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Die
Twin-Towers, die modernen Glaspaläste am Creek von Dubai
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Bastakiya mit
seinen Windtürmen - in der Altstadt von Dubai
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Das Fort von
Fujairah am Rand des Hajargebirges |
Sanddünen im
Dubai Desert Conservation Park |
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| Eine
Kamelstation - gesehen im Dubai Desert Conservation Park |
Haffah - ein
winziges Fischerdorf in Musandam |
Die wilde Küste
von Musandam im Norden des Oman |
Die Moschee von
Bidiyah, gebaut um das Jahr 1500 |
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Das Burj el
Arab, Wahrzeichen des modernen Dubai |

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Khor Fakkan -
Sandstrand am Rand des Hajargebirges |
Zum Betrachten
der Fotos klicken Sie auf die Vorschaubilder
Emirate,
Städte, Stadtteile und Sehenswürdigkeiten: Emirat
Dubai mit Dubai-Stadt
mit Creek-Fahrt,
Gold Souk in
Al Ras,
Stadtteil
Bur Dubai mit Al Fahidi Fort,
Souk Al Khabeer
(Textil-Souk), Bastakiya,
Deira,
Jumeira
und das Burj
el Arab, Al Karama,
Margham
und der Dubai Desert Conservation Park,
Emirat
Fujairah mit Hauptstadt Al
Fujairah und Bidiyah,
Emirat
Ras al Khaimah mit Masafi,
Emirat
Sharjah mit Sharjah-Stadt,
Al-Dhaid,
Hajargebirge,
Dibba,
Khor Fakkan
und den Tauchplätzen Anemone
Garden, Car
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Martini Rocks,
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Freitag, 17. September 2004:
Dubai
Gegen
22.00 Uhr Ortszeit, in Paris, wo wir gegen
14 Uhr abgeflogen waren, ist es acht Uhr, befindet sich die
Air-France-Maschine im Landeanflug auf den Airport von Dubai. Auf
dem Meer unter uns warten Dutzende von hell beleuchteten Schiffen
wohl auf die Erlaubnis, in den Hafen von Dubai einlaufen zu dürfen.
Dubai
selbst erscheint aus der Luft ebenso vor allem hell erleuchtet,
bestehend aus gerade gezogenen Straßen, in der Flughafennähe mit
in Reihe und Glied stehenden kleineren Gebäuden, die sehr wohl
Ein-Familien-Häuser sein könnten.
Obwohl
Dubai von der Einwohnerzahl weit kleiner ist
als die großen asiatischen Metropolen wie Bangkok steht der
Flughafen den anderen Metropolen-Airports in nichts nach. Im
Gegenteil! Nach einem anstrengenden Flug und dem hektischen
Umsteigen im viel zu engen Pariser Flughafen Charles-de-Gaulles
scheint hier alles viel großzügiger, ein Flughafen zwar der
weiten Wege, aber dafür der geräumigen Hallen.
Die
Einreise ist unerwartet unkompliziert: Man zeigt seinen Pass vor,
bekommt einen Stempel, das war es. Einreisekarten oder andere
Formulare muss man hier jedenfalls nicht ausfüllen.
Die
Stadt beginnt unmittelbar am Flughafen – oder hat sich in den
letzten Jahren bis hierher ausgedehnt. Einer der ersten Eindrücke
von Dubai: Ein großes grün getünchtes Gebäude im Stil des
europäischen Belle Epoque, im ersten Stockwerk eine Halle mit
klassischen Oldtimern, entweder ein Museum oder eine
Verkaufsausstellung. Diese Stadt scheint Luxus pur zu bieten.
Dieser
Eindruck wird bestätigt, als wir nach 20-minütiger Fahrt unser
Hotel, das Metropolitan Palace erreichen: Ein von der Außenfassade
sogar noch bescheidener Elf-Geschosser mit Atrium, Springbrunnen,
kleiner eigener Shoppingmeile.
Samstag,
18. September 2004: Dubai – Dubai Creek und Al Ras (Gold Souk)
Vom 11. Stockwerk
des Metropolitan, vom Dachgeschoss mit dem Swimmingpool aus
gesehen scheint der Dubai Creek, die die beiden Stadthälften
trennende Wasserstraße und mit seinen Fähren und Dhaus das
eigentliche Herz von Dubai, nicht viel mehr als einen Steinwurf
entfernt. Zwischen den Hochhäusern auf der anderen Straßenseite
blicken wir sogar auf eine Anlegestelle dieser Dhaus. Der
Hotelangestellte, der den Gästen die Eingangstür öffnet, gibt
uns trotzdem den Rat, ein Taxi zu nehmen.
Ein Taxi benötigen
wir zwar nicht, aber doch immerhin rund 15 Minuten, bis wir einen
freien Durchgang zur Uferpromenade finden. Dubai ist eine Stadt
der Autos, nicht der Fußgänger.
Vom
ursprünglichen, arabischen Dubai ist sicher auch nicht viel
übrig geblieben, aber die Dhaus, die hier liegen, gehören
sicherlich dazu. Die hölzernen, dickbäuchigen Boote dienen auch
nur in Ausnahmefällen für touristische Sightseeing-Touren.
Die meisten entladen ihre Fracht, die sich nun am Kai
stapelt, meist große Pappkartons mit der Aufschrift „Made in
China“. Die Hochseeschiffe, die in der Straße von Hormuz vor
Anker liegen, warten also nicht unbedingt darauf, selbst in den für
sie zu kleinen Creek zu fahren, sondern vielfach wohl auch darauf,
dass die Dhaus ihre Fracht übernehmen.
Die Dhau-Fahrt, zu
der wir um 11.30 Uhr aufbrechen, beginnt gegenüber dem Gebäude
der Stadtverwaltung, dauert exakt eine Stunde und kostet direkt
vor Ort bei „Tour Dubai“ gebucht 35 Dirham, also keine zehn
Euro pro Person.
Zunächst geht es
bei dieser Tour für ein kleines Stück nach Osten, ins
Landesinnere – und den neueren Teil von Dubai. Hier vom Creek
erschließt sich erst das ganze Bild der modernen Stadt, mit ihren
gläsernen Twin-Towers, von denen der eine jeweils das Spiegelbild
des anderen aufnimmt, mit dem Turm der Handelskammer oder dem wie
ein hoch hinausragendes Segel gebauten Palast der Nationalbank.
Vielleicht noch gut
50 Gebäude aus der Zeit vor Beginn des 20. Jahrhunderts haben den
Bauboom des neuen Reichtums überlebt, sagen die Reiseführer –
und wenn überhaupt sehen wir vielleicht einige davon weiter im
Norden, auf der südlichen Seite des Creek, gleich im Anschluss an
die palastartigen Regierungsbauten, im Viertel Bur Dubai. Gleich
hinter den Fähranlegestellen scheint es hier in die
„Altstadt“ zu gehen, in der über den Dächern der Häuser
Minarette und Moschee-Kuppeln herausragen.
Hier, wo sich die
beiden als „Altstadt“ – Dubai wurde um 1830 gegründet –
bezeichneten Stadtteile Bur Dubai und Al Ras auf den beiden Seiten
des Wasserarms gegenüber liegen, vollzieht der Creek einen Knick,
um kurz darauf ins Meer zu münden. Wir passieren aber nur noch
diesen Knick, sehen auf der Westseite einige lang gezogene alte
Prachtbauten, die den einstigen Palastkomplex des Emirs bildeten,
heute als Museum genutzt werden und angesichts der modernen
Glaspaläste geradezu unscheinbar daherkommen.
Eigentlich wollen
wir nach unserer Creek-Tour nach Bur Dubai, dazu mit dem Taxi zur
Öffentlichen Bibliothek, von dort dann mit der Fähre über den
Creek übersetzen. Das Taxifahren ist erstaunlich billig: Der
Grundpreis liegt bei drei Dirham, durch die halbe Stadt geht es für
zehn Dirham. Allerdings kennen sich die Taxifahrer wohl auch nur
mit den Hotels aus. Unser Fahrer jedenfalls weiß nichts von einer
Bibliothek, kann auch den Stadtplan in unserem Reiseführer nicht
entziffern, weiß aber, was der Gold Souk ist. Also landen wir im
Gold Souk von Al Ras.
