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(Mumbay) - Udaipur -
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Samstag, 4. September
1999: Bombay (Mumbai)
Etwa gegen 1.30 Uhr morgens Ortszeit, nach gut
siebeneinhalb Stunden Flug von Frankfurt aus, wo es gerade 22 Uhr ist,
landen wir auf dem Flughafen von Bombay, oder, wie die die Stadt jetzt
wieder nach ihrem alten indischen Namen heißt, Mumbai. Als offizielle
Journalistendelegation, eingeladen vom Tourismusministerium, haben wir
insofern Glück, als uns die normalen Schlangen vor den Einreise- und
Zollschaltern erspart bleiben, doch dafür landen wir am VIP-Schalter,
wo ich auf den unfreundlichsten Grenzbeamten treffe, der mir in letzter
Zeit begegnet ist. Etliche aus unserer Gruppe werden angeraunzt, weil
sie nicht ihren zweiten Namen auf dem Einreiseformular vermerkt haben,
weil als Zieladresse nur Bombay, nicht aber das Hotel angegeben ist -
und ich darf wegen mangelnder Schönschrift gleich das ganze Formular
noch einmal ausfüllen.
Auf Bombays nächtlichen Straßen fallen als
erstes die Rikschas auf, nicht mehr durch Muskelkraft bewegt, sondern
offensichtlich Mopeds mit Fahrgast"kabine". Zu Tausenden
stehen sie nun am Rand der Straßen, durch die uns der Bus zum Holliday
Inn-Hotel - unmittelbar am Strand gelegen - fährt.
Nach vielleicht vier Stunden Schlaf verbringen wir
den Tag beim offiziellen Programmteil unserer Reise: Meeting mit
Vertretern der indischen Tourismusindustrie. Das ganze ist eine
Pflichtveranstaltung, bei der aber zumindest zwei interessante
Gesichtspunkte abgehandelt werden. Der Vertreter des Ministeriums wehrt
sich entschieden gegen die Charakterisierung Indiens als
Dritte-Welt-Land. Sein Argument: Auch die USA hätten 15 Millionen
Obdachlose - und Bettler habe er selbst in Europa gesehen. Und einer der
deutschen Vertreter auf dem Veranstaltungspodium, ein früherer
Mitarbeiter des Gesundheitsamtes Hannover, danach für die
Weltgesundheitsorganisation tätig, meint, dass im Vergleich zu
deutschen Restaurants die indischen auch nicht unhygienischer und
gesundheitsschädlicher wären, die Impfhysterie in Deutschland im
Zusammenhang mit Reisen nach Indien eine von der Pharmaindustrie und den
Ärzten geschürte Angelegenheit sei, die ausschließlich
wirtschaftliche Aspekte hätte. Bei normalem Verhalten sei ein Tourist
in Indien gesundheitlich nicht gefährdet.
Gegen 16 Uhr ist die Veranstaltung zu Ende, wir
packen unsere Sachen zusammen und fahren ins Taj-Mahal-Hotel, das
unmittelbar am "Gateway of India", dem Wahrzeichen der Stadt,
liegt.
Auf der Fahrt zu unserem neuen Hotel erzählt uns
unser Reiseführer einiges über die Verhältnisse von Bombay: Die Rupie
steht zwar zur Mark 23:1 - aber wer die Preise aus der Sicht der
Einheimischen sehen will, müsste die Rupie zur Mark im Verhältnis 1:1
umrechnen.
Eineinhalb Stunden dauert die 25 Kilometer lange
Fahrt, eine Zeit, die man in Bombay auch für eine so geringe Entfernung
immer einplanen sollte. Die Straßen sind vor allem mit Rikschas
verstopft. Offiziell, so unser Reiseleiter, habe Bombay 12 Millionen
Einwohner, aber vermutlich seien es doch etwa 19 Millionen.
Das Taj-Mahal-Hotel, 1909 errichtet, ist ein
wahrer Palast, bestehend aus einem "alten und einem neuen Teil.
Etliche Konferenzräume und Diningrooms, besser Salons, befinden sich in
den beiden unteren Stockwerken des alten Teils, dazu eine
Shopping-Straße für alle möglichen Luxusartikel.
Ich verlasse kurz das Hotel, um mir das Gateway of
India anzusehen, den großen Torbogen am Hafen. Das Bauwerk ist bereits
angestrahlt, davor lagern die Obdachlosen - und ich werde die Begleitung
einer jungen Bettlerin mit Kind auf dem Arm nicht mehr los. Dazu werde
ich ständig angesprochen, ob ich ein Auto mieten oder Marihuana oder
Postkarten oder sonst etwas kaufen möchte.
Auch, als ich kurz darauf mit einem Kollegen einen
Streifzug durch die Geschäftsstraßen rund um unser Hotel unternehme,
werden wir ständig angesprochen, befinden uns auch wieder in Begleitung
einer jungen Bettlerin mit Kind auf dem Arm. Die Frau ist bereits erneut
schwanger.
