei und
einer Gewürzplantage.
Die Batikfabrik, so
berichtet Anil, gehört einem bekannten einheimischen Künstler, der die
Vorlagen für die Motive liefert, meist Elefanten oder Szenen aus dem
Dorfleben. Mit dem Auftragen der Farben auf die Stoffe, dem Einwachsen
und schließlich dem Auswaschen des Wachses sind ausschließlich Frauen
beschäftigt, die jedes einzelne Stück mit der Hand bearbeiten.
Ausschließlich
Handarbeit bekommen wir auch in der Holzschnitzerei zu sehen:
Buddhastatuen, fein ziselierte Möbel wir zum Tische, Preis um die 600
US-Dollar, Masken und natürlich wieder Elefanten in allen Größen.
In
Matale essen wir
Mittag, besuchen dann den Hindutempel, einen der größten in der
Gegend. Mit ihren Türmen voller geschnitzter Götterfiguren und den Löwen
an den Ecken des Gebäudes wirkt der Hindutempel für westliche Augen
weit lebensfroher als die im vergleich dazu zurückhaltenden
buddhistischen Anlagen. Per Zufall werden wir Gäste einer
hinduistischen Hochzeitsgesellschaft, die in dem großen Saal neben dem
Tempel feiert. Der Bräutigam, wie uns gesagt wird ein reicher Geschäftsmann,
steht aufgeputzt wie ein Maharadscha aus dem Bilderbuch auf der Bühne
neben seiner wesentlich jüngeren Braut zum Hochzeitsfoto bereit, hinter
den beiden ein goldener Pavillon als Kulisse. Im Saal tummeln sich
unterdessen die gut gekleideten Hochzeitsgäste zum Plausch
untereinander, während die ärmeren in gewöhnlicher Alltagskleidung in
der letzten Reihe sitzen und sich am Festmahl vergnügen.
In strömendem Regen
stehen wir schließlich in der Gewürzplantage: Seit zwölf Generationen
sei sie im Familienbesitz, erzählt uns der jetzige Besitzer, und ihr
eigentlicher Schatz, den wir allerdings nicht zu Gesicht bekommen, seien
die alten Schriften, in denen von Generation zu Generation das Wissen um
die heilende Kraft der Gewürze weitergegeben und ergänzt wird.
Auffällig: Um die
einzelnen Pflanzen herum wurden Kokosnussschalen aufgehäuft, was
angeblich bewirkt, dass die Pflanzen zwar langsamer wachsen, aber ihr
Wirkungsgrad erhöht wird. Schenkt man den Worten des Eigentümers vom
„Lords Spice & Herbal Garden“ Glauben, bewirken die Gewürze in
der Ayurveda-Medizin wahre Wunderdinge: Öle beseitigen Krampfader auf
Lebenszeit, ein Gemisch aus Sandelholz, Zimt und Nelken stärkt den
Zahnschmelz und befreit ebenfalls auf Dauer von jeder Form von
Zahnbelag. Nach einer Woche bereits sei der Zahnbelag verschwunden, nach
acht Wochen stelle sich dann die bleibende Wirkung ein. Was die Mixtur
gegen den Zahnbelag betrifft, lasse ich mich auf ein Experiment ein und
kaufe zwei Gläser für zusammen rund 40 Mark.
Auch in
Kandy gilt
unsere erster Stopp einer Fabrik, diesmal einer Edelsteinschleiferei.
Schade, dass die wirklich interessanten Stücke, die rohen,
ungeschliffenen Steine hier nicht verkauft werden dürfen, weswegen wir
nur für 110 Mark einen 6,9 Karat schweren geschliffenen dunkelblauen Amathist
kaufen.
Von der
Edelsteinfabrik geht es zur halbstündigen Folkloreshow der „Kandy
Tanzgruppe Dance Lanka“, die im Stadtzentrum über ein eigenes Theater
verfügt. Einige der Tänze werden mit akrobatischen Einlagen unterlegt,
aber alles in allem wirkt die Vorführung auf mich eher wie eine
touristische Massenabfertigung, wobei sich für meinen Eindruck die Tänzer
auch absolut asynchron bewegen. Aufregender ist da schon der folgende
Feuerlauf, bei dem die – männlichen – Mitglieder der Tanzgruppe auf
dem Hof über ein brennendes Holzkohlebecken laufen.
Zu Fuß begeben wir
uns dann vorbei an dem künstlichen See in der Mitte Kandys zum
„Zahntempel“, wo um 19.30 Uhr der Schrein, in dem der Backenzahn des
Buddha liegen soll, der Öffentlichkeit präsentiert wird. Zunächst
einmal muss man allerdings seine Schuhe an der „Garderobe“ abgeben,
passiert dann eine Polizeikontrolle, wo die Besucher mit
Metalldetektoren abgesucht werden. Vor zwei Jahren, so Anil, hat es nämlich
einen Bombenanschlag auf den Tempel gegeben, als Folge wurden dann die
Sicherheitsmaßnahmen eingeführt. Zumindest bei Ausländern ist die
Kontrolle aber äußerst lasch.
Im Erdgeschoss des
Gebäudes werden die Gläubigen von einem Paukenschläger empfangen, im
oberen Stockwerk drängen sich die Menschen dann, um in einer
Prozessionsschlange an dem Zahn vorbeizuziehen. Ein Separée unmittelbar
vor dem noch verschlossenen Raum ist denen vorbehalten, die an diesem
Tag besondere Spenden an den Tempel abgeführt haben.
Pünktlich um 19.30
wird die silberne Tür der Kammer geöffnet – und im Inneren sieht man
ein größeres ebenfalls silbernes Gefäß, in dem das Heiligtum liegen
soll. Auch Anil ist fest davon überzeugt, dass da wirklich der
Backenzahn des Buddha ist, obwohl auch er noch nie den Inhalt des Gefäßes
mit eigenen Augen gesehen hat. Nun pilgern die Gläubigen und unzählige
Touristen an dem Gefäß vorüber, die Gläubigen verneigen sich, die
Touristen knipsen – und wir versuchen, jeweils vor der nun durch den
Tempel strömenden Menschenmenge die wichtigen Sehenswürdigkeiten der
Anlage zu erreichen.
Als erstes führt uns
Anil in den Bibliotheksraum, eigentlich nur ein kleines Zimmer mit
einigen Holzschränken, aber in denen werden die alten Bände mit den
auf Sanskrit beschriebenen Palmblättern aufbewahrt, einige angeblich
bereits gut 2000 Jahre alt, andere, bedruckte Folianten, „erst“
einige Jahrhunderte. Auf dem mittleren Tisch stehen dazu goldene oder
elfenbeinerne Buddhafiguren, jede wohl ein Vermögen wert.
Von hier ziehen wir
in einen großen Saal voller goldener Buddhafiguren. An den Wänden hängen
– neuere – Gemälde, die die Geschichte des Zahns erzählen: Weil
der heilige Zahn in Indien von hinduistischen Glaubenseiferern zerstört
werden sollte, schmuggelte ihn eine Prinzessin nach Sri Lanka, wo ihn
der König zunächst in seinem Thron versteckte, ihm dann einen eigenen
Tempel bauen ließ. In der Folgezeit zog der Zahn dann mit in die
wechselnden Hauptstädte des Inselreiches, wurde wieder nach Indien entführt,
gelangte wieder nach Sri Lanka – und soll nun in eben einem Schrein
seinen endgültigen Platz gefunden haben.
Die Nacht verbringen
wir im Keells Hotel, einem wirklichen Luxushotel etwas außerhalb der
Stadt, unmittelbar am Ufer des Mahaweli Ganga.
Montag, 13. November 2000: Kandy – Ramboda Falls – Mackwoods Tea
Plantage – Nuwara Eliya – Negombo
Als wir morgens um
sieben Uhr aufbrechen, wird im Mahaweli bereits fleißig gearbeitet: Die
Erde des Flussbodens gibt
gutes Baumaterial ab, und so stehen Männer auf Flößen oder am Ufer,
schachten in Handarbeit den Fluss aus, füllen die Erde in Säcke, die
dann zu den bereit stehenden Lastwagen geschleppt werden. Eine äußerst
ungesunde Knochenarbeit: Viele von denen, die hier arbeiten, sagt Anil,
litten an Rheuma.