Die
Häuser hier in diesem Teil der „Altstadt“ dürften alle
aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stammen, aber, um den
Eindruck eines „echten“ arabischen Souk zu erwecken, wurde ein
Holzdach über die Straße gebaut, ist auf den Wegen im Souk nun
nicht nur das Auto- sondern auch das Radfahren verboten. Und
selbst Wasserträger, wie man sie sonst aus alten Märchenfilmen
über Arabien kennt, gibt es hier. Nur, dass die Wasserträger von
Dubai kein Brunnenwasser aus dem Schlauch, sondern Mineralwasser
und Softdrinks aus der Plastikflasche verkaufen.
In anderen Orten könnte
man die in unförmigen schwarzen Gewändern und völlig
verschleierten Frauen womöglich auch für Bettlerinnen halten.
Die Selbstverständlichkeit, mit der sie jedoch in die einzelnen
Geschäfte gehen und sich die größten Schmuckstücke aussuchen,
spricht dagegen. Das dürften eher Frauen aus dem benachbarten
Saudi Arabien sein, die hier auf Einkaufstour gehen und dabei mit
für sie unerreichbaren Freiheiten konfrontiert werden.
Verschleierte Frauen sieht man nur im Gold Souk häufiger;
ansonsten ist in Dubai – wenigstens in der Stadt und inwieweit
wir sie bisher gesehen haben – auch das Kopftuch nicht unbedingt
die Regel.
Gold wird „Gold
Souk“ vor allem in 22 oder 24 Karat angeboten, vielfach
schimmert es mit einem Schuss ins Rötliche – und vor allem müssen
die einzelnen Schmuckstücke, die oft so dicht nebeneinander in
den Schaufenstern hängen, dass man kaum hineinsehen kann, groß
sein. Ein Armreif macht offensichtlich nur Eindruck, wenn er
wenigstens die Breite einer Hand hat.
In einem Laden
entdecken wir Tier- und andere Figuren, von denen wir glauben, sie
wären vielleicht vergoldet. Sie sind aber aus purem Gold. Wir
kaufen einen kleinen Flötenspieler, der zunächst 490 Dirham
kosten soll, für 400, dazu Ohrringe für 265. Die lagen zunächst
bei über 300 Dirham. Vielleicht sind die Spannen nicht so groß
wie in anderen arabischen Ländern: Aber gehandelt werden muss
auch hier in jedem Fall. Auch in dem kleinen Geschäft, wo wir
noch eine Armbanduhr kaufen, geht es durch Feilschen noch einmal
zumindest um 15 Prozent runter.
Für unser
Mittagessen – die Geschäfte des Souk haben inzwischen fast alle
geschlossen – finden wir ein kleines Restaurant, in dem
ausschließlich Männer sitzen, mit den Fingern essen. Für uns
werden für unser Curryhuhn zwar Gabel und Löffel, aber keine
Messer gebracht. Besteck ist in den kleinen einheimischen Lokalen
nicht sonderlich verbreitet. Dafür ist das Essen billig: Ganze 20
Dirham zahlen wir zwei Personen inklusive der Cola.
Den Rest vom
Nachmittag bleiben wir in unserem Hotel am Swimmingpool, gehen
dann am Abend in ein benachbartes libanesisches Restaurant zum
Essen. Hier isst man mit Messer und Gabel in einem
vollklimatisierten Raum, nicht an Gemeinschaftstischen wie am
Nachmittag sondern jedes Paar am eigenen Tisch, und man kann sich
vom Büfett nehmen, so viel man will. Bei der Rechnung erwarte ich
also eine böse Überraschung, die aber bei 80 Dirham ausbleibt. Für
nicht einmal zehn Euro pro Person bekommt man ein Büfett! Dubai
mag zwar luxuriös erscheinen – wirklich teuer ist es wenigstens
aus europäischer Sicht nicht.
Sonntag,
19. September 2004: Dubai – Al Ras (Gold Souk), Bur Dubai (Bastakiya,
Bastakia)
Nach dem Frühstück
geht es wieder mit dem Taxi zum Gold Souk von Al Ras.
Zu den
Annehmlichkeiten vom Gold Souk zählt – im Unterschied zu
anderen Souks in arabischen Ländern – dass man hier doch
ziemlich ungestört die prächtigen Schaufensterauslagen studieren
kann, ohne gleich von einem Verkäufer angesprochen und mehr oder
weniger penetrant ins Geschäft gezerrt zu werden. Angesprochen
wird man, das aber doch sehr häufig, lediglich von diskreten
jungen Männern, die fragen, ob man Interesse an Rollex-Kopien
oder anderen nachgemachten Markenuhren hätte. Immerhin sind das
doch ehrliche Händler: Sie sagen von vornherein, dass ihre Ware
nicht echt ist.
Durch
den Al Shindagha-Tunnel fahren wir unter dem Creek hindurch
auf die andere Seite, in den Stadtteil Bur Dubai, in den
historischen Kern von Dubai.
Das Taxi hält
gleich am Al Fahidi Fort, der
Festung, von der um das Jahr 1830 die Gründung von Dubai ausging.
Heute beherbergen die Mauern dieser eher bescheidenen Festung, die
kaum mehr als die ummauerte Residenz eines Stammesfürsten war,
das Dubai Museum.
Das größte
Exponat sieht man bereits von der Straße aus, außerhalb der
Festungsmauern: Eine Dhau, auch die eher von bescheidener Statur.
Der Eintritt in die
Festung kostet drei Dirham. Dafür darf man nun im Hof die europäischen
Bronzekanonen aus dem 17. Jahrhundert bewundern, die hundert Jahre
später in den Kämpfen an der „Piratenküste“ immer noch ihre
Dienste taten, kleine hölzerne Boote, und schließlich die
Nachbildung einer aus Bast geflochtenen Hütte, wie sie noch vor
der Gründung Dubais als leichte Behausung der Einheimischen üblich
war. Wenn aber auch die Einrichtung dieser Hütten so war, wie
hier im Museum nachgebildet, so war sie doch schon alles andere
als primitiv: Betten gab es ebenso wie etwa Tische aus Kamelleder.
Unter einem der Türme
befindet sich ein Gewölbe, das für eine Ton-Dia-Show über die
Geschichte Dubais hergerichtet wurde. Sehr informativ ist diese
Show allerdings nicht: Dafür beschäftigt sie sich zu sehr mit
den Errungenschaften des modernen Dubai.
Die Exponate, die
man ansonsten in den Sälen sieht, sind die Stücke, die in einem
Museum dieser Art nicht fehlen dürfen: Schwerter, Dolche, Lanzen
– und schließlich auch die arabischen Nachbauten der europäischen,
insbesondere der englischen Gewehre des 19. Jahrhunderts.
An der Großen
Moschee vorbei gehen wir hinunter zum Creek, eigentlich auf der
Suche nach dem Ortsteil Bastakiya, dem Ortsteil, der kurz nach dem
Bau des Fort Al Fahidi entstanden ist. Statt dessen landen wir im Souk
Al Khabeer, dem Textil-Souk, ebenfalls ein Viertel, das für
die Verhältnisse Dubais schon alt ist, aber eben doch eindeutig
– wenn auch vielleicht aus dem frühen – 20. Jahrhundert. Wie
im Gold Souk sind auch hier Holzdächer über die engen Straßen
gebaut, die nun in der ansonsten fast unerträglichen Mittagshitze
wenigstens Schatten spenden. Bei den meisten Geschäften sind die
hölzernen Läden allerdings verschlossen. Zwischen 13 und 16 Uhr
kapituliert Dubai vor der Hitze.
Übrigens scheint
der Textil-Souk fest in der Hand indischer Einwanderer. In einer
der engen Gassen abseits der Hauptrouten des Souks entdecken wir
sogar einen hinduistischen Tempel.