Ich kaufe mir eine Packung Bidis, die
einheimischen Zigaretten, eigentlich nur zusammengerollte Tabakblätter,
zahle dafür vier Rupies. Für mich sind das etwa 20 Pfennige - für
einen Einheimischen immerhin vier Mark.
Sonntag, 5. September 1999
Bombay (Mumbai) - Udaipur
Morgens
versuche ich, einige Aufnahmen vom Gateway of India zu machen, immer
wieder abgelenkt diesmal von einer schon etwas älter wirkenden
Bettlerin - wahrscheinlich ist sie tatsächlich noch keine 20 Jahre alt
- mit Kleinkind. An der Mole vor dem Gateway liegen einige kleinere
Boote, Ausflugsschiffe für die Touren um die Bucht von Bombay. Obwohl
es noch früh am Sonntag ist, herrscht bereits reger Betrieb - wobei ich
allerdings keine Ausländer entdecke.
Gegen 10.00 Uhr fahren wir von unserem Hotel zum
Inlandsflughafen. Wir passieren die Uferpromenade, offensichtlich eine
der "besseren" Wohngegenden mit drei- bis vierstöckigen
Wohnhäusern auf der gegenüberliegenden Seite des Strandes. Viele
dieser Häuser tragen eigene Namen.
Auf der Strandseite steht schließlich aber auch
eine Ansammlung von Hütten, einem Slum nicht unähnlich. Den Booten
nach zu urteilen leben hier vor allem Fischer.
Um 13.00 Uhr sitzen wir in der Maschine nach
Udaipur. Es handelt sich um ein schon etwas älteres Flugzeug, das wohl
nur noch für den Inlandsverkehr eingesetzt werden dürfte. Vom Flug
selbst bekommen wir nicht viel mit, weil es meist durch eine dunkle
Wolkendecke geht.
Auf dem Flughafen von Udaipur wimmelt es von
Polizei und Militär: Am Tag zuvor war Sonja Gandhi, die
Oppositionsführerin, in der Stadt, für den kommenden Tag wird der
Premierminister erwartet. Weil die Behörden Angst vor Autobomben haben,
darf nun auch kein Fahrzeug mehr auf das Flughafengelände - außer
einigen wenigen Taxen und Bussen natürlich.
Etwa eine halbe Stunde dauert unsere Fahrt in die
Stadt und zu unserem Hotel, dem "Lake Palace", dem Hotel in
dem Picholasee, in dem auch Teile des James-Bond-Films "Octopussy"
gedreht wurden. Auf dem Weg dorthin passiert man zunächst einmal das
Tor zum Stadtpalast, ein Eisentor mit spitzen Dornen, das in früheren
Zeiten die Angriffe von Elefanten-Kavallerie abwehren sollte, dann geht
es vorbei ein den rötlichen Mauern des Palastes mit seinen Türmen zur
Anlegestelle, von wo aus die Boote zum Inselpalast ablegen.
Der Hotelpalast, der die ganze Insel bedeckt, ist
nicht das einzige Bauwerk im See. Daneben liegt noch eine weitere
kleinere Insel, bebaut mit einem Krematorium und in einiger Entfernung
eine andere Insel mit einem anderen Palast.
Einmalig der Blick vom Hotelfenster über den See:
Man erkennt den Festungscharakter des Stadtpalastes, und daneben
schließen sich, fast mittelalterlich, die Häuser der Stadt an.
Am späten Nachmittag unternehmen wir einen
Streifzug durch die Altstadt von Udaipur, mit 700.000 Einwohnern für
indische Verhältnisse eine kleine Stadt, wie Lalit, unser indischer
Tourguide, meint. Viele Hausfassaden sind mit bunten Bildern bemalt,
beispielsweise mit Elefanten, durch die engen Gassen streifen Kühe,
Frauen pumpen Wasser aus den Stadtbrunnen. An zahlreichen Ecken stehen
Hindu-Schreine, an denen die Menschen beten.
Udaipur erscheint als eine Stadt des Handwerks:
Aus Blättern werden Schalen für den Haushaltsgebrauch hergestellt, auf
der Straße klopft eine Frau Lehm für eine Töpferei, es gibt etliche
Bäckereien.
Wir kommen an einem Jain-Tempel vorbei, dessen
größter Schatz die Nachbildung einer Tempelanlage im Himalaja ist, das
ganze Modell aus Marmor, das Wasser mit blauem Lapzus-Stein dargestellt.
Ein dreistöckiger Uhrturm markiert das
eigentliche Stadtzentrum, dann stehen wir auch schon am Jagdish-Tempel.
Eine Treppe führt zu dem höher gelegenen Bauwerk, das von zwei
Elefanten aus Marmor bewacht wird. Unterhalb dieser Elefantenstatuen
haben sich einige Priester oder Gurus versammelt, darunter ein fast
nackter älterer Fakir, der aus einem Schillum Haschisch raucht.
Allerdings: Da sie Geld nehmen, um sich fotografieren zu lassen, scheint
es sich bei den Männern eher um Touristen-Nepper zu handeln.
