Elefanten, Löwen, Giraffen, Büffel und mit Glück auch ein Nashorn - das Großwild ist und bleibt die Hauptattraktion von Kenia.

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Kenia: Malindi, Tsavo, Lamu - Vom Strand über die Savanne zur Insel der Piraten

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Malindi - Moschee mit Monolithen Am Eingang zum Tsavo-Nationalpark Eine Elefantenherde zieht durch den Tsavo-Park Am Wegesrand: Eine ruhende Löwenfamilie

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Eine Hyäne im Steppengras von Tsavo Schlammschlacht: Ein Warzenschwein Wildlife in Tsavo: Eine Giraffe in der Steppe Eine Gazelle beim Äsen - keine Löwen in der Nähe.

Glücklich über kleine Fänge: Fischer in Malindi 

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Lamu - einst Insel der gefürchteten Piraten

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Freitag, 4. Januar 1991: Mombasa - Malindi

Gegen 4.00 Uhr MEZ, das ist 6.00 Uhr Ortszeit, landet die Maschine auf dem International Moi Airport. Es bereits hell - und, so scheint es mir, drückend heiß.

Für ein Dritte-Welt-Land, das sich dem Tourismus öffnet, sind die Einreisekontrollen erstaunlich genau: Einreisekarte und Devisenerklärung werden verlangt, und der Zoll macht sogar Stichproben.

Auf der Straße ist ungewöhnlich viel Polizei zu sehen: Straßenkontrollen werden mit Fangeisen durchgeführt, und selbst zu Verkehrsunfällen rückt die Polizei mit Maschinenpistolen an. Möglicherweise hängt das mit dem Bürgerkrieg in Somalia zusammen.

Die Straße Mombasa - Malindi ist gut asphaltiert. Mombasas Vorstädte, durch die wir kommen, machen einen "modernen" Eindruck: Dreistöckige, gleichförmig aussehende Wohnblocks, die allerdings alle etwas schmutzig wirken, weil die ursprünglich weiße Farbe ins Grau übergeht.

Bei den Dörfern eine Überraschung: Das elende Wellblech, Schandfleck in der Dritten Welt, scheint hier so gut wie unbekannt zu sein. Die Häuser sind meist aus rotem Lehm, die Dächer aus Stroh von Palmenblättern.

Wir müssen einen Fluss überqueren, aber die Brücke ist entweder noch nicht fertig oder schon wieder kaputt: Also nehmen wir die Fähre.

Vor der Überfahrt will ich noch Bananen kaufen; eine würde angeblich einen Shilling kosten, ich habe nur einen Dollar - und bekomme eine ganze Staude.

Das Hotel in Malindi, das Lawfords, liegt unmittelbar bei der Stadt. Was ich von Malindi am ersten Tag zu sehen bekomme, sind aber nur die üblichen Restaurants und ein Einkaufszentrum.

Den Rest des Tages verbringe ich am Pool des Hotels, gehe am Nachmittag schlafen. Ich habe Kopfschmerzen vom Klimawechsel.

Samstag, 5. Januar 1991: Malindi

Malindi ist eine Provinz-Touristen-Stadt mit vielen Gesichtern. Meinen ersten Abstecher unternehme ich am Vormittag, werde schon bald von jemandem angesprochen - Tony heißt er - und lasse mich "abschleppen". Immerhin sagt Tony gleich, was er will, nämlich mir sein Geschäft zeigen.

Auf diese Weise bekomme ich immerhin einiges vom Ort zu sehen.

Über den "Park" vorbei an einigen besseren Geschäften geht’s zu einer Ansammlung von Bretterbuden - dem Touristenmarkt. Tony führt vor allem Specksteinarbeiten, darunter einige hübsche Schachspiele. Sein Nachbar hat sogar Backgammon-Spiele aus Speckstein in seinem Laden. Ich kaufe eine Ebenholzkette, nicht so ganz aus Überzeugung, mehr als Geste.

Gegenüber dem "Touristenmarkt" liegt die Moschee - den Muezzim höre ich später sogar noch im Hotel - mit zwei riesigen Findlingen auf ihrem Vorplatz. Und daneben liegt schließlich der Gemüsemarkt.

Erste Station auf dem Gemüsemarkt ist allerdings die Schnitzmanufaktur. Mit Messer und Beil fertigen etwa 20 bis 30 Männer die ganzen Figuren, die dann auf dem Markt verkauft werden. Tony selbst kauft für sein Geschäft zwei Masken, zahlt zusammen 110 Shillinge, also pro Maske 3,50 Mark. In seinem Laden kosten sie dann ein Vielfaches. Nun gut, die Stücke sind noch nicht koloriert - aber eigentlich sehen sie so sogar fast besser aus.

Der Markt ist klein, aber reichhaltig: Bananen, Mangos, Ananas, das übliche, aber schön übersichtlich. Neben den Gemüseständen haben sich die Fischhändler mit ihrem getrockneten Fisch angesiedelt.

Am Abend unternehme ich einen zweiten Abstecher in die Stadt. Ich entdecke etwas, was ein altes portugiesisches Handelskontor sein könnte, finde aber in keinem meiner Reiseführer einen entsprechenden Hinweis. Am Busbahnhof herrscht nun Hochbetrieb. Gleich mehrere Busse scheinen jetzt nach Nairobi abzugehen. Alle Busse sind hoffnungslos überfüllt.

Für den kommenden Tag habe ich eine Zwei-Tages-Safari in den Tsavo-Nationalpark gebucht: Bei "Franks Special Safaris", gleich gegenüber einem Nachbarhotel. 4750 Shillinge, etwa 310 Mark, betrug der Preis am Vormittag. Am Abend, als ich die Bestätigung holen will, fordert Frank aber 640 Shillinge zusätzlich. Angeblich hätte er ein anderes Hotel buchen müssen. Ich drohe, den ganzen Ausflug zu stornieren - und nun geht’s doch wieder zum alten Preis.

Ich werde mich morgen früh um fünf Uhr wohl auf einige Überraschungen gefaßt machen müssen.

Sonntag, 6. Januar 1991: Tsavo-Nationalpark

Die Wolken zeichnen ihre Schattenbilder auf die Savanne, hinterlassen große dunkle Flecken im satten Grün, durchzogen von den rotsandigen Pisten: Das ist der stärkste Eindruck, wenn man von einer Anhöhe hinunter auf das Land blickt, über endloses Grün, aus dem sich die Berge und Hügel erheben.