Um zum Ortsteil Bastakiya
oder auch Bastakia zu gelangen, müssen wir allerdings zunächst
zurück zum Fort, laufen von da weiter ein kurzes Stück die
Hauptstraße nach Osten, haben dann nach einigen hundert Metern
beim großen Kreisverkehr, in dessen Mitte ein modernes Denkmal
steht, den Ortsteil Bastakiya erreicht. Erkennen können wir das
allerdings nur daran, dass ein Kaffeehaus den Namen „Art
Basta“ trägt; auch die Einheimischen, die wir in unmittelbarer
Nähe nach dem Ortsteil fragten, hatten davon noch nie gehört.
Bewohner hat die
Keimzelle von Dubai derzeit wohl nicht: Aber in einigen der
wenigen Häuser sind öffentliche Einrichtungen und Organisationen
untergebracht, etwa die Philatelistische Gesellschaft der Emirate,
eine Architektenorganisation, ein Museum für arabische
Kalligraphie. Dazu gibt es neben dem Kaffee auch eine Galerie, die
jetzt aber auch geschlossen hat.
Dieses ursprüngliche
Dubai war kaum mehr als ein unbedeutender Flecken am Creek, eine
Ansammlung von gemauerten Häusern, teilweise mit hölzernen
Balkonen, fast alle Gebäude mit den typischen Windtürmen an den
Hausecken. Doch nicht einmal ein Handelszentrum dürfte dieses
Dubai gewesen sein. Denn kaum eines dieser Gebäude, die hier
originalgetreu rekonstruiert wurden, weist nach außen sichtbare
Geschäftsräume aus. Es sind schweigende Außenmauern, die nicht
einmal Sichtfenster nach außen haben, eben typisch für die
wirklichen arabischen Altstädte, deren Bewohner nichts von innen
nach außen dringen lassen wollten, deren Häuser auch nichts darüber
verrieten, wie wohlhabend oder arm die jeweiligen Bewohner waren.
Nach unserem
Streifzug durch Bastakia gehen wir zurück Richtung Textil-Souk,
nehmen für einen halben Dirham pro Person eine der offenen Fähren,
um auf die Nordseite des Creek zurück zu kehren, fahren dann mit
dem Taxi wieder ins Hotel.
Montag,
20. September 2004: Dubai (Emirat Dubai) – Al Dhaid (Emirat
Sharjah) – Masafi (Emirat Ras Al-Khaimah) – Hajargebirge –
Fujairah – Khor Fakkan (Emirat Sharjah)
Um 12.20 Uhr, mit
20 Minuten Verspätung, werden wir zu unserem Transfer nach Khor
Fakkan an der Ostküste der Emirate, am Golf von Oman abgeholt.
Und unser rund 155 Kilometer langer Trip quer durch die Emirate führt
uns tatsächlich durch vier der insgesamt sieben Emirate. Der
Ortsunkundige merkt die „Grenzübertritte“ allerdings nicht:
Schlagbäume gibt es natürlich nicht, aber auch keine
Polizeistationen und nicht einmal Hinweisschilder.
Doch zunächst
einmal gilt es, Dubai zu verlassen – was in der Stadt der
ununterbrochenen Rush Hour auch kein einfaches Unterfangen ist.
Etwa ab Höhe des Flughafens lassen wir jedoch den dichtesten
Verkehr hinter uns, kommen nun doch zügig vorwärts. So groß uns
der Flughafen bei der Einreise übrigens auch erschien: Für Dubai
scheint er immer noch zu klein. Jedenfalls wird rundherum an
seiner Erweiterung gebaut.
Auch der erste
Eindruck von Dubai als der Stadt des Luxus relativiert sich nun
bei Tageslicht und außerhalb der City: Die monotonen, einfachen
und schlichten Massenquartiere lassen jedenfalls kaum vermuten,
dass deren Bewohner besonders wohlhabend sein könnten.
Dafür ist die
Universität von Sharjah wieder ein üppiger Prachtbau – und
auch so ziemlich das einzige, was wir von Sharjah-City zu sehen
bekommen. Wir biegen auf die Wüsten-Autobahn ab, eine fast gerade
gezogene breitspurige Asphaltpiste, die uns an mit spärlichen Büschen
bewachsenen Sanddünen vorbeiführt. Merkwürdig: Areale in der Wüste
sind durch Zäune voneinander abgegrenzt, und in einem dieser
Areale, gleich neben der Autobahn, äsen die Mitglieder einer
Kamel-Familie. Möglicherweise werden die einzelnen Wüstengrundstücke
als Weideflächen genutzt.
Ziemlich mitten in
der Wüste liegt die Provinzstadt Al-Dhaid,
ein unscheinbares Provinznest, in dem man sich beim Durchfahren
fragt, welche Funktion dieser Ort an diesem Platz überhaupt hat.
Die Häuser hier sind meist einstöckig, die Geschäfte an der
Straße nicht viel mehr als Kioske, jedenfalls verglichen mit den
Geschäften von Dubai, aber in der Umgebung von Al-Dhaid ist
immerhin etwas von Landwirtschaft zu entdecken. Al-Dhaid, ein
Oasenstädtchen, in dem sich der Ölboom zumindest im Stadtbild
kaum bemerkbar macht.
Die
einzelnen Emirate haben keine klar überschaubaren
Territorien, sondern bilden mit ihren gegenseitigen Enklaven ein
regelrechtes Patchwork, bei dem so ziemlich jedes Emirat weitere
Landesteile außerhalb seines eigentlichen Kerngebietes hält. Masafi,
die Stadt, die wir als nächstes passieren, ist so auch die nördlichste
Stadt des südlichen Teils des Emirats Ras Al-Khaimah, wobei sich,
so jedenfalls der Reiseführer, Ras Al-Khaimah und das
Nachbar-Emirat Fujairah die Stadt einfach teilen.
Masafi kündigt
sich mit offenen Verkaufsständen für Teppiche, direkt an der
Straße an: Ein Verkaufsstand neben dem anderen. Die meisten
Teppiche, die hier ausgestellt werden, wirken nicht einmal
besonders edel, sondern eher kitschig, beispielsweise mit den übergroßen
Bildern von Rassepferden. In jedem Fall hat sich, soweit man beim
Vorbeifahren sieht, Masafi seinen Ruf als Zentrum des
Teppichhandels innerhalb der Emirate verdient.
Und nicht nur mit
Teppichen wird hier gehandelt. Im Anschluss an die Teppichstände
folgen die Verkaufsstände für Obst, wobei so ziemlich alles
angeboten wird, was es an Obstsorten gibt. Das Emirat Ras
Al-Khaimah gilt schließlich als die Korn- und Obstkammer der
Emirate.
Kurz nach Masafi
erreichen wir die Ausläufer des Hajargebirges.
Doch diese Ausläufer erinnern weniger an Gebirge, an Berge, die
man besteigen kann, sondern an aufeinandergeschüttete
Kohlehalden, dunkel bis schwarz, auf dem flachen Boden eine Halde
neben der anderen, dazwischen schmale Durchgänge, auf denen die
Transporter neue Kohle anfahren können. Grün fehlt hier ebenso
wie auf einer echten Kohlehalde: Nur ab und an hat sich ein
magerer Strauch auf einem kleinen Stück Erdkrumen auf dem dunklen
Gestein festgekrallt.
Wieder an der Küste
passieren wir Fujairah, die Hauptstadt des gleichnamigen Emirats.
Wir fahren nicht durch die Stadt hindurch, sondern umgehen sie –
aber was man von ihr sieht, lässt Fujairah als Dubais kleine
Schwester erscheinen. Selbst einige der Büro- oder Geschäftstürme
sind ihren Pendants in Dubai zum Verwechseln ähnlich.
