Israel -  Totes Meer, See Genezareth, Jerusalem, Seite 6

Jerusalem - Vom Garten Gethsemane zum Tempelberg, an die Klagemauer und über die Via Dolorosa zur Grabeskirche



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Kontraste vor der Stadt

Annäherung an Jerusalem: Weit vor der Stadt liegen einige ärmliche Beduinensiedlungen, einfachste Hütten entlang der Straße, wobei aber auch vor den elendsten Behausungen mitunter noch Autos parken. Der Kontrast dazu: Schicke weiße Häuser, offensichtlich Appartementbauten, erheben sich auf den Hügeln von Jerusalem, gebaut aus Naturstein, ein Stadtbild, wie es dem früheren Jerusalemer Bürgermeister Teddy Kollek nach dem Krieg von 1967 vorgeschwebt hat.
Klicke auf das BildFür den Fremden nicht so ganz klar ist allerdings, wo denn nun die israelische Hauptstadt Jerusalem beginnt. Vor einem Tunnel gibt es eine Kontrolle, ein Soldat oder Polizist blickt auch kurz in den Wagen, doch Ausweise oder Pässe will niemand sehen.
Wir fahren durch ein Gebiet, das Amos, unser Reiseleiter, als „Arabische Altstadt“ bezeichnet. Die Straßen sind eng und krumm, führen über hügeliges Gelände, sind gesäumt von Häusern aus grauem Feldstein. Einige dieser Häuser wirken wie ehemalige Bauernhäuser. Jedenfalls macht dieser Teil der Stadt einen fast ländlichen Eindruck.

Im Garten Gethsemane

Unser Ziel ist ein Hügel, von dem man auf die Stadtmauer der Altstadt mit ihren mächtigen Stadttoren schaut, auf den die ganze Altstadt überragenden Felsendom mit seiner goldenen Kuppel – und auch auf die Baukräne, die die Silhouette hinter der Altstadt dominieren.
Klicke auf das BildGanz in der Nähe dieses Aussichtspunktes befindet sich der historische Garten von Gethsemane, auch der in Jerusalems erweiterter Altstadt gelegen. Die knorrigen Olivenbäume, die hier in diesem Garten stehen, sollen über 2000 Jahre sein – was nach Erklärung von Amos so aber nicht ganz stimmt. Nicht die Bäume, lediglich ein Teil des Wurzelwerkes weise das biblische Alter auf. Die Bäume selbst würden niemals so alt werden.
Natürlich gehört auch zu Gethsemane eine Kirche, hier eine katholische, in der auch gerade ein Gottesdienst statt findet. Aber das ist in Jerusalem eher normal. Irgendwo ist hier immer ein Gottesdienst.

Der Tempelberg

An einem archäologischen Park vorbei geht es schließlich durch das Stadttor. Die Nischen an der Außenseite der Stadtmauer, die hier Gegenstand von Ausgrabungen und Rekonstruktionen sind, dienten ursprünglich als Wohnungen. Dabei dürften das aber eher Wohnhöhlen für die Ärmsten unter der Stadtbevölkerung gewesen sein.
Klicke auf das BildUnser erstes Ziel ist der Tempelberg mit der Al-Aqsa-Moschee und dem Felsendom. Der Tempelberg-Zugang für Ausländer führt natürlich erst durch eine Sicherheitskontrolle, dann über eine abgeschirmte Holzbrücke, von der aus man auch auf die Klagemauer sieht – und schließlich steht man auf dem von israelischer Polizei, israelischer Grenzpolizei und palästinensischer Polizei kontrollierten Tempelberg. Zumindest die schwer bewaffneten israelischen Polizisten geben sich dabei allerdings weit weniger martialisch, als sie ausschauen, stellen sich auch gern für ein Erinnerungsfoto an der Seite der Touristen zur Verfügung.
Neben den Touristen sind die Besucher des Tempelberges, soweit man sehen kann, ausschließlich arabische Moslems. Für israelische Juden, Reiseführer ausgenommen, so Amos, sei es momentan auch nicht möglich, den Tempelberg zu betreten. Und während die männlichen Moslems wohl direkt in die Al-Aqsa-Moschee gehen um dort zu beten, sind es die moslemischen bzw. arabischen Frauen, die in kleinen Gruppen im Schatten der Gebäude sitzen, so das Bild des Platzes bestimmen.
Klicke auf das BildDie Al-Aqsa-Moschee betreten dürfen wir allerdings nicht – und von außen wirkt sie bei weitem nicht so imposant, wie man es bei ihrem Ruf erwarten dürfte. Eigentlich ist sie nur ein in die Länge gezogener Gebäudetrakt, der zwar groß und gewaltig, aber auch nicht etwas Besonderes ist. Vielleicht liegt dieser Eindruck aber auch an der Nähe zum Felsendom, der in der Tat alles in seiner Nachbarschaft unbedeutend erscheinen lässt.
Auch den können wir leider nicht von innen besichtigen, statt dessen nur einen Blick in die Kuppel des offenen Pavillons werfen, der wie ein Satellit an seiner Seite steht. Doch das filigran gestaltete Mosaik dieser Kuppel lässt erahnen, was den Besucher im Felsendom selbst erwarten dürfte. So kann man den Prunkbau aus Marmor aber nur umrunden, sich von der schlichten Schönheit seiner klaren Strukturen beeindrucken lassen.