Zunächst quälen wir
uns den durch den dichten Verkehr von Kandy, um auf einen Aussichtspunkt
oberhalb der Stadt zu gelangen: Von diesem Punkt in Kandys Villenviertel
sieht man auf den quadratischen See, der die Stadtmitte markiert, die
kleine Vergnügungsinsel in seinem Zentrum, den weißen Bau des
Zahntempels und schließlich eine alle Gebäude überragende
Buddhastatue am anderen Ende der Stadt.
Nun fahren wir zum
Botanischen Garten, neben dem Zahntempel die zweite Attraktion Kandys.
200 Menschen sind damit beschäftigt, die aus allen tropischen Ländern
zusammen getragenen Pflanzen zu pflegen und hegen, den saftig grünen
Rasen sauber zu halten. Teilweise erinnert dieser Botanische Garten dann
auch an einen urenglischen Golfplatz, trotz der verschiedenen
Palmensorten, die hier gedeihen und der Scharen von Flughunden, die sich
in den Gipfeln der Bäume nieder gelassen haben.
Prachtstück des
Gartens ist ein kleiner Hain auf einer grünen Wiese, wobei sich dieser
Hain beim Nähern als ein einziger Baum, ein Ficus Benjamin, entpuppt,
der mit seinen breit gefächerten Verästelungen ein kreisrundes Areal
von immerhin 600 Quadratmetern bedeckt.
Nach diesem
botanischen Exkurs nehmen wir nun Kurs ins Hochland, nach Nuwara Eliya.
Wir fahren in das Land des Tees.
Die Straße ist zwar
gut asphaltiert, aber schmal und kurvig – und neben der Straße geht
es oft steil bergab. Mn sieht auf grüne Täler, zunächst noch mit
Reisterrassen, auf klare blaue Seen, kommt an einigen kleinen Wasserfällen
vorbei.
An den Ramboda Falls
legen wir einen Stopp ein, essen im „Ramboda Falls Hotel“ zu Mittag.
Egal, welchen Platz man auf der Hotelterrasse wählt, überall hört man
das Rauschen der insgesamt sechs Wasserfälle, die diesen Ort umschließen.
Trotz des paradiesischen Ausblicks soll das Land auch für
srilankesische Verhältnisse extrem billig sein: Nur die ärmeren
Einheimischen würden hier Häuser errichten, meint Anil. Dabei wähnt
sich der europäische Reisende hier fast wir in den mittleren Alpen.
Unser nächstes Ziel
ist die Mackwoods Tea Fabrik, 1841 gegründet und heute die zweitälteste
Firma im Land. 2000 Menschen würden auf der Plantage und in der Fabrik
arbeiten, erklärt uns nun unsere Führerin durch die Anlage, vor allem
Pflückerinnen auf den weitläufigen Plantagen.
45 Jahre alt wird der
Strauch, der die Teeblätter abgibt, und alle zwei Monate kann er
abgeerntet werden. Dabei nimmt die Pflückerin aber jedes Mal nur die
drei obersten hellen Blätter, wirft sie dann hinter sich in den Korb,
den sie bei ihrer Arbeit auf dem Rücken trägt.
Das Trocknen,
Sortieren, Mahlen und Verpacken der Teeblätter geht dann allerdings
extrem schnell: Ganze zwölf Stunden
dauert es nur, bis ein Teeblatt vom Strauch in den Sack zum Export
findet.
Bei der Weiterfahrt fällt
dann endgültig auf: Weit und breit ist das bergige Land von
Teepflanzungen bedeckt – und auf den wenigen freien Stellen stehen die
bescheidenen Häuser der Teepflücker-Familien, fast alle tamilischen
Ursprungs, im vorigen Jahrhundert von den Briten als billige Arbeitskräfte
aus Indien auf die Insel geholt. In einem der tamilischen Orte, durch
die wir kommen, habe es erst drei Wochen zuvor wieder heftige Unruhen
gegeben, berichtet Anil – aber nun sei die Lage wieder ruhig.
Nuwara Eliya lernen
wir als weit verzweigtes Bergstädtchen kennen, ein Ort, der schon beim
Durchfahren als Erholungs- und Kurort erscheint. Hier besuchen wir den
„Hills Club“, einst der Sitz des vornehmen englischen Jagdclubs –
und auch heute noch im Stil eines englischen Landhauses gehalten.
Im Clubzimmer hängen
Jugendfotos von Königin Elizabeth II und des Prinzgemahls, eine
Ehrentafel erinnert an die Generationen von Clubpräsidenten, ein Amt,
das offensichtlich jedes Jahr neu besetzt werden musste. Bis in die fünfziger
Jahre finden sich nur englische Namen, die dann in den 60’ern von
singhalesischen ersetzt werden. Die englische Ausstattung ist aber unverändert
geblieben.
Zwei Stopps legen wir
noch ein: Einmal an einem Teehaus an einem größeren Wasserfall, der
sich vor allem durch seine Breite auszeichnet, dann an einem Hotel, das
an einem Flusslauf liegt, der einst für den Film „Die Brücke am Kwai“
als Kulisse diente.
Nach 21 Uhr sind wir
dann wieder in Negombo.
Dienstag, 14. November 2000: Negombo
Wir verbringen den
ganzen Tag am Swimmingpool des Sunflower Hotel. Der vermeintliche Koch,
der uns an unserem ersten Tag zur
Lagunenfahrt animierte, war übrigens ofenkundig ein Schlepper, die
Geschichte von seiner Arbeit als Hotelkoch ein Trick, der seinen Opfern
vertrauen einflößen soll: Unseren Lagunen-Führer haben wir im Hotel
nicht wiedergesehen – und das echte Küchenpersonal stand gestern
Abend am Büffet.
Mittwoch, 15. November 2000: Negombo
Am Vormittag fahren
wir zum Geld tauschen in die Stadt, schlendern dann zunächst über den
Früchtemarkt, auf dem wir bereits gewesen waren. Unmittelbar neben dem
Früchtemarkt liegt noch ein kleiner Fischmarkt. Die einzelnen Fischstände
locken die Fliegen zu Tausenden an.
In der Nähe der
Lagune wurde ein weiterer größerer Markt errichtet. Die Händler haben
als Sonnenschutz Zeltplane über den freien Platz gespannt, und nun
werden hier vor allem Textilien, Plastikwaren und alles mögliche
angeboten. Nahrungsmittel sind im Angebot eher die Ausnahme – aber dafür
entdecke ich am Rand des Marktes einen Stand mit lebenden Hühnern.
Nachmittags beim
Strandspaziergang: Ein Tourist filmt einen Schlangenbeschwörer mit
seiner Kobra. Neben dem Kobra-Korb liegt noch eine weitere mittelgroße
Schlange im Sand – die ersten Schlangen, die wir hier sehen. Der
Gehilfe des Schlangenbeschwörers will, dass ich das zweite Tier
streichele: Seine Haut ist trocken und warm, durchaus angenehm.
Donnerstag,
16. November 2000: Negombo – Colombo – Kalutara – Beruwala –
Bentota – Kosgoda – Seenigama – Galle – Koggala – Welligma
– Dondra – Dikwella – Wirawila
Rund sechs Stunden würde
unter normalen Umständen eine zügige Fahrt von Negombo ins rund 300
Kilometer entfernte Wirawila am Rand des Yale-Nationalparks dauern,
meint unser Fahrer Anual; wir brechen morgens um 5.30 Uhr auf – und
haben unser Ziel knapp zwölf Stunden später gegen 17 Uhr erreicht.
Schließlich legen wir auch etliche Stopps ein, um den Wechsel von der
Westküste zur Südküste auch wirklich zu erleben. Es ist der Wechsel
in eine völlig andere Landschaft.
In der Morgendämmerung
erreichen wir den Nordrand von Colombo, kenntlich an einem Kraftwerk und
dem daneben liegenden Slumgebiet. Colombo selbst liegt noch im Schlaf,
die meisten kleinen Läden sind dicht verrammelt. Erst allmählich füllen
sich die Straßen mit Verkehr.