Die Küstenstraße
nach Norden geht es nun nach Khor Fakkan,
damit zurück ins Emirat Sharjah. Zunächst kommt man am Hafen
vorbei, ein Industriehafen, dessen Größe auch zu einer
bedeutenderen Stadt als Khor Fakkan passen würde. Was wir von
Khor Fakkan sehen ist eine Geschäftsstraße – und schließlich
eine großzügige Strandpromenade mit einem breiten Rasenstreifen
vor dem langläufigen weißen Sandstrand. Am Ende dieser
Strandpromenade liegt unser Hotel, das sechsgeschossige Oceanic.
Unser Zimmer liegt im fünften Stock, von wo aus wir auf die südliche
Seite der Bucht mit dem Hafen und der vorgelagerten Hai-Insel –
ihr Felsen erinnert ein klein wenig an eine Haiflosse – blicken.
Dienstag,
21. September 2004: Khor Fakkan – „Martini Rocks“ – Shark
Island
Zu unserem Hotel,
in der Mitte einer kleinen Bucht gelegen, gehört auch eine
Padi-Tauchschule, die „Divers Down“. Gegen zwölf Uhr mittags
starte ich also zu meinem ersten Tauchgang am Martini
Rocks, einem 20 Meter tiefen Tauchplatz in der Nähe des
Hafens und von Shark Island. Der Tauchplatz verdankt seinen Namen
dem Aussehen der Bucht, die – mit den bis an den Strand
reichenden dunklen Bergen – das Aussehen eines Martiniglases
haben soll. Allerdings bedarf es schon einiger Vorstellungskraft,
um die Ähnlichkeit mit einem Martiniglas zu entdecken.
Die Unterwasserwelt
hier ist die Fortsetzung des Hajargebirges, bestehend aus dunklem
Gestein, mit Canyons und „Wüstenstraßen“ zwischen diesen
Felsformationen in Miniaturausgabe.
Auf den Steinen
haben sich ganze Seeigel-Kolonien niedergelassen, dazwischen
entdeckt man immer wieder Seesterne. Der Höhepunkt des
Tauchganges: Von den zehn meist jungen Schildkröten, die hier
leben, sehen wir zwei, die erste davon, nicht sonderlich groß,
teilweise mit Muscheln, die wie festgewachsen auf ihrem Panzer
sitzen. Dazu bekommen wir eine helle Muräne zu Gesicht – und
schließlich kreuzen zwei Kofferfische, wohl knapp einen Meter
lang, mit ihren riesigen fast viereckigen Köpfen unseren Weg.
Gegen 15 Uhr
brechen wir dann zum zweiten Tauchgang des Tages auf, diesmal nach
Shark Island. Hier geht es bis 14
Metern hinab in die Tiefe, auf sandigen Boden, durchsetzt von
dunklen, korallenbewachsenen Steinbrocken, auf denen sich wieder
wie schon bei Martini Rocks die Seeigel-Kolonien niedergelassen
haben, während auf dem sandigen Grund Hunderte von Cucumbers, wie
Mike, der Divemaster sie nennt, ruhen: Schwarze Fische mit dem
Aussehen von Nacktschnecken, aber mit ihren 30 und mehr
Zentimetern Länge dafür um einiges zu groß - Seegurken. Drei
mal sehen wir, jeweils in einer Entfernung von vielleicht fünf
Metern, große Schildkröten. Doch leider ist die Sicht zu
schlecht, um mehr als die Konturen wahrzunehmen. Aber einen Umfang
von mindestens eineinhalb Metern dürften sie doch schon erreicht
haben.
Dann lassen wir uns
von der Strömung treiben, tauchen dann über einem regelrechten
„Korallenwald“, der – von oben betrachtet – wirklich das
Aussehen eines dichten Herbstwaldes mit runden, rotbraunen
Baumkronen hat. Innerhalb dieser „Baumkronen“ haben sich
Muscheln eingenistet, gehen einige unterarmgroße braune Fische
auf Beutesuche.
Mittwoch,
22. September 2004: Khor Fakkan – „Car Cemetry“
Der erste
Tauchplatz des Tages, Car Cemetry,
liegt einige Buchten nördlich unseres Hotels, einige Kilometer
vor dem Meridian-Hotel. Vor rund 20 Jahren wurden hier einige Dutzend
– manche Reiseführer sprechen von 200 – Autowracks versenkt,
um auf dem ansonsten sandigen Boden in 16 Meter Tiefe künstlich
eine Tauchattraktion zu schaffen.
Das Experiment ist
jedenfalls gelungen. Bei den rostigen Überresten der Autowracks
ist zwar nicht mehr auszumachen, welche Marken sich dahinter einst
verborgen haben, aber die inzwischen von Korallen überwachsenen
Wracks haben sich zum Unterschlupf schwarzweiß gescheckter Muränen
entwickelt, die zwischen den Karosserie- und Motorteilen darauf
lauern, dass sich einzelne Mitglieder der großen Schwärme
kleinerer bunter Fische in ihre Nähe hin verirren. Auch die großen
Braunen sind hier wieder auf Jagdzug, verfolgen ihre Beute bis in
die Wracks hinein, ohne dabei sonderlich viel Angst vor den Muränen
zu zeigen.
Auf dem sandigen
Boden entdecken wir dazu zwei große Rochen, wobei der erste sich
allerdings nicht mehr rührt, nach Meinung von unserer
Divemasterin wohl bereits das Zeitliche gesegnet hat. Der zweite
unternimmt zwar auch keine Anstalten, vor uns davonzuschwimmen,
bewegt sich aber immerhin, also in jedem Fall ein lebendes
Exemplar.
Am Nachmittag
fahren wir noch einmal hinaus zum Martini Rocks.
Donnerstag,
23. September 2004: Fujairah
Eine
Taxifahrt vom Oceanic Hotel in Khor Fakkan nach Fujairah
– immerhin eine Taxifahrt in ein anderes Emirat – kostet
zwischen 20 und 25 Dirham, also 20 für die Einheimischen, 25 für
Touristen. Besondere Angst vor Übervorteilung ist trotz
unterschiedlichen Preisgefüges allerdings überflüssig: Die
Fahrer müssen ihre Kennkarten mit Lizenznummer im Wagen haben.
Selbst die Staatsangehörigkeit ist auf den Kennkarten vermerkt.
Unsere Erfahrung des Tages. Wir benutzen insgesamt vier Taxen –
und alle Fahrer kommen aus Pakistan.
Und die
Ortskenntnis der Taxifahrer ist nicht immer die beste, so, wie es
mitunter auch an Ortskenntnissen mangelt, wenn das Ziel kein großes
Einkaufszentrum oder bekanntes Hotel ist. Unser erstes Ziel ist
das Museum von Fujairah mit dem benachbarten Fort und der antiken
Stadt, doch das kennt unser Fahrer nicht. Auch der Ladenbesitzer
in Fujairah, den er nach dem Museum fragt, antwortet mit einer
Gegenfrage: „Von welcher Firma?“
Trotzdem kommen wir
schließlich am Museum an, sehen von weitem auch das Fort, das
sich auf einem einsamen Felsen in der Ebene unterhalb der
Hajarberge erhebt.
Fujairahs Museum,
der Eintritt beträgt drei Dirham,
ist einem zweistöckigem Gebäude untergebracht, wobei das
obere Stockwerk allerdings gerade renoviert wird. Nun also sind
nur im ersten Stock zu sehen die obligatorischen Gewehre, aber
auch die Modelle der verschiedenen Forts und Burgen im ganzen
Emirat, dazu viele Stücke, die die weitreichenden Verbindungen
der Piratenküste beweisen. Dazu gehören chinesisches Porzellan,
Silbermünzen aus dem siebten Jahrhundert, schließlich aber
Beispiele der modernen Münzprägung des Emirats Fujairah bis
1972. Das sind dann Silbermünzen zu den Olympischen Spielen in Münzen,
eine Goldmünze auf US-Präsident Richard Nixon – also
offensichtlich Münzen, die von vornherein nicht für das eigene
Land, sondern für einen weltweiten Sammlermarkt hergestellt
wurden. Schließlich ist Fujairah, noch immer das ärmste der
Emirate, als einziges ohne eigenes Erdöl-Vorkommen.