In der Altstadt

Klicke auf das BildVom Tempelberg hinunter geht es zu einem schönen Altstadtplatz, der fast ein wenig mittelalterlich-italienisch anmutet – und dann Richtung Klagemauer. Auch zu der geht es wieder durch Sicherheitskontrollen, wobei wir am ersten Kontrollpunkt auch noch zurückgewiesen werden. Der Röntgen-Appararat für die Taschenkontrollen ist gerade ausgefallen. Männer und Frauen beten an der Klagemauer getrennt – und zwischen dem Bereich für die Männer und dem Frauenbereich ist ein Sichtschutz gezogen.


An der Klagemauer

Klicke auf das BildSich der Klagemauer nähern kann man als Mann nur mit einer Kippa auf dem Kopf. Das wird zwar nirgends explizit gesagt, aber doch eindeutig erwartet – und schließlich kann man sich an einem extra Stand eine kostenlos Kippa nehmen, darf die nach dem Besuch der Mauer auch behalten.
Die meisten Juden, die hier beten, tragen eine traditionelle Tracht – und es ist geradezu erstaunlich, wie viele Facetten das Judentum hier an seinem zentralen heiligen Platz zeigt. Da stehen Männer mit hellen Umgängen vor der Mauer, andere an schwarzen Hosen, mit schwarzer Jacke und schwarzem Hut, dazu mit langen Seitenlocken, andere, allerdings eine Minderheit, in moderner westlicher Kleidung, aber natürlich mit Kippa.
Links neben der Klagemauer geht es in ein Gewölbe, in dem eine umfangreiche Bibliothek mit religiösen Schriften in den verschiedensten Sprachen eingerichtet ist. Auch hier stehen Männer mit dem Gesicht zur Wand, um zu beten – aber etliche sitzen auch auf den Holzstühlen, um in einem der Bücher, die man frei aus den Schränken nehmen kann, zu lesen.

Über die Via Dolorosa zur Grabeskirche

Klicke auf das BildNun geht es über die Via Dolorosa zur Grabeskirche – wobei die Via Dolorosa im Unterschied zu Klagemauer und Tempelberg ein nicht abgeschirmter Teil der Altstadt ist, eigentlich eine Basarstraße wie die anderen Gassen der Altstadt auch, nur, dass hier meist steinerne Hinweisschilder die 14 Leidensstationen Christi auf dem Weg zur Kreuzigung markieren.
Wegen dieser Bedeutung der Straße sieht man hier auch etwas mehr Geschäfte mit christlichen Andenken als in anderen Gassen, auch mehr erkennbar christliche Pilger, etwa junge Männer in Mönchskluft und mit einem Rucksack auf dem Rücken.
Die Via Dolorosa mündet schließlich in einen nicht einmal sonderlich großen Platz, an dem die Grabeskirche steht – von außen nicht unbedingt sofort als Kirche identifizierbar, eher wie ein aus verschiedenen Bauten zusammengesetzter Festungskomplex wirkend.
Klicke auf das BildZu den Ritualen für den gläubigen Pilger gehört es offensichtlich, den noch im Eingangsbereich liegenden Salbungsstein zu küssen. Wer sich hier selbst vor der Steinplatte niederknien und sie küssen möchte, muss zwar auf einen freien Platz warten – aber der Andrang ist doch überschaubar.
Weitaus dichter gedrängt sind die Menschen im nächsten Raum, in der Haupthalle des Komplexes, in der nun, wie als Schrein gestaltet, die Höhle mit dem Grab Christi ist. Eine lange Schlange hat sich um den Schrein herum gebildet, aber die Menschen warten geduldig in der Reihe, bis es an ihnen ist, für einen kurzen Moment den Höhlenraum mit der Grabstelle zu betreten. Zumindest einen Blick kann man auch von außerhalb werfen, auf einen geöffneten Sarg, an dem einige brennende Kerzen stehen.
Man könnte sich in der Grabeskirche womöglich sogar verlaufen, so verwinkelt ist sie mit ihren diversen Treppenaufgängen, die auch keinen logischen Zusammenhang erkennen lassen. Aber einige Stufen hinaufsteigen, dann einen Blick in die Kuppel werfen, erweist sich dennoch als ein kleiner lohnender Abstecher.
Zurück zum Wagen, der außerhalb der Stadtmauer wartet, geht es wieder über die Basarstraßen. Ein kleines Zeichen der israelischen Freiheit: Ein arabischer Basarhändler verkauft T-Shirts mit den Emblemen der PLO – und dazu, gleich daneben hängend, T-Shirts mit dem Schriftzug der israelischen Verteidigungskräfte.



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