Wenn die Menschheit wirklich hier im ostafrikanischen Grabenbruch ihren Ursprung hat, dann kann hier in der Savanne die Bezeichnung vom Garten Eden ihre Gültigkeit haben!

Um fünf Uhr früh hatte es losgehen sollen, und um 5.45 Uhr kam der Fahrer - Simon heißt er - schließlich mit dem Bus. Grund der Verspätung. In einem Hotel sind zwei Gäste abgesprungen, und deswegen hat es wohl Ärger gegeben. Nun sind wir zu viert: Ein Grieche mit seiner englischen Frau, beide ebenfalls aus dem Lawfords, und Stefan, der andere Deutsche.

Das Paar hat bei einem anderen Agenten 5.200 Schillinge pro Person für die Tour bezahlt, Stefan 4950 SH.; mit meinen 4750 Shillingen liege ich also noch am günstigsten.

Auf der Hinfahrt fallen mir fast ständig die Augen zu, nicke ich manchmal sogar kurz ein.

Zwischenfall an einer Tankstelle: Es hat auf der Kreuzung einen Unfall gegeben, zwei Lastwagen sind zusammengeprallt, Stefan macht unterdessen Landschaftsfotos - und die Polizei will ihn festnehmen. Es ist verboten, Polizisten in Uniform zu fotografieren.

Als wir losfuhren, war es noch dunkel; gegen sieben Uhr kommt Leben in die Dörfer. Endlose Kolonnen von Frauen säumen den Weg, die meisten von ihnen mit Wasserbehältern auf dem Kopf.

Schließlich erreichen wir die Einfahrt zum Nationalpark. Vor uns stehen schon andere Busse, also geht es den ersten Teil der Strecke in einer Kolonne. Bei jedem Tier wird gehalten. Da der Weg so schmal ist, gibt das jedes mal einen regelrechten Verkehrsstau.

Im Bereich der Einfahrt treten die Tiere dabei nur vereinzelt auf: Antilopen, Giraffen, Paviane. Die größte Attraktion dieser ersten Etappe: Ein Löwenpaar, er wohl schon etwas altersschwach, bereits mit halb ausgefallener Mähne.

Je weiter es nun nach Westen geht, desto hügeliger wird die Landschaft, desto saftiger wird das Grün.

Die erste Herde, die wir sehen, ist eine Zebraherde. Ich erkenne die Tiere zunächst nicht: Vom Herumwälzen auf der Erde sind sie mit einer rötlichen Staubschicht überzogen, die die schwarzweißen Streifen verdeckt.

Mittags erreichen wir eine Raststation. Ich will eine Cola trinken, dazu zwei Kuchen essen. Während ich zum Wagen zurückgehe, um noch meine Zigaretten zu holen, stibitzt ein Pavianmännchen, offensichtlich ein altes Familienoberhaupt, die Kuchen vom Tisch. Die Tiere stellen sich in Position, um ihre Beute zu verteidigen, zeigen keinerlei Scheu vor Menschen.

Kurz darauf überqueren wir die Grenze zum Westteil des Parks, fahren zur "Nagulia Safari Lodge", wo wir die Nacht verbringen werden. Nach dem Mittagessen starten wir aber erst einmal zur zweiten Tour des Tages, diesmal zu den Quellen des Tsavo-Flusses.

Der Tsavo kommt hier aus der Erde und aus dem Gestein hervor, bildet einen kleinen Wasserfall und gleich darunter einen Tümpel. Ein Weg führt um den Tümpel herum, auf Schildern wird vor Krokodilen gewarnt. Von einem Pavillon am Tümpel beobachten wir die Nilpferde, sehen sogar die Fische in dem klaren Wasser - nur Krokodile sind keine da.

Während der Rückfahrt kühlt es bereits merklich ab. An uns zieht eine Herde Elefanten - ich zähle elf Tiere - vorbei; Giraffen säumen unseren Weg.

Die Lodge ist unmittelbar an einer Wasserstelle gebaut. Am Nachmittag beobachteten wir hier noch von der Terrasse aus die Tiere beim Trinken, nun am Abend gibt es ein anderes Schauspiel zu sehen: Das Hotelpersonal hat ein Stück Fleisch an einen toten Baum gehängt. Das lockt einen Leoparden an, der nun zum Zirpen der Grillen und dem Quaken der Frösche auf diesem Baum sein Abendessen verspeist.

Wir selbst haben es mit dem Essen nicht so leicht: Auf Stefans Teller krabbelt ein Insekt, und schließlich landet auch noch eine Motte in seiner Cola. Zumindest bleibt mein Abendessen von solchen Zutaten verschont - oder ich habe sie übersehen.

Montag, 7. Januar 1991: Tsavo-Nationalpark

In der Nacht hat es geregnet. Der Berg vor unserer Lodge liegt nun inmitten einer Wolke, die im Laufe des Morgens noch tiefer absinkt - fast auf unsere Höhe.

Um 7.30 Uhr brechen wir erneut auf, aber außer vereinzelten Antilopen, Gazellen und Pavian-Familien sehen wir keine größeren Tiere, abgesehen allerdings von einem einsamen Elefanten.

Schließlich schauen wir auf den Kilimandscharo: Gut 250 Kilometer entfernt, eingehüllt in einer Wolkendecke, erhebt er sich über das gesamte Land. Sogar aus dieser Entfernung erscheinen im Vergleich zu ihm die anderen Berge als unbedeutende Hügel. Die Schneekuppe liegt wie eine Krone auf dem mächtigen Koloss.

Das Mittagessen nehmen wir in der Voi-Lodge wieder auf der Ostseite des Parkes ein. Nachts soll, wie wir hören, hier eine Elefantenherde an der Tränke gewesen sein. Nun halten sich an der Tränke aber nur noch die Marabus und einige Warzenschweine auf.

Die Voi-Lodge liegt auf einer Anhöhe, die einen Rundblick über die Steppe gewährt: Grün ohne Unterbrechung, umrahmt von den Bergen!

Durch die flache Grassavanne geht es nun - ohne weitere nennenswerte Ereignisse - zurück Richtung Malindi.

