Eine Nil-Kreuzfahrt von Luxor mit Karnak-Tempel und Luxor-Tempel über Esna, Edfu und den Horus-Tempel, Kom Ombo mit dem Tempel des Sobek, Assuan, dem Isis-Tempel von Philae und Abu Simbel, einem Sinai-Urlaub in Sharm el-Sheik an der Na'ama Bay mit Mosesberg und Katharinenkloster

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Ägypten: Luxor, Assuan, Sharm el-Sheikh – zwischen Nil und Sinai

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Säulen und Obelisken im Amun-Tempel von Karnak 

Der Luxor-Tempel, gewidmet der Göttin Mut, Amuns Gemahlin

Ein kleines Dorf am Ufer des Nil - südlich von Luxor

Morgendämmerung am Nil-Ufer, gesehen bei Edfu

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Kom Ombo, der Doppeltempel des Sobek und des Haroeris

.Im Hafen von Assuan - mit Blick auf Elephantine

Abu Simbel: An den Felstempeln des Pharao Ramses II 

Der Tempel der Hatschepsut in Theben-West

Das Katharinenkloster auf dem Sinai, ältestes christliches Kloster 

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Steilküste vor Sharm el-Sheik - und seinen Tauchplätzen

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Beschriebene Orte und Sehenswürdigkeiten: Luxor mit Karnak-Tempel und Luxor-Tempel, Esna, Edfu und der Horus-Tempel, Kom Ombo, Assuan und der unvollendete Obelisk, Philae, Assuan-Damm. Old Cataract Hotel, Abu Simbel, Kitchener-Insel (Assuan), Theben-West (Luxor) mit Hatschepsut-Tempel, Tal der Könige, Kurna, Tempel von Ramses III, Memnon-Kolosse, Sharm el-Sheik mit Na’ama-Bay und den Tauchplätzen Hausriff, Ras Caty, Middle Garden, Tempel, Near Garden, dem Old Market, Gebel Musa (Mosesberg), Katharinenkloster

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Donnerstag, 18. März 2004: Luxor

Gegen 9.30 Uhr waren wir aus München abgeflogen, gen 14.00 Uhr MEZ, 15 Uhr Ortszeit, landen wir in Luxor. Die Landschaft wechselt abrupt: Von nackten kahlen Bergen geht es fast ohne Übergang über grüne Felder mit winzigen Dörfern in ihrer Mitte, bis wir schließlich zur Landung ansetzen.

Das Flughafengebäude des International Airport von Luxor ist einem Zelt nachempfunden – und tatsächlich hat es auch etwas von einem Provisorium an sich. Irgendwie scheinen die meisten Maschinen fast gleichzeitig anzukommen, aber es gibt nur zwei Gepäcklaufbänder, an denen dann auch das entsprechende Gedränge herrscht.

Die letzte Station der Einreise: Ein Grenzbeamter will mein Visum gegenzeichnen, wo doch vor mir die anderen Ankömmlinge ohne seine persönliche Unterschrift auskommen mussten. Aber natürlich hat er keinen Kugelschreiber, benötigt also meinen – und möchte den nun gerne behalten. Das kann er aber nicht, was er nun ziemlich schade findet.

Luxor erscheint bei der Anfahrt vom Flughafen zunächst als eine dörfliche Oase, wobei schwer auszumachen ist, ob es sich bei den lehmummauerten Bauten um Stallungen oder um die Unterkünfte der hier lebenden Menschen handelt. Allmählich wird die Bebauung dichter, haben wir die Stadt Luxor erreicht.

Die Anlegestelle der Kreuzfahrtschiffe liegt gleich gegenüber dem Museum von Luxor, und endlich können wir an Bord der MS Pascha einchecken.

Laut Prospekt haben wir eine Suite mit 28 Quadratmetern und eigener Terrasse: In der Praxis ist die eigene Terrasse das Deck vor unserer Kajüte, und bei den 28 Quadratmetern muss dieser Teil des Decks wohl mit gerechnet worden sein. Aber immerhin gibt es ein wirklich großzügiges Sonnendeck mit Swimmingpool, und das Essen an Bord lässt zumindest beim ersten Abendessen nichts zu wünschen übrig. Glück auch: Vier Boote haben nebeneinander angelegt, unsere Pascha am äußeren Rand. So müssen wir zwar, um an Bord zu kommen, alle anderen Schiffe durchqueren, haben aber von unserer „Terrasse“ einen ungetrübten Blick auf den Nil und die Hügelketten von Theben-West, dem Tal der Könige.

Nach dem Abendessen unternehmen wir noch einen kurzen Landgang: An der breiten, hell beleuchteten Strandpromenade stehen – außer Polizeistation, Rathaus oder Gericht – nur noch die größeren Hotels, die von der Uferpromenade abführenden Straßen sind vor allem Marktgassen mit den üblichen Souvenirshops. Doch es gibt hier mehr Markthändler als Touristen.

Freitag, 19. März 2004: Luxor mit Karnak- und Luxortempel, Esna

Eine der neuen Attraktionen von Luxor: Ballonfahrten über dem Tal der Könige. Morgens gegen 6 Uhr schweben nun etliche dieser Ballons schon aufgeblasen in geringer Höhe über ihren Ankerplätzen, noch auf ihre Gäste des Tages wartend.

Unser frühes Ziel ist der Karnak-Tempel, im Norden von Luxor gelegen, der Tempel des Gottes Amun, 260.000 Quadratmeter Tempel, der vermutlich größte Tempel der Welt, die ewige Baustelle des ägyptischen Neuen Reiches und Arbeitsplatz von geschätzt 82.000 Priestern. Es hieße, so sagt unser Reiseführer Hischam, man würde sechs Monate benötigen, um Karnak in all seinen Einzelheiten kennen zu lernen. Wer diese Zeit nicht hat, solle sich wenigstens eine Woche nehmen. Wir haben gerade zwei Stunden, nicht viel mehr Zeit, um sich zumindest von der einmaligen Monumentalität der Anlage beeindrucken zu lassen.

In meiner Erinnerung an meinen ersten Besuch des Tempels 1986 lag Karnak noch außerhalb von Luxor, bestand der Ort Karnak aus einigen kleinen Lehmhäusern. Nun ist Luxor bis an den Karnak-Tempel herangewachsen, machen sich neben dem Busparkplatz die Andenkengeschäfte, kleine Fotoläden und ähnliches breit. Doch das Dorf ist immer noch erkennbar: Über den Busparkplatz marschieren die Ziegen.

Über die „Widder-Allee“ geht es nun durch das mächtige Eingangs-Portal, den ersten Pylon, in das Innere der Anlage. Gemessen an der Wucht der Pyramiden von Gizah mögen diese Pylone „klein“ erscheinen, aber zum einen gibt es hier weit und breit keine Pyramiden, zum anderen ragen diese Pylone, bedeckt mit Reliefs, direkt steil nach oben, so dass sie den Pyramiden kaum nachstehen. Und an diesen Eingans-Pylonen von Karnak sieht man, dass sie nach der gleichen Technik wie die Pyramiden gebaut wurden. Eine Rampe, die immer höher gezogen wurde, führte an die Baustelle heran; hatte der Pylon seine vorgesehene Höhe erreicht, begann man von oben mit den Reliefarbeiten, wurde die Rampe wieder Meter für Meter abgetragen. Weil die Eingangs-Pylone von Karnak nie fertig gestellt wurden, stehen hier auch noch die Reste dieser Rampe.

Angesichts der Pylone wie auch der Säulen, zwischen 13 und 23 Meter hoch, den „Papyrussäule“ mit ihrem Umfang von bis zu zehn Metern, jede einzelne von ihnen mit Darstellungen aus der Welt der Götter und des Pharao, wirkt hier selbst der mächtigste Obelisk geradezu filigran. Durch die Säulenhallen, denen nun das Dach und wohl auch die Außenmauer fehlt, so dass man links und rechts in die Landschaft sehen kann, laufen wir zum viereckig angelegten heiligen See, an dem die Zuschauertribünen für die abendlichen Ton-Licht-Shows aufgebaut wurden. An diesem See steht die große Skulptur eines Skarabäus, dem die Ägypter die Rolle eines Fruchtbarkeitsgottes zuwiesen. Eine Frau, die drei mal um die Skulptur herum gehe, würde, so berichtet Hischam von dem alten Glauben, mit Sicherheit schwanger.