Sri Lankas Hauptstadt
bietet bei der Nord-Süd-Durchfahrt kaum markante Punkte – bis auf
eine strahlend weiße Moschee und das aus britischer Kolonialzeit
stammende Rathaus mit mächtigen Säulen, ebenso prachtvoll weiß.
Schließlich kommen wir durch eine breite Hauptstraße, die laut Anual
das Zentrum der Nachtclubs ist, und dann, unmittelbar an der Küste,
endet Colombo so, wie es begann: Mit einem Slum. Die Menschen, die hier
in den schiefen ärmlichen Holzhütten leben, seien überwiegend
Christen, sagt Anual.
Bei Kalutara, der
Ort, an dem der Kalu Ganga ins Meer mündet, legen wir auf der nördlichen
Seite des Flusses einen Fotostopp ein, schauen dabei auf die übergroße
Dagoba, die das Zentrum der Tempelanlage auf der südlichen Seite
bildet. Vor etwa 50 Jahren wurde diese Dagoba errichtet, als Tempelareal
genutzt wird der Ort natürlich schon viel länger. Beim Vorbeifahren fällt
mir dann auf: Während die Kuppeln sonst völlig verschlossen sind, es
keinen Zugang zur Dagoba gibt, sind hier rund herum Fenster eingebaut.
Und unmittelbar neben dem buddhistischen Tempel steht eine weiße
katholische Kirche – dass die verschiedenen Religionsgemeinschaften
ihre Bauten in direkter Nachbarschaft errichten, scheint auf Sri Lanka
fast ein Prinzip zu sein.
In der Umgebung von
Beruwala – die Straße führt immer am palmenbewachsenen Sandstrand
entlang – passieren wir das Gebiet der Toddy-Trapper. Toddy – das
ist der Blütensaft der Palmen, aus dem der Arak, der einheimische
Schnaps gebrannt wird. Dafür werden die Palmenspitzen angezapft, in luftiger Höhe
verlaufen die „Rohre“, die „Pipelines“ zwischen den einzelnen
Palmen, der Saft fließt zu den verschiedenen Auffangstationen, Bällen,
die ebenfalls weit oben befestigt sind und dann von schwindelfreien Männern
heruntergeholt werden. Was dann in den Behältern gesammelt wird, eine
weiße, klebrige Flüssigkeit, sieht allerdings wenig appetitlich aus,
riecht auch nicht gerade anregend.
Bei Bentota nehmen
wir im „Muthumuni Ayurveda Resort“, einer Art Kurhotel, unser Frühstück.
Die Anlage verfügt über eine Sauna, es werden verschiedene Kräuterbäder
angeboten, aber vor allem interessiert uns der direkt an den Fluss
angrenzende Garten. An der Kaimauer tummeln sich im Wasser einige Warane, mit ihren langen Köpfen auf den ersten Blick Wasserschlangen
nicht unähnlich, dann könnte man sie beim zweiten Hinsehen für kleine
Krokodile halten. Die Tiere sollen allerdings völlig harmlos sein –
und bei der Weiterfahrt beobachten wir noch zwei weitere Warane, die vor
uns die Straße überqueren, um von einem Tümpel in den nächsten zu
kommen.
Kosgoda ist ein
kleines Dörfchen ohne Besonderheiten – bis auf eine private
Meeresschildkrötenfarm unmittelbar am Strand. Der Eintrittspreis zur
Besichtigung der vier Bassins: 100 Rupien pro Person. Die Eier würden
am Strand nachts von den Schildkröten gelegt, dann von den Leuten der
Farm gesammelt, und in ein kleines umzäuntes Gehege gebracht, wo sie,
die einzelnen Gelege sorgsam getrennt und auch nach Schildkrötenart
kenntlich gemacht, wieder eingegraben werden. Ob man dabei aber wirklich
sorgsam mit den Eiern umgeht, muss bezweifelt werden: Zur Anschauung für
die Touristen befindet sich ein Ei in einem mit Sand gefüllten Topf,
wird bei Bedarf herausgenommen, um es den Touristen vorzuführen. In der
runden wichen Schale spürt man bereits etwas krabbeln – doch ab das
Schildkrötenjunge bei diesen ständigen Störungen nach dem Schlüpfen
lebensfähig sein wird, dürfte auf einem anderen Blatt stehen.
Angeblich, so der örtliche
Führer, könnten Meeresschildkröten bis zu 300 alt werden, einen
Durchmesser von rund zwei Metern erreichen. Die drei Tiere, die in einem
der Bassins schwimmen, sollen rund zehn Jahre alt sein, haben einen
Panzerdurchmesser von vielleicht 50 Zentimetern, wiegen gut und gerne
ihre 40 Kilogramm. An den Rändern der Panzers sind an einzelnen Stellen
angebrochen, möglicherweise Bissspuren. Die langen Hälse sind weich,
doch die Schnäbel machen einen harten und kräftigen Eindruck.
Ein Becken ist den
gerade geschlüpften Tieren vorbehalten. Drei Tage sollen sie alt sein,
messen nu wenige Zentimeter – und noch in der Nacht wolle man sie ins
Meer zurückbringen. Dort, so der Schildkrötenfarm-Guide, würden aber
nur zwischen zehn und 15 Prozent der Tiere überleben.
Seenigama, der nächste
Stopp auf unserer Fahrt in den Süden, ist ein weiteres Fischerdorf, das
sich vor allem durch eine kleine vorgelagerte Insel auszeichnet, auf der
ein buddhistischer Tempel errichtet wurde. Vor dieser Insel, keine 50
Meter vom Ufer entfernt, haben einige Fischerboote angelegt.
In Galle kommen wir
an den mächtigen grauen Mauern des alten holländischen Forts vorbei,
fahren aber weiter, ohne anzuhalten. Eine Besichtigung heben wir uns für
den Rückweg auf.
Koggala wird in den
Reiseführern nicht nur wegen seiner Strände, sondern auch wegen der
Stelzenfischer erwähnt: Die Fischer sitzen mit ihren Angeln auf den
etwa zwei Meter aus dem Wasser ragenden Stelzen, warten darauf, dass ein
Fisch anbeißt. Als wir den Ort durchfahren, sind aber nur zwei Männer
dabei, ihre Stelzen wieder aufzurichten. Beim Fischen ist niemand zu
beobachten.
Eine der Attraktionen
in der Bucht von Welligama ist wieder eine vorgelagerte Insel, auf der
diesmal kein Tempel, sondern das als Hotel genutzte Haus eines
wohlhabenden Australiers. Vom Land aus gesehen wirkt die Anlage wild
romantisch. Bei Ebbe, so wie zu der Zeit, zu der wir hier sind, kann man
die Insel übrigens fast zu Fuß erreichen.
In der Nähe von
Dondra legen wir in einem auf einem Hügel gelegenen Hotelanlage – sie
gehört einem Engländer, der den ganzen Berg in eine britische
Parklandschaft verwandelt hat – eine weitere Pause ein: Von dem
Aussichtspunkt blickt man auf eine leicht geschwungene Bucht mit weißem
Strand, umgeben vom dichten Grün – absolute Fotoidylle.
Der letzte kurze
Stopp des Tages gilt der rund 50 Meter hohen Staue des stehenden Buddha
in Dikwella: Ein parkähnlicher Weg, auf beiden Seiten mit Blumenläden
bestückt, führt zu der Kolossalstatue, die ein Anziehungspunkt vieler
Gläubiger ist.
Gegen 17 Uhr haben
wir unser Ziel erreicht, checken uns im Safari-Hotel von Wirawila ein,
um morgen früh gegen 5.30 Uhr zur Jeep-Safari in den etwa 30 Kilometer
entfernt liegenden Yala-Park aufzubrechen.
Am Abend unternehmen
wir noch einen Spaziergang entlang dem Ufer des großen Sees, beobachten
Fischreiher und Störche sowie die Herden weidender Büffel. In der
Ferne sieht man die teilweise bizarr geformten grünen Berge des des
Hochlandes.
16 Rupies kostet uns
unsere Süd-Tour für jeden mit dem Wagen zurückgelegten Kilometer.