An einem "Krokodil-Camp" legen wir noch einen Zwischenstop ein. Wider Erwarten müssen wir pro Person 40 Shillinge Eintritt bezahlen; angeblich ist das Ticket nicht im Safaripreis inbegriffen.

Der Hotelangestellte lockt mit dem Geklapper der Futterschüsseln die Krokodile aus dem Fluss, sieben Tiere, einzeln beim Namen gerufen, kommen heran, verschlingen die schon verfaulenden Fleischbrocken, die ihnen zugeworfen werden. Dann verharren sie regungslos am Ufer.

Simon erzählt, dass er jetzt schon vier Jahre als Touristenfahrer arbeitet. Und seit dieser Zeit spart er eisern, um die 2000 Shillinge zusammenzubekommen, die er für die Anschaffung einer Kühlbox braucht. Dann könnte er den Touristen auf eigene Rechnung eisgekühlte Getränke verkaufen.

Über die Buschpiste fahren wir nach Malindi zurück. Dabei entwickelt Simon nun eine beängstigende Geschwindigkeit; Hühner und Ziegen retten sich manchmal nur knapp in den Straßengraben. Die Kinder aus den Dörfern winken - und rennen schreiend hinter unserem Bus her.

Vermutlich wollen sie Geschenke haben.

Kurz vor 18 Uhr sind wir wieder in Malindi.

Am Abend gibt es im Hotel "Massai-Folklore". Etwa eine halbe Stunde dauern die Tänze. Die Gruppe bleibt dabei im Hintergrund stehen, stößt ständig ein monotones "Hoho" aus - während sich in der ersten Reihe zwei Männer im Hochsprung üben.

Auffällig an den Massai - soweit es überhaupt welche sind; einige der Ensemblemitglieder erscheinen mir für Angehörige dieses Volksstammes doch etwas zu klein geraten - sind die Ohren. Der Ohrschmuck wird nämlich nicht nur durch Löcher in den Ohrläppchen getragen, sondern auch durch die Knorpel im oberen Ohrbereich. Dabei sind die Ohrläppchen schon durch die Schwere des Schmuckes so in die Länge gezogen und ausgehangen, daß das ganze Ohr wie aufgeschlitzt aussieht.

Der Tanzvorführung folgt dann das Eigentliche, um was es ging: Der "Massai-Markt".

Am späteren Abend treffen wir einige der "Massai", immer noch in ihrer Tracht, wieder - nämlich in der örtlichen Diskothek.

Dienstag, 8. Januar 1991: Malindi

Morgens um sieben Uhr machen wir uns über den Strand auf dem Weg zum Hafen. Von einem Hafen kann dabei allerdings keine Rede sein. Die Fischerboote, den arabischen Daus nachgebaut, nur kleiner und teilweise bereits am zerfallen, liegen schließlich unmittelbar an einem eigenen Abschnitt des Strandes, auf der anderen Seite des Vasco-da Gama-Kreuzes.

Ein Fischer steht am Strand und bietet uns an, sich mit seiner Beute fotografieren zu lassen. Im Sand liegt ein toter Delphin. Wahrscheinlich ist der Mann noch ausgesprochen stolz darauf, einen Delphin gefangen zu haben. Ich verzichte dankend auf das Foto.

So einfach, wie ich mir das vorstellte, ist es allerdings doch nicht, von den Fischern mit hinaus aufs Meer genommen zu werden. 700 Shillinge verlangt der erste Kapitän von Evelyn und mir, der Einstiegspreis des zweiten Fischers beträgt immerhin noch 500 Shillinge. Die Leute scheinen doch ziemlich klare Vorstellungen davon zu haben, was die Touristen bei TUI oder NUR für einen "Original-Dau-Trip" auf den Tisch legen.

Saidi, ich schätze ihn auf Mitte 20, nimmt uns immerhin für 200 Shillinge mit. Wobei: Dies ist sein erster und letzter Preis; handeln läßt er mit sich nicht.

Kurz nach acht Uhr stechen wir auf Saidis Segler - neben dem Skipper und uns sind noch zwei Mann Besatzung an Bord - in See. Die Dau ist jedenfalls älter als ihr Eigentümer, die Holzbohlen sind schon weitgehend zerfressen. Das Wasser steht uns bis zu den Knöcheln - mindestens - und ständig ist wenigstens ein Besatzungsmitglied damit beschäftigt, zu schöpfen.

Hinter dem Riff geht’s ans Fischen. Die Leute haben keine Netze, statt dessen werden Nylonschnüre als Angeln genommen, zwei oder drei Haken mit Ködern versehen, ein rostiges Stück Eisen dienst als Senkblei.

Auch ich werfe meine "Angel" aus, aber die Sache ist schwieriger, als es den Anschein hat. Es kommt darauf an, den Köder in Bewegung zu halten, die Leine im richtigen Augenblick einzuziehen - denn ansonsten sind Beute und Köder gleichermaßen weg. So geht es auch mir ständig: Der Köder - Reste eines alten Fisches - werden einfach abgefressen.

Dann habe ich schließlich doch noch Glück: Ich fange einen "Taso", wie ihn die Fischer nennen - einen circa 40 Zentimeter langen schmalen Fisch mit einem starken Rücken und den Rückenflossen eines kleinen Hais, aber mit sehr breitem Schädel. Nur: Die Taso, die die Fischer selbst gefangen haben, werfen sie wieder ins Meer. Diese Fische sind auf dem Markt nicht zu verkaufen.

Wir bleiben nie lange an einem Platz, kreuzen ständig hin und her, zwischendurch werden die Angelschnüre ausgeworfen.

Gegen 14 Uhr, vielleicht auch etwas früher, das Ufer ist kaum noch zu sehen, nehmen wir Kurs auf den Hafen. Die See geht jetzt schwer, und Saidi hält das Boot zwischen den Wellen. Trotzdem schlagen die Wellen immer wieder über Bord, und manchmal steht das halbe Boot unter Wasser. Darin schwimmen nun die toten Fische ebenso wie die, die noch nach Luft schnappen und ihren letzten Kampf kämpfen.

Wir sind jetzt total durchnässt, und nur das Gefühl, dass Saidi wohl sein eigenes Boot kennen wird und sich nicht selbst in Gefahr begeben wird, gibt mir die Sicherheit, dass wir schon nicht untergehen werden. Allerdings: Bei einer Sicherheitsprüfung, wie wir sie kennen, würde seine Dau nicht einmal dem ersten Augenschein des Prüfers standhalten.

