Sansibar-Reise nach Pingwe auf Unguja, mit Touren nach Stone Town, Zanzibar-City, nach Changuu, der Prison Island mit den Riesenschildkröten, zu den Colobus-Affen im Jozani-Nationalpark, Kizimkazi, zum Mnemba-Atoll und Tauchgängen an den Riffen der Ostküste

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Tansania, Sansibar: Stone Town und die Riffe an Ungujas Ostküste

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Buntes Treiben auf dem Darajani-Markt in Stone Town  Statussymbol: eine verzierte "Indische Tür" in Stone Town Frucht eines "Lippenstiftbaumes" auf der Gewürzfarm in Dole" Sansibar-Stummelschwanzaffe im Jozani-Nationalpark  

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Am Strand von Kizimkazi, Ausgangspunkt der Delfin-Touren Eine große Netzmuräne am Mwamba Reef bei Pingwe Da "Haus der Wunder" und der Hafen von StoneTown Riesenschildkröte auf Changuu, der "Gefängnis-Insel"

Vor Pingwe sucht eine Frau im Wasser nach Krebsen 

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Eine Schildkröte am Riff Oba Oba vor Pingwe

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Beschriebene Orte und Tauchplätze, Riffe: Pingwe, Zanzibar-City und Stone Town, Dole, Jozani Nationalpark, Kizimkazi, Changuu Island (Prison Island), Mnemba-Atoll, die Riffe Mwamba Reef, Hakuna Matiti, Oba Oba Outside, Karafuu Reef, Fisherman SouthFisherman Point, Joy Reef, Pale Pale, Oba Oba

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Montag, 26. März 2012: Sansibar - Karafuu Beach, Pingwe


Landeanflug auf Sansibar: Die Maschine überquert bereits im Tiefflug ein kleines Dorf an der Küste, dem Anschein nach ein Fischerdorf mit einem goldgelben Sandstrand, vor dem im Wasser drei oder vier Holzboote liegen - ein Bild, wie aus dem Reiseprospekt für eine tropische Insel.


Das Land selbst scheint, von oben betrachtet, dichtes Grün zu sein, unterbrochen nur durch die kleinen Ansammlungen bescheidener Häuschen, die unscheinbaren Dörfer.


Sansibars Flughafen macht einen eher bescheidenen Eindruck. Im Eingangsgebäude gibt es nicht einmal Gepäckförderband, die Passagiere nehmen ihre Gepäckstücke statt dessen an einer hölzernen Theke in Empfang. Schon in der Maschine waren wir auf das örtliche Anti-Korruptionsgesetz hingewiesen worden: Es ist den Bediensteten am Flughafen verboten, für solche Dienste wie das Herausgeben des Gepäcks ein Trinkgeld zu verlangen - und es ist den Touristen verboten, ein solches Trinkgeld zu zahlen.


Bei den Einreiseformalitäten jedenfalls setzt man wieder auf Technologie: Die Neuankömmlinge müssen sich nicht nur vor eine Kamera stellen, sondern dazu noch digitale Fingerabdrücke hinterlassen. Dennoch geht die ganze Prozedur ziemlich zügig und unproblematisch vonstatten.


Pingwe, unser Zielort, liegt auf der gegenüberliegenden Seite der Insel, an der Ostküste von Unguja, wie die Hauptinsel des Archipels von Sansibar eigentlich heißt, und auf unserem Weg dorthin passieren wir die Außenbezirke von Sansibar Town. Dazu gehören etliche monotone graue Betonbauten, daneben dann einfachste Hütten, schließlich aber auch ein großer Markt, auf dem jetzt am Vormittag geschäftiges Treiben herrscht. Das ist der Lebensmittelmarkt, angeblich der größte der Insel, und tatsächlich ist nicht nur der Platz vor der eigentlichen Markthalle dicht an dicht mit Ständen belegt, sondern ziehen sich diese Marktstände auch die Hauptstraße entlang bis in die Nebenstraßen.


Rund eine Stunde beträgt die Fahrzeit bis Pingwe - wobei wir vom Ort selbst nichts zu sehen bekommen. Das Hotel scheint so zunächst ziemlich einsam gelegen, ein Bungalow-Dorf am Strand.


Nach dem Einchecken verbringen wir den Rest des Tages am Swimmingpool, haben dann das Abendessen im so genannten Masai-Restaurant: Das "Jambo, Bwoana", das in den Strandhotels Kenias als Folklore verkauft wird, hat auch hier seine Verbreitung gefunden.


Dienstag, 27. März 2012: Tauchplatz Mwamba Reef


Am Vormittag Besuch am Swimmingpool: Ein Affe, ein langschwänziger, ziemlich großer Colobus-Affe, ein Sansibar-Stummelschwanzaffe, lässt sich, ruhig auf dem Weg sitzend, von interessierten Touristen fotografieren! Verschwindet dann im Gipfel einer Palme, von der er einige Blätter abreißt und auf den Boden wirft. Kurz darauf tobt ein weiteres Tier über die Dächer der Bungalows, klettert dann auch auf die Palme.


Gegen 13.30 starten wir zu unserem Tauchausflug am Mwamba Reef. Wir haben gerade Ebbe, und jetzt führt ein, sonst überfluteter, Betonweg über das scharfkantige Korallengestein, das bei Flut hier den Meeresboden bildet. Am Ende des Betonweges liegt nun unser Boot, auch das nur ein kleines, aber überdachtes Holzboot mit Außenbordmotor, mit dem wir die Küste entlang keine 20 Minuten Richtung Süden fahren.

Das Mwamba Reef befindet sich vielleicht 200 oder 300 Meter vor der Küste, eine sanft ansteigende Unterwasser-Hügellandschaft, an der wir heute auf eine Tiefe von 17 Metern gehen. Die mittelstarke Strömung treibt uns die ganze Zeit die Riffkante entlang, ein Riff, an dem sich zahlreiche Doktorfische, darunter auch etliche Nasendoktorfische tummeln.