Bei einem Kaffee unterhalten wir uns etwas intensiver mit unserem Reiseleiter. Hischam lebt eigentlich in Kairo, hat Germanistik studiert, war auch schon in Deutschland zu Besuch, kennt Europa sicherlich besser als 99 Prozent seiner Landsleute. Für islamistische Terroristen hat er erklärtermaßen nicht die geringste Sympathie, hält sie für Feinde des Islam. Aber das Attentat von Madrid, das war seiner Meinung nach – oder nach Darstellung der ägyptischen Medien? – eben kein Attentat der El Kaida, die in Wahrheit schwach und fast am Ende sei, sondern das Werk der ETA, so, wie hinter dem Attentat von Luxor eben auch nicht die Moslembrüderschaft stecke, sondern der amerikanische Geheimdienst, der auf diese Weise Ägypten schwächen wollte. Schließlich sei Ägypten das einzige Land der arabischen Welt, das zwar Frieden mit Israel geschlossen hat, aber stark genug wäre, Israel zu widerstehen. Ägyptische Sichtweisen scheinen sich fundamental von europäischen Sichtweisen zu unterscheiden.

Am Luxor-Tempel, dem „Frauenhaus“ des Tempels von Karnak, gewidmet Amuns Frau Mut, erteilt uns Hischam eine Lektion in Sachen Massenmedien des Altertums. Der Pylon des Luxor-Tempels mit seinen Darstellungen der Hethiter-Kriege von Ramses II, den Darstellungen des siegreichen Feldherren, war eben ein solches Massenmedium des Altertums. Und weil es schon damals mitten in der Stadt stand, vermittelte es den Bewohnern des antiken Theben jeden Tag die Allmacht ihres Pharao, sollte aber eben so in der Stadt weilende Ausländer davon abhalten, in ihren Heimatländern Ägypten als leichte Beute darzustellen.

Eine wohl einmalige Besonderheit des Luxortempels, kleiner, aber nach dem gleichen System wie der drei Kilometer entfernte Karnak-Tempel angelegt, ist die Moschee, die in seinem Inneren auf den Ruinen des alten Tempels angelegt wurde. Deren Minarett, obwohl selbst nicht besonders hoch, überragt nun Säulen und Statuen.

Im hintersten Schrein des Luxor-Tempels schließlich hat sich Alexander der Große nach seiner Eroberung des Landes am Nil verewigt, weisen ihn seine Kartuschen als den neuen Pharao aus.

Nach dem Besuch des Luxor-Tempels geht es mit dem Bus nun noch einmal Richtung Karnak, wo wir ein Papyrus-Museum, besser gesagt, ein größeres Papyrusgeschäft besuchen.  Auf dem Weg dahin passieren wir einige Ausgrabungsfelder er einstigen Widder-Allee, der mit Widderstatuen geschmückten Verbindungsstraße zwischen Karnak und Luxor-Tempel, Ausgrabungsfelder, auf denen nun Kinder Fußball spielen oder die Ziegen weiden. In Karnak selbst sieht man dann auch wieder, wie verschiedene „Dorfplätze“ statt eines Denkmales aus jüngerer Zeit durch eine antike Mauer oder eine Säule geschmückt sind.

Im Papyrusmuseum erfahren wir zunächst, wie das Papyrus aus der gleichnamigen Pflanze mit dem grünen, dreieckigen Stängel gewonnen wird. Zunächst einmal wird die Haut von dem Stängel abgeschnitten. Die ist ein äußerst festes Material, das von den alten Ägyptern beispielsweise zu Sandalen verarbeitet wurde. Das weiße „Fleisch“ nun wird beispielsweise mit einem Nudelholz gepresst und entwässert, danach allerdings für mindestens sechs Tage wieder gewässert. Das setzt die Klebstoffe frei, die man benötigt, um die schmalen Papyrusstreifen fest aneinander zu kleben. Das feuchte Blatt, das man dabei formt, wird wieder für mindestens sechs Tage unter einer Presse gehalten. Will man statt des üblichen hellen Papyrus einen dunkel gefärbten, dauert sowohl Wässern wie Pressen um einiges länger als diese Mindestfrist von sechs Tagen.

Gegen 11 Uhr vormittags sind wir wieder an Bord der Pascha, legen ab zu unserer Tour Richtung Süden mit der Esna-Schleuse als erstem – erzwungenem – Haltepunkt.

Östlich und westlich des Flusses wird das grün blühende Nil-Tal begrenzt durch nicht sehr hohe, aber schon kahle Hügelketten, die Flussufer sind bei den meisten Dörfern geschützt Mauerwerk. Treppen führen dann zu den Plattformen am Wasser, wo mitunter Kinder baden oder Frauen Wäsche spülen. Ab und an passieren wir kleine Inselchen, auf denen Kühe grasen. Kein Quadratmeter fruchtbaren Bodens bleibt ungenutzt.

Die Kreuzfahrtschiffe fahren im Konvoi, was sie aber nicht daran hindert, auf dem Weg zur Esna-Schleuse sich ein regelrechtes Rennen zu liefern, wobei die Pascha immer wieder von anderen Schiffen überholt wird. Nur zwei Schiffe passen gleichzeitig in die Schleuse, das Schleusen dauert jeweils etwa eine halbe Stunde, und wer zuerst kommt, schleust eben auch zuerst.

Wir erreichen Esna zwar noch vor 18 Uhr, aber weil uns nun einmal etliche andere überholt haben, ist nun also Warten angesagt. Die Händler der Stadt dürfen mit ihren Waren die Schiffe zwar nicht betreten, kommen aber nun auf ihren kleinen Booten, beladen mit Tüchern und Gelabas, der traditionellen Tracht, die von den Touristen immer wieder gern gekauft wird, heran, präsentieren vom Boot aus ihre Ware, die sie dann, verpackt in einem Plastikbeutel gezielt auf die zehn oder 15 Meter höher liegenden Decks der Touristenschiffe werfen. Die Touristen, die bei Nichtgefallen die Beutel wieder herunterwerfen, sind zwar nicht so geschickt und manches Stück landet dabei nun im Wasser, wird aber gleich wieder herausgefischt, und das nächste Stück fliegt im hohen Bogen nach oben. Hat sich ein Schiffspassagier zum Kauf entschlossen, legt er das durch Rufen und Gebärden vereinbarte Geld, für eine Gelaba läuft das in der Regel auf fünf Euro hinaus, einfach in einen Sack mit einem anderen Textil und wirft es so wieder hinunter.

Gegen zehn Uhr passieren wir die Schleuse. Die ist so eng, dass die dicken LKW-Reifen, die links und rechts vom Schiff hängen, immer wieder gegen die Schleusenmauern scheuern. Vor uns steht bereits ein anderes Schiff in dem Schleusenkanal, so dass die ganze Passage buchstäblich zur Millimeterarbeit wird, wobei die Schleusenarbeiter durch das Ziehen der Taue zur Präzision beitragen.

Hinter der Schleuse legen wir an einer Kaimauer an. Allerdings werden wir nicht die Nacht in Esna verbringen, sondern schon bald wieder weiter in den Süden fahren.

Samstag, 20. März 2004: Edfu – Kom Ombo

Die Ansage, heute könnten wir ausschlafen, muss relativ gesehen werden: Statt um 5.45 Uhr ist die Weckzeit heute 6.00 Uhr früh. Vor uns liegt eine einsame Feluke – und der Morgen ist noch diesig und vor allem auch sehr frisch. Doch schon um sieben Uhr sollen wir uns auf den Weg zum Horus-Tempel von Edfu machen.

Dafür nehmen wir diesmal einspännige Kutschen, jede mit vier Reisenden besetzt. Am Kai herrscht ein unübersichtliches Gedränge von Kutschen und Touristen, doch irgendwie gelingt es dem Reiseleiter jeder Gruppe – es müssen sich wieder einmal alle Gruppen aller am Kai liegenden Schiffe fast gleichzeitig auf den Weg machen – seine Leute ordentlich unter zu bringen.