Jetzt ist es an der Zeit, die Fische einzusammeln und in den Sack zu stecken. Teilweise wird der Fang auch gleich zubereitet. Das heißt: Die Schuppen werden mit dem Messer abgehackt, die Eingeweide herausgenommen.

Der ganze Fang des Tages füllt nicht einmal einen Sack.

Gegen 15 Uhr legen wir wieder an, allerdings auf der anderen Seite. Die Stelle, von der aus wir gestartet sind, ist wegen der Ebbe für das Boot nicht mehr erreichbar.

Auf dem Rückweg komme ich durch das Villen- und Hotelviertel, das ich bisher nicht kannte. Vor dem Hafen wird viel gebaut. Malindi will wohl zum führenden Touristenzentrum an der Küste werden.

Am Abend gibt es im Hotel eine Akrobatik-Vorführung: Die Truppe ist technisch zwar noch nicht in allen Punkten ausgereift, aber bestünde sie aus Europäern, könnte sie vermutlich in einem großen Zirkus auftreten.

Mittwoch, 9. Januar 1991: Malindi

Ich stehe erst gegen Mittag auf: Vom gestrigen Bootsausflug ist mein Rücken ganz verbrannt.

Am Nachmittag unternehmen wir einen Abstecher zum Markt; Evelyn ist auf der Suche nach Stoffen.

Der Textilmarkt vermittelt ein bedrückendes Bild: Angeboten wird ausschließlich Ramsch aus den europäischen Rot-Kreuz-Sammlungen, selbst Büstenhalter mit Grauschleier. Für die Wirtschaft in der Dritten Welt richten diese Sammlungen offensichtlich mehr Unheil an, als sie echten Bedürftigen nutzen.

Peinlich: Am Abend tritt im Hotel wieder eine Tanzgruppe auf. Die Tänzer sind federgeschmückt und schwingen mit gelangweilten Gesichtern ihre Hüften. Eigentlich müsste diese Zurschaustellung vor dem "weißen Mann" jedem Afrikaner entwürdigend vorkommen.

Donnerstag, 10. Januar 1991: Gedi

Das Buschtaxi - in unserem Fall ein noch durchaus fahrtüchtig erscheinender Peugeot mit zwei Sitzreihen im hinteren "Laderaum" - wirkt bis auf den letzten Platz besetzt, als es den Marktplatz von Malindi verlässt. Doch das ist ein Irrtum: An jedem Stop werden weitere Fahrgäste hineingepresst. Die Neuen stehen - besser: "hocken" - im Mittelgang, die Köpfe eingezogen, ein Kopf jeweils auf der Schulter des Vordermannes. Der Kassierer klemmt sich, auf der hinteren Stoßstange stehend, am Wegen fest.

Das moderne Gedi - nach etwa 20 Minuten Fahrt sind wir da - besteht aus einer Moschee, unmittelbar an der Hauptstraße, ein paar Geschäften, einer Markthalle und immerhin zwei Schulen. Ein Sandweg führt zu der antiken Ruinenstadt. Eintritt: 100 Shillinge.

Die Affen, die in den Baumwipfeln turnen, lassen die untergegangene Stadt noch lebendig erscheinen. Die Ruinen sind "gut erhalten", die "Große Moschee" - verglichen mit arabischen Moscheen ein bescheidenes Bauwerk - steht noch fast völlig im Urzustand da, ebenso der Palast und ein Grab mit einem turmartigen Aufbau.

Die einstigen Bürgerhäuser sind nur noch in den Grundmauern erkennbar, doch die Namensschilder, zum Beispiel "Haus der chinesischen Münze", lassen etwas von der einstigen Bedeutung erahnen. Imposant sind die Brunnen der Stadt: Die meisten sind noch intakt - nur das Wasser fehlt eben.

Was die Archäologen in Gedi gefunden haben, ist teilweise in dem kleinen Museum ausgestellt: Porzellan und Keramikarbeiten, vor allem in blauer Farbe, sowie Tonkrüge jeder Größenordnung.

Neben der Ruinenstadt der arabischen Kaufleute (?) ist ein Museumsdorf, eine Gurayama-Siedlung errichtet worden - eröffnet vom Stellvertretenden Finanzminister, wie ein Hinweisschild ausdrücklich vermerkt. Das ganze ist im Stil eines Runddorfes gehalten; die einzelnen Hütten sind aus Stroh. Die Häuser haben alle nur einen niedrigen Eingang, Fenster gibt es nicht. In der Regel ist alles in einem Raum untergebracht, die Betten der Bewohner, die Vorräte und die Gerätschaften. Nur ein einziges "besseres Haus" verfügt auch über eine Vorratskammer, die vom Wohnraum abgetrennt ist.

Die Hütten sind dunkel, weil durch den schmalen Eingang kaum Licht einfällt. Für meine Begriffe ist auch die Luft stickig,

Vielleicht ist das auch der Grund, warum mitunter die Betten nicht im Haus, sondern davor stehen. Das Leben, auch das nächtliche, findet auf dem Dorfplatz, nicht in den Häusern statt.

Auf der halben Strecke zwischen der Ruinenstadt und dem modernen Gedi liegt eine Schlangenfarm. In Käfigen - vergittert, nicht verglast - werden sowohl giftige Mambas als auch riesige Pythons gehalten. In Erdaushebungen, einige davon ummauert, leben Warane, eine Schildkröte - und Kaninchen, wohl das Futter der anderen.

Die Warane, übergroße Echsen, die an Saurier erinnern, sind aggressiver als sie erscheinen, wenn sie regungslos in der Sonne liegen. Ein dumpfes Grollen, fast wie ein fernes Gewitter, zeigt ihre Angriffslust an.

Im Vergleich dazu sind die Schlangen friedlich, und vor allem fühlen sie sich auch gar nicht glitschig an. Im Gegenteil: Ihre Schuppenhaut ist fest und trocken. Selbst die kleinere der beiden Pythons erweist sich als ein angenehmer Spielgefährte.