Ziemlich zu Anfang des Tauchganges entdecken wir einen Blaupunktrochen, der zunächst still auf dem Boden liegt, dann aber vor uns doch verschwindet, schließlich noch einen kleinen Hai in einer Mulde zwischen den Korallen. Allerdings: Der Hai rührt sich nicht, schläft entweder ganz fest - oder will auf diese Weise nicht entdeckt werden. Kurz nach der Begegnung mit dem Hai entdecken wir in einer anderen Nische, ebenfalls gut versteckt, einen weiteren Blaupunktrochen,


Aus einer anderen Höhle streckt eine große Languste ihre Fühler hervor - und dann, gegen Ende des Tauchganges, kreuzt eine Meeresschildkröte unseren Weg. Das Tier äst zunächst unbeeindruckt von uns an den Korallen, lässt sich dann aber doch sicherheitshalber von der Strömung langsam weitertreiben.

 

Mittwoch, 28. März 2012: Sansibar City mit Stone Town, Dole


Um 8.30 Uhr brechen wir zu unserer Fahrt nach Sansibar City, nach Stone Town auf. Wir hatten die Tour gestern am Strand mit einem der Einheimischen, einem jungen Mann namens Fasil, verabredet, und zwar zu Bedingungen, die fair und vertrauenserweckend waren. Die Tour soll 35 Euro pro Person kosten, deutlich weniger, als die Veranstalter im Hotel nehmen – und gezahlt werden soll erst, wenn wir wieder zurück am Hotel sind.

 

Mit einem ordentlichen Kleinbus geht es nun zunächst vorbei an Pingwe die Landzunge nach Süden. Von Pingwe, einem Fischerdorf mit wohl rund 350 Einwohnern, sieht man nur die an der Straßenseite liegende Häuser, alle einfachste Bauten aus Holz, Lehm, manche aus Stein, dann aber unverputzt. So sehen im wesentlichen auch die anderen Dörfer aus, die wir später noch passieren, wobei man vielfach auch angefangene Bauten sieht, bei denen unklar ist, ob sie je fertig gestellt werden. Hat man gerade Geld, so Fasil, fängt man an zu bauen, geht das Geld aus, hört man vorübergehend wieder auf. Auf diese Weise dauert es dann mitunter etliche Jahre, ehe ein Haus fertig wird.

 

Am Jozani-Nationalpark sitzen einige Affen am Rand der Straße, so, als wäre das ihr Stammplatz, um regelmäßig den – spärlichen – Verkehr zu beobachten. Besondere Scheu vor Autos oder Menschen zeigen sie jedenfalls nicht. Wobei Autos ohnehin nur einen kleinen Teil des Straßenverkehrs ausmachen: Oft sind es nämlich einfache hölzerne Ochsenkarren, auf denen die Einheimischen ihre Waren transportieren.

 

Einige Kilometer weiter, inzwischen schon in der Nähe von Zanzibar-City, wird die Straße für eine kurze Strecke zur richtigen Allee, auf beiden Seiten mit Mango-Bäumen bepflanzt. Die Bäume wurden auf Wunsch einer Sultanstochter gepflanzt – womit die Straße aber um einiges älter sein muss, als sie den Anschein erweckt.

 

Die Außenbezirke von Zanzibar-City wirken wie europäische Trabantensiedlungen: Zwar gibt es keine richtigen Hochhäuser, geht es selten über sechs Stockwerke hinaus – aber dafür reihen sich monotone Plattenbau-Blöcke endlos aneinander, die ursprünglich wohl helleren Fassaden inzwischen verdunkelt, die Fenster in den unteren Stockwerken oft vergittert. Die Plattenbau-Siedlungen stammen aus der Zeit, als die autonome Regierung Zanzibars noch besonders enge Beziehungen zur DDR unterhielt, und Einheimische wie Fasil bezeichnen diesen Teil der Stadt auch als „Klein-Ost-Berlin“ – aber im Grunde unterscheiden sich die Außenbezirke von Zanzibar-City nicht wirklich von den Vorstadt-Siedlungen anderer Dritte-Welt-Städte. Im Vergleich dazu wirken zumindest die Plattenbauten an den breiten Hauptstraßen fast schon gediegen, wobei man beim Bau, das allerdings dann schon fast „DDR-typisch“, die Einkaufsmöglichkeiten irgendwie vergessen hat. Das wird hier nun allerdings mit improvisierten Straßenmärkten vor allem für Obst und Gemüse ausgeglichen, was das ganze zumindest ein wenig urwüchsig erscheinen lässt.

 

Und dann geht es in die engen, verwinkelten Gassen der Stone Town, der Altstadt. Dabei sind die eigentlich meist so eng, dass eigentlich auch am Rand der Stone Town keine Autos fahren dürften. Jedenfalls dürfte es jedes Mal, wenn sich zwei Wagen begegnen, ein größeres Problem geben.

 

Wir halten auf dem Parkplatz vor dem „Haus der Wunder“, dem einstigen Sultanspalast, einem großen dreistöckigen weißen Gebäude mit einer Säulen-Fassade,  zwei Kanonen vor dem Eingangsportal und einem über alles hinaustagendem Uhrturm. Woanders würde dieses Gebäude vielleicht nicht sonderlich auffallen, aber hier ist es doch mit Abstand das größte Haus weit und breit, nun ein Museum, das gerade auch von einigen Schulklassen besucht wird.

 

Ein Museumsbesuch steht aber nicht auf unserem Stadtbesichtigungs-Programm. Statt dessen zieht Ali, unser 28-jähriger einheimischer Stadtführer, mit uns auch an den braunen Mauern der „portugiesischen“ Festung – nun vor allem der Schauplatz eines regelmäßig auf Sansibar statt findenden Film-Festivals – direkt in die Gassen der Altstadt.

 

Die besteht übrigens insgesamt aus nicht mehr als rund 150 Häusern, von denen früher 48 als Moscheen dienten, vier weitere sind bzw. waren Hindu-Tempel, zwei wurden als Kirchen genutzt. Dabei sind die aus Korallenstein gebauten Häuser, selten mehr als zwei Stockwerke hoch, meist schmucklos und unauffällig. Nur bei einigen Häusern verraten die dicken hölzernen Türen mit ihrem kunstvollen Schnitzwerk etwas über den früheren sozialen Stand ihrer Besitzer. Schließlich hatte der Sklaven- und der Gewürzhandel Stone Town im 19. Jahrhundert zur reichsten Stadt an der Küste Ostafrikas gemacht.

