Tunis, ein Wochenende in der tunesischen Hauptstadt - mit Besuch des Bardo-Museums, der Souks in der Medina, einem Ausflug nach La Goulette, Karthago, Sidii Bou Said und La Marsa

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Tunesien: Ein Wochenende rund um  Tunis und Karthago

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Mosaik mit mythischen Figuren im Bardo-Museum  Im Souk von Tunis: Ein Handwerker für Chechias Im Souk von Tunis: Ein Messingschmied Karthago - Tophet: Alte Grabstelen am "Heiligen Ort"

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Karthago: Der alte Kriegshafen als Villen-Ort Karthago: Die Thermen des Kaisers Antonius Sidi Bou Said: Orangenbäume auf der Hauptstraße  Hausfassade in Sidi Bou Said: Weiß und Blau

Die Bucht von Lar Marsa, einer der Vororte von Tunis 

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Ein alter Brunnen im Café Saf in  La Marsa

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Beschriebene Orte und Sehenswürdigkeiten: Tunis mit Avenue Habib Bourgiba, Bardo-MuseumMedina mit den Souks, La GouletteKarthago mit Tophet, El Birsa, Odeon, Thermen, Sidi Bou Said, La Marsa

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Freitag, 1. Februar 2008: Tunis

Gegen 16 Uhr landen wir auf dem Flughafen Tunis-Karthago, fahren dann in unser Hotel, das Abou Nawas Tunis, ausgewiesen als ein Fünf-Sterne-Hotel, besucht überwiegend von Geschäftsleuten. Die unmittelbare Hotel-Umgebung an der Avenue Mohamed V ist allerdings auch nicht das, was Touristen suchen: Eine Auffahrt zur Stadtautobahn, der Neubau eines Kongresszentrums, einige Bürozentren.

Aber es sind nur wenige hundert Meter die Avenue Mohamed V in südlicher Richtung, und man ist an dem Platz mit Uhrturm, von dem aus es über die Avenue Habib Bourgiba, nach einiger Zeit die Avenue de France, vorbei am Französischen Tor in die Medina, in die Altstadt geht. Etwa eine halbe Stunde dauert dieser Weg, gemütlich geschlendert, bis man die Medina erreicht hat.

Die Avenue Habib Bourgiba ist mit ihren Straßencafés, die sich dicht an dicht breit gemacht haben, allerdings auch nur zum Schlendern: Schnell vorankommen ist bei dem Gedränge am frühen Abend kaum möglich. In den Cafés selbst sitzen überwiegend Männer - aber auf der Straße sieht man auch viele junge Frauen, meist auch ohne Kopftuch, westlich gekleidet, viele junge Paare Hand in Hand.

Die Straße selbst ist französisch geprägt, die Häuser mit ihren verspielten Balkonen, etwa in Form von Muscheln, erwecken den Eindruck von fin de siècle.

In einem der Straßencafés am "Französischen Tor", dem Tor zur Medina, nehme ich einen Cappucono. 1,20 Dinar kostet der, etwa 0,80 Euro. Es ist inzwischen kurz nach 19 Uhr - und die Geschäfte des Souks schließen allmählich.

Samstag, 2. Februar 2008: Tunis mit Bardo-Museum und Medina

Unsere Route in den Stadtteil Bardo ist eine Route durch die "besseren Viertel" von Tunis. Die - allesamt weißen - Häuser erscheinen durchweg gutbürgerlich, in einigen Vierteln mit Ein-Familien-Häusern macht Tunis einen geradezu ländlichen Eindruck. Das ist Vorstadt-Idylle.

Unter anderem passieren wir das weitläufige Universitätsgelände, umgeben von Parkanlagen, ein Campus im Grünen. 52 Prozent der Studenten, so unser Begleiter vom tunesischen Fremdenverkehrsamt, seien weiblich. Allerdings: Es gibt wohl auch eine hohe Akademikerarbeitslosigkeit - weswegen viele junge Männer nun lieber statt auf die Universität auf eine der neuen Berufsschulen gingen.