Die meisten Einwohner von Edfu sind bereits dunkelhäutiger als etwa die Bewohner von Luxor: Wir nähern uns allmählich Nubien. Auch unser Kutscher, begleitet von seinem vielleicht zehnjährigen Sohn, der immer wieder das Gespräch auf das erhoffte Bakschisch bringt, ist dunkelhäutig. Wobei der Sohn hier allerdings Pech hat: Alles Bakschisch, was während unserer Kreuzfahrt durch uns verteilt werden könnte, ist mit einer Pauschale von fünf Euro täglich bereits beim Reiseleiter abgegeben, der nun für uns die Verteilung regelt.

Die Geschäftsleute von Edfu haben sich auf die frühen Besucher des Horus-Tempels eingestellt. Die Läden sind geöffnet, und vor allem in der direkt zum Tempeleingang führenden Straße werden auf jedem Meter Gelabas, Wasserpfeifen, Papyrus und Keramiken feil geboten.

Der Horus-Tempel, ein Bauwerk aus der ptolomäischen Periode, angeblich der am besten erhaltenste Tempel Ägyptens, liegt praktisch mitten in der Stadt. Betritt man das Tempel-Areal, erblickt man als erstes die mächtige rückwärtige Wand des Bauwerkes, verziert mit überdimensionalen Reliefs des Pharaos. An der Außenmauer vorbei geht es nun zu dem Tempeleingang, wieder mit dem Pylon, diesmal mit Darstellungen eben des ptolomäischen Pharaos, der mit dem Bau begonnen hatte. In der unteren Hälfte finden sich Darstellungen von dem Pharao, der seine Feinde packt und mit einer Keule erschlägt, darüber dann derselbe griechischstämmige Pharao bei der Verehrung der ägyptischen Gottheiten. Links und rechts des Tempeleingangs stehen zwei Falkenskulpturen, über dem Eingang prangt das Relief einer geflügelten Sonne, wobei die Flügel von Schlangen gebildet werden.

In den 30-er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde der Horus-Tempel von Edfu frei gelegt – wobei die Häuser der Einheimischen damals unmittelbar bis an den Pylon reichten. Auch heute reichen die einfachen, aber teilweise bunt bemalten Häuser bis an die Außenmauer der Tempelanlage, die allerdings um einige Meter unter dem Niveau der modernen Stadt liegt. So scheint es, als wäre dieses Viertel der Stadt nun auf einem Hügel oberhalb des Tempels.

Die Papyrussäulen im Inneren des Tempels und die Wände zeigen wieder die Darstellung des Pharaos, des Horus – wobei die Figuren im unteren Bereich herausgekratzt wurden: Spuren frühchristlicher Bilderstürmer, die in der Anlage eigentlich, so die Geschichtsschreibung, Schutz vor Verfolgung suchten. Schutz in den Mulden der Säulen suchen aber immer noch einige Spatzen, die hier im Tempel ihre Nester gebaut haben.

Den Horus-Tempel in aller Ruhe zu durchqueren muss ein einmaliger Genuss sein, den der normale Reisende aber kaum erleben kann. Das Menschengewimmel in den Tempelgängen ist so dicht, dass man beinahe Platzangst bekommen könnte.

Das bringt vermutlich nicht nur uns eine halbe Stunde Verspätung ein, die später dazu führen wird, dass wir nicht wie geplant um 16 Uhr, sondern erst kurz vor 17 Uhr am Tempel von Kom Ombo eintreffen werden.

Nach 11 Uhr jedenfalls verlassen wir nun Edfu. Kleine Städte oder größere Dörfer werden allmählich selten. Und der exakte Verlauf des Nil-Ufers ist auch nicht mehr so einfach auszumachen. Natürlich gibt es auch immer wieder die kleinen Inseln mitten im Fluss, aber fast faszinierender sind die Felder, die fast im Wasser zu stehen scheinen, bei denen man nicht ausmachen kann, ob sie noch zum Land oder schon zum Fluss gehören. Knie- oder manchmal brusthoch waten hier Bauern oder Fischer durch das Wasser, nur wenige Meter von der Fahrrinne unseres Schiffes entfernt, und auf einem dieser sonderbaren Landflecken, fast völlig vom Wasser umgeben, sieht man ein Fahrrad stehen, gleich neben dem im Wasser schwimmenden Boot.

Gegen 14 Uhr passieren wir eine Stelle, an der die kahlen Sandsteinhügel der Wüste bis unmittelbar an den Fluss reichen. Gleich über dem Wasser liegen dicht beieinander etliche Höhlen, die auch gut als Wohn- oder Grabhöhlen gedient haben könnten. Ein sakraler Ort scheint dies schon gewesen zu sein. An einer Stelle ist in den Fels die Andeutung eines säulengestützten Tempels gemeißelt.

Erst nach 16 Uhr gelangt Kom Ombo in Sicht – und schon weitem erhebt sich der Doppeltempel des Sobek und des Haroeris über die Schlaufe, die der Nil hier zieht.

Von unserer Anlegestelle den wieder aus ptolomäischer Zeit stammenden Tempel des Krokodilgottes und des Falkengottes in einem etwa zehnminütigen Spaziergang den Hügel hinauf. Und so, wie der Tempel vom Nil aus gesehen alles überragt, so hat man vom Tempel aus den fast ungetrübten Blick über die Nilschlaufe unter uns. In der antiken Zeit war dies die Heimat der Krokodile – weswegen das Krokodil auch zur lokalen Gottheit von Kom Ombo aufstieg. Der Aufschwung der Stadt, den sie laut Hischam vor allem dem Handel mit Elefanten verdankte, machte es aber für die Priesterschaft erforderlich, den Tempel auch für die auswärtigen Händler attraktiv zu machen. Deshalb stellte man zu Sobek nun den Gott Haroeris, die griechische Version von Horus.

Neben den Darstellungen des Krokodilgottes macht uns Hischam vor allem auf zwei besondere Reliefs aufmerksam. In einer Kammer findet sich der komplette Kalender eines Jahres, wobei für jeden Tag – auch das ägyptische Jahr hatte schon 365 Tage, kannte aber kein Schaltjahr – genau verzeichnet ist, welche Opfergaben die Gottheiten erwarten.

Und zu diesen Opfergaben, das belegt ein anderes Relief, zählten auch medizinische Geräte, Pinzetten, Skalpelle und andere Instrumente, wie sie teilweise auch heute noch in Gebrauch sind. Die ägyptischen Priester waren schließlich auch Wissenschaftler, hatten auch Mediziner in ihren Reihen.

Die eigentliche Besonderheit des Tempels von Kom Ombo sind aber die drei mumifizierten Krokodile, die wie schlafend in zwei Vitrinen in einem eigenen Quergebäude liegen. Vielleicht waren es ja auch junge Tiere, die hier für die Ewigkeit präpariert wurden – aber eine besonders furchterregende Größe hatten sie zu Lebzeiten jedenfalls nicht erreicht.

Tücken des Nil: Kurz nach dem Ablegen setzt die Pascha wohl auf einer Sandbank auf und landet mit dem Bug am Ufer. Es dauert eine ganze Weile, bis wir wieder Fahrt machen können.

Sonntag, 21. März 2004: Assuan und Philae

Aufwachen in Assuan: Die Pascha ankert an der Corniche, der Uferpromenade, gegenüber dem nördlichen Teil der Elephantine-Insel, mit Blick auf die antiken Höhlengräber, die weiter nördlich auf der gegenüberliegenden Nil-Seite liegen. Auf einem kleinen Felsen haben die Möwen einen idealen Platz gefunden, im Süden kreuzen die Feluken.

Unser erstes Tagesziel, zu dem wir um sieben Uhr früh aufbrechen, ist der unfertige Obelisk, der sich immer noch in seinem Granitsteinbruch – nun mitten in der Stadt – befindet. Auf dem Weg dorthin passieren wir einen alten islamischen Friedhof, wo neben einfachen Steingräbern einige aus Lehm gebaute, inzwischen aber schon weitgehend zerfallene Mausoleen stehen, errichtet im Stil von kleinen Moscheen.

Von dem altägyptischen Steinbruch ist nichts geblieben als eben der halb heraus geschlagene Obelisk, der nun für immer in seinem schrägen sich von oben nach unten neigendem Grab liegt, eine massive Säule von über 40 Metern lange Säule, an ihrer Unterkante immer noch an den sie umgebenden Granit gebunden.