Die große Python, zehn Meter soll sie lang sein, bleibt unterdessen im Käfig. Als der Führer mit einem Stock gegen den Käfig schlägt, hebt sie den Kopf, gibt einen zischenden Warnlaut von sich, stößt dann gegen das Gitter zu. Seit einem Monat, so erklärt der Mann, sei sie dabei, sich zu häuten - und in dieser Zeit äußerst aggressiv.

Mittags haben die Geschäfte in Gedi geschlossen. Zwar werden auf dem Markt noch Früchte gehandelt, aber gekühlte Getränke sind nicht zu bekommen. Dafür läßt der Muezzim von der Moschee sein "Allah akhbar" erklingen.

Schließlich kommt ein Buschtaxi, nimmt uns mit zurück nach Malindi.

Freitag, 11. Januar 1991: Lamu

Busse können niemals restlos voll sein. Der Bus von Malindi nach Lamu wird zum Beweis dieser Tatsache, dass sich immer noch ein Plätzchen finden lässt. Zum Glück habe ich schon einen Tag vorher einen Fensterplatz gebucht, sonst dürfte ich die zehn Stunden nach Lamu stehend, beziehungsweise hockend im Gang verbringen.

Um 8.30 Uhr soll der Bus starten, mit einer Stunde Verspätung geht es dann aber erst los. Und gleich hinter Malindi ist der erste Polizeistop, die Polizisten mit Maschinenpistolen bewaffnet. Wer keinen Sitz gebucht hat, muss zur Gesichtskontrolle den Bus verlassen, dann geht ein Polizist durch die Reihen. Soweit ich sehen kann, wird auch das Gepäck kontrolliert.

Schon bald hinter Malindi hört die Asphaltstraße auf. Wir fahren über eine Sandpiste, passieren einige Holzbrücken, sehen links und rechts nichts als Buschlandschaft. Die Fahrt wird zur Strapaze; die Kinder im Bus fangen an zu Schreien.

Neben mir sitzt eine Eingeborene, die sich ihr Haar zu einem Netz feiner Zöpfe zusammengeflochten hat. Jede Strähne setzt sich dabei aus zwei kleineren Strähnen zusammen, von denen die eine braun, die andere schwarz ist. Was für eine Arbeit in dieser Frisur steckt!

Kurz vor Lamu passiert das Unvermeidliche: Der Bus hat einen platten Reifen. Doch der Reifenwechsel wird zur willkommenen Gelegenheit, sich die eingeschlafenen Beine zu vertreten.

Gegen 15.30 Uhr erreichen wir Lamu, genauer gesagt, die Endstation des Busses. Von Lamu ist nämlich noch nichts zu sehen, statt dessen müssen wir nun zur Station des "Lamu River Bus" auf uns. "River Bus" ist eigentlich der falsche Ausdruck: Als Insel ist Lamu, vielleicht hundert Meter vor der Küste gelegen, nämlich ganz vom Meer umschlungen.

Das Boot wird genauso mit Passagieren vollgestopft wie zuvor der Bus, aber zum Glück sind schon bald die ersten Häuser von Lamu-Stadt zu sehen. So ungefähr müssen im 16. und 17. Jahrhundert auch die Piratenhäfen ausgesehen haben: Strohhüten, daneben wieder zweistöckige Steinhäuser, die vermutlich früher einmal weiß getüncht gewesen sind.

Am Hafen stürmen gleich mehrere Führer, besser Schlepper, auf mich zu. Ich entscheide mich für den, der mich zum einen nicht als erster angesprochen hat und sich vor allem an meine Forderung hielt, dass einer nach dem anderen reden soll.

Das Hotel, zu dem er mich nun bringt, liegt direkt am Hafen, eine Minute von der Hauptstraße entfernt. Ich zahle - nach kurzem Handeln - 200 Shillinge für die Nacht, muss dann aber für drei Nächte im voraus zahlen. Doch solange werde ich wohl auch bleiben.

Das mehrstöckige Lamu-Museum verschafft einen Überblick über die ehemalige Bedeutung des Archipels. Bis nach China reichten die Handelswege: Nashorn gegen Porzellan. Der Sklavenhandel hat entweder nicht stattgefunden oder wird in diesem Museum geflissentlich verschwiegen.

Lamu scheint eine streng islamische Stadt zu sein. Bei meinem Spaziergang über die kurze Strecke entlang der "Hauptstraße" fallen mir drei oder vier kleine Moscheen auf, dazu ein "Islamisches Informationsbüro". Die Frauen tragen hier auch viel häufiger den traditionellen schwarzen Umhang und einen Schleier als etwa in Malindi.

Der Guide, der mich zum Hotel brachte - ich treffe ihn zufällig wieder - zeigt mir die beiden größten Moscheen der Stadt, beide in strahlendem Weiß, mit Koransprüchen auf der Fassade - schöne Bauwerke mit einer eigenen Ästhetik.

Vor einer kleinen Bude, einer Art Imbiss, nehmen wir schließlich einen Kaffee, gewürzt mit Kardamom, die Tasse zu 50 Cent. Das ist der beste und billigste Kaffee, seit ich in Kenia bin.

Samstag, 12. Januar 1991: Lamu

Auch in der Nacht hört der Wind nicht auf zu blasen. Ich höre das Meer rauschen - und friere sogar etwas.

Beim Aufwachen am Morgen habe ich den Eindruck, dass es schon sehr spät sein müsse: Es ist 7.30 Uhr. Aber das Leben auf der Straße, dessen Lärmpegel mich voll erreicht, macht bereits einen durchaus geschäftigen Eindruck.

Ich durchstreife die Stadt, verzichte dabei auf einen Führer - was aber vielleicht gar keine so gute Entscheidung ist. Denn auch, wenn man sich in Lamu nicht verlaufen kann, man zumindest immer die Uferstraße wiederfindet - einfach da lang, wo es bergab geht - so heißt das doch nicht, dass man auch unbedingt alle anderen Punkte im Gewühl der Gassen problemlos erreicht. Die beiden großen Moscheen, die ich heute fotografieren wollt, finde ich jedenfalls nicht wieder.

Man könnte Lamu auch die Stadt der Esel nennen. Die Tiere helfen bei den zahlreichen Baustellen, sind die Reittiere der Kinder, und dennoch gibt es hier sogar so enge Gassen, daß nicht einmal ein Esel hindurchkommt.