Ankunft am Bardo-Museum, einem Palast des ehemaligen Bey von Tunis: Neben dem Museumsbau befindet sich - auf der anderen Seite des kleinen Platzes - eine hübsche, kleine Moschee, die beinahe mehr ins Auge springt als der unscheinbare Museumsbau. Und unmittelbar neben dem Museum, in einem Gebäudetrakt, der ebenfalls zum Palast des Beys, ist das Gebäude des tunesischen Parlaments, beflaggt und bewacht von einigen wenigen Polizisten. Nur fotografieren und filmen darf man die nicht. Den Eingang des Bardo-Museums darf man natürlich schon fotografieren - aber vom optischen Eindruck her ist der aber gerade am wenigsten spannend.

Auch mit dem ersten Ausstellungsraum könnte der Laie ohne kundige Erklärung wenig anfangen. Hinter Glas befindet sich ein unscheinbarer Steinhaufen, darin einige Knochen. Um die 40.000 Jahre alt soll dieser unscheinbare Steinhaufen sein - und so, wie er in sieben Meter Tiefe gefunden wurde - damit die älteste religiöse Kultstätte Nordafrikas sein.

Mit den folgenden Ausstellungsstücken kann dann auch der Laie etwas mehr anfangen: Götterstatuen aus der Zeit der Punier, also Karthagos, Grabstelen aus der Zeit der Punier, meist versehen mit dem Zeichen der Göttin Tanith, der Göttin der Fruchtbarkeit, ähnlich dem ägyptischen Sonnenkreuz - und dem späteren christlich-koptischen Kreuz. Eine andere Statue zeigt einen Löwenkopf, soll wohl Gott Baal darstellen.

Die Statuen aus römischer Zeit erscheinen durchgehend etwas kunstvoller - was aber auch am verarbeiteten Material, vor allem Marmor, liegen dürfte. Und mit dem gingen die Römer durchaus sparsam um, wie einige der "kopflosen" Figuren belegen. Die sind nämlich nicht kaputt - sondern so konstruiert, dass die Köpfe bei Bedarf ausgewechselt werden können. Ein überaus praktisches Verfahren für die Errichtung von Denkmälern! Beeindruckend: Die - allerdings spärlichen - Überreste einer Kolossal-Figur: Von der sind zwar nur die beiden, knapp zwei Meter langen Füße ausgestellt, aber da kann man sich schon vorstellen, wie gewaltig diese Figur einst gewesen sein muss.

Doch im Mittelpunkt des Museums steht natürlich die Mosaiken-Sammlung. Diese Mosaiken gibt es in allen Größen, als kleine Miniaturen, wie ein winziges Wandgemälde, als gewaltige Boden- bzw. Deckenmosaiken. Vielfältig ist die Bandbreite der behandelten Themen: Am berühmtsten unter den Ausstellungsstücken ist sicherlich das Mosaik-Porträt des Vergil, aber die Darstellungen der Zentauren aus der Mythologie sind nicht weniger faszinierend oder etwa die allegorischen Darstellungen zur Seefahrt. Etliche Mosaiken beschäftigen sich mit dem "Alltagsleben", zeigen Szenen von der Jagd, teilweise mit namentlicher Nennung der beteiligten Hunde, vom Leben auf einem Gutshof, und die kleinsten der Mosaiken befassen sich mit Ring- und Boxkämpfen.

In einigen Räumen des Bardo-Museums, etwa im "Hof" oder dem Musikraum, fällt die andalusische Prägung des ehemaligen Bey-Palastes auf: Ein hölzerner Balkon mit filigranen Säulen - die gesamte tunesische Bauweise ist beeinflusst von den nach der Reconquista aus Andalusien vertriebenen Mauren.