Pharaonin Hatschepsut wird als Auftraggeberin für diesen Obelisken vermutet: Die Schriften besagen, dass sie den größten Obelisken errichten lassen wollte, doch kein einziger Obelisk konnte ihr tatsächlich zugewisen werden.

Klettert man den Fels hoch, wird klar, warum man sich hier das herauslösen des schon halb gewonnenen Blocks sparen konnte. Von der Spitze des Obelisken zieht sich ein Riss in den unteren Bereich. Der Block wäre beim weiteren Herausschlagen, spätestens aber beim Aufrichten zerbrochen.

Dies muss Jahre vergeblicher Arbeit bedeutet haben. Neben dem Obelisken liegen in einer Mulde kleine Brocken schwarzen Pyritgesteins, das Werkzeug, mit dem der Obelisk aus dem Fels geschlagen wurde. Die Mulden, die man damit nach und nach um den gewünschten Block schaffen konnte, wurden täglich aber höchstens einen Zentimeter tiefer. Schneller kam man mit diesem Werkzeug nicht voran. Wäre der Granitblock, den man hier gewinnen wollte, einwandfrei gewesen, hätte man aber nur noch die längsseitige Unterkante lösen müssen.

Mit dem Bus geht es nun weiter zur Schiffslegestelle, dann mit einem Motorboot über den Nasser-See zur Tempel-Insel Philae. Diese Zielangabe ist allerdings nicht korrekt: Streng genommen laufen wir die Insel Agilkia an, jene Insel, auf der der Isis-Tempel von Philae originalgetreu wieder aufgebaut wurde, weil das antike Philae nach dem Bau des Hochdammes vom Nasser-See überflutet wurde.

Auch der Isis-Tempel stammt aus der Periode der Ptolomäer, verfügt über zwei noch völlig intakte Pylone, hat einen Säulensaal wir die Tempel, die wir zuvor schon gesehen hatten, wirkt aber alles in allem nicht so wuchtig, strahlt eher einen Hauch von Leichtigkeit aus, was aber auch an seiner Insellage zugeschrieben werden könnte.

Wie auch in Edfu haben sich im Isis-Tempel von Philae die christlichen Bilderstürmer zu schaffen gemacht – wobei der Isis-Tempel aber nicht so sehr als Zufluchtsort, sondern vorübergehend als christliche Kirche diente. Wie in Edfu sind im unteren Bereich der Säulen und Wände die Götter-Darstellungen herausgekratzt, hier aber noch durch christliche Symbole ersetzt worden. Neben dem Malteserkreuz findet man so vor allem das koptische Kreuz, wobei dieses Kreuz sich orientiert an dem geschwungenen Lebenszeichen der altägyptischen Religion.

Der alte Damm von Assuan, gebaut schon Ende des 19. Jahrhunderts, erscheint heute mehr als eine lange Brücke, aber auch der neue Hochdamm, wesentlich breiter und natürlich auch massiver als der alte, wirkt aus der Nähe längst nicht so imposant, wie man ihn sich vorgesellt hat. Klar: Die über hundert Meter Höhe kann man schließlich auch nicht sehen, da das meiste davon unter Wasser liegt. So halten die Touristenbusse an einer Aussichtsplattform auf der Straße, die über den Staudamm führt, und nach Süden blickt man nun auf den scheinbar unendlich langen und etliche Kilometer breiten Nasser-See mit mehreren kleinen Inseln in seiner Mitte, nach Norden auf den Nil, der hinter dem Damm ruhig weiter fließt, als habe er die von Menschenhand gesetzte Unterbrechung seines Laufes gar nicht bemerkt.

Hischam ist der festen Überzeugung, dass der Assuan-Damm für Ägypten nur Positives gebracht habe, dass das moderne Ägypten ohne den Damm gar nicht existieren könne. Die Umweltprobleme wie etwa die Folgen des ausbleibenden Nilschlammes würden nur in deutschen Büchern existieren. In Europa sei man eben verärgert, dass Ägypten den Bau in der Zeit des Kalten Krieges von der Sowjetunion habe durchführen lassen und nicht durch ein westliches Land. An die Freundschaft von Nasser-Ägypten und der Sowjetunion erinnert jedenfalls noch immer das von Ähre und Zahnrad geschmückte Denkmal im Stil des späten sozialistischen Realismus, das nun den Damm schmückt.

Unsere letzte Station des Vormittages ist eine Parfümerie, verteilt auf drei Stockwerke in einem Gebäude am Rande der Stadt. Assuan ist schließlich Zentrum des Gewürzhandels, und Hölzer, Blumen wie auch Gewürze sind die Grundlage der Essenzen, aus denen das Parfüm gewonnen wird. So erfahren wir immerhin, dass auch die berühmten Duftmarken von Chanel oder Davidoff nichts anderes als eine mit Wasser oder Alkohol durchgeführte Verdünnung jener Essenzen ist, die wir hier für wenige ägyptische Pfund kaufen könnten.

Am frühen Nachmittag – mein Fotoapparat hat seinen Geist aufgegeben, und ich bin auf der Suche nach einer Ersatzkamera – gelangen wir auf den Basar, der die Parallelstraße zur Uferpromenade bildet, also auch für Kreuzfahrtgast ohne Führer innerhalb weniger Minuten zu erreichen ist. Zwar sieht man auch in den Nebengassen Basarbetrieb, aber der eigentliche Basar spielt sich doch in dieser einen Straße ab.

An einer Ecke werden in einer Bäckerei Brote über offenem Feuer gebacken, dann von den Männern auf großen Tabletts zu den umliegenden Kunden ausgetragen, und auch, wenn sich hier natürlich die Andenkenhändler mit dem üblichen Kunsthandwerk breit machen, so ist doch der ursprüngliche Charakter des Basars mit dem Schwerpunkt Gewürze immer noch erkennbar.

Das Old Cataract Hotel, der Schauplatz unter anderem von Agatha Christies „Tod auf dem Nil“, liegt einige hundert Meter südlich von unserer Anlegestelle, in der Nähe der koptischen Kathedrale, gleich neben einem hübschen Park – und vor allem gegenüber dem südlichen Zipfel der Insel Elephantine.

Am Eingangstor weist ein Schild allerdings darauf hin, dass heute die Besucherkarten alle ausverkauft wären. Während wir noch beratschlagen, was wir noch unternehmen, kommt der Wachmann aus seinem Häuschen, fragt, aus welchem Land wir kommen, und schließlich bietet er an, telefonisch nachzufragen, ob er uns nicht doch noch kurz einlassen könnte. Für ein kleines Bakschisch von fünf Pfund sind wir dann also erst einmal in der Gartenanlage des Hotels. Aber eben noch nicht in dem Hotel, einem rotbraun gefärbten Bau ganz im Stil der victorianischen Zeit: Um durch die Lobby hindurch auf die Terrasse zu gelangen, müssen wir erst noch am Türsteher vorbei. Auch der verwickelt uns in ein Gespräch, will sehen, was er für uns tun kann, verschwindet dann kurz, kommt zurück – und für ein weiteres Bakschisch können wir nun an der Rezeption unsere Eintrittskarten für jeweils 30 Pfund lösen. Da ist der Nachmittagstee dann gleich mit eingeschlossen.

Von der Terrasse aus blickt man auf ein winziges, grün bewachsenes Eiland, fast eine kleine Bucht und eben auf den Südzipfel von Elephantine, auf ständig an- und ablegende Feluken, ein Bild wie aus einem orientalischen Gemälde. Den besten Blick allerdings hat man nicht einmal von der Terrasse selbst, sondern von dem darunter liegenden Ufergang, an dem nun auch einige Tische und Stühle aufgestellt wurden. Hier versperren auch keine Palme des Hotelgartens mehr das Sichtfeld.

Montag, 22. März 2004: Abu Simbel - Assuan

Die Touristenbusse von Assuan nach Abu Simbel, am südlichen Ausläufer des Nasser-Sees gelegen, starten gegen Vier Uhr früh, fahren im Konvoi. Es sollen insgesamt neun Busse sein, die sich heute auf den Weg machen, aber müde wie wir sind, bekommen wir davon so gut wie nichts mit. Einmal auf der Strecke wird kurz zum Sonnenaufgang gehalten, aber auch die rot aufsteigende Sonne kann mich nicht aus meiner Müdigkeit reißen.