Aber Fujairah
scheint dafür eine länger zurück reichende Geschichte als die
anderen Landesteile zu haben. Fotos der Felszeichnungen aus der Nähe
belegen, dass die Region bereits in der Bronzezeit besiedelt war.
Dazu gibt es im Museum ja auch Werkzeuge aus dieser Periode zu
bestaunen, etwa kleine Äxte, die bei Grabungen in der Region
gefunden wurden.
Das Fort Fujairah
ist aus einer weit späteren Periode, aber seine ältesten Mauern
sind auch schon immerhin rund 500 Jahre alt. Und vor 500 Jahren
muss das Bauwerk, das über die kleine Siedlung ummauerter Gehöfte
wacht, auch wirklich beeindruckend gewesen sein, um einiges größer
als das um einiges jüngere Fort Dubai, dafür aber auch die beschützte
Siedlung, gelegen zwischen Palmenhainen, um einiges kleiner.
Wobei: Größenangaben
über dieses frühe Fujairah sind gewagt. Nur ein Teil der
Siedlung ist bisher rekonstruiert, und darum herum stehen noch
einige verfallende Mauern, die auch so solchen Gehöften aus der
Periode von Fujairahs Ursprüngen gehört haben könnten.
Macht Fujairah bei
der Vorüberfahrt vielleicht noch den Eindruck, es wäre Dubais
kleine Schwester, so konkretisiert sich das bei der eigentlichen
Stadtbesichtigung: Fujairah ist allenfalls die sehr viel kleinere
und wohl auch um einiges weniger wohlhabende Schwester der großen
Metropole auf der anderen Seite der Emirate. Die ähnlich
scheinende Shilouette kommt von einigen wenigen Hochhäusern, das
mit Abstand höchste teilweise ein Einkaufszentrum, doch
dazwischen liegen dann doch eher bescheidene Bauten, und an den Rändern
der Stadt erinnern die alten Gebäude teilweise an typisch
arabische Dörfer, in denen man auch keine Ölscheiche vermutet.
Gegen 13 Uhr fällt
die Stadt fast in einen Tiefschlaf, haben nur noch einige kleinere
Restaurants geöffnet, für uns allmählich Zeit, nach einem
Abstecher an die menschenleere Strandpromenade nach Khor Fakkan
zurück zu fahren.
Freitag,
24. September 2004: Khor Fakkan – Inchcape I (Fujairah) –
Bidiyah (Fujairah)
- Dibba (Fujairah/Sharjah) – Masafi (Ras al Khaimah) –
Margham (Dubai, Dubai Desert Conservation Park)
Unser Tauchgang am
Morgen führt ins vor die Küste von Fujairah, in der Höhe des
Meridian-Hotels, zum Tauchplatz Inchcape I,
einem auf exakt 30 Meter Tiefe liegenden etwa 25 Meter langen
Lotsenschiff, das in seiner aktiven Zeit den Hochseeschiffen den
Weg in den Hafen von Khor Fakkan wies.
Wir steigen an der
Leine ab, kreuzen auf halbem Weg die Route eines großen Schwarms
gelb gestreifter kleinerer Fische, erreichen dann den Grund
unmittelbar am Wrack.
Das ist noch ungewöhnlich
gut erhalten; selbst die Autoreifen, inzwischen alle über und über
mit Muscheln und Korallen bewachsen, hängen noch an den Außenwänden.
Auf dem Deck tummeln sich nun wieder in Scharen die kleinen
Gelbgestreiften, dazwischen gehen einige größere Braune auf
Jagd. Die lila Falterfische scheint das alles aber nicht zu kümmern.
Die beiden Höhepunkte
des Tauchgangs: Eine riesige schwarz-weiß gescheckte Muräne
schaut mit ihrem weit aufgerissenen Maul aus dem Hohlraum mit der
Winde für die Ankerkette. Der Größe des Mauls nach zu urteilen
misst das Tier mindestens 1,80 Meter Länge. In der Brücke hat
sich unterdessen ein nicht minder gewaltiger Barrakuda heimisch
eingerichtet, lässt sich auch durch die gaffenden Taucher nicht
in seiner Ruhe stören.
Um 15 Uhr brechen
wir zu unserer Tour zu den Sanddünen der Arabischen Wüste auf,
einer Tour, die uns zurück ins Emirat Dubai führt, zur Ortschaft
Margham, in den Dubai Desert Conservation Park.
Da unser Fahrer
noch zwei weitere Gäste aus dem Meridian-Hotel anholen muss,
fahren wir also zunächst nach Norden, verlassen nach wenigen
Kilometern das Emirat Sharjah, erreichen das kleine Fischerdorf
Bidiyah oder auch Bidiya, berühmt für die älteste Moschee auf
dem Gebiet der Vereinigten Emirate. Von der Straße sieht man zunächst
die beiden runden steinernen Wachtürme, die auf den Felsen
oberhalb des unscheinbaren Baus mit seinen gewundenen Kuppeln
stehen. Die über 500 Jahre alte Moschee wird immer noch als
Moschee genutzt – und unser Fahrer ermahnt mich, darauf zu
achten, nicht aus Versehen einheimische Frauen zu fotografieren,
wenn ich die Moschee aufnehme.
Auf den nächsten
Kilometern passieren wir mehrere kleine Fischerdörfer, wobei, so
versichert unser Fahrer, nur noch die alten Männer als Fischer
arbeiten. Die jüngeren Einheimischen haben alle einen Job bei der
Regierung, der wohl mit einem ansehnlichen Gehalt, aber nicht
unbedingt mit viel Arbeit verbunden ist. Wobei: Unser Fahrer kommt
aus Kandy in Sri Lanka, so, wie alle, mit denen wir bisher zu tun
hatten, nicht aus den Emiraten stammen. Mit Einheimischen selbst
hatten wir bisher streng genommen noch gar keinen Kontakt gehabt.
Dibba
ist der nördlichste Punkt auf unserer Fahrt, ein weit zerstreuter
Ort, in dem – wie auch den anderen Orten, die wir bisher
passierten – fleißig an neuen Villen gebaut wird. Dabei ist
Dibba dreigeteilt: Die eine Seite der Straße, auf der wir fahren,
gehört zu Sharjah, die andere zu Fujairah – und der nördliche
Teil, den wir allerdings nicht kreuzen, zum Oman. Die gewaltige
Moschee mit ihren Minaretten, die in dieser Stadt ohne Hochhäuser
die höchsten Bauwerke sind, wird aber wohl von allen gemeinsam
genutzt.
Bei Dibba geht es
nun ins Hajargebirge. Die Ziegen am Straßenrand seien Wildziegen
meint unser Fahrer, so, wie es auch Antilopen und Gazellen in den
Bergen geben würde. Wir bekommen allerdings nur diese kleine
Ziegenherde zu Gesicht.
Am Ortseingang zu
Masafi – den zum Emirat Ras Al Khaimah gehörenden Ort hatten
wir ja schon auf unserer Fahrt nach Khor Fakkan passiert – fällt
am Nordeingang ein nachgebautes altarabisches Wüstendorf auf,
bestehend aus kleinen Hütten aus Palmmaterial, ähnlich den Hüten,
die wir auch im Museum von Dubai gesehen haben. Unser Fahrer macht
uns auf die zahlreichen tief ausgegrabenen Wadis, fast schon
Canyons aufmerksam, die wie grüne Oasen inmitten der allgemeinen
Trockenheit erscheinen. Bis in die siebziger Jahre, so unser
Fahrer, wären diese Wadis die Straßen der Jeeps gewesen.
Ansonsten hätte man das Hajargebirge zu der Zeit nur mit
Kamelkarawanen überqueren können, weil die Straße noch nicht
gebaut war.
Etliche Kilometer
später verlassen wir das Gebirge, erreichen allmählich die Ausläufer
der Sandwüste mit ihren ersten Dünen. Wir sind wieder im Emirat
Dubai, im Dubai Desert
Conservation Park, in der Nähe der kleinen Ortschaft Margham,
von der wir allerdings nur in der Ferne das Minarett der Moschee
sehen. Unser Ziel sind die Sanddünen und die Kamelkarawansei.