 

Dabei erinnern diese Türen, oft versehen mit starken Metallspitzen, die wie Pfeile aus dem Holz herausragen, an die Tore zu indischen Festungen – nur mit dem Unterschied, dass die spitzen Metallbolzen an den Toren der indischen Festungen feindliche Kampfelefanten abwehren sollten, hier reine Verzierung sind. Und diese Verzierung wurde auch von arabischen Hausbesitzern gerne genommen. Die tatsächliche Unterscheidung hier, ob der Hausbesitzer ein reicher Inder oder ein reicher Araber war: Die arabischen Türen sind rechteckig geformt, die indischen dagegen bilden oben einen Bogen.

 

Allerdings sind, zumindest im Zentrum der Altstadt, die meisten Gebäude ohnehin stark sanierungsbedürftig. Das gilt beispielsweise für das Schulgebäude, an dem wir vorbeikommen, ein Haus, das auch nicht größer als die umliegenden Gebäude ist,  und wo jetzt gerade in der Pause die Kinder in ihrem Klassenzimmer mit den vergitterten Fenstern lärmen. Solche Gitter, sagt Ali, wären an Schulen nicht unüblich – damit die Kinder aus den überfüllten Klassen nicht einfach während des Unterrichts verschwinden.

 

Und das gilt auch für das in einer eher ruhigeren Gasse gelegene alte Hamam, ein langgezogener weißer einstöckiger Bau ohne Fenster zur Straße, aber mit einem geöffneten Eingangsbereich: Das Hamam wird noch immer als öffentliches Badehaus genutzt – wenn auch einige der Außenwände schon anfangen zu zerbröseln, man an diesen Stellen die ergrauten Korallenbrocken, aus denen auch dieses Bauwerk besteht, sieht.

 

Unser nächstes Ziel ist der Darajani-Markt. Die Markthändler sind hier fast ausschließlich Männer – so, wie auch die meisten Einkaufenden Männer sind. Die eher wenigen Frauen, die zu sehen sind, tragen allesamt ein Kopftuch, einige sind auch vollständig verschleiert. Hier wird noch einmal überdeutlich, wie sehr der Islam die Insel prägt.

 

Das eigentliche Marktgebäude nimmt nur einen kleinen Teil des Marktkomplexes in Anspruch – und hier findet man vor allem Hühner, in hölzernen Käfigen Verkauf und Schlachtung abwartend. Außerhalb der Halle gibt es dann immer wieder Fisch, getrockneten Tintenfisch, aber auch getrocknete Stücke vom Hai, der vor den Küsten von Sansibar noch gefangen werden darf, vor allem aber Unmengen von Gewürzen aller Art.

 

Nicht so recht in das Bild von Stone Town passen will auf den ersten Blick die Anglikanische Kirche, ein typisch europäischer Kirchenbau, fest so etwas wie eine kleine Kathedrale, in grau gehalten mit ihren klassischen Kirchtürmen. Da, wo sich nun die Kirche erhebt, befand sich früher der Sklavenmarkt, der erst auf den Druck der Briten in den 1870-er Jahren abgeschafft wurde – um dann allerdings noch etliche Jahre unter mehr oder weniger stillschweigender Duldung des Sultans weiter zu laufen.

 

In Nachbarschaft zur Kirche befinden sich nun, alles noch auf dem alten Sklavenmarkt-Gelände, eine Schule, eine Apotheke, vor allem aber das Museum mit den Original-Verliesen, in denen die Sklaven bis zu ihrem Verkauf und Abtransport auf die Plantagen gehalten wurden. Das sind zwei kleine Kammern, beide mit einem schmalen Spalt, der als Fenster diente, aber kaum Licht oder Luft einließen, Kammern, die kaum die Größe eines normalen Wohnzimmers hatten, aber in denen jeweils bis zu 50 Männern und Frauen in Ketten auf einem steinernen Podest lagen. Dieses Podest war vielleicht einen Meter höher als der Boden des Verlieses, eine Einrichtung, mit der man verhinderte, dass die Sklaven in der Regenzeit, wenn das Wasser in die Verliese floss, einfach ertranken.

 

Am Markttag wurden die Gefangenen dann, nach Tagen in der Dunkelheit von der Sonne geblendet, zu einem Pfahl geführt, an dem sie vor der Auktion erst einmal ausgepeitscht wurden. Dass dabei einige starben, wurde ganz bewusst in Kauf genommen: So sollten die potenziellen Käufer sicher sein können, nur starke, arbeitstaugliche Sklaven zu erwerben. Das Kreuz des Altars der Anglikanischen Kirche soll nun genau an der Stelle sein, an dem sich einst der Pfahl bestand, an dem die Sklaven diese letzte „Tauglichkeitsprüfung“ bestehen mussten.

 

In etwa eine Vorstellung von den „Lebensbedingungen“ der Sklaven vermittelt auch das Denkmal hinter dem Museum: Eine Grube, in der fünf aneinander gekettete Figuren stehen, gerade mit dem Kopf über den Rand der Grube hinausschauend.

 

Über den Jaws Corner, den Hauptplatz und zentralen Treffpunkt der Altstadt, laufen wir nun zum Africa House. Den Jaws Corner als Platz zu beschreiben, ist allerdings eine leichte Übertreibung: Tatsächlich ist er nicht mehr als die etwas verbreiterte Kreuzung von vier Gassen, ein Ort, an dem es aber so etwas wie ein Café zu geben scheint, dazu einige Bänke, auf denen man sitzen kann – wobei natürlich auch hier nur die Männer sitzen.

 

Das Africa House diente früher als britischer Club, ist nun Gästehaus und Bar. Zwar sieht man in Stone Town einige recht ordentlich anmutende Hotels, sicherlich auch manche, die mehr Komfort als das Africa House – aber kaum mehr an kolonialem Ambiente. Die hölzernen Stufen geht es hinauf auf die Terrasse, und von dort sieht man dann unmittelbar auf den „Stadtstrand“ mit den kleinen hölzernen Fischerbooten, die dort liegen.