Der Ort Abu Simbel ist ein kleines Städtchen, das auch nicht ansatzweise den Eindruck erweckt, ein Zentrum des Massentourismus zu sein. Die Straßen sind verschlafen, man sieht zwar ein einheimisches Kaffeehaus, eine Polizeistation, aber nicht einmal die sonst so üblichen und unvermeidbaren Andenkengeschäfte. Die Reisenden, die nach Abu Simbel kommen, betreten zwar die Tempelanlage auf einer kleinen Landzunge innerhalb des Nasser-Sees, aber eben nicht den so abgeschiedenen Ort.

Wir halten an der einen Busstation, unser Guide besorgt die Eintrittskarten, während sich an der einzigen Toilette lange Schlangen bilden, machen uns dann auf den Weg um die kahlen Hügel herum.

Hat man die Hügelkette passiert, sieht man plötzlich links zunächst die massigen in den Fels geschlagenen Statuen, die den Eingang zum großen Tempel des Ramses II beschützen, in einiger Entfernung daneben, zu einem anderen gehörend, den Eingang zum etwas kleineren Tempel seiner als göttlich verehrten Gemahlin Neferati.

Nun befinden wir uns allerdings nicht am Originalstandort der beiden Höhlentempel. Der Originalstandort liegt inzwischen in den Tiefen des Nasser-Sees, und um die beiden Tempel zu retten, war es nicht nur nötig, sie einfach auseinander zu nehmen und an anderer Stelle wieder aufzubauen, hier war es nötig, möglichst originalgetreu auch die beiden Felsmassive wieder künstlich zu errichten. Tatsächlich fällt vor allem bei dem Felsen des großen Ramses-Tempels aus, dass er wirklich nicht aus einem Stück besteht, sondern dass hier eine unendliche Zahl einzelner Felsbrocken so zusammen gefügt wurden, dass es wie ein massiver Berg wirkt. Nur die „Nähte“  zwischen den einzelnen „Mauerstücken“ ließen sich nicht ganz verbergen.

Zunächst gehen wir in den kleinen Tempel der Neferati: Hinter dem Eingang steht man zunächst in einer „Säulenhalle“, über und über bemalt mit den Darstellungen aus der Götterwelt wie auch in den anderen Tempeln, hier aber viel kompakter, und auch die Farben, es überwiegt Ocker, scheinen sich besser gehalten zu haben.

Der Tempel des Ramses ist ganz ähnlich aufgebaut, wobei hier die Hallen allerdings etwas größer sind – und der Werg durch die einzelnen Räume schließlich in das Allerheiligste führen, eine kleine Kammer mit den sitzenden Statuen der Gottheiten Pthah, Amun-Re, des Pharao Ramses II und des Re-Harachte. So, wie sich Ramses II hier selbst mit den Göttern gleichsetzen lässt, hatte es vor ihm in der Tat noch kein Pharao gewagt, und sollte es so bald auch kein anderer wieder wagen.

Für den Nicht-Ägyptologen beeindruckender als die detailverliebten Malereien im Inneren des Tempels – sie in Ruhe zu betrachten verbietet ohnehin der nicht abreißende Strom von hinein- und hinaus drängenden Besuchern – ist allerdings die Monumentalität der Anlage selbst, die Ausmaße der sie bewachenden Statuen, die einst majestätisch auf den Nil, nun auf einen ganzen See hinabblicken. 

Zur Mittagszeit sind wir wieder in Assuan auf der MS Pascha, fahren dann am frühen Nachmittag mit einer Feluke auf die Kitchener-Insel, die durch die davor liegende Insel Elephantine bisher unseren Blicken verborgen war. Unsere Feluke muss dafür zunächst die Insel Elephantine umrunden, und dabei passieren wir ganz dicht das Schilfdickicht von Elephantine, fast ein kleiner Dschungel, in dem sich allerlei Wasservögel ihr Domizil gesucht haben.

Auch eine Möglichkeit, sich ein Bakschisch zu verdienen: In winzigen, vermutlich selbst gezimmerten primitiven Booten, die gerade einen kleinen Passagier aufnehmen können, paddeln Kinder heran, hängen sich mit den Händen an die Touristen-Feluken, singen europäische Volkslieder, erwarten dafür einen kleinen Obolus. In den meisten Fällen werden sie aber von den Feluken-Führern gleich wieder verscheucht.

Die Kitchener-Insel ist ein einziger Botanischer Garten mit allen möglichen Bäumen des gesamten afrikanischen Kontinents, ein angenehmer Park für den nachmittäglichen Spaziergang, dazu ein Refugium von Reihern, die hier zu hunderten vor allem auf den Bäumen am Ufer ihre Nester bauen und deren lautes Geschnatter an das Gequake von Fröschen erinnert.

Auf der Rückfahrt erleben wir, wie schwer es ist, eine Feluke zu steuern. Zwischen Kitchner- und Elephantinen-Insel weht nicht der leiseste Windhauch, und der Bootsführer hat keine Möglichkeit, das Boot in eine geeignete Fahrtposition zu bringen. Minutenlang treiben wir wie im Kreis, bis er dann doch den passenden Wind bekommt.

Vor dem Abendessen geht es noch für einen kurzen Sprung auf den Basar. Diesmal laufen wir durch den „touristischeren“ Teil des Marktes, auf dem es aber auch noch das eine oder andere ursprüngliche Handwerk zu entdecken gibt, zum Beispiel eine Werkstatt, in der gebrauchte Blechdosen per Hand recycelt und wieder verschweißt werden.

Dienstag, 23. März 2004: Assuan, Edfu, Esna, Luxor

Irgendwann in der Nacht haben wir Assuan verlassen; als wir aufwachen, liegt die Pascha bereits wieder in Edfu vor Anker. Es ist kurz nach sechs Uhr früh, die Stadt bereitet sich auf die Gäste des Tages vor. Ein Junge badet sein Pferd im Nil, eine Einspänner kutschieren bereits leer herum.

Ein Tag ohne Landgang, ganz und gar auf dem Nil. Am Vormittag sieht man etliche Bauern auf den Feldern unmittelbar am Wasser, doch die Dörfer mit ihren grauen Lehm- und Steinhäusern scheinen wie ausgestorben. Dafür sieht man ständig kleine Fischerboote und auch einige Schiffe, die Stroh geladen haben.

Mittags haben wir Esna erreicht. Zunächst legen wir an, um die Brücke passieren zu können. Die Nil-Brücke von Esna wird auf schließlich immer nur kurz geöffnet, um die Schiffe passieren zu lassen. Bis zum späten Nachmittag warten wir hier, dann haben wir die Brückendurchfahrt hinter uns, müssen nun aber wieder Stunden warten, ehe wir auch die Schleuse hinter uns lassen können um die Fahrt nach Luxor fortzusetzen.

Mittwoch, 24. März 2004: Luxor und Theben-West

Unser letzter Tag der  Nil-Kreuzfahrt beginnt wieder um sechs Uhr.

Noch vor den Besichtigungen des Tages erstatten wir um diese ungewöhnliche Zeit einem der großen Juweliergeschäft von Luxor einen Besuch ab. So, wie man Gewürze am besten in Assuan kaufe, so sei Luxor eben der beste Platz für Gold und Edelsteine, hat Hischam gesagt. Zwar gebe es auch in Luxor nur vier alteingesessene große Familienunternehmen, aber die wären eben in ganz in Ägypten berühmt. Dass sie – angeblich – ihre festen Preise haben, auch nicht unbedingt die billigsten sind, ändert aber eben nichts daran, dass sie die besten sind. Neben den Goldwaren und losen Edelsteinen entdecken wir eine Abteilung für nubisches Kristall, von dem wir dann auch eine Figur kaufen.

Über die neue Nil-Brücke geht es kurz nach sieben Uhr dann nach Theben-West, zum Tal der Könige, zunächst einmal zum Tempel der Hatschepsut. Auf dem Weg dahin passieren wir grüne Felder, kleine Dörfer und immer wieder die Seitenkanäle des Nil, die schnurgerade durch die Landschaft gezogen sind.

Aus der Ferne betrachtet hält man den Hatschepsut-Tempel nicht unbedingt für ein antikes Bauwerk. Was da an mit seinen drei über Rampen erreichbaren Terrassen einsam an den Fels geschmiegt steht, könnte, aus der Ferne betrachtet, auch ein Kraftwerk oder ein anderes Monument der Moderne sein.