Anul, unser Fahrer, erhält von seinem Chef pro Kilometer eine Rupie
sowie 200 Rupien Tagespauschale. Anual ist verheiratet, hat zwei Töchter,
ein Haus, einen Garten. Seine Frau führt den Haushalt, fertigt
ansonsten in Heimarbeit kleinere Dekorationen für Souvenirläden. Doch
was sie da verdient, sei nicht der Rede wert, meint Anual, der für hiesige
Begriffe in durchaus gediegenen Verhältnissen lebt, sich sogar
ein eigenes Handy leistet, mit dem er immer fleißig telefoniert.
Freitag, 17. November 2000: Yala National Park – Kataragama –
Unawatuna – Hikkaduwa
Bei strömenden Regen
brechen wir in der Dunkelheit auf, haben bei diesem Wetter kaum
Hoffnung, irgendwelche Tiere zu sehen. Mit zunehmender Helligkeit lässt
der Regen zwar nach, aber die Rückbänke des
Jeeps sind inzwischen völlig feucht, meine Hosen durchnässt.
Trotzdem: Noch bevor
wir den Park erreicht haben, begegnet uns der erste Elefant des Tages.
Das Tier steht in einem Feldweg vor dichten Büschen, frisst, fühlt
sich durch uns aber möglicherweise gestört. Jedenfalls trottet es nun
allerdings ohne Eile den Feldweg entlang, weg von der Asphaltstraße.
Auch einige Adler sind bereits zu sehen.
Der Yala-Park liegt
in einer Buschlandschaft, nun nach dem Regen überall mit reichlich gefüllten
Wasserstellen und Tümpeln ausgestattet. Und so bekommen wir –
entgegen unseren Befürchtungen – bis auf die Leoparden und die Bären
doch noch den ganzen Artenreichtum dieses flächenmäßig größten
Nationalparks von Sri Lanka zu sehen.
Am beeindruckendsten
dabei natürlich immer wieder: Die Elefanten. Wir stoßen auf eine
Gruppe von etwa fünf weiblichen Tieren, die sich durch unseren Jeep auf
dem Feldweg nicht im geringsten stören lassen, später dann noch auf
ein einzelnes männliches Tier, das dagegen völlig anders reagiert: Der
Bulle, der zunächst auch an einem Busch frisst, wendet seinen Kopf,
hebt seinen Rüssel, stürmt auf uns zu, dabei wütend trompetend,
bleibt dann doch zehn Meter hinter dem Jeep stehen, den Rüssel drohend
erhoben – ein deutliches Zeichen, dass e keine weiteren Störungen
duldet.
Zu den häufigsten
Bewohnern des Parks dürften die Antilopen zählen, die wir immer in größeren
Gruppen sehen, mitunter zusammen mit einigen Hirschen. Die Wildschweine
zeigen sich manchmal vereinzelt, meist aber auch in Herden, teilen dabei
ihren Lebensraum manchmal friedlich vereint mit den großen schwarzen Büffeln.
Beim Grasen lassen sich die Tiere auch nicht von den Krokodilen stören,
die friedlich im Gras liegen – wobei der gehörige Abstand natürlich
gewahrt wird.
Für ungeübte
Beobachter kaum auszumachen sind unterdessen die Warane: Erst, nachdem
mich der Park-Führer mehrmals darauf aufmerksam macht, wird mir bei
genauestem Hinsehen und mit Hilfe des Fernglases klar, dass der so merkwürdig
geformte Sandhaufen eben kein Sandhaufen, sondern der langgestreckte Körper eines
behaglich daliegenden Warans ist, der wohl soeben ein Schlammbad
genommen hat.
Den größten Respekt
zeigen die Einheimischen allerdings vor den kleinen langschwänzigen
Affen: In einiger Entfernung beobachten wir eine Affenhorde, die –
scheinbar zur zum Spiel – flink durch die Bäume turnt, wobei die
Tiere ohne Probleme auch über vielleicht fünf Meter Distanz von Krone
zu Krone springen. Ein einzelner Affe auf dem Feldweg, der kurz neben
dem Jeep herrennt, veranlasst unseren Fahrer aber, zu beschleunigen. Der
Affe könnte ansonsten in den Wagen springen und toben.
Vor allem aber ist
der Yala Park ein Reservat der Vögel. Ceylonesische Hähne, kleiner,
aber bunter als unsere europäischen Haushähne, laufen durch das Gehölz,
Pfaue sitzen auf Felsen oder Bäumen, einer hat gerade auf Balz sein Rad
geschlagen, wendet sich nun in voller Prachtentfaltung – das Gefieder
misst bestimmt einen Durchmesser von zwei Metern – in alle Richtungen.
Auf einem Baum sitzt ein Adler, der eine Schlange geschlagen hat und nun
seine Beute verschlingt.
Der Park grenzt
direkt ans Meer – und hier liegt in absoluter Abgeschiedenheit an
einem kleinen Strand ein Fischerdörfchen aus etwa einem Dutzend ärmlicher
Basthütten. So idyllisch das ganze auch aussieht erinnert mich das Bild
doch an das, was an in einem Reiseführer über Sri Lanka steht: Unter
den singhalsischen Dorfformen ist das Fischerdorf das ärmste, in dem
die Bewohner ihre Hütten meist nicht einmal auf eigenem Boden errichtet
sind, sie von dem Grundbesitzer nur geduldet werden.
Nach knapp vier
Stunden ist unsere Tour durch den Nationalpark beendet, nehmen wir noch
ein verspätetes Frühstück in dem Safari-Hotel, machen uns dann auf
den Weg nach Kataragama.
Kataragama, an einem
Fluss gelegen, verfügt über einen lebhaften Marktplatz – und vor
allem eine Tempelstätte, die in ganz Sri Lanka berühmt ist, für die
Einheimischen fast die gleiche Bedeutung hat wie der Zahntempel von
Kandy. Um zum heiligen Bezirk zu gelangen, überquert man zunächst die
Brücke über den Fluss, der für die Gläubigen eine besondere
Bedeutung hat: Bevor man zum Beten in einen der zahlreichen Tempel geht,
soll man sich hier waschen, sagt Anual,. Tatsächlich nehmen etliche
Menschen gerade ein Bad, wobei für uns nicht so recht klar ist, ob es
sich nun um eine rituelle Waschung, oder in Ermangelung von fließend
Wasser im eigenen Haus um eine ganz „normale“ Körperreinigung
handelt. Vermutlich sind die Grenzen aber ohnehin fließend. Und auch
zum Waschen der Wäsche ist der Fluss bestens geeignet, wie einige
Frauen vorführen.
Hinter der Brücke
durchqueren wir nun einen Park, an dessen Hauptweg die Blumenhändlerinnen
ihre Stände aufgebaut haben. Verkauft werden aber ausschließlich
Lotusblüten als Opfergabe für die Tempel.
Vor dem eigentlichen
Tempelbezirk, durch eine Mauer vom übrigen Areal abgetrennt, ziehen wir
also wieder unsere Schuhe aus. Mehrere kleinere Tempelbauten stehen in
diesem ersten Hof, wieder buddhistische und hinduistische unmittelbar
nebeneinander. Auch Anual betet kurz – und dann bekommen wir alle von
den Priestern einen gelben Punkt auf die Stirn.
Im hinteren Teil
steht dann die große Dagoba, der rein buddhistische Teil des
Heiligtums. Buddha-Statuen umrahmen die Dagoba – und überall sitzen
die Gläubigen beim Gebet. Auf dem Rasen vor dem Platz steht eine
Familie beisammen, die einen offensichtlich scherkranken Angehörigen
nun zu Füßen des Heiligtums gelegt haben.
Bevor wir wieder die
Küste erreicht haben, macht uns Anual auf die Stände am Straßenrand
aufmerksam. In Tongefäßen wird hier geronnene Büffelmilch verkauft.
Es gibt sogar kleine Läden, europäischen Eisdielen ähnlich, in denen
diese Büffelmilch angeboten wird – Treffpunkte für die Dorfjugend
wie eben in einer mitteleuropäischen Kleinstadt die Eisdiele. Mit Honig
gemischt schmeckt die Milch wie Yoghurt, vielleicht nur etwas kräftiger.