 

Unser Stadtführer Ali erzählt ein wenig vom Leben auf Sansibar: Natürlich ist er Moslem, dürfte, ganz legal, vier Frauen heiraten, ist aber tatsächlich noch gar nicht verheiratet, weil er sich eine Familie momentan nicht leisten kann. Der Job als Fremdenführer bringt zwar einiges ein, vor allem, wenn man neben Englisch auch noch Deutsch kann, aber eben nur an den Tagen, an denen er engagiert wird. Und das ist nicht oft genug. Also arbeitet Ali auch noch als Farmer auf dem Land seiner Großeltern, einen kleinem Flecken Boden, den alle Sansibaris bei der Landreform nach der Unabhängigkeit zugesprochen bekommen haben – und das wohl für die einzelnen Familien noch heute eine wesentliche Lebensgrundlage darzustellen scheint.

 

Unsere letzte Station in Stone Town ist das Freddy-Mercury-Haus, angeblich das Haus, in dem der Sänger geboren wurde, seine frühen Kindheitsjahre lebte. Allerdings: Die Familie sei damals so oft umgezogen, dass man nicht mit absoluter Sicherheit sagen könne, wo sie tatsächlich genau gelebt hat.

 

Unabhängig davon: Das Gebäude, das nun als Freddy-Mercury-Haus präsentiert wird, zählt am Rande von Stone Town eher zu den moderneren Gebäuden. Zwar gibt es auch hier eine traditionelle hölzerne Eingangstür, aber dabei handelt es sich eindeutig um ein frisch poliertes neues Stück. Ansonsten gibt es an der Hauswand eine Glasvitrine mit einigen Fotos von Freddy Mercury – und einen großen Andenkenladen, in dem aber nur das übliche „Kunsthandwerk“ verkauft, nichts, was irgendwie mit Freddy Mercury oder Queen zu tun hätte. Mit der Erinnerung an einen homosexuellen Rock-Star tut man auf der streng islamischen Insel vermutlich auch eher schwer.

 

Auf dem Rückweg zum Hotel besuchen wir noch in Dole, einem nicht weit von Stone Town gelegenem Dole eine Gewürzfarm. Das Gelände wirkt allerdings eher wie ein gigantischer verwilderter Garten, in dem jede Pflanze eher zufällig da gedeiht, wohin der Wind ihren Samen getragen hat.

 

Und so wachsen hier Brot- und Mangobäume fast direkt nebeneinander, findet man auf engstem Raum Bananen, Limetten, Pampelmusen oder Zitronengras, Kaffee und Zimt, dessen Wurzeln den Geschmack von Hustenpastillen haben. Dazu gibt es Curcuma, eine Ingwer-Art, die man zum Färben von Reis nimmt und schließlich einen „Lippenstiftbaum“, dessen Früchte aber  nicht zur Speisenzubereitung, sondern für die Kosmetik genutzt werden.

 

„Einheimisch“ sind allerdings nur wenige dieser Pflanzen: die meisten wurden importiert für die großen Plantagen, als Sansibar im 19. Jahrhundert zur „Insel der Gewürze“ wurde, damals mit seinen Produkten fast den gesamten arabischen Raum belieferte.  Heute begnügt man sich hier damit, die Touristen herumzuführen und ihnen einen geflochtenen Korb mit Gewürzen aller Art zu verkaufen.


Donnerstag, 29. März 2012: Tauchplätze Hakuna Matiti und Oba Oba Outside


Gegen 8.30 Uhr fahren wir zu zwei Vormittags-Tauchgängen hinaus, zunächst zum Riff Hakuna Matiti, eine bis auf eine Tiefe von knapp 30 Metern reichende Korallenlandschaft, wo wir zunächst wiederum auf einen gut getarnt am Boden liegenden Blaupunktrochen stoßen, der aber, sich von uns wohl gestört fühlend, eilig davon schwimmt.


Eine scheinbar besonders kleine, blaue Muräne, streckt ihren kaum fingerbreiten Oberkörper in die Strömung, schnappt ständig mit dem Maul wohl nach vorbeitreibenden Kleinsttieren. Doch der Eindruck der fehlenden Größe täuscht: Tatsächlich werden diese so genannten Geistermuränen 150 Zentimeter lang - schauen aber eben immer nur mit einem winzigen Teil des Oberkörpers aus ihren Löchern heraus.


Kurz darauf sehen wir noch eine große Muräne, die es sich aber in ihrer Höhle gemütlich gemacht hat, offenkundig keine Lust hat, auch nur den Kopf hervorzustrecken.


Besonders häufig sind hier allerdings die Schnapper, die auch eine ordentliche Größe erreichen, sich das Revier auch mit einigen Flötenfischen teilen. Dazu stoßen wir noch auf einen Steinfisch, einen kleinen Rotfeuerfisch, eine Languste und, kurz vor dem Auftauchen, auf einen Oktopus, der sich in seiner Höhle verkrochen hat, von dem man nicht viel mehr als ein großes Auge sieht.


Oba Oba Outside, unser zweiter Tauchplatz, liegt etwa 17 Meter tief, ist ebenfalls eine eher flache Korallenlandschaft mit nur wenigen aus dem Boden ragenden Riffblöcken, ein Tauchplatz, an dem man wieder auf Doktorfische, darunter ein Nasendoktorfisch, und mehrere kleinere Drückerfische stößt. Erwähnenswert sind aber die, für ungeübte Augen kaum zu entdeckenden Fetzenfische, die an den Korallen regelrecht zu kleben scheinen, dazu die Stein- und auch die Krokodilfische, die, halb im Sand eingegraben, regungslos auf dem Meeresboden verharren.


Gegen Ende des Tauchganges begegnen wir dann noch einem großen Kugelfisch, der beinahe andächtig über einer Koralle zu schweben scheint.


Freitag, 30. März 2012: Jozani Nationalpark


Etwa auf halber Strecke zwischen Pingwe und Stone Town liegt der Jozani Nationalpark, direkt an der Hauptstraße, ein rund 5000 Hektar großes urwaldähnliches Areal, aber mit ordentlich gemachten Wanderwegen durch das Dickicht. 10000 Tansania-Shillinge beträgt der Eintritt, aber dafür bekommt der Besucher auch einen englischsprachigen Führer zur Seite.