Trotz dieses Irrtums: Ein wesentliches Element des Tempels kann man nu aus der Ferne entdecken, vom äußersten Rand des Vorplatzes: Der Tempel der Hatschepsut liegt genau in der Mitte eines Felsmassivs, das einen fast exakten Halbkreis bildet. Nun, mit dem Tempel in der Mitte, wird der Fels zu den ausgebreiteten Schwingen eines Falken oder des Horus, der Tempel selbst zum Falkenkopf.

Die Wandbemalungen auf den einzelnen Terrassen des Tempels sind, vor allem, was die Farben betrifft, erstaunlich gut erhalten. Und auch, wenn der Hatschepsut-Tempel nicht größer als die anderen Tempel sein dürfte, wirkt er durch die offenen Terrassen viel weitläufiger als die anderen Anlagen, die wir bisher gesehen haben, zumal man von ihm aus einen ungetrübten Rundblick über das Nil-Tal genießt, wobei der Nil selbst nun noch im Dunst des Morgens liegt.

Mit dem Bus – gut ausgebaute Verbindungsstraßen führen zu den einzelnen Sehenswürdigkeiten – geht es nun hinüber zum Tal der Könige. Die Touristengruppen treffen sich hier an einem kleinen Hauptplatz gegenüber dem unscheinbaren Hügel, unter dem das Grab des Pharao Ramses VI liegt. Drei Grabbesichtigungen sind im Eintrittspreis für das Tal der Könige inbegriffen, das Grab des Ramses VI gilt dabei als das, was alle wesentlichen Merkmale eines Pharaonen-Grabes vereinigt.

In den Fels hineingehauen führt ein gerader Tunnel in einer leichten Schräge hinab. Die Wände links und rechts wie auch die Decke sind mit den Symbolen aus dem ägyptischen Totenbuch bemalt, die Farben dabei so frisch, als wären sie erst in jüngster Zeit aufgetragen worden, die einzelnen Szenen, zu denen sich die Bilder vereinigen, von absoluter Detailverliebtheit. Auffällig, was ich bisher noch an keinem anderen Tempel entdeckt habe: Kleine Figuren mit gespaltenen Unterarmen.

Der Gang führt schließlich nach rund 150 Schritten zu der unterirdischen Hale mit dem Sarkophag des Pharao, links und rechts davon noch zwei kleinere Kammern. Hier länger zu stehen ist jedoch unmöglich: Der ununterbrochene Besucherstrom drängt jeden nach kurzer Zeit wieder auf den Weg zurück in die Oberwelt.

Erbaut wurden diese Gräber von qualifizierten Handwerkern, die in ihren eigenen Dörfern lebten, erzählt Hischam, die hier auch ihre eigenen Grabfelder anlegten – und in der Nähe des Grabfeldes der Arbeiter liegt heute Kurna, jenes Dorf, das Hischam als das „Alabaster-Dorf“ bezeichnet, ein Dorf, in dem die Nachfahren der alten Grab-Arbeiter leben würden, die hier nun die Tradition der Alabasterverarbeitung am Leben erhalten würden. 57 Werkstätten, erkennbar an den bunt bemalten Fassaden, gibt es in diesem sonst durchaus ländlichen Dorf mit Ziegenställen und Eselkarren, aber für Ägypten eben durch die Werkstätten doch einmalig.

Eine dieser Werkstätten, verbunden natürlich mit einem größeren Laden, besuchen wir nun. Sowohl die in den Andenkengeschäften allgegenwärtigen Sphinxen und Pyramiden als auch die fast durchsichtigen Vasen werden hier tatsächlich in echter Handarbeit hergestellt. Mit Hammer und Meißel werden die fast weißen Alabasterbrocken zur gewünschten Form geschlagen, dann mit immer feineren Werkzeugen immer bearbeitet und poliert, bis das gewünschte Resultat fertig ist.

Der Tempel von Ramses III, unsere nächste Etappe, erinnert teilweise an eine Festung, hat aber auch Züge eines Palastes. Es gibt die Säulenhallen wie in den anderen Tempelanlagen, an den Wänden aber auch Darstellungen aus dem Alltagsleben, beispielsweise von sportlichen Ringkämpfen und natürlich den militärischen Siegen des Pharao über Nubier, Lybier und Asiaten. Herausragendstes Relief im Tempel ist aber zweifellos an einer der Außenfassaden die Darstellung einer Jagdszene, bei der der Pharao drei Hirsche erlegt. Und fast allen Darstellungen in diesem Tempel, der eben auch Garnison und teilweise Wohnort des Pharao war, ist gemeinsam: Die Reliefs sind rund 15 Zentimeter tief eingemeißelt. Damit wollte der Pharao verhindern, dass die Nachfolger „seine“ Darstellungen löschen lassen, um sich dann auf den wieder freien Flächen selbst zu verewigen.

Ein Denkmal frühchristlicher „Baukunst“ findet sich unterdessen im hinteren Teil des Tempels: Hier wurden die Säulen bis auf ihre Sockel einfach abgesägt, weil sie der christlichen Kirche schlicht im Wege waren.

Durch die kleinen Dörfer an den Kanälen des Nil geht es vorbei an den Memnon-Kolossen, den beiden sitzenden Monumentalfiguren, die ganz West-Theben zu bewachen scheinen, geht es nun wieder zurück nach Luxor.

Nach dem Mittagessen werden wir zur „Stadtrundfahrt“ abgeholt. Die Stadtrundfahrt bringt uns dabei allerdings nur bis dem Platz hinter den Luxor-Tempel, von wo es nun zu Fuß über die Basar-Straße geht. Die recht kurze Straße führt zu einem recht hübschen Platz mit einem Straßenkaffee, wo wir uns an mehreren Wasserpfeifen versuchen. Geraucht wird dabei kein Tabak, sondern verschiedene Fruchtstoffe. Der Rauch, den ich inhaliere, erinnert jedenfalls stark an dem Geschmack von Äpfeln.

Als Höhepunkt eines jeden Luxor-Aufenthaltes gilt ein Besuch der Ton-Licht-Show von Karnak. Die deutschsprachige Vorstellung beginnt heute um 18.30 Uhr, dauert ungefähr eine Stunde und 20 Minuten. Die Besucher sammeln sich dicht gedrängt vor dem ersten Pylon an der Widder-Allee, warten darauf, dass das Spektakel nach Einbruch der kurzen Dämmerung mit einem Gong-Schlag beginnt. Zu Fanfarenklängen lassen die begleitenden Texte dann das alte Ägypten Stück für Stück lebendig werden, wobei jeder einzelne Pharao mit „seinen“ Worten davon erzählt, welchen Obelisk, welche Halle er dem Bauwerk hinzu gefügt hat, um dem Gott Amun die Ehre zu erweisen und sich selbst dabei ein Denkmal für die Ewigkeit zu setzen.

Während dieser Erklärungen schiebt sich der Tross von Säulenhalle zu Säulenhalle, bis er schließlich den Heiligen See erreicht hat und wenigstens ein Teil der Besucher auf der Tribüne einen Sitzplatz findet. Doch ein Großteil der Besucher muss das Finale der Show stehend erleben. Von der Tribüne aus überblickt man die in immer neuen Facetten angestrahlte nördliche Fassade des gewaltigen Tempels, sieht dahinter die Lichter von Luxor, während die Sprecher die Geschichte und Geschichten von den Festen zur Nil-Schwemme, vom Leben im Tempel und schließlich von den antiken Eroberern erzählen bis hin zu den Römern, die hier eintrafen, als Luxor schon fast völlig verlassen war, der bereits damals uralte Tempel sich zur Ruine verwandelt hatte. 

Donnerstag, 25. März 2004: Luxor – Sharm el-Sheik

Gemessen an der Entfernung, die wir für unsere Anreise nach Luxor zurück legten, ist die Entfernung zwischen Luxor und Sharm el-Sheik am Südzipfel des Sinai lächerlich gering. In Zeit gerechnet fällt der Kilometerunterschied dagegen nicht so sehr ins Gewicht.