Eine der
beliebstetes Freizeitaktivitäten in den Emiraten scheint es zu
sein, mit dem Geländewagen über die Sanddünen zu sein. Einige
Kilometer vom Wüstenpark hatten wir noch ein solches Freizeitgelände
gesehen, wo auf der einen Seite die Einheimischen mit ihren
Landcruisern eine große Düne nahmen, nun geben wir uns in dem
angeblichen Naturschutzgelände dem gleichen, an eine
Achterbahnfahrt erinnernden, aber ökologisch zweifelhaften Vergnügen hin.
Interessanter als
die Dünenraserei – etliche Wagen bleiben im feinkörnigen Sand
stecken – sind aber die Farbschattierungen der Wüste.
Mineralien haben hier für insgesamt sieben verschiedene
Sandfarben gesorgt, von Weiß über Lila bis zu Braun und Rot. Ab
und an wachsen hier noch einige Sträucher, es gibt in der Nähe
der Kamelstation sogar einen kleinen Hain. Die Kamele, die in
dieser Kamelstation gehalten werden, versorgen sich tagsüber
selbst mit Futter – und begegnen uns nun immer wieder einzeln
oder auch zu zweit auf ihrem Heimweg.
Nach unserem Besuch
der Kamelstation geht es nun zu dem Camp, wo für die einige
Hundert Touristen das Abendessen vorbereitet wird – begleitet
erwartungsgemäß von einer Bauchtanzvorführung.
Samstag,
25. September 2004: Khor Fakkan – Car Cemetry, Shark Island
Wir besuchen zwei schon bekannte
Tauchplätze, gegen 12 Uhr zunächst Car Cemetry, dann gleich im
Anschluss Shark Island.
Am Car Cemetry nehme ich diesmal
vor allem den versenkten Truck in Augenschein. Wir sehen mehrere
Muränen, darunter zwei sehr große, beide schwarz-weiß
gescheckt, eine davon mit einem gelblich schimmernden Kopf, die
andere sicherlich ihre zwei Meter lang. Dazu sehen wir unendlich
viele Seesterne und auch Seeigel, zwischen deren Stacheln die
kleineren Fische eine sichere Deckung haben, eine rötliche
Seeschnecke, etliche Feuerfische und, unscheinbar aber gefährlich,
einige Steinfische. Kurz vor dem Wiederauftauchen entdecken wir
einen kleineren im Sand vergrabenen braun gepunkteten Rochen.
Auch vor Shark Island sehe ich
einige Muränen, aber um etliches kleiner als am Autofriedhof.
Dazu tummeln sich hier etliche Trompeterfische und natürlich
wieder Schwärme von gelb gestreiften Zebrafischen.
Höhepunkt des Tauchganges vor
Shark Island wieder: Vor uns steigt eine mittelgroße Schildkröte
vom Grund auf. Es scheint, als fehle dem Tier ein hinteres Bein
– doch das Handicap hindert sie nicht daran, majestätisch davon
zu schwimmen.
Sonntag,
26. September
2004: Musandam (Oman) – Bidiyah
In
Dibba verlassen wir für einen Moment die Hauptstraße,
kreuzen über eine Sandpiste einen ausgetrockneten Flusslauf –
und befinden uns dann, ohne jede Form von Grenzkontrolle, im Oman,
in der nördlichen Provinz Musandam. Dabei sind wir allerdings
immer noch in Dibba, das hier auf omanischer Seite allerdings Deba
heißt.
Ist schon das Dibba
der Vereinigten Emirate eine relativ weit auseinandergezogene
Ortschaft, eine Stadt ohne erkennbares Zentrum, wenn man einmal
von der gewaltigen Moschee absieht, so gilt das erst recht für
das omanische Deba. Man sieht auch weit weniger Geschäfte als im
südlichen Teil. Die Wohnhäuser wirken um einiges bescheidener,
aber doch noch immer gediegen.
Absolut unscheinbar
ist dagegen der kleine Hafen des omanischen Deba: Ein kleines, von
einer aus aufgehäuften Steinen bestehenden Mole umgebenes Becken,
darin noch einige hölzerne Dhaus, von denen wir später einige
als Fischerboote unterwegs sehen werden.
Ist die Küste der
Emirate durch eine Vielzahl kleiner und größerer Buchten mit zum
Baden einladenden Stränden gekennzeichnet, begegnet uns Omans Küste
als schroffe Felslandschaft, ein steiniges Gebirge, bis
unmittelbar ans Wasser reichend, auf Höhe des Meeresspiegels
teilweise bereits unterhöhlt. Zwei dieser Höhlen fahren wir mit
unserem Boot an, eine umgeben von absolut weißem Gestein, fast
wie Kreide, die andere ein herausragendes Versteck zumindest für
kleinere Boote, die, wenn sie keinen all zu hohen Mast haben, mit
einem geschickten Steuermann hier hineinfahren können.
Aber natürlich
gibt es in dieser schroffen Küstenlandschaft auch ausladende,
breite Buchten. In der ersten dieser Buchten, die wir anfahren,
liegt das Fischerdorf Zeke, eine Ansammlung von
Hütten am flachen Strand, in der Mitte dieser gelblichen Häuser
eine strahlend weiße Moschee. 200 Menschen sollen in dieser
Einsamkeit zwischen Meer und nackten Bergen leben, eine Straße
ist nirgends zu erkennen, und nur ein einziges Geländefahrzeug
ist zwischen den Hütten auszumachen. Lediglich eine Art
Trampelpfad führt steil durch die Berge, der Weg in die
Provinzhauptstadt Al-Khasab.
Solche
Buchten sind allerdings nicht unbedingt typisch: Etwas häufiger
sind die schmalen, längeren Einkerbungen im Fels, ähnlich den
norwegischen Fjorden. In diesen Fjorden gehen die Felsen, manchmal
nur etwas abgestuft, bis ans Wasser, und in einem solchen Fjord
liegt auch das Dorf Haffah. Die kleinen Häuschen, die hier auf
den Bergterrassen stehen, sind meistens Ziegenställe, ohne
Fenster, mehr oder weniger offene Verschläge, und selbst auf dem
Vorplatz der kleinen weiß-blauen Moschee ruhen sich gerade einige
Ziegen aus. Feste Wege gibt es in diesem Bergdorf nicht, nur der
Fleck um die Moschee lässt sich als winziger Platz ansehen –
und von den menschlichen Bewohnern lässt sich niemand blicken.
Sheria,
das dritte Dorf, das wir – immer vom Wasser aus –
„besichtigen“, liegt wieder in einer breiten Bucht, verfügt
sogar über etwas Hinterland, und gleich neben den wenigen Hütten
am Strand gibt es sogar einen kleinen grünen Hain. Das
eigentliche Dorf, wohl etwas größer, soll weiter im
Landesinneren, hinter dem Hain liegen, sagen unsere Guides auf dem
Boot.
Von Khor Fakkan aus
werden Tauchsafaris vor die Küste von Musandam angeboten, wir
begnügen uns mit zwei Schnorchelgängen an den Korallenbänken.
Der Grund ist vor allem von Kopfkorallen übersät, und dazwischen
tummeln sich vor allem lilane Papageienfische, die hier die
erstaunliche Größe von vielleicht bis zu 40 Zentimetern
erreichen. Aber auch, wenn weit und breit kein einziges Haus zu
entdecken ist, finden wir an unseren Schnorchelplätzen doch
Fischreusen. Und: Einmal beobachten wir, wie sich kleinere
Schnapper gerade über die Reste einer Languste her machen.
Nach einem letzten
Erfrischungsbad in einer Bucht mit einem allein stehenden
Ziegenstall und auch einigen Ziegen machen wir uns auf den Weg zurück
nach Dibba.
Diesmal legen wir
in Bidiyah mehr als nur einen Fotostopp ein.