Ein Ausstellungsraum, der letzte, den wir besichtigen, widmet sich einer längst vergessenen Schiffskatastrophe, dem Untergang eines griechischen Frachtschiffes ca. zwischen den Jahren 80 oder 70 vor Christus vor dem heutigen Küstenort Mahdia. An Bord hatte der Segler neben den üblichen Amphoren auch zahlreiche Geschenke, Bronzefiguren, zum Beispiel, die nun hier die Vitrinen schmücken.

Nach dem Bardo-Museum steuern wir nun die Medina von Tunis an. Die betreten wir über den "Platz der Regierung" mit dem Sitz des  Premierministers. Dass dieser Platz eine besondere politische Funktion hat, erkennt man am ehesten noch an den vielen Polizisten, die vor dem - ansonsten nicht sonderlich auffälligen - Gebäude des Premierministers Wache stehen. Da ist der repräsentative weiße Bau auf der gegenüberliegenden Seite, einem französischen Rathaus nicht unähnlich, um einiges beeindruckender. 

Vom "Platz der Regierung" mit seinen Wasserspielen und der - bescheidenen - Grünanlage in der Mitte geht es nun in die Medina - wobei die engen Gassen etwas bergab führen. Die vorherrschenden, eigentlich die einzigen Farben in diesem Teil der Medina: Weiß für die Fassaden der Häuser, Blau für die hölzernen Fensterrahmen.

Mittagessen im Restaurant "Dar el Kheirat": Unsere Gruppe stellt momentan die einzigen Gäste - obwohl das Restaurant, ja ganz in der Nähe des Regierungssitzes gelegen, normalerweise regelmäßig von höheren Beamten frequentiert wird.

Das Haus, in dem sich das Restaurant befindet, wurde vor rund 20 Jahren von einer jungen Tunesierin gekauft - und die führt das Restaurant noch heute. Und nicht nur das: Nach ihrer Visitenkarte hat sich Madame Ben Mustapha Kheiria - Kheiria ist allerdings der Vorname - zu einer recht erfolgreichen Geschäftsfrau entwickelt. Die inzwischen wohl rund 40-Jährige betreibt nämlich nur dieses Restaurant, sondern auch noch einen Club und eine Kunstgalerie.

Das Haus, in dem sich das Restaurant befindet (19, rue Dar El Jeld, La Kasbah) ist jedenfalls ein rund 200 Jahre alter Bau, zweistöckig, nach außen unscheinbar, innen mit einem großen Hof ausgestattet, der nach der Renovierung mit einem Glasdach versehen wurde und der nun als größter Gastraum dient. Bei den Renovierungsarbeiten war man auf die alten Zisternen gestoßen, große Backsteingewölbe - in denen nun die Hausbar untergebracht ist. Wie auch immer: Solche Zisternen dürften sich noch unter etlichen anderen Häusern der tunesischen Altstadt befinden - denn die wurde, als einer der weinigen Städte überhaupt, niemals zerstört.

Nach dem kurzen Besuch einer Galerie für moderne Kunst - in der Medina sollen sich eine ganze Reihe von Künstlern auch aus Europa niedergelassen haben - geht es in die Souks, in die überdachten Verkaufsstraßen.

Unsere erste Station: Die beiden Souks der "Chechia", der traditionellen roten Mütze, die zumindest die älteren tunesischen Männer noch sehr häufig tragen. In den kleinen offenen Läden schauen wir zu, wie diese Mützen gefertigt - und hier dann für rund 20 Euro das Stück auch gleich angeboten werden.

Das "Rohexemplar" der Chechia ist jedenfalls einer Pudelmütze ähnlich, allerdings aus Schafs- oder Ziegenwolle. Diese überdimensionierte "Pudelmütze" wird dann gekocht, dabei gesäubert und auch durch Einlaufen in die richtige Größe gebracht. Auf ein Gestell, dass ihnen auch die richtige Form geben soll, werden die Chechias dann stück für Stück per Hand gefärbt. Und um ihnen noch den notwendigen Knick zu verpassen, werden sie zusammengefaltet zwischen zwei Brettern gelegt, auf denen der Chechia-Macher während seiner Arbeit sitzt.