Mächtige Mahagoni-Bäume, die meisten, so unser Führer, knapp hundert Jahre alt, prägen die Flora des Parks, dazu gibt es auch feingliedrigere Eukalyptusbäume, Gewächse, aus denen die Einheimischen Korbstühle und Fischreusen flechten, jede Menge Farne. Da, wo einer der Urwaldriesen umgestürzt ist, hinterlässt er einen Hügel aufgeworfenen frischen Erdhügel - und kann man gut sehen, wie verhältnismäßig klein die Wurzeln dieser Giganten sind.


Aber natürlich werden die Wurzeln groß genug, um auf den Wegen die eine oder andere Stolperfalle zu bilden. Und auch die einheimische Tierwelt ist auf dem Boden gut vertreten. Eine Schnecke mit einem spitz zulaufenden Gehäuse kriecht durch das Blattwerk, ein graugrüner Frosch, gerade so groß wie ein Fingernagel und kaum zu erkennen, verharrt regungslos auf einem am Boden liegenden Blatt.

 

Die Colobus-Affen, die Sansibar-Stummelschwanz-Affen, von denen es hier rund 2500 geben soll, sind zu dieser Zeit am späten Vormittag aber nicht in diesem Teil des Parks zu entdecken. Um zu denen zu gelangen, müssen wir den „Dschungel“ – eigentlich ist auch das nur eine verwilderte Plantage, richtigen Primärwald gibt es auf Unguja eigentlich nicht mehr – verlassen, die Straße überqueren, das auf der anderen Seite liegende Farmland mit seinen ebenso wild, aber nicht so hoch wuchernden Bäumen und Strauchwerk durchqueren. Dort, so der Park-Ranger, würden die Affen auch mehr zum Fressen finden. Ihre Lieblingsspeisen dabei: noch unreife Früchte – was sie bei den Farmern aber vermutlich nicht sonderlich beliebt macht.

 

Dennoch: hier im Geäst, vielleicht in einer Höhe von zwei Metern,  findet man die Tiere zuhauf – und sie zeigen nicht die geringste Scheu vor den menschlichen Besuchern. Ein erwachsenes Tier liegt bäuchlings auf einer Astgabel, läst sich die Sonne auf den rotbraunen Pelz scheinen und den langen Schwanz, von Stummelschwanz kann eigentlich nicht die Rede sein, hinabbaumeln, blinzelt ein wenig zu uns hinunter. Auf einem anderen Ast hocken ein halbes Dutzend größere und kleinere Tiere fast zärtlich ineinander gehakt beisammen, vielleicht eine Familie, die auch gerade vor sich hindöst. Nur die ganz jungen Äffchen lassen von der Hitze nicht bremsen, tollen spielerisch von Ast zu Ast.

 

Doch am faszinierendsten ist, wie die Affen sich gegenüber den Menschen verhalten: Da scheuen sie den Besuchern direkt ins Gesicht, ihre schwarzen Gesichter nur wenige Zentimeter von den Besuchern entfernt, völlig unaufgeregt, so, als seien für sie solche Begegnungen das normalste von der Welt.

 

Nun gehen wir noch einmal kurz in den ebenfalls zum Nationalpark gehörenden Mangrovenwald. Der zerfällt streng genommen in zwei Teile, wobei ein kleiner Wasserlauf die Grenze bildet. Der eine Teil dieses Mangrovenwaldes liegt auf dem „Festland“, steht auch in Süßwasser, der andere Teil, im Salzwasser stehend, gehört zu den Ausläufern des Meeres.

 

Brackig ist das Wasser aber überall, aber für einige Fische wohl gerade richtig. In einem der Tümpel etwa tummeln sich etliche kleinere Flötenfische, deren größere Vertreter man sonst beim Tauchen an den Riffen sieht.


Samstag, 31. März 2021: Tauchplätze Karafuu Reef und Fisherman South


So ziemlich eine der ersten Begegnungen am Karafuu Reef führt uns wieder zusammen mit einer der winzig kleinen blauen Muränen mit dem langen gelblichen Maul. Um die überhaupt zu entdecken, wenn sie ihren schmalen Oberkörper aus ihrem Sandloch strecken, braucht man schon ein geübtes Auge - aber über ein solches Auge verfügt Idi, mein Tauchbegleiter von der Tauchbasis des Hotels, wohl, scheint dazu auch die bevorzugten Plätze dieser possierlich anmutenden Meeresbewohner zu kennen.


Karafuu Reef selbst scheint auf den ersten Blick kein sonderlich attraktiver Tauchplatz zu sein. In einer Tiefe von nicht mehr als 18 Metern liegt ein unscheinbares Geröllfeld kleiner Korallenbrocken, nur ab und an unterbrochen von einer bunten, noch wachsenden Koralle, von einem ausgehöhlten Hügel.


In einer solchen Höhle entdecken wir einen Oktopus, später dann noch einen, der sich vorsichtig durch das Wasser bewegt. Wir stoßen wieder auf Blaupunktrochen, auf eine kleinere Muräne, einen großen Barsch, ein bräunliches Prachtexemplar und auch wieder auf einige Steinfische, die aber bis auf eine Ausnahme während unseres Besuches regungslos verharren.


Das kann man von dem Nasendoktorfisch, der gegen Ende des Tauchganges unseren Weg kreuzt, nicht behaupten. Erst zieht er weiter ruhig seine Bahn, hält dann einen Moment still inne, schießt gleich darauf aber pfeilschnell davon.


Von der Gestalt her unterscheidet sich Fisherman South kaum von unserem ersten Tauchplatz des Tages. Wir gehen hier auf eine Tiefe von 16 Metern, begegnen zunächst einer kleineren Muräne, kurz darauf einer recht großen Seegurke, die, nicht einmal besonders getarnt, auf einem weiten Feld von Korallengeröll liegt. Sonderbar ist allerdings die Begegnung mit einem Sandfisch. Kaum vom Boden zu unterscheiden liegt das Tier flach wie eine Flunder am Grund, und um fortzuschwimmen richtet es sich dann auch nicht etwa auf, sonder bleibt in dieser ungewöhnlichen horizontalen Körperhaltung, ein Auge weiter auf den Boden, das andere zur Oberfläche schauend.


Aber auch bei diesem Tauchgang dürfen die Blaupunktrochen natürlich nicht fehlen - und zum Schluss entdecken wir noch einen großen Kugelfisch, der sich seine Höhle mit einem Feuerfisch teilt.
Auffällig bei Fisherman South: Die blauen Drückerfische treten hier geradezu in großen Schwärmen auf.