Gegen 19 Uhr wird es dunkel, und wir lassen uns
wieder zum Hotel übersetzen.
Montag, 6. September 1999: Udaipur
Am
Vormittag steht die Besichtigung des Stadtpalastes auf dem Programm,
jener mächtigen Anlage, die das gesamte Bild der Stadt prägt.
Über dem Eingang prangt eine Sonne mit dem
Gesicht eines Maharajas, Sinnbild des Herrschergeschlechts von Udaipur,
deren Angehörige sich für direkte Abkömmlinge der Sonne halten, ihre
tatsächliche Ahnenreihe aber immerhin bis ins siebte nachchristliche
Jahrhundert zurückverfolgen können. Das aktuelle Oberhaupt der
Familie, den Maharani, eine Rangstufe noch über dem Maharaja, der
einzige Maharani Indiens, einen alten Herren mit Hemingway-Bart und
Schlapphut, bekommen wir per Zufall zu Gesicht, wie er gerade die
Rekonstruktionsarbeiten an seinem Palast inspiziert.
Auffällig im Inneren des Palastes ist die auf
Verteidigung ausgerichtete Anlage der engen Gänge, der Räume und vor
allem der Türdurchlässe. Diese Durchgänge führen jedesmal über eine
hohe Stufe, die der ortsunkundige Angreifer erst überschreiten muss,
unter einen niedrigen Torbogen hindurch, unter dem er sich bücken muss
- und in diesem Augenblick dem Verteidiger natürlich hilflos
ausgeliefert ist.
Tatsächlich ist Udaipur eine der wenigen
Rajputen-Städte, die auch nie von den islamischen Mogulen erobert
wurde.
Anhand der Palastanlage erzählt uns Lalit einiges
über das Leben der Maharajas, über die Herrscher der kriegerischen
Rajputen. So kommen wir beispielsweise in ein "Freitod"-Zimmer:
Hatte eine Tochter des Herrschers mehrere Hochzeitsbewerber, durfte sie
sich aber aus politischen Gründen für keinen entscheiden, blieb ihr
nur das Gift. Und für diese Zeremonie gab es sogar einen eigenen Raum!
An einer Brandmauer unterhalb des Schlosses wurden
die Elefantenkämpfe ausgetragen. Die beiden Elefanten standen sich,
durch die Mauer getrennt, gegenüber, ihre Rüssel ineinander verknotet.
Dann hatten die Treiber ihren Elefanten dazu zu bringen, dem Gegner den
Rüssel auszureißen. Bei diesem Spiel starb zumindest immer der
unterlegene Elefant - und wurden dessen Treiber gleich mit hingerichtet.
Faszinierend ist aber in jedem Fall die Aussicht,
die man von den Türmen des Stadtschlosses über das alte Udaipur hat.
Im Anschluss an unsere Besichtigung besuchen wir
die im Palastgebäude untergebrachte Malschule, an der momentan 60
Schüler in der traditionellen Malweise Udaipurs unterrichtet werden.
Auf die Besonderheit dieser Schule hatte uns Lalit bereits im Palast
selbst aufmerksam gemacht: Ein Gemälde zeigt eine Tigerjagd. Der
Betrachter sieht zwar 13 Tiger auf dem Bild, tatsächlich handelt es
sich aber nur um drei Tiere, die in unterschiedlichen Bewegungsabläufen
dargestellt sind.
Ich kaufe eine silberne Dose mit einem eingelegten
Elefanten, dazu einen kleinen Elefanten aus blauem Lapzus.
17 Kilometer entfernt, am Rand von Udaipur, liegt
das Hotel, in das wir zum Mittagessen fahren wollen. Doch auf den
Nebenstrecken, durch etliche kleine Dörfer hindurch, benötigen wir
dafür knapp zwei Stunden. Die Hauptstraßen sind wegen des Besuchs des
Premierministers alle gesperrt.
Gegen 16 Uhr sind wir zurück im Lake Palace,
brechen dann um 17 Uhr zu einer Bootsfahrt über den Picholasee auf.
Zunächst geht es Richtung Stadtufer, zu den
Treppen, die von den Häusern ins Wasser führen und die Funktion
öffentlicher Plätze zu erfüllen scheinen. Kinder baden im See, Frauen
waschen ihre Wäsche und auch sich selbst. Einige Meter höher geht das
städtische Leben seinen normalen geschäftlichen Gang, während sich
hier auf diesen Treppen seit Jahrhunderten nichts verändert zu haben
scheint.
Unser nächstes Ziel ist der Jag-Mandir-Palast,
der Palast, den man auch von unserem Hotel aus auf der etwas
entfernteren Insel sieht. Bei der Anfahrt erscheint der Palast mit
seinen Kuppeln und Mauern wie eine verlassene verwunschene Anlage. Die
einzigen Dauerbewohner des Palastes sind heute tatsächlich die
unzähligen Tauben, die vor den wenigen menschlichen Besuchern keinerlei
Scheu zeigen.
