Türkei, Iran, Afghanistan - Quer durch den Iran, Seite 2

Von der türkisch-iranischen Grenze über Teheran und Meshed nach Afghanistan



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Stress an der Grenze

Fünf Minuten vor Toresschluß kommen wir an der iranischen Grenze an. Das ganze Gepäck wird aus dem Bus geholt und wir sollen alle unsere Taschen öffnen.
Mein Reisebegleiter Hajü und ich finden die Sache äußerst komisch. Die Grenzbeamten suchen Haschisch - bei Leuten, die aus der Türkei kommen und nach Afghanistan wollen. Wir fangen erst an zu kichern, lachen dann lauthals los und blödeln herum. Einem der Polizisten ist die Sache offensichtlich peinlich und er zeigt uns an, daß wir gefälligst ehrfurchtsvoll zu schweigen hätten: allerdings ohne Erfolg. Nun kommt er sich - durchaus begründet - veralbert vor und meint, wir sollten jetzt im Zollgebäude unser Gepäck vorzeigen. Offensichtlich hat es ihm nicht gepaßt, daß ich auf seine Frage, warum wir lachen würden, mit der Gegenfrage geantwortet habe, ob lachen im Iran verboten sei. Im Zollgebäude dreht er dann völlig durch und verschwindet, bevor wir unsere Sachen ausgepackt haben. Auf diese Weise waren wir wohl diejenigen, deren Gepäck am wenigsten kontrolliert wurde.
Im Iran gibt es wieder die ersten sauberen Toiletten und genießbares Essen. Intelligenterweise haben wir an der Grenze allerdings kein Geld getauscht - und müssen uns nun durchschnorren und borgen

Unfreiwilliger Aufenthalt in Teheran

Der Aufenthalt in Teheran beginnt für uns mit einer bösen Überraschung. Eigentlich sollten wir hier nur kurz halten, aber nun heißt es, der Bus solle erst am nächsten Tag weitergehen.
Von der Busgesellschaft bekommen wir ein Papier ausgestellt, auf dem steht, daß wir bis Kabul gebucht und bezahlt haben. Mit diesem Papier sollen wir nun zum Amil-Kabir-Hotel und von da aus weitersehen. Zum Hotel zu kommen, ist aber gar nicht so einfach. Der Lastwagenfahrer, der vom Busbahnhof zum Hotel fahren würde, verlangt 100 Rial pro Person: Also satteln wir das Gepäck auf und die ganze Mannschaft marschiert zu Fuß.
Dabei wird bei dem Wahnsinnsverkehr, der hier herrscht, jede Straßenüberquerung zum versuchten Selbstmord, und der Weg ist weiter, als wir gedacht haben. Im Amil Kabir erfahren wir dann, daß der nächste Bus nach Kabul sogar erst am Montag gehen soll. Zum Glück finde ich einen Aushang, auf dem steht, daß am Samstag ein deutscher Bus abgehen soll. Der Vertreter der Busgesellschaft verspricht also, uns auf diesen Bus umzubuchen.
Am nächsten Morgen fahren wir zur afghanischen Botschaft. Unser beantragtes Visum sollen wir aber erst am nächsten Tag bekommen. Zum Glück treffen wir die Österreicherin, die mit uns das Hotelzimmer teilt, in der Botschaft wieder, und die erzählt uns nun treuherzig, daß sie ihr Visum noch am gleichen Tag bekommen würde. Wir gehen also zurück, schlagen gewaltig Krach wegen dieser Ungleichbehandlung, die Österreicherin warnt, wir sollten doch lieber höflich bitten - aber zum Schluß bekommen wir unser Visum sofort ausgehändigt.
Um 14 Uhr soll unser gebuchter Bus abfahren. Auf der Straße begegnen wir einem der deutschen Fahrer. Der Wagen hat einen kleinen Unfall gehabt, fährt erst morgen ab, aber die Nacht könnten wir auf dem Campingplatz verbringen. Eine ausgezeichnete Idee: Endlich raus aus Teheran!

Teppichhandel in Meshed

Der Bus ist am nächsten Tag vollgestopft mit Passagieren und Gepäck - aber endlich geht es weiter. Von Albarak sind wir allerdings hereingelegt worden: Rudi und Walter wußten jedenfalls nichts davon, daß wir umgebucht worden wären. Da die beiden Fahrer genau so hereingelegt wurden, geben wir ihnen in Kabul zusammen 40 Mark und teilen uns so den Verlust.
In Meshed besorgen sich die anderen ihr Visum; wir haben Zeit und wollen irgendwo frühstücken gehen. Was passiert? Wir werden von einem Teppichhändler abgeschleppt, bewirtet - nicht einmal sehr reichlich - und bekommen "alles" über Teppiche erzählt, vor allem, daß wir sie in Deutschland mit drei- bis vierfachem Gewinn verkaufen könnten. Wir fangen schon an zu rechnen, wieviel Geld wir entbehren könnten, wollen eine Woche früher als geplant zurückfahren, überlegen andere Varianten. Im Bus hören wir dann von den anderen, daß sie ganz ähnliche Erlebnisse hatten. Die Teppiche nach Deutschland zu bringen wäre das erste Problem, und wer garantiert uns, daß wir sie wirklich zu einem guten Preis verkaufen könnten? Jedenfalls haben wir auf diese Weise umsonst gefrühstückt.
Die Fahrt bis zur Grenze verläuft ohne Zwischenfälle. Die Gegend wird immer mehr zur Wüste, Ansiedlungen sind spärlich gesät.

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