Die älteste Moschee der Emirate wurde vor 500 Jahren aus Stein
und Mörtel gemauert, verfügt über vier Kuppeln – und der kaum
mehr als 25 Quadratmeter große Innenraum ist ganz und gar mit
Teppichen ausgelegt. Für den Prediger gibt es hier nur an der
Ostseite des Innenraums einige schmale Stufen an der schmucklosen
Wand, die ihn während seiner Predigt kaum einen halben Meter über
den Gläubigen stehen lässt.
Die beiden
Aussichtstürme, auch die wohl um die 500 Jahre alt, sind
offensichtlich auch für die Einheimischen – jedenfalls die männlichen
– ein beliebter Aufenthaltsort. Von den erhöhten Punkten aus
sieht man auf das fruchtbare Land vor den Bergen, auf die Palmenwälder
jenseits der Straße und bis auf den Hafen von Khor Fakkan.
Montag,
27. September 2004: Khor Fakkan – Inchcape II, Hole in the Wall
Inchcape
II ist ein hinter dem Shark Island versenktes Lotsenboot,
liegt seit zwei Jahren in 20 Meter Tiefe auf dem Grund, ist halb
mit Korallen bewachsen – und hat sich in diesen zwei Jahren zur
Kinderstube der Fische entwickelt.
Kaum auszumachen
auf den Korallen sind die Drachenköpfe bzw. Steinfische, dazu
sehen wir mehrere kleine Muränen, mal bräunlich. mal lila sowie
eine ganze Reihe von Rotfeuerfischen.
Die Luken in den
einstigen Maschinenraum sind offen, theoretisch könnte man in den
nun leeren Bauch des Schiffes tauchen – aber nach dem, was man
von Deck aus sehen kann, gibt es dort nicht viel mehr als eben
diesen leeren Schiffsbauch zu sehen.
Am Nachmittag
betauchen wir – ganz in der Nähe – das „Hole
in the Wall“, das „Loch in der Mauer“, eine
Felslandschaft unter Wasser, allerdings übersät mit Seeigeln.
Der natürliche Höhepunkt dieses Tauchplatzes ist eine etwa
sieben Meter lange Höhle, vielleicht zwei Meter breit, eineinhalb
Meter hoch, gerade Platz für einen nicht sonderlich geübten
Taucher bietend. In der Höhle selbst begegnen uns einige größere
Papageienfische – und ansonsten muss man sich hier in dieser
Enge schon vor den Seeigeln in Acht nehmen.
Nach der Höhlendurchquerung
spüren wir noch einen kleinen, im Sand vergrabenen Rochen auf,
begegnen zwei Oktopussen und einigen großen Kofferfischen.
In einer Reuse am
Tauchplatz sind einige Kofferfische gefangen – und werden nun
vom Divemaster befreit.
Dienstag,
28. September 2004: Khor Fakkan – Fujairah
Man muss nicht
unbedingt mit der Sauerstoffflasche auf 20 oder mehr Meter Tiefe
gehen, mitunter tut es auch ein Schnorchel. Am Nordende der Bucht
vor dem Oceanic Hotel, bei der Einmündung eines Flussbettes, ragt
ein Felsen in das Wasser, hat um sich herum eine Stein- und
teilweise auch Korallenlandschaft geschaffen. Vor allem liegen auf
dem Grund Seegurken und Seeigel, aber es gibt auch einige
Papageienfische – und schließlich ist dieses Geröllfeld unter
Wasser der Wohnort von drei Meeresschildkröten, von denen wir bei
unserem morgendlichen Schnorchelgang zwei sehen, mit der kleineren
von den beiden auch eine ganze Weile zusammen schwimmen, bis sie
sich in das tiefere Wasser zurück zieht.
Um 15.30 Uhr nach
Khor Fakkan zu fahren, ist eindeutig noch zu früh. Der „alte
Souk“ am Hafen bezieht sich auf den die Hallen des Fisch- und
des Gemüsemarktes – aber die Zeit der Mittagshitze ist noch
nicht vorüber, uns es herrscht gähnende Leere. Auch an der
Hauptstraße sind die Geschäfte noch geschlossen, weswegen wir
mit dem Taxi weiter bis nach Fujairah fahren, um am
LuLu-Einkaufscenter absetzen lassen.
Großbildfernseher,
wahre Heimkinos, für die man in Deutschland gut und gern 3000 bis
4000 Euro zahlen dürfte, gibt es hier für 4000 Dirham, ein
normaler Fernseher kostet umgerechnet keine hundert Euro. Für
einen kleinen Koffer zahlt man in einem anderen Geschäft
umgerechnet gerade fünf Euro. Es scheint, als wären bei den
Preisen in den Geschäften – selbst für Artikel aus Deutschland
– der Dirham zum Euro nicht etwa vier zu eins, sondern schlicht
eins zu eins umgerechnet worden.
Am Abend, es ist
bereits dunkel, fahren wir am Fort Fujairah vorbei zurück nach
Khor Fakkan. Das Fort ist angestrahlt – und sieht so am
Ortsausgang auf seinem erhöhten Felsen nun richtig gewaltig aus.
Mittwoch,
29. September 2004: Khor Fakkan – Anemone Garden, Martini Rocks
Der „Anemonengarten“
liegt 18 Meter tief gleich neben dem Shark Island, ein eigentlich
einfacher Tauchplatz, bewachsen mit Anemonen, die wie Büsche im
sanften Wind sich in der leichten Strömung bewegen. Allerdings
haben wir auf wenigen Metern hier auch ganz unterschiedliche
Temperaturen – und mitunter ist es, nur mit einem T-Shirt
bekleidet, geradezu kalt.
Wir entdecken wir
etliche Drachenköpfe, eine kleine Schnecke mit roten Punkten,
eine Rochen, schließlich
noch eine grünliche Muräne und mehrere Rotfeuerfische.
Auch hier wird
allerdings gerade mit einer Reuse gefischt – wobei wir mit
vereinten Kräften die Reuse öffnen und die gefangenen Fische in
die Freiheit entlassen.
Beim zweiten
Tauchgang am Martini Rock begegnet uns bereits bei Abstieg auf
halber Höhe die erste Schildkröte, die unter uns davon schwimmt.
Insgesamt, so sagt John, der Chef der Tauchbasis Divers Down später,
würden an den verschiedenen Tauchplätzen von Khor Fakkan rund 30
Schildkröten leben. Zwischen den Felsen und Weichkorallen von
Martini Rock begegnet und davon diesmal ein halbes Dutzend,
darunter einige wirklich kapitale Exemplare, wobei eine der größeren
sich auf den Felsen zum Schlafen hingelegt zu haben scheint,
angesichts der Taucher zwar kurz blinzelt, sich aber auch durch
uns nicht aus der Ruhe, vor allem nicht von ihrem Ruheplatz
bringen lässt.
Dazu macht uns John
auf einige Seepfeifen, Verwandte der Seepferde, aufmerksam. Diese
Seepfeifen erreichen allerdings bei der Dicke maximal eines
Daumens eine Länge von bis zu 40 Zentimetern, verfügen dazu über
einen fast pfeilspitzen Kopf.
Die Weichkorallen
sind mal grün, mal lila, dazu haben rotbraune Korallen ihr
eigenes Feld gebildet. Schaut man die Felswände nach oben, ziehen
riesige Schwärme kleiner Fische über uns hinweg, das alles in
einer in einer atemberaubenden Berglandschaft mit schroffen Steilhängen
und sandigen Schluchten.
Donnerstag,
30. September 2004: Sharjah – Dubai (Deira, Jumeira mit Burj Al
Arab, Al Karama)
Wir unternehmen
eine – organisierte – Shopping-Tour in die beiden Emirate-Metropolen
Sharjah und
Dubai. Nach gut zwei Stunden Fahrt erreichen erreichen wir
Sharjah, fahren über den „Cultural Square“ in die Innenstadt
in Richtung Al Khalid Lagune. Am Cultural Square liegen die
wichtigsten Regierungsbauten – aber orientalischen Schlössern
nachempfunden, gewaltig und trotzdem filigran, ein deutlicher
Gegensatz zu den modernistischen Glaspalästen, wie sie im
benachbarten Dubai vorherrschen. Sharjahs Sultan, so erzählt
Anwar, unser aus Tunesien stammender Reiseleiter, sei selbst
Architekt, habe diese Prachtbauten ebenso wie den Flughafen selbst
mit entworfen.