Von der zentralen Kuppel des Palastes genießt man
einen Rundblick über den See, auf das Stadtschloss - und natürlich
auch auf das Lake Palace, wo wir gegen 18 Uhr wieder "an Land"
gehen.
Dienstag, 7. September
1999: Udaipur - Ranakpur -
Jodhpur
Morgens
entdecke ich in der Anlage des Lake Palace eines jener
Streifenhörnchen, die mir schon gestern im Stadtpalast aufgefallen
waren. Die Männer in der Malschule hatten erzählt, dass sie ihre
Pinsel aus den Haaren dieser langschwänzigen Nager herstellen würden.
Dazu würden die Tiere aber nicht getötet, sondern nach dem Auszupfen
einiger Haare wieder frei gelassen. Tatsächlich hatte auch das
possierliche Tier in der Hotelanlage keine Angst vor Menschen, ebenso wenig
wie auch die anderen Exemplare, denen wir noch begegnen
werden.
Unser erstes Etappenziel auf dem Weg nach Jodhpur
ist eine Gartenanlage, die für die Tochter eines Maharajas angelegt
wurde. Natürlich gehören dazu auch das "Gartenhäuschen",
ein diesmal allerdings etwas kleinerer Palast, diverse Springbrunnen und
schließlich, als Mittelpunkt der Anlage, ein künstlicher Tümpel,
über und über mit Seerosen bewachsen.
Die Fahrt durch die Awali-Berge, zwar maximal bis
1500 Meter hoch, aber immerhin ein Ausläufer des Himalaja, führt durch
fruchtbares Land. Die einzelnen Felder sind durch Steinmauern
voneinander abgegrenzt. Wir befinden uns zwar auf der
"grünen" Seite von Rajasthan, stoßen hier aber dich auf
unsere erste Kamelherde, die mit ihren Treibern am Straßenrand lagert.
Kurz darauf halten wir an einem der sogenannten
"Persischen Brunnen", in einigen Dörfern noch immer die
Grundlage der Bewässerung. Vielleicht fünf Meter tief liegt der
ummauerte Brunnen, eine Kette von Blecheimern bringt das Wasser nach
oben. Angetrieben wird das ganze von einem Ochsengespann, das den ganzen
Tag das Brunnenrad in Bewegung halten muss.
Schließlich erreichen wir den Jain-Tempel von
Ranakpur, schon von außen eine überwältigende Anlage, von innen aber
eine einzige Säulenpracht. 1444 Marmorsäulen, so hatte Lalit erklärt,
tragen die 29 Kuppeln des Tempels. jede Säule mit anderen Motiven
geschmückt: Elefanten, Flötenspielerinnen, Tänzerinnen - die
Figurenvielfalt ist unüberschaubar. Der architektonische Trick in
diesem Säulenlabyrinth: Von jedem Punkt aus blickt man auf eine Staue
des Begründers der Jain-Religion, eines Zeitgenossen von Buddha, der
ebenso wie Buddha den Hinduismus reformierte.
Zwar sehen wir überall die Tempelwächter in
ihren gelben Umhängen, Jain-Pilger bekommen wir aber nur einen zu
Gesicht, als wir den Tempel verlassen. Der bärtige Mann mit einem roten
Punkt auf der Stirn und in dem traditionellen Weiß der Jain gekleidet
erzählt nicht ohne Stolz, dass er am nächsten Tag auf Geschäftsreise
in die Schweiz fahre. Die streng vegetarischen Jain sind meist relativ
wohlhabende Geschäftsleute: Bauern beispielsweise, die Tiere schlachten
müssen, können sich dieser Religionsgemeinschaft gar nicht erst
anschließen.
Um den Tempel treiben sich Lemuren herum, treten
in ganzen Scharen auf und haben vor Menschen keinerlei Scheu.
An der Sommerresidenz eines Maharajas machen wir
Mittagspause, fahren dann nach Jodhpur weiter.
Unterwegs begegnen wir zahlreichen Pilgern,
erkennbar an den bunten Fahnen, die sie bei sich tragen.
Einige Kilometer vor Jodhpur sehen wir Gazellen
auf einem Feld. Lalit erzählt, dass hier in der Gegen Angehörige der
hinduistischen Bishnoi-Sekte leben, eine Religionsgemeinschaft, die alle
Tiere schützt, weswegen die Gazellen selbst in die Dörfer der Bishnoi
gehen würden.
Unser Hotel, das Umaid Bhawan Palace, aus rotem
Sandstein gebaut, überragt von einer gigantischen Kuppel, umgeben von
einem prachtvollen Garten, ist einer von Indiens jüngsten
Maharaja-Palästen, erst in der 40’er Jahren unseres Jahrhunderts
fertiggestellt.
Am späten Abend wird vor dem Gartenpavillon die
Szene für einen "Bombay-Film" gedreht. Die Musik, die in
keinem dieser Schinken fehlen darf, dringt bis zu uns auf die Hotelterrasse.
Weil nachts die Kuppel des Hotels angestrahlt
wird, erscheinen die über uns kreisenden Schwalben wie zu große
Glühwürmchen.