Nicht nur mit der
Zeit, auch mit dem Wetter haben wir uns gewaltig verschätzt. Es ist
bereits dunkel, als wir Unawatuna, das Ferienörtchen vor Galle,
erreichen, regnet dazu in Strömen. In den Reiseführern auch jüngeren
Datums ist von abgelegenen Buchten die Rede, die lediglich von einigen
Hippies und Globetrottern aufgesucht würden, von einem absoluten
Geheimtipp. Wir fahren durch ein wild aufwucherndes Feriendorf mit
engen, ungepflasterten Straßen, aber bereits Souvenirshop an
Souvenirshop, Restaurant an Restaurant und Hotel an Hotel. Trotzdem hat
das alles, vielleicht gerade durch seine Wildwüchsigkeit, etwas
anheimelndes.
Nur eine Unterkunft
finden wir hier nicht – und fahren deshalb weiter durch bis nach
Hikkaduwa.
Samstag, 18. November 2000: Hikkaduwa – Galle
Vor gut 20 Jahren
lernte ich Hikkaduwa vor allem als Fischerdorf mit einem weiten, fast
menschenleeren Strand kennen, ein Ort, in dem es vielleicht die Unterkünfte
unmittelbar an eben diesem Strand gab. Und damals hieß es in den Reiseführern,
dass leider viele Hippies die Gastfreundschaft der Fischer ausnutzen,
sich in deren Hütten einquartieren würden, ohne auch nur eine
finanzielle Gegenleistung zu erbringen. Allerdings gab es damals auch
schon die einige Rohbauten der neu geplanten Hotels.
Hikkaduwa heute: Ein
drei Kilometer langes Touristenzentrum entlang der Straße, Hotels und
Ferienanlagen auf der Strandseite, Restaurants und Souvenirshops auf der
Landseite. Und überall werden, auch auf deutsch, Glasbootfahrten zu den
Korallenbänken angeboten.
Wir haben allerdings
kein Strandwetter, fahren deshalb gegen 15 Uhr in das etwa 20 Kilometer
entfernte Galle.
Am Ortseingang von
Galle liegt ein äußerst merkwürdiger Friedhof. An seinem Rand steht
eine offene Kappelle, in die sich mitunter auch eine der auf dem
Friedhof grasenden Kühe verirrt. An diese Kapelle schließen sich die
Gräberfelder an, die Grabsteine, christliche und islamische, wie Anual
sagt, ordentlich in Reih und Glied, doch zwischen den Grabsteinen eben
immer wieder nach Futter suchende Kühe.
Wir fahren mit dem
Wagen durch das Tor der mächtigen Mauer zur Altstadt, parken dann
unmittelbar hinter der Mauer vor dem New Oriental Hotel, dem ersten Gebäude,
das der Besucher der alten holländischen Festung zu Gesicht bekommt.
Unser
Stadtspaziergang führt nur kurz durch Galle selbst hindurch, am New
Oriental und der daneben liegenden einige hundert Jahre alten holländischen
Kirche vorbei, dann in eine Nebenstraße, die zu dem ebenfalls noch aus
holländischer Zeit stammenden Gerichtsgebäude führt. Der früher wohl
einmal gelbe Bau, der auch heute noch als Bezirksgericht genutzt wird, könnte
– wie die meisten anderen Gebäude in Galle auch – durchaus einen
frischen Anstrich vertragen.
Auch der große Platz
vor dem Gericht, eine grüne Wiese mit einigen uralten knotigen Bäumen,
macht den Eindruck, als hätte er schon bessere Tage gesehen: Ein
demolierter Lastwagen gammelt vor sich hin, keine Parkbank lädt zum
verweilen.
Über ganz Galle
liegt etwas museales und marodes – wobei die Stadt ständig vom
Zerfall bedroht zu sein scheint.
Doch das scheint eben
nur so. Unser nun folgender Galle-Rundgang führt auf der noch gut
erhaltenen Befestigungsmauer um die komplette Altstadt herum. Der Wall
ist auch für die Einwohner von Galle ein beliebter Spazierweg – und
dabei fallen immer wieder die in arabischer Art gekleideten Moslems auf,
die hier einen durchaus bedeutenden Bevölkerungsanteil stellen. Auch
die große weiße Moschee, die sich über die roten Ziegeldächer der
Altstadt erhebt, braucht sich neben den christlichen Kirchen nicht zu
verstecken. Nur buddhistische oder hinduistische Tempel sind, zumindest
von der Befestigungsmauer aus, innerhalb der Altstadt nicht zu
entdecken.
Immer wieder führt
unser Weg auf der Mauer zu größeren Plateaus, vorgelagerten
Befestigungen und Bollwerken und mitunter müssen wir über die
ehemaligen Kanonenstellungen hinwegspringen. An einem der Seeseite
zugewandten Seite der Stadtmauer hat heute die Armee Quartier bezogen,
ihr Areal noch einmal mit Stacheldraht vor Besuchern abgeschirmt. Neben
der Armeestellung grasen wieder Kühe, an einer anderen Stelle werden
ehemalige Befestigungsbauten als Ziegenstall genutzt. Die dichte
Bebauung der engen Gassen unterstreicht auf der einen Seite den städtischen
Charakter der Festung, die Grünflächen, die sich mitunter aber auf hügeligem
Gelände an die Innenseite der Wälle anschließen, lassen auf der anderen
Seite den Ort in einem ländlichen Licht erscheinen.
Unser Rundgang endet
wieder am New Oriental Hotel, wo wir auf der Veranda noch einen Kaffee
trinken.
Seit 350 Jahren wird
dieser Ort als Herbergsplatz genutzt, seit 150 Jahren stünde jetzt das
derzeitige Hotelgebäude, lassen wir uns von einem der weiß gekleideten
Kellner erzählen. Die Jahresangaben mögen vielleicht nicht ganz
richtig sein – doch das New Oriental gehört sicherlich zu den
Kleinoden von Hotels aus kolonialer Zeit.
An den Wänden hängen
alte Stiche, Abbildungen aus der holländischen Periode, dazu exotisch
anmutende Erinnerungen an das British Empire – und schließlich verfügt
die Anlage über einen kleinen, aber dafür um so feineren tropischen
Garten mit Sitzbänken unter wildem Pflanzenwuchs und sogar einem
Goldfischteich.
Gegen 19 Uhr sind wir
wieder zurück in unserem Hotel in Hikkaduwa, machen noch einen Bummel
zu den Strandrestaurants.
Sonntag, 19. November 2000: Hikkaduwa – Ahungalla –
Bentota –
Colombo – Negombo
Eigentlich hatten wir
vor, mit dem Glasboot zu den Korallenbänken zu fahren, doch die Nacht
über hat es wieder geregnet, und auch am Morgen will es damit nicht
aufhören. Also beschließen wir, nun einen Tag früher nach Negombo zurückzukehren.
Bei unserer
„Heimfahrt“ legen wir den ersten Stopp in Ahungalla ein, um dort den
Vogelpark zu besichtigen. Die Anlage beheimatet allerdings keine
ceylonesischen Vögel, sondern ist ein privater „Zoo“ für
Federvieh, das aus Sicht der Einheimischen, vor allem der Kinder, eben
exotisch ist: Und da gehören Kakadus aus Australien ebenso dazu wie
europäische Enten und Tauben oder amerikanische Truthähne. Aus unserer
Sicht noch immer von artgerechter Haltung weit entfernt st dieser
Vogelpark jedoch gemessen an anderen Tierparks in Entwicklungsländern
fast ein Tierparadies mit Käfigen in akzeptabler Größe, werden auch
keine Vögel, wie man es sonst oft sieht, allein, sondern zumindest
immer paarweise gehalten.
In Bentota legen wir
einen Strandspaziergang ein: Der Strand, an dem mehrere bessere Hotels,
darunter ein Fünf-Sterne-Hotel der singhalesischen Taj-Gruppe liegen,
ist breit, weiß und sauber, bietet aber keinerlei Schatten. Angesichts
des bewölkten Himmels brauchen wir den heute allerdings auch nicht.