Von den eher wenigen Touristen, die sich hierher verirren, müssen die Produzenten der Chechias nicht leben: Sie verkaufen ihre Ware an die Einheimischen, geben sie in den Export. Denn die gleichen Chechias werden in Libyen wie auch in Algerien getragen, in Libyen allerdings in Schwarz, in Algerien in Weiß - wobei die Handelsbeziehungen dieser Souk-Handwerker bis nach Nigeria reichen sollen.

Die "Große Moschee", die "Ölbaum-Moschee" im Zentrum der Medina hat wie jeden Nachmittag geschlossen - also stöbern wir ohne weitere Besichtigungen durch die Souks. Fast in jeder Gasse gibt es auch ein oder zwei Cafés. In den meisten dieser Cafés gibt es - abgesehen von Touristinnen - nur männliche Gäste. Doch auch hier in den Souks gibt es wie auf der Avenue Habib Bourgiba bereits einige Cafés, wo männliche und weibliche Gäste ganz öffentlich zusammen sitzen.

Sonntag, 3. Februar 2008: Karthago - Sidi Bou Said - La Marsa

Wir verlassen Tunis Richtung Karthago, passieren dabei zunächst La Goulette, ein bei der Durchfahrt eher langweilig wirkendes Provinzstädtchen in Weiß, das aber eben direkt am Meer liegt und sich bei den Einwohnern von Tunis, die es sich leisten können, ein beliebtes Ausflugsziel sein soll, wenn man einmal Fisch essen möchte.

Die einzige Sehenswürdigkeit von La Goulette scheint unterdessen die graue Festung zu sein - die allerdings auch gut ein Rest der alten Stadtmauer sein könnte.

Das moderne Karthago ist vor allem ein vornehmer Villenvorort am Meer, ein äußerst beschaulicher Ort ohne Auffälligkeiten - bis eben auf jenen Platz in einer kleinen Straße, in der wir nun halten: Tophet, der "Heilige Ort", der phönizische Friedhof des alten Karthago.

Das Grabungsfeld zwischen den Villen ist ein Gräberfeld - wobei die Stelen hier nun zu Dutzenden ordentlich in Reihe und Glied zusammen gestellt worden sind, alle Stelen mit unterschiedlichen Darstellungen in verschiedenen Größen, aber praktisch alle mit den gleichen Grundmustern, vor allem mit der Darstellung der Tanith.

Abseits des Stelenfeldes finden sich die Reste eines alten Kultplatzes - und am anderen Ende des Grabungsfeldes, unmittelbar an eines der neu bebauten Grundstücke grenzend, ein Gewölbe, in dem weitere Stelen stehen. Allerdings scheint mir dieses Gewölbe doch eher aus neuerer Zeit - und da drängt sich natürlich die Frage auf, wie viele dieser phönizischen Fundstücke nun in den benachbarten privaten Villen zu finden sein dürften.

Nächster Stop: Der phönizische Kriegshafen. Vom einstigen Kriegshafen Karthagos ist an diesem absolut ruhigen Meeresarm, um den herum natürlich die vornehmsten Villen stehen, kaum etwas zu erkennen. Lediglich aus den schriftlichen Quellen weiß man wohl auch, dass die Insel in dieser Lagune der Sitz der karthagischen Admiralität war. Aber hier am alten Hafen bekommt man auch einen guten Eindruck von der Ausdehnung des antiken Karthago: Der Hügel El Birsa, das Zentrum des antiken Karthago, nun überragt von einer französischen Kathedrale aus dem 19. Jahrhundert ist noch ein ganzes Stück entfernt.

Auf El Birsa, angeblich die letzte Bastion, die die Karthager in ihrem letzten Krieg gegen Rom noch hielten, liegen nun die Überreste des phönizischen Karthago. Freigelegt sind die Fundamente einiger Wohnhäuser, kleine Häuser mit kleinen Räumen, die der Zerstörung durch die Römer entgangen sind.