Mittwoch, 8. September
1999: Jodhpur - Mandore -
Jodhpur
Am
Vormittag besuchen wir zunächst das auf einem Berg über der Stadt
gelegene Fort Mehrangarh, eine Anlage aus dem 17. Jahrhundert, umgeben
von mächtigen Wällen. Von innen erweist das Fort dann als Mischung
zwischen Palast, Festung und eigener Stadt.
Faszinierend die Fassaden mit den holzgeschnitzten
Fenstern, die zahlreichen Innenhöfe - und schließlich der Blick über
die Stadt mit ihren blauen Häusern, in der Ferne umgeben von den Resten
der alten Stadtmauer.
Nach dem Rundgang durch das Fort fahren wir zu
einem an einem See gelegenen Mausoleum für einen verstorbenen Maharaja.
Die Leiche des Maharajas wurde natürlich auf dem See verbrannt, so dass
die Anlage selbst lediglich ein Memorial darstellt.
Auf dem Rückweg zum Hotel stoppen wir an einem
Laden für Ganesha-Figuren. Für die Hindus steht der Geburtstag
Ganeshas, des Elefantengottes, bevor, und deshalb werden nun überall
die Ganesha-Figuren, teilweise in doppelter Mannesgröße, verkauft.
Über Mittag bleiben wir im Hotel, fahren dann
nach Mandore, die alte Hauptstadt des Reiches von Jodhpur.
Die erste Sehenswürdigkeit: Gleich hinter dem
Stadttor von Mandore ist eine offene Halle in den Felsen geschlagen
worden, ausgeschmückt mit Heldenfiguren aus der Sagenwelt..
Vor allem ist Mandore mit seinen zahlreichen
Ahnentempeln, viele davon nach der Aufgabe der eigentlichen Stadt
errichtet, ein Ausflugsziel der Inder selbst - und ein Anziehungspunkt
für Bettler, Schlangenbeschwörer und Andenkenverkäufer, die sich hier
gnadenlos um die wenigen westlichen Touristen scharen und zum ständigen
Begleiter werden.
Lalit macht uns auf einen vielleicht achtjährigen
Jungen mit Ohrringen aufmerksam. Die Ohrringe besagen, dass der Junge
bereits verlobt ist. Das bedeutet nicht, dass er seine Verlobte auch
kennen muss. Lalit berichtet, dass es bei ihm ebenso war: Vor der
Hochzeit hatte er seine Frau gerade drei mal getroffen; die Ehe war von
den Eltern arrangiert worden.
Nach der Besichtigung von Mandore ziehen wir in
die Altstadt von Jodhpur, in die engen Gassen mit ihren blau angemalten
Häusern. Das "System": Je tiefer man in die Altstadt
eindringt, desto enger werden die Gassen. Zunächst befinden wir uns
noch in einer Geschäftsstraße mit allen möglichen Läden. Hier
verkehren noch Rikschas, Pferde- oder Kamelkarren, Mopeds und
Fahrräder. Aber jedesmal, wenn sich zwei Fahrzeuge entgegenkommen,
führt das bereits zum Chaos. Dann werden die Gassen schmaler, nur noch
Mopeds können passieren, und schließlich stehen sich die Häuser so
dicht gegenüber, dass man einem entgegenkommenden Fußgänger in einen
Haueingang ausweichen muss. Unterbrochen wird dieses Gewirr jedoch
regelmäßig von kleinen Plätzen.
Allerdings: Das malerische Touristenbild der
blauen Stadt wird getrübt von dem Unrat an fast jeder Ecke, der offenen
"Kanalisation", in der das Wasser als schmutzige Brühe steht
statt hindurchzufließen und auch einigen toten Ratten zwischen den
Schmutzbergen.
Es ist unmöglich, sich zurecht zu finden: Wir
fragen nach der großen Hauptstraße, von der wir gekommen sind, werden
in verschiedene Richtungen geschickt, kommen schließlich zwar aus der
Altstadt heraus, landen aber an der Eisenbahnstation, wo wir ja nicht
hin wollten.
Der Verkehr auf den Straßen erscheint aggressiv:
Wer sich nicht durchsetzt, kommt auch nicht durch. Mit einer
Motorrikscha fahren wir zurück ins Hotel - und bei der hiesigen
Fahrweise erscheint es mir nicht angeraten, auch nur einen Arm aus dem
offenen Gefährt zu lehnen. Aber bei den Rikschafahrern verbinden sich
Glück, Routine, Frechheit und wohl auch rasche Reaktionsgabe:
Jedenfalls kommen wir ohne Probleme wieder zu unserem Hotel.
Donnerstag, 9. September 1999: Jodhpur - Jaipur
Wir verlassen unseren Sandsteinpalast, fahren nach
Norden Richtung Jaipur.