Diesmal nehmen wir
eine andere Route durch Colombo, kommen an dem alten klassizistischen
Parlamentsgebäude vorbei, durchqueren das Hochhaus-Viertel, wobei die
Hochhäuser meist Hotels und Bankzentralen sind, passieren den Hafen, um
den herum noch einige schöne bunte Häuser aus Kolonialzeit stehen,
einige von ihnen aber halb leer stehend mit zerbrochenen Fensterscheiben
in den oberen ungenutzten Etagen.
Nach 16 Uhr sind wir
dann wieder in Negombo.
Montag, 20 November 2000:
Colombo
Anual, der uns punkt
10 Uhr vormittags zu
unserer geplanten Colombo-Tour abholt, hält eine Überraschung bereit:
Eine schwarze Vase, verziert mit goldenen Früchten, ein handgefertigtes
Geschenk seiner Frau. Bei der Agentur Hawks in Colombo buchen wir für
insgesamt 300 US-$ unsere Flüge nach Male, treffen uns dann mit Anil
und seiner Frau zum Tee in der Lobby des Hilton Colombo.
Nach dem Lunch in
einem chinesischen Restaurant besuchen wir das Nationalmuseum,
untergebracht in einem weißen Prachtbau aus der Kolonialzeit. Auf zwei
Etagen wird den Besuchern hier die Geschichte der Insel beigebracht –
wobei wir als Ausländer einen eigenen Museumsführer zur Seite
bekommen.
Im Eingangsbereich
wird der Besucher – wie könnte es anders sein? – von der Statue
eines meditierenden Buddha empfangen, und der buddhistischen Kunst sind
auch die meisten Ausstellungsstücke gewidmet. Beeindruckend: Die
Schnitzereien aus Elfenbein, Buddhafiguren, kleinere Dagobas, aber auch
Alltagsgegenstände wie Kämme, alles äußerst filigran gearbeitet.
Die numismatische
Abteilung verrät einiges über die weitgesteckten Handelsbeziehungen
Sri Lankas schon in der Antike: Münzen aus Südindien und China wurden
hier ebenso gefunden wie Münzen des alten Rom. Um das Jahr 1000 herum
hatte Sri Lanka sogar eigene Goldmünzen geprägt. Auch die
Porzellanabteilung verrät einiges über die Handelsbeziehungen: Denn
die in China hergestellten Vasen, Tassen, Porzellanschalen wurden alle
auf Sri Lanka benutzt – das damals eben zu den reichen Ländern der
Erde gezählt haben muss.
Dafür spricht auch
der ausgestellte Thron des letzten Königs von Kandy: Ein übergroßer
Stuhl aus Gold, besetzt mit einer Unzahl von Edelsteinen. Nur in der
Waffentechnik – Speere, kunstvoll verzierte Schwerter und Gewehre mit
silbernen Läufen, aber kaum zum schnellen Schießen geeignet – waren
die Ceylonesen den Europäern wohl hoffnungslos unterlegen.
Ein weiteres
imposantes Ausstellungsstück: Das gut 20 Meter lange Skelett eines
Blauwales, der Ende des 19. Jahrhunderts an der Küste Ceylons gefunden
wurde.
Nach dem
Museumsbesuch fahren wir noch zu einem nahe gelegenen hinduistischen
Tempel, von außen ein einfacher Bau bis auf den hohen mit Götterfiguren
bestückten Turm über dem Eingang. Im Tempel selbst stehen eine
Vielzahl weiterer Schreine. In einem weiteren abgesonderten und
vergitterten Raum stehen einige Figuren des Elefantengottes Ganesha. Und
in der Mitte des Tempels befindet sich als weiter abgesonderter Raum das
eigentliche Heiligtum, ein kleiner Saal voller Götterfiguren, der aber
nicht betreten werden darf.
Durch den dichten
Berufsverkehr fahren wir nun zurück nach Negombo, wo wir gegen 18 Uhr
eintreffen.
Dienstag, 21. November 2000: Negombo
Wir verbringen fast
einen ganzen Sonnentag – erst am Abend regnet es wieder – am Pool
des Sunflowers und am Strand.
Unangenehme
Beobachtungen beim Strandspaziergang: Die Flut hat einen Teil des Sandes
weggespült – und nun kommen die verbuddelten Plastiksäcke mit dem
Abfall zum Vorschein. Ein toter Hund und eine tote Muräne wesen vor
sich hin, ohne dass außer den Krähen sich jemand um die Beseitigung
der Kadaver kümmern würde.
Mittwoch, 22. November 2000: Negombo
Noch ein Tag am
Swimmingpool. Das Wetter scheint allmählich besser zu werden.
Donnerstag, 23.
November 2000: Negombo – Bandaraneike Airport
– MALEDIVEN: Hulule – Male – Reethi Rah (Medhufinolhu) – Summer
Island (Ziyaaraiyfushi)
Für unseren Air
Lanka-Flug um 7.15 Uhr müssen wir gegen fünf Uhr am Flughafen sein –
das heißt also Aufbruch mir dem Hotel-Shuttle von Negombo um 4.40 Uhr.
Die zwei Stunden, die
man vor Abflug bereits am Flughafen sein muss, sind hier sogar
realistisch. Das Flughafengelände anfahrende Fahrzeuge werden bereits
weit vor dem eigentlichen Airport kontrolliert, ein Gepäckscheck folgt
beim Betreten des Flughafengebäudes, ein dritter Check dann vor den
Abflug-Gates. Und überall muss man Pässe und Flugtickets vorzeigen.
Eine Stunde dauert
der Flug, die Maschine startet pünktlich,
und ebenso pünktlich landen wir – es gibt eine Stunde
Zeitverschiebung – auf der maledivischen Flughafeninsel Hulule.
Die Malediven beim
Anflug aus der Luft betrachtet: An einer Kette aufgereihte offene
Austern – inmitten des dunkelblauen Wassers das türkisfarbene
„Austernfleisch“, hier die Korallenbänke, die die einzelnen Inseln
umgeben, dann darin die dunkelgrüne Perle, meist rund, manchmal auch
langgezogen, fast immer umgeben von einem schmalen hellgelben Streifen,
also die einzelne Insel und ihr Strand.
Wie winzig diese
Inseln tatsächlich sind, erschließt sich erst, wenn man sie betritt
bzw. nun beim Landeanflug auf Hulule, die Flughafeninsel. Erst kurz vor
dem Aufsetzen hat die Maschine auch wirklich festen Boden unter dem
ausgefahrenen Triebwerk, und die vorhandene Landebahn reicht gerade aus,
das Flugzeug ausrollen zu lassen. Mehr als ein kleiner Flughafen passt
auf diese für die Malediven schon große Insel nicht hinauf.
Die Malediven sind
kein Land für inselhungrige Individualreisende. Dies jedenfalls ist
unsere erste Erfahrung bei der Einreise. Wir haben nur den Flug gebucht,
also geben wir in den Einreiseformularen als Adresse auf den Malediven
nur „Male“ ein. Das reicht dem Grenzbeamten aber nicht aus. Ich muss
vorgehen in de Flughafenlobby, mir von dem Vertreter der einheimischen
Reiseagentur, mit dem wir uns ohnehin treffen wollten, irgendein Hotel
nenne lassen, dann wieder zurück zum Einreiseschalter – und erst mit
unserer vermeintlichen Hoteladresse bekommen wir auch die
Einreisestempel.
Die Überfahrt mit
der Fähre von Hulule nach Male, der „Hauptstadt-Insel“ dauert etwa
zehn Minuten und kostet zehn Rufiyaas, knapp einen Dollar – wobei auf
den Malediven auch überall Dollars akzeptiert werden, wobei die
einheimischen Geschäftsleute und Restaurantbesitzer dann den für
Touristen allerdings ungünstigen Kurs von Eins zu Zehn berechnen.
Males fast einzige
Sehenswürdigkeit – die goldene Kuppel der Moschee – zieht schon bei
der Überfahrt das Auge auf sich. Ansonsten sieht man die „Skyline“
einiger vielleicht sieben- bis achtstöckiger Gebäude am Marine Drive,
der Hauptstraße, die die ganze Insel umschließt.