Sonntag, 1. April 2012: Kizimkazi


Auf dem Weg nach Kizimkazi an der Südspitze von Unguja kommen wir, kurz vor dem Ziel, an einem für afrikanische Dörfer eher ungewöhnlichen Gebäude vorüber: An der Straße steht ein langgezogener, vierstöckiger Plattenbau in schmutzigem Grau, ein absolut schmuckloser Betonklotz auch ohne Balkone, auch um einiges bescheidener wirkend als die vergleichbaren Bauten rings um Stone Town, aber auch um einiges deplazierter.


Von Kizimkazi selbst sehen nicht mehr als die üblichen Hütten und natürlich den Strand, den Ausgangspunkt der Delfin-Touren. Die Wahrscheinlichkeit, bei einer morgendlichen Fahrt vor der Küste Delfinen zu begegnen, soll, so behaupten die einheimischen Guides, immerhin bei 85 Prozent liegen, und so ist der Delfin-Tourismus das große Geschäft des Fischerdorfes, in dem sich nun ebenfalls gleich am Strand auch noch ein größeres, nun in der Nebensaison aber ziemlich leer stehendes Hotel befindet.


Um sechs Uhr früh waren wir vom Hotel abgeholt worden, gegen sieben Uhr besteigen wir nun das Boot, eine Nussschale mit einem Außenbordmotor, aber ohne Dach. Noch steht die Sonne aber nicht all zu hoch, kann man auf den Sonnenschutz verzichten.


Theoretisch laufen die Delfin-Touren so ab: Der Bootsführer entdeckt eine Schule, man nähert sich der Gruppe, falls die Tiere nicht von sich aus zum Boot schwimmen - und wenn die Delfine unmittelbar neben dem Boot sind, springt man mit Maske und Schnorchel ins Wasser, um für einige Sekunden mit ihnen zu tauchen.

 

So weit die Theorie!

 

Wir stechen mit unserem kleinen Boot, das nicht einmal über ein Dach als Sonnenschutz verfügt, in See, kreuzen vor dem Strand und der bewaldeten Küste, sehen einige fliegende Fische, begegnen immer wieder Fischerbooten, ausnahmslos kleine hölzerne Ausleger-Boote, meist nicht einmal mit Segel, Nussschalen, bei denen man sich fragt, wieso sie überhaupt seetüchtig sein können.

 

Doch so sehr wir und auch der Bootsführer Ausschau halten: Delfine sind an diesem Tag nicht zu sehen, und auch das andere Ausflugsboot, das wir später treffen, hat keine entdecken können. Nach über drei Stunden brechen wir die Suche schließlich ab, fahren ins Hotel zurück.


Montag, 2. April 2012: Tauchplatz Mwamba Reef


Offensichtlich haben wir heute nicht nur eine geringere Strömung als bei unserem ersten Tauchgang am Mwamba Reef, sondern auch andere Lichtverhältnisse. Jedenfalls erscheint das Riff heute als das mit Abstand farbenprächtigste, was ich bisher hier gesehen habe.


Wir sehen wieder eine ganze Reihe von Muränen, meist die kleineren, aber auch ein vielleicht knapp zwei Meter langes, wie ein Leopard gepunktetes Prachtexemplar. Dazu gibt es wieder einige Oktopusse, meist in ihre Höhlen zurückgezogen, einige Riesendrücker, darunter einer, der wie schlafend auf einer fächerförmigen Koralle liegt, Fetzenfische, einen recht großen Rotfeuerfisch und schließlich eine Languste, von der wir aber nur die langen Fühler aus ihrem Unterschlupf ragen sehen.


Dienstag, 3. April 2012: Changuu Island (Prison Island)

 

Was man vom großen Hafen von Stone Town, fast direkt vor dem „Haus der Wunder“, sieht, ist kaum mehr als ein Kai, an dem gerade die Fähre nach Daressalam liegt. Daneben befindet sich ein größeres Stück Strand, auf dem mehrere kleine Boote, meist Fischerboote liegen -  als auch das Boot, das uns nach Changuu Island, zur „Gefängnisinsel“ bringen soll.

 

Die Überfahrt dauert vielleicht eine knappe halbe Stunde, führt vorbei an einer Reihe weiterer Inseln und Inselchen, zum Beispiel der so genannten Schlangeninsel, die aber, so unser Guide Nikolaus, nicht umsonst so heißt, deshalb auch nicht betreten werden darf. Daneben gibt es eine „Friedhofsinsel“, die von weitem vor allem durch ihren weißen Strand auffällt, und schließlich Changuu, einen Kilometer lang, 200 Meter breit, an der Stelle, an der wir landen, ebenfalls mit einem kleinen, eine Landzunge bildenden Strand versehen.

 

Zum Ausflugsziel wurde die Gefängnisinsel, nun allerdings Hotelinsel, wegen der hier lebenden rund 150 Riesenschildkröten, die in einer Art Tierpark gehalten werden, zusammen mit einigen Dutzend Pfauen, den anderen Hauptvertretern der Tierwelt von Changuu.

 

Stolze 185 Jahre soll die älteste dieser Riesenschildkröten zählen. Zumindest ist das die Zahl, die auf ihrem Panzer vermerkt ist. Bei den meisten Tieren steht eine Zahl auf dem Panzer, die das jeweilige Alter benennen soll.

 

Die Lebenserwartung der Tiere ist danach jedenfalls höher als die Lebenserwartung ihrer Panzer: Bei den größten, ältesten Tieren sind etliche Schuppen beschädigt, herausgebrochen, erscheint die Oberfläche dort verkrustet und schmutzig. Das alles scheint auf das Befinden der Tiere kaum Einfluss zu haben. Aber die meiste Zeit liegen sie ohnehin alle ruhig da, ist auch der Kopf in den Panzer zurückgezogen – und wenn sie sich einmal in Marsch setzen, etwa, um zu einer Wasserstelle zu gelangen, tun sie das ganz gemächlich, ohne jede Hast.