Dabei haben wir ungewöhnliches Glück. Am frühen
Vormittag entdecken wir am Rand der Straße einen großen Viehmarkt, auf
dem etliche tausend Rinder angeboten werden. Die Bauern aus der ganzen
Umgebung haben sich versammelt, an einem Lautsprecherwagen wir eine
Lotterie veranstaltet, eine ganze Stadt ist entstanden, wo nun in engen
Straße Schuhmacher ihre Dienste anbieten, an diversen Ständen alle
möglichen Bedarfsartikel verkauft werden., es selbst ein
"Restaurantviertel" gibt.
Eine gute Kuh, so sagt Lalit, würde umgerechnet
rund 1500 Mark kosten, und der Markt, den wir heute besuchen, fände nur
einmal im Jahr statt.
Auf der Weiterfahrt erzählt uns Lalit dann
einiges über den Hinduismus. 84 Millionen Wiedergeburten warten nach
der Lehre des Hinduismus auf die Seele, und als "Beweis" für
die Richtigkeit der Wiedergeburtslehre hält Lalit eine Geschichte
parat, die sich in seinem eigenen Bekanntenkreis in Agra zugetragen
haben soll. Ein Freund seines Bruders, der Inhaber eines
Musikgeschäftes, sei eines Tages bei einem Raubüberfall erschossen
worden. Die Täter konnten nicht gefasst werden. Kurz nach diesem
Verbrechen sei jedoch in einem 80 Kilometer entfernten Dorf ein Junge
geboren worden, der fünf Jahre später mit seinem Vater nach Agra kam,
in das Geschäft des Ermordeten ging, alles über den Toten wusste, von
der Witwe schließlich auch als Ehemann identifiziert worden sei und
auch seine Mörder genannt hätte. Ein halbes Jahr nach der Verurteilung
der Mörder sei der Junge völlig unerwartet und ohne krank gewesen zu
sein gestorben.
Ich glaube, diese Geschichte schon irgendeinmal in
einer Zeitschrift gelesen zu haben.
Wir kommen schließlich in eine Gegend, in der
Marmor gewonnen wird, und aus der auch das Marmor der Paläste, die wir
gesehen haben, stammt. Abgebaut wird noch immer: Auf Dutzenden
Lagerplätzen stapeln sich die Marmorplatten, unendliche
Lastwagenkolonnen rollen über die Straße.
Je weiter wir nach Jaipur kommen, desto arider
wird die Landschaft. Auf den Feldern grasen die Ziegenherden. Die Wüste
Thar ist nicht mehr weit.
Am frühen Nachmittag sind wir in Jaipur, der
Hauptstadt des Bundesstaates Rajasthan, essen in einem Hotel Mittag. Das
Hotel liegt an einem Stausee mit einer Insel nahe des Ufers. Auf dieser
Insel steht ein weiterer Maharaja-Palast, der momentan jedoch nicht
genutzt wird. Irgendwann soll auch er zu einem Hotel umgebaut werden.
Nun fahren wir in die Altstadt von Jaipur, nach
der "blauen" Stadt Jodhpur nun in die "rote" Stadt,
die auch in Indien oft als "Pink City" bezeichnet wird. Rot,
so erklärt uns Lalit, sei in Indien die Farbe des Willkommens, und als
Mitte des 19. Jahrhunderts die ersten Engländer nach Jaipur gelangten,
ließ der Maharaja nicht nur seinen eigenen Stadtpalast, sondern gleich
sämtliche Häuser der Stadt rot anmalen.
Ebenso auffällig wie die Farbe der Häuser:
Jaipur wurde planmäßig um den Stadtpalast herum angelegt, mit weit
breiteren Straßen, als wir sie aus Udaipur oder Jodhpur kennen. Alle
Geschäfte in den unteren Stockwerken der Häuser haben die gleiche
Größe - und über diesen Geschäften befinden sich die Terrassen, von
denen etwa bei Festen jedermann, auch, wenn er gar nicht dort wohnt, dem
Treiben auf der Straße zuschauen kann. Noch heute, so Lalit, seien die
Geschäftsleute verpflichtet, ihre Terrassen der Öffentlichkeit
zugänglich zu machen.
Unser erster Stop in Jaipur führt uns aber nicht
zu den Straßen der roten Häuser, sondern zu einer alten Haveli, einer
Karawansei, nun auch ein Hotel. Die Mauern versprechen von außen nichts
besonderes - und durch das Tor können Passanten auch nicht in das
Innere des Bauwerkes sehen. Hinter dem Tor befindet sich nämlich wie
bei all diesen Palästen eine weitere Mauer, der Besucher muss erst nach
links abbiegen, bevor er im eigentlichen Innenhof steht. Mittelpunkt der
Haveli ist ein hübscher Garten, von dem aus es zu den einzelnen Räumen
geht.
Nun brechen wir auf, um ausgehend vom Stadtpalast
die Innenstadt zu erkunden. Dabei werden wir zunächst wieder von einer
Schar bettelnder Kinder begleitet, die aber das unmittelbare Gebiet des
Stadtpalastes nicht verlässt und uns schließlich allein weiterziehen lässt.