Mit dem Taxi –
sinnvoll nur wegen unseres Gepäcks: bei den Entfernungen und vor allem
dem verzwickten Einbahnstraßensystem in den in der Innenstadt dann doch
recht engen Gassen ist man zu Fuß, in jedem Fall aber mit dem hier weit
verbreiteten Fahrrad schneller – fahren wir ins Büro der „Sea N
See“, unserer Agentur, klären unsere Unterkunft für unsere Zeit auf
den Malediven. Weil wir bereits am 26. um 9.15 Uhr wieder zurück nach
Colombo müssen, kommt nur eine Hotelinsel in der Nähe infrage – und
mit einem Tagespreis von
155 US-$ für das All-Inclusive-Angebot ist das Ressort auf Summer
Island, 38 Kilometer entfernt im nordwestlichen Male-Atoll da noch das günstigste.
Da unser Speed-Boot erst gegen
15 Uhr im Hafen erwartet wird, bleibt also noch Zeit für die
Besichtigung von Male.
Auffallend sind vor
allem die Sauberkeit der Inselhauptstadt und der unverkennbare Bauboom,
erkennbar an etlichen halb fertiggestellten Rohbauten weiterer mehrstöckiger
Gebäude, fast ausschließlich künftigen Appartementhäusern. Vor
einigen Jahren noch scheint man ausschließlich ein- oder zweistöckig
gebaut zu haben, wie die kleinen, teilweise grün oder rot angemalten,
immer noch schmucken Häuser in den Altstadtgassen beweisen.
Was für
Male-Besucher interessant sein könnte, findet sich am Marine Drive in
unmittelbarer Nähe des Hafens. Hier ist der „Einheimischenmarkt“
vor allem mit Gewürzen und einheimischen Früchten, darunter eine Art
Melone, die sich aber aus einer Vielzahl von Einzelstücken
zusammenzusetzen scheint, der Fischmarkt, der nun am späten Vormittag
aber fast leer steht, der von zwei Kanonen umrahmte Anlegesteg des Präsidenten
und auch die große Moschee mit der goldenen Kuppel ist nicht weit. Aus
der Nähe betrachtet erscheint die Moschee allerdings wie ein moderner
religiöser „Zweckbau“.
Wir gehen in den
ebenfalls nahe gelegenen Sultanspark, besuchen dort das Nationalmuseum,
untergebracht in einem zweistöckigen Gebäude, das dem Sultan
vielleicht als Gartenpavillon gedient haben dürfte. Der Eintritt: 2,50
US-$ pro Person. Einige Steinskulpturen aus der vorislamischen Zeit, vor
allem Buddhaköpfe, sind ziemlich achtlos unter dem Dach des Vorplatzes
gestapelt, mehrere weitere kleine Buddhafiguren befinden sich dann noch
im ersten Stock.
Vor allem widmet sich
das Museum aber der Geschichte der Sultane, insbesondere des 20.
Jahrhunderts. Von denen sind nun ihre Throne, etwas vornehmere Stühle,
ausgestellt, diverse Kleidungsstücke, eine ganze Reihe von Schwarz-Weiß-Fotos,
die das „vortouristische“ Male zeigen, als auf der Insel noch keine
Hochhäuser standen, ein zerschossenes Motorrad, das bei einem früheren
Staatsstreich als Fluchtfahrzeug der Attentäter diente. Dazu gibt es
noch ein kleines Münzkabinett, in dem auch einige singhalesische Goldmünzen
ausgestellt sind, wie wir sie im Museum in Colombo gesehen haben – nur
dass der Kommentar hier heißt: „Herkunft unbestimmt“.
Gegen 12 Uhr, es ist
inzwischen fast unerträglich heiß, liefert uns unser Stadt-Guide in
einem italienischen Eiscafé ab. Hier machen wir Bekanntschaft mit einem
tamilischen Lehrer aus dem Norden Sri Lankas. Seit acht Jahren
unterrichte er nun schon auf den Malediven, werde demnächst eine Stelle
als Lehrer in Indien antreten. Der Mann, der ein fließendes Englisch
spricht, berichtet, er stamme aus Jaffna, habe dort vor dem Bürgerkrieg
im Sozialbereich gearbeitet, auch ein Haus gehabt. Von dem Haus habe der
Krieg nur noch die Außenmauern übrig gelassen.
Kurz vor 15 Uhr sind
wir dann am Hafen, wo sich der Fischmarkt allmählich wieder zu füllen
beginnt. Die Fischerboote sind angelandet, laden ihre Beute aus. Doch
weil unser Schnellboot jeden Augenblick eintreffen muss, haben wir keine
Zeit mehr, das Treiben zu beobachten.
Male, aus immer größerer
Entfernung vom Wasser aus gesehen: Eine Skyline von unvermittelt aus dem
Meer ragenden Hochhäusern. Nur ein Grund und Boden, auf dem sie stehen
könnten, ist irgendwann nicht mehr zu sehen. Males Hochhäuser sind
schließlich die höchsten Erhebungen, die es auf den ganzen Malediven
gibt.
Schließlich ist aber
auch diese wie aus dem Meer ragende Stadt nicht mehr zu sehen, passieren
wir eine grüne Insel nach der anderen. Egal, an welcher Stelle des
Meeres man sich auch befindet: Immer hat man zwei, drei oder auch mehr
dieser Inselchen im Blickfeld.
Mit an Bord unseres
Schnellbootes ist ein älteres deutsches Ehepaar, das nun schon zum
elften mal auf den Malediven seinen Urlaub verbringt, immer im Resort
Reethi Rah auf Medhufinolhu – „Wiederholungstäter“, wie man sie
auf den Inseln ständig
antrifft. Vom äußeren unterscheidet sich Medhufinolhu, das wir zum
Umsteigen kurz anlaufen, nicht von den anderen Inseln, die wir passiert
haben: Ein langer ins Meer gebauter Bootssteg, weißer Strand, zwischen
den Palmen einige Bungalows zu erkennen. Wir selbst gehen allerdings
nicht an Land, sondern wechseln nun das Boot, um dann mit dem wenige
Minuten später unser eigentliches Ziel, die Insel Ziyaaraiyfushi zu
erreichen.
Nach Einbruch der
Dunkelheit, also nach 18 Uhr, unsere erste „Naturbegegnung“ beim
Strandspaziergang: In unmittelbarer Ufernähe schlängelt sich eine Muräne
durch das flache Wasser. Andere Touristen berichten, dass die täglich
hier um diese Zeit auftauche – so wie an einer anderen Stelle zwei
Babyhaie zu den regelmäßigen Besuchern gehören würden.
Freitag, 24. November 2000:
Summer
Island (Ziyaaraiyfushi)
Unser maledivisches
Urlaubsziel misst in der Länge etwa 500 Meter, in der Breite kaum mehr
als 50 Meter. Am einen Ende der Insel befindet sich die Anlegestelle,
ein Sandweg führt dann vorbei an der Tauchstation und den zwischen den
Kokosnusspalmen liegenden ein- bis zweistöckigen Bungalows zur
Rezeption und dem Restaurant am anderen Ende. Auf Ost- und Westseite weißer
Strand – wobei auf der Westseite ein kleines Bassin errichtet wurde,
das zwar manchmal unter Wasser steht, aber wohl mittelfristig der
Landgewinnung dient.
Unter den Landtieren
von Ziyaaraiyfushi ist an erster Stelle der Gecko zu nennen, dazu gibt
es noch ein paar Möwen, sowie einen langbeinigen schlacksigen weißen
Vogel, den Kuhpickern auf Sri Lanka ähnlich, nur dass er sich hier, wie
ich beobachte, vor allem von kleinen Krebsen ernährt.
Etwa hundert Meter
vor der Insel beginnt das „Hausriff“, zu dem per Boot täglich
mehrere Schnorchelexpeditionen durchgeführt werden. Allerdings sind de
Korallenbänke von Ziyaaraiyfushi von „El Nino“ stark in
Mitleidenschaft gezogen worden: Von der Farbenpracht des Riffs blieb nur
Braun und Grau erhalten.