 

Bis zum 20. Lebensjahr gelten sie dabei übrigens als „Kinder“, werden in einem eigenen Gehege gehalten, damit sie den ausgewachsenen Tieren nicht in die Quere kommen, von denen unter Umständen verletzt oder getötet werden. In diesem „Kindergarten“ lebt übrigens auch die einzige einheimische Landschildkröte der Insel, ein im Vergleich zu den von Madagaskar stammenden Riesenschildkröten tatsächlich nur ein Zwerg, vielleicht 20 oder etwas mehr Zentimeter lang, klein selbst in diesem „Kindergarten“.

 

Der einstige Gefängnis-Bau, das Lloyd-William-Mathews-Haus, ein rechteckiger Komplex mit einem geräumigen Innenhof, dient nun als Restaurant, hat aber gerade keine Besucher. Die Fenster des oberen Stockwerkes sind vergittert, in einem der Räume des ersten Stocks, jetzt ein Kaffee, hat man zur Erinnerung die eisernen  Halterungen für die Ketten in der Wand belassen. Dabei war Prison Island als Gefängnis nie benutzt worden, diente vielmehr kurz nach Fertigstellung des Baus als Quarantäne-Insel.

 

Angelandet wurde damals übrigens unter einer Klippe hinter dem Gefängnisbau, auf der Unguja und Stone Town abgewandten Seite der Insel, einer Klippe, die zumindest so hoch war, dass ohne Hilfe von Land kein Boot unbemerkt und ohne Hilfe einen Passagier absetzen konnte oder sich jemand unbemerkt von der Insel absetzen konnte.

 

Als wir wieder nach Stone Town übersetzen, sind bereits dunkle Wolken am Himmel aufgezogen, scheint zumindest auf Teilen von Unguja bereits der Regen nieder zu gehen. Die Fischer, die jetzt mit ihren Booten draußen sind, stört das nicht. Oft sind es fünf oder sechs Männer, die dicht auf den kleinen Auslegerbooten beieinander stehen und angeln. Auch ohne den möglichen Fang, so möchte man meinen, sind diese Boote allein durch ihre Besatzung hoffnungslos überladen.  Dennoch halten sich diese Boote recht wacker auf dem Wasser.

 

Auf der Rückfahrt sehen wir, dass es offensichtlich auch in der Nähe unseres Hotels recht heftig geregnet haben muss. In Pingwe selbst dagegen blieb wohl alles trocken.


Mittwoch, 4. April 2012: Tauchplatz Mwamba Reef


Das Mwamba Reef zeigt sich fast von Tag zu Tag farbenprächtiger, als eine immer buntere Landschaft von Kopfkorallen, Anemonen, Korallen aller möglicher Formen und Schattierungen. Und da entdeckt man nun zunächst eine kleine Schnecke im Sand, dann den einen oder anderen Oktopus, schließlich einen Blaupunktrochen, der sich erst noch tiefer in seiner Höhle verkriecht, sich einzugraben versucht, dann aber doch eilig davon schwimmt.


Auch die große Meeresschildkröte möchte wohl keinen weiteren Kontakt, entfernt sich aber nicht ganz so schnell wie der Rochen. In vielleicht zehn Metern Entfernung kreuzt ein prächtiger Napoleonfisch unseren Weg, lässt sich von uns aber nicht im geringsten beeinflussen, schwimmt seine Strecke weiter ohne innezuhalten oder zu beschleunigen.


Schließlich gibt es auch noch zwei große Barsche - und auch wieder einige Rotfeuerfische, von den Drückern und Doktorfischen ganz zu schweigen.


Donnerstag, 5. April 2012: Mnemba Atoll


Gestern früh hatten wir die bereits geplante Bootstour zum Mnemba Atoll wegen des dunklen Himmels verschoben - nun gibt es nur wenige Wolken, ist es dazu auch fast windstill, das Meer ruhig, wollen wir die Fahrt wagen.

 

Das Boot soll für die ganze Zeit 200 US-$ kosten, wobei wir 50 $ schon vorab für das Benzin zahlen müssen.. Und so lässt sich der Kapitän erst einmal seine Anzahlung geben, fährt dann tanken, holt uns schließlich ab.

 

Unser Bootstrip scheint aber unter keinem guten Stern zu stehen. Bei der Abfahrt verfängt sich einer der beiden Außenbordmotoren im Riff, und so geht es zunächst einmal in die entgegengesetzte Richtung, zum Dorf Pingwe, wo der Kapitän einen Ersatzmotor holen muss.

 

Für uns eine Gelegenheit, Pingwe von der Seeseite zu beobachten. Eine Frau sucht auf den nun bei Ebbe kaum noch überfluteten Korallenbänken nach Krebsen und Muscheln, an einer anderen Stelle sind einige Männer gerade dabei, gefangene Oktopusse weich zu klopfen. Meeresbewohner, deren Anblick den Taucher erfreuen, sind hier eben ganz profane Nahrungsmittel.

 

Mit einiger Verspätung brechen wir dann endlich auf, nehmen Kurs Richtung Norden, immer in Küstennähe bleibend. Am Ende der Landzunge, auf der auch Pingwe liegt, machen sich etliche Muschelsucher auf dem Riff zu schaffen, kurz darauf kreuzen wir an der Lagune vorbei, dann schon an der Nordküste vorbei an unendlich langen Stränden mit dahinter liegenden dichten Wäldern.

 

Immer wieder sieht man winzige Fischerboote, meist ohne Segel, so gut wie nie mit einem Motor, gerade groß genug für einen Mann, der kräftig vor sich hinrudert, weiter draußen im Meer aber auch etwas größere Boote, auf denen dann fünf oder sechs Männer auf Fischfang sind. Die Plastikflaschen, die man sieht, sind hier auch kein Abfall: Das sind die von den Fischern ausgesetzten Fischreusen.

 

Und schließlich entdeckt unser Kapitän auch noch einige Delfine – allerdings zu weit entfernt, als dass man sie fotografieren könnte.

 

Wir sind schon über zwei Stunden unterwegs, als man in der Ferne endlich das Mnemba-Atoll – bzw. dessen Hauptinsel – ausmachen kann. Allerdings: Die Insel verschwindet auch rasch wieder aus unserem Blickfeld. Der Himmel verdunkelt sich – und dann ergießt sich ein heftiger Wolkenbruch über uns, begleitet von einem kalten Wind. Es dauert keine Minute, bis wir total durchnässt sind. Am liebsten würden wir jetzt sofort an die Küste, an Land gehen und mit dem Taxi zurück fahren, aber der Kapitän meint, dass es sofort wieder aufhören würde, er bei dem Wetter auch schlecht den Kurs ändern könne.