Jaipurs Hauptanziehungspunkt ist natürlich der
"Palast der Winde", der filigrane Bau, von dem aus die Frauen
des Maharajas einst die Straßenfeste beobachteten. Um den "Palast
der Winde" besser sehen zu können, lassen wir uns auf der
gegenüberliegenden Straßenseite von einem Händler in seinen Laden auf
der Terrasse mitnehmen, eine Kollegin kauft dort auch gleich mehrere
Handpuppen - ohne auch nur um eine Rupie zu handeln.
Der "Palast der Winde" ist weder
besonders groß noch imposant, besticht eigentlich nur durch die
Feingliedrigkeit seiner Formen und durch das Licht seiner Farbe. In
einem offenen Palastfenster turnt ein Affe herum, verschwindet dann im
Inneren des Baues. Affen auf den Terrassen und Dächern der Stadt
beobachte ich schließlich noch mehrere.
Unser Hotel, das Raj Villas, ein gerade ein Jahr
alter Prachtbau im Stil eines "Dorfes", liegt etwas außerhalb
der Stadt. Auf dem Weg dorthin passieren die die alte Stadtmauer und die
halb zerfallenen Häuser der früheren Stadtwächter. Anders als in der
Stadt selbst hat man hier auf die rote Farbe verzichtet, sind die
Gebäude gelblich. Menschen stehen auf der Straße, schauen auf einen
Hügel. Angeblich soll dort oben gerade eine Raubkatze, möglicherweise
ein Tiger , zu sehen sein. Ich kann aber nichts entdecken.
Schließlich kommen wir an unserem Hotel an. Das
Gelände, so erzählt unser Reiseleiter, hat die Hotelgesellschaft von
der Regierung gekauft - auf Vermittlung eines der bekanntesten
Gangsterbosse der Stadt, der dabei natürlich auch kräftig verdient
hat.
Inmitten der Anlage steht ein 250 Jahre alter
Hindu-Tempel, der sich nun wie natürlich in die Anlage einfügt.
Freitag, 10. September
1999: Amber - Jaipur - Samode
Eigentlich wurden der Palast und die Stadt Amber
nach der Errichtung von Jaipur von seinen Bewohnern verlassen - aber nun
füllt sich der Ort wieder mit Leben. Amber ist schließlich Ziel fast
jeder Nordindien-Reise - und damit auch Anziehungspunkt der hier
besonders hartnäckig auftretenden Souvenirverkäufer.
Der erste Aussichtspunkt: Auf der anderen Seite
des Sees erhebt sich auf einem Berg das gewaltige Schloss, dahinter
scheinen weitere befestigungsähnliche Anlagen zu liegen. Von der alten
Stadt Amber selbst sind dagegen nur Ruinen geblieben.
Die Elefanten, mit denen wir auf das Schloss
reiten sollen, werden an eine Mauer, ähnlich einer Schiffsmole,
geführt, von der wir auf die auf dem Elefantenrücken befestigte
Plattform steigen. Dann wird, wie bei einer Schaukel, eine Querstange
über die Beine gelegt und befestigt, damit die vier
"Passagiere" nicht herabrutschen können - und das Tier setzt
sich im gemächlichen Trott in Bewegung.
Zwar reitet es sich auf einem Elefanten bequemer
als auf einem Pferd oder einem Kamel - aber es schaukelt doch wie auf
einem Boot bei etwas Seegang.
Am beeindruckendsten in Amber: Die Mosaiken, mit
denen die Decken etlicher Palasträume geschmückt sind - und das
Wasser. Weil es auf dem Berg kein Wasser gab, musste es natürlich
hochgeschafft werden, war kostbar, und selbst die Herrscher hatten damit
- für ihre Begriffe - sparsam umzugehen. Dabei wurde aber fließendes
Wasser als Klimaanlage benötigt, und dazu bediente man sich eines
Tricks, den Lalit uns nun vorführen lässt: Ein Eimer Wasser wird in
einen der "Kanäle" gekippt, und durch die Riffelung innerhalb
des Flusskanals dauert es tatsächlich knapp fünf Minuten, bis das
Wasser abgeflossen ist.
Atemberaubend die Aussicht: Unter uns liegt der
See von Amber, auf einer Treppe waschen Frauen Wäsche - und an der
anderen Seite des Ufers baden die Elefanten.
Wir fahren zurück in die Neustadt von Jaipur,
stoppen zunächst am Neubau einen Hindutempels, fahren dann zum
ehemaligen Gartenpalast des Maharajas, dem Rambagh Palace, nun ein Hotel
der Taj-Mahal-Gruppe.
Unser Empfang ist wahrhaft "fürstlich":
Ein Elefant, Kamele und Pferde stehen Spalier, eine Musikgruppe heißt
uns willkommen.
Den nachhaltigsten Eindruck hinterlässt das
Polozimmer des Palastes: Sein alter Besitzer war leidenschaftlicher
Polospieler, nahm an internationalen Turnieren teil - und beherrschte
das Spiel nicht nur mit Pferden, sondern auch mit Elefanten. Dran
erinnern die Bilder im Polozimmer, nun die Bar für die betuchteren
Gäste des Hauses.