Der Fischbestand
scheint – zumindest in seiner Vielfalt – weniger gelitten zu haben.
Am häufigsten kommt dabei der Weißkehl-Doktorfisch vor, ein flunderförmiges
kleines lila Kerlchen eben mit einem weißen Maul und
einem gelben Streifen auf dem Rücken. Dazu sehe ich bei meinem
Schnorchelgang alle möglichen anderen Doktorfische, Barsche und
farbenfrohe Kaiserfische. Andere Schnorchler berichten mir später, sie
hätten auch Muränen und Weißspitzenhaie gesichtet, die mir jedoch
nicht begegnet sind.
Vor Einbruch der
Dunkelheit beginnt unsere zweite Bootstour, diesmal zum Nachtangeln. Bei
der Anfahrt zu unserem Ankerplatz sehen wir in der Dämmerung fliegende
Fische und in der Ferne auch eine Meeresschildkröte.
Unser Angelgerät
besteht aus einer mit Haken und Bleilot versehenen Nylonschnur, die an
einem kleinen „Waschbrett“ befestigt ist. Als Köder dienen
Fischbrocken. Den ersten Fang des Abends, einen mehr als ellenlangen und
breiten Fisch mit rosa Färbung, macht ein Mitglied der Mannschaft.
Obwohl auch den Touristen dann noch etliche Opfer an die Leine gehen,
bleibt der erste Fang doch auch der mit Abstand größte Fang des Tages.
Die Fische, die sich an meinem Haken zu schaffen machen, scheinen
cleverer: Einige male fressen sie zwar den Köder fast ganz ab, meiden
aber den tödlichen Haken. Und dann, so glaube ich am plötzlichen Zug
zu spüren, muss ein ganz Großer angebissen haben. Mit erheblichem
Kraftaufwand versuche ich nun, die Leine wieder hochzuziehen, doch da hört
der Widerstand urplötzlich auf. Als ich das Nylonseil ganz aus dem
Wasser gezogen habe, fehlt nicht der Köder. Der ganze Haken ist
abgebissen worden.
Dabei bin ich
eigentlich ganz froh, dass die Angeltour für mich so „glücklos“
ausging: Den gefangenen Fischen – alle von den Arten, die man sie
zuvor beim Schnorcheln mit Begeisterung beobachtet hat – wird nämlich
an Bord der Haken aus dem Maul gezogen, und mit ihren weit aufgerissenen
Mäulern werden sie dann noch lebend in einen Eimer geworfen, wo sie bis
zu ihrem Ende hilflos zucken.
Samstag, 25. November 2000: Gaafaru – Kagi – Eriyadho –
Ziyaaraiyfushi
Zu unserem
All-Inclusive-Programm vom Summer-Island-Resort gehört auch „Inselhopping“
im nordwestlichen Nord-Male-Atoll.
Beginn ist um neun
Uhr morgens, auf dem Programm stehen drei Inseln: Eine sogenannte
„Eingeborenen-Insel“, eine „Robinson-Insel“ und schließlich
eine „Hotel-Insel“.
Bevor wir Gaafaru,
die „Eingeborenen-Insel“, anlaufen, passieren wir zunächst zwei
„Baby-Inseln“, Sandbänke, die sich gerade zu Inseln entwickeln.
Die erste, umgeben
von einem fast bis an die Wasseroberfläche reichenden Riff, ist noch
eine reine Sandbank, ohne auch nur eine Spur von Vegetation. Aber es
nisten bereits einige Vögel hier, und die gefiederten Gäste werden
irgendwann einmal auch den Samen für die künftige Flora liefern.
Bei der zweiten
Sandbank ist der Vegetationsprozess bereits im Gange. Drei oder vier
noch ganz dünne Palmenstämme sprießen vorsichtig aus dem weißen Sand
empor. Dazu wird hier offensichtlich auch regelmäßig Sand angefahren,
um die Landgewinnung etwas zu beschleunigen.
Gaafaru wird in den
Reiseführern als „abgelegen“ beschrieben – aber weltvergessen ist
die Insel deshalb noch lange nicht. Auf einer beiden Hafenmolen stehen
elektrischen „Straßenlampen“ – und auch eine Telefonzelle ist zu
finden.
Das Dorf bedeckt fast
die ganze Insel, ist unterteilt durch geradlinige Straßen, die Häuser
meist schlicht aus Zement gebaut, einige ältere Mauern aber auch aus
Korallengestein. In den Gärten – besser: auf den Höfen – denn
Blumen gibt es hier nicht, und auch Haustiere sind außer einigen Hühnern
nicht sehr verbreitet – stehen Kokosnusspalmen, ab und an sieht man
Einheimische, die gerade Kokosnüsse raspeln.
Ein Dorfladen muss
den Bedarf an dem decken, was das Meer oder der eigene Hof nicht
hergibt.
Die jüngeren unter
den einheimischen Kindern – die älteren sind noch in der Schule –
lassen sich auch gern fotografieren. Allerdings wollen sie auch für
jedes Foto einen Dollar.
Kagi, die sogenannte
Robinson-Insel, ist ein mit Grillstation und Rastplatz ausgebauter
Anlaufpunkt für die Ausflugsboote von den Hotel-Inseln. Das besondere
an Kagi ist allerdings das Korallenriff, das die Insel ziemlich eng
umfasst und das auch gleich steil und tief abfällt, so tief jedenfalls,
das man zur Meerseite hin beim Schnorcheln den Grund nicht mehr erkennen
kann. Beim Schnorcheln beobachte ich neben etlichen anderen
Meeresbewohnern zwei Weißkehl-Doktorfische, die ständig im Kreis
umeinander herumtänzeln – möglicherweise ein Paarungsritual.
Auf der Hotel-Insel
Eriyadho werden wir von einem Storch begrüßt, an der Mole schwimmt ein
Tintenfisch. Ansonsten werden wir hier mit den Getränkepreisen
konfrontiert, die Urlauber, kein All-Inclusive-Paket abgeschlossen
haben, berappen müssen. Eine Tasse Tee kostet stolze drei US-$.
Vor 17 Uhr sind wir
wieder auf Ziyaaraiyfushi, wo wir beim späteren Strandspaziergang bei
Sonnenuntergang noch auf zwei Muränen stoßen, die in den Korallen in
Strandnähe auf Beute lauern.
Nach dem Abendessen
erleben wir an der Mole – am Tag ein Tummelplatz für alle möglichen
Fische – eine „maledivische Filmszene“: Ein Fischerboot, ein
echtes Dhoni mit hohem Segelmast, aber natürlich auch mit Motor, entlädt
seine Fracht, die Beute des Abends, alles schwere, große graue Fische,
möglicherweise vor allem Barrakudas. Während die Fischer ihren Fang
auf die Mole werfen, gleiten ein halbes Dutzend in eleganten Bewegungen
durch das Wasser.
Sonntag, 26. November 2000:
Ziyaaraiyfushi – Hulule – Negombo
In der Morgendämmerung
um 5.30 Uhr verlassen wir Ziyaaraiyfushi mit dem Schnellboot, um
rechtzeitig vor 7 Uhr auf dem Flughafen von Hulule zu sein.
Bei der Anfahrt
erscheint Male zunächst viel größer, als es tatsächlich ist: Um die
Hauptinsel der Malediven herum ankern Dutzende, vielleicht sogar weit über
hundert Frachter, die man aus der Entfernung für größere Häuser
halten könnte.
Unsere Maschine nach
Sri Lanka, Starttermin 9.15 Uhr, hat
etwa 30 Minuten Verspätung. Über dem Flughafen von Colombo liegen
Wolken – und nach dem Inselwetter der letzten Tage erscheint uns der
Wind sogar als kühl.
Im Hotel in Negombo erfahren wir von anderen Touristen, dass
Neckermann alle Ausflüge nach Colombo storniert hat. In der Hauptstadt
soll es wieder Unruhen gegeben haben.
Montag, 27. November/Dienstag
28. November 2000: Negombo
Vor
dem Rückflug verbringen wir noch zwei weitere Tage am Swimmingpool
unseres Hotels.