Die Hauptstraße, auch die Basarstraße, beginnt zunächst als Dorfstraße mit Hühnern auf dem Gehweg - und genau so hört sie auch einige hundert Meter weiter wieder auf - geradezu dörflich.

Das, was sich dazwischen abspielt, hat nur wenig mit den Basars großer arabischer Städte gemein, vor allem fehlt jeder Anschein von Hektik. Und: Man geht in einen Laden, schaut sich in Ruhe um, wird von keinem Verkäufer angesprochen, der Besitzer ist mitunter nicht einmal anwesend, kommt erst später dazu.

In einem Geschäft kaufte ich ein paar alte Münzen. Während ich sie mir aussuche, ist der Eigentümer noch gar nicht in seinem Laden. Das Gottvertrauen der Leute ist schon ziemlich einmalig!

Ebenso positiv: Die Raritäten- und Andenkengeschäfte sind die absolute Ausnahme. Die meisten Geschäfte sind kleine Lebensmittelläden, Kioske, Schneidereien, auch einige Läden für Schnitzereien.

Auffallend an vielen Häusern, selbst an denen, die schon ziemlich verfallen sind: Kunstvolle Ornamente schmücken die Türpfosten, alle im arabischen Stil gehalten. Dabei sind mir bisher im Stadtbild kaum Araber aufgefallen; die Bevölkerung besteht fast ausschließlich aus Schwarzen.

Hinter der Stadt erstreckt sich das "dörfliche" Lamu: Strohbedeckte Hütten, die einen Kontrast zur "weißen Stadt" bieten.

Gegen Mittag gehe ich zum Strand; zwei Kilometer sollen es angeblich sein, vielleicht sind es auch etwas mehr.

Wenige Schritte vom Hotel entfernt liegt eine Werft für Fischerboote. Der Rumpf der kleinen Boote wird, soweit ich sehen kann, aus einem einzigen Baumstamm geschlagen.

Kurz vor dem eigentlichen Strand kommt noch ein kleines Fischerdorf. Die Häuser sind aus Stein, das Dorf wird von einer Mauer gegen die Flut umgeben.

Lamus Strand: weißer Sand, nicht sehr breit, aber lang, dahinter Dünen - und der Blick geht hinüber auf die gegenüberliegenden grün bewachsenen Inseln.

Gegen sechs Uhr treffe ich Pete, den Jungen vom Hotel. Wir trinken wieder an der gleichen Stelle wie gestern einen Kaffee, beobachten das Treiben auf der Straße.

Pete nimmt mich mit in das Haus seiner Familie; es wimmelt von Frauen und kleinen Mädchen, seinen Cousinen, Schwestern und auch Nichten. Pete erzählt von den hiesigen Heiratsbräuchen: 20.000 Shillinge muss er an die Familie der Braut zahlen, als Garantie dafür, dass er sie nicht eines Tages verstößt. Drei Jahre war Pete mit einem Mädchen befreundet; als er ihr sagte, dass er zwar für sie sorgen wolle und ihr auch ein Haus bieten könne, aber das Geld nicht habe, machte sie mit ihm Schluss.

20.000 Shillinge sind allerdings nur der Preis für eine Jungfrau; ein Mädchen, das bereits mit einem Mann zusammen war, "kostet" nur 5000 Shillinge. Aber als Moslems wollen die meisten Männer hier unbedingt eine Jungfrau heiraten.

Sonntag, 13. Januar 1991: Lamu - Malindi

Am frühen Morgen, noch vor Tagesanbruch, gehört die Sea-Road, die Hauptstraße von Lamu, ganz allein den Eseln und den Kühen.

Nur der Muezzim teilt sich mit den Tieren die Nacht. Um 4.30 Uhr höre ich ihn zum ersten mal von der Moschee rufen, um 5 Uhr dann noch einmal. Bin ich der einzige, der davon wach wird?

Das Hotel riecht nach frischem Brot. In der Bäckerei im Erdgeschoss kaufe ich sechs Brötchen für fünf Shillinge und 10 Cents, mache mich dann auf den Weg zum Hafen.

Die Esel streunen über die Straße, von ihren Herren allein gelassen, suchen sich in den Abfällen ihr Futter. Es ist noch dunkel, nur vor einem - geschlossenen - Kiosk brennt ein Licht.

Ich bin der erste an der Mole, verzehre meine Brötchen und warte, dass es hell wird.

Auf dem Schiff steht ein Mann von seinem Nachtlager auf, bittet mich um mein letztes Brötchen. Ich gebe es ihm. Der Alte war allerdings, wie sich herausstellt, kein Bettler, sondern gehört zur Schiffsbesatzung, deren Mitglieder nun alle aufstehen: Sechs Mann, der jüngste vielleicht zwölf Jahre alt. Die Besatzung schläft nachts immer an Bord.

Für 85 Passagiere, so steht auf einem Schild, ist der Kutter zugelassen. Dabei hat er höchstens 30 Sitzplätze.

Trotzdem: Die Rückreise nach Malindi wird nicht so anstrengend wie die Fahrt nach Lamu. Im Bus sind diesmal sogar noch Sitzplätze frei. Obwohl der frühe Morgen die beste Reisezeit ist, scheinen auch die Afrikaner lieber später zu fahren, trotz der drückenden Hitze, die dann herrscht.

Wir erreichen Malindi nach zwei Polizeikontrollen ohne Zwischenfälle sogar fast pünktlich gegen 12 Uhr mittags.

Den Rest des Tages verbringe ich am Swimmingpool vom Lawfords Hotel.

Montag, 14. Januar 1991: Malindi

Ich lege einen faulen Tag am Swimmingpool des Hotels ein.

Dienstag, 15. Januar 1991: Mombasa

Zwei Stunden braucht der Bus von Malindi nach Mombasa, startet sogar pünktlich um sieben, erreicht Mombasa schließlich kurz nach neun Uhr.

Am längsten dauert dabei mit einer halben Stunde immer noch die Fähre über den Voi bei Kifili. Die Brücke, die die Fahrzeit drastisch verkürzen könnte, ist immer noch im Bau.

An einer Tankstelle gegenüber dem Fleisch- und Obstmarkt ist die Endstation für den Bus. Hier grenzen Mombasa-Altstadt und das neue Mombasa aneinander - aber das werde ich erst im Laufe des Tages entdecken.