Die Al
Khalid-Lagune reicht bis ins Zentrum des modernen Sharjah, ist
umgeben von Glaspalästen, von hier sieht man auf die Skyline der
Stadt – und steht schließlich auch vor dem Blue Souk, dem neuen
Einkaufszentrum, errichtet fast im Stil der alten Souks. Der Blue
Souk ist ein lang gestrecktes Gebäude, versehen mit den
klassischen Windtürmen, die Geschäfte verteilt auf zwei Etagen.
Aber obwohl eigentlich Einkaufszeit ist, alle Läden – auch hier
wieder Goldgeschäfte überproportional vertreten – geöffnet
haben, so haben sich doch nur wenige Kunden hierher verirrt.
An der Hafenstraße
mit den Dhaus, die hier angelegt haben vorbei geht es anschließend
Richtung Altstadtviertel, zum Souk Al Asra: Auch der ist wieder
ein festes, überdachtes Gebäude – aber mit engeren Gassen, mit
kleineren Läden, ausgerichtet überwiegend auch die auf Ausländer,
die sich hier mit Souvenirs eindecken wollen – aber dafür sieht
man hier wieder mehr einheimische (?) Männer in der
traditionellen weißen arabischen Tracht. Eine sowohl skurrile wie
erschreckende Besonderheit: In einem der Antik-Geschäfte steht
eine große bronzene Hitler-Büste zum Verkauf – ein Artikel,
der hier offensichtlich seine Abnehmer findet, den man sich auch
nicht scheut, offen anzupreisen.
Das City Centre von
Deira, unsere dritte Station, ist derzeit das
größte Einkaufszentrum von Dubai – wobei die beiden Städte
Dubai und Sharjah praktisch bereits zusammen gewachsen sind. Das
City Centre im Dubai-Ortsteil Deira könnte aber ebenso eine
eigene Stadt sein: Allein in der Tiefgarage, so Anwar, können
5000 Fahrzeuge gleichzeitig parken.
Und hier sind die
großen Kaufhausketten von Woolworth ebenso vertreten wie ortsansässige
Antiquitäten- und Teppichhändler, reiht sich eine Modeboutique
an die nächste. Die Käufer stammen offenkundig vor allem aus dem
arabischen Raum – aber wohl nicht unbedingt aus Dubai oder den
Emiraten selbst. Jedenfalls herrscht hier um einiges mehr Betrieb
als im Blue Souk von Sharjah.
Jumeira
ist das unmittelbar am Meer gelegene Viertel von Dubai, mindestens
20 Kilometer vom Zentrum entfernt, aber dass man das Zentrum verlässt,
merkt man vor allem daran, dass die Ausfallstraße etwas breiter
erscheint, die Hochhäuser hier etwas weiter auseinander stehen.
Ausflugsziel ist
Jumeira natürlich wegen des absolut weißen Sandstrandes, umgeben
von modernen, luxuriösen Hotels, eines davon gebaut im Stil einer
kolossalen alt-arabischen Festung mit alles überragenden Windtürmen,
daneben das Jumeira Beach Hotel, ein moderner Monumentalbau, der
an eine große Dhau erinnert – und natürlich das Burj
Al Arab, mit seinen sieben Sternen das angeblich beste Hotel
der Welt, gelegen auf einer vorgelagerten künstlichen Insel,
gekennzeichnet durch seinen segelartigen Bau, der sich aber in
Nachbarschaft zum Jumeira Beach Hotel ausgesprochen filigran gibt.
Aber so einfach
dringt man nicht einmal bis zur Rezeption der Edelherberge:
Unangemeldete Besucher werden bereits am Tor zur Privatauffahrt
zur Insel abgefangen. Zum Glück sind wir angemeldet, dürfen
passieren.
Aber frei bewegen
darf man sich auch als angemeldeter Besucher, reserviert für den
Nachmittags-Tee im Lobby-Restaurant in der ersten Etage – kostet
einschließlich Snacks rund 70 Euro pro Person – nicht. Viel
mehr als die Pracht der Lobby, beherrscht von zwei
Meerwasseraquarien, in denen gerade ein Taucher die künstlichen
Korallenbänke putzt und dem Blick nach oben zu den verschiedenen
Etagen, die sich wie ein Sternenzelt über dem Betrachter aufwölben,
ist da nicht drin.
Zwar fahren wir
hinauf zum Panorama-Restaurant, wobei der außen am Hotel
hochfahrende Fahrstuhl für die rund 300 Meter nur wenige Sekunden
benötigt – doch das Panorama-Restaurant zu betreten, nur um
einmal kurz einen Blick auf die künstlichen Palmeninseln zu
werfen, das wird uns verwehrt.
Also begnügen wir
uns mit Tee und Snack in dem Lobby-Restaurant, schlendern an den
Auslagen der Edel-Boutiquen, wo es beispielsweise gerade eine
Weste aus purem Gold zum Preis von 1,5 Millionen Dirham zu kaufen
gibt.
Da ist das
Einkaufszentrum, Al Karama, unser letzter
Stopp, wieder zurück im Zentrum von Dubai, doch eine andere Welt.
Eigentlich ist Al Karama in erster Linie nicht einmal ein
Einkaufszentrum, sondern ein ganz normales Wohnviertel mit eher
eintönigen Gebäudekomplexen, wobei aber jeder Gebäudekomplex über
seine eigene Arkade verfügt, hier aber nicht mit den edlen
Boutiquen, sondern mit etwas einfacheren Läden, in denen vor
allem die Menschen einkaufen, die hier in Dubai als Ausländer
arbeiten.
Samstag,
1. Oktober 2004: Khor Fakkan – Car Cemetry und Shark Island
Die letzten beiden
Tauchgänge in Khor Fakkan, wieder zum „Car Cemetry“ und nach
Shark Island, diesmal mit Mustafa und seinem Cousin als Partner,
zwei jungen Männern, die nicht nur in Dubai arbeiten, sondern
dort sogar geboren wurden – also die ersten „echten“
Emiratis, die wir bei dieser Reise kennen lernen.
Die beiden arbeiten
in einer Computerfirma, scheinen aber mehr zu internationalen
Kongressen zu fahren, als in Dubai am Computer zu sitzen. Wenn
auch die zweite Palmeninsel vor Dubais Küste fertig gestellt ist,
so berichten die beiden, soll dort ein richtiges Tauchzentrum
entstehen. Und weil es vor den Sandstränden keine besonders
aufregende Unterwasserwelt existiert, solle dort jeden Tag ein
Kilo Gold versenkt werden, um die Taucher anzulocken.
Am Car Cemetry ist
das nicht nötig. Der Tauchgang bringt mir ein Wiedersehen mit der
großen, vielleicht zwei Meter langen Muräne als auch der etwas
kleineren mit dem gelblich schimmernden Kopf, dazu mehreren
Rotfeuerfischen, Drachenköpfen und einer kleinen Schnecke.
Bei Shark Island
begegnen wir einer Schildkröte sowie wieder einer Muräne.
Am Nachmittag mache
ich noch einige Fotos am Strand – darunter auch ein Foto von der
Sommerresidenz des Sultans von Sharjah, die oberhalb des Hotels
auf einem der Vorläufer des Hajargebirges, bereits am Rand der
Stadt liegt. Eigentlich sieht diese Sommerresidenz gar nicht wie
ein Palast, sondern eher wie ein einsames größeres Wohnhaus in
den Schweizer Bergen aus.
Sonntag,
2. Oktober 2004: Khor Fakkan
Unseren letzten Tag
verbringen wir gänzlich faul am Strand, die letzten Stunden dann
am Pool. Punkt 21.00 Uhr werden wir für den zweistündigen
Transfer zum Flughafen von Dubai abgeholt.
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