Unser Flug geht zwar erst gegen 15 Uhr, aber schon kurz nach 11 Uhr werden wir von der Pascha abgeholt. Auch bei Inlandflügen gilt in Ägypten: Man muss drei Stunden früher am Flughafen sein. Dabei sind die Sicherheitskontrollen nicht wirklich schärfer als etwa auf deutschen Flughäfen, dauern – wenn man das Glück einer zügigen Abfertigung hat – auch nicht wirklich länger. Also sitzen wir drei Stunden auf dem Airport und warten, dass es endlich weiter geht.

Der Flug selbst dauert dann nicht einmal eine halbe Stunde. Die Korallenriffbänke vor dem buchtenreichen Südzipfel vom Sinai sind auch aus der Luft nicht zu übersehen. Dazu gibt es kleinere und größere Inseln, die meisten kahl wie eine Sandbank. Und überall haben die Tauchboote fest gemacht.

Was man von oben von der Stadt Sharm el-Sheik sieht: Gerade Straßen entlang der Küste, links und rechts wie Perlen an einer Schnur aufgereiht die Urlaubsanlagen.

Das Motto des Tages heißt auch weiterhin: Warten. Eine Stunde sitzen wir in dem Kleinbus, der uns zum Hilton Sharm Dreams Ressort bringen soll, bis auch der letzte Koffer verstaut, der letzte Reisende untergebracht ist. Die Anlage ist zwar nur 20 Minuten vom Flughafen entfernt, aber dort müssen wir dann wieder warten, um auch ordnungsgemäß einchecken zu können. Es ist bereits 19 Uhr durch, als wir in unserem Appartement am Rand des Hilton Sharm Dreams angekommen sind. 

Freitag, 26. März 2004: Sharm el-Sheik – Na’ama-Bay

Unser Hotel liegt an der Na’ama-Bay, laut Reiseleitung rund sieben Kilometer vom „Old Market“, dem alten Zentrum von Sharm el-Sheik entfernt, falls man bei dieser gut 15 Kilometer Ansammlung von Ferienanlagen überhaupt von einem Orts- oder Stadtzentrum sprechen kann. Um zum Strand zu gelangen, müssen wir die Küstenstraße, die „Peace Road“ überqueren, am Hilton Fayruz vorbei, sind dann aber an dem hoteleigenen Strandabschnitt.

Die Na’ama-Bay ist eine doch recht breite Bucht, auf ihren beiden Seiten von Hügeln umschlossen – und ihr Strand wird bis auf den letzten Quadratzentimeter als Badestrand genutzt. Rund um die Bucht steht ein Hotel neben dem anderen, ausschließlich aus mehreren Komplexen bestehende große Anlagen.

Den Tag über verbringen wir am Strand, schlendern am Abend über die Strandpromenade und durch die „Shopping-Meile“, die „King of Bahrein-Street“:  In beiden herrscht ein Gewimmel von Menschen; Sharm el-Sheik ist voll von Touristen.

Samstag, 27. März 2004: Sharm el-Sheik – Na’ama-Bay, Hausriff, Old Market

Am Vor- wie auch am Nachmittag unternehme ich jeweils einen Tauchgang am Hausriff der Na’ama-Bay, über den Strand vor dem beim Hilton Fayruz liegenden Sinaidivers-Center aus erreichbar.

Beim ersten Tauchgang entdecken wir einen noch „kleinen“ Napoleonfisch von einer Länge von vielleicht 75 Zentimetern, beim zweiten Tauchgang treffen wir, alles in einer Tiefe von rund 15 Metern, zum einen den „Baby-Napoleon“ wieder, kurz darauf aber auch auf einen ausgewachsenen Napoleon von mindestens 150 Zentimetern Länge, dazu auf einen Zackenbarsch, der dem Napoleon in Größe nicht nachsteht. Gegen Ende unseres Tauchganges sehen wir, versteckt in einer Mulde zwischen den Korallen, einen Krokodilfisch.

All das spielt sich keine hundert Meter vom Strand entfernt ab, tummeln sich an der Oberfläche die Badegäste, Schwimmer und Schnorchler und Boote ganz in unserer Nähe. Das ist aber wohl auch der Grund, warum man am Hausriff überall auf di Reste der Zivilisation stößt, hier auf achtlos ins Wasser geworfene Zigarettenfilter.  

Am Abend nehmen wir ein Sammeltaxi, um damit zum Preis von zwei Pfund pro Person zum „Old Market“ zu fahren. Die Bezeichnung „Old“ ist dabei relativ: Auch dieser Teil von Sharm el-Sheik entstand erst nach der israelischen Besatzung, ist also noch keine 30 Jahre alt. Der Old Market selbst ist ein rechteckiger Platz mit allen möglichen Andenkengeschäften, „Museen“ für Papyrus, Kristallen oder vermeintlichen Antiquitäten, gesprochen wird hier arabisch nicht öfter als russisch oder englisch, aber die Straßen, die vom Markt abgehen, gehören bereits zum „Einheimischenviertel“: Die Häuser sind zweistöckig, im ersten Stock auch hier ein, nun allerdings von Einheimischen besuchtes Kaffee oder Geschäft, darüber dann die Wohnungen. Die Straßen sind etwas breiter als dies sonst in ägyptischen „Altstädten“ üblich ist – aber gemessen an den anderen Teilen von Sharm el-Sheik ist das hier wohl die wirkliche Altstadt.

Sonntag, 28. März 2004: Sharm el-Sheik, Ras Caty und Middle Garden

Vom Jetty genannten Hafen sticht unser Tauchboot kurz nach neun Uhr Richtung Süden in See zum Ras Caty, dem „letzten“ Tauchplatz vor dem Nationalpark Ras Mohammed.

Südlich der Na’ama-Bay herrscht felsige Steilküste vor, wobei bei den einzelnen Hotelanlagen hier kleine Badebuchten in den Fels geschlagen oder gesprengt wurden.

Auch vor Ras Caty haben wir felsige Steilküste, wobei bereits eine dichte, bis knapp an die Wasseroberfläche reichende Korallenbank unmittelbar vor den Uferfelsen hochgewachsen ist. Dann fällt, unterbrochen von Sandschneisen, die Korallenbank etwa ab einer Tiefe von 13 Metern flach, wobei sich an mehreren Stellen hochgewachsene Korallenfelsen erheben. Beherrscht wird diese Unterwasserlandschaft von großen lilanen Falterfischen, dazu gibt es etliche Papageienfische und schließlich sehen wir auch einige bräunliche Rotfeuerfische.

Unser nachmittäglicher Tauchplatz nennt sich Middle Garden, liegt an der Shark Bay – wobei wir hier allerdings keinen Hai zu sehen bekommen. Allerdings ist die Sicht auch nicht besonders gut. Wir tauchen gegen die leichte Strömung die Riffkante entlang, unter uns fällt das Riff dann steil ab. So tief soll es hier zwar nicht sein, aber wir können nur das undurchdringliche Blau sehen. An der Riffkante tummeln sich Falter- und Rotfeuerfische.

Montag, 29. März 2004: Sharm el-Sheik, Na’ama-Bay 

Vor unserem Ausflug auf den Mosesberg und zum Katharinenkloster legen wir einen Ruhetag ein, den wir vor allem am Strand des Hilton verbringen.

Dienstag, 30. März 2004: Gebel Musa (Mosesberg), Katharinenkloster

Unser Nachtmarsch auf den Gebel Musa oder auch Berg Sinai, bekannt vor allem aber als Mosesberg beginnt kurz nach 2.30 Uhr morgens. Um 10.00 Uhr waren wir am Abend zuvor von unserem Hotel abgeholt worden, und auf der Fahrt hatte uns Hasil, unser Tourenführer, gefragt, ob wir Christen wären und ob wir die Fahrt zum Mosesberg als Pilgerfahrt unternehmen würden. Die tiefere Bedeutung dieser Frage war uns auf der Busfahrt allerdings noch gar nicht richtig klar.

An einer Polizeistation kurz vor unserem Ziel werden die Passnummern kontrolliert, dann geht es noch ein kurzes Stück mit dem Bus weiter, vorbei an neu entstandenen Hotels, dann haben wir den Ausgangspunkt unseres Marsches erreicht.