Ich folge der Hauptstraße, werde schon bald von zwei jungen - und schon am frühen Morgen betrunkenen - Prostituierten angesprochen. Der Alkoholismus scheint unter den Prostituierten hier noch fast schlimmer als Aids zu wüten. Auch die Prostituierte, die mich dann in einem Café fragt, ob sie mich begleiten dürfe, ist offenkundig nicht mehr nüchtern.

Bettler am Straßenrand gibt es auch in Malindi - aber die meisten Bettler hier haben auch noch verkrüppelte Beine. Die alte Geschichte: Kinder werden zu Krüppeln gemacht, um bessere Bettelerfolge zu erzielen.

Was auffällt: Mombasa ist eine kosmopolitische Stadt. Suaheli bestimmt zwar das Sprachgewirr in den Straßen, aber die meisten Geschäfte zeigen arabische oder indische Namen ihrer Eigentümer an.

Bei meiner Suche nach Fort Jesus gerate ich zunächst in die falsche Richtung - und die Einwohner Mombasas sind alles andere als zuverlässig beim Erklären der Wege in ihrer Stadt.

Quer über den Boulevard ermahnt ein an einer Moschee-Attrappe befestigtes Schild Autofahrer und Passanten, den Koran als "Gottes letzte Offenbarung gegenüber der Menschheit" zu lesen. Schließlich passiere ich Mombasas Wahrzeichen: Gigantische Stoßzähne, zwei Bögen über die Straße bildend.

Erfahrungen beim Handeln: In einem Straßengeschäft entdecke ich einige interessante Münzen in einer Schüssel, suche mir sechs Stücke aus. Die Verkäuferin nennt als ihren ersten Preis 2000 Shillinge. Bei drei Münzen aus der englischen Kolonialzeit handele ich sie von 60 auf 30 für alle drei zusammen herunter, 20 Heller aus der deutschen Kolonialzeit drücke ich von 300 auf 110 Shillinge, eine Mombasa-Prägung drücke ich von 350 auf 110 Shillinge. Alles in allem zahle ich also nur noch 250 Shillinge. Wie es scheint, könnte ich allen Grund haben, stolz auf mein Verhandlungsgeschick zu sein.

Weit gefehlt: Wenige Minuten darauf entdecke ich in einem Andenkenladen - mit festen Preisen - die gleichen Münzen: Im Prinzip jeweils zu dem Preis, den ich mühsam erkämpft habe. Die Mombasa-Münze kostet hier allerdings nur ganze 20 Shillinge, und das 20-Heller-Stück gibt es dutzendweise zu 150 Shillinge - dafür aber in tadellosem Zustand.

Der Hauptstraße folgend erreiche ich nun Fort Jesus, erkennbar auch an den obligatorischen Reisebussen, die vor der Burgauffahrt parken.

Der Blick vom Fort geht auf das Festland hinüber, auch die Kanonen deuten meist auf das Festland. Aus dieser Richtung fühlten sich die Portugiesen offensichtlich am meisten bedroht.

Außer dem Museum gibt es kaum etwas in den Fort, was es von gleichartigen Bauwerken abhebt. Im Museum: Schiffsimitationen, Keramiken, alte Töpferarbeiten aus Mombasas Frühzeit. Und - aus jüngerer Zeit Marken der Kolonialepochen, darunter auch ein deutsches Markenheft, bereits von Reklame verziert.

Nächste Station: Die Altstadt. Man wähnt sich, was die einzelnen Häuser betrifft, in einer verschlafenen portugiesischen Provinzstadt, an der bereits der Zahn der Zeit nagt. Trotzdem: Die höheren Balkone vor den Häusern wirken alle noch durchaus stabil.

Dieses portugiesische Bild wird von den zahlreichen kleinen Moscheen unterbrochen - und zur Mittagszeit sind auch nur noch die Frauen und Kinder auf der Straße zu sehen, während die Männer in der Moschee sind.

Im alten Hafen ist das Fotografieren verboten. Nur das Hafenmanagement erteilt eine Sondergenehmigung, die es aber nicht an der Besucherkasse - Eintritt fünf Shillinge - zu haben gibt. Fünf alte Segler, wohl Daus, haben an den beiden Stegen festgemacht; auf einem Boot sitzt die Besatzung gerade vor der Kajüte. Von buntem Hafentreiben kann hier nicht die Rede sein - am Kai hängt die Wäsche zum Trocknen aus.

Und selbst das Wasser kann hier nicht so schmutzig sein wie in modernen Großhäfen. Ein Einheimischer schwimmt seelenruhig im Hafenbecken, um sich zu erfrischen.

Vom Hafen aus durchquere ich noch einmal ohne besonderes Ziel die Altstadt. Für einen Autofahrer, der sich nicht auskennt, muss dieser Teil der Stadt ein Alptraum sein. Die Straßen sind zwar keine eigentlichen Sackgassen, aber irgendwann werden sie teilweise auch durch Häuservorbauten so eng, dass sie nur ein einzelner Fußgänger noch passieren kann. Aber auch der wird behindert durch die herumhängenden Wäscheleinen.

Eher zufällig endet mein Rundgang durch die Altstadt an der Stelle, an der ich in Mombasa aus dem Bus gestiegen bin, an der Haltestelle gegenüber dem Markt. Das eigentliche Marktleben spielt sich aber nicht in den beiden Gebäuden, sondern in den umliegenden Straßen ab. Meist Frauen sitzen auf dem Bürgersteig, bieten ihre Ware an, die entweder in einem Korb oder auf einem einfachen Stück Stoff liegt. Gehandelt wird hier ausschließlich mit Gemüse, Obst und Gewürzen.

In der Kenyatta-Road, eine der Hauptstraßen, finde ich schließlich den allgemeinen Taxistand und den Busbahnhof. Nur der Bus nach Malindi startet natürlich ein einer anderen Stelle!

Für die Rückfahrt nehme ich nicht wie auf der Hinfahrt den Tana-River-Express, sondern den Malindi-Bus. Die Fahrt dauert eine halbe Stunde länger, die Sitze sind etwas unbequemer, aber dafür ist das ganze auch fünf Shillinge billiger. Ich habe den Eindruck, dass der Malindi-Bus auch eine andere Route nimmt: Jedenfalls sind mir auf dem Hinweg die Musterdörfer, bestehend aus schmucklosen Steinbauten und endlosen Feldern mit geraden Wegen dazwischen, nicht aufgefallen. Jeweils am Dorfende fängt gleich an der Straße der Urwald wieder an.