Anziehungspunkt offenbar vor allem für tunesische Schulklassen: Das antike römische Theater, das Odeon. Dabei ist das offenbar - weil auch heute noch für Festivals genutzt - so oft restauriert worden, dass sich hier wohl nur noch wenige Original-Steine finden lassen. Doch den jugendlichen Besuchern, die sich auf der Bühne präsentieren und die Akustik ausprobieren, scheint es zu gefallen.

Das mit Abstand imposanteste Relikt des antiken Karthago stammt aus der römischen Zeit, sind die immer noch gewaltigen Überreste der Thermen, die Kaiser Antonius Pius direkt am Meer errichten ließ, mit mächtigen Mauern, hoch aufragenden Säulen, von denen allerdings nur noch wenige hier stehen. Die Anlage der Thermen wurde schließlich zum Baumaterial des späteren Tunis.

Skurril: Obwohl diese Thermen einer der häufigsten von Touristen besuchten Orte sein dürfte, hier regelmäßig fotografiert und gefilmt wird, dürfte zumindest ein Teil der Anlage eben nicht fotografiert und gefilmt werden. Da kommt nämlich unweigerlich auf einem Hügel über den Thermen der Amtssitz des Präsidenten ins Bild - und den zu fotografieren ist ein - hier allerdings nicht wirklich streng kontrolliertes - Tabu.

Zum Mittagessen fahren wir ins nahe gelegene Sidi Bou Said, auf Deutsch "Die Reine", eine Gründung der maurischen Flüchtlinge aus Andalusien, nun ein malerischer Ort mit dem Ruf, eine Künstlerstadt zu sein, das hier in der Tat eine ganze Reihe bekannter Maler gelebt haben.

Auf der Hauptstraße blühen die Orangenbäume - und ansonsten  gilt Sidi Bou Said als Inbegriff der andalusischen Stadtgründungen. Weiß und Blau sind zwar auch in anderen Orten die vorherrschenden Farben - hier scheinen sie aber wirklich besonders zueinander zu passen. Auffällig vor allem: die filigranen Balkonschnitzerein. Die hatten ursprünglich die Funktion, dass die Frauen des Hauses vom Balkon aus auf die Straße schauen konnten - ohne dabei selbst gesehen zu werden.

Unser letztes Ziel nach dem Mittagessen: La Marsa, eine Stadt, die bereits von den Phöniziern gegründet wurde, angeblich eine der schönsten Städte im Großraum von Tunis.

Eine Besonderheit hat La Marsa nun wirklich zu bieten: "Le Grand Salem", die 1936 gegründete erste Eisdiele Tunesiens - und für tunesische Eisliebhaber wohl immer noch das "Mekka". Vor allem aber hat La Marsa einen breiten Sandstrand, zwar ohne Palmen und direkt an der Stadt, aber das ist es wohl, was Wochenendausflügler aus Tunis suchen.

Eine andere Berühmtheit von La Marsa: Das Café "Saf Saf", ganz in der Nähe der großen Moschee gelegen. Auf dem Hof des Cafés steht nämlich noch ein antiker Brunnen, dessen hölzernes Rad bis vor einigen Jahren noch von Dromedar in Gang gehalten wurde.

Ansonsten ist das "Saf Saf" ein ganz normales tunesisches Cafße, in dem aus der Wasserpfeife geraucht wird - und in dem die Männer, sofern sich nicht eine Touristin niederlässt, noch unter sich sind.

Montag, 3. Februar 2008: Tunis

Am Vormittag bleibt uns noch Zeit für einen Kaffee auf der Avenue Habib Bourgiba. Die Straßencafés hier sind schon um diese Zeit gut besetzt. Gegen Mittag fliegt unsere Maschine zurück nach Frankfurt.

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