 

Der Regen dauert zwar etwas länger, als der Kapitän vorausgesagt hat, aber schließlich hört er doch auf, wenn es nun auch deutlich kälter geworden ist. Doch die Insel Mnemba ist auch  wieder in Sicht, nun endlich auch unmittelbar vor uns.

 

Am Strand des grün bewachsenen Eilandes liegen auch einige Boote, doch so ohne weiteres betreten darf man die im Privatbesitz befindliche Insel nicht. Der Kapitän eines Tauchbootes, dem wir nun begegnen, erklärt unserem Kapitän zumindest, dass man dafür einen ziemlich hohen Eintritt zahlen müsse.

 

Allerdings sind wir ohnehin vor allem zum Schnorcheln hierher gefahren. In manchen Reiseführern immerhin wird das Mnemba-Atoll als eines der schönsten Tauchreviere der Region beschrieben.

 

Beim Schnorcheln ist davon nicht all zu viel zu bemerken. Man sieht an der Riffwand einige schöne Korallen, Seesterne und auch verschiedene Fischschwärme, aber noch unbedingt ein besonderes Highlight. Ein Blick die lange und steile Riffwand hinunter lässt allerdings ahnen, dass ein in die Tiefe führender Tauchgang hier durchaus vielversprechend sein dürfte.

 

Uns muss nun beim Schnorcheln eine andere Erfahrung jedenfalls reichen: Nach dem Regen ist es im Wasser weitaus wärmer als an der Luft, an Bord des Bootes.


Freitag, 6. April 2012: Tauchplätze Fisherman Point und Joy Reef


Rund 18 Meter tief erwartet uns der Fisherman Point zu einem Tauchgang, bei dem wir uns die ganze Zeit von der doch recht starken Strömung treiben lassen. Als erstes begegnen wir einem großen Drückerfisch, der in dieser Strömung an den Korallen knabbert, entdecken aus einer Nische hervorschauend eine kleine Muräne, und schließlich in den Anemonen im er wieder Clownsfische, dabei auch ganze Schwärme der kleinen Schwarzen mit den weißen Punkten, in manchen Anemonen regelrecht Schulen von Hunderten von Babyfischen. Dazu gibt es auch wieder Kofferfische, darunter einige besonders schöne gelbe Exemplare.


Der Tauchgang am Joy Reef, auch das wieder ein Strömungstauchgang in nun 15 Metern Tiefe, beginnt mit einem Zusammentreffen mit einem Kaiserfisch. Kurz darauf sehen wir, unter der Aushöhlung einer Koralle verborgen, einen noch kleinen Blaupunktrochen. Dazu gibt es noch eine Geistermuräne, Kofferfische in schwarz und in Gelb, und schließlich entdeckt Daniel, der Divemaster der Basis, noch eine herrliche große Muschel.

 

Die überraschendste Begegnung haben wir aber dann bei der Heimfahrt. In sicherer Entfernung schwimmt für kurze Zeit ein einzelner Delfin auf unserem Kurs.


Samstag, 7. April 2012: Tauchplätze Pale Pale und Oba Oba


Das Wasser ist heute bei der Ebbe noch weiter zurückgegangen als sonst - und fast direkt neben unserem ersten Tauchplatz, Pale Pale, schaut eine Korallenbank wie eine Sandbank aus dem Wasser, wird von Einheimischen, die hier nun barfuss unterwegs sind, nach Krebsen, Muscheln und anderen essbaren Meeresfrüchten abgesucht.


Unser Korallenriff Pale Pale liegt knapp 16 Meter tief, und das erste, was wir hier zu sehen bekommen, ist eine große Languste, die sich tief in ihrer Höhle verkrochen hat. wenig später gibt es auf dem Boden einige schöne Muscheln zu sehen, dabei ein Exemplar, dessen Auswülstungen einen schützenden Pfeilpanzer bilden. Wir sehen wieder Fetzenfische, einen kleineren Steinfisch, der sich ganz langsam zwischen den Korallenbrocken vorwärts schiebt, von denen kaum zu unterscheiden ist.


Gegen Ende des Tauchganges begegnen wir noch einem jungen Kaiserfisch - und auch wieder einem Oktopus.


Beim zweiten Tauchgang erwartet uns am Grund des Riffs von Oba Oba, in vielleicht 17 Metern Tiefe, eine Meeresschildkröte. Das Tier faucht zunächst, einigen Abstand von uns zu gewinnen, merkt dann aber wohl doch, dass von uns keine Gefahr droht, fängt dann, begleitet von einem Kaiserfisch, in aller Ruhe an, an den Korallen zu knabbern.


Oba Oba ist ein überaus bunter und lebendiger Tauchplatz. Wir stoßen auf mittelgroße Muränen, wieder auf eine in einer Höhle versteckte Muräne, auf große Drücker, Fetzenfische und zum Schluss schließlich noch auf eine diesmal ab gelbe Geistermuräne.

 

Sonntag, 8. April 2012:  Pingwe, Karafuu Beach

 

Den letzten Tag verbringen wir nur noch am Swimmingpool des Hotels. Dort posiert immer wieder der auf dem Hotelgelände lebende Stummelschwanz-Affe für Fotos, lässt sich von den Gästen sogar streicheln.

 

Montag, 9. April 2012: Pingwe – Sansibar Airport

 

Gegen sechs Uhr früh werden wir für den Heimflug vom Hotel abgeholt.

 

Auf dem Flughafen wollen wir im Duty-Free-Bereich noch einkaufen, aber das Angebot ist eher begrenzt. Eine größere Auswahl an Zigaretten oder Alkohol gibt es jedenfalls nicht, kaum mehr als ein paar Büchsen Tee und vor allem Schnitzarbeiten, eben die üblichen Andenken – wobei man eher den Eindruck eines Krämerladens denn eines Duty-Free-Shops gewinnt.

 

Aber schließlich sind es ja auch noch nicht all zu viele Maschinen, die hier starten und landen, und für die eher wenigen Passagiere scheint auch dieser kleine Laden vorläufig noch auszureichen.

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