In Kifili beobachte ich einen Marktjungen, der sich ein Shilling-Stück ins Ohr gesteckt hat. Den Kopf als Aufbewahrungsort zu nehmen, scheint eine afrikanische Spezialität zu sein: Ständig sieht man vor allem Männer, die sich einen Kugelschreiber ins Kraushaar stecken.

Mittwoch, 16 Januar 1991: Malindi-Marine-National-Park

Drei Stunden sind für den Schnorchelausflug mit dem Glasboot veranschlagt, jeweils eine halbe Stunde dauert die Fahrt zum Marine-National-Park beziehungsweise wieder zurück. So bleiben nur zwei Stunden fürs Schnorcheln.

Das Glasboot - nur ein winziger Teil des Rumpfes ist aus Glas, nicht so groß, dass man tatsächlich etwas sehen könnte - bringt uns zum Riff, dass jetzt, wir haben gerade Ebbe, nicht einmal einen Kilometer mehr vom Ufer entfernt liegt. Mit Brotkrumen werden die ersten Fische angelockt.

Zebrafische stellen die Mehrheit der Riff-Bewohner dar. Ich weiß nicht, wie sie wirklich heißen, aber etwa handgroß sind sie gestreift wie Zebras. Menschlichen Berührungen weichen sie geschickt aus.

Etwas tiefer liegt die Domäne der größeren Fische, etwa einen Unterarm lang, bläulich, lila, fast alle Farben sind vertreten.

Es gibt beinahe so etwas wie unterschiedliche "Landschaftsformationen": Die Wüste für den unbewachsenen Sandboden, das Gebirge für die Korallen und der Dschungel, der algenbewachsene Teil. Die Korallen haben die absonderlichsten Formen, eine beispielsweise sieht aus wie eine Riesenmuschel oder auch ein explodierender, nun auf einer Seite offener Vulkan mit einem Kraterdurchmesser von drei Metern.

Nach dem Schnorcheln unternehmen wir noch einen Abstecher zur Sandbank, die jetzt wie eine winzige unbewachsene Insel über dem Wasser liegt. Ein einsamer winziger Krebs ist der einzige Bewohner, den wir zu sehen bekommen.

Ich weiß nicht, woran es liegt, aber das Lebensprinzip eines Riffs - fressen und gefressen werden - haben wir nicht zu Gesicht bekommen; der Schnorchelausflug vermittelte vielmehr ein trügerisch-friedliches Bild vom Nebeneinander der unterschiedlichsten Lebensformen.

Gegen 14 Uhr sind wir zurück im Hotel, den Rest des Tages verbringe ich am Swimmingpool.

Donnerstag, 17. Januar 1991: Malindi

Den letzten Tag beginne ich mit einem Einkaufsbummel. Allerdings: Das Angebot ist in allen Geschäften gleich groß, die wirkliche Auswahl an Verschiedenartigem gering und die Preise letztlich überall gleich.

Ein Ring, Silber mit Goldauflage, zwei Steine, ist mit 950 Shillingen ausgepreist. Ich sage, das wäre mir zu teuer, die Verkäuferin erklärt, daß sie für Ringe ohnehin einen Preisnachlass von 50 Prozent gibt, das Stück also nur 475 Shillinge kostet. Schließlich handle ich sie auf 445 Shillinge herunter.

Bei zwei Münzen in einem anderen Geschäft - darunter ein Zweieinhalb-Anna-Stück der britischen Ostindien-Gesellschaft, ist der abgehandelte Nachlass nicht so gravierend: Von 300 drücke ich den Gesamtpreis auf 250 Shillinge,

Bei einem Inder entdecke ich schließlich ein wirklich ungewöhnliches Stück: Die hölzerne Imitation eines verzierten Fensters, etwa so, wie die Fenster in manchen Häusern von Lamu oder Mombasa aussehen. 1390 Shillinge beträgt der ausgeschriebene Preis, dann übernimmt der Chef selbst die Verhandlungen. Für 1000 Shillinge ist das Stück schließlich meines.

Schließlich gehe ich noch einmal auf den großen Markt, diesmal zur größeren Holzschnitz-Manufaktur. Im Verkaufsraum das Angebot wie überall: Masken, Speere, Massai-Stäbe, Arbeiten in Speckstein, vom Nilpferd bis zum Schachspiel.

Was Souvenirs betrifft, habe ich aber schon alles, was ich wollte.

Den Rest des Tages liege ich noch einmal in der Sonne.

Am Abend mache ich noch mit Evelyn einen Spaziergang in die Stadt. Wir sehen uns zunächst noch einmal die Moschee mit dem Friedhof davor an.

Über den Gräbern grast eine Ziege. Ich will das ganze fotografieren, aber ein zehnjähriger Junge setzt sich vor die Kamera, will anscheinend mit aufs Bild. Dann fordert er aber zehn Shillinge, die ich ihm jedoch verweigere. Er verschwindet, kommt dann wieder, als ich gerade ein weiteres Foto machen will, erzählt etwas von seinem Vater, und will immer noch zehn Shillinge. Schließlich erscheint ein erwachsener Afrikaner und erklärt, dass wir hier nicht fotografieren dürften.

Am Hafen hat sich eine Menschenmenge versammelt. Ein Jeep voller Zivilisten, bewaffnet mit Maschinenpistolen, kommt an, die Männer steigen aus.

Ein Einheimischer zeigt uns das Boot, das im Hafen liegt. Die ersten somalischen Flüchtlinge sind in Malindi gelandet. Die Flüchtlinge, etwa 30 bis 40 werden es sein, sind alles Männer, einige kamen sogar mit Koffern. Es sieht so aus, als hätten sich einige somalische Regierungsbeamte gut organisiert ins Nachbarland abgesetzt. Wenig später kommt ein größerer Fischkutter mit Dutzenden von Menschen an Deck, ihm folgt in einiger Entfernung ein weiteres Schiff. Der somalische Bürgerkrieg hat Kenia, diese scheinbare und relative Wohlstands- und Ordnungsinsel in Ostafrika, an meinem letzten Reisetag erreicht.

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