Nach dem Essen brechen wir auf nach Samode, einem
kleinen Dorf, das zum Herrschaftsbereich eines Rajas, also eines
"kleineren" Landadeligen gehörte. Der Raja selbst, den wir am
Abend kennenlernen, betreibt in seinem Palast jetzt auch ein Hotel.
Zunächst ungewöhnlich für ein Dorf: Samode ist
von mächtigen Mauern umgeben, hatte in früheren Zeiten wohl schon die
Funktion einer Kleinstadt. Lalit sagt, dass auch Samode Durchgangspunkt
der Karawanen gewesen sei, es früher im Ort auch etliche Havelis
gegeben habe.
Samode muss tatsächlich bessere Tage gesehen
haben. Davon zeugt die mit Kopfsteinpflaster asphaltierte Hauptstraße
des Ortes, viele Häuser waren ursprünglich offensichtlich bunt bemalt.
Doch heute liegt mindestens die Hälfte der Gebäude in Schutt und
Trümmer, Geschäfte sind nicht zu erkennen.
Der Palast von Samode liegt wieder auf einem
Hügel, ist noch einmal von einer eigenen Mauer umgeben, und der Weg
hinter dem Tor verläuft in Krümmungen nach oben. Diese gekrümmten
Wege, so Lalit, habe man extra angelegt, um bei einem Angriff den
gegnerischen Elefanten die Energie zu rauben.
Den Nachmittag verbringen wir beim Tee im Garten
des Rajas: Geprägt wird der Garten von den Springbrunnen und
Wasserspielen, deren Unterhalt noch immer ein Vermögen kosten muss.
Am Abend ist, uns zu Ehren, der ganze Palast hell
erleuchtet, sieht nun wirklich aus wie ein Märchenschloss. Schließlich
führt uns der Raja in die der Öffentlichkeit sonst nicht zugänglichen
Bereiche, in den ehemaligen Frauentrakt des Schlosses. Am imposantesten
ist die gigantische Halle in diesem Teil des Gebäudes.
Auf dem Dach, mit Blick auf die nächtlichen
Berge, nehmen wir unser letztes Abendessen in Indien.
Samstag, 11. September 1999: Samode - Dehli
Zwei Säulen an der Straße markieren die Grenze
zwischen den Bundesstaaten Rajasthan und Haryana. Wir müssen halten,
eine neue Maut zahlen. Zu der werden Touristenbusse an jeder
Landesgrenze herangezogen - wobei die Höhe des Betrages in den
einzelnen Bundesstaaten ganz unterschiedlich ausfällt.
Die indische Hauptstadt kündigt sich mit
pompösen Luxusneubauten an: Die sind zu eigenen Großsiedlungen
herangewachsen, erinnern etwas an den russischen Zuckerbäckerstil - und
sind durch Schlagbäume und Kontrollposten nach außen abgeschirmt.
Unser erstes Ziel in Dehli ist das 75 Meter hohe
aus rotem Sandstein gebaute Minarett, das Outb Minar, ältestes
islamisches Bauwerk auf indischem Boden, errichtet nach der Eroberung
Dehlis - und in jüngerer Zeit bevorzugter Anziehungspunkt für Leute,
die sich von der Spitze des Turmes zu Tode stürzen wollten. Deshalb, so
Lalit, sei eine Besteigung des Minaretts nun auch untersagt.
Errichtet wurde der islamische
"Siegesturm" jedenfalls auf dem Gelände eines früheren
hinduistischen Tempels - und die hinduistischen Götter scheinen den
islamischen Bildersturm ganz gut überstanden zu haben: Zwar wurden die
Köpfe der Hindu-Götter aus den Säulen herausgeschlagen, aber viele
Fundamente sind nach wie vor mit hinduistischen Darstellungen
geschmückt, und vor allem steht ziemlich in der Mitte der Gesamtanlage
nach wie vor die geheimnisumwitterte Eisensäule, die trotz ihrer 2500
Jahre nicht eine einzige Spur von Rost aufweist, weswegen Erich von
Däniken ihr bereits außerirdische Konstrukteure zuwies.
Unser nächstes Ziel ist das Grabmal des Humayun,
ein mächtiges Mausoleum in einem großen Park, Vorbild des Taj Mahal
von Agra. Merkwürdig: Es sind kaum Menschen hier, die Anlage wirkt fast
tot.
Durch das Regierungsviertel fahren wir nun zu
unserem Hotel. Lalit über die ansehnlichen Villen im Regierungsviertel:
Die gehören dem Parlament und werden den Abgeordneten zur Verfügung
gestellt. Wer aber nicht wiedergewählt würde, so Lalit, bliebe
trotzdem in der einmal zugewiesenen Villa wohnen. So lohnt es sich also,
auch nur für eine Legislaturperiode im Parlament zu sitzen.
Für vier Stunden beziehen wir nun unser letztes
Hotel - und sitzen vor Mitternacht wieder im Flieger nach Deutschland.
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