Mit unseren Taschenlampen laufen wir über einen Weg, der so etwas wie eine ungepflasterte Dorfstraße sein könnte, links und rechts erkennt man die dunklen gezackten Umrisse der umliegenden Berge. Dann stehen wir vor den Mauern des Katharinenklosters. Hier am Klostereingang wollen wir uns, falls sich die Gruppe verliert, wieder um 8.30 Uhr wieder treffen. Nun beginnt der eigentliche Marsch zum Gipfel des Berges, auf dem Moses die zehn Gebote empfangen haben soll..

Der Weg, den wir nehmen, soll die bequemere von zwei möglichen Aufstiegsvarianten sein. Tatsächlich handelt es sich wirklich um einen gangbaren Weg, der sich an den Höhen vorbei schlängelt, zunächst auch gar nicht all zu steil. Noch will niemand auf das Angebot der wartenden Beduinen, für 50 Pfund auf dem Kamel bis zu den letzten 750 Stufen vor dem eigentlichen Gipfel gebracht zu werden, eingehen. Und noch sieht unser Wanderzug mit seinen Taschenlampen aus wie eine lang gezogene Lichterprozession auf einem einsamen Pfad unter einem klaren Himmel voller glitzernder Sterne.

Doch nach und nach verstummen alle Gespräche, hört man nur noch das monotone Knirschen unserer Schritte auf Sand und Geröll. Immer öfter werden wir von Kameltreibern überholt, die die ersten Touristen auf ihre Wüstenschiffe geladen haben. Der Weg wird steiler, enger, und die Frage, ob wir uns auf einer Pilgerfahrt befinden, bekommt jetzt einen ganz konkreten Sinn. Für ungeübte Bergsteiger wird diese Tour irgendwann zum Leidensweg.

Dabei unternehmen die hier lebenden Beduinen einiges, den müden Wanderern das Leiden zu erleichtern. Auf der etwa zehn Kilometer langen Strecke haben sie einige Camps eingerichtet, einfache, offene Steinhütten, in denen sie Tee und auch kalte Getränke verkaufen. Doch Pausen von mehr als fünf Minuten lässt Hasil nicht zu. Zum Sonnenaufgang will er all seine Gäste auf dem Gipfel haben.

Vor fünf Uhr sind wir an der letzten von den Beduinen betriebenen Berghütte angelangt, der Endstation der Kamele, die hier zu vielleicht zwei Dutzend lagern. Wer noch weiter ganz auf den Gipfel will, muss sich nun ganz auf die eigenen Füße verlassen. Doch ich bin zu erschöpft, um noch weiter zu laufen. Den Sonnenaufgang könne man von hier jedenfalls genau so gut sehen wie vom Gipfel, sagt der Beduine, der uns hier den heißen Tee einschenkt – und der Mann hat absolut Recht.

Die Dämmerung dauert vielleicht 20 Minuten, und es ist praktisch schon hell, als die rote Sonne im Osten  aufsteigt. Aber über den kahlen Bergen des Sinai ist es diesig, so dass dieser Sonnenaufgang nicht seine volle Kraft entfalten kann.

Wir machen uns an den Abstieg und merken schon bald, warum man den Mosesberg am besten in der Nacht besteigt. Nun, bei Tageslicht, sieht man zwar erstmals die ganze nackte Schönheit dieser Felslandschaft, in der nur ab und ein magerer Busch wächst, in der das Gezwitscher der Vögel das einzige Geräusch ist, aber dafür spürt man auch schon bald die durch keinen Schatten gemilderte Hitze.

Endlich tauchen dann, noch ganz klein, die Mauern des Katharinenklosters auf. Wir haben unser letztes Etappenziel vor Augen.

Um 8.30 Uhr sammeln sich die Touristenscharen auf dem Platz vor dem kleinen Klostertor, warten auf den Einlass. Doch das Eisentor wird auch keine einzige Sekunde vor 9 Uhr geöffnet, und dann wollen alle gleichzeitig durch den schmalen Eingang, der einen eigenen Raum in dem mehrere Meter dicken Mauerwerk bildet, drängeln.

So mächtig das aus dem 6. Jahrhundert stammende Kloster von außen auch wirkt, so klein erscheint es nun von innen. Das liegt nur zum Teil daran, dass die engen Wege innerhalb des Klosters nun mit Besuchern überfüllt ist, das liegt vor allem daran, dass das Innere total verbaut ist, zwischen den einzelnen Bauteilen – einige ehemalige Wohnbauten sind dabei schon stark zerfallen – kaum Platz gelassen ist. So gibt es hier beispielsweise nicht nur einen aus der byzantinischen Zeit stammenden Kirchenbau, sondern sogar eine kleine Moschee. Das zur Besichtigung frei gegebene Kirchenschiff – ein schwarz gekleideter bärtiger Mönch achtet hier streng auf die Einhaltung des Sprechverbotes – ist an den Wänden mit einer Unzahl von Ikonen geschmückt.

Seine Existenz verdankt das Kloster dem Dornenbusch neben der Kirche, angeblich der „brennende Dornenbusch“ aus der Bibel, durch den Gott zu Moses gesprochen haben soll. Durch die Mitte des grünen Busches zieht sich tatsächlich ein grauer Streifen, so, als wäre er von Brandspuren gezeichnet.

Ganz in der Nähe des Klosters, schon wieder im Bus sitzend, passieren wir einen Platz, der als der Ort bezeichnet wird, an dem die Israeliten während der Wanderung von Moses auf den Sinaiberg um das „Goldene Kalb“ getanzt sein sollen. Eine der in der Sonne golden schillernde Steinformationen habe ganz die Form eines Kalbes, heißt es. Glaube und Einbildungskraft gehen hier aber wohl eindeutig vor Sehvermögen.

Gegen 14 Uhr sind wir wieder in Sharm el-Sheik, versuchen den Rest des Tages, uns von den Strapazen zu erholen.

Mittwoch, 31. März 2004: Sharm el-Sheik, Tempel und Near Garden

Den letzten vollen Reisetag verbringe ich noch einmal unter Wasser. Weil der ägyptische Staatspräsident Mubarak gerade in Sharm el-Sheik andere arabische Staatschefs empfängt, sind einige Tauchplätze gesperrt, werden die Tauchboote vor dem Auslaufen aus dem Hafen Jetty alle von der Polizei kontrolliert. Das beschränkt sich allerdings auf eine Überprüfung der Passnummern der an Bord befindlichen Touristen, nur ab und an werden stichprobenartig auch einige der Pässe kontrolliert. Von unserem Boot will die Polizei dabei nur einen Pass sehen – nämlich meinen.

Wir steuern den „Tempel“ genannten Tauchplatz an, der Tauchplatz, der unmittelbar vor Ras Caty liegt. Die Wasseroberfläche on „Tempel“ erinnert momentan aber eher an eine Müllhalde: Auf dem Wasser schwimmen etliche Plastiktüten und anderer Abfall.

Der Tauchplatz verdankt seinen Namen den Korallensäulen, die hier vom Grund wie in den altägyptischen Tempeln bis fast an die Oberfläche gewachsen sind. Dabei gilt die Faustregel: Im unteren Bereich sind die Korallen teilweise zerstört, aber je näher sie sich an der Oberfläche befinden, desto lebendiger und farbenfroher sind sie erhalten. An einer dieser „Säulen“ entdecke ich einen Napoleonfisch von über einem Meter Länge, überall stößt man auf Papageien- und Falterfische. An einer Stelle des Tempels gibt es einen „Tunnel“ durch einen größeren Korallenblock, gleich daneben eine Fächerkoralle von wahrhaft riesigen Ausmaßen.

Am Nachmittag tauchen wir in Near Garden. Auch hier gibt es wieder zahlreiche Fächerkorallen, die zusammen mit den anderen Korallen teilweise wie Salatblätter aussehen. Wir sehen eine große Mördermuschel, entdecken einen kräftigen Barsch und natürlich wieder Papageien- und Falterfische.

Donnerstag, 1. April 2004: Sharm el-Sheik

Gegen 12 Uhr sind wir auf dem Flughafen, um 15 Uhr soll unsere Maschine nach München gehen. Es scheint, als ob alle Maschinen des Tages hier gleichzeitig abgefertigt werden. Jedenfalls herrscht auf dem Airport sowohl an den Sicherheitskontrollen wie auch im Duty-free-Shop ein Gedränge und auch ein Chaos wie bei einem Schlussverkauf.

Mit einer Stunde Verspätung kann unsere Maschine dann aber doch abheben.

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